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Jobann (öcikbard frcibcrr von Valvasor,
der Candscbaft in Krain I^auptmann und flQitglicd der königlich
cnglisd)cn Socictät (Royal Society) in Condon
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Johann Weikhard
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Freiherr pon Valpasor
(geb. 1641, gesL 1603)
mit 5 Porträts und 15 anderen Abbildungen; samt Anhang, üachtrag
und der Genealogie der Familie Valuasor
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Pon P« pon Radics
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[laibach 1010
Verlag der Krainisdien Sparkasse • Druck uon 3g. u. Kleinmayr & Fed. Bamberg.
Alle Rechte vorbehalten.
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Inhalt.
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llcrzcid)ni$ der Porträts und Abbildungen V
Zur 6infübrung VII
Uorwort IX
Der erste Ualvasor in Krain — Johann Baptist Ualvasor 1
Rieronytuus Ualvasor und dessen Gemahlin JIgnes von Scbeyer, die 6rofKltern
3obann UJeikbards 13
Die eitern Jobann lUeikbards: Bartbolomäus von Ualvasor und Bnna niaria
geb. Rauber von Kreutberg 21
Rerr Bartbolomäus von Ualvasor als IHlitglied der krainiscben Candscbaft . . 25
3obann CUeikbard Jreiberr von Ualvasor — Geburt, Geburtsbaus 55
Studienjahre 60
€rinnerungen aus dieser Zeit 64
Studienreisen und erste CUaffentaten 67
Uermäblung und Jamilie 80
Jfnkauf von lUagensberg, Cicbtenberg und Scbwarzenbacb 83
Jorscbungsreisen 91
Die Sammlungen auf Scblol3 CUagensberg 97
Bibliothek 98
Sammlung mathematischer Instrumente 102
münzkabinett , . 103
Saiutulung von rHineralien 104
Ualvasors Erscheinung und CUesen ' 105
Ualvasor und die Daturkunde 121
Ualvasor und die Alchimie 125
Stellung zu Ceufel und Rexen 130
Ualvasor und die Künste - selbst Künstler 137
Die THarienstatue in Caibach, Ualvasors CUerk 141
Ualvasor als Gründer des Feingusses 145
Ualvasors Stellung zur Hlusik 147
ein technisches Projekt (Cunnel am Jube des Coibl) 150
Ausgabe der ersten ÜJerke:
Passionsbüd)lein 167Q 152
Copographia Carnioliae modernae I67Q 155
Ovids llletamorphosen 1680 158
Aufruf an seine Candsleute behufs Verausgabe der „Ghre des Herzogtums Krain" 164
l)ausankauf in Caibach 1^7
L
'S) IV ■©
Das erscheinen weiterer lUerke : Seite
Copoijraphi'i flrchiducatus Carintbiae niodernae 16$1 171
Copoijrapbia Carinthiae Salisburcjensis lÖSl 172
Cbeatruni mortis butnanac tripartituni 1682 174
Ualvasors Kriegszug getjcn die Cürken nacb Steiermark 1683 185
CUicdcraufnabnie der literarischen Cätigkeit 194
Cod der ersten 6eniahlin und ÜJiederverbeiratung 197
initglied der Königlidi Englischen Sozietät Royal Society in Condon 16$7 . . . 200
Copographia JIrchiducatus Carintbiae antiquae et tnodernae conipleta 16$$ . . . 209
Die €hre des Herzogtums Krain 16$9:
üalvasor als Historiker 215
erstes fachmännisches Urteil über Ualvasors „ehre des Herzogtums Krain" in den
„Acta eruditorum" in Ceipzig 16$9 242
Ualvasors letzte Cebenstage:
Cod — Beisetzung in der Familiengruft auf Schloß 6alleneck 1693 245
Uerlassenschaft 250
Denkmäler für Üalvasor 253
Jlnhang: JIus dem Cestamente des Johann Baptist Üalvasor 15$1 259
Supplik der Jrau JInna IDaria Ualvasorin und ihrer Schwester geb. Jreiinnen
von Rauber an Seine IDajestät und deren erledigung 1639 .... 263
Briefe Johann Uleikhard Ualvasors an die Royal Society I6$0 bis 16$$:
Über seine erfindung des Feingusses 267
Beschreibung des Zirknitzer Sees 272
erfindung des Feingusses, Bericht an die Royal Society I6$7 .... 299
Übersetzung ins englische 303
Heiratsabrede des ]ohann Uleikhard Freiherrn von Üalvasor mit JInna
maximilla Freiin von Zetsd)ker 20. Juli 16$7 307
Inventarien über den llachlab des Johann ÜJeikhard Freiherrn von
Üalvasor 1693 310
nachtrag 335
Genealogie der Herren und Freiherren von Üalvasor in Krain 343
Porträts und Abbildungen,
Porträt des 3obann (Ueikbard Jreiberrn von üalvasor (aus dessen „Gbrc des Herzogtums
Krain) (Citelbild).
Porträt der ersten ßemablin des ersten üalvasor, Jobann Baptist Uavasor, in Krain,
emerentia Uavasor de ßalleneck geb. von Kbisel (zu Seite 9).
Porträt der ßrol^mutter 3obann ÜJeikbards Jreiberrn von Ualvasor, Hgnes geb. von
Scbeyer (zu Seite 10).
Porträt des üaters Jobann ÜJeikbards, Bartboloniäus von Ualvasor (zu Seite 23).
Porträt der Hlutter 3obann Cüeikbards, flnna TDaria geb. Jreiin von Rauber (zu Seite 23).
(Diese letztangefübrten vier Porträts Reproduktionen des pbotograpbiscben Ateliers
5^. mayer in Graz nacb den lebensgro(Kn Ölgemälden, vorber im Baron Cüalters» 'j|
kircbenscben Scblosse Plankenwartb in Steiermark, gegenwärtig u.a. als ßescbenk
des beutigen Besitzers des genannten Scblosses, Rerrn Advokaten Dr. ülattbias Rudnik
in Caibacb, im IDuseum Rudolfinum.)
3obann ÜJeikbard üalvasors Uäterscblol^ 0a11eneck in Oberkrain (nacb einer im Besitze
der Iran 3osefine Stedry geb. Prascbniker befindlicben, dem üerfasser freundlicbst
mitgeteilten Pbotograpbie) (zu Seite 15).
3obann UJeikbard üalvasors ßeburtsbaus in Caibacb (nacb dem vom lüiener aka-
demiscben THaler vyeil. Rerrn Konrad Grefe aus der „Gbre des Herzogtums Krain" — "tc
Panorama von Caibacb — in vergröbertem niat3Stabe bergestellten Aquarell) (zu Seite 5S). -*^
3unge Kavaliere des 17. 3abrbunderts auf Reisen (nacb einem Kupferstieb von ÜJoIfgang ^
Kilian in des krainiscben landscbaftlicl)en Beamten von Sietzenbeimb Zuditspiegel <©
der adelicben 3»9^"d) (zu Seite 69). Pbotograpbisd)es Atelier Candau, beute Uiktor P
in Caibacb. C^:
3obann ÜJeikbard üalvasors Scblob (üagensberg in ünterkrain, beute fürstlicb Rugo
ÜJindiscbgrätzscber Besitz, Reproduktion nacb der „€bre des Herzogtums Krain"
(zu Seite $2 und $3).
Die üalvasorstube auf Scblob Cüagensberg (siebe Cextseite $4). Pbotograpbiscbes Atelier
Candau, beute Uiktor in Caibacb.
3obann Oleikbard üalvasors Cüappen als „Gx libris" (siebe Cextseite 102). Pboto-
grapbiscbes Atelier Candau, beute Uiktor in Caibacb.
messung mit dem Astrolabium (zu Seite 92). Pbotograpbiscbes Atelier Candau, beute
Uiktor in Caibacb.
Die von 3obann ÜJeikbard ^reiberrn von Ualvasor im Auftrage der krainiscben Cand-
scbaft modellierte IDarienstatue auf dem St. 3akobsplatze in Caibacb (zu Seite 141).
(Jür den üerfasser freundlicbst aufgenommen von den Herren weil. 3- Seunig, Haus-
besitzer und Cederbändler, und übald von Crnköczy, Apotbeker und Hausbesitzer
in Caibacb.)
'S) VI ^
Cüidmiuu^sblatt und zwei Szeneji aus Johann CUeikbard üalvasors Husgabc der
Illustrationen zu Ovids metaniorpbosen (zu den Seiten 15$, 160 und 162). Pboto-
grapbiscbcs Jltelier weil. ]. Kotar in Caibacb.
CüidtnuMijsblatt aus Johann CUeikbard Ualvasors Copograpbia 0arintbiae Salisburgensis
(zu Seite 172). Photographischcs Jltelier Candau, heute Uiktor in Caibacb.
Jlltar itn ehemals Freiherr Zetschkerschen, heute Ritter von Scboepplscben Schlosse
Jreihof in ünterkrain (zu Seite 19$). 5^iir den Uerfasser freundlichst photographisch
bei Blitzlid^t aufgenommen vom Rerrn k. k. Candesschulinspektor und üorstand der
Caibacl)cr Erdbebenwarte flibin Belar.
Sterbebaus des Johann CUeikbard Jreiherrn von llalvasor in ßurkfeld (zu Seite 246).
5ür den Uerfasser freundlichst aufgenommen vom Rerrn Adolf Brabetz, k. u.k. IDilitär-
verpflegsvervvalter.
Pan. Erklärung zu Johann CUeikbard Üalvasors Erfindung des Feingusses (siehe Anhang).
Pbotograpbiscl)e$ Atelier weil. J. Kotar in Caibacb.
Zur Einführung.
wir haben seit Jahren die Forschungen des heimatlichen Schriftstellers
Rerrn Peter von Radics für eine Cebensbeschreibung üalvasors gefördert
und unterstützt. l)iebei lie(3en wir uns von der Erwägung leiten, dal5 eine
umfassende Biographie des Uerfassers der „€hre des Herzogtums Krain"
eine empfindliche Cücke in der historischen Literatur unseres engeren l)eimat--
landes ausfüllen werde und da(5 für die Behandlung dieses Gegenstandes
sicherlich niemand geeigneter sei, als Rerr Peter von Radics, der die Er-
forschung des Cebens und (üirkens üalvasors seit einem nienschenalter
zu seinem besonderen Studiengebiete erwählt hatte.
Im Jlugust 190S lag die l)andschrift abgeschlossen vor und es handelte
sich nun um deren Drucklegung. Bei dem geringen Jlbsatze, welchen be--
kanntlich üeröffentlichungen finden, die sich mit unserem Cande befassen,
war nicht anzunehmen, dat^ sich für das lüerk ein Uerleger interessieren
werde. Gs lag daher die Gefahr nahe, dat5 die 5^rucht der jahrelangen
Tätigkeit eines ebenso emsigen als gewissenhaften 5^orschers als IDanu--
skript vermodern werde.
(Dir beschlossen daher, das (üerk, bei dem wir gewisserma(5en Paten--
stelle bekleideten, auch fürderhin in unseren Schutz zu nehmen und dessen ^
Druckkosten zu bestreiten, um es Unterrichtsanstalten und öffentlichen ^
Büchereien unentgeltlich zuwenden zu können.
Damit wollen wir das Andenken eines edlen und selbstlosen um die
Erforschung der Datur und Geschichte Krains hochverdienten [Dannes, der
ebensogut die 5^eder zur Ehr' als das Schwert zur CUehr unserer l)eimat
zu führen verstand, ehren und seinen IDanen eine längst fällige Dankes--
schuld abstatten.
Caibacb, im Oktober 1909.
Direktion der Krainiscben Sparkasse.
Vorwort
Indem ich die Biographie unseres berühmten beimatlicben Gelehrten,
5^or$cber$ und Schriftstellers 3ohann CUeikhard, Ireiherrn von Ualvasor,
der Öffentlichkeit übergebe, habe ich dieser auf Grund vieljähriger und,
ich darf wohl sagen, oft recht mühevoller Uorarbeiten nun — - soweit dies
überhaupt von einem Hlenschenwerke behauptet werden kann — er--
schöpfenden Studie nur wenige Cüorte vorauszusenden.
Uor allem ist es mir eine, eben bei dieser meiner Arbeit doppelt
dringliche Pflicht, jener maf^gebenden 5^aktoren dankbarst Erwähnung zu \
tun, welche mich im Einblicke auf den patriotischen Zweck, im l)inblid<e s
auf die unvergänglichen Uerdienste unseres Ualvasor zur Forschung über Z
dessen Cebensgang und Cüirken in wahrhaft munifizenter (Ueise unter-- -
stützt und gefördert haben. 5
€s gebührt solcher Dank in erster Reihe dem k. k. Hlinisterium für i
Kultus und Unterricht und der k. k. Candesregierung für Krain, dem .
krainischen Candesausschusse, der krainischen Sparkasse --Direktion, der ;
Stadtgemeinde Eaibach, von denen allen mir wiederholt Subventionen für
meine 5^orschungen und 5^orschungsreisen zuteil geworden sowie für i
besonders freundliche 5^örderung zu letzteren der Generaldirektion der
k. k. priv. Südbahn-ßesellschaft.
Besonderer Dank gebührt ferner auch den Uorständen jener wissen^
schaftlichen Institute des In-- und Jluslandes, die mich durch die liberalste
mitteilung von 5^orschung$behelfen an JIrchivalien und Büchern auch in
dieser meiner Jirbeit wesentlich unterstützt und gefördert haben, er gebührt
den Uorständen der k. u. k. 5amilien--5ideikonimi[)--Bibliothek in lUien, der
k. k. l)ofbibliothek in CUien, der k. [)ofbibliothek in Hlünchen, der Royal Society
in Condon, ferner des k. k. Jldelsarchives in Cüien, der k. k. Universitäts-
bibliotheken in CUien und Graz, des steiermärkischen Candcsarchivcs in
6raz, der Stadtbibliothek in Frankfurt a. IlL, des llhiseums in lllainz,
-2) X 'S)
des altberühmten Benediktinerstiftes St. Peter in Salzburg, der k. k, Studien--
bibliotbeken in Caibacb und Salzburg, des k. k. Candesgericbtes (Candtafel--
arcbives), des Candesniuseunis Rudolfinum, der f. b. Seniinarsbibliotbek,
des städtischen Jlrcbives und der städtischen Bibliothek in Caibach, sowie
zahlreichen Besitzern, beziehungsweise üorständen von Schloff-, Kloster--,
Pfarr- und ßemeindearchiven in Krain und Steiermark — allen, allen mu(5
hier der herzlichste Dank gesagt sein.
Und nun noch ein paar CUorte über das (Uerk selbst, wie es vor
seinen Leserkreis im In-- und Auslände hintreten will.
Jlbweichend von der JIrt, in welcher ich die diesem Buche vor fahren
vorausgesandten Skizzen über Ualvasor behandelt habe, abweichend von
der darin vorherrschend gewesenen, fast ausschlief^lich lokalen Cendenz
war ich in diesem nun auch für weitere Kreise berechneten UJerke in erster
Cinie bestrebt, die Bedeutung unseres edlen 5^reiherrn der Jlllgemeinheit
gegenüber, die Bedeutung desselben als mann der CUissenschaft zu kenn--
zeichnen, war ich bestrebt, es aufzuzeigen, wie sich dieser unser heimatlich--
krainische Gelehrte zu fragen. Strebungen und Cüirken seiner Zeit gestellt
und verhalten, um dann erst seine hingebungs= und aufopferungsvolle,
unentwegte und rastlose Tätigkeit für die geliebte krainische Reimat zu
beleuchten.
Daf5 Ualvasor, der sich auf grofKn und weiten Studienreisen in Öster--
reicb, Deutschland, Italien, 5^rankreich, ja bis nach Jlfrika zu seinem selbst--
gewählten Berufe, später seine und unsere geliebte schöne l)eimat der
grollen Jlu|Knwelt bekanntzumachen, auf das gründlichste vorbereitet
und dann diese edle, selbstlose üorname in der umfassendsten und bis=
her nicht wieder erreichten JIrt unter grof^en persönlichen Opfern in die
Cat umgesetzt, da[) er sich, nebenbei bemerkt, durch die auf den Studien=
reisen gesammelten Erfahrungen, soweit es die Zeitverhältnisse gestatteten,
von Jlberglauben und Jlmmenmärchen seiner Cage zu möglichst freien
und selbständigen Anschauungen durchgerungen, da(5 er sich einer Uiel--
seitigkcit im Künstlerischen und Citerarischen erfreuen konnte, welche seine
Uielseitigkeit geradezu staunenerregend erscheint, dat^ er in kunstindustrieller
Beziehung als Erfinder des 5^einerzgusses, in technischer aber schon als
Projektant eines Cunneldurchschlages aufgetreten, und da[5 all dieses sein
Streben, Schaffen und CUirken von der glühendsten Beirnatliebe sowie
von dem aufrichtigsten Patriotismus für Kaiser und Reich erfüllt war, all
diese niomente zusammengenommen werden in ihm jenes geistig hoch--
stehende CUesen erkennen lassen, das, trotz der Hachwehen des unseligen
Dreif^igjährigen Krieges, trotz der noch in seinen tagen unsere inner--
österreichischen Cande arg bedrohenden Cürkengefahr, zu deren Bekämpfung
und Jlbwehr er sdbst die 5eder mit dem Schwerte zeitweilig hat ver--
tauschen müssen, so voll geeignet war, neben einer Reihe anderer ge=
diegener Uüerke seiner Schöpfungskraft als monumentales Cüerk „Die
Chre des l)erzogtums Krain" zu schreiben und durch dasselbe für immer-
währende Zeiten selbst zu sein und zu bleiben im besten Sinne des
(Uortes : die Ehre Krains !
Caibacb, im September 190$.
Der Uerfa$$cr.
U !
Der erste Pabasor in Krain.
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V. Radicj, Ualvasor.
-, f
Johann Baptist Palüason
finem rührigen Kaufmanne, später 6ro(5bändler, dem 5^inanzmanne
Berrn Jobann Baptist Ualvasor, welcher in der ersten Rälfte des
16. Oahrhunderts aus Italien (Celgate, Provinz Bergamo) nach
Krain kam und dem in dessen neue Beimat gar bald ein Hamens-
verwandter, Bieronymus Ualvasor, gefolgt war, haben wir es in erster Einie
zu danken, dat3 uns, eben ein 3ahrhundert nachher, in der Person des
Johann CUeikhardt 5^reiherrn von Ualvasor, eines Gnkels des Berrn Bieronymus,
unser bodenständiger Gelehrte und Schriftsteller erstand, der uns nicht
nur die „Ghre Krains** geschrieben, sondern selbst die ehre Krains geworden
für alle ferneren Zeiten!
Dem Bieronymus Ualvasor, obgleich er nur ein namensverwandter
gewesen, vermachte Berr Johann Baptist Ualvasor in seinem Testamente (15S1)
für ihm zeitüber geleistete treue Dienste die Jeste ßolnek (ßallened^) in
Oberkrain, welche später an den Sohn des Bieronymus, Berrn Bartholomäus
Ualvasor, Johann lUeikhardts Uater, überging und wo unser Geschichts-
forscher und Bistoriograph dann die Cebensjahre bis zu seiner Uerheiratung,
beziehungsweise bis zum Jlnkaufe des Schlosses CUagensberg, verbrachte.
Johann Baptist Ualvasor, von dem wir nun zunächst sprechen wollen,
als erster dieses Hamens in Krain bisher nachweisbar, war jenem Zuge
„wälscher Gäste" nach den reizvollen, und zwar in (o mancher Be-
ziehung reizvollen, weil erzreichen österreichischen Jllpengegenden gefolgt,
denen man hier schon im IDittelalter begegnet und der namentlich im
16. Jahrhundert aus verschiedenen Jlnlässen zu verschiedenen Zwecken
ein besonders starker geworden, wie dies der um die Jlufhellung der
innerösterreichischen Geschichte so hochverdiente Organisator und unermüdlich
tätig gewesene Direktor des steiermärkischen Candesarchivs, Regierungsrat
Ritter von Zahn, in einem eigenen Gssai „CUälsche Gäste" ebenso gründlich
als anziehend und fesselnd dargestellt hat.'
* StVTiacal. p. 158-204.
-2) 4 -^
Die Italiener -- Uenetianer und Conibarden — wüteten nämlich seit
langem, was die Jllpen und die Cauern an Hlineralscbätzen boten, das
war übrigens mehr das Ziel von ßebeimwanderungen einzelner (0old--
sucber). Bhzx die Zeit kam bald, wo die österreichische Regierung Candes--
schätze durch 5^renide erschlief^en lie(5, wofür den einheimischen die Kennt--
nisse, der Pfennig und der Unternehmungsgeist fehlten. So wurden zu-
erst die lüälder angegriffen, dann frachtete man das Uieh herdenweise
an die See, räumte die Jllmen von dem wohlriechenden Speik, sammelte
Bonig und schürfte €rze und alles in Gesellschaften und mit Hlonopol--
berechtigung. Selbst das alteingelebte Gewerbe der eisenerzeugung be--
einflut^ten die Cüälschen insofern, dat5 sie die Lämmer wirkungsvoller
machten, und haben sid) die sogenannten „wälschen Rämmer" noch lange
nach dem Rückzuge ihrer erfinder oder Begründer erhalten.
Die als 5olge der steten Cürkengefahr notwendige bessere (Uehrhaft--
machung der meist bedrohten Plätze in den innerösterreichischen Cändern
brachte die tüchtigen italischen Baumeister auch in unser Cand, wie aud)
immer mehr und mehr üertreter anderer Berufe aus Italien nach unseren
nördlichen Gegenden zogen, als Jlpotheker, flrzte, Kaufleute, 5inanz--
männer, welch letztere ob ihres findigen CUesens hierlands von immer
gröt^erem CUerte wurden. Jlus allen denen wurden bald vermögliche
männer, Gutsbesitzer und Ständeherren. ^
In solchem Jalle war auch Johann Baptist üalvasor, welcher als
Bandeismann mit Hlajolikaware^ nach Caibach kam, durch Calent und
Glück bald gröfKre Geldoperationen durchführte, in Krain und der benach--
barten Steiermark Güter und Schlösser erwarb und schlief^lich als „Hlit--
landmann" zu den Standesherren von Krain zählte und seinen „Sitz"
im krainischen Candtage einnahm, gleichwie er vorher schon das Bürgerrecht
der 1. f. [)auptstadt Caibach erhalten hatte; im dienstlichen Uerbande mit der
Landschaft stand er um 1570 als Oberster Proviantmeister für die „Grenze'',
^ Das älteste vorhandene Steuerbuch der Stadt Caibach vom Jähre 1600 nennt
uns 41 Damen von italienischen €inwohnern, zum 9rö[3ten Ceil zugleich hausbesitzern
in den vornehmsten Ceilen der Stadt: am Platz, am fliten und am neuen markte;
man begegnet da den Hainen: Civitator, Posarelli, ßajonzel (Piero 0ajonzel, Grob-
kaufmann mit der Steuer von 25 fl., der höchsten in diesem Steuerbuche), niartin Ca«
jasel (mit 20 fl.), £ortboni, Rerr von Cantberi, ßuintilio Romano (Apotheker), Cocatelli,
Salvator, Pellizoroll, JIdam ITJoscon, Bianchini, Cravisani, 6uga, de Catharo, Raub B.
flgnelati (Apotheker), Spadon, Pantaleon, Picardo, Cancilli, Donin (Ulaurer), ßonomo,
Bidinelli, Uidalbo, üinizianer, Pucinaro, Dadal „ein u?elli$cl)er Cramer" (mit 7 fl. Steuer),
£ondut (Riemer), 0uglia, Caminar usw. (Jlrcl)iv der Stadt Caibach.)
^ Diesen Randel setzte dann noch Bartholomäus üalvasor fort.
-2) 5 'S)
Dacbdem uns in den Büchern der Stadt Caibacb 1527 aus der der
Ualvasorscben verwandten Tamilie Hloscon Innocenz ITloscon als neu--
aufgenommener Bürger begegnet ist* (unter der gestellten Bedingung
seiner „üerbeiratung binnen O^bresfrisf', gegen eine Strafe von 100 fl.
rbeiniscb im 5^alle des Hicbteinbaltens dieser Bedingung), erscheint im
3abre 1547 Babtista Uavisor, wie der Dame damals meist geschrieben
wurde, als Zeuge genannt, in dessen, wie auch anderer „guter Cent"
als Berrn Paulsen Cüiener, „Chumbherrns zu Caibach'*, lHathesen Klombner,
landschaftlichen Sekretärs, des Bans Baptist Posch und des Rannsen Khisl
Gegenwart der kurz vorher verstorbene Caibacher Bürgermeister Berr üeit
Khisl, des Johann Baptist Ualvasor Schwiegervater, bei guter üernunft sein
Cestament gemacht und seine 5^rau (die 5^rau Khislin) für ihr Ceben lang
zur vollmäd)tigen 5^rau und Inhaberin eingesetzt.^
Im „ersten Stadtrecht" des 3ahre$ 1547 unterm 11. Itlärz wird „bap-
tista Uavisor*' zum „Purger*' der Stadt Caibach aufgenommen.*^ CUenige
monate später, am 6. lHai, erhält er die angesuchte Bewilligung und die
Ausfertigung des „0ewaltbriefes", mit anderen CUaren (Eisen) nach
Encona zu handeln.
Jllle diese zu Bürgern der Stadt Jlufgenommenen waren selbstredend
aud) Bausbesitzer in Caibach — also auch Johann Baptist Ualvasor;
in weld)em der drei Steuerbezirke dessen Baus: am Platze, am Jllten
oder Heuen Hlarkte, gelegen gewesen, lä(5t sich aber gegenwärtig nicht
mehr feststellen, da die Steuerbücher der Stadt, wie bereits vorher in
einer Jfnmerkung angedeutet worden, nur mehr bis 1600 zurückreichend
erhalten sind und Oohann Baptist Ualvasor, wie gleich näher zu erörtern
kommt, schon um 1554 den Schwerpunkt seiner Tätigkeit nach der unteren
Steiermark verlegt und auch zumeist dort und in Unterkrain weiterhin
gelebt hat.
€s war im 3ahre 1554, dat5 Johann Baptist Ualvasor vom Bofe die
Bewilligung erhalten hatte, die Pfandherrschaft Cüffer in Untersteiermark
von den Huerspergschen Erben ^ abzulösen und innezuhaben; auch war
^ Innoccnt moscon Ist burgcriicl)e Recht verlieben worden In der £ondition, das
man Ime nachdem er unbeheyratet ein gantz 3ar dato frist vnd weyll lasst sich zu behey.
ratben. CUo er sich aber zu Ausgang des 3ars nit bebeyrat Ist er 100 U. rb. zu gcmainer
Stau in Peen verfallen zu bezallen. 1527 Ireitag den 25. Oktober. (Gericblsproiokoll
der Stadt Caibach de 1527; Archiv der Stadt Caibach.)
^ 6erichtsprotokoll de 1547, 21. Jänner.
^ Ungebundenes heft, Beilage zum Gericbtsprotokoll de 1547.
^ hans von fluersperg hatte Cüffer von Kaiser IHax I. um die Pfandsummc von
21.691 fl. rh. innegehabt.
"& 0 '&
ihm biebei freigestellt, dieselbe, docb nur „mit Consens der Bofkammer",
zu versetzen.^
mit dem Datum (öüien) 21. Jlpril 1554, unter welcbem diese „Jlblösung"
von Cüffer erfolgt war, begann die lUirksamkeit Jobann Baptist üalvasors
auf diesem von der Datur so reicb gesegneten Boden, dessen Güter unter
seinen Bänden und mit l)ilfe der von ibm berangezogenen italiscben
Jlrbeitskräfte^ erst recbt geboben und zur Gntwicklung gebracbt vourden.
Rascb vermebrte sieb infolgedessen sein Uermögen. Dies setzte ibn in die
Cage, dem Regenten der innerösterreicbiscben Cande Grzberzog Karl
wiederbolt gröf^ere Darleben zu macben, voas ibn binwieder im Besitze
von Cüffer festigte; so wurde ibm ddo. CUien, 6. 3uni 1564, für sieb und
seine Grben auf das gemad)te, 7000 fl. (ä 6Vo) betragende, Darleben die
Berrscbaft Cüffer auf 16 3abre verscbrieben, und zwar „ungesteigert und
unabgelöst", und dann gegen das weitere Darleben von 5000 fl. (ä 6Vo)
unter dem Datum CUien, 23. 3änner 1566, aucb für seine Grben auf 16 O^bre,
und zugleicb die Jlufricbtung einer neuen Pfand-- und Scbuldverscbreibung
anbefoblen."'
Inzwiscben bat der scbon vielvermögende ßutsberr dem engeren Bezirke
von Cüffer die bilfreicbe Band geboten, indem er 1560 das Heuspital in
Cüffer „refundierte", 11 welcbe seine Heustiftung er später dann — wie
wir seben werden — in seinem Cestamente^^ reicblicb bedacbte und für
ferne Zeiten sicberte.
In dem Zeiträume von 1560 bis 1570 bat 3obann Baptist aucb scbon
die Scblösser Candstra(5 und Cburn am Bart in Unterkrain, $cblo(5
0allened{ in Oberkrain (dieses 1562 in „ebrlicbem Kauf" von einem
Berrn von Berberstein) erworben ;i^ dazu kamen um dieselbe Zeit $cblo(5
ßonobitz in Untersteier und Cüeinberge bei üUindiscb--5^eistritz mit der
Perle von „Rittesneu" (Ritoznoi = Rittersberg); $cblo(5 ßurkfeld in
^ Schmutz, bist. -top. Ccxikon von Steiermark, IV. p. 220.
^ Der um die HufbeMung der 0esd)icl)te Untersteiermarks vielverdiente unvergef^Iicbe
Propst Orozen schreibt in seiner lHonograpbie: Das Dekanat Cüffer (Graz ISSl, p. 76),
dal3 sieb in der Pfarre und im Dekanate Cüffer nocb mehrere Bauernfamilien finden,
die aus jener Zeit her den üulgarnamen „Bergamask" führen.
*° Grazer StatthaUerei-Hrchiv, f)ofkammerakten Dr. 16.
'* Orozen 1. c. p. 72.
" Bnhang I.
'^ üalvasor, ehre des I)erzogtums Krain III. (XL) 333. In einem Inventar aus
dem 3ahre 1625 heil3t es unter Briefl. Urk. Hr. 72 : 15$0 St. Georgentag €in Kaufbrief
von f)errn Ceopold Rambschibl ausgebendt an berrn Johann Babt. Üalvasor des Guets
Gallenekh-
'S) 7 'S)
Unterkrain etwas später, desgleid)en montpreis, Seiz und ßeirad) in
Untersteier, $cblo(3 Scbeyer bei Steinbrüd^, Garten und (Uiesen in und um
Pettau und andere kleine Besitzungen in Untersteier.
Jetzt war Rerr Oobann Baptist Ualvasor aucb scbon länger ber mit
der Stellung eines Obersten Proviantmeisters in der Cüindisd)en IDark
und an den kroati((ben Grenzen von Seiten der krainisd)en Eandscbaft
betraut und wir treffen (lHärz 1571) auf einen Grlaf? der innerösterreicbiscben
Bofkammer an den Uerwalter der ßerrscbaft 0illi bezüglicb 200 Star
Getreide, so der Uavasor von „Cüffer gen Caybacb" (obne rnautaufsd)lag)
„fübren möge".^*
In demselben O^bre (1571) wurde der nun aucb scbon der krainisd)en
Eandscbaft für ibren Kriegsetat gegen die Cürken vielwicbtige und förder-
same 0ro(5grundbe$itzer und Unternebmer, da überdies für ibn der Grz--
berzog-- Regent interzedierte, von den Ständen Krains zum „Candmann"
aufgenommen^^ und wir seben Berrn ]obann Baptist Ualvasor denn aucb
im selben 3abre nod) in den Jlusscbu(5sitzungen vom 17. und 19. Dezember
und in späteren Candtagen sitzen.^^
Der allseits bocbangesebene und einfluf^reicbe „Berr", der — wie aus
einer Stelle seines Cestamentes bevorgebt — aucb seinen „Untertanen"
gegenüber sieb durcb bumane Gesinnung auszeicbnete (bei allen Berr--
scbaften und Gütern erliefe er den Bauern die Scbulden völlig), er
sab sieb, als die CUogen des grot5en windiscben Bauernkrieges des
Oabres 1573 gegen sein Scblo(5 Cburn am Bart berandrängten, das,
nebenbei bemerkt, 1515 von den aufrübreriscben Bauern zerstört worden
war, genötigt, aus diesem seinen Eieblingsaufentbalte zu flücbten.^^
Bh eine ^olge der durcb den weitausgedebnten Bauernkrieg, in weld)em
aucb die Ualvasorscben ßerrscbaften Gurkfeld und Candstraf^ in Krain und
seine untersteiriscben Besitzungen in mitleidenscbaft gezogen waren, er-
standenen allgemein drückenden Cage der Besitzenden und ibrer fried-
liebenden Untertanen ist aucb das „Ginscbreiten" Ualvasors und seiner Unter-
tanen der Berrscbaft Cüffer anzuseben, dabingebend, daf^ ibm das begehrte
„doppelte Jlnleben, Rüst^ und Cüartgeld, aucb Graben- und Baugeld" er-
lassen werden möge (Wim 1574).^®
" Grazer Stattbaltcrci-flrcbiv, Rofkamtnerakten Hr. 26.
*^ muscum Rudolfinum in Caibad), Uizedomardiiv.
'^ muscum Rudolfinum in Caibad), landsd). Hrcbiv. CandtagsprotokoU I., fol. 3S0/6,
fol. 432/a, fol. 435/b.
" mein: berbard VIII. von Huersperg, p. 307.
'^ Grazer Stattbalterei-JIrcbiv, Rofkammerakten Hr. 20.
c:
'S) $ 'S
Und noch im selben Hlonate des ]abres 1574 erfolgte von selten der
innerösterreicbiscben l^ofkanimer der Jluftrag an den von Poppendorf, daf^
er des üalvasors Untertanen zu ßrof^marascbove die „Bebülzung aus dem
Krakauerwald", docb „unverscbwendlicb'\ erfolgen lasse. ^^
Im 3abre 15S0 scbritt l)err 3obann Baptist Ualvasor in ßemeinscbaft
mit l^errn Kaspar Hlauritscb^^ bei der innerösterreicbiscben Regierung um
die Konzession zur Grricbtung einer neuen Miaut ein. Die Rofkammer
bescblot5, das Ginscbreiten „alsbald in flei(5ige wolerwogene Beratb$d)lagung**
zu zieben, docb wurde als Prinzip ausgesprocben, diese neue lHaut sei
zu Caibad) und nid)t zu ßörz (voelcber Ort offenbar im Ginscbreiten an-
gegeben voar) aufzustellen. 21 €s ist aus den J!kten nicbt voeiter ersicbt-
lid), ob es zur Jlufricbtung dieser maut durcb die Kompanie Ualvasor
und IDauritscb gekommen.
niöglid) und wabrscbeinlid)st ist aucb, da(5 es nicbt dazu kam. Denn scbon
im näcbsten jabre am 2. Dovember bescblo[) ja jobann Baptist Ualvasor sein
arbeitsreicbes Ceben auf seinem Scblosse Cburn am Rart^^ im beiläufigen
Alter zwiscben 60 und 70 jabren.^^
€in Uierteljabr vorber, auf den tag — am 2. Jlugust 1581 — batte
er sein Testament aufgesetzt und gefertigt. Dasselbe datiert aucb aus
Cburn am f)art und es erscbeinen als Hlitfertiger und Zeugen für dasselbe
die Rerren Cbristopb 5^reiberr von Jluersperg, (Uilbelm von Camberg,
Rerr zu Savenstein, Hiclas Bonbomo zu CUolfsbübel, Uizedom in Krain,
Jranz von Scbeyer und Kaspar IDauritscb.
Dieses Cestament, welcbes icb im Jlnbange I seinem Rauptinbalte
nacb mitteile, bietet eine solcbe Jü\k von Details über die verwandt--
scbaftlicben Uerbältnisse, über den Uermögensstand, über persönlicbe Be--
ziebungen und Gigenscbaften des Testators, da(5 es eben in ßanzbeit auf-
genommen werden mut^, um das anscbaulicbe Bild zu bieten, das es eben
im Rabmen letztwilliger Jlnordnung entbält.
'' ebenda Hr. 55.
^° Die berren von Hlauritscb waren Besitzer des Gutes moostbal bei Caibacb.
Ualvasor XI. 382.
^' Grazer Stattbalterei-Hrcbiv, bofkammerakten Hr. 10 (Graz, 6. Hugust 15$0).
" Siebe Cestament im Hnbange.
" Indem uns die Hacbricbt über sein Geburtsjahr feblt, so kann das Alter, in
welchem er von binnen scbied, nur beiläufig festgestellt werden. Cüenn man an-
nimmt, dab seine 1547 stattgehabte JTufnabme als Bürger von Caibacb ibn im Jflter
zwiscben 30 und 40 ]abren traf, so ergibt sieb bei seinem Code das Alter zwischen
60 und 70.
® 0 'S)
Bier mögen jedoch nur ein paar Stellen herausgehoben sein, die mit
dem Cüeitergange unserer biographischen Darstellung in inniger Uerbindung
erscheinen.
nachdem er im Eingänge darauf hingewiesen, da(5 er mit seinem von
3ugend auf gehabten 5=lei[5e, mühe und JIrbeit hart und mit mannig--
faltigen Gefahren des Eeibes und Cebens sein Uermögen zusammengebracht,
erspart, gewonnen und zum geringsten Ceile ererbt habe, verordnet er,
dal5 sein Ceichnam in dem Spital zu Cüffer, wo auch seine erste liebe
Gemahlin ^rau Gmerentia, eine geborne Khisl, beigesetzt sei, zur Bei--
setzung gelangen solle.
Diese seine erste Gemahlin hatte, wie der noch heute am Kaplanei--
gebäude zu Cüffer erhaltene Grabstein besagt, neun Jähxz vor ]ohann
Baptist üalvasor das Zeitliche gesegnet (19. Jänner 1572).
Die Bemerkung im Testamente, dat5 die 5rau Gmerentia seine erste
Gemahlin gewesen und der Zusammenhalt mit der Grabsteinlegende, welche
einfach nur die Cüorte: „Sein Bausfrau" enthält, erregte schon lange die
Aufmerksamkeit der Forschung und legte die 5^rage nach der zweiten
5^rau nahe, die Johann Baptist üalvasor in der Zwischenzeit von neun
Jahren heimgeführt haben mu(5te.
Die Jlufklärung erhellt aus einer Kalendereintragung aus dem Jahre 1579
— also drei Jahre vor Johann Baptist Ualvasors Code.
Der von mir bei der Ordnung der musealbibliothek im Rudolfinum
zu Caibach aufgefundene, bisher unbekannt gewesene Caibacher Kalender
aus der Druckerei des Johann lHannel auf das Jahr MDLXXIX weist
nämlich von der Band des Besitzers Rerrn Banns von Gallenberg auf
dem Uermerkblatte zum lHonate lllai nachstehende interessante Jln»
merkung:
„17 (lllai) Huf Churn am Bart in der alten brauen von CUernekh
Cochter sachen gegen Berrn Uavasor wegen lerer, als seiner Bausfrauen,
so er bey sich nicht dulden will, heyrathlichen abfertigung beschehenen
Zusagung, in fall Cüens ehehafften (ehestens) nid)t fürfallen (sollte) zu
verraiten."
Jlus dieser Hotiz geht also folgendes hervor: Johann Baptist Ualvasors
zweite 5^rau war eine geborne von CUernekh, demnach aus einer alt-
berühmten krainischen, namentlich in Unterkrain reichbegüterten Jamilic
stammend, aber es geht auch daraus hervor, daf^ er mit dieser seiner
zweiten Jxän nicht im besten einvernehmen lebte und sie, wie Berr von
Gallenberg beifügte, bei sich nicht dulden wollte. Die angedeutete Jlbfcrtigung.
zu deren Jlustragung der letztgenannte Kavalier nach Churn am Bari
'S) 10 'S)
gekommen war, mu(5 erfolgt sein, worauf wir um so mehr scblie(Kn müssen,
als Rerr Johann Baptist Ualvasor in seinem Testamente dieser zweiten
Jrau mit keiner Silbe Grwäbnung tut. Gs war somit eine friedlicbe Cösung
des €beverbältnisses erfolgt.
(Jon beiden brauen binterblieben keine Kinder,^* daber die im Testa-
mente entbaltene üerteilung seines gro(5en 6üterbesitzes und Barvermögens
an näbere und entferntere Blutsverwandte, ja selbst an nur namensverwandte,
und biezu zäblt der ßrol^vater unseres Ristoriograpben, der Berrßieronymus
üalvasor,25 welcbem im letzten Cüillen vor allem die ^este ßallened^,
das Stammbaus der eigentlicb krainiscben Cinie der Ualvasore, zuerkannt
erscbeint.
Der Ceicbnam des zu Cburn am Bart verstorbenen 3<>b^nn Baptist
Ualvasor wurde laut besagter Cestamentsbestimmung nacb Cüffer überfübrt
und in der Kapelle des von ibm dotierten Spitals beigesetzt, ^^ wo ibm
dann aud) die Grben — im engeren Sinne wobl die ibm zunäcbst bluts-
verwandten Berren von IDoscon — ein scbönes, aus niarmor gemeif^eltes
Denkmal, eine Grabplatte erricbteten, auf welcber Rerr Oobann Baptist
Ualvasor und seine l)ausfrau Gmerentia kniend dargestellt erscbeinen
und aul^erdem eine Darstellung von Cbristi Jluferstebung zu seben ist,
wie aucb ringsum und zwiscbendurd) Bibelsprücbe zu lesen sind. Die auf
die beigesetzten Dabingescbiedenen bezüglicbe Grabscbrift lautet:
HIE LIGT BEGRABEN DER EDL VND ERNVEST HERR lOHAN |
BABTISTA VAVASOR ZVM THVRN AM HART VND PHANTINHABER
I DER HERRSCHAFT TIEFER DER GESTARBEN IST AM 2 TAG |
NOVEMRIS DES 1581 lAR VND SEIN HAVSFRAV EMERENTIANA
I DIE EIN GEBARNE KISLIN SO GESTARBEN IST AM 19 TAG |
lENVARI DES 72 lAR DERN lEDER SELL GOT GENEDIG | VND
BARMHERZIG SEIN WELLE AMEN.
" In einem aus dem 3abrc 159$ stammenden Bnsprud) auf eine Jobann B. Dal*
vasoTScbe angeblid) bestandene Spitalsgründung in ßonobitz wird erwäbnt, da|3 etlicbe
seiner Kinder aus der ersten Gbe daselbst in der ßeorgskircbe beigesetzt worden seien;
meine Ualvasorstudien, Caibacber Zeitung 1$96, 1. Jebruar.
" Siebe die nächste Abteilung.
^^ In den 30er 3abren des vorigen 3abrbunderts wurde die Kapelle des Spitals
in Cüffer niedergerissen. Der Ceicbnam Jobann B. Ualvasors lag in einem kupfernen
Sarg, der dann als mctall zu einem 6lod<engusse verwendet wurde; die Gebeine wurden
auf den Friedhof übertragen, der Grabstein aber an der Jlubenwand des Kaplanei-
gcbäudes eingefügt, wo er nod) beute rosenumrankt zu seben ist.
'S) 11 'S)
Had) den Bibelinscbriften des Steines, ^^ welche mit JIus$d)lie(5ung der
rnutter Gottes, der Beiligen usw. und unter Zitierung der I)eil. Schritt in
deutscher Sprache die Erlösung durch den Glauben und Christus betonen,
kann man, namentlich wenn man auf die üerwandtschaft mit den rHoscons
und die Schwägerschaft mit den Khisls und auf die Begleitung, in der
3ohann Baptist Ualvasor schon 1547 beim Cestament üeit Khisls erschien,
auf die Begleitung von CUiener und Khlombner denkt, wohl schlietKn,
da(5 auch der Gutsherr von Cüffer, wo kurz vor Erwerbung durch Ualvasor
Primus Cruber üikar war, der evangelischen Eehre anhängig gewesen, wozu
dann aud) die so leicht erfolgte Cösung seiner €he mit der CUernekherin
stimmen mag.
In Cüffer hat sich der hochherzige und menschenfreundliche Johann
Baptist Ualvasor durd) die von ihm durd)geführte Erbauung eines neuen
Emtshauses oder I)errsd)aft$gebäudes ^^ — das alte Schloff, die heutige
Ruine Cüffer lag sd)on damals darnieder — , sowie durd) die Refun--
dierung des Spitals (Spitalspfründen) und durd) seine sonstigen zahlreid)en
CUohltaten an die Untertanen und die Umwohnenden auf weit und breit
das danksd)uldigste Jlndenken bewahrt!
Ein gleid) dauerndes danksd)uldigstes Andenken hat sid) Rerr Johann
Baptist Ualvasor auch in der Stadt Gurkfeld gesid)ert, wo er als Sd)lot5-
herr au(5er anderen zahlreichen lUohltaten die ansehnlid)e Stiftung von
200 fK für das Bürgerspital laut Punkt dreizehn seines Cestamentes ge--
widmet hat.
" Oberhalb der figuralcn Allegorie: Christus am Ölberg und Christi Auferstehung
(Christus über Cod und Rolle siegend) „Confidite ego vinci mundum". Unterhalb
der figuralen Allegorie: M bin die Auferstehung und das Eeben, wer an mich glaubt,
wird leben, ob er gleich stürbe, und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmer-
mehr sterben" (Johann. XL). Unter dieser Stelle und dann zu beiden Seiten der knienden
Jiguren der Dahingeschiedenen verteilt, beziehungsweise den beiden CUappenschildern
(Ualvasor und Khisl) unterstellt, liest man: „Christus ist mein Ceben und Sterben ist
mein Gewinn" (Philipp. I.)» dann: „Ich liege und schlafe und erwad)e, der herr halt
mich" (Psalm 111).
^^ Das von Ualvasor erbaute Amtshaus stand am Platze an Stelle der Räuser
Dr. I bis 5 und es wurde noch Gnde des 1$. 3ahrh. das nachmals Ualentini(schsd)e
Raus Dr. 5 stara gra§ina, das alte Sd)lo|3gebäude, genannt. Das dermalige Schloff
gebäude hat 1675 Johann Cüeikhard Uetter Craf von der Cilie erbaut. Orozen I. c, p. 210.
ßieronymus Valuasor
und dessen Gemahlin Eignes pon Sdieyer,
die Grolselfern Johann V^eikhards.
o o o
fm elften Punkte seines Testamentes verordnete Jobann Baptist
Ualvasor: „Hacbdem 3^i'oninio Uavasor gleicbwol meines Hamens
vnd aber in der Blutfreundscbaft mir gar nicbts verwand nocb
befreund ist, umb das Gr aber bey mir etlicbe 3abr lang treulieb
vnd flei(5ig gedient vnd mir bievor in etlicben meinen von 0ott gesd)ickten
Ceibsscbvoacbbeiten vnd anjetzo Gmbsig vnd mit besten 5^1ei(5 auf^gewart
vnd meiner gepflegt bat, wie ers dann nocb tbun soll vnd wirt, derobalb
vnd sönderlicb, da(3 mein Hamen der Uavasorn in diesen Ibrer 5^ürstlicben
Durcblaucbt €rblanden erbalten werde, so scbaffe icb ibme vnd seinen
6rben" usw. usw., „die Uesten 6ollnekb an der IHuday gelegen mit sambt
allen Uorratb, Uieb vnd anderes so jetzt dabei ist nicbts davon ausgenobmen
vnd aucb die ßerberstaneriscbe 0ült mit sambt derselbigen zuegebörigen frey
eigentbumblicben und bekannten Gütern wie icb die an micb erkauft babe."
Berr 3obann Baptist macbt an Berrn ßieronymus Ualvasor dieses Cegat unter
der Bedingung, „da(5 Gr (3eronimo) sieb im land oder au(5er des Candts
verbeiratben möge vnd doeb im Candt wobne" und „da es sieb naeb dem
CUillen Gottes begäbe, wie er (3obann Baptist) zu Gott verboffe," „da(5
er (]eronimo) ebelicbe Ceibserben IHannesstammen bekomme," so sollen dem-
selben die erben, die drei üettern Peter, Hliebael und IHax J!nton (ITloscon)
„noeb zeben Causent Gulden rbeiniseb Baargeld ausriebten und erlegen, womit
er vnd seine Grben mit vermaeben, versebaffen vnd in ander weeg zu tbun
vnd zu bandeln als mit andern ibren frei eignen Gütern 5^ug vnd THad)t
sollen baben obne menniglicbe Irrung, Bindernit^ und CUiderspreeben.**
Berr Bieronymus Ualvasor erbte also von dem ibm namensverwandten
Gönner die Berrsebaft oder, wie es bier genannt ersebeint, die „Ueste"
Galleneck und noeb andere Gülten mebr sowie die Summe von 10.000 fl.,
letztere, nachdem die vom Erblasser gestellte Bedingung der ebelicben
Haebkommen lHannesstammes in Erfüllung gegangen war.
Berr ßieronymus Ualvasor war, wie ibm zuvörderst zur Bedingung
der erbsebaft der Güter gemaebt worden, im Cande (Krain) geblieben und
batte sieb bierlands aucb sein Gemabl gewäblt.
Gr vermäblte sieb nämlieb mit einer Coebter des altbcrübmten Geschlechtes
der Berren von Sebeyer, aus dem im Stammlande Bayern das Kegentenhaus
'S) 16 ^
der lüittelsbacber hervorgegangen; er nahm nämlich die Agnes von Scheyer
zur Gemahlin, die ihm dann die Söhne Bartholomäus und Jldam gebar,
durch welche der niannesstamm der krainischen üalvasore begründet erschien.
Durch seinen Sohn Bartholomäus wurde Rerr Rieronymus der 0ro(5vater
unseres Ristoriographen.
l)ieronymus üalvasor vermehrte den Besitzstand durch Jlnkauf von
Sd)lol5 Kreutz in Oberkrain (1595, $. juli),^^ das er vom Rerrn Jlndre von
Oberburg erwarb, und weiters durch Jlnkauf der 0ült Grkenstein in ünter-
krain (1596).3o
Jlus der €rbschaft der Berbersteinschen Gülten war ihm ein Proze(3
erwachsen, indem ein gewisser 3uri üasel wegen der sogenannten „IDündt-
hüben", die ein gewisser Copolaschik und Dorothea, dessen Ghewirtin,
seinerzeit vom l)errn Bernhardin Jreiherrn zu l)erberstein, Deidperg und
ßuettenberg erkauft hatten und von der ihn (üasel) Berr Bieronymus
üalvasor nun (15S3) verstof^en habe, unterm 17. Hlai des Jahres 15S3
klagbar beim üizedomamte für Krain aufgetreten war. Der im üizedom-
verhöre nun aber gefällte „Jlbschidt" lautete dahin: „(üeil üavisor für-
gibt, das er als ein Jldelsperson und ITlitlandmann der Candtsfreiheit
sowol als andere Berrn und Candtleut zu genielKn habe, das Gericht
aber umb dieses, das £r ein Jldelsperson vnd angenommener Candt--
mann wäre, khein wissen habe, demnach werde diese sach in die nächste
üerhör angestellt" und es wird zu diesem vorläufigen Urteile angefügt:
es habe zu diesem nächsten üerhöre er (üavisor) seine Jldelsfreyheit
(das heilet die Kompetenz des Falles für die sogenannten Cand-- und
Bofrechte) und auch seine mitlandmannschaft zu beweisen, „mittlerweile
solle aber der Kläger üasel samt sein Stief- und rechten Kindern bei der
Buben unbetrübt bleiben" und demselben der durch den Beklagten ent--
zogene Jicker wieder ausgefolgt werden. ^^
Der adelige Stand des Bieronymus üalvasor erscheint aber infolge-
dessen von der krainischen Candschaft unter dem jähre 1602 anerkannt.
(üir begegnen nämlich in den landschaftlichen Jlkten^^ unterm 12. Jlpril
1602 der Hufzeichnung, dat^ dem Bieronymus von üalvasor über sein
einschreiten „aus dem währenden Candtage" „in Jlnsehen seines ehr-
lichen und adeligen Standes und dann nicht weniger seiner erkannten
'' Inventar 1625, Briefliebe Urkunde Hr. SO.
"^ 0ül(bud) von Krain 1500, fol. 57/b. JTrcbiv des k. k. Candesgerid)les in Caibacb
(Candtafel).
" mitteilungen des bist. Der. f. Krain 1863, p. 6 f.
'- üizedomarcbiv im landsd). IDuseuni Rudolfinuni.
'S) 17 'S)
und berühmten Cugenden und Qualitäten wegen die JTufnabme in die
Candmannscbaft des Herzogtums Krain bewilligt wurde."
Gs geborte nun Berr Bieronymus von Ualvasor den Ständen des
Herzogtums Krain an und diese Zugehörigkeit zum JIdel Krains blieb für
die 5^amilie fortan aufrecht.
Im selben Oahre 1602 finden wir Herrn Hieronymus von Ualvasor als
Ceilhaber der Kupfergewerkschaft Ratschach in ünterkrain.
Herr Johann Baptist Ualvasor hatte in seinem Testamente den Herren
von moscon auch die Herrsd)aft Ratschach bei Steinbrück testiert und zu
dieser Herrschaft gehörte auch ein Kupferbergwerk im sogenannten
0oldbache zu Ratschach.
Bezüglich dieses Kupferbergwerkes richteten nun die Ceilhaber Herr
niarx Jlnton Hloscon und Hieronymus Ualvasor an die innerösterreichisd)e
Regierung die Bitte, ihnen wegen zu geringer Grgiebigkeit des CUerkes
einerseits und wegen zu grot^er für die Erzgewinnung und lUerkseinrich--
tung auferlaufenen Kosten anderseits die 5^ron und Jlbgaben auf sechs
3ahre zu erlassen. Die innerösterreichische Hofkammer riet aber nur auf
eine nachsieht für drei 3ahre ein.
Ihr diesbezüglicher Bericht an den Erzherzog --Regenten 5^erdinand
(Kaiser 5^erdinand IL) lautet wörtlich wie folgt:
Bericht der n. ö. Hofkammer an Hrstl. Durchlaucht.
Irer fürstl: Dur: etc. Unserem genedigisten Herrn von der n. ö. Cammer,
dass lHarx Anthony moskhon und Hieronimi Uavasors Pro auf Sechs 3ar
Grlassung der 5^ron von Trem zu Ratschach in Goldpach pauenden Kupfer
Perkwerch vnd den dabey aufbringenden Kupfer gebierenden Jlufschlag
eingebracht vnderthenigist Supplicieren vnd des Oberperkrichters daselbst
in Crain^^ darüber gethanen Bericht zu übergeben und anzuzeigen: dass
es sich 3a befinde, dass dieses Perchwerch gar schmal und einen geringen
Halt (Gehalt) der Pruch und dahero mehrer Uerlag (Kosten) auf das
Pud)en,3* wasch, 2^ schlich, ^^ Rost^^ und schmelzen ^^ als die ganzen
" Don 1595 bis 1602 versah dieses JTmt Rerr midiael Rarrer von fldelsbübel, von
1602 bis 161$ herr llalentin Oslar. (Ualvasor, ebre des Herzogtums Krain, I. [III.], p. 3$3 f.)
^^ Zerschlagen der Grze in kleine Stücke. — ^^ Das Gebäude, in welchem das zer-
kleinerte €rz mittelst auf dasselbe geleiteten Olassers gewascl)en wird. — ^^ Das klein-
gepochte, von allen Unarten oder Bergarten durch Schlämmen oder Waschen gereinigte
Erz. — ^^ €ine mit drei mauern eingefaßte, oben offene Stätte, worin Erz geröstet wird,
acht bis zwölf eilen im Geviert und drei eilen tief. — ''^ erz durch Feuerkraft in
flüssigen Zustand versetzen und das Gestein oder die Unarten zu Schlacken oder in
einen glasartigen Körper verwandeln.
V. Radics, Ualvasor. ^
'S 1$ 'S)
(sämtlichen) Bxit (Grze) gern (bieten), zudem solches Pruchwerch nicht allein
vnd ohne andere Jlerzt geschmelzt werden kann, sondern fast (starke)
doppelte üncosten auferlauft, inmassen denn die vorigen vnd jetzigen
Gewerken sanimt Grpauung der CUerchgader (Cüerkhütten) bereits über
die 4000 fl. darin verpaut vnd darnach nichts ergiebiges dabey auf--
gepracht, aber dennoch auf die gepetenen sechs jare die Grlassung der
5ron und Jlufschlags — unerachtet es nicht soviel eintragen würde —
zuviel wäre. CUan Ire fürstl. Durchlaucht aber Inen 0ewerkhen dieselben,
— dass dan zu Ihrer fürstl. Durchlaucht gnädigsten Belieben steht, die
Cammer es auch in Unterthenigkheit nicht widerrathen haben wollte,
zu Grhaltung des Paulusts auf die drei j^bi* gnädigst nachliessen, Sie
(die 6ewerken) Ihres (der Cammer) gehorsamsten Trachtens, für dies--
mal content sein sollen, doch steht es zu Ihrer 5^ürstl. Durchlaucht
gnädigsten Belieben, wessen Sie Sich hierüber mit Gnaden entschliessen
werden wollen. Ihro (Jürstl. Durchlaucht) sich dabey in ünterthänigkeit
befehlend. Jlctum Graz den zwölften Ouny im eintausend Sechshundert
und änderten (zweiten) O^br.
üierzehn Cage später, ddo. Graz, 26. Juni 1602, erfolgte die Entscheidung
des Grzherzog-Regenten im Sinne des eben mitgeteilten Uorschlages der
innerösterreichischen [)ofkammer mit Gewährung des 5ron--nachlas$es auf
drei jähre und unter Hervorhebung des IDotivs dieses Hachlasses, damit
nämlich die Bittsteller „bei dem Pawlust" erhalten bleiben.
Die erzherzogliche Entscheidung hat nachstehenden (Uortlaut:
t
^Ferdinand
Bus denen in Guren über Hlarxen Jlnthonjen Hloscon vnd Rieronimi
üavasor vmb Erlassung der von Irem zu Katschach pauenden vnd auf-
bringenden Hupfer vndterthenigists Suppliciern vns gehorsambist vber--
reichten guetachten vnd rath inserierten vrsachen zumall aber darumben,
damit die Supplicanten bei dem Pawlust erhalten werden, lassen wir Inen
die 5^ron auf drey 3ar lang gnedigist nach, Euch befelchent sy dieser
vnserer Resolution gemä(5 zu bescheiden und die verner notwendige Uer-
ordnung fürzukeren. Bn dem dato Graz 26 3i^"J 1^02.
En die Camer.^Q
Es entsteht nun die 5^rage: CUie lange hin wurde dieses Kupferberg-
werk ((Jüaschwerk) dann noch in Betrieb erhalten?
^^ StattbaHcrei-Hrcbiv in Graz, hofkammcrakten llr. 47.
-2) 10 '§)
Die Berrscbaft Ratscbacb ging noch im Caufe des 17. Jahrhunderts aus
dem Besitze der Berren von nioscon in den der Berren von Gall über*<>
und es scheint das „zu Ratschach im ßoldbach" gelegene Kupferbergwerk
zur Zeit unseres Chronisten Johann CUeikhard Ireiherrn von Ualvasor
nid)t mehr in Betrieb gewesen zu sein, da wir unter den von ihm in
seiner Ghre des Herzogtums Krain*^ aufgeführten Kupfererzstätten des Candes
Krain eine sold)e zu Ratschach in Krain nicht erwähnt finden.
üom Großvater ßieronymus käme hier nur noch zu berichten, daf?
derselbe im Jahre 1612 das Zeitliche segnete; denn es wird in einem
Inventar nach seinem Sohne Edam (vom Jahre 1625) unter den brief=
lid)en Urkunden erwähnt: „Gin Inventar] vber weilandt Berrn ßieronymi
Ualvasoren seel hinterlassen brieflichen Urkunden 1612, 4 Jlpril."'^^
In demselben Inventar nach Berrn Jldam Ualvasor vom Jahre 1625
begegnen wir unter den brieflichen Urkunden erwähnt: Inuent: Berrn
Bieronimo Ualvasor so zwischen 5^rauen Jignes Ualvasorin (Gemahlin des
Bieronymus), dann Berrn fldam (Sohne) Ualvasorn gleiche Cheil abgeteilt
worden Sie 5^rau auch Berrn Bartlmeen (erstgebornen Sohnes) Ualvasorn ^
theil empfangen solchen Ihme Berrn zu überantworten wirdet wissen. 1
datum Caybach in wehrenden Candtrechten nach Crium Regum anno 1613.*^
J\u{m den Söhnen Bartholomäus und J^dam Ualvasor besa[5 Berr ^
Bieronymus von Ualvasor aus seiner €he mit Jlgnes von Sd)eyer auch .1
eine Cochter Sophie, welche als CUitwe nach Johann J!dam von JRpfaltrern
im Jahre 1624 das Schloff Obermötnikh (in Oberkrain) erkaufte.**
^'^ Ualvasor, Gbre des herzogtums Krain, III. (XI.), p. 464.
'' I. (III.), p. 427.
*^ JIrd)iv des k. k. Candesgerid)tes in Caibad): Inventar.
" ebenda.
** Ualvasor, €bre des Herzogtums Krain, III. (XL), p. 424.
3^.
-w*
Die eifern ?ohann Weikhards:
Bartholomäus pon Valpasor
und Hnna maria geb. Rauber pon Kreutberg.
o o o
fuf dem höben landscbaftlicben Uertrauensposten eines „Uerordneten"
der krainiscben Candscbaft (nacb beutigem Ausdrucke Candes-
ausscbu(5-Beisitzer) und zugleich mit dem JImte eines „General--
einnebmers"*^ betraut, tritt uns der Uater unseres 3obann Cüeik--
bard Jreiberrn von Ualvasor, als ßerrscbaftsbesitzer auf die Uermebrung und
Besserung seiner Ciegenscbaften bestens bedacht, festen und entschiedenen
Charakters, streng im CUillen, manchmal etwas hart in Jlusfübrung seiner
Absichten, nicht ohne Streitsucht, namentlich wo es die Uertretung der
herrschaftlichen Interessen gilt, doch stets loyal in Uertretung der Candes--
interessen, als feudaler von altem Schrot und Korn, entgegen. Eeutseligkeit
gegen jene Untertanen, die er ins Berz geschlossen, fehlt ihm nicht.
Und an der Seite des Berrn Bartholomäus von Ualvasor waltet
3obann CUeikbards Hlutter, Iran Anna IDaria aus dem altberübmten,
im Uaterlande so volkstümlich gewordenen Gescblecbte derer von
Rauber; wir erinnern nur an das von Anastasius 0rün so meisterhaft
ins Deutsche übertragene sloveniscbe Uolkslied „Uom Rerrn Rauber", dem
heldenhaften !?übrer in der Gntscheidungsschlacht bei Sissek (1593) gegen
das Cürkenbeer des ßassan Pascha; sie waltet, die wahrhaft vornehme
Dame voll edler Gesinnung, aber auch ebenso entschiedenen festen Charak-
ters gleich ihrem Gemahl, als tüchtige Schlol5frau und vielbesorgte mutter
einer Schar von Kindern — es waren deren im ganzen 17, in deren Reibe
unser 3ohann (Ueikbard der zwölfte gewesen — mit haushälterischem
Gebaren, ohne jedoch die Rücksichten aus dem Auge zu lassen, die ihr
Stand erfordert, in Kleidung und Schmuck und im allgemeinen dasjenige
wohl beachtend und verfolgend, was wir heute den Crain des vornehmen
Rauses nennen.
-X-
Bartholomäus von Ualvasor hatte als Erstgeborner aus der Ghe seines
Uaters Rieronymus mit Agnes von Scheyer um 1596 auf Schlo(5 Calleneck
a
*^ „Der GeneTalcinnebmer nimmt die Cand- (landschaftncl)en) Gelder ein, flibl sie
aucb wiederum aus und bat die Candkassa in Uerwabrung." (Ualvasor, III. (X.), p. 4.)
'S) 24 'S)
das Cicbt der CUelt erblickt. Im Jllter von beiläufig sieben jabren erscheint
er in ßemeinscbaft mit seinem Bruder Jldam durcb Cebensbrief des Grz--
berzog-Regenten Ferdinand, ddo. Graz, 17. Hpril 1603, mit der Rerrscbaft
6alleneck belehnt," welche Belehnung für ihn dann später durch Cehens--
brief Kaiser 5^erdinand III., ddo. UJien, 4. Februar 1651, erneuert wurde/'
Im 3äbre 1610 (unterm 15. Februar) wird „Bartholomäus Ualvasor
De ßollneg Dobilis Carniolus Gx Syntaxi" in der Hlatrikel der ßrazer
Universität,^^ damaligen Kollegiums der Jesuiten, eingetragen, zählte also
als Schüler der vierten Cateinschule beiläufig 14 Jahre; 1611 erscheint er
dann als „Sacrae Poeseos Studiosus" eingeschrieben in einem noch in
Jlgram (erzbischöfliche Bibliothek) erhaltenen Exemplare des „Sallust"
aus der reichen Bücherei seines Sohnes Johann Cüeikhard, die, wie wir
später ausführlich dartun werden, aus dem Besitze des Bistoriographen in
das eigen des Jigramer Erzbistums überging.
„nachdem l)err Christoph von Obritschau, der letzte dieses Hamens
und Stammes, um das Jahr 1615 durch den Cod entseelt worden, hat sich
— wie Johann Cüeikhard Ualvasor schreibt*^ — seine Erbschaft in
sed)zig Cheil getheilet und ist das Schloss Jlltenburg (in Unterkrain)^®
auf Berrn Bartholome Ualvasor seel. gefallen, der es hernach einem
Berrn mathesitsch verkaufft."
Uon seinem Bruder Jldam erkaufte Rerr Bartholomäus etliche (um
ßalleneck herum gelegene) Buben und ßofstätte, um den Besitz der ßerr--
schaft zu arrondieren (Kaufbrief ddo. 3. Jlugust 1623). ^^
Um diese Zeit war Rerr Bartholomäus bereits in erster €he vermählt
mit niaria Glisabeth, gebornen von Dornberg, die 1625 (5. ITlai) als
Caufpatin zusammen mit Dietrich 5^reiherrn von Jluersperg bei der in
Caibach stattgehabten Caufe der Cochter Jlnna 5^ranziska der €heleute
Johann Jakob Gdlen von Kirchmayr und Salome €dlen von Kirchmayr als
^^ Candsd)aftlid)es Hrcl)iv im Uluscum Rudolfinum, Cebensakten.
*'' Inventar nacb JIdam Scifrid, ü. 16Q0, Briefl. Urk. Hr. I, JIrd)iv des k. k. Candcs-
gcricbtcs in Caibad). In demselben Inventar wird auch unter den briefl. Urk. (ür. 03)
eine undatierte Urkunde registriert: €in Hction zwisd)en Jrauen Agnes Ualvasorin, dann
f)crrn Bartlme und Rerrn fldam üalvasorn, v^obey sieb ein Originalkaufbrieff „so
zwiscben jetzbesagten Partbeien wegen des guts ßalleneck gescblossen worden" befindet.
^^ ms. der k. k. Universitätsbibliotbek in Graz, fol. 26/a.
" €hre des Herzogtums Krain, III. (XL), p. 15.
'" f)eute im Besitze des Rerrn k. k. Regierungsrates i. R. Rudolf 0rafen margberi,
der dieses Scblol? — eines der ältesten Krains — auf^en und innen stilgerecbt
restauriert, flnm. d. Uerf.
^' Inventar von 1625, JIrcbiv des k. k. Candesgericbtes in Caibad).
'S) 25 'S)
lHaria €li$abetb Ualvasorin nata a Dornberg in der matrikel der Dom-
pfarre Caibacb eingetragen erscbeint.^^
Diese seine erste ßemablin be$cbeni<te ibn mit sieben Kindern, vier
Söbnen und drei Cöcbtern,^^ von denen zur Zeit des Erscheinens der
„€bre des Berzogtbums 0rain" (16S9) nur mehr der Sobn Karl^* und
die Cocbter Elisabeth, Klosterfrau zu lHünkendorf, am Ceben waren.
Berr Bartholomäus pon Paluasor als Illitglied
der krainisdien [landsdiaft*
Die Candtagsprotokolle vom O^bi*^ ^^23 an geben uns ein anschau-
liches Bild seiner Cätigkeit als IDitlandmann; er erscheint sehr häufig in
den flusschu(5-- und Candtagssitzungen; er ergreift oft und oft das (üort
und gibt in u)id)tig'en Beratungen und Beschlüssen seine wohlerwogene
Stimme ab. iXlir lernen in ihm im allgemeinen einen gewiegten Parla-
mentarier kennen, der sich nicht scheut, seiner Überzeugung Jlusdruck zu
geben, wie er sich anderseits gern und willig überzeugenden Darlegungen
des einen oder anderen tllitlandmannes anschlief^t.
Gleich im 3ahre 1623 sehen wir ßerrn Bartholomäus von üalvasor
der wichtigen Beratung vom 15. IDärz, 9 Uhr früh, anwohnen; da sind
in der Eandstube u. a. versammelt: Der Präsident, der Eandesverwalter,
der Candesvizedom, Berr Rauber, Graf Dikolaus von Cersaz, 0raf CUolf
Christian von Cersaz, Kazianer; accessit: Berr Chumbprobst, Berr Ein-
nember, dann die Berren Balthasar Rambschissel, Georg ßussitsch. Bans Oakob
Jlpfaltrer, 3obst 0all, Ualerj nioscon, Bartlme Ualvisor, Pantaleon usw.
Gegenstand der Beratung war die durch ein Schreiben des Baupt-
mannes in Hlitterburg (Pisino) angeregte Besorgnis vor einem frieden-
bredienden^^ ,Jürbruch der Uenediger'*, dem vorzubeugen die krainische
Landschaft, wie gegen die Cürken so auch gegen den Cöwen von S. fllarco
seit mehr als einem Oahrhundert mit Gut und Blut auf der Cüehr, wie
immer so aud) jetzt eifrigst bestrebt war. Die Beratung endete mit
dem einhelligen Beschlüsse, dahingehend: „dass vor allen Dingen der
Pa(5 am Uutschkaberge (monte maggiore) und zu IHune zeitlich besetzt
'^ Cibcr Baptiz. IV., p. 1$2.
^'^ Siebe Stammbaum: Im JTnbange.
^^ Siebe Abteilung: hervorragende Familienmitglieder in den Cagcn und nacb
3obann Hleikbard.
" Der Friede mit Uenedig war von der kais. lllajestät 1017 geschlossen worden.
Friedensartikel bei üalvasor IV. (XV.), p. 5$6 ff.
'S) 26 -©
und Rerr Banns 3akob Jlpfaltrer zu desto eigentlicher Grforscbung der
Sachen hineinwärts abgeordnet werde, welcher auch die darinigen Raubt--
leuth in der bereitschaft zu stehen vennanen sollte.** ferner beschlo(5 man :
des l)auptnianns von mitterburg Schreiben dem geheimen Kriegsrate „ein--
zu$chlie[5en" und denselben zu erinnern, da(5 man die Jlbordnung des
Berrn von Jlpfaltrer und „was in der eyl zu thun gewest", beschlossen,
zugleich „bittend, zeitlich gute 5ürsehung zu thun**; auch beklagte man
sich beim geheimen Kriegsrate, da(5 der Berr Oberst an der kroatischen
Grenze von seiner Stelle „so lang auf^en sei** und stellte es dringend
vor, es möge mit der Hlunition so viel als möglich geholfen werden. ^*^
In der Candtagssession Oänner 1625 begegnen wir unserem Berrn
Bartlme üalvasor in den Sitzungen vom 15., 16., 1$., 23., 24., 21,, 2$.
und 30. 3änner. Jim 24. 3änner waren die Berren Uor-- und nachmittag
versammelt und es wurde eine den landschaftlichen Geschäftsgang auf
das innigste berührende Angelegenheit verhandelt. ITlan hatte nämlich im
Jahre 1620 einen Beschlu(5 betreffs „der Ersetz- und Bedienung** der
Uerordneten-- (Candesau$schu[5-) Stelle gefa(3t, der sich in der Praxis die
jähre her nicht bewährt hatte, da(5 nämlich alle zwei Jahre die zwei
ältesten-'' Uerordneten abtreten und die zwei jüngsten im JImte ver-
bleiben sollten; es wurde aber befunden, da(5 solche Ordnung dem
gemeinen Putzen schädlich, denn in zwei Jähren erfährt man kaum den
Stand der Candessachen. Die Berren beschlossen nun in diesem Landtage,
es sollen der Berr Chumbprobst und der Berr Rauber auch noch über
das dritte Jahr in der Stelle bleiben, ^^ da sie über das „statutum
drey Jahr gedient und die Grfahrenheit allererst recht erlangt**.
Diesem Beschlüsse trat auch Berr Bartlme üalvasor gewi(5 gerne bei,
da wir ihn, wie schon angedeutet, bei allen die Candeswohlfahrt betreffen--
den Jlktionen auf Seite der CUohlerwägenden finden.
Bauptsächlich aber in Jinanzangelegenheiten hatte er stets diese
Candeswohlfahrt unverrückt im Jluge. Da sind es die üerhandlungen des
Jahres 1626, die ihm in dieser Richtung wiederholt Jlnlaf^ geben, sein
Cüort einzulegen für die Schonung der Candesfinanzen, so namentlich in
puncto des Salzappalto (üenedig gegenüber), dann des von der Regierung
begehrten Beitrages zur Reise auf den Deputationstag im römisch--deutschen
Reich, „nachdem kein Geld im Jlmt und bei den leulhen, alle mittel
'« CandtagsprotokoH nr. 15 vom Jahre 1622 bis 1633, fol. 70/b, 71/a.
" Der OJabl nad).
'« CandtagsprotokoH 1. c, fol. 330/a, 331/b, 332;b.
"& n 'S)
abgescbnitten seien und Geld keines zu bekommen sei,"^^ weiters in'
Hngelegenbeit der proponierten Grböbung der 2V2 ßültsteuer und anderer
JInlagen, wogegen er, den Jlusfübrungen des ßerrn Bans 3^riedrid) Räuber
folgend, seine Stimme erbebt; ebenso ist er in der Sitzung vom 1$. Jlugust
1626 gegen die Bewilligung eines Restes von 15.000 fl. für die Grenze,
nacbdem in der Sitzung vom 10. Juni bereits die Summe von 75.000 fl.
für das beurige 3^br bewilligt worden, da das bare Geld nicbt vorbanden,
und er stimmt mit dem Präsidenten dafür: es solle mit einem Raufmanne
gebandelt werden, der um 10.000 fl. Cüare bergeben möge,^*^ sowie in
anderen 5^ällen mebr.
mit einem selbständigen und gewi^ zu einer Jlbbilfe in der 5^inanz--
not der Candscbaft best geeigneten Anträge seben wir unseren Berrn
von Ualvasor in dem Candtage von 1636 bervortreten, in welcbem
sieb eine lebbafte Debatte wegen Bescbaffung einer Summe von 30.000 fl.
entwickelte, welcbe wir bier nacb dem bezüglicben Protokolle nabezu wört--
licb wiedergeben wollen, zugleicb als ein Bild, wie man vor 270 3abren
im krainiscben Candtage zu verbandeln pflegte.
Scbon im O^bre 1630 war die Hot der Candscbaft eine grolle gewesen
und es macbte der Grblandmarscball Dietricb 5^reiberr von Jluersperg im
Candtage vom 30. Oänner die Eröffnung, daf? die ausgaben die Ginnabmen
um 16690 fl. übertreffen; „es möge Ratb gescbafft werden"; in der Be--
ratung stimmte Ualvasor mit dem Berrn Paradeiser dabin, „Geld auf
Interesse aufzunebmen, darauf sei keine Raitung zu macben", und so kam
er dann 1636 mit seinem selbstäiidiöen Mrage auf £infubrunö der ifeopf«
Steuer*
es war am 1$. Februar des ]abres 1636, vormittags, da(5 der Grb-
landmarscball im Candtage die Eröffnung macbte, „es sei in jüngster
Session der Scblu(5 dabin ergangen, der Römiscb-Rayserlicben majestät als
Bilfe (für die Rriegsläufe) 30.000 fl. zu verwilligen, von den mittein
(der Bedeckung) aber in einer absonderlicben Session zu bandeln, derent-
wegen wolle er den Uorscblag der mittel (von den lierren) erwarten".
mit diesen CUorten war die Debatte eröffnet. Als erster Redner batte
das mitglied der geistlicben Bank Dompropst Peter von Ceuscbenboff
das [Uort, der sieb jedocb mit der kurzen Bemerkung, er wisse keine
mittel vorzuscblagen, nicbt weiter an der üerbandlung beteiligen wollte
und seines Cüortes begab.
^^
^* CandtagsprotokoH 1. c, fol. 403/b.
«'^ ebenda, fol. 414/a.
'S) 2$ -©
B\$ nächster Redner trat der Präses der üerordneten ßerr Georg
Baltbasar 5^reiberr von Kazianer auf und fafcte seine lUeinung dabin--
gebend: „Ulan bab neulieb auf die Enlag (Steuer) auf den Rerrn und
Pauren gedacbt, die sey nun also beschaffen, da(5 die Schwierigkeit (Be--
scbwerung) noch nit aus dem Sinn und derentwegen sey auf dieselben
zu schlagen (sie noch weiter zu besteuern) gantz bedenklich, der Berr und
Candtmann können es auch nit übertragen (aushalten). Hlan solle sich
nach den Steierischen und Kbärndtnerischen Hlitteln regulieren." „Die üer--
fübrung der Ochsen sey auch ein mittel, die €rsanibe Candtschaft könne
einen Pa(5brief auf dieselben, ungefähr auf 12.000 Stück, begehren und
den Pa[5brief wegen des 6etreid urgiren."
Berr l)ann(5 Jldam Khaysell, Chumbdechant: „nian solle auf die
Offiziere (Beamten der Landschaft), so sich bei der Candtschaft bereichert (!),
schlagen."
l)err üalerius 5^reiherr von ITloscbkan (llloscon): „Uermeint, man
solle auf den Berrn und Untertban ein anlag, als 30 oder 45 Kreuzer
schlagen, item den einen Gulden vom Interesse (in Jlbzug bringen) (von
den bei der Landschaft angelegten Kapitalien); item die Pa(5brief (urgieren)."
Berr l)ann(3 Jranz von Sigesdorff: „üt (wie) ßerr Hloscon"; „addirt
(mit dem Zusatzantrage): man solle auf die Hobilitierten (Heugeadelten)
eine Jlnlag machen."
Rerr ITiax Paradeyser, Freiherr ^M „Uermeint, es werde bey den
Unterthanen einen Jlufstand verursachen, doch könnte man zwischen
denen von Unter-- und Oberkrain einen Unterschied machen und pro--
portionaliter auf die Oberkrainer 45 kr., auf die Unterkrainer 30 kr. und
auf den Candmann auch 30 kr. legen. Item den Sechsten Gulden von
l)undert, 6 pGt. (Vo), hey den Obligationen; auch in der Candtagsschrift^^
inseriren (anfügen), dat5 Ihre niajestät die Jlufkündung verhueten. Item
die vorbemelten mittel (Pa()brief)."
¥}zu Innocent 5^reiherr von Ggk: „Caf^t sich die 30 kr. auf den f)errn
und Candtmann gefallen."
Berr [)anns 3acob von 3uritsch, Freiherr: „üt f)err max Paradeyser
einen proportionirten Anschlag auf die Unter- und Oberkrainer zu machen,
weil (auch) das Getreid in Ober- und Unterkrain in einem verschiedenen
Jlnscblag (verschieden besteuert sei).''
Rerr Jlchaz Issenbäuser macht darauf aufmerksam: „der Unterschied
zwischen den Unter- und Oberkrainern möchte ein Rebellion verursachen.
*^ Gcncralcinncbmcr der Steuern und Abgaben für die krainiscbe Candscbaft.
^- Candtagsreplik auf die kais. Forderung.
-© 20 'S
€r $d)lägt die Besteuerung vor auf die (Uecbsler (Bankiers). Item so
Geld in den Cruben haben (Kapitalisten), item auf die Dobilitierten (Heu--
geadelten) einen Enscblag zu macben."
Berr Bannf^ Hdam ÜJernegk: „Ut Berr Praeses."
Berr Eeopold Rambscbif^l: ,,Ut Berr ßeneraleinnemer und Berr Issen-
bäuser,"
Berr JIndree Daniel Barbo: „Hlan solle die Offiziere (landscbaftlicben
Beamten) befragen, durcb was Hlittel sie sieb bereichert und dieselben
gebraueben. Ca(5t sieb die 30 kr. (auf den Berrn und Candmann) gefallen.
Item die Pa(3brief, item die Freisassen."
Berr €mericb Giall: „Ut Berr ßeneraleinnemer."
Berr Georg Sigmund Baller: „Ut Berr Barbo."
Dun kommt Berr Bartholomäus Ualvasor zum CUort und er spricht
gelassen das gro[5e CUort aus: „Hlan soll auf die Ceiber ein Jlnscblag
mad)en*'; er schlägt also die €inführung der Kopfsteuer vor (nach Corenz
von Stein die roheste 5^orm aller Besteuerung*^^), über deren Jlnwendung in
au(5erordentlicben 3^ällen jedoch ältere Finanzschriftsteller, wie wir später
sehen werden, CUorte der Gntscbuldigung vorzubringen wu(5ten.
Berr Banns Georg Posarel: „Uermeint, man solle auf die Crabati-
sehen Ochsen einen Anschlag machen, auf die ungarischen könne man
nichts begehren, denn der Bergamasco (Bändler aus Bergamo) bat
diesen Bändel. Jluf das Interesse solle man schlagen generice (im all--
gemeinen).''
Berr Georg Khaisell: „Drei(5ig Kreuzer auf den Berrn und Candmann und
den Unterthan zu schlagen. Item auf die reichen Pfleger (Uerwalter)."^*
Berr 3obann Sonze: „Ut Berr Generaleinnemer, doch solle der Berr
und Candmann zwischen den Reichen und Armen ein Unterschied machen."
Berr Grafenweger: „Ut Berr Generaleinnemer."
Berr Christoph Otto (Bürgermeister der Candesbauptstadt Caibach)
versuchte das Interesse der Candesbauptstadt zu wahren mit seinem Uor-
schlage: „^ill man die Pa(3brief begehren, so solle man die Anlag
bei der Stadt aufheben." Cüeiters beantragte der Berr Bürgermeister:
„Ulan solle die Interessent^ einbringen, item sich um die Ausstand!
^' Ccbrbud) der Jinanzwissenscbaft. 2. Jlufl. Ceipzig 1$7!, p. 307.
^* man befand sid) bereits in der Zeit, da die berrscbaftsbesitzcr die Bewirt-
schaftung ihrer 6üter häufig in den bänden der üerwalter iief^cn und diese sich auf
Kosten der Inhaber bereid)erten, was im kommenden 1$. 3abrhunderl in stetiger
Zunahme begriffen war.
" Uon bei der Candsd)aft haftenden Darlehen, Uor$d)üssen usw.
'2) 30 ^
(Steuerrüd^stände) anneniben (eintreiben), item man solle auf das Uer--
mögen die Jlnlag machen, und zwar solicbes auf alle Stände indifferenter."
nachdem in der so wichtigen Debatte 21 Mitglieder des hohen Cand--
tages das Cüort ergriffen und die verschiedensten mittel zur Beschaffung
der bewilligten Rilfe von 30.000 fl. in Anregung gebracht hatten, wurde
nun der nachstehende „Schlut?" (Beschlu(0 in das Protokoll verzeichnet:
„$chlu{5."
„Die majora gehen dahin, da(5 man auf das Pfundt Berrngült
und die Rueben drei(5ig Kreuzer, auf die 5^reisassen, nobilitierte
personas (neugeadelte), Pfleger, Pauren doppelt schlagen und die flb--
forderung (Steuereinhebung) dem Rerrn Ginnember und Berrn Candesvice-
dom anbevelchen, deren gefallen betreffend, so ihnen untergeben. Unter
diesen sollen auch die Geistlichen, so nit im ßültbuch begriffen, ver--
standen sein; item (solche) so vermüglich und landtsfürstliche Pfarren
possedieren. Item die Paf^brief auf die Ochsen und das 6etreid zu
erbitten. Item auf den sechsten Gulden Interesse." ^^
Ersieht man aus der vorangeführten Debatte, da(5 die verschiedensten
mittel zur Bedeckung der 30.000 fl. vorgeschlagen worden waren, so er--
sieht man daraus namentlich, daf^ unser l)err Bartholomäus von Ualvasor
die Kopfsteuer in Uorschlag gebracht hatte, welche nach einem zeit--
genössischen 5^inanzpolitiker, Berrn Ueit Cudwig von Sed<endorff, in solch
einem hohen Dotgehaben gerechtfertigt erscheinen konnte.
Berr von Sed<endorff schreibt nämlich in seinem (1695 neuaufgelegten) ^'^
ÜJerke „deutscher 5^ürstenstaat"^^ über diese Jlrt der Besteuerung wie
folgt: „In hohen Hothfällen aber sind auch wol ehr (früher) Kopf--
steuer oder ein gewi(5 Geld einem jeden Raupte zu erlegen angesetzt
worden: CUiewohl solche Gapitation oder Kopfsteuern in der Billigkeit keinen
Grund dargestellt haben, da(3 nemlich einer wie der andere und also der
Jlrme soviel als der Reiche geben solle. Cüenn aber gewisse Classes der
üermögenden und Unvermögenden gemacht oder gar ein weniges zur Capital
Steuer angesetzt oder auf die ßäupter zwar gezälet und ihnen eine gewisse
Hnlage zugeeignet aber gleichwol nach dem Uermögen nochmals flusthei--
lung getroffen wird, wie denn solche und dergleichen Umstände bei der
Reichssteuer der gemeine Pfenning genannt, hiebevor in Jlcht genommen
•• Candtacisprotokon Hr. 17 ex 1634 bis 1046, fol. 152 bis 155.
*" 1656 zuerst erschienen.
" Frankfurt und Ceipzig. Uerlegts Jobann lUeyer, Buchhändler, 1605.
'S) 31 'S)
worden, so bat man sieb dessen zutnal in vorfallenden Hötben, die
öfters keine lange Betracbtung und Eustbeilung leiden wollen, so bocb
nicbt zu bescbweren."
Diesen JFlusfübrungen des 5^acbniannes Seckendorff entsprecbend, bätten
die mitglieder der krainiscben Candscbaft im Candtage von 1636 sieb mit
einer flnnabme des Ualvasorseben JIntrages für die Jluflage der Kopf--
steuer gegen den Geist der Zeit, wie er um die mitte des 17. ]abrbunderts
und noeb am Jlusgange desselben in der 5^inanzwissensebaft zum JIus--
drucke kam, keineswegs arg vergangen — denn es war ja tatsäeblieb bobe
Hot vorbanden!
Die Casten des Dreif^igjäbrigen Krieges drückten, wie alle kaiserlieben
Grbländer, aucb das Herzogtum Krain und dieses wobl doppelt empfind-
licb, batte es ja zur selben Zeit noeb die sebwierige und kostenvolle BuU
gäbe, treue CUaebt zu bilden gegen die Cürken und Uenetianer.
Hiebt allein da(5 unsere Candsebaft, wie wir wiederbolt geseben, nam--
bafte, weit über ibre Kräfte reiebende ßeldbilfen zu den Kriegskosten leisten
mut5te, wurde- sie aueb überdies noeb in die Hlitleidensebaft gezogen für
die Sorge betreffs der Cüinterquartiere für die kaiserlieben Beere. So liegt
uns z. B. in der Candtagsverbandlung vom 5. 5^ebruar 1633 die kaiser--
licbe Proposition an die löblieben Stände der innerösterreicbiseben Cande
vor, welebe „auf Jlnsebung dero General Obristen ^eldbauptmanns
Ibr fürstl. Gnaden des Berrn Elbreebt Herzogen zu Hleebelberg" für
die (Uinterquartiere auf fünf IDonate die Summe von 2,127.940 fl.
begebrte, auf die einzelnen Cande Tnnerösterreiebs also repartiert: von
Steiermark 994.045 fl., von Kärnten 584.490 fl., von Krain 345.350 fl.,
von der Grafsebaft Görz $1.725 fl., von der Grafsebaft mitterburg 122.330 fl.,
auf welebes Begebren die in dieser Sitzung versammelten Berren und Cand--
leute beseblossen, die Beratung bis auf der steieriseben Candsebaft Besebeid
in suspenso zu lassen. ^^ Jlber sebon fünf Cage später wird auf des Bisebofs
Kaspar von Piben Hlotivierung: „€$ sei nit obne, daf^ dieses begeren ein
unerbörtes Begebren, weil aber Ibre kaiserlicbe Majestät zu demselben
notgedrungen, könne man Sie bey ibrer gereebten Saeb nit verlassen",
in altgetreuer loyaler Eingebung an das Kaiserbaus auf die Bedeckung der
mittel aueb für dieses Begebren gedaebt und es wird beseblossen — Berr
BartIme Ualvasor stimmt mit dem Bisebof — in Erwägung zu ziehen,
ob man zu dem vom genannten Bisebof angeregten ücrfabren, „Jcder-
männiglieb ins mitleid zu zieben, auf den Bauer ein gülden oder zwei
'' Candtagsprotokoll 1622 bis 1633, fol. 59Q/b.
© 32 'S
anzuscblagen*', „wegen der $00.000 fl. eingeraumbten mittel der 45 kr.
von jeder bueben" daber zu verwenden, die doppelte Mittelding daber zu
applizieren und von dem Interesse einen Gulden in Jlnsprucb zu nebmen
wäre oder aber ob man zu bessern IDitteln greifen solle. '^^ Docb wurde
aucb in dieser Sitzung nocb der aufscbiebende Bescbluf^ gefa(5t, der Stände
von Steiermark und Kärnten diesbezüglicbe Erklärung abzuwarten.^^
Bei den vielfacb in diesen tagen der Hot an die krainiscbe Candscbaft
berangetretenen Begebren war man im Landtage von 1631 im l)inblid<
darauf, „da(5 die münzen sieb ganz unbältig am Scbrot und Korn
befunden und da(5 aucb zu befürcbten, dal5 sieb das gute Geld verlieren
und das sd)lecbte einreif^en möcbte,** zum Bescblusse gekommen, an die
Regierung die Bitte zu stellen : „entweder Geld ins £and zu verordnen
oder einer Gbrsamen Candscbaft die Gerecl)tigkeit (das Recbt) zum münzen
(zur Prägung eines eigenen Geldes) zu vergönnen". In der Debatte bier--
über batte der mebrgenannte Bi$d)of von Piben die motion beigebracbt, daf^
man in Oberkrain zu Krainburg dem armen mann die scblecbten Groseben ^^
anzunebmen nötige und die sieb Cüeigernden gar gefänglicb einziebe."^^
Das wicbtige Jlmt eines Generaleinnebmers der Candscbaft war, wie
sd)on eingangs dieses Jibteils bervorgeboben wurde, unserem Bartbolomäus
von Ualvasor im 3abre 1630 übertragen worden^* und stand er dem--
selben nocb im Oabre 1632 vor, nacbdem er scbon 1627 als Beisitzer bei
den Candrecbten fungiert batte."''
Ratte man ibn scbon 1629 in die Kombination zur €rsetzung einer
üerordnetenstelle der Candscbaft einbezogen, so wurde er als üerordneter
im jabre 1640 tatsäcblicb gewäblt.'^^'
Gr blieb in diesem für das ganze landsd)aftlicbe (Uesen so bedeutungs--
vollen Jlmte eines üerordneten (Candesausscbut^-Beisitzers) zuerst in der
Dauer von 1640 bis 1642 (einscblie(5licb) und dann wieder von 1646
bis 164$ (einscblief^licb), was wobl am deutlicbsten für seine bervor-
ragende und vielbewäbrte Gignung zu dieser Stelle sprecben mag.
es wird nicbt überflüssig sein zu erwäbnen, welcbe Jimtskollegen
Berr Bartlme Ualvasor in diesem Zeiträume in der üerordnetenstelle batte
'° CandtagsprotokoU ebenda, fol. 601/b.
'• ebenda, fol. 602/b.
'^ Kippennünzen.
"' CandtagsprotokoU ebenda, fol. 545/b bis 547/b.
'* Candtagsbescbluf^ vom 13. märz. Candtagsprotokoll 1622 bis 1633, fol. 527/b.
" ebenda, fol. 491;b.
'« Ualvasor, ehre des Herzogtums Rrain, III. (IX.), p. $$f.
'S) 33 'S)
und welcher CUecbsel in den Posten der einzelnen biebei eingetreten. (Dir
folgen der Zusammenstellung seines Sobnes 3obann lüeikbard in der
„€bre Krains"."^^ UJir lesen da:
1640,
Berr lüolf Gngelbrecbt 0raf Euersperg, JImtspräsident,
„ Paul Prior zu 5^reudnitz,^^
„ Beinrieb Paradeiser,
„ Bartlme Ualvasor.
1641, 1642.
Berr CUolf €ngelbrecbt Graf Euersperg, JImtspräsident,
„ 3^^^^^ Edam Kayseil, Cbumbdecbant,
„ 3obann 5^erdinand Graf Portia,
„ Bartlme Ualvasor.
1644, 1645, 1646.
Berr Cüolf Gngelbrecbt 0raf Jluersperg, JImtspräsident,
„ niicbael von Kbumberg, Cbumbdecbant,
„ 3<^b^nn 5^erdinand Graf von Portia,
„ Ceopold Raumbscbifcl,^^
„ Bartlme Ualvasor anstatt Berrn Raumbscbif^l, anno 1646.
1647.
Berr (Uolf Gngelbrecbt Graf Jluersperg, JImtspräsident,
„ rnicbel von Kbumberg, Cbumbpropst,
„ Bartlme Ualvasor,
„ €berbard Ceopold Ursin Graf von Blagay.
164$.
Berr CUolf Gngelbrecbt Graf Jluersperg, JImtspräsident,
„ 3obann Jlbt zu Sitticb,«*^
„ Bartlme Ualvasor,
„ Gberbard Ceopold Ursin Graf von Blagay.
lUäbrend der JImtsdauer 1640 bis 1642 war Berr Bartlme Ualvasor „er«
sucht worden", sieb in Gemeinschaft mit Berrn ITlax Paradeiser, Jreiberrn,
" I. c. p. $$ f.
" ehemalige Kartause Jreiidentbal unweit Oberlaibad).
'® welcher auch $cl)on 1643 Uerordneter gewesen.
^'^ Zisterzienserkloster in Unlerkrain.
V. Radics, Ualvasor.
'S) 34 -©
als Kommissär zu der mit der kärntneriscben Candscbaft angestellten Kon=
ferenz wegen JIngelegenbeiten der 5^estung Petrinia (in Kroatien) gebraud)en
zu lassen «1 (1641, 1$. Jlpril).
„Zur Unterbaltung'* dieses festen Ortes gegen die Cürken bat „die
Candscbaft von Krain viel tausend 6ulden gutwillig beigetragen neben
anderen Benacbbarten (Steiermark und Kärnten), bis 167$ ein üergleicb
zustande kam, dat5 fortan Steiermark allein dafür Sorge zu tragen babe."^^
Bier sei nocb erwäbnt, da(5 der als Uerordneter der krainifcben Cand--
sd)aft erprobte Rerr von Ualvasor in dem Candtage von 1633 infolge
„der von Ibrer Kayserlicben IDajestät begebrten denomination zu der vacie-
renden RegimentsratbsstelT' (bei der innerö'sterreicbiscben Regierung in
6raz) in seiner Jlnwesenbeit als für diese Stelle tauglicb in Uorscblag
gebracbt wurde, gemeinsam mit Berrn Ualerius 5^reiberrn von Hloscon.^^
Obscbon es zu einer Ernennung nicbt kam, wurde zwei O^bre nacbber
betreffs einer gleicben Stelle von Seiten der innerö'sterreicbiscben Regierung
auf [)errn Bartlme Ualvasor bingewiesen, aber aucb diesmal kam es nicbt
dazu, dal5 er diese Stelle eingenommen bätte.^*
Hacbdem wir uns, soweit es der Raum gestattet bat, mit der öffent«
lieben Tätigkeit unseres Berrn Bartlme von Ualvasor bescbäftigt baben,
wollen wir nun unseren Blick auf seine bäuslicben Uerbältnisse zurück-
wenden.
Diesbezüglicb stebt obenan seine für den ßauptinbalt dieser Scbrift so
bedeutungsvolle zweite Uermäblung mit Jlnna niaria von Rauber, aus
welcber Uerbindung unser Bistoriograpb 3obann CUeikbard 5reiberr von
Ualvasor dann bervorgegangen.
Diese Uermäblung erfolgte zu Caibacb am 20. Jlpril 1632 und ist in
der matrikel der Dompfarre zu St. Dikolaus also verzeicbnet:
„1632 Jlpril 20 bujus matrimonio juncti sunt Hobilis et generosus
Dominus Bartbolomaeus Ualvasor quaestor^-* provinciae Carnioliae et virgo
Hobilis Mm Hlaria Rauber in Krei(t)perg Praesentibus lllustribus Dominis
"' Ireundlid)c mittcilung des gewesenen landscbafll. Kustos am museuni Rudolfinum
in Caibad), berrn Jllfons müllner, aus dem landsd)aftl. flrcbiv, Jasz. (alt) 93.
'^^ Ualvasor, €l)re des berzogtums Krain, IV. (XII.), p. 47.
'=» CandtagsprotokoU 1. c, fol. 623/b.
^* ßrazer Stattbalterei-flrcbiv, 0utad)ten-Protokoll.
" 6eneraleinnebmer.
^2) 35 'S)
Baronibus Reinprecbt Röndl,^^ Commendatore Ccutonici Ordinis et Ualerio
lHoscon.^^
Jlus dieser seiner zweiten Gbe entsprossen ihm 17 Kinder, darunter
als zwölftes unser ßistoriograpb; es waren zehn Söhne und fünf Cöcbter^^
und einmal Zwillinge, deren ßescblecbt nicbt angegeben erscheint. (Jon
diesen seinen rechten Geschwistern führt ]ohann ^eikhardt in seiner „Ehre
Krains" (16S9) als zur Zeit lebend noch an den einzigen: (Uolfgang Bar--
tholomäus, Pfarrherrn und Kommissarius in Sacbsenfeld in der unteren
Steierniark;^^ der älteste Bruder Bans Dietrich war aus dem Eande gezogen,
aber im jähre 16S9 auch bereits verstorben.^*^
Im rnonate vor seiner Uermählung mit Jlnna Hlaria von Rauber hatte
Berr Bartholomäus von Ualvasor den ihm 1630 von der lUitwe Gsther von
Scheyer, geh, Issenhauserin, „freieigentümlich hingegebenen" Gdelmannsitz
und Bof Scheyer (oberhalb Steinbrück), der 1621 auf 3960 fl. geschätzt ^^
und in dem steierischen ßültbuch mit 12 Pfund 4 Schilling 25 Pfennig ver--
ansagt war, an einen gewissen Jldam Jlsch freieigentümlich verkauft. In
der ßültaufsendung helfet es: 1632 Graz 31 FHärz Jlufsandt Berrn Bartlme
Ualvasor auf Jldamen Jlsch pro 12 Pfund 4 Schilling 25 Pfennig 5=iat
7 Jlpril 1632, „da(5 Ich umb meiner ferneren CUolfahrt willen mein Gdel--
mannsitz und Boff Scheyer so mit zwelff Pfundt vier Schilling fünfund--
zwanzig Pfennig in einer CöbL Candtschaft in Steyer 0ültbuch in der Bn=
sag, dem Gdlen und Uesten Berrn Jldamben Esch freyeigenthümlich verkaufft
und übergeben." ^^ JTus der Bemerkung, da(5 er diesen Gdelmannsitz wegen
seiner ferneren (Uohlfahrt verkauft habe, mag wohl hervorgehen, da(5 die
materielle Seite dieses Besitzes für ihn wenig CUert gehabt.
Um diese Zeit hatte Berr von Ualvasor die Gggsche Post (Gggsche Bof--
schuld)^^ im Betrage von 3730 fl. 44 kr. übernommen und es wurden dann ]j
im 3ahre 1633 die Berren Uerordneten in Krain von selten der inneröster--
reichischen Bofkammer wiederholt ersucht, da(5 sie Berrn Bartholomäus
Ualvasor „als yberhabern der Hlarquard Gggischen Post aus der neuen
JInlag (der neuen Steuer) 3730 fl. 44 kr. bezahlen sollen".^*
^^ handl, Komtur des Deutseben Ritterordens in Caibad).
^^ Eiber matrimonioruni Dr. 2.
^^ Siebe die Stammtafel im JTnbange.
^* Siebe Abteilung: (Jalvasors Gescbwister.
»° Ualvasor, Gbre des Herzogtums Krain, IIL (IX.), p. lOQ.
^' Steierm. Candesarcbiv, Candrecbtsakten : $d)atzliste d. steir. Gült u. Güter. Hm Scbaycr.
^^ Steierm. Candesarcbiv, Gültaufsendungen Hr. 1851 (Ualvasor), fol. 3 und 4.
^^ der herren von Ggkb.
^' Grazer Stattbalterei-JIrcbiv, hofkammerakten 1633, 2. Sept., Hr.!; 1633, 12. Dez., Hr. 50.
3*
•^
»
^
'S) 36 -2)
Zwei 3abre später erwarb er von einem Berrn von Kbaysel den Bot
CUagenbübel.
Um das 3abr 1637 finden wir ibn im Besitze des Scblosses Hltenburg
in Unterkrain — eines der ältesten Scblösser Krains, welcbes er aber
scbon 1639 mit allem Zugebör gegen einen Kaufpreis von 32.000 fl.,
100 Dukaten Scblüsselgeld und einem Reitpferde an Berrn Gregor matosic
verkaufte. (Siebe mein: Ualvasor, biogr. Skizze, ßraz 1S66, p. 11.) — Das
Scblol) ist beute Gigentum des Grafen Rudolf IDargberi.
Jlls er das üerordnetenamt antrat, nabm sieb Berr Bartlme von üal-
vasor in Caibacb eine CUobnung (1640), und zwar in dem städtiscben Cüag--
bause am Alten IDarkt (beute Baus Hummer 4),^^ welcbes Baus das 3abr
darauf zum ßeburtsbause unseres Bistoriograpben wurde. ^^
Berr Bartlme und seine ßemablin bewobnten dieses Baus urkundlicb
nacbweisbar durcb drei 3abre (1640 bis 1643 einscblief^licb) und batten das
zweite Stod^werk um den Hlietzins von 42 fl. inne,^' der balbjäbrig ent>
ricbtet wurde, denn es findet sieb in einem späteren Inventar von 1659
unter den brieflieben Urkunden angefübrt: „Gin Pagkbetel mit 6 Quittun--
gen wegen bezalten Bauszin(5 von dem zu Caibacb in bstandt gebabten
aiagbaus."^«
Da er auf seinem Scblosse 6alleneck, für welcbes er im landscbaftlicben
ßültbucbe mit 47 Pfund 2 Scbilling 2V2 Pfennig eingetragen erscbeint, ver--
scbiedene Jldaptierungen und aucb neubauten vornabm, begegnen wir ibm
in den Ginnabmebücbern der Stadt Caibacb wiederbolt als Jlbnebmer von
Baumaterialien aus den städtiscben Ziegeleien und üorräten aus den städti-
scben CUaldungen aufgefübrt.
Gs dürfte für die ßescbicbte der Preise nicbt obne Interesse sein, ein
paar solcber JInkäufe bier auszubeben. So verzeicbnet das Gmpfangsbucb
des städtiscben Oberkammeramtes vom jabre 1640:^^ Berr Bartbolomäus
üalvasor aus der städtiscben Ziegelbütte vom 3. Brand am 24. Juli 200 BolN
Ziegel 4 fl. 26 kr. 2 Pf., vom 4. Brand am 24. Jlugust 300 6welbziegel
2 fl., vom 5. Brand am 20. September 1000 ßwelbziegel 6 fl. 40 kr., vom
6. Brand am 20. September 270 Gwelb-- und 30 niauerziegel 2 fl.; an
Bolz bezog er im selben 3abre (S. Jlugust) 6 kleine „balbpaimber"
ä 11 kr. = 1 fl. 6 kr., 15 „gemeine Pretter" ä 2 kr. = 30 kr. und im
" Gegenwärtig im Besitze des bandelsmanns 3o$«^ Pctkosig.
"•^ Siebe nächste Abteilung.
•»^ Städtiscbes Hrcbiv-Urbare 1640 bis 1643.
•* flrcbiv des k. k. Candesgericbtes in Caibacb, Inventare üalvasor.
•' Städtiscbes flrcbiv, Ginnabmebücber.
'S) 37 'S
november (5.) nahm er 5 „Puscben Ceistcn" und 4 „Cafclpretter", zu-
sammen um 36 kr.
(Jon neuem bat er die Kapelle in Galleneck erbaut.^^« Jüx diesen Heu-
bau wandte er sid) mit einem Crsucbscbreiben an den IHagistrat der Stadt
Caibacb, dabingebend, ibm 6000 Dacbziegel zum Bürgerpreis zu über-
lassen, worauf ibm der ITlagistrat die J^nzabl von 1500 Dacbziegel ver^
ebrte und die übrigen zu genanntem Preise abliefe.
Das bezüglicbe €rsucbscbreiben Ualvasors lautet: „€dl Ue(5te fürsicbtig
vnd weise H. Burgermeister, Ricbter vnd Ratb der fürstl. Baubtstatt Caibacb . . .
niein 0scblo(5 Capein zu ßalnegg, die icb von Heuen erbaut ist mit steinern
zwar bedeckt worden wegen der kbelte aber das Cacb also ruinirt, dat?
id) notwendig solcbes zu repariren vnd mit Ziegl bedeckben zu lassen
micb resolvieren müssen. Diesem nacb babe icb die Berrn freundlicb er--
sucben wollen, die ßerrn die wollen mir den favor erweisen vnd 6000 tacb--
ziegel gegen baare bezalung in dem (Uertb als den Burgern verlieben wird
ervolgen vnd per decretum sollicbe anzuscbaffen. Solicb favor begebre icb
gegen denen Berrn anderwärts zu fürfallenden 0elegenbeiten binwiderum
zu bescbulden." Diese von der Rand eines Scbreibers berrübrenden Zeilen
unterscbrieb er mit eigener Rand also: „der berrn d(ienst) willig Bartlme
üalvasor m. p."
Die €rledigung von seiten des Magistrates ist auf dem Scbriftstücke
selbst a tergo entbalten: „Damit wegen der Ziegl practic kbein Consequenz
erfolge,^°i also will Gin Grs. lHagistrat Ibrer Gnaden Berrn üalvasorn an
denen nemenden 6000 fünfzebenbundert Cacbziegl zu sondern gefallen ver--
ebren, darnacb sieb Berr Cbristopb Crapp Oberstattrammerer allbie mit
Zustellung dits zu ricbten dergestalt, da[5 er wolgedacbt Trer gnaden die-
selben nacb und nacb zukbommen lasse, wie Ime dann aucb dieser ver-
willigte nacbla(5 bey der raitung pro aut^gab passirt werden solle. 25 Play
flo. 164$ Cudwig Scbönlebl Uice Burgermeister." ^^^
Der nacbla(5 mit 1500 Dacbziegel ist im Jlusgabenbucb mit 12 fl. an-
gemerkt; es blieben also 4500 Ziegel mit 36 fl. zu bezablen.
Bei dieser Kapelle stiftete er 1650 im Betrage von vier Buben den
Unterbau eines ßeistlicben im Scblosse, der in der Olocbe drei messen
lesen mu(3te, das Evangelium in der sloveniscben Spracbe. Jlu[5er der Kapelle
'°° Siebe Abteilung: Ualvasors Cod und Beisetzung in GaUcncck.
'"^^ Um kein Präjudiz zu scbaffen — würde man im flmtsstilc heule sagen.
'"'' Ausgabenbuch der Stadt Caibacb 104$, Beleg 7$.
'S 3$ 'S)
führte l)err Bartolomäus in Galleneck auch einen gro(5en ßetreidekasten und
einen lHarstall aui.'''
Im 3abre 1641 hatte Rerr Bartholomäus die in der Hachbarschaft von
Galleneck gelegene Herrschaft Gallenberg von dem Rerrn Georg Siegmund
Paradeiser, 5^reiherrn und Candeshauptmann in Kärnten, mit kaiserlicher
Bewilligung (ddo. 4. julJ I^^O angekauft. i°*
üon diesem Jlnkaufe erwuchsen ihm aber gar bald Unannehmlichkeiten
mit einer Jlnzahl Untertanen, die sich plötzlich „der praestirung der Roboth
strafmäl^ig widersetzten" — die Angelegenheit ging bis an den Bof. Ual--
vasor erhielt unterm Datum Graz, 21. lHärz 164$, gefertigt von Gabriel
Jreiherrn von Dietrichstein, von selten der innerösterreichischen Regierung
die CUeisung, die Untertanen von Gallenberg „bei ihrem alten Brauch und
Urbarsgerechtigkeit verbleiben zu lassen", „vmb da(3 ihr dieselben zu--
wider ihrer althabenden Jreyheiten mit allzuschwererDienstbarkeit belästiget".
Jluf diesen Grlaf^ aus Graz wendete sich Ualvasor aber zunächst an den
Candesverwalter (nachherigen Candeshauptmann) CUolf €ngelbert Grafen
Jluerspergi^^ mit der Bitte, er geruhe gedachte Untertanen, deren Hamen
er unten spezifiziere, zu zitieren, und zwar „extra ordinem praetoriae"
(d. h. aut^er der Zeit der ordentlichen Candrechte) und ihnen ernstlich auf-
zuerlegen, sämtlich gewif^ in persona zu erscheinen und die Ursache ihrer
Cüidersetzlichkeit vorzubringen wie auch sich wegen der deshalb gefallenen
Strafe mit ihm (Ualvasor) zu vergleichen, „al(5 widrigenfalls ihre kaufrechts--
gerechtigkeit gefallen und verwirkt auch mit mehrerer Bestrafung wider
solche als rebellische Unterthanen verfahren werden solle". Die „Homina"
dieser Untertanen lauten: Gregor Sirkh, Gregor und 3uri Sterban, mathia
Grobilschigkh, jergez und Primosh 3akhun, Andre und Pankraz Skerbinz,
niathia und CUalthasar Priman, Andre Resworschigkh, Anshe und Primosh
Drolz. Diese Schrift an den Candesverwalter hatte au(5er Herrn Bartlme
üalvisor m. p. auch Hicolaus Künzelman ]. U. Dr. m. p. gefertigt. Unterm
4. IDai fügte Herr Ualvasor an die gleiche Adresse die Beschwerde gegen
weitere fünf Untertanen: Andre Supan, jakhelle Sef^ler, Cüastian und ]acob
3anitsch und CUolkho Se(5mann an. Seine Äul^erung gegenüber der inner--
österreichischen Regierung war am 15. Hlai noch ausständig, unter diesem
Datum bedeutete man ihm, daf^ dazu zwar der Cermin noch nicht ver--
strichen sei, doch „vermelde man ihm, berührte Unterthanen mitls (inzwischen)
dergestalt zu halten, damit sie zu weiterer Klag keine befugte Ursache
"'^ mein: Ualvasor, Biographische Skizze, Graz l$66, p. II.
"^* 0razer Statthalterei-Jlrchiv, Rofkammerakten I64S, ]änner— Juli.
105
ebenda, 1643, 22. Jlpril.
-© 30 'S)
haben." 1^^ Bei der vor der Candesbauptmannscbaft durchgeführten Uer--
handlung wurde dem Berrn von üalvasor die landsgebräuchige Robot sowie
auch die Eieferung des Zinsgetreides zuerkannt, was aber, wie aus einem
Berichte der Bofkammer an den Kaiser hervorgeht, die dagegen remon--
strierenden Untertanen als eine „Uerlistigung" (Überlistung) ihrer Person
darstellten; da jedoch die Bauern, die sich auf eine kaiserliche üisierung
ihrer Freiheiten berufen hatten, in ihrer Bitte an die l)ofkammer auch das
€rsuchen gestellt hatten, es möge ihnen aus dem durch den gewesenen
erzherzog--Regenten Karl ^^^ neu aufgerichteten Urbare (aus dem bei der Rof-
kammer erliegenden Original) eine Kopie „in glaubwürdiger Jlbschrift"
gegeben werden, so erklärte sich die Bofkammer dagegen und wies „die
unruhigen Supplicanten" mit ihrem Begehren ab.^*^^
(Uelchgearteten Proze(5 Rerr von üalvasor im selben Oahre mit CUolf
Siegmund Freiherrn Paradeiser durchzuführen hatte, ist aus einer uns in
einem rechtshistorischen IDanuskripte eines Berrn von Grberg^^^ enthaltenen
Bemerkung nicht ersichtlich, doch ist diese Bemerkung selbst von Interesse, *
insofern sie feststellt, da(5 in besagtem Prozesse über 60 Zeugen zu-- ^
gelassen wurden, was bei „einreden in der UJeisung" die nach dem 3us 5
can. fixierte Zahl von 40 Zeugen weit übersteige, doch sei dies also praxis ^
nostra und verstof^e nicht gegen unsere Schrannenordnung, welche keine
Zahl fixiere, „wie viel Zeugen über jeden Artikel das niehriste geführt
werden können".
Eis Berr der Herrschaft ßallenberg hatte Bartholomäus von üalvasor auch
die Jlusübung der Gerichtsbarkeit daselbst, und zwar auch in mordprozessen.
Da ereignete es sich, da(5 im Hlai des Jahres 1644 Bauern des unter diese ^
Gerichtsbarkeit gehörigen Dorfes Cemsenik den Pfarrer von Cemsenik matthias ^
3uvan in grausamer Cüeise töteten, indem sie ihn mit Steinen erschlugen, ^
dann umgewendet an ein Ko(5 banden und dieses mit ihm fortjagten.
In der darüber gepflogenen weitläufigen üerhandlung führte die Unter--
suchung üalvasor mit ebensoviel Umsicht als Sicherheit und es gelang ihm
zu konstatieren, da[5 Parteilichkeit für einen durch den Patronatsherrn, das
Stift Sittich, an die Stelle eingedrängten anderen Pfarrer zunächst den lllord
veranla(5t, da(5 ein gewisser Bans Cextor, der sich dann nach Graz geflüchtet
'°'' Grazer $lattbalterci-JTrd)iv, hofkammcrakfen 164$, 22. JTpril.
'" nach dem grof^en windiscben Bauernkriege 1573 waren die Urbare neu
zusammengestellt worden.
'°^ Graz, 25. mai. — Grazer Stattbalterei-JIrcbiv, Rofkammerakten.
'"'' „Observationes" — in der Bibliotbek des hcrrn Jlnton Grafen Barbo auf Schieb
Kroibenbacb, p. 312 f.
-© 40 'S
und dort gefangen genommen worden, der Rauptscbuldige, und auf^er ihm
nocb vier Bauern den Hlord vollbracht hatten. Cextor wurde von Graz aus
durch den Candesprofol^en an die krainische Grenze geliefert, von Cand-
gericht zu Candgericht übergeben und es erhielt der ßerichtsherr von ßallen--
berg von der innerösterreichischen Regierung den Jluftrag, „vermittelst recht--
schaffener und ganz unverdächtiger Personen" ehestens den Proze(5 abzuführen
(3. 3uli 1645), doch war dieser Prozel^ noch im IDärz 1646 nicht beendet
und es liegen über den Jlusgang desselben auch keine weiteren Daten vor.^^^
I)err Bartholomäus von üalvasor starb in dem Jahre 1651/52. Zu Beginn
des Jahres 1652 (7. märz) findet sich das „Inventarium über Bartlme üalvasor
seel. zu Caibach ligend und vertheilte 5^ahrnuf5"^^^ und unterm 21. Jlpril
1652 liegt eine Quittung vor der Söhne Bartimes aus erster €he, Karl und
5^ranz fldam, „wegen der empfangenen vätter-- und mütterlichen lahrnuf^."^^^
*
Jlnna niaria von üalvasor, welche Berr Bartholomäus am 20. Jlpril
1632 als seine zweite Gemahlin heimgeführt, war die Cochter des in sehr
bescheidenen üerhältnissen befindlich gewesenen, 1617 bereits verstorbenen ^^^
Berrn Georg von Rauber auf Kreutberg und seiner Gemahlin Dorothea D.;
au(5er der Jlnna ITlaria war bei des üaters Code die Schwester derselben,
Regina Dorothea, am Ceben, die ihr im Jllter vorgieng und an Berrn
I)ann(5 Cudwig Rasp vermählt war, der durch diese Beirat die Herrschaft
Kreutberg eigentümlich erlangte. ^^*
Die beiden Schwestern Regina Dorothea Raspin und Unna lHaria
üalvasorin wandten sich im Jahre 1639 an die Römisch-Kaiserliche
majestät mit einer alleruntertänigsten Supplik betreffs „enormissimae
laesionis", welche Cäsion ihnen durch einen zwischen ihrer Hlutter als
„Gerhabin" (üormünderin) und Johann Gkhinger Roo als Kurator mit
weiland ihrem üetter Banns 5^riedrich von Rauber 1619 abgeschlossenen
üertrag zugefügt worden wäre, durch welchen üertrag ihnen nicht nur die
spezifizierte Summe von 50.000 fl., sondern auch das Raubersche Schlo(5
CUeinek (in Unterkrain) entzogen und Bannf^ Friedrich Rauber ^^-^ zum
üormund gesetzt worden, welcher „propter titulum affectatum suspect"
^'° ßrazcr StattbaUcrei-JIrcbiv, Gemeine Copeyen.
*** Candesgericbts-Ürcbiv Caibacb, Inventarien Üalvasor ex 1057. Briefl. Urk. Rr. 15.
''' ebenda, Dr. 11.
"^ Herr Georg v. Rauber wurde am 5. Jänner 1617 in Hieb begraben. Iv. ürbovnik,
Izvcslja inuzejskega dru^tva za Kranjsko 1S99, p. 9S.
'•* üalvasor, €bre des herzogtums Krain, III. (XL), p. 317.
"^ Im 3abre 1626 Uerordnetenamtspräsident (üalvasor 1. c., III. [IX.], p. $$).
'S) 41 -©
daneben seine Kinder bereichert und sie, die Bittstellerinnen, an den
Bettelstab gebracht habe; sie baten daher um eine „restitutio in inte--
grum". Die innerösterreichische Regierung, an weld)e dieses niajertäts--
gesuch gediehen war, lie(5 nun an die Röniisd)'Kaiserliche ITlajestät die
jiu(5erung gelangen, dahingehend: „da(5 mehrgedachter Georg Rauber bei
ÜJeinek kein eigenthumb hat praetendiren können, sondern Jldam
Raubers^^*^ Grben, gegen ablegung seiner ansprach, ihme (Georg Rauber)
und seine Grben abzufertigen, die Cöchter (aber) bei demselben als einem
mannstämmlichen Eehengut kein 3us derzeit praetendiren können". Die
vorgebrachten Lotionen der Bittstellerinnen beruhten — wird weiters
dargelegt — auf „aus weiblicher Schwachheit hergenommenen üer--
muthungen", auch seien in den gegenseitigen Angelegenheiten „die
Commissarien ehrlid) recht und redlich vorgegangen". Das Schrannen--
gericht in Rrain, um sein gutad)tliches Uotum angegangen, habe dahin
geschlossen, „da(5 die Supplicantinnen, welche Tre 5^rau Hlutter (mit)
12016 fl. zu ihrer abfertigung tacendo haben ziehen lassen, und ihrem
3uri, wann sie ainiges gehabt hätten, guetwillig renunciert, sollten von
ihrer angesuchten restitution abgewiesen werden". Die i. ö. geheimen Räte
sd)lossen daher unterm 1$. 3uni 1639, dat5 die Supplikantinnen dahin zu
restituieren, „die anziehende laesion rechtlich klagen und dociren mögen",
d. h. die Bittstellerinnen wurden auf den Rechtsweg verwiesen, weld)er
Beschlu(5 ihnen unterm 1. Juli 1639 ausgefertigt wurde. ^^^ Ob die Bitt--
stellerinnen den Rechtsweg in der Sache betreten haben oder nid)t, ist
aus den Akten weiter nicht zu entnehmen. Doch scheint es zu irgend
einem gütlid)en üergleiche gekommen zu sein, da wir in des Sohnes der
Ualvasorin ausführlidier Darstellung über die Raubersche Familie ^^^ keiner
wie immer gearteten Bemerkung oder Anspielung auf noch weiters nach-
geklungene Differenzen zwischen den beiden 0eschled)tern begegnen!
5rau Anna FHaria Ualvasorin fand ja auch in ihrem eigenen [)eim,
in dem wohlbestellten €igen auf ßalleneck, volles Genügen, wie aus dem
nad) ihrem Code aufgenommenen Hachlafe-lnventar sprechend hervorgeht.
(Dir wollen es versud)en, in nad)stehenden Zeilen vor allem aus den
dürren Aufzählungen der einzelnen Objekte des Baushaltes: der Sd)lol5-
einrid)tung in Gallened^, des Bausrates in Caibad), ein Bild davon zu
"' Uatcr des hannf? Triedrid) Rauber.
'''' 0razer $tattbalterei'Hrd)iv, expeditum 1639, 3uli, Ilr. I. - lUir teilen das in
red)tsbi$torisd)er Beziebung interessante $d)riftstück des örazer Gebeimen Rates im
flnbange wörtlicb mit.
"« üalvasor, ebre des Herzogtums Krain, III. (XL), p. 031 bis 03S.
'S) 42 'S)
entwerfen, wie Jxän Hnna Hlaria als Rausfrau gewaltet und dann in
gleicher (Ueise, wie sie sieb im „Jrauengescbmuck" als Gdeldame der 0e--
sellscbaft gezeigt ^^^ und wie sie sieb und ibre Cöcbter im pause getragen!
Die erste Stelle im wohlgeordneten Rausbalte der 5^rau JInna Hlaria
nimmt das „Pettgewandt" ein. Da fallen, wenn man die Bettvorhänge
lüftet — Bettvorhänge aus rot und gelb gestreiftem „Rässeto" — ,
besonders auf die schönen „Khulter" (Bettdecken), solche mit Brokatüberzug,
gewirkt mit gelbem „Poden" (Untergrund) und grollen roten „Pluemben",
oder solche aus Seide, der „Poden" aus spanischem Caffet mit schwarz
und gelben Blumen, „herumb aber mit Piaben Cafet ausgemacht," dann
wieder solche aus Seide mit Silberwirkerei auf blauem Grunde, „herumb
mit goldfarbenem Caffet ausgemacht," mehr dann solche das „Plat" (Boden)
aus rotem glatten Samt, mit kleinen goldenen Schnüren verbrämt und
ringsum mit grünen Quasten versehen, oder aus rotem Juttas, mit grünem
Caffet durchwirkt, und eine Anzahl anderer mehr oder minder kostbarer
Khulter aus Seide oder Caffet. Jluch die Kinderkhulter waren aus fltlas
— goldgestickt — oder aus goldgestreiftem „Cobin".
Die Ceilacher (Ceintücher), eine JInzahl aus „subtiller Ceinwath", an
den Gnden „mit wei(Kr JIrbeit ausgenäht", andere aus mittelmäl^iger
Leinwand, mit grof^en Spitzen ausgearbeitet, „reistene" mit weif^em
Klöckelwerk. Die Rauptpolster aus Barchent oder Zwilch, gestreift oder
ungestreift, die Rauptkissen (Kopfpolster) aus Barchent oder „gewürfeltem
Zwilch". Die „Jederpetten" mit weiften oder gestreiften (meist blau--
gestreiften) Überzügen aus Barchent, dann auch solche mit weiften oder
gestreiften Zwilcl)überzügen, — dies die Bettbestände. [Dir ziehen die
üorhänge aus gestreiftem „spanischen Caffet" wieder zu!
Uor den Betten liegen türkische Ceppiche — solche auch unter den
tischen in den anderen UJohnräumen. Reich ist der Uorrat von Ceinenzeug
in den Schränken: Ceintücher, Tischtücher, damastene mit fransen, reistene
mit rotem 0arn ausgearbeitet, zwilchene mit Klöckelwerk an den Gnden
usw. usw. Randtücher, feinere und gröbere, auch zwilchene, teils mit
Klöckelwerk, teils mit 5^ransen an den „orthen" (Enden), auch ein
„spinatenes Randtuch", „mit schwarzer Seide ausgenäht", liegt darunter.
Dort liegt wieder in Dutzenden das „Ciscbfazelet" (die Serviette) aus
Ccinen oder Zwilch, mit und ohne „Zotten" (5^ransen). Selbstredend ist
"" Das Inventar datiert Schloff Galleneck am 20. August 1657, umfallt 40 Jolio-
blättcr und ist von den landschaftlichen Kommissären 6. Rambscbissl, Seyfridt Ramb«
schisse) und ]]). Rasiber unterzeichnet. Candesgerichts-.Hrcl)iv, Inventar flr. 205.
'S) 43 ^
aud) das zum (Uecbseln bestimmte „Bettgewandt" in den oben an--
gefübrten Sorten in der dem sorgenden Sinne der emsigen l)ausfrau
entsprecbenden FHenge vorbanden.
Reicb ist aucb der Uorrat an „Capezereyen", womit dem 6escbmaci<e
der Zeit entsprecbend die Cüobnräume des Scblosses ausspaliert erscbeinen
und die, wie das Inventar besonders betont, „vermög väterlicben (des
Berrn Bartbolomäus) Inventar völlig vorbanden", d. b. aus dem Jlmtsstil
übertragen: sieb in tadelloser Grbaltung befunden.
Ringsum auf den Stellen in Zimmern prangt das glänzende Zinn--
gescbirr, das zusammengenommen rund drei Zentner wog. Celler, Scbüsseln,
Kannen, 5^1ascben, darunter grof^e zu ein „üiertl" baltende, aucb secbs»
eckige 5^1ascben, „Konfektscbalen", „Opferkändlein", dann Ceucbter mit
„Degkblein" (Cicbtputzer), Hacbtleucbter u. a. m.
Jlucb an niajolika--0e$cl)irr war das nötige vorbanden: Scbalen,
Krüglein, Konfekt--Scbü(3lein und aucb „essig--Scbü(5lein".
mannigfaltigen 0ebraucbes erscbeint das angefübrte Hlessing- und
Kupfergescbirr, gleicb dem Zinngescbirr einige Zentner wiegend; da gibt ^
es rnörser, Kessel, ein „Rosenbrennkessel", ein „Branntweinkessel" mit J
„zinnernen Bütten", ein „Rosensprengkbandl", kupferne „Soldatenkessel", ;^
„'5itcbkbö(5lein", Cortenpfannen, Pradtpfannen usw. usw., Ölkessel, ge-- ^
wöbnlicbe Kupferkessel, kupferne Platten u. a. m. J!u(5erdem ist das
Kücbengefcbirr, insofern es aus IHetall bestebt, in guter Uerfassung,
Pfannen, 5^euerrost, Dreifu(5, Bratspie(5 und dergl. mebr. Das gebred)licbe i
Conwerk ist nicbt aufgezäblt, wobl aber Reuter, Körbe und „lüasserscbäff
6 guete und scblecbte".
Speise-- und Uorratskammern sind gut gefüllt. Bn „Pökb- und 2
geselcbtem 3^1eiscb" finden sieb „Scbultern", „Rammen", „Rückgradt" in j|
entsprecbender Zabl »35 Zender" geselcbtes ^leiscb, „Pacben" oder Seiten- fi
speck an die 3 Zentner und „Caibscbmer" (16 Caib); da liegen gedörrtes
Obst, Kirscben, Hüsse, flpfel, dann Birnen und jipfelspalten; die Getreide-
kammer weist alle Sorten vom „Cürkiscben Cüeiz" bis zu den „Zisern", an
Beiden 146 Star, Scbmalz findet sieb in 37 Kübeln im Gesamtgewicbt
von 4V2 Zentnern, Unscblitt „(Inslet") in 6 Kübeln von 2 Zentnern
ßewicbt; dann in „gemacbten Inl^letkberzen" 30 Pfund.
Der Cüeinkeller weist nur zwei Fässer, eines mit rotem niarwcin,
20 eimer Steirermaf^ baltend, und eines mit wei[Km marwein gleicher
rnenge.
Bn „Ceinwatb, Streu und Spinbaar" batte das emsige „Frauen-
zimmer" an Uorrat: „16 V2 stab grober scbmaller leinwatb zu Ciscb-- und
»
-2) 44 'S)
Randtücbern", „21 stab grober Reisten", „22 Stab scbmaller ruepfener
Ceinwatb so alles 51ei[5 für die Ciscbfazellet (Servietten) gewürkbt
worden", „niebr 15 stab deto in etlicben Stukben"; auf^erdern in „Stren
und Kbnoden", ruepfenen und reistenen über 3 Zentner.
J\n Ceder sind Kalbs-- und Scbaffelle, darunter „Cordubanene" und
„geliderte" und aucb „16 paar Soolen" vorbanden.
unter das „Rolzwercb" zäblen ein kleines Baus„appotbekbr*, ein
„RaiI)betr'^2o^ 70 milcbscbafflein oder „Stöf^lein", zebn Krautpotting,
ein „Scbreibtiscbl" und ein „$d)reibtrigl", eine Badewanne u. a. m.
Im Pferdestalle steben: ein alter Rotscbimmel, ein alter grof^er Braun
und ein „kleines Räpl"; das maier-üieb beim $cblo(5 ßalleneck zäblt
156 $tüd{, darunter 27 nielkkübe, 2 Stiere, zweijäbrige, einjäbrige und
„beurige" Kbalber, 6ai(3en, Böcke, Scbafe, CUidder, Lämmer, „reverendo"
Scbweine, indianiscbe Rübner und Rabnen, „Junten", mit Bienen („Pajen")
sind secbs $töd<e gefüllt; aucb der niaierbof in Podgorica war gut be--
stellt mit rnelkküben, Zug- und Jlrbeitsocbsen, Stieren, Kälbern,
Scbweinen usw.
Unter „allerley 5^abrnus" trifft man: eine gro()e und eine kleine
»Scblagubr", einen 5^rauensattel, ein „Rot^gescbirr", ein „Paar 5^u(5eisen",
44 neue Bufeisen usw. usw., aucb ein Dscbbestekl, darin fünf Hlesser mit
Perlmuttergriff, und eine „gläserne Dacbtlatern".
Der Bausbalt in der Cüobnung zu Caibacb stellt sieb äbnlid) dar, wie
der auf Scblo(5 0alleneck, selbstredend alles in geringerer lllenge; das
üorbandensein von „6utscben-- Rädern" mag darauf bindeuten, daf^ sieb
die l^errscbaft in der Candesbauptstadt Gquipage bielt, von Pferden ist
jedocb keine Rede bier, aucb wird kein Stall erwäbnt!
eilenden wir uns nun zur Betracbtung des „5^rauengescbmuckes", wie
er die acbtunggebietende Crscbeinung der Hlutter unseres job^^n Cüeik--
bard zierte ! Den Kopf-- und l^alsscbniuck eröffnen die 0oldketten und die
Perlscbnüre, da finden wir die „balbgezogene güldene Kbette" im
6ewicbte von 29 V2 Goldkronen, „mebr eine Perlenkette mit güldenen
Pollen" (Bullen = Köpfe, Kugeln) und Untermarken^^i (Zwiscbenzierat).
Heben einfacben und doppelten spaniscben goldenen Ketten im Gewicbte
von 9V2 bis 11 Goldkronen begegnen wir einem venetianiscben goldenen
Ketterl von 6 Dukaten in 0old, einem kleinen goldenen Krausketterl
*-° Rcisbett (Bedeutung ?) im Gegensatz zu Spannbetten erwäbnt in mebreren
Inventaren Ungcr-Kbun, Steier. ÜJortscbatz, p. 500.
'^' In der KIcidcrordnung von 1626 wurden verboten die aus 0old, guten Steinen,
verguilen Unlerniarcben ($d)nicner, Bayerisches lU.-B. I., 1645) geniad)ten Jlrmbänder.
'S) 45 'S
(kraus = feinst gearbeitet) im Gewichte von 11 V2 Goldkronen und noch
mehreren grö(5eren und kleineren Gold- und Perlenketten. „Gine güldene,
wei(5- und grüngeschmelzte (emaillierte) Rosen ^^^ ^\i 20 Rubinen" wird
mit dem Gewichte „von 9 Rronen in Gold" angegeben.
einen $t. Georgs--Ritter in der Itlitte weist ein „Kleinod mit 11 kleinen
Rubindl und 2 Smaragden", 4 Goldkronen im Gewicht. Gin Paar goldene
Ohrgehänge mit 19 Rubinen in weif^em Gmail, ein Paar goldene Ohr-
gehänge mit „lHohrenköpfen" mit 9 kleinen Rubinen, ein Paar goldene
Ohrgehänge mit 6 Perlein und 2 Rubinlein variieren im Gewichte von 3
und 5V4 Goldkronen.
CUir kommen zu den „Balspantln" mit 16, 1$ und 24 goldenen
„Pollen", zum Ceil mit Perlein (32) und roten Korallen (1$) besetzt, im
Durchschnitte im Gewichte von 5 Goldkronen.
J\h und zu paradierte wohl 5^rau Jfnna IDaria mit dem altvaterischen
„Hufsatz'' 123 mit drei wei(5-- atlassenen Spitzen, darauf 12 durchbrochene a
goldene Rosen, um und um mit kleinen Perlein versetzt, erschienen. Dicht jt
weniger Interesse als dieser alte Kopfschmuck erregt das „Pertr*^^* (Raube) mit
19 güldenen kleinen „5^ünfröslein", mit Rubinen versetzt, auf wei(5em Mas,
auch mit Perlen geschmückt. Und solcher Pertl hat unsere €deldame nod)
mehrere in ihrem Besitze, so eines mit 12 goldenen Rosen, mit roten und §
grünen Granaten und mit Perlen versetzt, ein kleines Pertl mit 20 goldenen
Rosen und mit Perlen versetzt und eines mit 12 goldenen Rosen, roten
Granaten und Perlen.
Kostbar waren auch die JIrmbänder, die die Dame trug, und schwankte
das Gewicht der meist gebrochen gearbeiteten goldenen ürmbänder zwischen ^
$V2 und 16 Goldkronen. 5
€ine reiche Auswahl von Ringen findet sich vor. Zunächst gewahren
wir einen goldenen Ring mit 17 Diamanten, dann einen altvaterischen
mit einem „Cafel-Diamant'S^^s ^inen goldenen Ring mit einem „gespitzten"
Diamanten, einen goldenen „Sternring'' mit 7 Diamanten, einen goldenen
Sternring mit 10 Rubinen und in der Hlitte mit einem Smaragd, einen
goldenen schwarzgeschmelzten (emaillierten) Ring mit einem Cafel-Rubin,
einen „altvaterischen" Ring, grün und wei(5 emailliert, mit einem Rubin
'2^ Bei den 0oldsd)niieden sind Rosen aus Diamanten und anderen Steinen
solche Ringe oder Geschmeide, die wegen ihrer Uersetzung eine Gleichheit mit den
Rosen haben. Zedier, Universallexikon, Bd. XXXII, p. $55.
'2' Aufsatz = aufgesetzter Kopfputz bei Irauen. Sanders' lü.-B. IL (2), p. $03.
124 pgjti = Bartel, mutze, Raube. Schmeller I. c. L, p. 2$3.
125 Cafcl = die obere horizontale 5läche beim Brillantschnitt. Sanders 1. c. I., p. $53.
a
c:
«
^
a»
'S) 46 'S)
und eine Jlnzabl anderer mehr oder minder wertvoller Ringe; da gab es
darunter „ülascbr'-- Ringe, „gewundene'' Ringe, Kreuzl-Ringe u.a.m. Jlud)
der Jlberglaube ibrer Cage war mit dem und jenem Ringe vertreten, als
sold) einem begegnen wir dem €llentklau--Ring,^2f. g^-üi^ und rot emailliert.
Jlud) ein Denkringel mit 5 Rubinen barg das Scbmuckkästcben der Hlutter
unseres jobann (Ueikbard.^^? n^itten unter den Ringen lag unter anderen
aud) eine silberne vergoldete 5^rauen--Jlufsatz-- (Kopfputz--) Hadel mit einer
grün und rot emaillierten (goldenen) „Rose''.
M Gürteln besa(5 diese 5rau Ualvasorin eine Reibe von „silbernen
51as(ben--0ürteln", darunter welcbe mit vergoldeten Untermarken (Zwiscben--
zierat), im ßewicbte von 4 und 19 Cot, mebrere „Krausgürtel" aus Silber,
dann durcbgebrocbene Silbergürtel, aber aucb „rnöt5ing--Ketten" auf die
^lascben-- und aucb „auf die spaniscbe Hlanier" gemacbt. Daneben fand
man 15 Dutzend silberne „niederringe".
Gines von drei silbernen Scbkatlein (Scbatullen) birgt aucb wieder ein
Sympatiemittel, einen „Pisenknopf" (== ein Kügelcben, so aus mancberlei
woblriecbenden Sacben, Pulvern aus iXlurzeln, Blumen usw. mit Cragant--
scbleim und unter Zusatz von Jlmbra, rHoscbus oder Bisam formiert
wurde), ^^^ als mittel u. a. gegen starke Ceibesverstopfung gerne an--
gewendet.
Die Jlbteilung „'Jrauenkleider" beginnt: ein „"Jrauen-jankber" mit
spanischen weiten flrmeln aus scbwarzem gro(5geblumten Samt und
mit silbernen Spitzen verbrämt; die inwendigen (unteren, engen) flrmel
sowie der Brustteil der O^cke und das „üortucb" sind aus „feilgrauem" ^^^
Jltlas und mit goldenen Blümlein gestid<t. Bei einer anderen scbwarz--
samtenen ]acke sind die spaniscben flrmel mit zweireihigen goldenen
Spitzen verbrämt, während die inwendigen flrmel aus pomeranzenfarbigem
Jltlas gefertigt sind, lüieder eine andere Jacke mit spaniscben Ürmeln
ist aus „failpromben", „mosierten"^^^ Samt und die Uerbrämung der
Jirmel bilden goldene Borten. Diese j^cke bat keine inwendigen Hrmel,
wies also entblö[5te JIrme (Jesttoilette). Zum 5^eststaate geborte wobl aucb
"" GIcndsring = ein Ring mit einer eiendsklaue als vermeintlidies mittel gegen
Krämpfe, fallende $ucl)t, aucb Kampfring genannt. Sanders 1. c. III., p. 2$9.
"' 0edäcl)tni$ring = ein Ring auf drei Ringeln, von denen man eines nieder--
bängen lief> als Grinnerungszeicben, um etwas nid)t zu vergessen. Sanders 1. c. II.,
p. 760.
'^'^ Zedier, Universallexikon III., p. 1933 f.
'■^^ kupferfarben.
'='0 mit Stid<erei verziert. Sanders 1. c. II. (I.), p. 335.
-2) 47 -©
der französische „Dobinere^^^i— 5^rauenjankber — aus Caffet „mit isabell-
farbenen Pluemben" und einer silbernen „goldeingetragenen" (durch--*'
wirkten) Schnur verbrämt. Stattlich nahm sich dazu der Kod< aus von
rotem glatten Samt und mit neuen goldenen „0alonen"^32 verbrämt. M
Röcken finden wir in der Garderobe der 5^rau J!nna IDaria u. a. auch
Jltlasröcke in pomeranzener 5^arbe, mit sechsreihigen Silberspitzen ver-
brämt, dann solche aus grünem Jltlas mit goldenen silberdurchwirkten
Borten u. a. m.
Da gab es auch eine Jluswahl von altvaterischen „Priestlein" (Brust--
einsätze zu 3ad<en) in bunter 3^arben--Blumenstid{erei oder „Silber--
stücken'', solche Priestlein mit flrmeln daran aus Samt oder Jltlas, mit
silbernen oder anderen Schnüren verbrämt, ferner eine Jluswahl von
ITliedern, so z. B. ein „^rauenmieder aus weichselfarbenem güldenen und
silbernen Cobin'' und mit güldenen ßalonen verbrämt, daran 12 Paar
einfache niederringe, oder ein lUieder aus haarfarbeneml3^ mit 6old
eingestreiften „gebliemleten*' Cobin, mit silbernen Schnüren verbrämt,
daran 21 silberne einfache niederringe.
Jln mänteln finden wir solche aus „fltlas--Samt und mit schwarzem -
Caffet unterfüttert'*, aus schwarzem „Caffet-Samt und gleichfalls mit l
schwarzem Caffet unterfüttert''. €s wird eine rotseidene, mit 6old ein-- -
getragene „Chamoseln"^^* (Kamisol), mit rotem Caffet unterfüttert, besonders
genannt und im Anschlüsse daran eine Reihe von „mizl" oder Frauen-
manteln aus schwarzgedrucktem Samt.
Gin sdiwarzgedruckter^^^ Samtmantel erscheint mit aschfarbenem „5^ilpa" =
(Pelzwerk) durch und durch „unterzogen" (gefüttert). *
Uon mehreren „Kasakhen"^^^ ist eine aus Caffetsamt, mit zwei «
goldenen ßalonen verbrämt und die Schöffe mit „leifarbenem" Caffet ij
ausgefüttert, besonders hervorzuheben. S
Die Garderobe weist ferner verschiedene Sorten von „5^rauenkappen",
so aus „51or" mit gewirkten grof^en Spitzen, dann sogenannte „böheimische",
mit schwarzem 5^utter überzogen und eine mit Edelmarder gefüttert, daneben
landesübliche (krainerische) Pecen, eine „schlärene" (aus Schleierstoff) und
andere von „gemeiner hiciger" (hiesiger) Jlrbeit; daneben eine gro(5e
'^^ Cobincrc = gewässerter Caffet, franz. tabis. Sanders l. c. II. (I.), P- 1320.
132 Cressen.
^'^ flachsfarben.
'^'^ Olams, Unterwams. Sanders I. c. I., p. $57.
^^^ €rböbte Arbeit; geprellt.
''' Kasak (frz. Casaque) = Oberkleid, mantel. Sanders I. c. L, p. $73.
'S) 4$ 'S
Jlnzabl von „Baustücbern'' mit gro(5en Spitzen und „Sternen*' und von
„Yazeneten" (Sad<tücbern), darunter kostbare Stücke mit gemalter Jlrbeit
und Gold „eingetragen" (eingevoirkt), aucb goldene Spitzen um und um.
Die seidenen Strümpfe der Dame sind in allen 5^arben vorbanden,
rot, blau, nagel (nelken) usw., mit 0old und Silber eingewirkt.
Reicb erwies sieb aud) der Uorrat an nocb unverarbeiteten Stoffen,
an Samt und Seide, an Bändern, Spitzen und Scbnüren, einfacben
und gold- und silberdurcbwirkten, wie nicbt minder an scbimmernder
Cüolle und scbneeigen Cein, den aucb diese wackere Bausfrau aus dem
altdeutscben ßescblecbte der Ferren von Rauber bier gesammelt im reinlicb
geglätteten Scbrein!
Bn Barscbaft konnten die Kommissäre verzeicbnen: in einer silbernen
Scbacbtel befindlicb Golddukaten secbs grof^e Stücke, so 10 Denare wägen
macbt Stück 60, mebr fünf Stüd<e zu $ Ducaten in goldt, wicbtige
Gold Denare macbt 40 Stükb; in einfacben Goldducaten zwainzig Stücke
„vnd ein viertl Zicbini'* id est 207*, Silbercronen 154V2 Stück, in Reicbs--
tbaler, darunter ein doppelter, 16 Stüd?, drey „Zanfroni", in alten Groseben
14 fl. 33 kr., in neuen 16 fl. 25 kr., „in alten zu zwey Kreutzern'' 10 fl. 24 kr.
„Jlilff dukatboini", in „Oustini" 7 fl., in doppelten Petaken 2 fl. 29 kr..
In unterscbiedlicber kleiner „ITlünz" fK 13, in neuen Kreuzern oder Zweiern
5 fl. 31 kr., in alten dreyern 1 fl. 27 kr., in quatrini 105 fl. 12 kr. — J\u{Hr=
dem fand sieb ein „Scbuldbrief oder assecuration von l)errn Bartlme
UalvasoVen sei. unter Dato 26. Jlpril 1640 aul^gebendt und an dessen
Gbegemalin 5^rauen Bnm ITlaria per 4000 fl. lautend".^"
Jür die Genauigkeit, mit der 5^rau JInna niaria ibre CUirtscbaft zu
fübren gewobnt war, zeugten die in ibrem llacblasse gefundenen Scbreib--
kalender, in die sie der Sitte ibrer tage gemäf^ Empfänge und Jlusgaben
eintrug. ^2^
Dat5 sie als Hlutter für die Grziebung ibrer Kinder bestens besorgt
war, erseben wir daraus, dat5 sie diese, die Söbne namentlicb, zu den
Studien anbielt. Yür den ältesten, [)ann(5 Dietricb, der in Graz studierte,
bezablte sie bei Banns Cbomas Kunst — Jluerspergscben Jlgenten — ,
1653 das Kostgeld (per 3abr?) mit 65 Stück Silberkronen und 55 kr.;'^»
Jobann CUeikbard batte sie im 3esuitenkollegium in Caibacb.
"' Inventar 1657, Brief!. Urk. Hr. 3.
•'« ebenda, Briefl. Urk. Hr. 30.
'" ebenda, BrieH. Urk. nr. 19.
-2) 49 -©
Gs erübrigt nur noch, vom Cestamente der 5rau J?nna IHaria^^^ hier
zu sprechen. Tn diesem setzte sie ihre drei jüngsten Söbne, Bans Cüeikbard,
Bans ßerward und Cüolf Bartlme zu Universalerben ein, den ältesten,
Bans Dietrich, voill sie so lange ausgeschlossen wissen, als er das Uer=
hältnis „mit einer schlechten, schlimmen nienscbin'', die er gar ehelichen
wolle, aufrecht erbalte; die Cöchter erhielten Cegate ausgeworfen. Das
Begräbnis wünscht 3^rau Jlnna IHaria ohne besondere Zeremonien, mit
gewöhnlichen Seelenmessen und exequien, die Beisetzung ihres Ceichnams
in der Gruft der Bauskapelle in 0a11ened<.
Da die 5^assung des Cestaments so recht geeignet ist, den vollen
Ginblick in CUesen und Charakter der Hlutter unseres Bistoriographen zu
gewähren, so halte ich es für geboten, dasselbe hier in seinem vollen
UJortlaute folgen zu lassen.
£$ hat nachstehenden Inhalt:
In Hamben der Ellerheilligsten vnd Unzertrenten Dreyfalthigkheit
Jlmen.
nad)dem mich Jfnnam lHariam üaluasorin eine geborne Rauberin
der Jlllmechtige €wige Barmbherzige Gott mit einer ligerhafften khrankheit
nach (einem göttlichen willen dergestalt haimbgesud)t, das id) die mensd)-
liehe schwacheit vnd Uerändrung zu betrachten ahngefangen, Jllso hab ich
vndter anderen aud) eines zu hertzen gefa(5t, da(5 wan €in Perschon ohne
Cestament verschaden thut sid) hernacher villveltige Zwischbalt zwischen
deren Grwen thuen erwelhen.
Damit nun $olid)es werde verbietet als hab ich zwar mit sd)wachen
leib doch mit gueter Uernunft disen meinen letzten willen hiemit zu
Papier bringen und nachvolgende Uerordung wegen meiner Uerlassenschaft
aufrid)ten vnd nach besten 5^ormb des rechtens landtsgebrauch vnd ge-
wonheit verordnen wollen.
Euf da(5 mir Uiers €rste mein arme Seel so nad) dem Gwenbildt
Gottes ersd)affen vor allen dingen werde versorget also vnd wan es zu
solid)er stundt khumben wirdt so thue ich mein arme Seel in die Bändt
meines Erlösers 3esv Christi als durch we1d)e$ rosenfarbes bluet disselbe
erlöset worden von hertzen befelchen.
üors andere will ich das mein leichnamb nad) Gristlichen Gatholisd)en
gebrauch zu der allgemeinen Ulueter der Grden in der Gapellen zu
^
m
'*" Ccstamenta de JInno I5$l-I742. Uon Or. I bis 16, Cittcra ü, Hr. 3. Candes-
geTicbts-flrcbiv in Caibad).
V. Radicj, Ualvasor. 4
'S 50 -2)
ßallneg doch ohne sonderbaren Zeremonien mit gewöhnlichen $eelen=
messen vnd Gxequien bestattet werde.
mein weniges Uermögen betreffendt weilen solches niastns (meistens)
in meinen heyratlichen Sprüchen mainem zuebringen und in meiner ab--
fertigiing bestehet vnd ich soliches aus den volligen guet meines in Gott
ruhenden l)errn Ghegemahl sei. zu haben in Specie aber auf das 0uet
ßallneg versichert bin worden. Also verordne vnd verschaffe ich zumb dritten
aus solchem meinem Uermögen meiner jüngsten Cod)ter Hlaria Isabella
wan sy zu ihrer üohtbarkheit gelangen vnd ihren Standt gemä(5 auf vor--
gehunde berattschlagung vnd einwilligung ihrer negsten befreundten Jldelich
sid) verheyrathen wirdt zwa Causendt gülden.
Und weilen der Jlllmechtige Gott meine andern zwa ältren Cöchter--
lein als Rosaliam Constantiam und Jlnnam Gatharinam dergestalt er--
schaffen, da(5 dieselben schwerlichen in dise weit taugen werden vnd sich
zeitlichen vmb ein Jlndechtiges geistliches Closter werden bewerben muessen
also verschaffe ich einer jeden aus meinem Uermögen sibenhundert vnd
funffzig gülden.
Jünfftens weil meine liebe Shtiefftochter ITlaria Clara Ualuasorin in
meiner khrankheit mir trewlich vnd vleissig gewartet also verschaffe id)
ihr aus meinem Uerla^ ainhundert Gronen desgleichen verschaffe ich auch
aus meinem Uermegen meiner Shtiefftochter Itlaria Elisabeth conuent
Schwester zu minkhendorff ainhundert Cronen dergestalt, das ihnen beeden
a dato meines Codfahls inerhalb Oahrtag baar solle gegeben werden.
Und darnach vors sechste eines 3eden letzten willens grundtvest vnd
haubtzwekh die einsetzung eines Grbens ist also setze, ordne vnd instituire
ich zu den vbrigen meinen Uerlat5 meine drey jüngste Söhne als l)an[3
CUeikhardten, Ranf^ Berwardten vnd CUolff Barthlmeen alle drey zu gleichen
€rben dat5 sy alle drey gleich Grben vnd ziehen sollen, jedoch dergestalt,
dal5 sy in Gottes horcht vnd Gatholischen Religion verbleiben sich nach
Jldelichen vnd Ehrlichen sitten vnd Cugendten bewerwen Jldelich ihren
Standt gemä(5 auf vorgehunde berattschlagung vnd einwilligung ihrer
negsten befreundten entweder verheirathen oder sunsten Jideliche Dienst
annehmben sollen in widrigen aber do einer oder der andre disen meinen
treulichen mütterlichen willen vnd befelch übertreten würde derselbe solle
auch von meiner Uerlassenschafft hiemit völlig ausgeschlossen vnd endterbt
sein vnd ihnen einiger (kein) zutritt zu der Grbschafft verstattet werden.
Und sintemallen ich zumb sibenten meinen Citren Sohn Bans Dietrichen
als Gr zu Gratz in studijs baldt in die 2 Jahr sich befunden vber die
sechshundert gülden guetgemacht dan absonderlichen als er die Verschafft
'S) 51 'S)
Osterwitz in bstandt angenumben eintausendt gülden überlassen vnd dabey
nicbt änderst verbofft er werde sein gegen mir scbuldige kbindlicbe lieb
erbalten vnd den gebübrenden respect erzeigen icb aber leider 0ott er--
barmbs das widerspill spieren müssen in deme er nicbt allein solicbes
nicbt in ad)t nimbt meinen treuen mütterlicben Ratt nicbt volgen wollen;
viernemblicb (vornebmlicb) aber vmb das er sieb einer scblecbten scblimen
menscbin dergestalt angenumben, dat5 er auf meinen vnd der gantzen
freundscbafft so starkes bitten vnd Kattben dieselbe nicbt verlassen wollen
sondern ia sogar sid) verlautten lassen, da(5 er dieselbe gar €belicben
und beyratten vnd also der gantzen freindtscbafft ein vnverlöscblicbe IDakbl
vnd scbandt anlegen wolle. Jllso will icb aucb nicbt, das ibme die obige
in zwan Posten vermelte vnd in ainer Summa auf Causendt sed)sbundert
gülden Post an dem mütterlicben €rbtbeil passirt sondern will icb dal5
ibme solcbe obn der vatterlicben Grbsportion eingerattet (eingerechnet)
vnd deffalciert werden solle; will aucb nicbt, dat5 ibme von dem meinigen
einiger Beller oder Pfennig zu tbeill werden sondern bis vnd solang er
sieb der scblimen Hlenscbin nicbt gantzlicben endtbalten vnd entscblagen
wirdt, viernemblicb aber da er sy Gbelicben solle von meinem bab vnd
guet biemit völlig enterbt sein solle. Da er aber seinen übl angenumbenen
bandl vnd wandl in kbiertzen (kürze) verandern vnd sieb endtweder mit «
einer seinen standt gemä(5 Jldelicb €brlicben vnd frumben verbeyratben 'S
oder sunsten andere €brlicbe vnd JTdelicbe dienst annebmen wurde, also 1
solle er mit meinen obigen instituirten dreyen €rben vnd Söbnen zu
meiner üerlassenscbafft docb dergestalt, da(5 ibme das allbereit empfangene
vor allem abgezogen werde ein gleid)er mit €rb sein vnd verbleiben.
Zumb acbten versd)affe icb meiner iungsten (jüngsten) Cocbter niaria
Isabella mein völliges 5^rauen gescbmukb vnd kblanodien ingleicben aucb
alle meine seidenen vnd andern leibskblader völlig nirgendt vnd nichts
ausgenumben.
Zumb 9ten da(5 Silber gescbmeidt betreffendt, weillen solches so da
vorbanden das meinige von dem vatterlicben so auf meine kbinder gefallen
derzeit noch nicht zertheilt, doch aber woll wissendt das darbey vmb ein
guets mebrers das meinige als meiner kbinder sein wirdt also will ich
das €rstlichen von dem volligen Silbergescbmeidt meinen dreyen Cöchtern
einer jeden ein silbernes kbandle solle gegeben werden das vbrige will
ich da(5 solches alles vnd völlig in 4 gleiche tbeill zertheilt vnd ain theil
meinem Sohn Bans CUeikbardten der andere Cheil Bans Berwardten der
drite theil dem CUolf BartIme vnd der 4 Cheil meiner iungsten Cocbter
Isabella solle gegeben vnd zuegestelt werden.
r
® 52 '2)
neuntens (sie!) (recto 10) solle von dem vorhandenen Rdo Uieb
meinen ältren zwan Cöcbtern einer ieden vier Hlelcbkbie (ITlelkkübe) vnd
meiner Sbtiefftocbter Hlaria Clara vier gegeben werden, das ibrige (übrige)
aber in vier gleicbe Cbeile zertbeilt vnd denen jüngsten dreyen Söbnen
ein jeden ein Cbeil vnd der virte Cbeil meiner Cocbter lllaria Isabella
gegeben werden.
ümb Jlilfften die nocb ibrige 5^abrnut5 als nemblicb Ciscb, Petb vnd
wai(5gewandt versebaffe icb dergestalt, daf^ aus der völlig vorhandenen
5^abrnu(5 die besten vnd scbensten Zebn Ciscbtuecber, die scbensten zebn
Cuzet Ciscbfazelet, die scbensten zebn ßandtücber, die scbensten vnd besten
zebn paar Ceilacber, die scbensten zebn paar Bauptziecben, der schönsten
vier khülter der scbensten drey ^ederpetber, der besten sechs Jederpolster,
die besten zwa paar Baubtkbif^ und der schönste 5^ürhang meiner iungsten
Cochter Hlaria Isabella vor allem vnd zum ersten mal sollen gegeben
werden, ferner verschaffe ich, da(5 aus der übrigen 5^ahrnu(3 meiner Shtieff--
tochter IDaria Clara die besten zwa haar leilacber, zwa guete Jeder Petter,
vier gute 5^ederpolster, der beste kbolter vnd der beste Jürbang solle
gegeben werden.
Jlus der nocb übrigen 5^ahrnu(5 solle meinen €ltern zwa Cöchterlein
als Rosalia Constantia und JInna Catbarina einer jeden ein guets 5eder-
peth zwa Jederpolster ein Raubtkif^, fünff paar Ceilacber ein Paar haubt-
zied)en ein kbolter fünff Cutzet Cischfatzallet vnd fünff ßandtiecher gegeben
werden, die noch überbleibende 5^ahrnu(5 aber solle in drey gleiche Cbeil
zertbeilt vnd meinen jüngsten drey Söbnen ein jeden ein Cbeil sein vnd
verbleiben.
CUeil also scblie(3lichen hiemit meinen letzten willen so ein zierliches
Cestament Donation oder Codicill oder sunst ein letzter (Uill in aller
bester bestandigkheit des Rechtens vnd landtsgebrauch sein solle hiemit
geschlossen beynebens die löbl. Candtsobrigkheit damit sy meine arme
CUaisen vnd instituirten Grben bey disen meinen letzten willen vnd
testament schitzen vnd schermben vnd niemandt darwider zu handeln
verstatten diemittig ahngerufft vnd gebeten haben dessen zu wahren
Urkbundt vnd damit dises Cestament desto besser Crafft haben solle.
Also bestatte ich soliches bey den landtschadenpundt in Crain habe auch
zu besserer bekbrafftigung die hernach vnterschribene ansehnliche Rerrn
durch absonderliche Pettzedl zu Zeigenschafft erbetten Creulich vnd ohne
geferde dessen zu noch mehreren Urkbundt hab ich auch meine aigne
ßandt herunter gezogen, bescheben zu ßollneg den 10 3uny J\, 1657.
© 53 'S
Rote Seidenfadenscbnur, doppelt gelegt, darüber $ Siegel (rotes
Siegellad) gedruckt.
JInna niaria Ualuasorin (sehr zitternde Rand).
Bernardin Barbo 5^reib. m. p. 5^er. Grnst Jlpfaltrer m. p.
JI. V, Gfall m. p. melicber Basiber.
1). Seyfridt Ranib$cbi(5l m. p.
5^. B. Scbwab m. p.
Jranz Bernbard 0all m. p.
Dieses Cestament wurde bei Uornabme der Kommission auf $cblo(5
Gfallened unter den „Brieflieben Urkunden" als „derzeit nocb ver--
scblossenes Original'* aufgefübrt.^^^
Zum Uormund über die Pupillen wurde der älteste Bruder Karl
von Ualvasor aus des Berrn Bartbolomäus erster €be bestimmt;^*^ ^^^^^
Bistoriograpb zäblte beim Code seiner lHutter, der 5^rau J\nm niaria,
erst 16 3^bi*^-
Sd)lo(5 Galleneck, welcbes unter dem 3äbre 1662 im ßültbucbe der krai«
ni$d)en Candscbaft mit 42 Pfund 2 Scl)illing 2V2 Pfennig eingetragen^^^ und |
das nacb dem Code des Berrn Bartbolomäus 5^rau JInna Hlaria bis zu ibrem ^
Code innegebabt, „erbandelte" nun der Uormund, indem er, wie 3obann ^
CUeikbard sagt, „uns andern unsern Cbeil berausgab," verkaufte es aber
ungefäbr im 3äbre 1670 an den Bruder 3<^bänn Berward, nacb dessen ^
Jlbleben es der Uetter Jldam Seifried Jreiberr von Ualvasor im Causcb--
wege für $cblo(5 Heudorf in ünterkrain „mit einiger Jlufgabe" erwarb. ^^^ ^^
Bierauf folgten im Besitze: dessen Sobn 5^ranz Jldam, dann nacb diesem ^
5ranz Enton (1747), 5^rau Franziska Ursula 5^reiin von Ualvasor (1760). J
CUeiters ging es über auf 3o$ef 3^nescbitz 5^reiberrn von Cicbtenberg
(1765), 5ranz Xaver 5^reiberrn von Cicbtenberg, Jlnton von Pilpacb (1S07),
€manuel Grafen von Scbärfenberg (180$) — laut Kaufkontrakt um
36.325 fl., — 5ranz Benjamin Skubitz (1$26) — laut Kaufkontrakt
um 5900 fl., — 5^rau Edelbeid von Uarga de Szigetb, geb. 5^reiin
von Scbweiger (1$33), und sodann wieder auf 5ranz Benjamin Skubitz
(1836), ferner auf Cudwig Grafen von Ceiningen-CUesterburg (1$50), nacb
dessen Code auf die mj. 5^riedricb und Berso Grafen Jlltleiningen--
(Uesterburg und Bermine Gräfin Ceiningen-CUesterburg (29. September
1S6S) und von diesen auf Berrn Jllois Prascbniker laut Kaufvertrages
''' Inventar 1057, Brief). Urk. Dr. 1.
^*^ €inlage zum Inventar von 1057.
'*' Gültbud) de anno 1062 bis 1753, Candesgericbt Caibacb. Candtafel Wt. 13.
"^ Ualvasor, Gbre des Herzogtums Krain, III. (XL), p. 105.
«5
'S) 54 -2)
ddo. 6. Oktober, ratifiziert 14. Hovember IS6$^*^ dessen Grben es am
4. Jlpril 1902 an Berrn 5^ranz Celestina, den gegenwärtigen Besitzer, ver--
kauften.^^^ Oobann Cüeikbards Uormund, der Stiefbruder Karl, wurde im
3abre 1667 — in welcbem H^bre 3obann CUeikbard bereits 26 3^bre zäblte
— in den Jreiberrnstand erboben, und zwar für sieb sowie für seines (des
Karl) verstorbenen Uetters Jobann Baptist binterlassene Cüitwe Kegina
Sidonia, geb. 5^reiin von Barbo, ibrem Sobne Ranns JIdam und dessen
Scbwester Jlnna Glisabetb.^*^ CUann der 5reiberrnstand des Stiefbruders
Karl auf unsern Jobann CUeikbard übergegangen, ist beute nocb fraglicb.
In seinen Cüerken erscbeint er scbon ^reiberr genannt in der 16$1 er--
scbienenen „Copograpbia Carintbiae Salisburgensis".
*^5 tandcsgcricbt Caibad), Candtafel, bauptbud) U, fol. 1$6.
'^« Candtafel, Caibacb.
'''' K. k. Jldel$ard)iv in Cüien.
Johann Weikhard h
*■!■
Freiherr uon Pabason »
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ovo -^
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Geburt * Geburtshaus*
fn welcbem tage des Hlonates ITlai 1641 Oöbann Cüeikbard
Freiherr von Ualvasor geboren wurde, ist nicbt aufgezeicbnet;
wabrscbeinlicb am 2$., vielleicbt bereits am 21, ITlai.
Die~~Täufniatrikel der Dompfarre zu $t. nii<olaus in
Eaibad)^*^ verzeicbnet zum 3abre 1641, 2$. Hlai, da(5 an diesem tage
unser nacbber so berübmt gewordene 3<>bann Cüeikbard von Ualvasor
die beilige Caufe empfangen bat. Die Übung jener Cage lief? die Caufe
alsbald der Geburt folgen.
Der CUortlaut der Eintragung ist nacbstebender:
1641 niai 2$ Baptizatus est O^annes CUai | cbardus legitime natus ex
patre perillu | stri et generoso Domino Bartbolomaeo | Ualuasor etc. et ex
matre Hlaria | Patrini erant generosus Dominus | Conradus Rues
C : B : I €t Regina Dorotbea Raspin. ^*^
(Uas diese beiden Paten betrifft, war Berr Ronrad Rue(5 5^reiberr
von Ruessenstein Besitzer des von ibm „zierlicb" neubergestellten
Scblosses StermoP^o (in Oberkrain, auf dem (liege von Rrainburg nad)
Stein) und die 5^rau Patin Regina Dorotbea von Rasp, geb. von Rauber,
die Scbwester von Oobann CUeikbards lHutter, welcbe 5^rau Raspin in eben-
demselben 3abre das $cblo(5 Ueselka (in Oberkrain) neu aufgebaut bat.^^^
ÜJie bereits im vorigen Jlbteil festgestellt worden, war die Geburt
3obann CUeikbards in dem pause der Stadt Caibacb auf dem Jllten
ITlarkte — beute Dr. 4 — , und zwar in dem zweiten Stockwerke desselben
**^ Die Benützung der niatrikeln der Dompfarre Caibacb verdanke icb der ganz
besonderen ?reundlid)keit des bod)w. Rerrn Kanonikus und Donipfarrers 3o$ef Grker,
weld)er mir dieselben in der zuvorkommendsten lUeise zur Uerfügung stellte, wofür
id) eben an dieser Stelle meinen pflid)t$d)uldigsten Dank darzubringen in der an-
genehmen tage bin. (Der Uerfasser.)
"^ Caibad)er Dompfarr-Brcbiv, Ciber Baptizatoruni Cabaci de flnno Salvtis Rc-
paratae 163$ vsque 1643, nr. 7.
*^° Ualvasor, Gbre des l)erzogtums Krain, III. (XL), p. 562.
'^* ebenda, III. (XL), p. 614.
'S) 5$ -2)
erfolgt. In dieser Gtage des $tädtisd)en Diederlags-- und Uüagbauses
hatten nämlicb dessen Eltern in den jabren 1640 bis 1642 CUobnung
gemietet. Da dieses Raus von so eminent lokalge$cbicbtlid)er Bedeutung
und auch eben durcb die darin erfolgte Geburt des in aller (üelt berübmt
gewordenen üerfassers der „€bre des Herzogtums Krain" — welches
epochale CUerk in allen Bibliotheken des In- und Jluslandes vorfindig —
Jlnspruch auf das Interesse der weitesten Kreise erheben kann, so wollen
wir dasselbe hier des näheren besprechen und auch dessen Jlbbildung im
damaligen und heute noch erkennbaren Zustande hier mit einrüd<en lassen.
I)eute drei $tod<werke weisend, zählte es zu jener Zeit deren nur zwei
und hatte den zweiten $tod< erst vier 3^hre vor der Geburt Ualvasors
aufgesetzt erhalten.
nachdem die Stadtgemeinde in ihrer Ratsversammlung am 11. Jlpril
1636 den Beschlut^ gefa(5t hatte, da(5 das Cüag- und Hiederlagshaus^^^
auf dem Jllten Hlarkte umgebaut und erweitert werden solle,!^^ fügte
sie unterm 1. September desselben Jahres die nähere Bestimmung hinzu:
„Das Hiederlaghaus soll noch um einen 0aden (Stockwerk) hochgebaut
werden, damit aus den Zimmern der Zin(5 eingebracht werden mag"
(d. h. da(5 durch die Hliete das Kapital für den Umbau sich verzinse).
lüie wir weiters aus den Urbaren der Stadt Caibach von 1636 bis
164$ ersehen, bewohnten diesen oberen Baden des neuhergerichteten
(Uag- und Hiederlagshauses der Stadt mit einer miete von 42 fl. (per
Halbjahr) der Reihe nach: Berr JIndrä üidmayr, Jldvokat (1637 bis 1639),
Herr Stieff und Herr Bartlme von üalvasor (1640 bis 1643) und dann
wieder Herr Jlndrä Uidmayr (1643 bis 1648). Den unteren (ersten) Stock
aber bewohnte unentgeltlich der städtische CUagmeister und Brotsitzer,
denn in diesem städtischen Gebäude war auch (in den Parterreräumen)
die städtische „Brotkammer" untergebrad)t und es erscheint dieses 0e--
bäude „im Uerzeichnisse der in Caibach befindlichen Gassen, Häuser und
derselben Inhaber" im Instanzkalender für Krain vom 3ahre 1782^^*
unter Hr. 113 noch als städtische Brotkammer bezeichnet. Zwei O^^^"^
später (1784) verordnete das k. k. i. ö. Gubernium (ddo. Graz, 25. Ok»
tober), „es seien alle der landesfürstl. Haubtstadt Caibach gehörigen
^^"^ Hiebt zu verwechseln mit dem im vorigen Jahrhundert neben der Ularkthütte
hinter dem Bischofhofe gestandenen niederlagshause, einem geräumigen Ulagazine,
wo die fremden Kaufleute ihre CUaren, die sie zu den niari<tzeiten nicht verkaufen
konnten, niederlegen mufften. Urhovec: Die 1. f. Rauptstadt Caibach, pag. 122.
'" Archiv der Stadt Caibach, Gerichtsprotokoll vom ]ahre 1636, fol. $5/a.
'•■^^ K. k. Studienbibliothek in Caibach.
-© 59 'S
Realitäten und Gefälle licitando bintanzugeben" und es erstand bei der
am 17. 3änner 17S5 auf dem Ratbause stattgebabten 5^eilbietung die
städtiscbe Brotkammer — das ebemalige Uüag-- und Hiederlagsbaus —
der 0etreidefaktor und Mitglied des natura]ien--lnspektorates und Kasten--
amtes 5^ranz Jlnton lUerP^^ um den Betrag von 3050 fl. Hlerl kaufte
aucb, nebenbei bemerkt, bei diesem anlasse das städtiscbe ßetreide--
magazin (Hiederlagsbaus der fremden Kaufleute) binter dem Biscbofbofe.
Die grundbücberlicbe Eintragung 5^ranz Jlnton ITierls im Besitze der
Brotkammer erfolgte unterm 30. IDai 17$6.^^^
Cüeiters erscbeinen eingetragen als Besitzer dieses Bauses 1$01
(16. September) Ignazio Hlerl, ISOl (6. Oktober) 5^ranz Bartlme ZebuU,
1$40 (4. 3uli) Oosef CUeber, 1870 (6. Dezember) August Oleber, 1S76
(23. Dezember) ^einrieb Hicman, gegenwärtig 3osef Petkosig.
Das Baus, welcbes in seinem Grdgescbosse nocb beute die aus dem
15. 3abrbundert stammenden Cüölbungen der alten Brotkammer aufweist,
finden wir im Jiufbau der späteren Zeit mit seiner dem recbten Ufer des
Caibacbflusses zugekebrten Rüdfront auf der in der „Gbre des ßerzog--
tums Krain** befindlid)en grof^en JInsicbt der Stadt Caibacb als zweites
Baus in der Bäuserreibe von der „Crantscbe" flußaufwärts abgebildet.
niein Uetter und freund, weil, der akademiscbe Hlaler Berr Konrad
Grefe in (Uien, bat aus dieser Darstellung eine üergröt^erung gescbaffen
und mir das so angefertigte Aquarell zur Reproduktion freundlicbst zur
Uerfügung gestellt.
9&
^" Instanzkalender für das berzogtum Krain,1793. K.k.Studienbibliotbek in Caibad).
^^^ Eandtafel beim Candesgericbte Caibad). Relatenbucb, Com. III, b- 13 (C. 3). ^
Studienjahre«
'a[5 Jobann lUeikbard an der Seite seiner ausgezeichneten lHutter
in den ersten Cebensjabren die „rHutterscbule" im Sinne des
Comenius in vorzüglicber CUeise genossen, den mit liebevoll
erklärenden Cüorten begleiteten Jlnscbauungsunterricbt über die
umgebende Datur, dafür spricht mebr als deutlich sein Buch der Datur
der engeren Beimat, wie es im ersten Bande seiner „Gbre Krains" auf=
geschlagen vor uns liegt zur Belehrung der Zeitgenossen im Daheim und
in der 5erne, aber aud) als unerschöpfliche 5^undgrube der 5^orschung für
alle späteren tage.
UJer dem aufgeweckten Knaben die „Elemente" alles weiteren Studiums,
das Cesen, Schreiben und Rechnen beigebracht haben mag, darüber fehlen
uns jedwede Dachrichten. Gs ist wohl anzunehmen, da(5 Johann lUeikhard,
da seine Gltern, wie wir in einem früheren Jlbteil ausgeführt, bis 164$
einschliet^lich in der Candeshauptstadt Caibach weilten, in diesen Clementar--
gegenständen von einem der zu jener Zeit hier wirkenden vier Schul--
lehrer unterrichtet worden ist.
lUir begegnen nämlich in Caibach — das, dank dem seine hohe
Kulturmission auch auf unserem Boden treu erfüllenden hohen „Ceutschen
Ritterorden", schon im ITlittelalter eine Schule neben dem Ordensgebäude
besaf^ und wo auch schon im 15. Jahrhundert (1493) ein Schullehrer
am Caibacher Domkapitel genannt wird^" — im Jahre 1647 den vier
Schulmeistern f)ann(5 Comissarius, Balthasar 0umrer, Philipp Specht und
üalentin Pistorius, letzterer Schulmeister bei der St. Dikolaikirche.
Diese Schulmeister, von denen wir dem Johann Comissarius und
dem Balthasar 0umrer noch im Jahre 1661 in CUirksamkeit begegnen und
deren ersterer sich in diesem Jahre beim niagistrate arg darüber beschwert,
da[) sich ein CUeib, eine „Kramerin'', unterstanden habe, eine neue Schule
knapp neben der seinen zu errichten, erhielten vom „€rsamen niagistrate
157
Dimitz, 0e$d)ic})te Krains, I., p. 31$.
*^^ flufzeicbnung der zur Uornabme des flderlassens angezeigten Cage.
^•^^ Stadtarchiv, flusgabenbücber.
"^'^ IL (VIIL), p. 704.
^«' IL (VL), p. 342.
^^- mein: Der krainiscbe Ristoriograpb 3obann Cudwig Scbönleben, Separatabdruck
aus den mitteiiungen des IDusealvereins für Krain 1394, p. 13 ff.
#
-2) 61 'S
der Stadt" alljäbrlicb zu Heujabr für die dargebracbten ßlückwünscbe und
der eine und der andere für überreicbte „Ca(5tafeln"i^^ „Uerebrungen"
gereicbt, die deutseben Scbulmeister je 3 fl., der Scbulmeister und niusik--
lebrer am Dome Pistorius aber 4 fl.,^^^ nicbt selten mit der €rmabnung
in den Belegen, dal5 sie im 5^1ei(5e des Unterricbtes der Kinder in der
cbristlicben Cebre, im Cesen, Scbreiben und Reebnen eifrig fortfabren mögen.
Da die CUobnung der €ltern 3obann (Ueikbards auf dem Jllten lHarkte
gelegen war und das Baus zur Dompfarre geborte, so können wir, die
ünnabme vorausgesetzt, da(5 der Knabe öffentlicb die Scbule besucbte,
aucb darauf scblief^en, dal5 der Domscbullebrer und Hlusikmeister Pistorius
sein €lementarlebrer gewesen; üalvasors gro(5es Interesse für lHusik wäre
demnad) scbon im zartesten Jllter geweckt worden!
Jlls es galt, den Sobn die Cateinscbule besucben zu lassen, vertraute
ibn die IHutter — der Uater starb eben in dem Jährte als 3obann %
(Ueikbard ins Gymnasium kam — der Ceitung der Uäter aus der 6e--
sellscbaft 3^su im Caibacber Kollegium an, „dieser gelebrten Ceute", wie
Ualvasor sie in seiner „€bre Krains" dankbarst apostropbiert,^^^ die in
ibren Collegiis — wie er weiters bervorbebt — die studierende 3i*9^nd
in „Bumanioribus bevorab in der Catinität, €loquenz und Scblul^kunst
(oder Eogik) meisterlicb abzufübren, einen lobwürdigen ^lei[5 anlegen und
in solcber Unterricbtung sonderbare ITIanier und ßescbid^licbkeit braueben". ^^^
In diesem Eaibacber Kollegium wirkten, namentlicb in den tagen, da
unser Ristoriograpb die grundlegende Bildung in den CUissenscbaften erbielt,
ausgezeid)nete Pädagogen und Cebrer, darunter eine Reibe von Scbrift-
stellern, in erster Cinie der ßeimatgenosse, der Präfekt der Studien 3obann
Cudwig Sd)önleben,^^2 der erste ßescbicbtscbreiber Krains der Zeit nacb,
dessen üorbild unseren 3öbann lüeikbard Ualvasor wobl den ersten
Ensporn zum selbsttätigen 5^or$cben und Schaffen auf diesem CUissen--
scbaftsgebiete mag geboten baben.
Jlucb am Caibacber Kollegium bestanden die „Studia inferiora" der
3e$uiten in diesen 3abren allein nocb (die Studia superiosa traten bier erst im
1$. 33b'"bundert binzu), und zwar gab es aucb bier fünf Klassen:
'S) 62 'S)
1.) Die Infinia classis ßrammaticae/^^ 2.) media classis Granimaticae,^*^*
3.) suprenia classis ßrammaticae,^^^ 4.) Bumanitas, aucb Poesie genannt,
und 5.) Rbetorica.
üalvasor absolvierte diese Cateinscbule der 3^suiten als Konviktist,
selbstredend mit dem besten geistigen Erfolge für seine literariscbe Zu--
kunft und ward in der Grziebung jener beiden berrscbenden Prinzipien
teilbaftig, welcbe die Uäter 3^su wie für die Crziebung ibrer eigenen
mitglieder, so aucb für die der ibnen anvertrauten Jugend als oberste
Regel festgebalten: Disziplin und €bre.
„Disziplin" — sagt der objektive Paulsen in seiner ßescbicbte des
Unterricbtes^'^'^ — bedeutet bier nicbt äuf^ere Unterwerfung durcb Strafe und
5urcbt, in der Uerwendung dieser mittel waren die Jesuiten zurüd<baltender
als die mittelalterlicben und die protestantiscben Scbulen, die von der
Rute täglicb ausgiebigsten ßebraucb macbten, wogegen die 3^5uiten--
pädagogik die körperlicbe Zücbtigung als ein letztes Hilfsmittel der Dis--
ziplin in der Reserve zu balten rät und sie dann durcb einen nicbt dem
Orden angebörigen Jlngestellten (den corrector) ausfübren läj^t — eine
bemerkenswerte Uorsicbt, den Eebrer nicbt mit dem Scbüler bandgemein
werden zu lassen, sondern ibm den nötigen Jlbstand zu wabren. Statt
mit diesen äu(Krlicben mitteln sucbten sie mit den mitteln innerer Dis--
ziplin, besonders den religiösen IDitteln der Beicbte und der Betracbtung
zu wirken; dem üerbältnis zur Religion Spontaneität und inneres Ceben
zu geben, dienten dann vorzüglicb die Rongregationen, in denen die
Jugend sieb als das Glied einer bis ins jenseits reicbenden ßenossenscbaft
füblen lernt. Daneben gilt als weltlicber Jlntrieb die Cbre. In Überein--
stimmung mit den ^Forderungen der bumanistiscben Pädagogik macben
die Scbulen der ßesellscbaft von allen Itlitteln, den Gbrtrieb der Scbüler
und deren Gbrgeiz ins Spiel zu bringen, ausgedebntesten ßebraucb:
Öffentlicbe Jluffübrungen — in betreff deren scbon ßoetbe „die 5^reude
an der Sacbe dabei" lobend bervorbob und die aucb Devrient in
seiner 6e$cbicbte des deutseben Cbeaters in ibrer erzieblicben Bedeutung
würdigt — , Deklamationen, Prüfungen, Cektionen, Prämien, Certationen,
diese zwiscben Einzelnen und ganzen Rlassen und Scbulen, alle dienen
*" aud) Rudiment genannt.
^'''* aud) Grammatik schlechtweg.
'^^ oder Syntax.
""' Geschichte des gelehrten Unterrichtes auf den deutsd)en Schulen und
Universitäten. Dom Ausgang des IHittelalters bis zur Gegenwart, von Dr. Friedrich
Paulsen, Professor an der Universität zu Berlin. 2. J!ufl., Leipzig i$96, I., p. 429 ff.
'S 63 'S)
dem Zwecke zur Jlnspannung der Kräfte." Und Paulsen fügt dieser
Enfübrung bei: man solle nicht vergessen, da(5 der CUetteifer in der
Scbule unentberlid) ist, „freilieb" — sagt er — „ist mit der guten
eQig die böse nabe verwandt, aber obne jene ist nie eine gute $d)ule
gewesen". „Und aucb das vergesse man nicbt" — scbliel^t er — , „da(5
die 3^$uitenpädagogik es in erster Cinie mit Internaten zu tun hatte, in
denen zum Ceil die vornehme Ougend ihre Crziebung empfing. Dem-
entsprechend war denn aucb die äuf^ere Ginrichtung und Cebensbaltung
in den Kollegien vielfach eine recht stattliche." ^^^
mit gro(3em Pompe war die Aufführung von des Präfekten $cbön=
leben lateini$d)er Cragödie: Baeresis fulminata Enastasius Cyrannus
Orientis Raereticus wiederholt in Szene gegangen, zu deren Jlusstattung
mit Subvention der krainischen Candschaft, die eine Summe von 300 fl.
gespendet, eine Jlnzahl prachtvoller Kostüme aus kostbaren Stoffen neu
angeschafft waren und bei welcher 94 Zöglinge und ein ITlagister mit= J
„agirten".^^^ Unseres Johann (Ueikhard patriotischer Sinn erhielt auch "
frühzeitig Hahrung durch die 1651 am 22, Juni für die ganze Caibacher
Diözese angeordnete Echatiusfeier zur Erinnerung an den 1593 am ^est--
tage des hl. Jlchatius durch Andreas von Auersperg erfochtenen wunder--
baren Sieg gegen Bassan Pascha, welche Erinnerung auch in der Kirche
und im Kollegium der Jesuiten durch Predigt und JImt gefeiert wurde. ^^'^
''' 1. c, p. 430.
^^^ mein: $d)önleben usw., I. c, p. 17 ff.
''' 1. c, p. IQ.
"3
J
Grinnerungen aus dieser Zeit,
fu 3<>b^"^i CUeikbards frühesten jugenderinnerungen zählt das
Ereignis des Gintreffens eines Bären auf Schloff Gallenberg.
Rören wir ihn davon selbst in späteren Cagen erzählen; er
sagt:^'^ „und damit ich ja nichts, wessen ich mich erinnern
kann, unangemeldet lasse, so thue dieses hinzu (zur Beschreibung von
Gallenberg), da(5, als mein lieber seliger Berr Uater dieser Herrschaft
Inhaber gewest, einsmals ein grotKr wilder Bär in das Schloff ge=
kommen, alda er aber übel bewillkommt und auf dem Platz mit einer
Kugel darnieder gelegt worden, ist also der Bestie ihre Guriosität, die
Schlösser zu besehen, schlecht belohnt, wiewol namentlich keine andere
Guriosität (Heugierde) sie dahin verleitet, als zu erfahren, obs nicht
etwast für sie etwas darin zu fressen setzte und ihr ein Buhn oder Schäf--
lein oder anderes Chier zur Beute werden mögte."
eine andere seiner 3ugenderinnerungen ist das „IDiraker* der wunder--
baren Reilung einer erblindeten bei der CUallfahrtskirche U. C. brauen am
hl. Berge (lilialkirche der Pfarre Cüatsch in Oberkrain), „als diese 5rau
beim dritten lllal auf den Knieen um den Jlltar herumgekommen, sei ihr
nicht anders gewest, als ob sie von einem starken Cüinde, der ihr auch
die Petschen oder Schleier vom Kopfe gerissen, angeblasen würde, worüber
sie vor Schrecken einen Schrei gethan, zugleich aber auch denselben
Jlugenblick wieder sehend worden". „Dieses hat sich — so beteuert noch
in späten Jahren üalvasor — in der Cüarheit begeben, wie es viel Ceute
bezeugen können. Jluch habe ich — fügt er bei — selber mit ihr oft
geredet, als zu solcher Zeit ihr ehewirth JImtmann zu Galleneck bei uns
war, seines Hamens, soviel ich mich erinnern kann, l)anshe (Johannes)
Pein."^'^ man sieht bei dem reifen Hlanne üalvasor noch die späte Hach--
wirkung der innern Disziplin, die dem Studio des Eaibacher Kollegiums
^'^ üalvasor, ehre des Herzogtums Krain, III. (XL), p. 162.
''' ebenda, IL (VIIL), p. $29.
'S) 6S 'S)
zuteil geworden; die tiefe religiöse Überzeugung, die der sonst so
vielfach in seinen Jlnscbauungen und Jlnsicbten geläuterte vielerfabrene
Gelehrte und 5^ors(ber unentwegt bis an sein Eebensende festgehalten hat.
eine 3ugenderinnerung, speziell aus dem Kreise seiner niitsd)üler,
frischt er aber bei Behandlung des Chemas von den „Pactis expressis
und implicitis" auf — von welchem Chema wir im üerlaufe unserer
Darstellung von üalvasors „Stellung zum Ceufels-- und Bexenglauben"
nod) näher sprechen werden.
Bier sei nur die Stelle herausgehoben, welche die eben angezogene
Ougenderinnerung in sich schliefet. „Ich habe — schreibt Ualvasor —
in meiner 3ugend einen Knaben gekannt, der allererst (eben) in die vierte
Schul (oder 01a(O nemlich ad Syntaxim gekommen war, als sich ein
liederlicher Kerl in seine Kundschafft ^^^ schmeichelte. . . . Dieser heil--
loser^^^ überredete gedachten jungen fürnemen Knaben, er sollte sich in den
Hrm, oder Ju{^ oder sonst an einen beliebigen Ort des Ceibes, da es
fleischig ist, auch gar durch die Backen oder Cefftzen eine Stedinadel stolzen
bis an den Knopf und anders nichts dabei thun als drei Uaterunser und
drei flve lHaria beten, hernach diese CUorte dazu sprechen: Gott Uater,
Gott Sohn, Gott heiliger Geist verla(5 mich nicht und folgend mit der Hadel
ein Kreuz auf die Stätte, wo er hinein stechen wollte, machen, so würde
ihn's nicht schmerzen, auch der Stich kein Blut geben. Der also überredete
Knabe practicirte dieses Herfahren wol zwei oder drei 3ahr lang, der
betrogenen Ginbildung, da(5 die heiligen Cüorte ihn alles Schmertzens
befreyeten und meinte CUunder, was für eine vortreffliche Kunst er hätte
erlernt. Gndlich erfuhr es unser Professor, nämlich in Poesie ^^^ und
verbot ihms; also that er es auch von dem an nicht mehr." — Ualvasor
schliefet daran die „moral", der gedachte Knabe sei durch das ge-
schilderte Uorgehen in ein doppeltes Paktum, in das Pactum implicitum
Pseudo--Sanctum, weil er geistliche CUorte dazu gemif^braucht, und in das
Pactum implicitum naturale gefallen, in letzteres deshalb, weil es ohne
die CUorte natürlich geschehen kann. Und nun gibt unser Bistoriograph
und Haturforscher diesbezüglich nachstehende „natürliche" Erklärung. Gr
sagt: „JRls ich über viel 3ahr hernach .mich der Haturkundigung befli(5,
fing ich auch an, diesen Iladelstich des Knaben, der mit mir in einer
^''^ Kundschaft (veraltend) = persönliche Bekanntschaft. Sanders' Cü.-B. I., p. 1052.
*^^ heillos (baillos) = nichtswürdig, nichtsnutzig in moralischem Sinne, ein heil-
loser Strick, ein nichtswürdiger Schlingel. Schmeller, Bayer. Cü.-B. I., p. 107$.
*^* UJenn die Angabe von drei Jahren richtig wäre, so mü^te der Jüngling eine
Klasse wiederholt haben.
V. Radics, Ualvasor. 9
-© 66 'S)
01at5 gesessen, zu exaniiniren, ob es nicht ein Pseudo-sanctum naturale
iniplicituni wäre, weil zu sotbanein (sogearteteni) Stieb keine näb--nadel,
sondern allein eine IDessings Hadel zugelassen wurde? Da icb dann
gefunden, es sei ganz natürlicb, daf5 einer sieb mit einer Sperr-- oder
Stecknadel so unscbnierzlicb stechen könne, weil solche Dadeln von
IDessing, in dem IDessing aber ßalmey^^^ und üictril ^^^ sitze, denn der
niessing wird aus Kupfer und ßalmey bereitet. Das Kupfer ist ganz
vitriolisch beilsam und blutstillend, gleichwie auch der ßalmey trefflich
für alle Cüunden dienet, lind also haben ich sowol, als etliche andere
naturbeflissene wir uns ohne einigen Spruch hernach manchesmal mit
dergleichen Dadeln von innen zu durch die Backen gestochen, dal5 die
nadelspitze von au(5en wieder hervorgegangen, welches nicht wehe
gethan, aud) kein Blut gegeben, nur gar selten ein Cröpflein gleichwie
vormals besagten Knaben. Diesem nach darf man weder dazu beten, noch
einige Cüorte dazu sprechen, noch das Kreuz machen, denn es ist aller--
dings (durchwegs) natürlich (geht auf natürlichem CUege dabei zu) und
die Hatur operirt selbst dabey. H^doch mu(5 sich einer ohne Entsetzen
oder Furcht stechen; denn es geschieht doch nicht ohne einige Gmpfin--
dung, welche aber nur gering und leidlich ist, massen einer nicht viel
mehr dabei empfindet, als ob ihn eine niücke oder 5^1iege stäche.'* ^^^
"^ 0almei = natürliches kohlensaures Zink. — Uiteril = Kupfervitriol.
"^ Ualvasor, Ghre des berzogtunis Krain, III. (XL), p. $6 f.
-j» Q
Studienreisen und erste Waffentaten*
Ibn kennen, die Gr kennt, drey Cbeile dieser Cüelt
er reiste wie nid)t viel von Seinem Stande reisen,
ein andrer IXIandrer gafft nad) eitlem Cüollust Cand,
er forschte nad) dem Reid) der nun bestürtzten Cürken
und wadete mit yrud)t durd) Cibj'ens dürren Sand!
europa kunnt Ibn nid)t in ibren Kreis bezirken,
er lernte, däh er lebr*
fit diesen Porten begrü(5t der Professor der bayerischen Universität
Jlltdorf^" Christoph CUegleiter in seinem dem G[esd)macl<e der
Zeit entsprechenden Begleitgedichte zur „Ehre des Herzogtums
Krain" den Studienreisenden O^bann CUeikhard 5reiherrn
von Ualvasor, sowie wir auch in einem zweiten derartigen Gedichte, in
den Uersen des geheimen Rates der freien Reichsstadt Regensburg und
zu fürwehrenden Reid)s--0omitiis Deputierten, des Johann Cudwig Prasch,
dessen Reisen als besondere Cugend hochgestellt finden/^®
Indem Ualvasor in seinem Hauptwerke, der €hre Rrains, in scharfen
Umrissen den JIdel seiner engeren Beimat d)arakterisiert, hebt er be--
sonders hervor, da(5 sowohl die vom Berrenstande als die Gdelleute
„zuvörderst ihre Jugend mit freien Künsten zu zieren und der Pallas
aufzuwarten pflegen", nad)mal$ „sich in zuwad)senden Jahren in ritter=
liehen Gxercitien qualificiren und fremde Cänder bevorab Italien und
5^rankreich bereisen, massen ihnen die Häherung Italiens gro(3en Jlnlaf^
und Bequemlichkeit zur Peregrination gibt"^^^ — ihn aber trieb sein
Bang zur Kuriosität, wie schon oben angedeutet, noch weiter hinaus, weit
übers nieer nach Cibyens Cüüste hin!
"^ Jlltdorf, Stadt in Bayern, nürnbergisd)es Gebiet, nebst einer Universität, die
im ]abre 157$ von Kaiser Rudolf II. errid)tet wurde; sie batte zur Zeit ein Cbeatrum
anatomicum, ein Caboratorium d)ymicuni, eine Sternwarte, eine Bibliothek und ein
Haturalienkabinett. — Später wurde die Universität nad) erlangen verlegt.
"^ Ualvasor, €bre des Herzogtums Krain, I. (im unmittelbaren flnsd)lusse an die
lüidmung Ualvasors für die Candstände).
"^ Ualvasor, ehre des Herzogtums Krain, I. (VI.), p. 342.
-© 6$ 'S)
€bevor wir aber von 3obann CUeikbards Studienreisen eingebend
spred)en, wollen wir aus einem bierlands verfaf^ten didaktiscben CUerke
eines seiner adeligen Zeitgenossen, der zudem Beamter der krainiscben
Eandscbaft^^^ war, aus des Berrn von Sietzenbeimb „Zucbt--$piegel der
Jldelicben ^ugendt"^^^ in aller Kürze jener CUinke gedenken, die derselbe,
eben in den Cagen von Ualvasors erster JTusfabrt ins römiscb-deutscbe
Reicb, den reisenden jungen Kavalieren im allgemeinen mit auf den lUeg
gegeben.
Der dritte und letzte Ceil dieses vielfacb lebrreicben Bucbes^^^ „ver-
merkt die woblgeordnete Besucbung fremder Eänder'*, wie notwendig das
Reisen dem jungen Jldel sei, zu welcber Zeit man solcbes anstellen,
dabei der jungen Berren Cauglicbkeit beobacbten und wie man ibnen
sonst dasselbe ersprie(5licb und nützlicb macben solle, aber aucb „im
Gegenspiel, au(5 der üblen Reysens Jfnstalt, sowol der Jugend als dem
Uaterland selbsten für bocbbetawrlicbe Scbäden erwacbsen".
Der üerfasser erkennt vier Dinge, die den Jldeligen „vorsicbtig im
Ceben, bebutsam im Reden, sittlicb im CUandel und zur Uorstebung der
Gemein tawglicb macben können". Das erste dieser Dinge ist „die Unter--
nebmung wicbtiger Gescbäfte'*, das zweite „die Übertragung grof^er IDübe
und Jirbeit", das dritte „das £esen vieler Bücber" und das vierte „das
wolbestelte Reysen in fremde Cänder".
Hacbdem er des weiteren ausgefübrt, da[5 der antritt von Reisen,
bevor der junge Hlann zu pause (in der Beimat) wobl unterricbtet worden,
nur scbädlicb wirken könne, setzt er das 20. 3abr fest, in dem derselbe
„in die Cänder verscbickt werden könne, allerwenigst (mindestens) aber
nad) Grsebung eines glückseligeren Geistes und guter Ceibesbewandtnus
^"^ Rerr JTdam Sebastian von Siezenbeimb war. cbevor er ßantzleibeamter der
krainiscben Candscbaft wurde, Stadtscbreiber von Caibad).
'*^' Der volle Citel lautet: üewbegläntzter Zucbt=$piegel der Jldelid)en Jugendt.
Klärlicb entwerffend: UJic die €dle 3"9^ndt von jbren Cüiegen J^bren bis zur an-
ruckenden reiften mannbarkeit mit scbönen Cugendten Seelen €rspriel3licb geziert:
flucb in boldseligen Sitten vnd böflicben Geberden Ceibsbebaglicb gepflantzt werden
solte. flub vnderscbiedcnen Geist- vnd UJeltlicben Cebrreicben Uerfassern vnd tbeils
eigenen müglicbsten Dacbsinnen in vnser Ceutscbgebundne Relden-Sprad) trewiicb zu-
sammengezogen vnd eiferigist gesamblet Durcb ildamen Sebastian von Sietzenbeimb etc.
In eygner Uerlegung gedruckt in Hlüncben 1659. — S ^ 324 SS. mit 5 Kupferstieben,
von UJolfgang Kilian. — Gewidmet den Ständen von Steiermark, Kärnten und Krain,
deren von Putten getragene Eandeswappen die Abbildung der drei Candesbauptstädte
krönen.
''' SS. 281 bis 324.
© 69 'S)
das erfüllte 1$." — Ualvasor zählte, als er die erste Reise ins Jlusland
unternabm, eben 1$ jabre und erfreute sieb der eben angegebenen Be--
dingungen, da er gleicb bei dieser ersten Cour, wie weiter unten gezeigt
werden wird, mit nutzen reiste.
Die Betrachtung der von ibm aufgestellten drei Hauptzwecke des
Reisens, nacb welchen die adelige Jugend ihre Jlbsicht richten solle, um
die Besichtigung der Eänder sich rechtschaffen zunutze zu machen, leitet
Berr von Siezenbeimb mit dem folgenden Satze ein: „Das Reisen in die
Eänder soll mehrentheils zu diesem €nde angestellet werden, damit man
der Uernunft das Cicht, dem Tillen die rechte lHaf?, der Jlnmutung
(Begierde) den Zaumb, den CUerken (Caten) die ordentliche Regel, dem
Ceib eine sonderbare (besondere) Stärke beibringen und das Gemüt (niut)
mit Capferkeit zieren möge. Cüer anderer Gestalt reiset — schliefet er —
und hieraus keinen nutzen ziehet, von dem kann gesagt werden: Gr
seye als ein 0ans über das Hleer geflogen und als ein 0a, ga, ga wieder
nach Baus gelangt."
Bh ersten Hauptzweck des Reisens erkennt dieser Eehrmeister das
längere Uerweilen an berühmten, durch Seltenheiten der Runst und IHerk--
würdigkeiten der Hatur ausgezeichneten Orten und Besichtigung alles
desjenigen, was in einer Stadt, in einem £ande eben „zu besichtigen
denkwürdig". J\h da sein alle öffentlichen 0ebäude, der hingeschiedenen
tapfern Beiden statliche Begräbnisse, der Rönige und 5^ürsten Paläst, die
prächtigen und herrlichen Cempl, die gewaltigen Cheatra oder Schau--
spielplätz, die wolgebauten Rathhäuser, Plätze, Brücken, Chore und
Basteien usw. usw., 0ollegien, Schulhäuser, IDeerhäfen und Schiffe, alle
Schönheiten der Hatur, wunderliche Schroffen (Gfebirgsformationen), trotten,
(üasserfälle und dergleichen sich hie und dort befindende Raritäten, deren
Renntnis „bei fürfallenden Discursen oftermals eine nützliche Hnnehm--
lichkeit verursacht". (Dazu das nebenstehend reproduzierte Bild Rilians.)^®^
„Der andere Zwed des Reysens sey aber — wie der Uerfasser
betont — noch nützlicher, ja sehr notwendig, da(5 nämlich ein adeliger
Jüngling neben der vorerwähnten äu(5erlichen ersehung und au(5er der
Übung in den ritterlichen €xercitien auch den Uerstand mit seltenen
Rünsten und geheimen CUissenschaften reichlich beladen möge", da(5 er
eben lerne, au(5er dem kunstreicl)en 5^echten, Reiten und Canzen „die
'^' CUolfgang Kilian, ein Illitglied der Künstler- (Kupferstecher-) Familie in Jlugs-
bürg (*I5$1, 11662), als dessen Hauptwerk das nach Sandrats Gemälde ausgeführte
Jest des CUestfälischen Friedens zu Hürnberg 1640 gilt, flllg. Deutsd)e Biogr., XV., p, 736.
'S 70 'S)
Zunge zu einem sittsamen, klaren und lieblichen Jlnspracb zu gewöhnen,
untersd)iedlid)e Sprachen mit ihren rechten JIccenten und aussprach auf--
merksam zu begreifen, sid) in allerhand üocal-- und Instrumentalischen
IHusiken trefflid) zu üben, zum Cheil dem Grund der 5^eldmessereikunst
und des Zirkels schöner eigensd)aft emsig nachzuforschen, einen zierlichen
Bandrit) (Zeichnung), welcher allen Künsten das beste Cicht gibt, selbst
zu erlernen und dergleichen adeligen CUissenschaften mehr rühmlich nach--
zugehen".
„Der dritte und letzte Hauptzweck" aber, dem die adelige O^gend
vor allem ihre besondere Beachtung zuwenden solle, besteht in dem
„lnnerlid)en", nämlid) darin, „die fremden Länder nach ihrer Uerfassung,
ihrer inneren Ginrichtung kennen zu lernen, was für vornehme Herren
im Cand, ob viel Gelehrte, was es für eine Gelegenheit mit den Festungen,
wie diese erbaut, versorgt und bewacht werden, ob der Eingang in ein
Cand leid)t oder sd)wer sei, wie die Sitten dieser oder jener Uölker be-
schaffen usw. usw., was alles durch öfteren Uerkehr mit verständigen,
vornehmen und erfahrenen Ceuten füglich ergriffen (erfahren) wird und
wodurch der adelige 3üngling seinen Uerstand handgreiflich schärft und
sid) zu künftigen üorstehungen (Ämtern und Cüürden) tauglich macht,
seinen Eltern eine unbesd)reiblid)e 5^reude heimbringt und zur Cüohlfahrt
des üaterlandes wesentlich beiträgt".
„Die Uerfolgung dieser Hauptzwecke des Reisens — so schliefet Herr
von Siezenheimb diese seine Jlusführungen — ist unvergleichlich rühmlicher,
als wenn von seinen Reisen nichts anderes fürzubringen wei(5, als da(5
an diesem oder jenem Ort köstliche Cüein wachsen, allerhand gute Schnabel--
weid von tischen, nieer-Geschnalz und trefflichen CUildpret zu bekommen,
bequeme CUirths-, Cantz-- und Spielhäuser bestellt, oder da(5 sich hie und
dort ein überaus holdseliges, mit schönem wei(5 und zartem Jell über--
zogenes 5^rauenzimmer befinde, welches — wie er entschuldigend
beifügt — noch zum Cheil hingienge, da man nur nicht unterweilen von
diesem oder jenem Ort des sich anbey (daselbst) enthaltenden zwar wol--
gestalt doch Seelenhä(5lich befled<ten Courtesanen üolks und deren 5^alsch--
scheinenden vergiften Ciebesstrid<en mehr als zuviel zu erzählen wü[5te!'*
Uerfolgt man die Jirt des Reisens, wie unser Johann ÜJeikhard sie
zu üben pflegte, so könnte es einem fast bedünken, als wäre er, um sich
so auszudrücken, nach Uorschrift des Herrn von Siezenheimb gereist, und
'S) 71 -2)
dod) war es nur die tücbtige Hnlage seines CUesens, was diese Überein--
stimmung der guten Cbeorie des Reisescbriftstellers mit seiner, des Berrn
von Ualvasor Praxis herbeiführte.
mit welchem Blicke er geschaut, wie er die Dinge aufgefa(5t, welche
Resultate er von seinen Reisen mit heimgebracht, darüber geben uns
seine Cüerke den besten J[ufschlu(5.
Die erste grö(3ere Reise, die er von der Beimat aus unternahm, seine
erste „Peregrination", ging jedoch nicht, wie sonst bei seinen Cands--
genossen üblich, nach Italien; Ualvasor lenkte sein Rö(5lein, auf dem er,
von einem Diener begleitet, seine meisten Reisen und Couren unternahm,
nad) — Deutschland, und zwar nach dem nächstgelegenen Bayern, dem
er über Kärnten und Salzburg zustrebte, indem er grof^enteils die alten
Bandeiswege, die aus dem Südwesten Deutschlands gen Italien führten
und heute wieder durch die zweite Bahnverbindung nad) Criest in ihrem
Bauptzuge erneuert ersd)einen, benützte. — Diese seine erste gröf^ere
Reise fällt in das ]ahr 1659. JInfänglich wählte er von Eaibach aus den 3
kürzesten CUeg über Rrainburg nad) Uillad), „allda", wie der Bädeker -^
des 17. Jahrhunderts IDartinus Zeiller ^^* bemerkt, „ein zimlid)er Bändel
nad) Italien getrieben wird", üon Uillach ging's dann über Spittal
an der Drau, Gemünd, St, mid)ael, dann über den Radstätter Cauern,
niauterndorf nach Salzburg. Uon Salzburgs Merkwürdigkeiten prägte sid)
dem Sinne des ISjährigen Jünglings am meisten „das ^elsentheater in
Bellbrunn" ^^^ ein, „jene wilde phantastische Szenerie, die heute noch die
einbildungskraft des Be$d)auers anregt, sie mit Gestalten der Dichtung zu
beleben, und wo bei festlichen Jlnlässen Pastorale und Opern aufgeführt
wurden", ^^^ das ihm jedoch später im Uergleid)e mit den „allerschönsten
und wunderwürdigsten (llatur--) Cheatern der Jldelsberger Grotte" in seiner
krainisd)en Beimat nid)t mehr so imponierte als vordem. In Bayern
besuchte Johann CUeikhard zunächst lHünchen, dann Ingolstadt, Dürnberg
und Augsburg.
Dod) gar bald rief ihn der „Cärm an den Grenzen" „gegen den Grb--
feind der Christenheit" wieder heim, und zwar zu den ersten CUaffentaten.
Sd)on Jlnfang der Sechzigerjahre sehen wir ihn unter dem Kommando
des tapfern „Parteigängers", des Grafen von Serin (Hikolaus Zriny),
des nad)herigen Beiden von Sziget, in Zengg^^^ wo er mitten im
c
'^* Tidus fld)ate$ oder Getreuer Reisgefert. Ulm 1651, p. 200.
^^^ Ualvasor, Gbre des Rerzogtums Krain, I. (II.), p. 279.
^®^ Die Jlbbildung im Rronprinzenwerke: Österreich in UJort und Bild, Bd.V, p. 491.
*®^ CUicbtige Festung „an den meergränzen".
-2) 72 'S)
Cüaffenlärm die Gebräuche der üskoken kennen lernte, die er dann später
in seiner „€bre Krains" ausfübrlicb und anziehend geschildert bat. Zengg
hatte aber auch für den „Gelehrten" üalvasor zeitlebens seine eigene
Bedeutung als die Geburtsstadt seines intimen 5^reunde$ und Mitarbeiters
an der Gbre Krains, des Paul Ritter Uitezovic. nachdem er den Zenggern
das rühmliche Zeugnis ausgestellt, „da[5 sie über die Hlal^en trefflich
gute und unerschrockene Soldaten, dergleichen man an wenig Orten findet",
setzt er sofort hinzu: „Damit aber niemand meine, als lebten zu Zengg
nur lauter Eisenfresser und brave Soldaten, hingegen keine sinnreiche und
kunstgeschickte gelehrte Köpfe: so will ich hier einen zenggerischen von
J!del zum persönlichen Beweis darstellen, da(5 mancher Zengger sowol
einer gelehrten 5eder als tapfern Degens fähig sei als den mir seiner
guten Resolution als scharfsinnigen Geistes und gelehrten 5^eder wegen
sehr lieben Rerrn Ritter." ^^^
rnit dem Grafen Serin unternahm üalvasor — nachdem er in dessen
Gefolge mehrere kleinere CUaffengänge gegen die Cürken glücklich getan
— den Zug gegen die Cürken 1663/64. „In diesem Kriege — schreibt
er — haben sich viel krainerische l)errn und von Jldel gegen den Grb--
feind gebrauchen lassen und seind unter denselben unserer Zwölf, deren
id) selbst €iner gewest, alle als Uolontierer oder ^Freiwillige sammt unsern
Dienern und Knechten mitgeritten." Den Krieg selbst zu beschreiben, hält
er jedod) für unnötig, zumal Ortelius redivivus und gar viel andere
Bücher es zur Genüge getan. ^^^
Don besonderem Interesse ist aber, was üalvasor aus den Grinnerungen
über seine ersten CUaffengänge betreffs einer Kriegssitte der seinem
Kommandanten unterstellten Grenzmannschaft berichtet. „Rier an den
Grenzen — sagt er — habe ich zum Öftern mit meinen eigenen
Jlugen gesehen, da(5 die Zengger, Cüallachen oder üskoken, wann sie
einem Cürken den Kopf abgehauen, selben in die Rohe gehalten und
das warme Blut davon barbarischer Cüeise mit grö(5ter Begierde sich
Selbsten ins Hlaul tropfen lassen, woraus dann ihre üerbitterung gegen
die Cürken und unersättliche Blutbegierde nicht ohne Entsetzen ab--
zunemen ist." ^»°
€s waren aber diese seine CUaffengänge unter einem so bewährten
Kriegsmanne, wie der Graf von Serin es gewesen, für unsern üalvasor,
*'* Üalvasor, Gbrc des I)CTzog(ums Krain, IV. (XII.), p. 90. — lUir sprccben
über die Beziehungen Ritters zu üalvasor nod) an anderer Stelle.
'»» ebenda, IV. (XV.), p. 601.
'^° ebenda, IV. (XII.), p. 93.
'S) 73 'S)
im allgemeinen genommen, eine treffliebe Kriegsschule, deren €rfabrungen
ihm später, als ihm (16$3) von der krainiscben Candscbaft die 5^übrung
einer Jlbteilung der krainiscben IDiliz gegen die Cürken im Osten der
Steiermark anvertraut war, bestens zustatten kamen. ^^^
CUenden wir uns nun wieder des Jünglings üalvasor weiteren
Reisen zu.
Im 3abre 1666 begab sieb O^^b^nn Cüeikbard, jetzt bereits im
25. Cebensjabre stebend, naeb der Residenzstadt (Uien, von welcher Stadt
der zeitgenössische hervorragende englische Reisende Itled. Dr. Gdward
Brown^^^ bei eingebender Hervorhebung von deren rnerkwürdigkeiten
und Schätzen ausgerufen: „Der grö(5te und vornehmste Ruhm der Stadt
ÜJien besteht in dem, da(5 des jetztmaligen Kaysers Ceopoldi Kbays.
rnajestät Ihre Residentz dortselbst haben." In diesem altberübmten
rnittelpunkte des geistigen Cebens, wo alle schönen Künste unter der
flgide des erlauchten Komponisten und Förderers der Hlusik blühten, in
CUien, fand der CUissenstrieb unseres üalvasor vornehmlich Anregung in J/
der vortrefflichen, vom hochgelehrten Peter von Cambeck (Cambeccius) ^
geleiteten Bofbibliotbek, deren ausgezeichneten WJert der vorgenannte
englische Reisende und 5^orscber in die Cüorte fa(5t: „Derjenige, der
gesehen hat die Bibliothek von Bodlay zu Oxford und die vaticanische «
zu Rom, würde sieb sehr verwundern müssen, da(5 hier ebenso was ;
merkwürdiges anzutreffen, welches mit jenen sich wol kann vergleichen :L
lassen, zumal dieser Ort an der äuf^ersten Grenze des gelehrten Cheiles ^
von Curopa gelegen ist." Und nicht minder als die Bibliothek war es ^
die kaiserliebe Schatzkammer, durch deren „sehr kostbare und herrliebe 5
ungemeine Kuriositäten" sich Gdward Brown, trotzdem er vorher die ^
Kunstsehätze und Raritäten von Florenz, Coretto, San Itlarco in üenedig,
St. Denis und Dresden kennen gelernt, dennoch „über die IDaf^en hoch
vergnügt gefühlt" und die auch auf üalvasor in hohem 6rade anregend
gewirkt haben mag.
Über diesen seinen ersten (üiener Jlufentbalt berichtet üalvasor in
seinem Hauptwerke in Kürze, da(5 er 1666 im Oktober zu Cüien „nahe
^^^ Abteilung: Ualvasor als Krieger.
*^^ Cdward Brown m. D. Durch niederland, Ceiitscbland, bungarn, Servien, Bul-
garien, macedonien, Cbessalien, Oesterreid), Steiermark, Kärntben, Carniolen, Jriaul etc.
getbane gantz sonderbare Reisen . . . (Deutscbe Übertragung, niirnberg 1711), p. 235. —
Dr. €dward Brown, zu dem aud) üalvasor in Beziehungen gestanden, hatte diese
Reisen im JTuftrage des königl. Kollegiums zu Condon zwisdien 160$ bis 1073
unternommen.
-g) 74 'S) • .
beim rotben Cburm in dem Jlrnoldscben Bausc" gewobnt babe. G$ gab
zur Zeit zwei Jlrnoldscbe Bäuser (in Cüien) in der Habe des roten
Curmes, das eine auf dem beutigen Rabenplatze, das der Edelsfamilie
Jlrnold^^^ geborte, und das andere die alte Krebsapotbeke am Roben
niarkte (beute Hr. 12), die, im 3abre 154$ unter Oobann Jlrnold gegründet,
bis auf Karl VI. die vornebmste der Stadt war, da sie selbst für den kaiser--
licben Bof die llledikamente liefern durfte ^^^ Cüelcbes dieser beiden
Hrnoldscben l)äuser gemeint, ist zwar nicbt mit voller Bestimmtbeit an--
zugeben, docb möcbte icb mit Einblick auf die Kostgänger--0emeins(baft
mit dem „Jllcbimisten und CUunderdoctor Jobann Hlonte Snyders" auf
das letztere Baus, auf das Jlpotbekerbaus, scblief^en! üalvasor erzäblt
nämlicb, da(5 er im Hrnoldscben pause bei einem ßerrn nieintzer in der
Kost gewesen, wo aucb Hlonte Snyders mit seiner „männlicb verkleideten"
5rau in Kost sieb befand. In diesem Kostorte bei Berrn nieintzer war
also üalvasor mit dem JUlcbimisten zusammengetroffen, der die Cinktur
bereitete, durcb die er selbst (l)err üalvasor) mit eigenen Bänden obne
einigen Betrug ein Pfund Blei mit einem 0ran Cinktur ins köstlicbste
6old tingiert babe. Cüir werden an anderer Stelle seben,^^^ wie üalvasor
später über die Jllcbimie geurteilt bat. Das plötzlicbe üerscbwinden
Snyders und seiner „männlicb verkleideten" 5^rau aus Cüien war wobl
dazu angetan, ibm zeitlicb über die nieister dieser ßebeimlebren (Jllcbimie,
£apis Pbilosopborum usw.) die Jlugen zu öffnen; obscbon ibn Snyders
nicbt so leicbt aus seinen Banden loslassen wollte und nocb fort mit ibm
die üerbindung unterbielt, wie es üalvasor selbst mit den lüorten be--
zeugt, da(5 Snyders (bei seiner Ilucbt aus (üien) „docb sowol von mir
als von dem Kostberrn Urlaub genommen aucb bernacb mit mir gekorre--
spondirt, solange er gelebt". ^^''^
Bh einem der imponierendsten Gindrüd{e von seinem ersten (üiener
Jlufentbalte gibt üalvasor demjenigen vorab J]usdrud<, den der JInblick
des Domes zu St. Stepban auf ibn ausgeübt. In seiner Bescbreibung der
österreicbiscben Candesfürsten bebt er bei Dennung des Hamens Herzog
Jlibrecbt IV. dessen üerdienst um den Stepbansdom ganz besonders bervor,
„zu unsterblicbem Rubm — sagt unser 0bronist — gebe ibm (dem Berzog)
"' berr Sicgmund Tricdricb Brnold von Ccbcnau war Rom. Kais, majestät baupt-
mann bei der Stadtquardi (16$3, während der Cürkenbelagerung UJiens).
^^* 3acques 3äger: Gin Stück Hit-ÜJien. Die Krebsapotbeke am hoben markte.
Wiener fllmanad), herausgegeben von 3acques Jäger. Jahrgang I$97, p. 411 ff.
*^^ Abteilung: Blchimie, Ceufel- und bexenglauben.
^^^ üalvasor, Ghre des Herzogtums Krain, I. (IL), p. 416.
-© 75 'S)
der herrliche Stephansturm ein schier unvergängliches Zeugnis, wie er in
Sachen, so zur €hre der Kirche gereichen, nicht niüt5ig gewesen'*, was
Rudolf IV. begonnen, Jllbrecht III. weitergeführt, habe Jllbrecht IV. voll--
endet, der diesen Curm habe vollends ausbauen lassen „zu einer solchen
f)öhe, Kunstzier und Perfection, womit er noch heute pranget". Im J!n=
Schlüsse an dieses durch die Andacht künstlerischer Anschauung abgeklärt
ruhige und doch begeisterungserfüllte Cob des kolossalen kirchlichen Kunst--
werkes gibt Ualvasor, der sich schon in jungen Jahren mit der lUet^kunst
beschäftigt, die Rohe des Curmes in Übereinstimmung mit Jeckels Altographie
mit 434 V2 CUerkschuhen an.^^^
trotz der vielfachen Anregungen und Annehmlichkeiten, die seinem
lUissensdrange und seiner Cebenslust CUien geboten, strebte Ualvasor in
seiner Reiselust nach wenigen Oahren auch wieder von (Uien fort, da er
die CUelt weiter sehen und kennen lernen wollte und in ihm vorerst
noch das topographische Interesse sowie das Interesse für die Hatur und
für die Erforschung ihrer Geheimnisse vorwiegend war. „Ich bekenne f;
— schreibt er diesbezüglich ganz ausdrücklich — ohne eitle Ruhmsucht g
und 3aktanz, da(5 mich alle meine Cebtage die Kuriosität oder (Ui(5- und .r
Grfahrlust zwischen ihren Sporen gehabt und auf möglichste Untersuchung
natürlicher Raritäten oder Geheimnissen stäts angehauen, als einen gro(5en
Ciebhaber aller freyen und natürlichen Künsten. CUo ich nur einen curiosen B
mann in Grfahrung bringen können, da bin ich hingereist und ist mir t
kein (lieg zu weit, noch die Gefahr zu gro(5, noch die Hlühe zu ver-- \
drief^lich gewest: die Hoffnung, etwas ungemeines zu erlernen und er-- ^,
kundigen, hat alles Saure versü(5t, also gar, da(5 mich solche blof^e Gurio-- %
sität nicht allein in Europa, sondern auch in Afrika etliche 3ahre lang weit g
und breit herumgeführt, um den natürlichen CUissenschaften nachzujagen." ^^^ ^
Indem wir uns nun anschicken, unsern Berrn von Ualvasor auf dieser
seiner grof^en Reise durch Deutschland, Italien, Afrika, 5^rankreich und
zurüc1{ durch Deutschland, die Schweiz, Italien in die ßeimat im Geiste
zu begleiten, können wir es nur lebhaft bedauern, da(5 jenes Cagebuch
seiner Reisen, auf das er an einer Stelle seiner Ghre Rrains^^^ hindeutet,
nicht erhalten geblieben und da(3 wir uns daher auf die von ihm ge--
legentlich in seinem Hauptwerke da und dort hingeworfenen Angaben
über den und jenen Aufenthalt in dem und jenem Orte des Auslandes
beschränken müssen und aus den chronikalen, oft nur beiläufigen Angaben
"^ Ualvasor, ebrc des Rcrzogtums Krain, III. (X.), p. 265.
*°« ebenda, I. (IIL), p. 416.
"« ebenda, III. (XL), p. 2\\.
'S) 76 'S
(z. B. etwa 20 3abre vor diesem [vor der Jlusgabe der Gbre Hrains 16$9]
oder so und soviel jabre vor Jlbfassung dieses oder jenes Bucbes der
Gbre Krains) die Reiseroute selbst zu konstruieren gezwungen sind.
Dieser sein zweiter Besucb Deutscblands ging von iXlien aus, und zwar
nacb Braunscbweig (in die ßrafscbaft Stolberg) zur Besicbtigung der be--
rübmten Bauniannsböble (einer Cropfsteingrotte mit sieben Gewölben und
krummen, von der Hatur gemacbten Gängen), ^o« die er aber im üergleicbe
mit unserer JIdelsberger, ja selbst der Cueger Grotte diesen weit nacb--
stellt, welcbes Urteil aucb ein Engländer und zwei Holländer fällten,
denen Ualvasor später (um 1684) unsere Röblen zeigte und die gleicb=
falls die Baumannsböble aus eigener Jlnscbauung kannten. ^^i Über Bayern,
wo er Bamberg zu einem mebrtägigen Jlufentbalte besucbte^^^ und wo er,
nebenbei bemerkt, zwei ]abre darnacb (1671) ein aus dem Jranzösiscben
übersetztes Bücblein obne Dennung seines Hamens drucken liet^,^^^ und
Italien (Uenedig) trat er nocb im selben jabre (1669) die 5^abrt über
das nieer nad) Jlfrika an.
„Im scbwarzen Grdteil" aber — wo er u. a. aucb die Cibyscbe Cüüste
besucbte — wurde er von einem IDobammedaner in der Bereitung eines
starken Giftes unterricbtet, welcbe Giftbereitung ibm die Uermutung nabe
legte, daf5 die Cürken dasselbe Gift zu bereiten verstünden, da man ja
bierlands gut wisse, wie die aus türkiscber Gefangenscbaft mit gro(Km
Lösegeld losgekauften l)eimatsgenossen dabeim an diesem ibnen von dem
Erbfeinde mitgegebenen üiatico dabinsiecbten, so ein CUolf Engelbert
Jluersperg, der Sobn des bei Budascbki gefallenen l)erbard VIII. von
Jluersperg, desgleicben ein Berr von Camberg, Rauber, Gall, Hlordax und
viele andere. '-°* Diese Giftbereitung batte ibm am 15. 3uli 1669 zu Cunis
der fürnebme und gelebrte Jlli Baisa, der beim Cafilete in bobem Jinseben
stand, gegen niitteilung anderer den Jlfrikanern unbekannter Gebeimnisse
entdeckt und „dabey gemeldet, dat5 solches UJenigen bekannt sey". „So-
bald er mir — sagt Ualvasor dann weiter — diese ßeimlicbkeit geoffen--
bart, merkte icb gleicb, da(5 er warbafftig also damit bewandt und mutete
mich verwundern, da(5 ein solches mittel in der Datur vorbanden." Es
war dies weder das aus Schlangengift mit Baumsamen gemischte mittel
^^^ Rübner, Zeitungsicxikon. neue Ausgabe 1705, p. 22$. (JTcta cruditorum in
Ccipzig 1702. Scbilderung durd) hermann von der Rardt.)
^^"^ Ualvasor, Gbre des Herzogtums Krain, I. (II ), p. 21^.
^"^ ebenda, III. (XL), p. 90.
"' ebenda, II. (VI.), p. 36$, Hr. $.
'"* ebenda, III. (XL), p. 207.
© 77 'S)
zum Uergiften der Canzen und Speere, noch das aus der CUurzel JIddad
bereitete 0ift, das binnen einer Stunde tötete, ^o^ nocb andere Gifte aus
Dubien (und Bettele), sondern es niu(5te ein beimtüdiscb wirkendes, lang-
sam tötendes 0ift gewesen sein, das jedocb, wie üalvasor versicbert, durcb
kein ßegengilft entkräftet oder abgetrieben werden könne und durcb eine
„Hntipatbia" seine Cücke verübe! „Um solche Zubereitung — schliefet die
Mitteilung darüber — bin icb schon vor diesem (vor der Jlusgabe der
€bre Krains) von etlichen Orten ersucht, aber niemals noch überredet worden,
es mitzuteilen und wird sie auch niemals ein mensch von mir erhalten, denn
mein Gewissen will mir nid)t erlauben, eine so hochschädliche Sache zur
Gefährdung vieler menschen Cebens gemein zu machen und dem höllischen
mordgeist oder dessen Kreaturen und merkzeugen damit einen Uorschub
zu thun."^*^^ Zur Bekräftigung dieses seines festen Uorhabens der Geheim»
haltung versichert er des weiteren, da(5 er in der Stunde, da er die €r--
zählung von der Catsache der Erlernung dieser Giftbereitung aufs Papier
gesetzt, die betreffende Aufzeichnung darüber in seinem Reisetagebuche
ausgelösd)t habeP^^
Jlus Jlfrika kam Üalvasor im darauf folgenden 3ahre 1670 nach Irank= 3
reich, er landete in Coulon, wo er in einer engen Gasse näd)st dem Bafen
im Gasthause „Zum goldenen Cöwen" Cogis nahm ^^^ und hier mit ^:
einem „Pacto pseudo--sancto", einem Spruchzettel aus der Beil. Schrift, ^'
samt zwei Charakteren, wie ein 5^ranzose ihm vorgetan, Uersuche anstellte,
die jedoch nur teilweise gelangen, in (Uahrheit aber mi(5langen. Uon da i^or
reiste er über marseille, Beaucaire, Jlvignon usw. nach Cyon. „In Beaucaire v*
— schreibt er — fand ich ober dem Chore eines Palastes, so in der
Stadt fast der schönste von zierlich ausgestatteten Quaderstücken aufge--
rid)tet und mit schönen in Stein ausgeschnittenen 5^iguren und JIrchitectur
geschmückt ist, unser Ualvasorisches CUappen sammt den Hamen und einer
Inscription gar sauber in Stein gebildet."
Jluf dieser 5ahrt war es auch, da(5 er in der Provence die Stadt
maximin besuchte, wo er sich die ^"^ Kirchenschätze und heiligen Reliquien
besah (6. 3uli) und in die zwei meilen entfernte Grotte de la St. Baume
eintrat (7. 3uli), die ihn in mehrfacher Richtung an die heimatliche Grotte
^^^ Ca dcscrittionc dcU' Jlfrica. üenetia 1554. Cfr. ücleno im Index.
'^^ üalvasor, Cbrc des Rerzogtums Krain, III. (XL), p. 20Q.
^'' ebenda, III. (XL), p. 211.
2«« ebenda. IIL (XL), p. 101.
^'^ hier soll niaria fDagdalena mit ibrem Bruder Cazarus bei 30 ]abre in be-
ständiger Bubübung zugebracht baben, weswegen bäufige lüallfabrten bieber gescbeben.
'S 7$ 'S)
von $t. Scrf erinnerte, indem er sieb im Geiste nach St. Baume zurück-
versetzte. Mi dem Cüege nach St. Baume fühlte sieb der bobe Haturfreund
aucb besonders angemutet dureb das Uorbandensein „eines lüäldleins von
allerley T)olz, so nimmermebr zu erdenken". „Da richten sieb — so
schreibt er wörtlich — allerley Gattungen geradsteigender Richten und
Cannen empor, da breiten sich die Gichen und Buchen auseinander, obn
was sonst für wildes Bolz allerley JIrt daselbst grünet,*' und er gesteht
gerne, „dat5 es einem keine geringe Grgötzlicbkeit schafft, sondern sehr
anmutbig, lustig und seltsam vorkommt, in diesem Cande einen solchen
lüald anzutreffen, weil sonst das gemeine und gewöhnliche Bolz allhier
in Pomerantzen, Zitronen, Hlandel, IDargaron oder Granatäpfel, Oliven,
IDaulbeeren und andern dergleichen fruchtbaren Bäumen besteht; denn
von wilden Bäumen habe keine erblickt, obn allein in diesem lUalde".
nachdem dieser (üald durchschritten worden, kam Ualvasor mit den ihn
begleitenden Personen — es waren, ihn eingerechnet, vier lüanderer —
an den 5^elsenberg, auf dessen beträchtlicher Böhe sich die Grotte befindet.
„Die Datur selbst bat — schreibt er in seiner Schilderung fortfahrend —
einen 5ul5steig in die Felsen gemacht, dafc man hinauf geben kann;
wiewol solcher 5^u(5steig sehr schmal ist, bat ihn doch menschliche Jirbeit
so verbessert, daf? man ohne Gefahr hinaufsteigt." £r erzählt nun weiters,
wie sie oben in einer in den 5^elsen gehauenen Kammer nach in der
Grotte abgelegter Jlndacbt von einem (Uirte „ums Geld Speis und Crank
zu sich genommen". In der Grotte selbst verrichtete die Gesellschaft also
beim J^ltar der heiligen IDagdalena ihre JIndacbt und nachdem aucb das
„unerschöpfbare Cüasser" probiert war — durch dreimaliges Berausschöpfen
und Cüegtrinken, wodurch es jedoch immer gleich blieb — , stiegen sie durch
ein ziemlich grot^es Coch wie in einen tiefen Keller, „worin jedoch nichts
Schauwürdiges" zu sehen. „Dieses ist aucb wahr und gewi^ — so schliefet
Ualvasor die Darstellung seines Besuches an diesem Cüallfabrtsorte —
dal5, wenn einer (in diese Grotte von St. Baume) hineingeht, ihm das
Gewissen aufwache und alles, was er seine tage gesündigt, ihm vor--
komme. Inmassen mir allerdings etliche Personen reformirter Religion,
welche es vorher nicht glauben wollen, nach eigener Erfahrung solches
gestanden haben." Hoch erwähnt er der an der rechten Jlnt^enseite der
Grotte befindlichen kleinen Stüblein für die Hlöncbe, deren vier darin ihre
Cüobnung haben und einen weiften Babit tragen. ^'^ „Bernach, als wir
wieder heruntergestiegen, schlugen wir uns zur linken Band mitten in
Ualvasor, Gbrc des Herzogtums Krain, I. (IV.), p. 502 ff.
'S) 70 'S)
den Cüald zurück, giengen wieder bergauf, also da(5 St. Baume an der
rechten Band liegen blieb und kamen gar hoch, ja auf das ßöcbste dieses
steinigen Berges, woselbst eine kleine Kapelle, St. Pillon genannt, gerade
über der Grotte. Hlan sagt, die bl Hlaria Magdalena sey von den beil.
Engeln alle tage siebenmal aus der Grotten da hinauf erhoben worden."
Biezu bemerkt der mitarbeiter an der Ghre Krains, Grasmus 5^rancisci:
„Ich hielte dafür, wenn die heil. Gngel alle tage mit jemandem so leut-
und holdselig, freundlich und vertraulich umgiengen, so würde die BuJ^e
gar zu sehr versü(5t, ihre Strengheit und Schärfe einbü(5en. Setzt dero-
halb der Berr ßaupt-Jluthor (Ualvasor) wolbedacht und behutsamlich dazu:
,rnan sag es*." „Bei dieser Kapelle — von der aus es einen allerschönsten
Prospekt nach allen Seiten hin gebe — wird, wie unser ßerr Ualvasor
noch hinzufügt, der Brauch geübt, da(5 der Besucher drei, vier, fünf
und mehr Steine, ja soviel er kann aufeinander setze, so dal5 sie ruhig
stehen bleiben. Ich — sagt er — habe viel tausend solcher Steine aufeinander !L
daselbst gesehen und auch selber es also gemacht wie Hndre, wiewol ich nicht ?
wu(5te, noch von jemandem erfahren konnte, warum es geschähe, sondern Z,
mit der JTntwort vorlieb nemen müssen, da(5 es ein alter Gebrauch wäre."2ii ?-
Tn Tyon blieb unser heimatliche Gelehrte nahezu zwei jähre und f.
widmete sich dem Studium der historischen CUissenschaf ten und vorzüglich J
der Archäologie, nebenbei die Haturhistorie und besonders die IHagie und
Jflchimie betreibend. Bier machte er die Bekanntschaft eines Haturkundigen,
des nionsieur Benry Garbusat, dem er dann, nach pause zurückgekehrt,
„Uersteinerungen" (wie sie ihm bei Candspreis in die Bände kamen und
wie sie auch beim Schlosse Galleneck zu finden waren) zusandte.^^^
Cüährend seines Aufenthaltes in 5^rankreich besuchte Ualvasor auch
die Bohle bei Cours,^!^ „les caves goutieres" genannt, in welcher er Cropf--
steingebilde ähnlicb diesen und jenen 5^rüchten (z. B. Hüssen) oder Hadeln
und dergleichen vorfand, die ihm mit den Gebilden in der Grotte bei
Kropp (Oberkrain) ähnlich erschienen.
Die Rückkehr von dieser grof^en Reise und vom längeren Hufenthalte
in Frankreich, wo ihm auch in Paris u. a. der „(Uahrsagerspiegel eines
französischen Berzogs" gezeigt worden, nahm er 1672 über Deutschland
und die Schweiz — er besuchte auch den Rheinfall bei Schaffhausen ^i* — ,
dann über Italien in die Beimat.
^'' Ualvasor, €brc des Herzogtums Krain, I. (IV.), p. 504. - ^'^ ebenda, I. (IV.),
p. 47$. - ^'^ ebenda, I. (IV.), p. 565. - '•* ebenda, I. (IL), p. 15$.
Uermählung und Familie»
^auni heimgekehrt, schickt sich der im 31. Cebensjahre stehende
Johann CUeikhard von üalvasor nun an, einen eigenen l)erd
zu gründen, indem er sich eine Cebensgefährtin wählt und in
einem der schönsten Celle Krains ein eigenes $chlo(5 erwirbt.
da nach dem Code seiner Hlutter sein ältester Bruder und Uormund Karl
das väterliche Schlof) 0allened< „an sich erhandelt" und den Geschwistern
ihren Ceil hinausgegeben hatte.
Jlus dem unweit Cittai (in Unterkrain) gelegenen Slatenek, einem
malerisch inmitten von Grün auf einem mä(5igen Bügel liegenden, heute
in den Besitz des Fürsten Bugo zu Cüindischgrätz gehörigen Schlosse
holt sich Ualvasor seine Gemahlin Hnna Rosina Grafenweger von Grafenau,
eine Cochter des Berrn Balthasar Grafenweger und seiner Gemahlin
maria, welches Gdelfräulein aus altberühmter Familie am 11. Oktober 165$
zu Caibach geboren war, denn das Caufbuch der Dompfarre Caibach^^^
besagt: 165$ Octobris 11 baptizata est Jlnna Rosina filia legitima Patris
Perillustris Dni. Balthasari Graffenbeger et ejus Dnae Gonjugis Itlariae
Cenantibus Perillustri Duo Joanne Garolo a Samburg et lllwi^ Dna Jinna
von Raunachin.
Jlls unser Berr Ualvasor das 5^räulein von Grafenweg heimführte —
es war das am 10. 3uli 1672 — , da zählte das 5^räulein 14 jähre
10 rnonate und 1 Cag, denn das Crauungsbuch der Pfarre St. Hlartin bei
Cittai besagt: 1672 ]ulius 10 hujus copulatus est lllm."^ Dns. Dns. joaes
CUaichardus üaluasor de Gollenekh cum sua sponsa lll"ia Domiceila Anna
Rosina Groffenbegerin de Graffenhau.^^*^'
*'"' Cibcr baptizatomus, Wi. 9, p. 207.
^^^ Eibcr copulatomus Hb anno 1600—1720. — Die Benützung der niatriken
in St. martin bei Cittai verdanke id) der Ciebenswürdigkeit des ehemaligen Pfarrers
daselbst, nun Decbanten von Stadt Stein, Rocbu). herrn Cavrencic, dem verdienstvollen
Erbauer der neuen Kirche in St. IHartin — eine der schönsten Kirchen in Krain.
'& $\ ^
J\u$ dieser Gbe Oöbann Cüeikbards entsprossen im ganzen neun
Kinder; nachdem Enna Rosina üalvasorin ihren Ghegemahl vorerst mit
vier Cöchtern beschenkt: Hlarie Sidonie (* 1674, 16. Jlpril, aber erst am
29. getauft,2i7 | ]676, 17. 3uli), maximilla Cordula (* 1675, 10. Hpril,
1 1677, 13. 3uni), Jlnna Cheresia (* 1677, 15. lebruar, f ^^^l 27. Hov.),
Johanna (* 167$, ll.juni, welche zur Zeit der Ausgabe der ehre Krains nod)
am Ceben war), gebar 5^rau von Ualvasor am 25. Sept. 1679 den ersten Sohn.
Dieser sein erster Sohn ward aber auch, entgegen dem sonst in Krain
gebräuchlichen und auch auf Schlössern eingehaltenen Eandesgebrauche,
der Uollziehung des hl. Caufaktes am Geburtstage selbst, erst nach einer
ÜJoche zur taufe gebrad)t, denn wir finden erst zum 2. Oktober 1679 in
der nialrikel der Pfarre St. Hlartin mit einem Hotabene versehen die
Hotiz der Eintragung, da(5 am genannten tage (2. Oktober) der eheliche
Sohn des Berrn Johann UJeikhard Ualuasor und der Hlutter 5^rau JInna
geb. von ßraffenweger auf den Hamen [Uolfgang CUeikhard getauft
worden sei; als Caufpaten fungierten Berr Ferdinand von ßraffenweger
und 5^rau Katharina 5^reiin von Khaysell, den Caufakt, der wahrscheinlich
in der Bauskapelle des nun Ualvasorschen — ehemals Khaysellschen —
Schlosses CUagensperg (bei St. Hlartin) vollzogen wurde, nahm der Pfarrer
von St. IDartin, ßerr 6eorg J^ndreas Schiffrer, selbst vor.^^^
Zu den vorgenannten fünf Kindern, von denen, wie oben angedeutet, die
drei ersten im zartesten Jllter von zwei und drei Oahren hinwegstarben,
erhielt Ualvasor von dieser seiner (ersten) 5^rau noch vier Kinder, und
zwar nun durchwegs Knaben: O^hann ßottlieb (* 16$1, 16. Juli, f ^^^7,
4. märz), Johann Cudwig (* 16$3, 1$. Jlpril), Johann CUolf Engelbert
(* 1684, 25. Juli) und 5^ranz Josef (* 16$6, 13. Juni, f 1687, 14. märz).
Zur Zeit, da unseres Gelehrten Hauptwerk, die Ehre des Herzogtums
Krain, erschien (1689),^^® waren also von seinen neun Kindern aus erster
€he vier noch am Ceben, und zwar eine Cochter und drei Söhne.
(Jon diesen drei Söhnen begegnen wir später dem Erstgeborenen
(Uolfgang lUeikhard im Jahre 1692 auf 1693, also noch zu Cebzeiten des
Uaters, als Schüler der zweiten Cateinschule und zugleich Konviktisten im
Kollegium der Jesuiten zu Caibach;^^*^ er wurde nach Uollendung seiner
^" Cibcr baptizatorum in St. martin bei Cittai. — Caufpaten waren der älteste Bruder
Ualvasors, Karl, und die Iran flnna IDaria ßraffenweger, die mutter der ^rau von Ualvasor.
^'^ Ciber baptizatorum in St. Ifiartin bei Cittai.
*'^ Die Angaben der Geburts^ und Sterbejahre seiner Kinder bat Ualvasor in der
„ehre des Herzogtums Krain", III. (IX.), p. 109, genau verzeicl)net.
"° historia Seminarii Cabacensis. ms. der k. k. Studienbibliotbek in Caibad), fol. 204, b.
V. Radics, Ualvasor. 6
'S) $2 -2)
Studien mit dem Klosternamen P. Jllois Ordensbruder der P. P. 5ranzi$i<aner
strenger Observanz und zeichnete sieb sowobl durch 5^römmigkeit als Gelehr-
samkeit aus, auch war er schriftstellerisch tätig und verfa(5te die geistlichen
CUerke: Dominieale, 5^estivale seu proprium de Sanctis und Quadrigesimale.^^i
Der 16$3 geborene 3ohann Cudwig, der gleichfalls als Konviktist im
Caibacher Jesuitengymnasium studierte, erscheint I69S als Schüler der
vierten Cateinschule „Syntaxista" und 1699 als „Poeta" (Schüler der
fünften Schule) ;222 ^^^ dieser Sprosse 3ohann (Ueikhards trat in den
Orden S. ^rancisci, und zwar mit dem Klosternamen Donatus; er befand
sich im Kloster zu Stein (Oberkrain) und bekleidete bereits im Jahre 172$
die UJürde eines Guardian daselbst, war durch 30 Jähre Beichtvater der
Donnen zu IDünkendorf (bei Stein) und zu IHichelstetten, er starb im Jahre
1752, 29. Jlpril, im Jllter von 69 Jahren und 5K seines Klosterlebens.223
Bus dem Jahre 1729 liegt noch im J^rchive der Stadt Caibach eine
von ihm als Guardian gefertigte, vom 22, Juli datierte Quittung von
„über zechen Gulden Candtswehrung, warmit mir Berr IDartin IDariner
OberStattGamrer das Interesse von denen bey Ginem £öbl Dlagt. an-
liegenden Gapital von 100 fl. L Ol. seit 3, July 1727 bis 3. July 1729
also von 2 Jahren anheut par bezalt hat".^^*
Der 1684 geborene Sohn Johann CUolf €ngelbrecht, der wie die
beiden vorgenannten als Konviktist bei den Jesuiten in Caibach studierte,
ersd)eint 169S und 1699 als „Syntaxist", ^^s ^^er erst 1703 als „Cogicus"
am Grazer Cyzeum der Jesuiten^^« (wo er jedoch fälschlich als Josef Cüolf»
gang und Garinthus [aber doch als (Uagenspergensis] eingetragen wurde).
Später wurde Johann Cüolf engelbrecht als Jr, Stephan Zisterzienser
in Candstraf5 (Unterkrain), wie dies in der Bistoria Seminarii Cabacensis
nachträglich angemerkt worden.
€s hatten sich also alle drei ihn überlebenden Söhne dem geistlichen
Stande gewidmet und die 5^orterhaltung des Stammes üalvasor in Krain
erfolgte durch Johann Cüeikhards ältesten Bruder Karl.
"' Dolnicar (Cbalni(sd)cr von Cbalbcrg), Bibliotbcca Cab. publica cd. Stcska.
Izvcstja muzcjskcga Dru^tva za Kranjsko. Cetil. X., p, 171.
"- historia Seminarii Cabacensis 1. c, fol. 209/a.
^" Diese Daten aus den Hekrologien des Klosters Stein verdanke id) der freund-
lieben mitteilung des ßuardians bod)W. P. JIngelus miejnik (1900).
^"^^ Beleg 2$ zum Einnabmenbucb des Oberkämmerers ex 1729.
-"'•' historia Seminarii Cab. I. c, fol. 210/a.
"" niatrikel der 0razer Universität. — üniversitätsbibliotbek in Graz, Uls. fol. 193/a.
Ankauf von Wagensberg, Lichtenberg und
Schwarzenbach,
[enigc lUocben nach seiner Uermäblung, am 27, September 1672,
kaufte sid) üalvasor, wie angedeutet, in Unterkrain an, und zwar
brachte er unter einem den Berrscbaftsbesitz (üagensberg,^^^
dann das „einen Bücbsenscbu{5" davon entfernte ruinenbafte
Scblofc Cicbtenberg228 sowie das auf dem CUege von St. lHartin nad)
[Uagensberg gelegene Scblo(5 Scbwarzenberg,229 alle drei Besitze von 5^ranz
Hlbrecbt 5^reiberrn von Kbaysell, käuflid) an sid).
Sd)lo(5 (Uagensberg.
Beute im Besitze Sr. Durd)laud)t des 5^ürsten Bugo zu (Uindisd)grätz
— temporärer Jlufentbalt Ibrer königl. Bobeiten des Berrn Berzogs Paul
von nied<lenburg--Scbwerin und ßemablin ^rau Berzogin Hlarie geb. 5^ürstin
zu CUindiscbgrätz — , bietet uns Scblol5 uagensberg im großen ganzen
nod) dasselbe Jlusseben, wie zur Zeit, da unser 3obann CUeikbard ^reiberr
von Ualvasor es besessen, und die Pietät der gegenwärtigen fürstlid)en
Besitzer erbält aucb die „Ualvasorstube" in altem Stande, das bei(5t,
soweit eine restitutio in integrum möglieb war, nad)dem der Scblo(5besitz
nacb dem 1692 erfolgten Uerkaufe durd) eine Reibe von Bänden gewandert
war, bis um die niitte des vorigen O^brbunderts die fürstlicbe 5^amilie
(üindisd)grätz denselben erwarb. In dieser Ualvasorstube sd)rieb 3obann
(Ueikbard, der Cradition zufolge, sein Bauptwerk, die „Gbre Krains".
5reiberr von Ualvasor schildert sein Scblo(3 mit nacbstebenden Cüorten
in der das „$d)lösserbud)" scbled)tbin genannten Abteilung seiner „Gbre
des Berzogtums Krain": Dieses $cblo[5 ist nocb eines von denen alten
Bergsd)lössern, auf einem boben Berge mitten in CUäldern erbaut, bat ein
"' Ualvasor, €bre des Rerzogtunis Krain, III. (XL), p. ^22.
"« ebenda, III. (XL), p. 339.
"" ebenda, IIL (XL), p. 517.
'S) $4 'S)
weites Jlusscben (Jlussicbt) auf das hohe Scbneegebirge gegen Kärntben
(die Karawanken) und Steiermark (Steiner oder Sulzbacber fllpen) einen
friscb gesunden £uft, zwar keine Gbene, docb Baufelder auf dem Gebirge
und überaus köstlicbes Obst, verscbiedener Jlrten Kirscben, derer vier bis
fünff auf einem Stiel und näcbst dabey das lUeingebirge, unfern vom
Scblosse aucb einen scbönen scbwarz- und gelben IHarmelstein." „Obwol
dieses Scblo(5 aber bocb ist docb näcbstdabey ein Quellbrunn, so im Sommer
Die „Valvasorstubc"
im beute fürstl. CQindischgrätjsdien $d)losse öQagensbcrg in dnterkrain.
eiskalt, überdas aucb ein 5iscbteicb, sonsten aber garnicbts Gbnes; sondern
bingegen alles abbängig." — Beute fübrt zu dem Scblosse eine präcbtige,
in bequemen Serpentinen angelegte Strafte empor, ein abkürzender steiler
5u(5weg aber mitten in die dicbtscbattigen Parkanlagen.
Das Scblo(5, dessen erstes Gntsteben auf das Gnde des 14. oder den
Beginn des 15. jabrbunderts zurückzufübren sein dürfte, weist in seiner
äu(5eren Gestalt das Jlusseben der Scblösser Krains aus dem 16. und
17. 3abrbundert. Gs bildet ein fast regelrecbtes gleicbseitiges Uiereck, das
mit seinen Gcken gerade nacb den vier CUeltgegenden gestellt erscbeint; der
l^aupteingang befindet sieb in der mitte der Jront, welcbe links von einem
© $5 'S
runden, das übrige Gebäude wenig überragenden, rechts von einem mit der
5^ront gleid)laufenden, um ein bedeutendes höheren eckigen Curme begrenzt
wird; die der Cüestseite zugekehrte €d<e des Schlosses hat einen runden
Curm. Die „Ualvasorstube" befindet sich im ersten Stockwerke des gegen
Süden zugekehrten viered<igen Curmes.
Jlls Ualvasor ÜJagensberg (dieses Stammhaus der (üagen von lUagens--
berg) käuflich erv^orben, nahm er mehrere bauliche Berstellungen vor,
er lie(5 einen ohnedies tiefen Schlo(5brunnen noch mehr vertiefen und
aus einem CUeinkeller „durch die grausamsten Felsen" staffelweise einen
6ang bis zu dem Grunde eines Brunnens legen, „auch daselbst unten
ein kleines Gewölbe oder Keller aufführen, der im Sommer überaus kalt
und angenehm" — zur Aufbewahrung von fleisch und Delikatessen,
fügen wir bei, deren ganz besonderer 5^reund unser 5^reiherr gewesen,
wie aus verschiedenen zerstreuten Bemerkungen in seiner „€hre Krains"
deutlich hervorgeht.
CUie er so und im allgemeinen für die leiblichen Bedürfnisse des
Bauses vorgesorgt, so war der neue SchloJ^herr aber auch darauf bedacl)t,
für das geistige und geistliche CUohl der Schlo(5bewohner zu sorgen und
lie(5 vorerst für letzteres eine Schlo(5kapelle herrichten, die „Unserer Cieben
brauen" gewidmet wurde und das Bild U. £. 5rau mit dem 3^$ukindlein
und der „5^1ucht nach Ägypten" zum Eltarblatt erhielt. Dieses ursprünglich
beigestellte Bild fand Ihre königliche Roheit die durchlauchtigste ^rau
5^ürstin niarie von niecklenburg--Schwerin auf dem Dachboden, nachdem
es von einem der vorigen Besitzer mit einem anderen Jlltarblatte ver--
tauscht worden.
Zu seinen Untertanen stand Ualvasor in jenem Uerhältnisse, das
allzeit den Gebildeten im üerkehre mit dem sozial Cieferstehenden aus-
gezeichnet, in dem Uerhältnisse leutseligen Rerablassens, bei ihm noch
besonders verschönt durch echt christliche Hächstenliebe, wie dies aus
zahlreichen Stellen seines Hauptwerkes hervorleuchtet oder selbst zwischen
den Zeilen zu lesen. Jlls ein kleiner Beleg dafür mag vielleicht auch das
gelten, da(5 wir sowohl ihn als seine Gemahlin wiederholt in den Cauf=
matriken der Pfarre St. IDartin bei Cittai als Caufzeugen des Bauern--
standes seiner Schlof^umgebung angeführt finden.
Seinen Pfarrort St. niartin schildert er in recht anschaulicher Jlrt, indem
er hervorhebt, daf^ dieses Dorf in einem lust-- und fruchtreichen Boden
nicht weit von der Save gelegen und von mehr als 100 Ginwohnern, alle
in kleine Bäuschen zerteilt, bewohnt sei, darunter viele „Sanier" (Jracht-
fuhrleute) und allerlei Bandwerksleute, „die einem ausarbeiten, was man
-© $6 'S)
verlangt", besonders viele Cederer, die sd)warze$ Ceder bereiten. Dann
fügt er bei: „So findt man gleichfalls ziemlid) viel lUirtbsbäuser darin,
und zwar in dem 3abr, da icb diese Copograpbiam auffübr (um 1687),
1$ derselben, denn diesen Ceuten — sagt er lakonisch bemerkend —
scbmeckt der Cüein viel besser als das CUasser", wiewol sie dennoch die
5isd)e — fährt er zu erzählen fort — so aus dem Cüasser kommen, solieb
haben, daj^ kein 5^ischwasser (es spricht der 5ischereibesitzer!) vor ihnen
etlid)en ruhig verbleiben kann. „Scheinen also — schliefet er — diese
Jisch'Häscher das Sprid)UJort: Piscis in tertia aqua venenum, der 5isch
ist im dritten Cüasser ein Gift, zu scheuen, daher sie ihn lieber bei sich
in (Uein als in Cüasser schwimmen lassen." Hlit dieser humorvoll
versöhnlichen Pointe nimmt der üerfasser von dieser Ortsschilderung
Abschied.
Dad) St. IDartin stieg üalvasor häufig hernieder, nachdem er daselbst
das Kupferstich-Jltelier, von dem in dem Abteil „€hre des Herzogtums
Krain" des näheren gehandelt werden wird, eingerichtet hatte, ja, er hatte
aud) in St. Ulartin eine eigene Schreibstube, wie die Cradition zu erzählen
wei(5, und wird uns als solche ein mit Bolzestrich versehenes Zimmer
im „Benefizium Reschen-Cichtenthal" bezeichnet, in welchem, nebenbei
bemerkt, ober einer Cur rückwärts die Jahreszahl 1586 in Stein gehauen
zu finden ist.
Die „Berrngült" von Schloff (Herrschaft) Cüagensberg und den Depen--
denzen Cichtenberg und Schwarzenbach betrug 64 Pfund.
Cüir finden nämlich im ßültbud) de Anno 1662 bis 1753^30 folgende
Gintragung unter der Rubrik: „Ritterstand":
Berr Johann Cüeikhard üaluasor vnd dessen Chefrau 5^rau Anna Rosina
geborene ßraffenweegerin wegen des von Berrn 5^ranz Albrecht Khaysela
erkhaufften ßuets Cüagensperg, Ciechtenberg vnd Schwartzenbach Berrngült
64 Pfund.
Und darunter stehen dann des weiteren Abschreibungseintragungen
des Inhalts:
Ao. 16S9 hat Berr üalvasor Jreyherr vor sich als nothgerhabe seiner
Ersten Ghekhinder der brauen brauen Anna IDaximilla 5reiin von nioschkhon
Schwarzenbach ins Gigen verkhaufft vnd allein vermug aufsandt mit 12 Pfund
Berrngült vnd 13 Bueben zu vnd alda abschreiben lassen, bleiben also
noch alda Pfund 52.
"° flrdiiv der Eandtafcl für Krain beim k. k. Candesgericble in Caibad), ßültbud)
Hr. 13, p. 103.
© $7 'S)
1691 ist dem Kloster Sittich ein getreide, Sakb- vnd 3ugendzebent in
der Cemeniz von 30 Bueben ins eigen verkbaufft vermüg aufsandt albie
zue vnd alda mit 5 Pfund Berrngültabgescbrieben worden bleibt hierüber
nocb 0ült Pfund 47.
Die Berrngült von Cüagensberg erscheint dann noch 1752 unter dem
Besitzer JInton Jllexander von ßöffern mit 47 Pfund und 15 ßuben
veransagt.231
€in 3ähr vor dem Uerkaufe von $chlo(5 CUagensberg und Dependenzen,
im 3ähre 1691, hatte also Berr 3obann CUeikbard 5^reiberr von Ualvasor
den 3ugendzebent samt 30 Buben des Gutes CUagensberg an das Zister»
zienserstift Sittich in Unterkrain, und zwar um den Betrag von 2250 fl.,
dann 30 Reichstaler Drangeid verkauft.232
Über die Hacbfolger Ualvasors im Besitze von ^lagensberg, das er
1692 verkaufte, gibt das ständische 6ültenbuch^^^ die näheren Daten. Caut
Urkunde vom $. Oktober 1692 gelangte der Besitz an Berrn 3ohann
Jfndreas Gfandini von Cilienstein, welcher mit einer 5^reiin von Cauferer |
verehelicht war und von welchen es deren Cochter 5^ranziska verehelichte ^
von Böffern ererbte. Zur Zeit des unter der Kaiserin Hlaria Cheresia ^
eingeführten Kektifikatoriums, seit 1750 war dann der Obigen Sohn Berr *"
Jlnton Jllexander von Böffern Besitzer von CUagensberg. Da aber über
diesen in der lolge schuldenhalber der Konkurs ausbrach, gelangte ^ S
diese Berrschaft in die Bände des ßantgläubigers michael Skube, welcher ^^
Anfang Oktober 1783 darauf ein Kapital von 2000 fl. geliehen hatte '^
und dessen €rben 1793 die Umschreibung auf ITlichael Skube und sich ^
erwirkten. Uon diesen kam CUagensberg durch Kauf laut landesgericht-- %
liehen Bescheides vom 27. Jlpril 1$01 an Johann Hep. CUogathei und B
von diesem durch Erbrecht laut ßubernial-Ratschlusses vom 3. niai 1$19 ®
an Ignaz CUogathei. Uon letzterem kaufte es Se. Durchlaucht ^ürst CUeriand
CUindischgrätz, welchem es laut bezirksamtlichen Bescheides vom 1, 3uni
1853 zugeschrieben wurde. Uon da an blieb es bis heute im Besitze der
hochfürstlich CUindischgrätzschen 3^amilie und hat namentlich der Uater
des gegenwärtigen Besitzers 5^ürsten Bugo zu CUindischgrätz, Se. Exzellenz
"^ Hrcbiv der Candtafel für Krain beim k. k. Candesgericbte in Caibad), 0ültbucf)
Hr. 13, p. 103.
"■' K. k. Eandesgericbt Eaibacb, krain. Candtafel. Beantwortung einiger von der
k. k. Rektifikation$bud)baIterei gerichteten Jragstücke über die verfertigten Doniinikal-
lassiones um 1755 durch den damaligen Besitzer von CUagensberg Hnton Alexander
von böffern zum Saalfeld.
"' ebenda.
der durcblaucbtigste Berr k. u. k. Generalmajor Bugo Jmsi zu Cüindiscb--
grätz, und namentlicb ßocbdessen erste ßemablin Ihre königlicbe Roheit
Eouise geb. Prinzessin von tHecklenburg-Scbwerin, die aucb daselbst ver=
starb und in der nebenan errichteten Familiengruft rubt, wesentlich zur
pietätvollen Erhaltung des Schlosses sowie zur üerschönerung desselben
im Innern und zur fashionablen Herstellung der €ntitäten im allgemeinen
mit aller Sorgfalt beigetragen. (Uar doch die erlauchte hohe Dame von dem
entzückenden Panorama von Cüagensberg in gleicher (üeise angezogen, wie
es der berühmte einstige Besitzer, unser 5^reiherr von Ualvasor, gewesen
war. — Jluch die gegenwärtig hier oft und gerne weilende Jrm Herzogin
IHarie von rned{lenburg--Schwerin, geb. Prinzessin UJindischgrätz, waltet
in den altberühmten Räumen mit voller Pietät für Ualvasor, gleichwie
Ihre königliche Roheit im allgemeinen der Jlrchäologie Krains das höchste
Interesse zuwendet und sich auch durch eigene Grabungen an der
Förderung derselben tatkräftig beteiligt, wie es denn auch dem Uerfasser
dieses Bud)es gegönnt gewesen, von Ihrer königlichen Roheit in diesem
Sinne huldvollst zu Rate gezogen zu werden, bei welchem anlasse der--
selbe das Glück geno(5, die stilgerechte Jlusstattung des Innern von
lUagensberg, die Porträtgalerie der erlauchten üerwandtschaft, die Biblio--
thek usw. besichtigen zu können.
Uon den Sammlungen, die Johann Cüeikhard hier in seinem „museum"
lUagensberg zusammengebracht, sprechen wir an anderer Stelle.
Sd)lo(5 Schwarzenbach.
Das heute im Besitze des Rerrn Jllfons Baron CUurzbad) von Cannen--
berg befindliche, so besonders anheimelnde Schloff Schwarzenbach unweit
CUagensberg charakterisiert Freiherr von Ualvasor mit den (Uorten: „Gs
steht auf einer Jlnböbe, doch unter einem hohen Berge und grofKU
Uüalde, solchem nach gleichsam in einem Graben zwischen hohem Gebirge:
hat aber dennoch ebne schöne CUiesen und Felder. Und ob es gleich mit
keinem weiten Jlusseben (Jlussicl)t), ist es doch mit einer schönen Hachbar--
schaft der nahe beisammen liegenden Schlösser beglückt." ^34 Der Uer--
fasser hebt in den letzten CUorten den Uorteil der Dachbarschaft der
beiden ihm gehörigen Schlösser CUagensberg und Schwarzenbach hervor.
Uon dem wahrscheinlich 1693 vollendeten Umbau des Schlosses blieb
das Schlafzimmer Ualvasors, welches noch heute als Ualvasorzimmer
mit Pietät behandelt wird, unberührt; in diesem Zimmer soll Ualvasor,
"* Ualvasor, ehre des bcrzogtums Krain, III. (XI.), p. 517.
'S $9 ^
wie die Cradition zu erzählen wei(5, das im XI. Buche, p. 71, der „€hre
Krains" beschriebene „erschred<liche Krachen" beim Cesen einer Be--
schwörungsformel vernommen haben. Gleichfalls traditionell ist die Sage,
da(5 die Schlösser lUagensberg und Schwarzenbach durch einen unter--
irdischen Gang in Uerbindung standen. ^^^
Caut „Kauf--Ebrede" ddo. ^agensberg, 30. 3änner 16$9, verkaufte
Johann CUeikhard Freiherr von Ualvasor das 8ut Schwarzenbach der
Jlnna IDaximilla 5^reiin von Mloscon, geborenen Gräfin Jluersperg, um
den Kaufschilling von 6400 fl. Candeswährung und 100 Caler Ceihkauf,
„wie auch durch ihren Rerrn Ghegemahlen eine Cattenbacherische Präten--
sion mit allen Recht und Gerechtigkeit (jedoch ohne Schutz und Schirm);"
die „Bauptquittung" betreffend diesen Uerkauf erfolgte unterm Datum
Caibach, letzten lebruar 1689, und geschah demnach laut „Jlbrede" die
Gutsübergabe binnen vier CUochen.^sß
€s erübrigt uns, betreffs des Schlosses Schwarzenbach nur noch zu
erwähnen, da(5 der gegenwärtige kunstsinnige Besitzer, dessen Uorliebe
für Erwerbung landesgeschichtlich interessanter Gegenstände, namentlich
von Resten kunstindustriellen Charakters allbekannt, sowie dessen Uersiert--
sein in der Angabe stilgerechter Restaurierungen in gedachter Richtung,
das durch seinen einstigen Besitzer, den 5^reiherrn von Ualvasor, lokal=
geschichtlich, aber auch für weitere Kreise anziehende Schlot^ Cüartenberg
in einer Cüeise au(5en und innen restaurierte, so da(5 dasselbe heute
einen Schmud<kasten altkrainischer Schlo(5einrichtung darstellt und es uns
nicht wundernehmen kann, da(5 der dasselbe mit soviel Uorliebe be--
handelnde gegenwärtige Schlo(5herr nicht ermüdet, es immer mehr und
mehr in diesem Sinne noch weiter auszugestalten. CUem es durch die
Ciebenswürdigkeit des Berrn Baron CUurzbach gegönnt gewesen, in den
Räumen des heutigen Schlosses Schwarzenbach weilen zu können, der
wird den €indrud< davon nie vergessen.
Das ehemalige Schloff Cichtenberg,
welches von der Familie Schwab an l)errn Georg Khaysell gekommen
war, wurde von diesem sofort nach erfolgtem Kaufabschlüsse „ab--
gebrochen" und zur Ruine gemacht, wie wir sie in der „Ghre Krains"
"* mittcilungen, die icb der liebenswürditjen Jreundlicbkeit des cjecjenwärtigen
Besitzers Rerrn Baron Cüurzbacb bei meinem Besucbe daselbst verdanke.
"^ Die den Uerkauf betreffenden Urkunden im Besitze des Rerrn Baron tüurzbad)
wurden mir gleicbfails freundlicbst mitgeteilt und babe icb dieselben sowie einen
Urkunde-Gntwurf in der „Caibacbcr Zeitung" vom 2$. Dez. 1$96 ausfübrlid) bcsprocbcn.
'S) 90 'S
abgebildet sehen. ^^^ Dieses zerstörte Cicbtenberg mit dem dazugehörigen
JRreale ging von Georg Khaysell an seinen jüngeren Sohn Berrn Johann
5^erdinand Khaysell und nach dessen Code an seinen Bruder ßerrn Jranz
JRlbred)t 5^reiherrn Khaysell über, von voelch letzterem es dann, voie wir
gesehen haben, 1672 Berr Johann (üeikhard Freiherr von Ualvasor erkaufte.
„Ich habe — schreibt dieser — auch selber schon viel von diesem
$chlo(5 abgebrochen, um die davon erhaltenen Steine zu CUagensberg
anzuwenden, damit dieses aus jenem weiter erwad)sen möchte."
"^ Ualvasor, €brc des hcrzogtums Krain, III. (XI.), p. 33$.
Forschungsreisen^
fuf seinen Studienreisen war Ualvasor zu der Überzeugung
gekommen, da(5 man auf^erbalb seiner geliebten Reimat Krain
keine genügende Kenntnis von dieser besitze, ja, da(5 die
„falsche Hleinung" verbreitet sei, „als wäre dieses preisgelobte
Herzogtum ein schlechter, kleiner, unbeträchtlicher CUinkel der europäischen
€rde, gänzlich von lustbaren Städten und prächtigen Schlössern leer und
also andern Cändern nicht gleichen schätzbar." ^^^
Diese Überzeugung festigte in ihm die ernste Uornahme, dieses sein
teures Uaterland mit all seinen Sehenswürdigkeiten, mit seinen eigen=
tümlichkeiten in allem und jedem den weitesten Kreisen vorzuführen, ein
Cüerk darüber zu verfassen, welches die bisherigen kurzen Crwähnungen
und Darstellungen des nierian, des Jltlas major von Blaev, des Georg
Brown und Jlbraham Sauer ergänzen und richtigstellen sollte, um so mehr,
als ja rnatthäus lüerian in seiner „Copographia Provinciarum Jlustria--
carum" oder Beschreibung derer dem pause Österreich unterworfenen
Candschaften auf dem dritten Blatte für Krain das Bedürfnis nach einem
manne ausspricht, der „Rilfe und üerlag dazu hätte", eine Chronik oder
wenigstens eine Beschreibung von dem „hochlöblichen Rerzogtume Krain"
zu verfertigen und solches „edle £and" den Jlusländern und selbst den
Inwohnern besser bekanntzumachen.
Der Uornahme Ualvasors, solch ein CUerk zu schaffen, folgte die Cat,
die „€hre Krains"! Doch zuvor galt es ihm, die Beimat zu diesem
gro(5en Zwecke selbst erst genau und nach allen Richtungen hin zu er«
forschen, denn er wollte nicht in den 5^ehler seines üorgängers auf dem
lokalgeschichtlichen Gebiete, des Ristoriographen und Topographen Johann
Cudwig Schönleben — seines ehemaligen Präfekten im Jesuitenkollegium
— verfallen, „der selber nirgends hingereist, wodurch er ein mehreres
erfahren oder in Jlugenschein hätte bringen können".
"^Ualvasor, €bre des Herzogtums Krain, III. (XL), €inleitinuj.
'S) 92 'S)
Unserin 5^reiberrn von Ualvasor war durch seine vielen Reisen im
Jluslande die Jlutopsie von hervorragendster Bedeutung.
$0 machte er sid) denn bald, nachdem er sich in seinem Schlosse
lüagensperg häuslid) eingerichtet und daselbst eine Bücherei angelegt
hatte, für die ^Forschungsreisen zurecht, indem er sich mit den zur Jlb--
messung der Candschaften, der Burgen und anderer Gebäude nötigen
Instrumenten, dem „Uiatorio" und „Jlstrolabio", ausrüstete.
Zu Pferd, des sicheren Schrittes wegen meist Karstrosse, die Pistole
im I)alfter, von einem berittenen Diener und einem Runde begleitet, zog
er hinaus in die verschiedenen Eandesteile, aber auch über die Grenzen
in die benachbarte Untersteiermark, nach Kroatien und an die Jldria.
Und nicht nur einmal besuchte er die einzelnen Candesteile Krains,
er hat das ganze Cand etlichemal „kreutzweise durchgereist". Jlllein bis
in den Jlf^linger Boden (Oberkrain) hinauf, den er einen „gesunden"
Grund nennt vuegen der hier herrschenden Kühle, war er über drei(5ig--
map39 gekommen.
Desgleichen begegnen wir ihm häufig in Unterkrain, noch häufiger
in Innerkrain, da wie dort sind es vornehmlich auch die Bohlen und
Grotten, die sein eingehendes Studium herausfordern, sowie in Inner--
krain namentlich der Zirknitzer See es ist, dessen Beschaffenheit er
wiederholte Untersuchungen widmet, zumal derselbe schon vor ihm die
Jlufmerksamkeit der ausländischen ^^orscher, insbesondere der Gngländer
Brown, Uanderduz und Sentemayer,^*^ erregt hatte, wie auch anderer, so
des Georg CUerner (De admirandis I)ungriae [sie!] aquis), des Pfarrherrn
von Ravenna Francesco Hegri u. a. m. Letzterer hatte wiederholt diesen
unsern „Cüundersee" besucht, 16S4 und 1685, und im ersteren 3^^^^
zwei nionate da geweilt, „weil er aber die Grainerische Sprache nicht
verstanden, manches nicht begriffen und oft Schwarz für CUei(5 auf=
gezeichnet hat".
Der Gngländer Brown, der für den Zirknitzer See sowie für den
Besuch der Gold-- und Silberminen Ungarns vom ßofbibliothekar Kaiser
Leopolds, von P. Cambeck, eigene Instruktionen erhalten hatte, war 1671
in Begleitung eines Irländers, des IDr. Donellan, dagewesen und nennt
ihn „cet extravagant Cac de Zirknitz".^*!
"• Ualvasor, Gbrc des Herzogtums Krain, I. (IL). P- 135.
''' ebenda, I. (IV.), P- 621.
"' Brief des Gdward Brown an Cambeccius ddo. Condon, 6./I6. flpril 1671, bei
P. Cambecius eonunentarium litlerarum III., 1070-1673, fol. 71. K. k. Rofbibliotbek
in lUien.
'S) 93 «)
Doch wenden wir uns nad) dieser kurzen Jlbscbwenkung wieder zu
den Kreuz-- und Querfabrten unseres edlen 5^reiberrn im Cande Krain.
trotzdem die CUege auf dem Karste „wegen der vielen Steine und leisen
unwegsam und betrüglicb sind",^*^ durcbreiste er denselben öfters, und
^ in die beute weltberübmte JIdelsberger Grotte war nad) seiner Uersicbe=
rung vor ibm nod) niemand so weit vorgedrungen, als er, „bindurd) —
sagt er aber — ist jedocb nod) niemand gekommen". In die Kleinbausler
Grotte (bei Planina) bat er sid) nur eine Uiertelmeile bineinbegeben, in
der von Cueg war es ibm nicbt möglid), über eine Hleile vorzudringen;
in die JIdelsberger Grotte begleitete er im 3<ibi*^ ^^^* ^'^^n Engländer
und zwei Holländer, „gar curiose und scbaugierige Peregrinanten".^*^
Dem Qued<silberbergwerk Tdria^** widmete Ualvasor eingebendste Studien,
nid)t nur, dat? er die Relationen der Engländer Pope und Brown sowie
des Siterus bei Kird)er (Hlundus subterraneus) in vergleicbende Betrad)--
tung zog, er stieg selbst in die Bauptscbäcbte St. Jld)atii und St. Barbarae
binab, besab sieb alles genau und bescbrieb die Gesamtbeit des Betriebes, ^
bei dem in seinen tagen 365 Personen bescbäftigt waren, ja, er bat uns S
aucb einen alten ldrianisd)en Bergwerksreim des 3^bres 1497 bewabrt. ^
Im selben O^bre besucbte er aucb die Grotte von Gorniale oder Coque Zj
(Cokve) bei Criest,^^^ von wo aus er aud) auf der Rüd^kebr nad) Eaibad) ^
die Eindwurmböble zwiscben Coitscb und Oberlaibacb untersud)te. Seinen «
Besucben in Tstrien (das damals als „fünftes" Uiertel [Kreis] zu Krain c
geborte) verdanken wir die Jlbbildung der alten Kircbe von St. jakob am
Stöd^cben S. Giacomo al palo,^*^ die altbestandene Benediktinerabtei in dem
beutigen Kurorte Jlbbazia an der österreicbisd)en Riviera. Ober derselben
besicbtigte Ualvasor zur Zeit aucb die antiken (Uasserleitungen in Gastua.^*^
In Unterkrain besucbte er gleicbfalls alles nur immer merkwürdige an
Grotten und kleinen fiöblen, zollte 16$2 dem altbewäbrten Cüarmbade
Cöplitz des 5^ürsten Jluersperg die vollste Jlufmerksamkeit sowie den
Gisgrotten dieses Bodens — in die Gisgrotte bei Rosseck stieg er im
selben 3abre 16S2 im Bugust binab — und untersucbte den Urainer Berg-
see bei Carisd)endorf an dem 5^1usse neuring. ^^^ (Uaren es in Inner-- und
^*^ Ualvasor, €brc des Rerzogtums Krain, III. (XL), p. 403.
''' ebenda, I. (IL), p. 27$.
^'' ebenda, L (IIL), p. 307 bis 413.
''' ebenda, L (IV.), p. 570.
'*' ebenda, IIL (XL), p. 2$0.
''*' ebenda, IIL (XL), p. 46.
"« ebenda, I. (IL), p. 195.
Jf.
'S) 94 'S
Unterkrain insbesondere die Grotten, f)öblen und Cüässer, die von den
naturnierkwürdigkeiten Krains ihn am meisten zur Jlutopsie antrieben, so
waren es in Oberkrain in erster Cinie die aucb unseren 5^reiberrn im-
ponierenden gewaltigen 5^elsmassen der „boben und böcbsten Scbnee--
gebirge", weld)e seine rne(5kunst berausforderten.
üor allem erregt unser Interesse, da(5 Ualvasor dem Criglav vom
Kermasattel die Bezeicbnung „Kerma" gibt, indem er scbreibt: „Zwiscben
nioisterna und Pflitscb (IHoistrana und 5^1itscb) in Oberkrain stellt sieb
der bobe Berg Kerma dem Cand Krain und dem Cändlein Pflitscb ins
mittel. Derselbe bat dieses merkwürdige an sid), daf5 auf seiner ßöbe
im Beumonat der Cag gar lange wäbret, also, da(5 man nicbt viel länger
als eine Stunde spüren kann, wie die Hacbt abgenommen und bernacb
der Cag zunemen werde." ^^^
Das durcb die jüngst erfolgte Eröffnung der CUocbeiner Babn aktuell
gewordene, vom Criglavmassiv überragte Cüocbeiner Cal fand Ualvasor
auf seinen CUanderungen durcb Oberkrain „von der Datur selbst un--
zugänglicb gemacbt, angeseben es von dem böcbsten Scbneegebirge der-
gestalt eingescblossen, daf5 kein Rund gescbweige menscb binein kann,
ausgenommen, wo einiger Eingang nämlicb unfern vom Ueldeser See,
allda eine Scblutten (tiefe oder Graben) ist, zwiscben zwei Scbnee*
gebirgen, so lauter 5^elsen sind. Daber einem ein Gntsetzen ankommt,
so man nur bineinblickt. Da mu[5 man in die (Uocbein binein reiten oder
geben. Die zwei Berge dringen so nabe zusammen, da(5 man von einem
zum andern (scbier) einen Stein werfen kann und einiger Orten bangen
die Felsen ganz über den CUeg, derbalben ist bier ein so fester Pa(5,
da() icb dergleicben niemals geseben".^^^
Scblicbt und einfacb im Geiste seiner Zeit und in seiner drastiscben
Scbreibweise bat er die Daturromantik dieser wunderberrlicben Gegend,
die beute das Jluge aller Couristen so bocb entzückt, gezeicbnet, treffender
als die scbönsten Redewendungen es je vermöcbten.
Hiebt übersab er aber aucb bier wie allerwärts, wobin sein durcb
sein Interesse an allem Uolkswirtscbaftlicben gescbärfter Blick traf, die
"^ ualvasor, €bre des Herzogtums Krain, I. (IV.), p. 562. — Daf3 der Criglav
schon im ]abre 1404 diese Bezeichnung (Cerglau) geführt, folgert Östirner in seiner
Ausführung „Die ]ulisd)en Blpen" in der Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen
fllpenvereines 1900, p. 400 f., nach einer im lHuseum zu Uillach befindlichen Konfinien-
beschreibung des Candgerichtes Straf^fried, welche aus einem manuskriptc des Ulilbelm
Cheodorich von Gera vom Jahre 1464 geschöpft ist und u. a. den Hamen Cerglou aufweist.
'''" ebenda, I. (IL), p. 140.
-ö 95 -©
damalige rege ßewerbstätigkeit und das industrielle Schaffen innerhalb
des von Gebirgen eingeschlossenen und vom reizenden Cüocheiner See
begrenzten Gebietes „in wad<eren und gro(5en Dörfern durch Knappen,
Drahtzieher und allen anderen Schmiede bethätigt".
€$ war im O^bi*^ ^^^0, da{5 er anlä(5lich seines Besuches des Savica-
CUasserfalles, den er zu 5u(3, von einem träger begleitet, besichtigt hatte
— die j^bbildung desselben in der „€hre Krains^^si verewigt diesen
Besuch — das Bammerwerk (Jllthammer) des Berrn George Cocatelli
aufgesucht und daselbst mit einem Hetzzuge aus der CUocheiner 5^eistritz,
die viele Bämmer und rHühlen zur Arbeit nötigte, 70 5^orellen fangen sah.
Jluch die Belschiza, die Kozhna, den Stol — wo wir heute eine
Ualva$or--Schutzhütte für Couristen treffen — hat er besucht. Den
,Jeistritzsd)en Schneeberg" oberhalb der Stadt Stein hatte er mit 10.274
Cüerkschuhen gemessen — den Schneeberg in Innerkrain mit 7816 CUerk-
schuhen — , beim Besuche der Berge in der CUocheiner und Ueldeser
Gegend hatte er jedoch seine mathematischen Instrumente nicht mit sid)
geführt.252
(Uie schon oben angedeutet wurde, hat unser Freiherr aut5er auf
seinen früheren ersten CUaffengängen die „Grenzen" in Kroatien und an
der Jldria besehen; in einem Briefe, den er I6$7 nach Cngland richtete,
sagt er: „Unlängst war ich in Kroatien" und entwirft dann in seiner,
„ehre Krains" ein anschauliches Bild von der ßauptstadt JIgram, dessen
Dom ihn durch seine Pracht und Herrlichkeit besonders anzog und deren
3ahrmärkte ihm durch das Berbeikommen türkischer Cüaren bunt genug
erschienen. JTus der Chronik der Stadt, die er, wie das weitaus meiste in
seinen geschid)tlichen Jlusführungen, aus handschriftlichen Quellen schöpfte,
hebt er u. a. die starken Erdbeben der 3^b^^ ^502 und 1590 hervor,
wie solche dieser den Crderschütterungen ausgesetzten Stadt in empfind-
]id)er CUeise oft widerfuhren.^^^
Da(5 er bei diesen seinen ^Forschungsreisen im Cande Krain und den
angrenzenden Eändern überall auch den Städten, Ulärkten und anderen
Ortschaften, den Schlössern und Burgen, den Stiften und Klöstern, den
Kirchen und Kirchlein die vollste Aufmerksamkeit geschenkt, überall das
Charakteristische, Eigentümliche, Besondere herausgefunden und in CUort
und selbst gefertigtem Abrisse für kommende Zeiten festgehalten,
"* Ualvasor, Gbrc des Herzogtums Krain, I. (II.). P- I5Q.
"^ ebenda, I. (III)., p. 302 f.
''' ebenda, IV. (XIL), p. 4 ff.
-© 06 'S)
beziebungsweise der Grmnerung bewabrte, der Uergessenbeit entri(5, dafür
zeugt Blatt um Blatt seiner „Gbre Krains".
Dat5 er Sitten und Gewobnbeiten und Cracbt und Bantierung der
Bevölkerung Krains seiner tage auf diesen seinen Couren kreuz und
quer im Cande mit dem scbärfsten Blicke und der innigsten patriotiscben
Eingebung an Cand und üolk aufgefat^t und dargestellt bat, macbt ibn
beute zum Konkurrenten in moderner 5^olklori$tik.
Den JRufentbalt in Scblössern, Stiften, Klöstern, Pfarreien, in den
Jlrcbiven der Städte und Hlärkte benützte er zur 5^orscbung in den alten
Urkunden und Randscbriften, Bauscbroniken usw., sowie in den Candes--,
Stadt- und Privatbibliotbeken zur Benutzung der zur Zeit im Cande
angebäuften Büd)erscbätze, insbesondere aber war Ualvasors Cendenz als
Historiker bauptsäcblicb auf die bandscbriftlicben Quellen gericbtet, die er
sd)on mit Recbt als die Grundlage der gescbicbtlicben 5orscbung erkannt
batte, und wie bedauert er es nicbt genug, welcbe geringe Sorgfalt man
leider so bäufig in Bewabrung alter Briefe als Beiratsstiftungen, Cesta--
mente oder sonst anderer scbriftlicber Uergleicbe beobacbtet babe.^^*
Da[5 Ualvasor auf seinen Kreuz- und Querzügen im Cande und in
den Dacbbarländern, so 16S0 in Kärnten, sebr viele Objekte selbst „ab--
gerissen" (gezeicbnet) bat, darüber belebren uns die in die f. e. Bibliotbek
in Jigram gekommenen Kartons zu seiner „Gbre Krains", sowie in dieser
selbst die mit seinem Sonogramm ^^^ oder aucb mit den Jlnfangs--
bucbstaben J. W. V. del. signierten Kupferstiebe, einer der scbönsten das
Uollbild von 5^iume, auf welcbem der „Jlrcbäologe" Ualvasor aucb
getreulieb die alte von ibm selbst, wie er sagt, weit in die Cürkei
verfolgte Römermauer mit der JRufscbrift „Rudimenta muri antiquissimi"
verseben bat.^sR
^^* Ualvasor, Gbre des bcrzogtums Krain, III., Kap. XII.
'^^ Siebe Jlbteil: Copograpbia . . . Carintbiae 16$5, 16$$.
"« Ualvasor, ebre des berzogtums Krain, IV. (XIL), p. 101.
Die Sammlungen auf Schiolg Wagensberg»
}\t der vollen Bescbeidenbeit, die unserm edlen 3^reiberrn, dem
trefflieben, geistvollen manne, eigen gewesen, stellt er in der ^
oben angezogenen Bescbreibung seines Scblosses Cüagensberg
das Cicbt seiner Sammlungen unter den Scbeffel, Hacb J\n=
fübrung der von ibm, wie scbon erwäbnt, im Scblosse erricbteten Kapelle
und der Grwäbnung eines vorbandenen boben, runden Curmes, „auf
welcben öfters der Donner seine Streicbe loskeilet," sagt er wörtlicb: >,
„Sonst wird es (das Scblo(0 wenig Scbauwürdiges oder Sonderbares f-
darstellen können; es möcbten dann meine matbematiscben Instrumente
bei den Ciebbabern solcber Sacben oder meine kleine Bibliotbek von
einem böflicben Huge eines Blickes würdig geacbtet werden nebst einigen
andern Sacben, darunter aucb ein ülagnet, der zwei und vierzig mal
scbwerers Gisen, als sein eigenes ßewicbt austrägt, in die ßöbe bebt:
welcbes vermutblicb einer Uerwunderung wertb sein dürfte", ^^^ in seiner
Bescbeidenbeit diesen Hlagnet als den Rauptmagnet zur Besicbtigung
seiner Sammlungen darstellend.
Sein IDitarbeiter Grasmus 5^rancisci kann es sieb jedocb nicbt ver--
sagen, den Scbeffel zu beben und das bellere Cicbt auf die Sammlungen
des l)errn Rauptautors fallen zu lassen. €r scbreibt: „CUas berübrte
matbematiscbe Instrumente wie aucb die Bücberei des Rerrn l)auptautors
betrifft, dürften dieselben nicbt nur einen oder andern Blick, sondern eine
gute Uerweilung curiöser und gelebrter Jlugen verdienen und die Cieb--
baber der CUissenscbaften dadurcb gar ergötzlicb unterbalten werden."
er fübrt des weiteren aus, da() die matbematiscben Instrumente vor--
trefflicb und „dergleicben anderswo nicbt allein in Krain, sondern aucb in
vielen andern Cändern scbwerlicb viele werden anzutreffen sein," sowie
da(5 Ualvasor, der in der ITlatbematik und Haturerfabrenbeit eine bobe
Stufe erreicbt babe, auf Uermebrung derselben JInsebnIicbes spendiere.
'^^ Ualvasor, €brc des Rerzogtiuns Krain, III. (XL), p. 620.
V. Hadics, Ualvasor. 7
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(C
'S) 0$ 'S)
lüas aber die Bibliothek des Jreiberrn bemffe, auf deren Stand er gleich-
falls viel aufwende, „so zähle sie — sagt Jrancisci — , wie er berichtet sei,
etliche tausend Bände und wachse dieselbe von Jahr zu jähr an, wie
denen Buchführern zu Dürnberg und Frankfurt unverborgen sein kann;
unter denen aber, welche er bereits gesammelt, seien lüerke und Jlutoren
begriffen, so nicht alltäglich und 3emanden anderswo leicht vor die
Jlugen kommen". „Dahero — schliefet der getreue Mitarbeiter im Einblick
auf diese festgestellte Tatsache — kann dieses hohe Bergschlo(5 lüagens-
berg mit allen Ghren für einen Parna(5 geachtet werden." ^ss
Jlut^er den mathematischen Instrumenten und einer trefflichen wohl--
geordneten Bücherei gab es hier auch die schönsten Bilder aus der Beimat
und der !Jerne, Mausende von alten IDünzen und eine Raritätenkammer
von Haturmerkwürdigkeiten aller Länder. Hlanche Gelehrte, zu denen der
Ruf dieser Sammlungen gedrungen, namentlich die Gngländer, kamen
eigens daher, um sie zu besichtigen, der gastfreie Freiherr lud den und
jenen zu sich, um ihn des Genusses derselben teilhaftig werden zu
lassen und mit ihnen gelehrte Zwiesprache zu pflegen. lUie bedauert er
z. B. nicht genug, da(5 der 5^orscher nach den Gigentümlichkeiten des
Zirknitzer Sees, der Pfarrherr von Ravenna Berr Degri, des schlechten
Cüetters wegen und aus Furcht vor einer etwaigen mühseligen Rückreise
übers Hleer nicht zu ihm nach CUagensberg gekommen, wie er ihm es
doch versprochen hatte; „ich wäre ihm — versichert Ualvasor — gern
an die Rand gegangen T'^öo
Ualvasor nannte diese seine Sammlungen im ßeschmacke seiner Zeit
sein IDuseum.
lüir wollen nun dieses von ihm mit den grö(5ten Hlühen und Kosten
zusammengebrachte und dann leider noch vor seinem Code infolge des
gro(5en Jlufwandes für sein l)auptwerk, die „Ghre Krains", aufgeteilte
museum im Geiste durchwandern, wie es sich uns aus den erhaltenen
Resten und aus den bezüglichen Jlufzeichnungen zusammensetzt.
Cüir beginnen mit der Bibliothek.
Die BiDliotbcK.
üalvasors Bücherei umfat^te an die 10.000 Bände — wie der fleil^ige
Sammler und Bewahrer geschichtlicher und kulturgeschichtlicher Jlufzeich-
nungen unserer J)eimat 5^reiherr von Grberg in seinem entwürfe einer
Citeraturgeschichte Krains bemerkt.
"^ Ualvasor, Gbrc des herzogtunis Krain, III. (XL), p. 020; JInmcrkung,
"' ebenda, I. (IV.), p. t22.
© 90 -§)
Dieser Bücberscbatz, alle Disziplinen, die zu jener Zeit vorlagen, in
woblgewäblten Cüerken bietend, mag analog der Einteilung anderer zeit--
genössiscber beimatlicber Sammlungen, vielleicbt der von Scbönleben ge-
ordneten und katalogisierten Kavaliersbibliotbek im ebemaligen 5^ür$tenbofe
in Caibacb, der Bücberei des kunstsinnigen Candesbauptmannes UJolf
Engelbert Grafen Jluersperg,^^'^ des Bruders des ersten 5^ür$ten Huersperg,
aufgestellt geujesen sein.
Diese Jlufstellung wies dann neun Klassen: I.) Cbeologie, 2.) Juris-
prudenz mit €inscblu(5 der CUerkc über kanoniscbes Recbt, 3.) Politik
und Gtbik, 4.) Gescbicbte, 5.) Pbilosopbie, 6.) lUedizin, 7.) IDatbematik,
$.) ßumanistik, 9.) Pbilologie; — wir finden nämlicb, wenn wir beute
in der f. e. Bibliotbek in Jfgram,^^! zu deren Gntstebung um 1690 die
Ualvasorscbe Sammlung den Grundstock abgab, nacbseben, die vorge-
nannten Disziplinen, durcb Stiebproben an mit üalvasorscben „€x libris"
gekennzeicbneten Bücbern, sämtlicb vertreten.
Jür unsere krainiscbe Eandesgescbicbte erscbeinen von vorzüglicbstem
Belange an Bandscbriften der über 700 Blätter zäblende Foliant „lUis--
cellanea", der auf 449 Blättern die Genealogien aller Jldelsfamilien Hrains
von Scbönleben — welcbe Sammlung dann unserem 5^reiberrn als ITlateriale
gedient — und die Oabrbücber des bekannten Caibacber lürstbiscbofes und
Gegenreformators sowie aucb Stattbalters der i. ö. Cänder, Cbomas Cbrön,
auf 150 Blättern entbält; auf^erdem der Stammbaum der gräflicben Familie
Strassoldo, die Zusammenstellung aller landscbaftlicben Gericbtsbeisitzer in
Krain von 1523 bis 1662 u. a. m.
€in beraldiscbes (Uerk von bedeutendem künstlerischen CUerte und
zugleicb von vorzüglicb lokalbistoriscbem Interesse für Krain ist das von
üalvasor selbst zusammengestellte und von Bartl Ramscbissl (Raumb-
scbüssel) im O^bre 16$S gemalte grofce CUappenbucb;^^^ dieser Foliant
zäblt auf 3$$ Blättern 2023 Cüappenscbilder — das Register füllt IS Blätter,
— ein gut teil der bier abgebildeten Cüappen sind solcbe krainiscber
Jldelsfamilien, wie sie aucb üalvasor dem dritten Bande seiner „Gbre
Krains" (Bucb IX) einverleibt bat.
^^" Diese unserrn Ireiberrn von üalvasor behufs gründlicher Benutzung in
liberalster CUeise geöffnete Sammlung wurde nach dem Caibacber Erdbeben l$Q5 nach
Oberösterreicb überführt.
*^' Siehe weiter unten das nähere.
^^^ „üalvazorjeva knjiga grbov" von 3. Barl^ in Hgrani. Izvestja muzcjskega
dru^tva za Kranjsko. Urejuje flnton Koblar, letnik VIII.. seütck IL, str. 47 itd.
'S) 100 'S)
Gin anderes grof^es Saninielbucb, gleichfalls von Ualvasor angelegt,
das von seinem riesigen 51ei(K, von seinem ausnehmenden Kunstsinne und
Kunstverständnisse das glänzendste Zeugnis ablegt, ist die Reihe von
IS 5oliobänden, jeder mit 400 bis 500 Blättern, durchaus Holzschnitte,
Kupferstiche und Randzeichnungen alter Hleister aller Cänder enthaltend.
UJie die zu Cüagensberg gedruckten Citel besagen, hat unser 5^reiherr alle
diese Bilder selbst gesammelt, geordnet und aufgeklebt, lüir begegnen
da Szenen aus dem Jllten und Heuen Cestament, der alten, mittleren
und neueren Geschichte, ein Reisealbum, Darstellungen von Sitten und
Gebräuchen der Uölker, eine Porträtgalerie berühmter Regenten, Staats--
niänner, Priester, Krieger, Gelehrter usw. usw., ja auch eine Galerie
komischer Figuren (Karikaturen) findet sich darunter.
Die von üalvasors Rand „abgerissenen" (gezeichneten) Schlösser,
Burgen usw., Jlnsichten aus Krain, die Kartons zu seinen Topographien
von Krain wurden bereits oben erwähnt.
Unter den Bandschriften von allgemeinem Interesse und zugleich mit
Bezug auf den Jreihern selbst von Bedeutung ist ein französisches
IDanuskript aus dem 17. 3ahrhundert, wahrscheinlich ein Studienheft üalvasors
aus Cyon, es handelt von mathematik und militärischen Cüissenschaften
(Befestigung und Belagerung), ist mit Abbildungen (Bandzeichnungen)
versehen und führt den Citel: „Diverses lecons prises dans le premier des
eiemens d'€uclide €t autres livres Suivant, und zwar Craite des 5^ortifi--
cations (spanischer, französischer, venetianischer und holländischer Jlrt).
Unter den Büchern der ersten Drucke (Incunabeln) erregt unsere J^uf--
merksamkeit ein sehr schön erhaltenes Gxemplar der Schild-Jlltschen Chronik,
Dürnberg 1493.
Jlus dem 16. Jahrhundert sind besonders nennenswert die nachstehen--
den UJerke: Römische Historie vsz. Cito Eivio gezogen 1505 (vide Panzer,
Jlnnalen der älteren deutschen Citeratur I. 269 f.). Uergily maronis
dryzehen Jleneadische Bücher . . . durch Doctor [Durner vertutst dem
weisen 5^ürsten ITlaximilian gewidmet (A • E • I • 0 • V.), Slraf^burg bei
Joannes Grüninger 1515, Kleinfolio, mit vielen schönen Holzschnitten). Jiuf
dem letzten Blatte dieses Buches liest man von üalvasors Hand ein Cob
auf die lateinische Sprache, auf das wir in dem nächsten Jlbteil: „üalvasors
Cüesen usw." noch zurückkommen. 5^erner sind zu erwähnen: Biblische
Figuren des alten und neuen Testaments, Dürnberg 1560, mit vielen Bh-
bildungen; Joannes Reuchlin de arte cabalistica, Hagenau 1517; Jacob
Zieglers Copographie von Syrien, Palästina usw., Jirgentorati 1532; Cüar--
hafftiger vnd gründlicher Bericht der habenden Gerechtigkeit Kaiser Carls 5
-2) 101 '2)
zum Rerzogtbum Gellem und der Grafscbafft Zütpben $. 1. 1541; Jlbscbiedt
des Reichstags zu Regensburg ü. MDXLI; Prorogation und Grstreckung
des Reichstags im Jahre MDXLV in Cüormbs ; Jlbscbidt des Reichstags in
Regensburg MDXLVI; Gedenkwürdige Bistoria des Gdlen und streitbaren
Relden und sieghafften Ritters Cheuerdank, 5^rankfurt bei Christian Ggenollfs
€rbenl596; Geographicus über per Conradum Birsfogel artium et philo--
sophiae magistrum divique lHaximiliani Imperatoris Gapellanum et band
mediocrem mathematicum . . . Hürnberg bei 3<>b^^^n Stuchs 1514; Spiegl
der Jlrtzney . . . von Caurentio Phriesen von Golmar der Philosophy vnd
JIrtzney Doctor, Straf^burg bei Johann Grüninger 1519 mit Jlbbildungen;
Rippiatria sive Hlarescalia Caurentii Rusii ad Dicolaum sancti Badriani
diaconum Kardinalem, Parisiis excudebat Christianus ^echelus 1531 ; . . .
6pitome compendiosaque introductio in libros Jlrithmecos (JIrithmeticos)
divi Severini Boety Parisiis Benr. Stephanus 1510; Cextus de Sphera
Johannis de Scarabosco . . . Parisiis in officina Renr» Stephani 1511 ; Civre m
de Perspective de Jehan Cousin. Jl Paris de Timprimerie de Jehan le 3
Royer Imprimeur du Roy es IDathematiques 1560 mit vielen Cafein Jib-- 3
bildungen (Brunet im ITlanuel du libraire IL 339 sagt: Gdition originale ».
et assez rare de ce traite); Perspectiva Corporum regularium durch CUenzel «
Jamnitzer, Bürger und Goldschmiedt in Hürnberg 156$, mit vielen pracht--
vollen Rupfertafeln; Gxtraordinario libro di Jlrchitectura di Sebastiano
Serlio Erchitetto del re christianissimo In Cyone appresso Juglielmo Ro--
villio 1560, mit vielen Jlbbildungen; Podagrammisch Crostbüchlein durch
Buldreich €lloposcleion ($tra(5burg) 1591; 5^1öh--l)atz, üüeiber--Cratz von
demselben, $tra(3burg 1594; Civres des edifices antiques Romains Par
Jacques Jlndrouet du Cercean 15S4, mit vielen Jlbbildungen; lliuminir--
buch s. L e. a. (beigebunden 5^abulae 155$) Quarti elementorum niusices
Jacobi Stapulensis Parisiis Renr. Stephani s. a.
Der reichste Ceil des Bücherbestandes war aber der aus dem 17. Jahr=
hundert stammende, die Zeitliteratur umfassende; hievon aber auch nur
die bedeutendsten anzuführen, würde der Raum hier nicht genügen. Gs
sei daher nur kurz erwähnt, da(5 wir au(Kr den in die eingangs angeführten
l)auptabteilungen der Disziplinen gehörigen zahlreichen vorzüglichsten
Güerken, von denen besonders die Kosmographie und Geschichte (Jlventin,
Kircher, merian, Cheatrum Guropaeum u. v. a.), Reisebeschreibungen (so
in erster Cinie das sehr seltene Itinerarium des Rerrn Georg von Ghigen,
Jlugsburg 1600, welches Professor Pfeiffer in dem ersten Bande der Bibliothek
des literarischen üereines in Stuttgart 1S42 aus der Originalhandschrift wieder
herausgab) und die Romanliteratur in den französischen Originalausgaben
u
m
m
I
'S) 102 -e)
und in deutseben Übertragungen vertreten sind, bier aucb Scbriften über die
Cacbigrapbie, sebr interessante politiscbe Jlugscbriften, so z. B. Jrankreicb,
scbäme dicb (auf dem Citelblatte ist der französiscbe Rabn und ein
altes CUeib abgebildet, das ibm den Pips kurieren will, auf dem Kamme
und den Jedem des Rabnes liest man die Cüorte: raison francaise, auf
dem Rasiermesser der Elten aber: purgatio acerbitatis), die Entdeckung
der von 5^rankreicb allen Böfen gescbmiedeten und sebr übel gelungenen
Ratscbläge s. 1. 16S5, tücbtige landwirtscbaftlicbe CUerke (aucb eines über
die bocbnutzbare und bewäbrte Bierbraukunst, Ceipzig und ßotba 168$) und
viele andere ganz abstrakte Gegenstände bebandelnde CUerke finden können.
Jlucb in der glagolitiscben Scbrift gescbriebene Bücber besa(5 Ualvasor,
wie er es selbst ausdrücklieb in seiner „Gbre Krains" bemerkt. ^^^
Die der Bibliotbek einverleibt ge--
wesenen Bücber tragen zumeist sein
„€x libris", welcbes, von Crost in
Kupfer gestocben, das Ualvasorscbe
lüappen mit den Jlnfangsbucbstaben
seines Hamens aufweist. Bei einer
grö(5eren J^nzabl von Bücbern er-
scbeint diesetti Ualvasorscben Gx
libris ein anderes untergeklebt, näm--
licb das des kaiserlicben Rates und
Zeugleutnants CUinkbler von €ricb--
beim, dessen Devise „Plus etre que
paroitre" dem (Uappen desselben
beigefügt erscbeint; aus diesem ur--
sprünglicben „€x libris" scblief^en
wir, da(5 Ualvasor von dem ge--
nannten Kavalier und Offizier eine
ganze Sammlung meist matbe--
matiscber und militäriscber CUerke
(käuflieb) an sieb gebracbt batte.
CUas die Sammlung matbcmatiscber Tnstrumcntc unseres Jreiberm
betrifft, so werden wir den nocb bei seinem Code vorbandenen Bestand der«
selben nacb dem flufgezäbltwerden im am zuständigen Orte wiedergegebenen
Dacblaf^protokolle entnebmen, wo wir aucb nocb dem Uorbandensein einer
kleinen i)andbibliotbek 3obann CUeikbards begegnen werden, die ibm nacb
Valvasors öQappcn und „ßx libris'
^^' Ualvasor, ebrc des bcrzogtums Krain, II. (V.), p. 272.
® 103 ^
dem üerkaufe des Rauptbestandes seiner Bücherei geblieben war. Über
diesen, wie bereits erwähnt, 1690 — drei ]ahre vor üalvasors Code —
erfolgten Uerkauf lesen wir in dem Extrakte der üisitationsdekrete des
Erzbistums Jlgram unter Citel XVI, Kapitel III, „de JIrchivo et Bibliotheca"
folgendes: „Bibliothecae praesentis initium fecit magnae memoriae Gpiscopus
Ignatius niikulizh (16$$— 1694), qui magno aere comparatis libris eruditi
üalvasoris prima ejus fundamenta posuit, operam suam in ponendo
aedificio et consignandis libris capitulum laudabiliter adjuverit."264 Daraus
geht hervor, da(5 der JIgramer Bischof Tgnaz IDikulic mit vielem 6elde
die Bibliothek des gelehrten Ualvasor — vielleicht durch üermittlung des
unserem 3^reiherrn so innig befreundeten Ritter üitezovic — angekauft
und mit dieser ansehnlichen Sammlung den Grund zur gegenwärtigen so
stattlichen rnetropolitanbibliothek in JIgram gelegt hat,
Freiherr von Grberg erwähnt an vorher angezogener Stelle, da(5 diesem
üerkaufe der Ualvasorschen Bücherei aus Cüagensberg das JIngebot der-
selben an die krainische Candschaft vorausgegangen sei, die Angelegenheit
sich jedoch zu sehr in die Cänge gezogen habe, indem man sich gegen-
seitig — die Berren Stände und Ualvasor — über die Kaufbedingungen nicht
habe einigen können; die weitere JIngabe €rberg$, die Sammlung sei
nach dem Scheitern des Projektes mit der Candschaft an das Kollegium
Societatis 2z$n in Jfgram gelangt, lä(5t sich vielleicht so erklären, da(5
auch die Jesuiten in Jfgram — ein oder der andere persönliche Bekannte ir
üalvasors darunter — sich beim Bischof Itlikulic für den Ankauf durch M
den Kirchenfürsten interessiert haben. ^
Ich wurde auf das üorhandensein der ualvasorschen Bücher in Agram
seinerzeit (1$63) durch den Sammler Rerrn Alessandro üolpi aufmerksam
gemacht und erhielt von weiland Sr. Eminenz Kardinal ^ürsterzbischof
Ritter von l)aulik die hochdankenswerte erste Erlaubnis, diesen reichen
Schatz durchforschen zu können.
Au(3er einer zahlreichen Bibliothek und der Sammlung mathematischer
Instrumente besa(5 der 5^reiherr von ualvasor auf Cüagensberg auch ein
reid)haltiges miinzcnkdbtnctt griechische und römische Hlünzen, besonders
was letztere betraf, war Krain ein ergiebiger 5^undort; ualvasor selbst
führt im zweiten Bande seiner „Ehre Krains" (im Anhange zum fünften
Buche) die im Cande gemachten Ausgrabungen von Römersteinen und
münzen an und auch sonst an der und jener Stelle seines Haupt-
werkes erzählt er davon, wie er von Bauern IHünzen erhandelt habe.
er
t.
.X:
264
?. e. ürcbiv in Bgratn.
'S) 104 ^
Professor Richter erwähnt in seinem Jlufsatze über Ualvasor, da(5 Ualvasor
„einem 5^reunde in 5^rankfurt a. Hl. $000 Stück münzen mitgeteilt habe".
Ich bemühte mich, bei meiner Forschungsreise in Deutschland an Ort und
Stelle dem Uerbleibe dieser ansehnlichen rnünzenmitteilung aus Krain auf
die Spur zu kommen, doch weder in den öffentlichen noch in den Privat--
sammlungen zu Frankfurt und auch nicht in IDainz, wohin ich von
Frankfurt aus diesbezüglich gewiesen worden, konnten wir die Provenienz
von münzen, die man allenfalls auf krainische Fundorte beziehen könnte,
als wirklich aus Krain stammend urkundlich nachweisen.
Jluch der Zeitgenosse üalvasors Chalnitscher (Dolnicar) von Chalberg
sagt in seinem manuskript: JIntiquitates urbis Cabacensis 1693, p. 43,^^^
wo er von den münzensammlungen in Krain spricht (beim Fürsten Jluersperg
goldener Pokal mit den seltensten Goldmünzen geziert, dann bei Dr. ]. ].
Cukantschitsch, Fürstbischof Otto Friedrich von Caibach, Grafen Barbo in
Dragembl, landschaftl. Sekretär Dr. Beinrich m. Schweizer u. a.), bezüglich
der münzensammlung üalvasors in tadelndem Sinne : Ualvasorius tantam
horum copiam habuit, ut una solum vice aliquid milia (non absque
dispendio Patriae, quae uno tractu tantum Chesaurum omisit) in imperium
Germaniae transmisit. — CUir fügen diesen tadelnden Cüorten Chalnitschers
— des Zeitgenosen — nur bei, da(5 unser patriotische Freiherr gewi(5
auch diese Mausende zählende münzensammlung, bevor er sie ins Ausland
wandern lie(5 — als ihn die üerhältnisse zur Dahingabe nötigten — , in
der Beimat zum ankaufe angeboten haben mochte und das Jlngebot,
wie das der Bücher, infolge der Dichteinigung über die Bedingungen hier
unerfüllt blieb.
Hoch einer Sammlung auf CUagensberg sei hier zum Schlüsse dieses
Jlbteils kurz Grwähnung getan, nämlich einer Sammlung von UlincrallClt^^''''
und Petrefakten aus Krain, wie er sie auf seinen Kreuz- und Querzügen
im Cande aufgebracht und aus der er, wie schon oben in der Jlbteilung
Studienreisen bemerkt worden, merkwürdige Stücke an auswärtige Sammler
abgegeben und (gewit^ auch) gegen fremde Fundstücke ausgetauscht hat.
^"^ J. b. Seminarbibliotbck in Caibacb- Frcundlid)e mittcilung des hcrrii f. b. Kon-
sistorialratcs und Direktors der Ordinariatskanzlei Uiktor Steska.
-''^ Über seine Grabungen auf Ulineralien siebe „Gbre des Herzogtums Krain",
1.(111.), p. 429 ff.
Paluasors ersdielnung und Wesen*
fnseres 3obann (Ueikbard Ireiberrn von üalvasor persönlicbe £x=
scbeinung können wir uns nur aus dem seiner „Gbre Krains"
vorangestellten, von dem lüiener Künstler Hlattbias ßreyscber in
Kupfer gestocbenen Brustbilde annäbernd zur Uorstellung bringen,
da leider gröf^ere Porträts desselben, die uns aucb die ganze Gestalt vor
Jlugen balten könnten, nicbt mebr vorbanden zu sein scbeinen, trotzdem
dieselben in Hacblaf^protokollen nacb seinem und dieses und jenes 5^amilien--
gliedes Jlbsterben als vorgefunden verzeicbnet erscbeinen.
Hacb den in Greyscbers Porträt eingebaltenen 0rö(5enverbältnissen
scbeint unser 0elebrter von mittlerer Statur gevoesen zu sein. Das stark
geformte, von an den Scbläfen und bis auf die Jlcbseln lang berabvüallen--
den Cocken des oben glatt gescbeitelten, mitten abgeteilten, nacb dem
vom Künstler gegebenen Cicbte zu scblie(3en, blonden Scbeitelbaares um--
rabmte Raupt, weist eine ziemlicb bobe und breite Stirne, grof^e geistvolle
flugen — die Pupille des recbten Jluges etvoas nacb dem recbten Jlugen--
winkel gekebrt — , scbmale, den langgezogenen Jlugenböblen entsprecbend
liniierte, wenig gescbweifte Augenbrauen, eine starke, ziemlicb weit aus
dem abgerundeten 6esicbtsumfange bervorlugende nase, die an der Spitze
etwas eingekerbt ist, wäbrend die Hasenflügel, stark ausgeweitet, die bobe,
von einem winzig scbmalen, fast in 0estalt zweier 5^1eckcben auslaufenden
Bartstreifen begleitete Oberlippe überragen; das ein wenig nacb der Unter-
lippe binaufragende Kinn erscbeint mit einem zarten ßrübcben geziert.
Die Obren sind von den berabwallenden Cocken verdeckt.
Im ganzen ist es ein besonders cbarakteristiscber Kopf, den wir da
scbauen.^'^'^ ^ir seben die miscbung italieniscber und deutscb-krainiscber
Herkunft, es sprecben aus Blick und ITliene die bervorstecbendsten Gigen--
scbaften seines lUesens, wir lesen das tiefe Denken von der Stirne, das
sinnige Betracbten und klare Erfassen der Dinge aus dem fluge, die
2" Siebe das Citelbild.
'S) 106 'S)
Gnergie des Cüillens von der Hase sowie das ihn in allem auszeichnende
CUoblwollen, gepaart mit gutmütiger Schalkhaftigkeit vom munde,
Cüas die 5orm seines Oberkörpers betrifft, so lä(?t die denselben be--
deckende und umhüllende Stahlrüstung des landschaftlichen „üiertelhaupt--
manns" auf einen mä()ig starken Umfang schliefKu, den der Cräger dieser
Kriegsgewandung erst späterhin gewonnen haben mag, da er in seinen
früheren Cebensjahren „sehr dürr gewesen", wie er es selbst bezeugt. ^ß»
Die auf die Brust des Barnisches herabhängende Spitzenhalsbinde — aus
dem in vorherigen Zeiten üblichen Spitzenkragen zum Spitzenviereck (rabat)
zusammengeschrumpft — erscheint hier mittelst eines Bandes derart geknüpft,
da(5 dieselbe, der ülode entsprechend, sich nach unten fächerförmig ausbreitet.
Cüas die oben erwähnte, so äußerst schmale Bartform anbelangt, der
sich Ualvasor gewi(5 nur aus dem Grunde der ihm eigenen Bescheidenheit
— um nicht eine Jlusnahme vom ßeschmacke seiner Cage zu bilden —
anbequemt hatte, so war ihm diese durchaus nicht sympathisch, denn er
lä(5t sich dagegen bei Besprechung des berühmt gewordenen, überaus
langen, in zwei bis auf die 5u[5spitzen herabreichenden, in Zöpfen ge--
flochtenen Bartes seines 1575 gemalten mütterlichen Uerwandten Berrn
Jlndre Eberhard Rauber, Ritter, auf Schloff Cüeineck in Unterkrain in
deutlichster CUeise aus. Gr sagt: „Damals waren noch die langen Barte
in grofKu Ghren und nicht für so altfränkisch oder bäurisch geachtet, wie
heutiges Cages, da man unter glatten mäulern gar oft rauhe Berzen
verbirgt, und eine solche ITlanier von Barten eingeführt, welche den Jlugen
unserer Uorfahren wie eine gemähte Cüiesen würde vorgekommen und für
einen grofKu einbu(5 der Ernsthaftigkeit und lllannhaftigkeit aufgenommen
sein .... In unserer Zeit ist dieses Zeichen männlicher Gravität, der
Bart nämlich, gewaltig subtil, und die Cang- oder Breitbärtigkeit von
Ceutschland unter politen Ceuten ganz ausgemustert worden; hingegen
aber pflog das ernste Ceutsche Jllterthum damit zu prangen . . . weswegen
f)crr Jindre Gberhard Rauber selten nach Bof gefahren oder geritten,
sondern meist zu 5ut5 dahin gegangen, weils ihm mächtig wolgefallen,
dafi ihn die Ceute in grof^er lllenge an und nachgesehen, indem er den
Bart gemeinlich alsdann ganz fliegen lief^, als wie ein ausgebreitetes
Fähnlein seiner mannhaften Strengheit und Ghrbarkeit." ^ß»
Darüber, wie Ualvasor in Zivil aufgetreten, gibt uns einigen Jlnfschluf?
das nach seinem hinscheiden aufgenommene Inventar seines Hachlasses."''
'*" Ualvasor, €brc des hcrzogtums Krain, I. (III.), P- 343.
"" ebenda. III. (XL), p. 622 f.
270
Jlrct)iv des k. k. Candcsgcricbtcs in Caibad).
'© 107 'S)
Da finden wir einen ganzen Hnzug aus „baarfarbener" (flacbsfarb) Halb-
seide — Rod<, CUeste, Rose und Strümpfe — , einen „tristaminfarbenen'*
halbseidenen, mit silbernen und vergoldeten Borten verbrämten Rock mit
silbernen Knöpfen, einen grünen Rock von Plüsch mit gegossenen Knöpfen,
einen Rock aus schwarzem Samt mit silbernen und vergoldeten Knöpfen,
für den Cüinter war er mit einem rottuchenen, mit 5^uchs gefütterten Pelz
— darauf vergoldete Knöpfe — samt einer zugehörigen Pelzkappe ver--
sorgt. Die Büte sind „verbrämt", in die Rand nahm er ein Spanischrohr
mit Silber beschlagen, daran ein silbernes Kettel; ein „altvaterischer'*
Spazierdegen mit silberner vergoldeter Scheide hing ihm in einem ledernen
CUehrgehänge an der Seite.
(Jon seinen Cebensgewohnheiten ist uns nur wenig bekannt. Inter-
essant ist jedod) der hygienische Zug in seiner Gewohnheit, bei offenem
5^enster zu schlafen, wie er auch im allgemeinen in der und jener 5^rage
die Stimmen der flrzte gerne gehört und bei Beschreibungen von Bädern
z. B. schon Jlnalysen und Indikationen längeren ümfanges von heimat--
lichen und anderen Kapazitäten in seine „€hre Krains" aufgenommen
hat. er erzählt nämlich, da(5 er um 167$ im Berbst auf dem Schlosse Prem
(in Innerkrain) übernachtet habe, in welcher Dacht eines der heftigsten
Karstgewitter losgebrochen und bei diesem JInlasse eines Blitzes „gro(5e,
sehr feurige 5^1amme" bei einem 5^enster seines Schlafgemaches — da
er, seiner Gewohnheit gemä(5, beim Schlafengehen alle Jenster offen ge--
lassen — herein und beim anderen, wie er „gar eigentlich gesehen",
wieder hinausgefahren sei.^^^ öüie er theoretisch dem Badewesen und den
Bädern und Beilquellen seiner ßeimat eifrig das WJort redet, ich erinnere
nur an die Beschreibungen der Chermen von Cöplitz in Unterkrain und
der auf seinem väterlichen Sitze in Gallenegg (in Oberkrain), dann des
von ihm auch selbst versuchten Sauerbrunnen in Seeland, den er für
ziemlich gut befunden, ^^^ ^^ fm^^-^ g,. ^j^i^ ^^^i^ ^i^ Dauerbadender — wenn
wir so sagen dürfen — bei uns ein in seiner Schilderung davon, wie
er in der Cöplitz im lüarmbade die ganze Dacht durch auf dem Rücken
gelegen, „dazu besser und sanfter als auf einem Bette". In Gonobitz in
Südsteiermark lernte er von einem holländischen Soldaten, der bei der
Stadtguardia in Graz in Dienst gestanden und den der Graf Cattenbach
zu sich nach Gonobitz hatte kommen lassen, das Wassertreten. "^
"* Ualvasor, €brc des hcrzogtums Krain, III. (XL), p. 3Qf.
"' ebenda, I. (IL), p. 140.
"' ebenda, III. (XL), p. $$.
© 10$ 'S)
In Speis und Crank war unser edler 5^reiberr tTiä(5ig, wie dies aus
dem Cenor aller seiner diesbezüglichen fluf^erungen hervorgeht, speziell
was das Crinken betrifft, war er jedem überma(5 abhold und indem er,
nach dem Berichte über die 1517 in ßraz durch Siegmund v. Dietrichstein
für Innerösterreich gegen das übermä(5ige Zutrinken und gottslästerliche
fluchen gegründeten St. Christophsbruderschaft, in seiner Chronik leider
die bald darauf erfolgte Gründung eines eigenen Crinkordens in Krain
einfügen mu(>, kann er es doch konstatieren, „da(5 nunmehr diese 01as=
bruderschaft ziemlich auf die Deige gekommen" und schlie(5t mit dem
Jlusrufe: „Cüollte 0ott, es wäre überall von solcher übler Gewohnheit kein
einziges Cröpflein mehr übrig." ^'^ Uon Speisen scheint er ganz besonders
das „meergeschnalz", alle Gattungen llleerfische, besonders bevorzugt zu
haben als festtägliche Leckerbissen, da er derselben wiederholt Erwähnung tut.
In dem zu seiner Zeit eben heftig entbrannten Streite über die Hützlich--
keit und Schädlichkeit von Cee und Kaffee entscheidet sich Ualvasor für
beide Getränke und führt er den Cee als ein heilsames Getränk an,
namentlich zur Besserung des verlorenen J^ppetits und dann zur Ber--
stellung von Heiserkeit. Ratte ihm auch der herzogl. holsteinsche Ceib--
medikus Dr. Pechlinus den Cee widerraten, „weil er" (Ualvasor) „phleg--
matischen Cemperaments und dazu sehr dürr wäre, dergleichen Personen
der Cee nicht diene," so entschied er sich doch für den gelehrten Praktikus
allhier, der ihm und einer anderen von Gliederschmerzen oft gequälten
Person sowohl den Cee als auch den Kaffee als heilsam empfahl, letzteren
auf gewisse und nicht gemeine CUeise am 5^euer gedörrt und auch nur
in der Cüoche zwei oder dreimal morgens und gleich nach dem IDittag--
essen in geringer Dosis, nämlich etwas weniger als ein halbes Seitel.^^^
Jluch ein freund des Cabaks war unser Gelehrter, den er „sehr nützbar"
nennt und den er auch als Schnupftabak selbst genot^; in seinem Dach--
lasse fand man 10 V2 Rollen von Brasil. Gs waren dies Cabakstenglein
aus Brasilien (Bahia), die, zu Pulver gerieben und mit etwas Kalk und
Schmalz-'^' vermengt, zum Gebrauche des Schnupfens in eigenen Glas--
fläschchen verwahrt, aus diesen auf den ^andrücken gestreut und von da
hinaufgeschnupft wurden. Der Brasil-- oder Brisiltabak ist noch heute ein
im Böbmerwalde sehr beliebter Schnupftabak und es teilt unser verehrte
Landsmann, Rerr Universitätsprofessor in Prag Dr. Jldolf ßauffen in dem
-'^ Ualvasor, Gbre des Rcrzogtums Krain, III. (IX.), p. 2$.
='"•' ebenda, I. (III.), p. 343.
^'^ Daher auch der Scbmälzler genannt. $cl)meller, Bayer. CU.-B. I., p. 364,
II., p. 551.
-g) 109 'S)
Jacbblatte „Deutsche JIrbeit" (L, p. 190) eine Scbilderung des Gebrauches
desselben und ein paar launige Strophen eines „Lobliedes" auf den
Brasil mit, davon die lHoral lautet: „Ts wer gstorb'n und hat ma a
rechts Ceid | Odr is a Kloans komrna und hat ma a 5^reud; | Is a Gwittr
am Bimml und schlogts ei' | Odr vafolgt am d' Suppn und's Ceben a
ÜJei(b) I Schnell nimmt ma's Jlascbl her und schnupft — | Und schnupft,
und schnupft und schnupft". — Bätte unser Ualvasor dieses Coblied auf
den Brasil gekannt, er mit seinem ausgesprochenen und unverwüstlichen
Rumor hätte es sicher in seinen Dutzen des Cabaks eingeflochten, man
mü(5te, oder besser, man könnte schier eine eigene Schrift herstellen,
wollte man alle Stellen aus der „€hre Krains" ausheben, an denen
Ualvasor seiner humoristischen Hder freien Cauf gelassen, aber immer
und überall, wo er in seinem vierbändigen 5^oliowerke eine humorvolle
Jlndeutung, Bemerkung oder ÜJendung angebracht, geschieht es in voll-
kommen harmloser und diskreter Cüeise, freilich wohl in der drastischen
Diktion seiner Cage.
Die römisch--katholische Kirche erklärt er ausdrücklich als diejenige, zu
der er sich „aufrichtig bekenne", ^^ was ihn jedoch nicht hindert, ander--
seits den Jlusspruch zu tun: „Der Geistlichen ihr Gxorcisiren^^s und
beten auf dem ^reythofe lasse Ich in seinen CUürden, dann Beten ist
allezeit und überall gut: allein es könnte doch auch sowol daheim im
pause oder in der Kirche geschehen;" doch beschränkt er selbst diesen
Jlusspruch, indem er beifügt: „CUiewol man def^wegen nicht zu leugnen p
begehrt, da(5 das allgemeine Kirchengebet bei öffentlichem Gottesdienste
einen noch grö(5eren Hachdruck habe."^^^
Die schöne Devise der Ordensbrüder vom hl. Benediktus, das „Ora
et labora", schwebt ihm vor dem geistigen Jfuge, indem er anläf^lich der
Einweihung der 1684 erbauten Kapelle beim Gisenhammer Sava --
welche Konsekration der Caibacher Fürstbischof 1685 vorgenommen — den
Satz aufstellt: „da(5 Jlndacht und 5^1eil5, Gebet und Jlrbeit einander
secundiren müssen." ^^^
Kraft seines religiösen Bekenntnisses zur römisch-katholischen Kirche und
au(5erdem als Freund des Uolkes, als welcher er sich auf den Blättern seiner
"^ Ualvasor, Gbrc des herzogtums Krain, IV. (XV.), p. 606.
^'^ CcufclaustreibcM.
"^ Ualvasor, Gbrc des Rcrzogtunis Krain, I. (III.), p. 316.
='«" ebenda, I. (III.), p. 3Q4.
m
ß.
'S) 110 'S)
„€bre Krains" oft und oft erweist, bat er auch nicht unterlassen,
Kircbweibfeste und Cüallfabrten mitzuniacben. So berichtet er von dem
Kircbweibfest U. C. 5^rauen auf dem bl. Berge Sonntags nacb 3^J<ö^' ""d
der Sitte dabei, da(3 der Zupan von Revise dem Eandgericbtsberrn beim
5^rübmabl auf einem Celler einen guten alten Dukaten in 0old präsen-
tiere, „massen icb — wie er versichert — als welcher ich gleichfalls
etliche mal dabey gesessen, selbst solches mitangesehen". ^^^ Und an
anderer Stelle erzählt er, da[5 er am Sonntag nach St. Bartholomäus (dem
grofKU CUallfabrtstage für die Kirche St. JIgnes auf dem Kumberge) am
29. Jlugust 16SS diese Cüallfahrt mitgemacht habe, bei welcher aus
Krain, Steiermark, Kärnten, Kroatien und anderen Gegenden an 50.000
Personen anwesend waren und 40.000 gebeichtet und kommuniziert
haben. „Diese grof^e Jinzahl der Eeute — fügt er bei — hat verursacht,
da(5 an selbigem Cage über 140 Sam (fuhren) CUein ausgeschenk,
worden." Ohne Prüderie bemerkt er noch, da(5 in der versammelten
nienge üolkes „drey Cüeiber alda die Bürde ihrer Schwangerschaft ab-
gelegt". 2^2 entschieden tritt er aber für Jlbschaffung der Kirchweihfeste
ein dort, wo sie Jlnlat5 zu totschlagen zu geben pflegen, so billigt er
die Jlufhebung des Kirchweihfestes bei der Pfarre Klan an der Poikt
wobei gewöhnlich drei, vier, fünf und wohl auch mehr Personen er--
schlagen worden. ^«^
Ualvasors Objektivität in Behandlung der geschichtlichen Greignisse,
sofern sie die Religion betreffen, die Darstellung der kirchlichen Refor--
mation und Gegenreformation in Krain ist eine so hervorragende, da(5
sie im I)inblicke auf die Zeitverhältnisse, unter denen die Jlbfassung
seiner „Gbre Krains" erfolgte, und ganz besonders im Einblicke darauf,
da(5 in seinen Cagen die Gegenreformation bereits in Krain vollends
durchgeführt war, in der Cat wunder nimmt. Dicht nur der Umstand,
da(5 er in seinem Hauptwerke in der Jlbteilung vom Schrifttume Krains
das Uerdienst des gelehrten lutherischen Predigers Primus Cruber um die
slavische Landessprache und Literatur ausführlich behandelt und auch alle
von den Gegenreformatoren verpönten und verbrannten evangelischen
(lutherischen) Bücher aufzählt und bespricht, sondern auch anderseits
seine aus den untrüglichsten Quellen — den eigenen Jlufzeichnungen
des scharfen Gegenreformators Fürstbischof Chomas Ghrön — geschöpften
"* Ualvasor, Ehre des Rerzogfutns Krain, I. (II.), p. i24.
"' ebenda, II. (VIIL), p. 802.
"=» ebenda, II. (VIIL), p. 754.
^ 111 '&
Schilderungen der gegenreformatoriscben Bandlungen mit 5^euer und
Schwert, sie stempeln seine diesbezügliche ßeschichtsdarstellung zu einer
derart objektiven, da(5 JInhänger und Gegner der einen oder der anderen
religiösen Richtung mit gleichem Gewinne und gleichem Genüsse daraus
niaterial für ihre eigenen Darstellungen schöpfen konnten und können.
lUie hochsinnig üalvasor überhaupt in konfessioneller Richtung gedacht
und sich geäuf^ert, erhellt aber im glänzendsten Eichte aus der ethischen
Jlusführung, die er der von ihm mitgeteilten, unter den gräflich Camberg-
schen Schriften gefundenen „Berufung" des Berrn 5^riedrich von Camberg an
die Juden zu lllarburg usw. 127$ wegen etwa an seine Familie zu habende
Jlnforderungen^^* und deren beabsichtigter Cilgung vorangestellt hat. Gr
schreibt da: „Uiele vermeinen, es sei wenig daran gelegen, ob man
einem 3uden, Türken oder Ketzer mit Jlbrichtung des Geliehenen zuhalte
oder nicht, er sei doch nur ein ungläubiger Bund und ein solches Hlast-
Vieh, welches dermaleins dem höllischen Plutoni geopfert werde, darum
man einem solchen von der Kirche entfremdeten weder Creu noch glauben
zu halten oder ihm einen Beller zu bezalen schuldig sei, auch sich
weniger dann nichts zu bekümmern habe, ob derselbe wieder zu dem
Seinigen gelange oder nicht, dafern nicht nur etwan eine gerichtliche Un-
ruhe oder sonst ein anderes gro(5es Übel daraus entstehe." „Jlber —
hebt er nun seine nioral an — „wahre und tugendergebene Christen
lassen ihre Redlichkeit hierin auch bei denen, die au(Kr der Kirche leben,
blinken, um zu verhüten, da(5 der ITlann Christi bei den Un-- oder Irr-
gläubigen nicht desto mehr verlästert werde." ^ss
IDit der Bemerkung, dat5 obgenanntem Berrn Friedrich von Camberg
„auf der Cugendbahn, die er in diesem Stuck gegangen, heut wenig Cent
nachlauffen werden," wie zugleich mit der weiteren Bemerkung: „man
darf heutiges Cags den jüdischen Greditoren nicht lange rufen lassen, sie
werdeu vielleicht manchem wol ungefordert erscheinen", hält üalvasor den
Zeitgenossen einen doppelten ITloralspiegel vor. Das moralisieren ist
überhaupt, wie im allgemeinen auch das Didaktische, eine starke Seite
^"^ Crotz der „Berufung" in der judenscbule zu IHarburg und trotzdem die 3uden
von Raus zu Raus gingen, fanden sieb keine Canibergscben Scbuldbriefe, was fünf
hebräer am 22. des monats Scbewat im 5206. J^br „nacb der CUeltbescbaffung" be«
urkundeten.
'"' Üalvasor, Gbre des Herzogtums Krain, IV. (XV.), p. 309.
'S) 112 '&
in seinen Eusfübrungen, — es gibt in seiner „€bre Krains" wenig Gr--
zäblungen, ßescbicbtcben, Jlnekdoten und Jlnekdötcben, denen er nicbt
nioraliscb-didaktiscbe Cinleitungen oder Scblüsse beigegeben.
üornebmlicb die Jlbsicbt, den jungen Eeuten ein gutes Beispiel zu
geben, leitet ibn bei der Abfassung der Caten der adeligen CUürdenträger
in der I)einiat. „Indem wir — sagt er — die CUürden und Gbrenämter
unserer in 6ott rubenden Uäter vorstellen, balsamiren wir nicbt allein
den Rubin ibrer Gescbicklicbkeit, da(5 er nicbt verwese, und tbun dadurcb
unserer 5^aniilie eine €bre an, sondern stellen damit aucb uns und unseren
Zeitgefäbrten, bevorab aber unsern jungen Ceuten gleicbsam eine 5^ackel
vor, die ibnen leucbte zur nacbfolge!"^^^
„Robe Gemütber streben nacb der Böbe"^^^ — „Selbstüberwindung
überwindt alle Überwindungen" ^^^ — „Gbrenleuten sind 6br und Rubm
die angenebmste 5^rucbt ibrer IDübe" ^^^ — diese und äbnlicbe Jlussprücbe
cbarakterisieren seine Stellung zum moraliscben 5^üblen, gleicbwie seine
ecbtcbristlicbe Demut der Jfusruf: „Jllso bäuffet sieb die ßöttlicbe Racbe,
wie wir leider unsere Sünden bäuffeni"^^^
Seine Stellung zur öffentlicben Hloral kennzeicbnet seine bereits in
einer trüberen Jlbteilung angedeutete und angefübrte Haltung gegenüber
der niä()igkeit und ünmäf^igkeit.
CUie er die „beutige robe und in rucbloser ünmäf^igkeit scbier er-
trunkene Zeit"-'"^^ verdammt, so gibt ibm der erbabene, vom Orden der
rnä()igkeit berrübrende (Uablsprucb des „letzten Ritters" Kaiser HlaximilianL:
„Balt rna(5 in allen Dingen" Jlnla(3 zu nacbstebender Jlpostropbe: „Gine
treffliebe und sowol zur Sicberbeit oder Rub--Stande als zum Cüolstande
unseres Ceutscblandes gelingende Sacbe wäre es, wenn alle deutseben
Fürsten und l)erren dieses Zeicben (das Ordenszeicben mit dem CUablsprucb)
zu solcber Zeit, da sie zur Cafel geben, nicbt allein am Balse, sondern
aucb im l)alse und im l)erzen trügen, ja daf^ alle fürneme und mittelmäf^ige
(inittelstands--) Personen in den Orden der IDäf^igkeit träten und sieb bei
ihren Custbarkeiten als Glieder solcbes berrlicben Ordens erzeigten." ^'-^^
Da(5 5^reiberr von üalvasor für seine Person IDät^igkeit übte, ist bereits
vorher festgestellt worden.
"« UalvasoT, €brc des berzogtums Krain, III. (IX.), p. 72. - =^«' ebenda,
III. (X.), p. 165. — ^^^ ebenda, III. (IX.), p. 11. - ''' ebenda, IIL (X.), p. 357. -
''' ebenda, IV. (XV.), p. 459. — ''' ebenda, III. (IX.), p. 23. - ''' ebenda,
III. (IX.), p. 27.
'S) 113 'S)
Ualvasors patriotiscbes Denken und fühlen, das er im Heben sowohl
„mit dem Gewehr an der Seiten/* dem Schwerte, als auch „mit dem
Gewehr hinter dem Ohre," mit der 5^eder, in gleich trefflicher und treffender
(Ueise zum Jlusdrucke brachte, war nicht nur seiner engeren Reimat Krain,
sondern auch dem ßesamtstaate der erlauchten habsburgischen Dynastie
gegenüber ein ebenso eminentes als herzerhebendes und beispielreiches.
Doch so erfüllt unser Chronist auch immer von Uaterlandsliebe und
dynastischer Eingebung erscheinen mag, so hat er doch diese seine edlen
Gefühle stets in die würdigste 5^orm gefa{5t, und seine geschichtlichen
Jlusführungen über die Caten der Candesfürsten und der Candessöhne
sind stets auf Grund objektiver Jluffassung gegeben, ferne von Cobhudelei
und Byzantinismus, wenngleich die Sprachwendungen öfters an exotische
Blumenpracht gemahnen — doch das lag im Geschmacke der Zeit und
dürfte an manchen Stellen auf das Kerbholz des Mitarbeiters am Raupt«
werke, des fürstlichen Rates €rasmus 5^rancisci, zu setzen sein,
Cüo aber üalvasor mit kurzen Cüorten, mit Beifügung von Gpithetis, die
einzelnen Fürsten aus dem pause Rabsburg in ihrem allgemeinen lUesen
und in den Beziehungen zum Cande Krain charakterisiert, da wei(5 er
es mit einer Sicherheit und einer Genaufgkeit im Jlusdrucke zu treffen, ^
da(3 ihn diese Charakterisierung allein schon als einen lieberfüllten und -^
dabei gerechten Patrioten vor der strengsten Kritik bestehen lie(5e. So ^
wenn er den Stifter des Caibacher Bistums, den Krain stets so freundlichen 3
Kaiser Friedrich HI. wiederholt den „guten Kaiser" nennt, dessen Sohn w
rnaximilian I. die „alleredelste 5^ürstenblume"; wenn er bei der thron-- ^
besteigung Kaiser Karls V. den Jlusruf tut: „Gin Cand, das seinen Rerrn
einbü(3te, kann, wenn derselbe löblich regieret hat, nicht kräftiger getröstet
werden, als wenn einer an seine Stelle kommt, der seinem Uorfahren in
der Uortrefflichkeit nicht weichet, sondern denselben noch wohl übertrifft;"
vom Kegenten Innerösterreichs, Grzherzog Karl, „in der Sorgfalt für seine
Cande der 5^ürnehmsten Ginem" hebt er rühmend hervor, „da(5 er sich
seinen Cändern nicht allein in ^Feststellung ihrer Sicherheit wie einen
leiblichen Schutzengel, sondern auch sonst einen emsigen Beförderer allerlei
ersprie[5licher und nutzreicher Sachen erwiesen;" den Geburtstag Kaiser
Ferdinands III., den er einen „goldenen" nennt, möchte er „billig mit
Demanten und Perlen anzeichnen, als denjenigen hohen l)auptes, welches
durch seine unvergleichliche Klugheit den deutschen Canden nach der lichten
Cohe der Kriegsflammen endlich wieder den goldenen Frieden herbei--
geleitet." Das Buch von den Candesfürsten in der „Ghre Krains" schliefet
er mit dem Kapitel „vom jetzt lebenden Kaiser Ceopoldo," „den Guropa
V. Kadics, Üalvasor. S
© 114 'S)
für den höchsten Fürsten der Christenheit erkannt". „ÜJie ein junger Hdler
bald zu merken gibt, da(5 er von keiner Krähen oder Guten, sondern von
dem Fürsten der Uogelwelt erzeugt sei, so blinkte gleich alsofort in erster
fugend aus allen Bezeugungen dieses kaiserlichen jungen Prinzen ein
klares Merkzeichen neben andern hervor, da(5 er von kaiserlichem Geblüt
und ßeniüth wäre. Hlassen dann auch die Grfüllung klär-- und wirklich
nacheinander der Uermuthung beipflichtete, da(5 ihn der Bimmel zu den
höchsten und wichtigsten Dingen der CUelt bestimmt hatte."
Dem Krieger Ualvasor, dessen ersten lUaffengängen gegen den Erb-
feind der Christenheit wir schon gelegentlich der Unterbrechung seiner
Studienreisen begegnet sind, galt die ritterliche Cugend der Capferkeit
nur in Ausübung des Kriegshandwerks und da nur zur Abwehr des
Feindes von auf^en und im Innern der Cänder. Hlit Stolz auf seine
l)eimat hebt er das Cob der Candesfürsten hervor, das diese wiederholt
den Söhnen Krains für ihre Capferkeit erteilt, so Kaiser 5^erdinand L,
da(5 Krain zwar ein kleines Cand, aber gute Bauptleute habe, und Erz-
herzog Karl von Innerösterreich, der sich eigens aus Krain Gdelleute zum
Zeugdienste erkor, weil sie so bewährt seien. lUie aber Ualvasor auch
für die vollste Betätigung der Capferkeit mit dem Degen und mit der
Jeder eingetreten — seine persönliche weitere Betätigung als Krieger
werden wir im Uerlaufe dieser unserer Darstellung seines so vielseitig
rühmlichen Lebenslaufes noch ausführlich vorführen — , wie er auch für
die Übung der Capferkeit im Kriege eingetreten, so war er doch dabei
des Sinnes, da(5 er den Krieg überhaupt gerne beschränkt gesehen hätte,
denn seinem ausgesprochenen l^umanitätsgefühle widerstritt der Krieg von
Christen gegen Christen, '-'-^^ und in gewissem Sinne war er demnach ein
üertreter der gegenwärtigen ,Jriedensidee".
Desgleichen war unser tapferer Kriegsmann ein Gegner der zu seiner
Zeit so arg eingerissenen Duellwut und er hält in seiner „Ghre Krains" ^y*
eine arge Philippika dagegen. Indem er eines längeren den „Unterschied
zwischen den alten und den heutigen Duellen" darlegt und betreffs der
ersteren die Bedingungen anführt, unter denen sie gestattet gewesen,
kommt er zu dem Schlüsse: .Jetzt werden oft die liederlichsten Ursachen,
so zu reden vom Zaun gebrochen, da(5 einer dem andern den Rals breche
und ihn fein warm auf der Post zum Ceufel schicke. 3etzo streitet man
"' Ualvasor, ehre des hcrzogtiuns Krain, IV. (XV.), p. 306.
''-" ebenda, II. (V), p. 184.
® 11$ '&
nicbt nur wider seinen Beleidiger, sondern auch wider seinen Oberberrn,
der das Balgen durcb öffentlicbes Uerbot untersagt, und reiset lieber
bundert Hleilen einander nacb, als daf^ man die empfangene Beleidigung
oder Uerunglimpfung auf Befebl des Königs oder 5^ürsten gericbtiicb aus--
fübren oder gütlicb beilegen sollte. Die vermeinte Reputation gibt es nicbt
zu: es liegt mebr an ibr als an Gottes und des Candesfürsten Uerbot,^^^
als an Bimmel und l^ölle. Grscbeint man nicbt auf erbaltenen 5^ebdezettel
oder mündlicb gescbebene 5^orderung, so besorgt man mit einem 0oyon
oder Bernbeuter betitelt zu werden, seine Gbre aber oder renomme'e (oder
€brenscball und Jlcbtbarkeit) vielmebr mit Degen und Pistol weder (als)
mit recbtiicbem Sprucb bebaupten, das wird für cavalieriscb, tapfer und für
eine ßlori gescbätzt I l)öcblicb zu bejammern ist es gewi(5, da{5 so
mancbe brave Rittersleute, die im übrigen tapfer und tugendbaft, dieses
oft so gar (ganz) au(5er Jlicbt scblagen, sieb den Zorn und falscben Cüabn
befürcbteter Ueracbtung so sebr einnemen und blenden lassen, Ceib und
Ceben, Seel und Seligkeit, dafür iKbristus ein Opfer worden, sein Blut
vergossen und die tiefste Scbmacb erlitten bat, so liederlicb dem zeitlicben
und ewigen Code aufopfern!" ^96
*
* *
Seine bumanitäre Gesinnung in sozialer Ricbtung bekundete unser edle
5^reiberr am scbönsten durcb Ginbaltung der Sonntagsrube gegenüber der
arbeitenden Bevölkerung. So sebr ibn nämlicb sein ÜJissensdrang bätte
bewegen können, bei Untersucbung der sogenannten Cindwurmgrotte bei
Oberlaibacb, die scbwere Jlrbeit mit Anwendung eiserner Instrumente zu
forzieren, so nabm er docb davon vorläufig Jlbstand. „CUeil es aucb eben
Sonntag war, wollte icb die Ceute nicbt arbeiten lassen, sondern solcbes
lieber auf eine andere Zeit verscbieben." Dies war im Juni 16$4; im
September desselben jabres kam er wieder dabin zu neuerlicben Unter--
sucbungen."^^^
eine bumane Gesinnung zeicbnete ibn überbaupt ganz besonders aus,
so in erster Cinie aucb dadurcb, da(5 er durcbaus nicbt skandalsücbtig war,
^^^ Unterm 3abrc 1666, 2$. September, batte Kaiser Ceopold I. in erneuerung des
üerbotes durcb Kaiser Ferdinand II. (1637) die Rinausforderungen, Rauf-, Rumor- und
Balgbändel auf das scbärfste verboten und weiters (23. September 1682 und 24. Ok-
tober 1687) die Strafen derer Duellirer, Uerbelfer und Injurianten erneuert. Codex
Jlustriacus Cit. D. I, p. 2$5 ff. Jfucb unter Cit. R. Rumor.
-'"' In UJien batte sieb 1681 ein sebr trauriger 5all eines Zweikampfes ergeben.
Beern, neueröffnete Crauerbübne 1677—1710, Hürnberg, III, p. 62.
''''^ üalvasor, Gbre des Herzogtums Krain, I. (IV.), p. 506 und 508.
$♦
und es liegen in der „Gbre Krains" zahlreiche Beispiele davon vor, wie
er üorfallenbeiten aller Brt erzählte, dabei aber die Hamen der beteiligten
Personen verschwieg, auch nie einem Stande der Gesellschaft durch Kenn--
zeichnung zu nahe trat, so spricht er, um ja nicht zu verletzen, bei Erzählung
einer versuchten Brandlegung in Caibach (151$) (welche er aus dem ITlanu--
skripte der Chronik Caibachs vom Bürgermeister Schönleben geschöpft) von
der Person des Brandlegers, als den Schönleben einen Priester bezeichnet
hatte, ohne Damennennung einfach als von einem niordbrennerl
Diesen seinen humanen Sinn beurkundete er auch gegenüber den auf
gleichem Gebiete der 5^orschung arbeitenden gelehrten Genossen und, was
hervorragend charakteristisch, gegenüber dem Beimatgenossen, dem Bistorio-
graphen ]ohann Cudwig Schönleben. So sagt er an einer Stelle: „lllich
treibt keine Ruhm-Gierde durch Uerkleinerung seines Urteiles und auch
übrigen Berichtes von der Grotte (in Cueg) meine Observation zu ver--
gröfiern oder durch Schattirung seiner Relation dieser meinigen einen
Glantz zu geben, sondern die Hoth bemüssiget mich anzudeuten, da[5 er
hiebei übel berichtet worden, damit die rechte wahre Beschaffenheit ans
Cicht komme/' -'-^^ Und an einer anderen Stelle, wo er demselben gelehrten
Zeitgenossen bezüglich der Dichtübereinstimmung zweier seiner Jlngaben
über denselben Gegenstand Inkonsequenz zum Uorwurfe zu machen sich
gezwungen sieht, tut er dies in der zartesten 5^orm mit den CUorten:
„Jlllein es muf^ diesem gelehrten [Dann damals (als er das zweite IDal
schrieb) der rechte Inhalt dessen, was er hievon in seinen .Hnnalibus,
auf welche er sich bezieht, gemeldt, vielleicht entfallen sein.''^'^^'-^
Stark ausgeprägt war auch Ualvasors Gerechtigkeitssinn, wie dies aus
zahlreichen Bemerkungen und Ausführungen in seinen Cüerken heraus--
leuchtet. ÜJir haben oben bei Kennzeichnung von Ualvasors Objektivität
in religiösen fragen seine musterhafte I)altung gegenüber den evangelischen
besonders zu betonen Gelegenheit gehabt, und es gewinnt diese seine
l^altung namentlich Cruber gegenüber, sowie gegenüber anderen, die Sache
ihres Glaubensbekenntnisses fördernden Jlnhängern der „neuen Cehre**
um so mehr Gewicht, als wir ihn da, wo sich ihm die Dotwendigkeit auf-
drängt, einem evangelischen ein wohlverdientes hartes Urteil zu sprechen,
dies auch in voller 5^orm tun sehen. Im jähre 159S hatte der 5eldprediger
der krainischen Candschaft, der Jlugsburgischer Konfession war, aus der
dem Ceutschen Ritterorden gehörigen Pfarrkirche zu Semitsch (in Unter--
krain) einen vergoldeten Kelch nebst etlichen in Silber gefalzten Reliquien
"* üalvasor, €hrc des Rerzogtuins Krain, I. (IV.), p. 522.
'"' ebenda, IL (VIII.), p. 503.
'S) 117 'S)
einige Stolas binweggenommen und überdies zwölf Jfltartücber zur Unter--
fütterung seiner Kleider verwendet. Der Crzberzog-Regent von Inner--
österreicb batte den Prädikanten daraufbin des Eandes verwiesen. Dazu
bemerkt üalvasor: „welcbes für ein so grobes Stück eine nocb gar zu
gnädige Strafe gewest," womit er, dessen Coyalität und Gbrfurcbt für den
Candesfürsten ja über jeden Zweifel erbaben, wobl nicbts weniger als
eine Kritik der Handlung des Grzberzog-Regenten aussprecben, sondern
nur seiner boben Indignation über den 5^revel des Kircbenraubes Jlusdruck
verleiben wollte, obne jedocb die vom Candesfürsten geübte Gnade in der
Strafsacbe zu ignorieren.
Das üerbältnis Ualvasors zu den Spracben war das des wabrbaft
akademiscb Gebildeten mit dem Grundsätze: quot linguas cales, tot
bomines vales!
Sein Eob der lateiniscben Spracbe, das er, wie scbon in dem Jlbteil
von den Sammlungen (Bibliotbek) angedeutet worden, in das Bucb üergils
deutscb und lateiniscb eingetragen, lautet: „Die lateiniscb Spracb ist vnder
allen Spracben scbier die fürnemst vnd wölcber zu dieser Zeit wol
lateiniscb roden kan, der ist nit der wenigist vnder dem bauffen, wölcber
aber der lateiniscben Spracb vnerfarn, der wird aucb gemainlicb für vn--
gescbickt gebalten, dan sie ist gleicbsam ein Scbatz aller gescbicklicbkait
vnd fast alle andern Künste sind in Catein gescbrieben, zu wölcber obne
dieser Spracb erkanntnus kainer komen mag, darumb wende allen flei(5
an, da(5 du ein volkumner Catinus werden magst." MIhx der lateiniscben
Spracbe beberrscbte üalvasor aucb die französiscbe und italieniscbe Spracbe,
was ibm auf seinen Studienreisen zugute kam.
Die deutscbe Spracbe — die Spracbe seiner IDutter JInna IDaria Kauber
— stand bei ibm in böcbsten Gbren, bei ibm, der, aus italiscbem
Stamme entsprossen, im zumeist slaviscben Cande geboren worden. Seine
Gesinnung für deutscbe Spracbe, Sitte und J\rt kommt in seinem Haupt-
werke wiederbolt nacbbaltig zum ausdrucke, am deutlicbsten scbon aucb
dadurcb, da(5 er dieses CUerk, die „Gbre Krains", eigens einem reicbs--
deutscben Scbriftsteller, dem wiederbolt genannten fürstlicb Robenlobescben
Rate Grasmus Jrancisci in Dürnberg — einem der Rauptsitze der eben
zur Zeit auf die Babn gebracbten deutseben Spracbreinigung — im
IDanuskripte zugesendet, „um es in ein reines Ceutscb zu bringen".
Unserm üalvasor erscbien die ältere deutscbe Spracbe (des 15. und
16. jabrbunderts) als eine gute, denn er sagt bei Einfügung von
'S) 11$ -2)
derartigen Spracbdenkniälern in sein Buch, da(5 man solche „ohne Gckel
für den guten alt--teutscben CUorten" vernebmen könne.^^^*^
In seiner Diktion beliebte es ibni, „die alte teutscbe Cüabrbeit" im
ausdrucke zu gebraueben, die ibm aber als „raub und runzlicbt" für
mancbe zarte Obren und Jlugen ein gro(5er scbmerzlicber Dorn zu sein
scbien, daber er dann in der CUeise nicbt weiter fortfabren zu wollen
erklärte,^«^
Seinem kerndeutscben Sinne baben wir es auch beute zu danken,
dal5 er uns kostbare Dacbricbten von den alten deutseben Kolonien in
Krain, von den Spracbinseln in ßottscbee, von lUeif^enfels und den
Zarzern hinterlassen bat, namentlicb von der ßottscbee.^'^^
Jlber nicbt minder bat er der Sprache sowie der Jlrt und Sitte der
slaviscben Bewohnerschaft seiner Reimat, der krainischen (sloveniscben)
Bevölkerung die gebührende Gerechtigkeit immer und überall in seinen
Cüerken zuteil werden lassen. €r greift dabei auch weiter aus, bespricht
die grofK, weitreichende üerbreitung der sclavonischen (slaviscben) Sprache
im allgemeinen, gibt eine graphische Darstellung der cyrillischen und
glagolischen Schrift, weist auf die Ähnlichkeit („61eichbeit") der russischen
und „krainerischen" Sprache hin und stellt in einer eigenen Cabelle das
„Uaterunser" in dreizehn slaviscben Sprachen nebeneinander, und zwar
neben dem lateinischen texte 1. altslaviscb (cyrillisch), 2. bulgarisch,
3. dalmatinisch, 4. kroatisch, 5. slavonisch, 6. böhmisch, 7. polnisch,
$. wendisch, 9. lausitzisch, 10. russisch (moskovitisch), 11. krainerisch
(sloveniscb), 12. novazemblisch,^^^ 13. wallachisch. — Gr schliefet den
slavisch-sprachlichen Gxkurs mit „etlichen Observationen bey der kraine--
rischen Schreibart" (Orthographie), bricht aber dann ab, nachdem er keine
Grammatik oder vollkommene Schreib-- und Sprachlehre zu schreiben
vorhabe. ^°^
Der sich selbst gestellte Beruf, die geliebte l^eimat nicht nur den
!?remden, sondern auch den Ginbeimischen bekannter zu machen, als dies
bis auf seine Cage der Jall gewesen, dieser Beruf, der es mit sich brachte,
selbst das Cand aus eigener Jlnscbauung bis in alle Ginzelbeiten genau
**'° Ualvasor, Gbrc des Rerzogtunis Krain, III. (IX.), p. 23.
^°' ebenda, I. (III.), p. 417.
'''' ebenda, II. (VI.), p. 299 ff.
^"^ In Ungarn, in der an Kroatien grenzenden Ciirkei nnd aucb in Dalniatien
gebräuchlid). - ebenda, II. (VI.), p. 272.
"" ebenda, II. (VI.), p. 276.
© 119 '■&
ZU crforscben und kennen zu lernen, war wesentlich unterstützt und
gefördert worden durch Ualvasors ausgesprochene 5^reude an der Hatur.
CUir sehen ihn im Geiste vor uns, wie er zu Pferd und zu 5^ut5 durch
die lieblichen Cäler, die Rohen hinauf, in die CUälder hinein mit seiner
Zeichenmappe und seinen Dotizheften dahinpilgert und auch das üor--
dringen bis zu den „höchsten Schneegebirgen," wie er unsere Jllpen zu
nennen pflegt, nicht scheut, getrieben von seinem Berufe, aber auch die
5^reude an der Datur im Berzen.
Seine Ciebe für die Datur war eine überaus grof^e und dieser gro(Kn
Ciebe ist es wohl zuzuschreiben, da(3 er seinen Schilderungen und Be-
schreibungen der Schlösser seines Beimatlandes Krain wie nicht minder der
des benachbarten Candes Kärnten fast durchwegs eine kurze, wenn auch
nur paarzeilige Charakteristik der natürlichen £age der betreffenden Stätte
voranstellt, wobei die CUorte „eine lustige Gegend" nicht selten wieder-
kehren.
Schon beim Kinde hatte sich dessen Haturfreude zu voller Blüte ent-
falten können im Jlnschauen der umgebenden, entzückend schönen Datur
um das Uäterschlof) Galleneck, und noch im Sinne des reifen IDannes bei
Jlbfassung seiner „Ghre Krains" ist der Eindruck des reizenden, zwischen
Sagor und Galleneck sich hinziehenden sogenannten Pyramidentales, „wo
die 5^elsen sich wie Pyramiden so artlich aufthürmen, als hätte man sie
mit 51ei(5 auf solche 5^orm gehauen", ^^^ ein ungeschwächt lebhafter.
Aber auch der CUald, den Ualvasor so sehr geliebt und dessen Eoblied
er in den Satz ausklingen läf^t: „Summa im CUalde steht nicht so mancher
Baum (soviele Bäume), als manchen (sovielen) Dank der IDensch für die
Cüälder dem l^öchsten schuldig", auch der „lustige grüne CUald" hatte sich
mit seinem mystischen Dunkel, mit seinem sirenenartigen flüstern und
Summen schon dem Kinde Ualvasor ins Berz gesungen, ganz still und
sanft von den herrlichen, das üäterschlo(5 umsäumenden, Cüaldbergen!
und an die Beschreibung der krainischen, so vielwerten CUälder gehend,
hält es der dieselben nun mit dem Jluge des reflektierenden niannes be-
trachtende Schriftsteller für geboten, dieser seiner Schilderung eine ebenso
praktisch durchdachte als begeisterungsvolle Jlpotheose voranzustellen.
„Die (Dälder können — so hebt er an — für eine Krone mancher
Berge und Felder, für einen Schatz des Candes und für einen lustver--
mengten nutzen seiner Ginwohner gerechnet werden. Sie sind der all-
gemeine Chierkasten, darin Gott uns zum Besten das CUild hegt, bis es
""^ Ualvasor, Cbrc des Herzogtums Krain, I. (IL), p. 144.
'S) 120 'S)
mit €rgetzung erjagt und durch solche adelige Übung der Ceib sowol bei
guter Gesundheit als wie die Cafel mit gutem lüildpret beehret wird.
Sie kühlen in der Ritze und wärmen in der Kälte. lUider die Sommer--
Pfeile der Sonnstrahlen erstatten ihre Zweige uns einen Schild und wider
die scharfschneidende Kälte ihre Bäume einen Barnisch, indem sie das
Bolz zum Jener hergeben. lUären keine Cüälder, so würden wir wider
Schnee, ßagel und Regen schlecht bedeckt sitzen, ^^^ noch einige Bütten,
geschweige denn ein Baus besitzen. €s bezeugen uns je Balken, Getäfel,
Cische, Stühle, Bänke, Bausthüren, mein-- und Bierfässer sammt allerley
andern hölzernen Geschirr, da(5 wir der (üälder übel können entrathen.
Sollte man auch von den Jlrtzney-Künstlern medicis und Apothekern eine
Stimme fordern, würden sie mancherlei Gummi und Caub der Bäume den
CUäldern zur Recommandation darlegen und aus deren Zweigen denselben
einen Ährenkranz flechten." ^^^
So sehr er aber auch den (Uald geliebt und vielleicht mehr noch hoch-
geschätzt, so schwärmte Ualvasor doch am meisten für die offene Gegend
mit der Cüeitausschau auf ein Bügelpanorama, das da einschliefet „schönes
ebenes und gutes Baufeld," mit „Obstpflanzungen" und „CUeinreben" die
Böhen emporklimmend, wo er das in einer Gegend findet, sei es auf dem
oder jenem „Boden" der Beimat, da ist sein Entzücken ein volles! —
und dazwischen „zerstreut sehend die Dörfer und Ginzelhütten des Cand--
mannes, die Schlösser und Schlöfelein der adeligen Berren", da erfreut er
sich des Jlnblickes der wohlgeordneten Baushalte, des JleifKS und der
Cüchtigkeit der Bewohner, seiner lieben Candsleutel
Und wie er dies alles mit 5^reude und Befriedigung den 5^remden
weiset, so führt er sie denn auch gerne und willig auf den und jenen
höheren Berg, um ihnen die daselbst sich bietende Fernsicht zu weisen —
„den trefflich weiten und ungemein schönen Prospect," wie er sich aus-
zudrücken pflegt.
'"^ CUas würde Ualvasor beute zu den so scbwungbaft betriebenen flbstockungen
der (Llälder sagen, wie würde er aber aud) die Umsicbt und 5^ür$orge der Regierung
loben, die auf die Cüiederaufforstungen strenge bedacbt ist. Der Uerfasser.
""' Ualvasor, €hre des Herzogtums Krain, I. (II.), p. 145.
i
Paluasor und die Raturkunde,
'ie Stellung, welche Ualvasor zur Haturkunde einnabm, war
selbstredend von den JTnscbauungen und den niitteln seiner
Zeit abhängig. Immerhin haben aber doch seine über Gr-
scheinungen und Uorkommnisse in der Hatur gemachten Euf=
Zeichnungen, wenn auch seine bezüglichen Untersuchungen und Forschungen
heute vom fachmännischen Standpunkte nicht durchwegs in bewertenden
Betracht gezogen werden können, einen historischen, bezw. kultur--
historischen Cüert.
CUenn der um die Grforschung des krainischen Pflanzen-- und ITlineral--
reiches hochverdiente, vor wenigen Jahren erst verstorbene Professor WJilhelm
üof^^'^^ namentlich im Einblicke auf die Botanik sagt, da(5 Ualvasors
Darlegungen in seiner Beschreibung der Pflanzen des Candes au[5er den
allgemein bekannten Dingen über Enbau und Uerwendung nichts bringen,
was den Botaniker interessieren könnte, ausgenommen das Kapitel über
„allerlei Kräuter" — eine wahre Blütenlese von mitteilungen über I)exen--
geschichten, Bereitungen der Zaubersalben und dergleichen, Zeugnis
gebend von dem krassesten JRberglauben des Uerfassers — , wenn dieser
unser zeitgenössische ^Fachgelehrte über Ualvasors Stellung zur Botanik
also aburteilt, so haben wir doch von anderen rHännern der Wissenschaft
von der Datur, die durch die Resultate ihrer Studien und ^Forschungen
über die Daturbeschaffenheit Krains vielleicht auch ein Jlnrecht darauf
haben, Ualvasors bedingte Uerdienste auf diesem Gebiete in Betracht zu
ziehen. Beweise der Jlnerkennung seiner Ceistungen auf eben diesen
Gebieten vorliegen.
Und da ist es in erster Cinie der von Professor Uo() selbst so hoch--
gehaltene Haturforscher Belsazar Bacquet (* 1739, t 1^15), „jene
ungemein interessante Persönlichkeit, deren ganzes Ceben durch eine
unermüdliche Tätigkeit und rastloses Streben ausgezeichnet ... der sich
'"" Uersud) einer 0e$cbid)te der Botanik (1754-1$$3). 3ahresbericbt der Staats-
oberrealsd)nle in Caibacl) für das Scbuljabr i$$4, Caibacb 1$$4, p. 5.
©122-2) •
durch sein lUerk ,Plantae alpinae carniolicac' einen bleibenden Ruf als
Botaniker erworben /'^^'-^ da ist es Belsazar [)acquet, der in seiner
„Oryctograpbia Carniolica" ^^'^ unserni 5reiberrn, dessen Jlngaben über
die und jene üorkoninmisse in den drei Haturreicben für ihn auf seinen
Forschungsreisen hodogetisch waren, seine hohen Uerdienste auch nach
dieser Seite gerne zuerkennt. „CUenn ich aber — schreibt ?)acquet — an
einigen Orten von seinem Cüerke abweiche, so benimmt das doch keines-
wegs die gro(5en Uerdienste dieses Hlannes, den wir sammt den Bus=
ländern wegen dem vielfältigen 5^1ei[5, den er auf die historisch-physische
Beschreibung seines üaterlandes angewandt hat, jederzeit hochschätzen,
diejenigen aber, die ihn dermalen bei uns tadeln wollen, thun es mehr
aus Unwissenheit als aus Grund, ohne auf die Zeit Rücksicht zu haben,
in welcher er lebte . . . was aber das Übernatürliche gewisser Jllfanzereien
betrifft, =^'^ so mut? man betrachten, daf^ er in einem Jahrhundert lebte,
wo man es nicht anders wu(5te und bei uns der niönch nicht erlaubte,
das Gegentheil zu denken." „Doch in aufgeklärteren Cändern als das
unsere — fährt Racquet fort — dachte man nicht viel anders, man sehe
nur einmal in die alten ßedenkschriften berühmter Gesellschaften, ^^^ ^\^
auch bei Scheuchzern in seinem lUerk, ,ltinera alpina' betitelt, was da nicht
vor (für) abentheuerliche Sachen von Schlangen darin stehen." „€s sey,
wie ihm wolle - schliefet i^acquet seine Cobeserhebungen über Ual--
vasor — , er wird ein für allemal bey der Hachwelt als eine Zierde des
JIdels seiner Candesleute und als ein fleif^iger Schriftsteller gelten und
ich stimme ganz dem von niurr bei, der ihn nach Uerdienst in der Über--
setzung der spanischen Daturgeschichte des Uaters Corrubia, ßeschicht--
schreibers des ganzen 5ranziscaner--0rdens, in folgender CUeise schildert:
Qui mcntis sublimi acie per coeca vagatus
Antra, vctustatis tot rcferauit opcs
Pracscrtim variac miracula inaxinia terrae
In quibus attonitus, quae notet, orbis habet;
Speluncas, viuosque Cacus, niontesque resertos
Dolibus omnigenis.
Und gewi(i, er sparte weder niühe noch Unkosten, um alles aufzuzeichnen."
Und vor l^acquet war es ein anderer Haturkundiger Krains, der leider
nach seiner vollen Bedeutung noch viel zu wenig gewürdigte 5^ranz
'"' Jahresbericht der Oberreal$d)iile in Caibad) 1$$4, p. 21 f.
^^"^ I., p. 2 f, Anmerkung.
^" Ceufels- und Rexengeschichten und anderes Jlbergläubisdies.
^'- In England und Deutschland.
-2) 123 'S)
Jinton von Steinberg, der in seinem umfangreichen, auf Studien und
Forschungen von Jahrzehnten gegründeten Cüerke über den Zirknitzer
See 2^2 auch unseres Freiherrn von Ualvasor Uorarbeiten, dieselben zwar
ergänzend und berichtigend, doch stets als anerkennenswerte Cätigkeit
hervorhebt.
(Jon ganz besonderem Interesse in dem Buche dieses Forschers ist
aber die Stelle, wo er, vom „ablaufe des Sees im Sommer" handelnd,
den Umstand, da(5 „manche Gruben binnen fünf, andere aber innerhalb
zwey bis drei Cagen, etliche gar binnen wenigen Stunden ablaufen und
versiegen", als eine „Ordnung" bezeichnet, „welche einem Daturkundigen
grofK mühe verursacht, wenn er die Beschaffenheit dieses Sees unter-
suchen will". Indem er sich nun betreffs seiner Anschauung über dieses
Ablaufen des Sees in Gegensatz stellt zu den Anschauungen üalvasors,
sagt er weiter wörtlich: „Unterdessen, obzwar ich gar gerne gestehen
will, daf) ich in der Denkungsart viel schwächer sei, als kurz (eben)
angezogener Author (Ualvasor), so hoffe ich doch, es werde vermöge des
allen Schriftstellern zukommenden Rechtes, ihre Gedanken frey entdecken
zu können, mir ebenfalls frei stehen, meine diesfälligen nieinungen an
den tag zu legen; sollte selbige hernach jemand verbessern können, dem
werde ich seine Chre, welche er sich bei der lehrbegierigen CUelt zu
erwerben suchet, keineswegs mi(5gönnen." „Indem ich — so schliefet
Berr von Steinberg, in charakteristischer Cüeise sich an unseres Freiherrn
von Ualvasor Ciefblick ins CUesen der Datur anschlief^end — eben der
nieinung bin, wie der ,von Ualvasor' gleich Anfangs seiner Beschreibung
des Candes Krain meldet: daf^ noch vieles in dem tiefen Busen der Datur
verborgen stecke, welches uns nicht wissend, sondern in künftiger Zeit
der Dachwelt zu erforschen überlassen würde." ^^*
einer ganz hervorragenden Anerkennung von Üalvasors Ciefblick in
das CUesen der Datur begegnen wir aber bei einem durch seine Cei--
stungen auf dem Gebiete der Höhlenforschung als Autorität geltenden
Gelehrten unserer Cage, beim leider zu früh dahingegangenen Franz
Kraus, der Üalvasors Stellung zur Kunde von den Petrefakten in wenigen,
aber scharf bezeichnenden CUorten also fixiert: „Die ältere geologische
Citeratur steht auf dem montanistischen Standpunkte, weil sie dazu durch
den Umstand gezwungen war, da(> man es aus religiösen Gründen nicht
^'^ Jranz flnton von Steinberg, 1. oe. hof-Caninier-Ratb, ßründlicbe Hacbricbt von
dem in Innerkrain liegenden Cirknizer See . . . Ulit dem Porträt des Uerfassers und
35 Cafein in Kupfer. Grätz 1761, 4", 235 SS.
^'' ebenda, p. $0.
'& 124 '&
gelten lassen wollte, dat5 die Uersteinerungen etwas anderes als Hatur--
spiele seien. Gs gab aber schon im 17. Jahrhundert Ceute, welche die
wahre Datur der Petrefakten erkannt haben. Im vierten Buche von Ual--
vasor,^^^ welches von den Haturraritäten handelt, wird diese alte Streit--
frage schon (16$9) besprochen." ^^^^
Had) den Urteilen verschiedener Zeiten und verschiedener l^achmänner
über üalvasors Ceistungen auf dem Gebiete der Haturkunde mag es denn
doch vielleicht der ITlühe wert erscheinen, wenn einer oder der andere
unserer zeitgenössischen, mit den Fortschritten in den Haturwissenschaften
vertrauten Gelehrten, namentlich solcher, die durch Geburt oder Beruf unserer
Beimat angehören, daran ginge, üalvasors Cätigkeit im Sammeln und
Besprechen naturgeschichtlichen IDaterials einer eingehenden Schilderung
zu unterziehen.
''' I. (IV.), p. 475 ff.
^'^ 5ranz Kraus, höblcnkunde, CUicn, Karl Gerold Sohn, 1$94, p. 4.
üalpasor und die flldiimie.
m
>alva$or$ Ringen nacb lüabrbeit, die Geistesschärfe und Bebarrlicb--
keit, womit er dieses Streben verfolgte, kennzeichnet am meisten
und besten der Grfolg, den er in jenem Zweige der Haturkunde
aufzuweisen batte, der in seinen tagen und aucb nocb lange
danach hoch im Schwünge gewesen, in der Erkenntnis von der Dichtig-
keit des 6oldmachens und des Suchens nach dem „Stein der CUeisen". '^
Jlber unser Freiherr bat sich, wie schon angedeutet, zu solcher €r-- ^
kenntnis erst mit grof^er Olübe durchgerungen.
Und das war kein klein Slück Arbeit angesichts der überall am (liege -j»
gelegenen üersuchungen und angesichts der Reibe von wissenschaftlichen 3
Autoritäten, die, wenn auch nur zumeist auf theoretischer Grundlage, der ^
lUetallverwandlung das Cüort redeten.
„Alle uns als die ausgezeichnetsten schon bekannt gewordenen
Chemiker dieser Zeiten, Cibavius im 16., van ßelmont und Silvius de le ^
Boe in der ersten Bälfte des 17. 3abrbunderts wie alle andern, erkennen ^
— sagt Dr. Bermann Ropp in seiner Geschichte der Chemie ^^^ — noch
die rnöglicbkeit der Hletallverwandlung an, einige aus eigener Anschauung
andere aus theoretischen Gründen oder weil ihnen schon die historischen
Beweise dafür genügen, aber keiner setzt sich die Realisirung zur höchsten
Aufgabe, keiner sagt, daf5 er wisse, wie die Uerwandlung der unedlen
rnetalle in Gold oder Silber zu bewerkstelligen sei. Dafür schwärmen zu
dieser Zeit eine IDenge eigentlicher Alchemisten umher, die, ohne Chemiker
zu sein, sich als Besitzer des Geheimnisses rühmen.'* Und an anderer Stelle
seines angezogenen Cüerkes sagt dieser Historiker der Chemie: „üan
Belmont ist der berühmteste Chemiker, welcher sich für die Existenz des
Steins der (üeisen ausgesprochen bat und dem dabei eine gewisse
Unbefangenheit zuzutrauen ist. üon der Uerwandlung des Quecksilbers
(niercur) in Gold mittels einer kleinen IDenge des Steins der Cüeiscn
817
Braunscbweig I$44. SpecicUc Gcscbicbtc der Cbcniie, II., p. 15$ f.
® 120 '&
— die er in niebreren seiner Schriften beschreibt — war er so erbaut,
da(5 er den ihm eben geborenen Sohn mit dem heidnischen Hamen
niercurius taufen lie(5.^^^ üan l)elmont hatte die Substanz — die kleine
nienge des Steins der Cüeisen — nicht selbst dargestellt, sondern mehr»
mals von unbekannt gebliebenen Alchimisten kleine Proben davon erhalten.
161$ wurde ihm z. B. V4 ßran von dem kostbaren Körper zugestellt,
hieniit verwandelte er $ Unzen Quecksilber in vollkommen reines 6old.
Dieses Faktum erzählt er zu wiederholtenmalen. Diese llletallverwandlung
— schliefet Kopp — ist eine der merkwürdigsten, über die uns Hlit--
theilungen gemacht sind; es ist schwer einzusehen, wie van [)elmont sich
täuschen konnte, da er ein guter Chemiker war; wie ein Betrug geschehen
konnte, da in seinem Rause, ohne Beisein des Jllchemisten, von welchem
die Substanz herrührte, die Operation geschah. Gs gehört dies 5^actum
zu denen, wie sich in der Geschichte der Cüissenschaften mehrere finden,
wo es einem fast ebenso schwer wird, die IDöglichkeit einer Täuschung
anzunehmen, als an die Cüahrheit der Sache selbst zu glauben."
CUir verweilten bei dem „ausgezeichneten Erzte und Chemiker"
van Relmont, der aul^erdem „im besten Rufe einer oft sehr weit getrie--
benen Gewissenhaftigkeit stand," deshalb etwas länger, um durch Anführung
von dessen üerhalten gegenüber der Alchimie die ersten und weiteren
Schritte unseres 5^reiherrn von Ualvasor in der anfänglichen [)ingabe an
dieselbe zu erklären und gewisserma(5en zu rechtfertigen.
Cüir haben nämlich schon in dem Abteil „Studienreisen" bei Be--
sprechung des ersten Aufenthaltes des jungen ^reiherrn von Ualvasor in
ÜJien erwähnt, da(5 der damals 25jährige wipegierige Kavalier in der
Reichshaupt-- und Residenzstadt unter Anleitung des Alchimisten de ITlonte
Snyders ein Stück Blei in 6old verwandelt habe.
Doch zwanzig und soviele J^hre später, da Ualvasor in dem Kapitel
seiner „Ghre Krains" „von dem vermeinten Silbermachen in Idria" auf
die „Alchimie, Alchimisten und Stein der CUeisen-Sucher" zu sprechen
kommt, fügt er der Grinnerung an jenes sein Experiment zu (JUien die
aufklärende Bemerkung bei: „Damit ist noch lange kein Capis Philo-
sophorum oder gerühmter CUeisen-- Stein erwiesen: Angemerkt solche
Cincturen und Cransmutationes oder Uerwandlungen nichts anders seynd,
als eine concentrirte Gxtraction des Goldes und (dies) mit keinem nutzen,
sondern grof^n Schaden geschieht, also daf) llhith und Arbeit verloren
geht und auch etwas Bold dazu. Gs fällt nicht leicht möglich, just soviel
Braunschweig IS44. Spccielle Geschichte der Chemie, II., p. 16$.
'& 127 'S»
ZU tingiren, als vorbin des Goldes gewesen, weil von der Cinctur bald
da, bald dort voas abgebt, verstreut oder verzettelt wird; denn es bleibt
bald da, bald dort bin und wieder etwas benken oder ankleben. CUo--
durcb also der Hutz verscbwindt." ^19 ,,nian kann sonst durcb cbymiscbe
Kunstgriffe unglaublicbe Kuriositäten aucb die allerköstlicbsten niedica-
nienten zuricbten, wie mir dergleicben Dinger viel zu Gesiebt gekommen,
aber einen, der Gold bätte macben können und den weisen Stein gebabt,
bat mir das Glück niemals nocb in die Eugen gebracbt, welcbe icb ver--
mutblicb aucb wol zur seligen Rübe scblief^en werde, ebedann sie eines
solcben Cüunder-Künstlers ansicbtig werden l"^^**
Der gewissen Sorte von Jllcbimisten aber ruft Ualvasor zu: „da(3 sie
gro(5er Rerren Betrüger seien, die von einem ßofe zum andern gezogen
und gro(5e Rerren und aucb andere Ceute mit ibrer Goldmacberei betrogen
baben".32i
Darob aber, da(5 Ualvasor sieb „unterstanden", „öffentlicb" zu scbreiben,
da(5 der Capis Pbilosopborum niemals in der Datur gewesen, da(5 er in
seinem Cüerke das Crügeriscbe und nutzlose der Jllcbimisten und Sucber
nacb dem Stein der CUeisen klar und deutlicb dargetan, zollt ibm sein
gelebrter Hlitarbeiter an der „Gbre Krains", Grasmus Jrancisci, das böcbste
Cob und er sagt es unumwunden beraus, da(5 „der Bauptautor dieses
lüerkes als ein Sacbverständiger und in sovielen CUissenscbaften bocb--
erfabrener Berr mit dieser seiner ,Jlbmabnung* sowol an boben f)äuptern
und andern fürnemen Berren als aucb denjenigen Ceuten selbst, die sieb
des Capidis vorzüglicb rübmen und grof^en Ferren diese ibre Dunstkunst
oder kunstgleifKnden Dunst anpreisen, sieb keines geringen Dankes würdig
gemacbt babe."322
Drei 3abre vor Jlbfassung dieses Celles seiner „€bre Krains", als er
16S5 wieder im Deutseben Reicbe gereist, ward er „zu seiner böcbsten
Uerwunderung" an zwei Orten von Ciebbabern der Gbemie darauf gefübrt,
„da(5 sie aus gewissen Bücbern etlicber seiner Candsleute sieb mit gro(5er
Hoffnung angefüllet, den Cüeisenstein zu ergraben und nacb Anleitung
derselben (Bücber) tapfer darauf gearbeitet (tapfer ibren 5^1ei(5 in die Cuft
ausgesät), indem sie festiglicb geglaubt, solcbe seine Candsleute wären
des Cüeisen Steins tbeilbaftig gewesen''. Sie zeigten ibm aucb Briefe nebst
vielen anderen Dokumenten. ... allein bei ibm „wollte der Glaube nicbt
"'' Ualvasor, Gbrc des Herzogtums Kraiii, I. (HI), p. 415.
''^' ebenda.
''' ebenda.
^" ebenda, I. (III.), p. 422.
'& 12$ "&
haften". „Cüeil ich, — so scblie(5t diese Reisereminiszenz — dem nicht
allein solche Personen als Candsleute jederzeit gar wol bekannt, sondern
auch in etwas befreundt (verwandt) gewest, am allerbesten wei(3, gleichwie
auch das ganze Cand, wie weit derselben CUissenschaft darin gereicht oder
noch reiche." 2'^^
Gs dürfte unter den oben angezogenen Büchern in erster Reihe wohl
des Krainers Johann Friedrich von Rain zu Stermol und Radeiseck des
Herzogtums Krain, Rof-- und Candrechten-Beisitzer usw., Schrift über den
Stein der CUeisen gemeint sein, welche, der Kaiserin Gleonore gewidmet,
im jähre 1680 zu Caibach bei Johann ITlayr erschienen war und den
Citel führt: Praeservativum universale naturale et natura et arte depromptum
in omni morborum genere Gst Capis Philosophorum, cujus possibilitas,
realitas, existentia et praeparatia, quantum licet quodque is solus sit
unicus morborum debellatorßercules contra Jacobum Joannem (Uenceslaum
Dobrzenski de Higro ponte Philos. et nied. Doctorem, Capidem Philo^
sophorum ejusque indefinitam in omnibus morbis curandi excellentiam
negantem.2''*
In dem Jlbteil über die krainischen Skribenten in seiner „€hre
Krains" bemerkt unser 5^reiherr von Ualvasor, dat5 er es aus Ghrerbietung
gegen die Kaiserin, der des ßerrn von Rain Schrift gewidmet, unterlasse,
an dieser Stelle über die Dichtigkeit der Gxistenz des Steins der UJeisen
nochmals zu handeln, jedoch gegen eines in der Schrift verwahrt er sich wohl
ganz entschieden, dagegen nämlich, „daf^ der Jlutor diejenigen, welche den
weisen Stein für einen blo(Kn CUahn, falsche Ginbildung und vergebliche
Hoffnung ausgeben, für majestäts Uerletzer halte". „IDöchte wol gerne
wissen — ruft Ualvasor aus — , in welchem Corpore juris oder kaiser-
lichen Reichsconstitution derselbe solches gefunden, die, welche ich in
meiner Bücherey habe, wissen gewisslich (wahrhaftig) nichts drum. Cr
von seiner Seite wolle weder den Herrn Jlutor noch seine rnitgesellschafter,
welche nur aus einer vorgefa(5ten starken IDeinung ohne Uorsatz eines
Betruges gro(Kn Herrn den CUeisen Stein recommendirt eines Crimen
laesae lllajestatis zeihen; allein fügt er bei — sie mögen zuschauen,
dal5 sie nur nicht Crimen laesae Ueritatis et 5^acultatis et Prudentiae
begehen!" Zum Schlüsse dieser Refutation wünscht unser 5^reiherr dem
^" Ualvasor, Gbre des Herzogtums Krain, I. (III.), P- 410.
■" Den Kupferstich — CitelaUegorie den IDerkur verberrlicbend — zu diesem zu
Caibacb gedruckten Buche zeichnete m. 0. (IHattbias ßreyscher ?) und ging das Blatt
aus dem auch für andere Parteien, nid)t blol3 für Ualvasor selbst arbeitenden Jltelier
unseres !?reiherrn in (Uagensberg hervor.
'& 129 -2)
Berrn von Rain, da(5 er Goldes genug davon aufbebe, besorgt aber, „der
Gewinn, so ibm diese Kunst und Jirbeit verspricht, stecke nocb ziemlich
fest und hart in Centro Impossibilitatis et Jlbysso Invisibilitatis!"
Berr jobann 5^riedricb von Rain hatte vor der Dedikation dieses
seines Buches — etwa vor sieben oder acht Jahren — der Kaiserin
„etliche eigenhändig geschriebene gro{5e chymische 5^olianten, mit schönen
(in) chymischen Farben wunderlich gemalten 5^iguren geziert, selber über--
geben." „ÖJas nun diese Bücher für ÜJürkungen gethan — bemerkt
Ualvasor — , wei(5 ich nicht." ^^^
HufKr dem Rerrn von Rain sind aus dem 17. Jahrhundert als
Alchimisten in Krain, zumindest Interessenten dafür, bekannt: ein Oheim
unseres Jreiherrn Rerr Edam von Ualvasor (Inventar seines Dachlasses 1625,
Bücherverzeichnis: Drey lat. Bücher Disquisitionum magicarum autore Del
Rio), rnartin JRdam Kunstl, anno 1646 Besitzer des Cüerkes von Del Rio:
Disquisitionum magicarum libri sex MDCIII, dann 5^reiherr von Ruessen--
stein in 5^1ödnig, zu dem l)ans Peter von Cattin als „Caborant" ge-
kommen war, der aber „die Ceuth um etlich 1000 Gulden angeführt". 2-'''
^" Ualvasor, Gbre des herzogtutns Krain, II. (IV.), p. 303 ff.
^^^ CUladiniir Cevec, Mitteilungen des musealvereins für Krain 1$06, p. 1$2.
V. Radics, Ualvasor.
Stellung zu Ceufel und Bexen,
feber Ualvasors „Befangenbeit" im „Ceufels-- und Bexenaber-
glauben" ist vielfacb gescbrieben, geurteilt und, sagen wir es
nur ganz offen, meist in einer lüeise geurteilt worden, und
zwar alles eber, als zugunsten unseres ßelebrten, was uns
den Beweis erbringt zum mindesten davon, dat^ wir nocb beute die
Gxistenz eines, nicbt blol5 Personen-- und Ortsnamen und dazwiscben die
flnfübrung ins jluge gefallener Realien umfassenden, Repertoriums zur
„Gbre des Herzogtums Krain" scbwer vermissen. Die Scbaffung eines
auf die Person des Jlutors nach seinen Gigenscbaften, Jlnscbauungen,
Überzeugungen binweisenden Inbaltsverzeicbnisses würde wobl scbon
längst der oberfläcblicben Jlburteilung seines Uerbältnisses zum Jlber--
glauben seiner Zeit für immer einen festen Riegel vorgescboben baben.
Sebr viel Scbuld an der falscben Jluffassung dieses Uerbältnisses trug
aber aucb der IDitarbeiter an der „Gbre Krains" Grasmus Jrancisci,
„der tief in dem Glauben an den Ceufel steckte"^" ^^^j ^5 jj| ^\^^^t^ seiner
langatmigen und scbwülstigen „Jlnmerkungen" — die, nebenbei gesagt,
besser dem ganzen Cüerke ferngeblieben wären — so binstellt, als ob
der „lierr Rauptautor" in allem diesem Jlberglauben des Ceufelsspukes
zugestimmt bätte.^^®
5^rancisci war es aucb, dessen CUerk „Der bölliscbe Proteus" den
ganzen ßespensterglauben des 17. Jabrbunderts aufgespeicbert entbielt.
„5^eblt, sagt Roskoff,^29 \^^\ f\^j^ protestantiscben Uerfasser aucb der
bittere €rnst der 5^urcbt vor der Hlacbt des Satans von ebedem und sind
dessen Repräsentanten nicbt viel mebr als ,CUind, Cuft und Raucb', so
ist jene (die niacbt) docb immer so gro(5, um dessen bittere 5^eind$cbaft
gegen den Illenscben auf empfindlicbe Cüeise an den Cag zu legen, sieb
,gescbäftig und trutzig* zu erweisen, die ganze CUelt mit teufliscben
''' Roskoff, Geschichte des Ceufcls. Ceipzig, Brockhaus, 1869, IL, p. 442 f.
"^ üalvasor, Ghre des Rerzogtinns Krain, I. (III.), p. 362.
»" 1. c.
^ i31 'S
,5^ürbildungen' zu erfüllen und dem IDenscben sein Ceben zu vergällen.
Denn der Satan tbut seinen möglicbsten Uersucb, da(5 er ibn von dem
Jlcker der Hoffnung auf Gott verrücke und in Uerzweiflung stürze."
CUie gegenüber der Jllcbimie seben wir unsern Ualvasor aucb im
Ceufels-- und Rexenaberglauben sieb nacb und nacb böber stellen, als
viele seiner Zeitgenossen.
Stellt !?rancisci den Satz auf: „Gs ist aucb leider nur allzu gewi(5,
da(5 der Satan mancber Orten Scbul balte und einen academiscben Professor
nacbaffe, aucb die Zubörer entweder ausdrücklieb oder stillscbweigends mit
ibm in einen Bund eingeflocbten sind, nemlicb sowol die, welcbe aus
Uorwitz obne Tntention sieb ibm zu ergeben, darin erscbeinen, als die,
welcbe wie seine gescbworene Sclaven sieb dabey einfinden**; ^^^ so sagt
Ualvasor für seine Person ausdrücklieb, da(5 er, obscbon von einem guten
5^reunde dazu eingeladen, die Satansscbule nicbt babe betreten wollen,
„und ob icb gleicb — setzt er bei — nacbmals nocb mit vielen andern
Kundscbaft gewonnen (Bekanntscbaft gemacbt), die diese Satansscbule
besucbt baben und micb gleicbfalls zum Hlitscbüler verlangten, ist docb
Gott sei Dank solcbes verdammte Jluditorium von mir verscbmäbet worden
und alle ibre Bemübung an mir verloren gangen." ^^^
Gr weist ferner an verscbiedenen Stellen seiner „€bre Krains" bei
JTnfübrung konkreter 5^älle, vom Befangensein gelebrter und ungelebrter
Ceute im Jlberglauben an den Ceufelsspuk auf €rden, diesen Eberglauben
auf das entscbiedenste zurück. So z. B. gegen Remigius beweist er, da(5
der Ceufel die Glöckner nicbt durcb den Blitz erscblage, „sondern, wofern
dem so wäre, da(5 die Glocken-Cäuter vom CUetterscblage öfter getroffen
und getödtet würden, als andre IDenscben (daran dennocb sebr zu
zweifeln), dürfte es vielmebr daber entsteben, weil sie sieb in der Böbe
befinden, angeseben vieler Orten die Glocken nicbt unten, sondern oben
im Cburm gezogen oder getreten werden: in bobe Cbürme aber oder in
Scblösser scblage der Strabl leicbter als in niedrige Gebäude." ^^'^ Gin
anderes Beispiel. „Die Bauern in der Gegend von üigaun erzäblen —
scbreibt er — aus mündlicbem Beriebt ibrer Uoreltern, daf^, als man das
Scblot5 Stein (unweit Katzenstein-Uigaun in Oberkrain) bauen wollen,
solcbes der Ceufel nicbt zugegeben, sondern was Cags zuvor aufgefübrt,
bei der Dacbt wieder eingerissen, endlicb aber die Jluferbauung desselben
^'° Ualvasor, Gbre des Herzogtums Krain, I. (IV.), p. 672.
"* ebenda, III. (XL), p. 70.
''^ ebenda, I. (III.), p. 31$.
-© 132 'S)
bewilligt habe, wofern man ihm zwar ein anderes $cblot5 darzunäcbst
anlegen wollte, weswegen man denn in einem benachbarten Felsen ein
kleines Cocb sauber ausgereinigt, eine kleine steinerne Cafel darein
gesetzt und also vermauert, doch aber ein kleines Fenster offen gelassen,
zu welchem man jedoch ohne Beihilfe einer langen Ceiter nicht gelangen,
noch hinein sehen kann. Bei dem l)ineinschauen entdeckte man noch bis
jetzo die kleine steinerne Cafel." üalvasor konnte, wie er sagt, bei seiner
Jlnwesenheit auf Schloff Stein in Grmangelung einer so langen Ceiter
nicht den Jlugenschein nehmen. Gegen die Sage vom Ceufel hat er aber
nur die lUorte: „Ich stelle zwar die 0ewi(5heit aus", das Uüort „zwar"
in der Bedeutung von: in der Cüahrheit.^^^ Doch vermutet er, da(5 es
mit diesem kleinen Coche in der Felswand ein merkwürdiges Bewenden
haben müsse, stimmt aber der Jlnnahme nicht zu, daf5 es „zur Jlbtrei-
bung des 5^einde$" gedient haben möge, um durch das 5^enster 5^euer auf
denselben geben zu können, „da ja dieses Coch keinen Eingang habe,
noch soviel Öffnung, da[5 sich eine lllaus hineinschleichen könnte, gleichwie
auch durch das Fenster mit genauer Doth eine Katze durchkriechen würde".
Und noch von einem so gestörten Schlof^bau ging die Hlär, vom
Schlö()l Chal (in Unterkrain), „wo der Ceufel, was man tag über gebaut,
nachts wieder abgeworfen habe", weshalb der Grbauer es nicht höher
habe bauen wollen. Ualvasor weist nach, „dat5 etliche dort in der Dähe
wohnhafte Bauern , dieses Stücklein gepracticiert', weil sie ihre Obrigkeit
nicht so gar nahe auf dem Balse haben wollten" — „seind also leibhaffte
Dorfteufel gewest".^^*
ÜJie sehr Grasmus 5^rancisci im Ceufelsaberglauben befangen gewesen,
geht aber aus nachstehender Stelle in der „€hre Krains" hervor. Ualvasor
schreibt: „Jlls mir die ausgedruckten Bögen ,Uon den Haturraritäten des
Candes Krain', so im vierten Buch dieses Cüerkes begriffen, überschickt
wurden, erblickte ich darin unterschiedliche subtile und scheinbare Ob-
jedionen oder Ginwürfe, womit der Jlutor der Jlnmerkung (^rancisci)
meine flleinung, da(5 die üersammlung der Igeln in einer gewissen
Gruben des Cirknitzer-Sees durch einen gewissen Zuruf sowol, als der
Schwertfischfang in Sicilien etc. natürlich und ohne einigen Uerstand
(Ginverständnis) oder Bund mit dem Satan geschähe, bezweifelt hat.
lüiewol ich nun gestehe, da(5 er solche seine Objectionen nicht allein
mit natürlichen, sondern auch theologischen üernunftfarben geziert und
"=' Ualvasor, ehre des Rcrzogtutns Krain, IV. (XL), p. 54$.
"' ebenda, IV. (XL), p. 572 f.
-2) 133 'S
wolaufgepufzt bat, so babe icb docb nacb weiterer Überlegung keine Un--
umgänglicbkeit darin gefunden, den Cirknitz'scben Igelruf sammt dem Sicilia--
niscben Scbvoertfiscbfang von der natürlicben CUirkung auszuscbliet^en."^^^
JIn die weitere Erklärung betreffs des Igelrufes im Zirknitzer See
scblief^t Ualvasor nun einen ausfübrlicben „curiosen Scbalt-Discurs von den
Pactis expressis und implicitis",^^^ der mit einer Reibe interessanter €inzel--
beiten angefüllt, aber aucb durcb die miteingefügten JInmerkungen und
Bemerkungen Iranciscis oft bis zur Unverständlicbkeit im Jlusdrucke ver-
wirrt erscbeint.
Cüenngleicb Ualvasor in diesen seinen Erklärungen von den „Pactis
expressis und implicitis" selbst dem Ceufelsaberglauben nabestebt und
z. B. sagt: „Gin pactum expressum corporale singulare sive particulare
bat der Doctor jobann 5^austus nur auf gewisse Zeit und Jabre ver-
mittels scbriftlicber üerbindung oder Uerscbreibung mit dem Satan ge--
troffen," 22^ so tritt docb in seinen Jlusfübrungen überall die Cendenz nacb
Feststellung eines natürlicben und erklärbaren Uorganges zutage.
So bericbtet er, da(5 er sieb von dem ]uden in üenedig, der ibm in
einem Glasspiegel sein Scblof? CUagensberg seben lie(5, die Zuricbtung
eines solcben Zauberspiegels erklären lie[5 „gegen Communicirung (ITlit'
teilung) eines andern ßebeimnisses, welcbes sein 6ebeimnis aber nicbt
teufliscb, sondern natürlicb war". „CUeil aber — fäbrt Ualvasor zu er--
zäblen fort — die Zubereitung nicbt natürlicb, sondern recbt nigroman--
tiscb (oder scbwarzkünstleriscb) ist: babe icb die dabei gebräucblicben
CUorte und Cbarakteren (Scbriftzeicben) nicbt aufzeicbnen wollen." Uom
Gxperimente der Uorweisung seines Scblosses durcb den jüdiscben Zauber--
spiegel bericbtet unser 5^reiberr in jokoser ÜJeise, wie er anfänglicb den 3uden
durcb yjorte in kraineriscber Spracbe, die keine 5^rage oder Begebr, etwas
zu seben, entbielten, vexiert babe, dann aber, als er, aucb in kraineriscber
Spracbe, die Frage, das Begebren gestellt babe: „leb begebre mein Scblo(5
zu seben", da wurde alsobald der Uorbang von dem Spiegel weggerückt
und er sab sein Scblo(3 CUagensberg recbt eigentlicb in dem Spiegel.
„Damals babe icb erst gemerkt, da(5 die Frage das medium pacti wäre,
weil sieb das Scblof^ CUagensberg obne CUortsprecbung meinem Gesiebt
nicbt praesentiren wollte, obnangeseben, da(3 es mein CUill und Uerlangen
war, dasselbe zu erblicken. Diesem nacb bin icb selber in das Pactum
''^ Ualvasor, Gbrc des Rcrzogtunis Krain, III. (XL), p. 57.
''' ebenda, III. (XL), p. 55 bis 100.
^" lüobei er des Doktor Hobamies Pfitzer Bcscbreibmuj des ärcjerlicben und
scbrecklicben Gndes dieses erzscbwarzkünstlers lausli zitiert.
'S) 134 'S)
iniplicituni gefallen, indem ich die CUorte gesprochen. Ob ich solches
gleich mit keinem andern Jlbsehen gethan, ohn (als) allein zu suchen,
wo das medium steckte, dann so ich es aus neugierigkeit gethan, hätte
ich wol andere Sachen mehr in selbigem Spiegel zu sehen verlangt, hat
es mich dennoch hernach genug gereuet." ^^^
Jluch dem mit Ceufelsaberglauben innigst zusammenhängenden
I^exenglauben gegenüber hat üalvasor bei aller sonstigen Befangenheit
nach der natürlichen Erklärung gestrebt. Und da war es in erster Cinie
die „Bexensalbe", die ihn zu der Grkenntnis des Betruges oder, besser
gesagt, des fürchterlichen Betrogenseins der unglücklichen Opfer des
Rexenwahnes und der Bexenverfolgungen führte. Dr. 3. B. Rolzinger^^^
hat in seiner so verdienstvollen wie gründlichen und anziehenden Schrift:
„Zur Haturgeschichte der l)exen" (Graz, Uerlag des naturwissenschaft-
lichen üereines für Steiermark)^*^^ zum Beweise der Bereitung der Rexen--
salbe aus betäubenden giftigen Kräutern auch die Stelle aus unseres
Jreiherrn von üalvasor „Ghre Krains" ausgehoben, welche solche Be--
reitung angibt. Dr. Bolzinger schreibt: „Jluch üalvasor in seiner ,ehre
des Herzogtums Krain' (Caibach 16$9, Com. I, p. 359) nennt ebenfalls
das ,5ünffingerkraut' (Pentaphyllon) und den ,Schlaff--nachtschatten* (C0II--
kirsche), dann den ,(Jüassermelk*, die ,Jlckerwurz', den ,eppich* und die
,(üolffswurtz' (Jlconitum) als in Krain wachsende Kräuter, die mit noch
einigen andern Sachen die Rexen zur Bereitung ihrer Zaubersalbe
brauchen", wobei er zugleich erklärt: „Die Salbe macht einen tiefen
natürlichen Schlaff und unterschiedliche Phantaseyen, darin der Rexe von
lauter Canzen, Pressen, Sauffen, niusik und dergleichen träumt, also da(5
sie vermeinet, sie sei (tatsächlid)) geflogen."
Und an anderer Stelle hebt üalvasor es hervor, „da(5 solche Personen,
die nur im Schlafe die Ginbildung der 5^ahrt zum ,l)exensabath' vor--
gehabt, vor Gericht dennoch bekennen, daf^ sie persönlich zum Rexentanz
geflogen und werden auf solche ihre Bekenntnis unschuldig verbrannt,
indem sie vermeinen, beim l)exentanz gewesen zu sein; denn das
Bannrecht sagt nicht: Cüann jemand bekennt, da(5 er zur Rexenversamm--
lung geflogen etc., sondern: Cüann Jemand wirklich zur l)exenzusammen--
kunft geflogen ist, soll er zum 5^euer verurtheilt werden." „Derhalben —
schlie(5t üalvasor, freilich wohl mit dem für seine Zeit nur fruchtlosen
"^ üalvasor, Ebrc des Rcrzogtums Krain, III. (XL), p. 03 f.
"' hof- und Gcricbtsadvokat in Graz.
^" Sonderabdruck aus den mitteilungen des oben genannten üereines.
'S 135 -a)
JIppell: „wäre gut, da(5 mancher Bannricbter die Pacta und die Hatur
besser unterscheiden lernte und sieb in solchen Uorfällen nicht übereilte." ^^^
Die richterliche Untersuchung in den Bexenprozessen hat sich nämlich
seit €nde des 15. 3ahrhunderts vorzugsweise immer auf den sogenannten
Bexensabbat und die persönliche teilnähme der Inkulpaten an demselben
bezogen. In gewissen Zeiten versammelten sich, wie der Rexenhammer
(nialeus maleficarum)^*^ — „dieses von Elbernheit, Zynismus und Un=
Tätigkeit strotzende Opus, den Rexenrichtern ein über sanctissimus"^*^ —
es lehrt, die Bexen, um sich dem Ceufel, insbesondere auch körperlich auf
feierliche J\\t zu ergeben, der ihnen dafür 61ück und langes Ceben ver--
sprach. Und sie verliefKn (wie man vielfach annahm, meist in der Hacht
des 1. niai) ihre Cüohnungen meist auf Besen oder Gabeln und flogen,
oft in ein Der verwandelt, durch die Cüfte dem Zusammenkunftsorte zu,
wo getafelt, um den Ceufel herum ein Canz aufgeführt und zuletzt mit
dem Ceufel gebuhlt wurde. Im rnorgengrauen ging dann die Rexenfahrt
wieder durch die Cüfte zurück. ^^^ ä
Charakteristisch ist es, da(5 Ualvasor, der auf seiner Karte des Zirknitzer S
Sees auf dem Berge Slivenca „beim Ungewitterloch" eine Bexenausfahrt ^
auf Besen und Gabeln in optima forma abgebildet hat,^*^ auf dem für ?>
die englische Societät in Condon, die „Royal Society", deren IDitglied er ^
ward, bestimmten Jlbzuge dieser Kupfertafel besagte ßexenausfahrt weg-
gelassen.^*^ -'^
Jluf Seite 43$ des ersten Bandes bringt unser Freiherr die Kupfertafel
mit der lokalkulturgeschichtlich interessanten Darstellung der Sage, wie
der Satan die Billiche auf die Uüeide treibt; und er unterlä(5t es auch
nicht zu melden, da(5 er vor etlichen Jahren selbst mit anderen bei der
Dacht in einen CUald zum Billichfange gegangen, „wo wir dann — fügt
er bei — ein starkes Knallen und Schnalzen gehört, wie die 5^uhrleute
mit der GeifKl (Peitsche) schnalzen". „Die Ceute sagen, wann ein solches
Peitschen-ßeklatsch, so vom Ceufel herrühre, erschallt, auch hernach darauf
gepfiffen wird, so müsse man davon lauffen, wiewol derselben keiner mir
die rechte Ursach zu sagen wei(5, ohn allein, wie andere ausgeben, daf^ der
Satan denjenigen, der, wann er gepfiffen, nicht ausweichen will, umstof^e!"
3*' Ualvasor, ehre des Herzogtums Krain, III. (XL), p. 102.
'*'' Zuerst gedruckt zu Köln a. Rb. 14$9.
'^^^ Dr. Rolzinger, a. a. 0., p. 9.
^** nialeus maleficarum, Pars II, questio I, cap. 2.
^^ Ualvasor, Gbre des Rerzogtunis Krain, I. (IV.), p. 632 u. 633, Ginlage.
^^^ Brcbiv der Royal Society.
^ 136 ®
Der scbon genannte üerfasser des Buches über den Zirknitzer See, Rerr
von Steinberg, stellt es aber um die IHitte des 1$. Jahrhunderts fest,
dal? das Schnalzen und Pfeifen, das man bei den zur Dachtzeit und bei
5^ackelschein angestellten Billichjagden in den benachbarten CUäldern zu
hören bekomme, nicht vom Ceufel, sondern von der Hachteule herrühre,
die „aus Zorn über das lackellicht schnalzet und pfeifet," worauf die
Billiche zur Rettung ihres Cebens die Flucht ergreifen und in die von
den Bauern an die Billichlöcher hingeworfenen Kleider schlüpfen und auf
diese Cüeise leicht gefangen werden. ^^^
Obschon wir üalvasor diesem Ceufelsspuke mit den Billichen gewisser--
ma(Kn beipflichten sehen, da „viele vornehme Personen im Cande, die
es nicht haben glauben wollen," bei Selbsterfahrung des „Schnalzens,
Klatschens und Starkpfeifens" „allen Zweifel aufgegeben", kann man doch
im allgemeinen und im Einblicke auf die früheren Ausführungen es fest-
halten, dal5 er einem irdischen Jluftreten des Satans im ganzen mehr als
skeptisch gegenübergestanden habe.
J!nders verhält er sich dem d)ristlichen Glauben an den ßöllenteufel
gegenüber in seinem Cheatrum mortis humanae, Pars III. Uaria tormenta
damnatorum oder Schaubühne des menschlichen Cods,^*^ wo er im dritten
Ceil „Die Unterschiedliche Röllenpein der üerdammten"^*^ in lüort und
Bild zur Darstellung bringt und in feinst ausgeführten, von seinen Jltelier--
künstlern, dem Zeichner ]. Koch und dem Kupferstecher Jl. Crost, gefertigten
Kupfern in 30 üariationen den Ceufel an seinen Beschäftigungen mit der
Böllenpein aufweist, wobei auch als erstes Bild das CUeib, das sich durch
kleine ÜJollust beim Hexensabbat gro(Ks ewiges Ceid aufgeladen hat, zu
schauen ist, wie es mit entsetzten ITlienen und sich sträubendem Raar,
die verhängnisvolle Reitgabel in der Cinken, mit der Rechten sich anhaltend
am Schweife des in Bocksgestalt dargestellten Satan — auf diesem reitend —
zu dem Röllenflammenmeere hinabfährt, darüber die Inschrift: Dolite dare
locum Diabolo — Gebt auch nicht Raum dem Ceufel (Gphes., Kap. 4),
welche Cüarnung der Schrift aber die l)exe im Ceben in die Cuft geschlagen,
da sie den Ritt mit dem buhlenden Ceufel unternommen — am l)exensabbat!
"' Gründliche Dachricbt vom Zirknitzer See, p. 12 ff.
'*"* Uon ]obann ÜJeikbard üalvasor: Cbeafrum mortis humanae triparlitiim,
I. Saltum mortis (Codtentanz), II. Uaria genera mortis (Undtcrscbiedlicbe Cods-
gattung), III. Poenas damnatorum continens (Der Uerdammten höllenpein). Gedruckt
Caybacb 1682, 4^ 255 SS.
'■'''•' ebenda, p. 194 bis 255.
Palpasor und die Künste — selbst Künstler*
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er auf seinen weiten Reisen in Deutschland, Italien und 5^rankreicb
mit Cüerken der Kunst erster IDeister bekannt gewordene 5^reiberr
von Ualvasor, der, von diesen seinen Studienreisen auf sein
roniantiscb gelegenes $cblo(3 Cüagensberg beimgekebrt, bier in
seinem „museum" — wie er seine Sammlungen nannte — ungefäbr
9000 Bandzeicbnungen, Rolzscbnitte, Kupferstiebe aus allen Cändern be--
wabrte, war ein feiner Kenner der Kunst in allen ibren Zweigen und
selbst Zeicbner, dann Künstler im modellieren von Statuen, beziehungsweise
in Herstellung des verfeinerten Grzgusses für dieselben.
5^reund und Schätzer der Hlalerei, Bildhauerei, der Kunst des Kupfer--
stechens, bat er die in der Beimat zu seiner Zeit vorhandenen CUerke der
beiden erstgenannten Künste getreulich der Dacbwelt bekanntgemacht und
der Erinnerung bewahrt, sowie für letztgenannte in seinem Beim zu
Cüagensberg ein eigenes Kupferstichatelier eingerichtet, zunächst zu seinem
eigenen Bedarfe, für seine in Uornahme begriffenen CUerke, für die er
von vornherein das Erscheinen „in lüort und Bild" ins JFluge gefaf^t hatte,
aber auch zur Übernahme von Illustrationsarbeiten für (Uerke anderer.
Ualvasors Jlufzeicbnungen verdanken wir vorerst die ^Feststellung des
Uorhandenseins eines Cintoretto in Krain, in der Stadt Rudolfswert in
Unterkrain,^^^ und zwar in der heute sich einer besonderen Sorgfalt
erfreuenden Kollegiatkapitelkirche, deren kunstsinniger Uorstand, der
infulierte Propst Dr. Glbert, auch Cintorettos Gemälde gegenüber vor--
züglich bewährt. In betreff des Gemäldes von Cintoretto daselbst schreibt
aber Ualvasor also:^*^^ „Die Collegiatkircbe hat lauter neue Jlltäre nebst
den schönsten Gemälden, in dem hoben Jlltar, so ehelängst nach denen
prächtigsten Bauregeln von Berrn Grafen von Churn Probsten aufgeführt,
^^° über dieses beute noch daselbst vorbandetie ITIeisterwerk bandelt Prof. Riuio
Skopal ausfübrlid) im 3abre$bericbte des OberciV"inasiuni$ in Rudolfswert IQOI.
^^* Ualvasor, Gbre des berzogtunis Krain, III. (XL), p. 4$5 f.
'S 13$ 'S
ist das ßeniäbl des beil. Bischofs Dicolai gro(5 und unvergleicblicb von
dem Pinsel des beriibniten Künsllers Cintoret eines unscbätzbaren lüertbs
zu seben."
ferner bericbtet unser treiben von den Cüerken eines niederländiscben
Künstlers, des Jlntwerpener IDalers Jllnianak, der das Refektorium des
alten Caibacber Jranziskanerklosters (später Cyzealgebäude, seit dem Erd-
beben 1$95 demoliert), 2^2 ^ann $cblol5 Stroblbof bei Caibacb,^^^ das kleine
$cblö(5lein Cburnigg bei Sonnegg (unweit Caibacb)^^* und $cblo(5 Stauden
(in Unterkrain)^^^ mit kunstreicben IDalereien geziert babe; in den meisten
Scblössern des Candes wurden denn aucb, wie er feststellt, Stukko--
arbeiten ausgeführt, welche die Gemälde dieses Hleisters und anderer mehr
oder minder hervorragender Kunstgenossen^^^ umrahmten. Uon Jllmanak
fanden sich auch noch Gemälde der Stadt Caibacb und von Schloff
CUagensberg."'"
Diese letztgenannten Kunstwerke sind heute fast sämtlich verschwunden,
zum mindesten verschollen — nur Rudolfswert bewahrt, wie schon erwähnt,
seinen Cintoretto! — und in Stroblbof sind auch noch die 5^resken von
1693 erbalten.
„Cüo die Kunstwerke von JInschauern verlassen sind und keinen Be=
wunderer finden, da müssen sie zu Grunde gehen," ruft der Kunstfreund
üalvasor entrüstet aus im Binblicke auf das Gebaren des zeitgenössischen
Uerwalters von Schloff Kaltenbrunn bei Caibacb, welcher „das mit köstlicher
rnalerei von den fürnemsten meistern bekünstelte Getäfel" auf diesem
damals den PP. 3^suiten von Criest gehörigen Herrensitze achtlos zu-
grunde geben lief^, „bei welchen Uerwaltern die Silber--5^arbe (der Caler)
und die Rechnungen allein Jlufsicbt und Fürsorge genief^en". £s wundert
unsern edlen 5^reiherrn, da(5 die Rerren 3esuiten von Criest ihren Pflegern
und Uerwaltern dies so hingeben liefen, „wiewol sonst die netten Ordens--
leute der Societät 3esu den Kunststücken der rHalerei wie aucb säubern,
wolausgescbmückten lUobnungen ruhmbekanntermafKn nicht feind seynd".'^-'^
folgen wir nun dem Uerfasser der „€hre Krains" auf sein Schlo[5
Cüagensberg und in den Kreis der Künstler, die er daselbst zum Zwecke
'" Üalvasor, 6brc des herzogtums Krain, III. (XL), p. 602.
^'' ebenda, III. (XL), p. 566.
''' ebenda, IIL (XL), p. 556.
''' ebenda, IIL (XL), p. 578.
"" 01adid), Gerici u. a.
^" Uiktor Steska, Izvestja muzejskega drustva za Kranjsko 1Q02, XIL, p. 51.
^''^ üalvasor, Cbre des l^erzogtunis Krain, HL (XL), p. 2951.
'S) 130 'S)
der Tllustrierung seines Hauptwerkes wie seiner übrigen Publikationen
versammelt hatte.
£x ladet uns biezu durch nachstehende CUorte ein:
leb bin aucb ohne Rubm zu sagen der erste gewesen,
der in dieses bocblöblicbe herzogtbum 0rain die
Kupferdruckerei eingeführt, ja icb babe bier in
Cüagensperg im Jabre 167$ (am 12. Jlpril)
selbst ein solches CUerk aufgerichtet und etliche
Kupferstecher und Drucker bei mir im Scblob unterhalten.^^^
Da waren auf^er ihm selbst, dem flotten Zeichner, der soviele Schlösser,
rnärkte und Orte in Krain mit eigener Rand „abgerissen", die Zeichner und
nialer Peter WJerex (aus Jlntwerpen),^^» Johann Koch (aus Rudolfswert)
und 3^^^"^ ÜJerex, ein gebürtiger Krainer, die Kupferstecher Jlndreas
Crost, der auch üischers Copographie von Steiermark illustrierte, Jltzelt
und rnüngersdorff und üalvasors intimer Ireund, der kroatische Jldelige
Paul Ritter Uitezovich^^^ in Herstellung der künstlerischen JIrbeiten für
das Hauptwerk zunächst und dann für die übrigen ÜJerke üalvasors
unermüdlich tätig, Jlu(5erdem erschienen als Gäste daselbst die maler
3. Jl. Boener und IDatthias Greyscher, deren ersterer das so stimmungsvoll
stilisierte Citelblatt : Die Huldigung Carniolas für das Haus Habsburg in
der „€hre Krains" sowie in demselben Cüerke das Poträt des Ritters
Rauber mit dem langen Barte gezeichnet, während Greyscher das Porträt
des 5^reiherrn von Ualvasor selbst geliefert hat, das wir in korrekter
CUiedergabe im „Kronprinzenwerke'*, Österr.--Ung. Monarchie in CUort und
Bild, Band Krain, begegnen, das weiters k. Rat Professor kranke in
gro(Km rna(5Stabe für die 5^amilie Praschniker (auf Schloff Galleneck) aus-
geführt und das auch diesem Buche vorangestellt erscheint. Cüährend der
Zeichner Johann Koch seine Bilder in der „Ghre Krains" mit seinem vollen
Damen signiert hat — wir finden von ihm hier figurale Zeichnungen
im ganzen 74 — , sind die von Cüerex und von Ualvasor ausgeführten
Zeichnungen mit den ITlonogrammen WV. und WV., auch I. W. V.
signiert, solchen Signaturen begegnen wir im ganzen 103 Stücken; der
Kupferstecher Paul Ritter signiert mit P. R., mit P. R. f. und P. R. fc,
^^^ Ualvasor, Ehre des Herzogtums Krain, III. (XL), p. 620.
360 Izvestja muzejskega drustva za Kranjsko a. a. 0., p. 53.
^^^ Uon Paul Ritter dürfte, wie der Konsistorialrat f. b. Kanzleidircktor Rerr Uiktor
Steska richtig anzunehmen scheint, auch ein in dem f. b. museuni für kirchliche Kunst
in Caibach befindlicher Kupferstich „muhamcd" mit kroatischer Unterschrift herrühren,
da dieser Stich auch mit P. R. signiert erscheint.
® 140 'S)
wir zählen im ganzen 25 Stücke von seiner Rand (signierte), der Kupfer--
stecber P. niüngersdorff erscheint mit dieser Signierung auf 10 Stücken.
— Die übrigen in dem CUerke die „Ghre Krains" enthaltenen Bilder
weisen keine Signierungen, erscheinen öfters sehr rüde ausgeführt und
dürften wohl von Jlnfängern und vielleicht von befreundeten Dilettanten
herrühren, öfters auch von besserer Band in €ile hergestellt worden sein,
wie es eben der 3^ortgang des in llürnberg in Druck gegangenen ÜJerkes
mit sich gebracht haben mag. Den meister-Kupferstecher Jindreas Crost
finden wir mit den IDonogrammen X, S, A. T. F., aber auch mit dem
vollen Damen Crost und dem Beisatz sculpsit, auch Ritter erscheint mit
dem Beisatz sculpsit einigemal, Ritter auch als Paulus Ritter, [Düngers»
dorff als Petrus niüngersdorff, dieser einmal auch P. Mun., auch einmal
blo(5 P. M., Crost mit An. und And., einmal Andeas. — Köstlich ist eine
Bemerkung, die Ualvasor über eine Zeichnung seines sonst so tüchtigen
lllustrateurs 3ohann Koch macht, der, als es sich darum handelte, die
Grmordung des Kaisers maximinus und dessen Sohnes von Jlquileja zur
Darstellung zu bringen, beide Fürstlichkeiten unter einer Bettdecke in
einem sogenannten doppelspännigen Bett schlafend zeichnete, „weil ihm
— wie Ualvasor bemerkt — das Illuster der römischen Zelt-- und Ruh--
oder Faulbetten unbekanndt gewest," der Freiherr entschuldigt aber das
Ginrücken dieses Bildes in das ÜJerk mit den UJorten: „dabey maus
dann gern hat wollen bewenden lassen, damit der Ceser desto besser
erkennen möge, da(5 sie (die Fürsten) in der Ruhe überfallen und um--
gebracht worden". 2*^2
Dieser Jlnachronismus hat übrigens dem Bilde vom Standpunkte
künstlerischer Jlusführung keinen Eintrag tun können, da auch hier
die Zeichnung, wie im allgemeinen in den Bildern Kochs, eine nach
jeder Richtung hin zufriedenstellende, ja in betreff der figuralen Dar--
stellung auch über das lliveau des 6uten weit emporragende ist,
namentlich was die Lebhaftigkeit der Bewegung in den Figuren der
JIngreifer anlangt, die in dem richtigen Gegensatze zu der Ruhe der
sorglos Schlafenden aufgefa(5t und wiedergegeben erscheint.
meisterhaft sind aber geradezu die JIrbeiten des Zeichners Koch für
des Freiherrn von Ualvasors Cheatrum mortis humanae zu nennen, in
welchem (JUerke er die kleinen Bildchen des zweiten und dritten Teiles
„Unterschiedliche Codsgattung" und „Peyn der Uerdammten" geliefert hat,
über die J. D. Fiorillo sich sehr lobend ausspricht, indem er bemerkt:
''"' Ualvasor, Gbrc des Herzogtums Kraiii, IV. (XIV.), p. 141 f.
'S) 141 ^
„Die Kupfer sind sehr interessant und mit zarten JIrabesken verseben;
die zarten JIrabesken finden sieb übrigens aucb in den Umrabniungen
der Bildeben des ersten Cbeiles, des eigentlicben, ßolbein nacbgebildeten
Codtentanzes, vvelcbe Bildd)en aber keine Signirung 3ob. Kocb del weisen!"
Die ntarienstatue In Cafbacbt Ualva$or$ UlcrK*
Cüie aber Ualvasor, der — was wiederbolt erwäbnt worden — die
Skizzen zu den Bildern in dem Scblösserbucbe der „Gbre Krains" zum
grö(5ten Ceil nacb der Datur entworfen, ein gescbickter Zeicbner gewesen,
so besa(5 er aucb zum Bildbauer ein bobes Calent, wie dies nocb beute
die den St. O^k^^l^^platz in Caibacb scbmückende formvollendete Hlarien-
statue — sein CUerk — beweist.
CUenn wir kurz auf die €ntstebungsgescbicbte dieser Statue unsern
Blid lenken, so erfabren wir, da(5 scbon im Jdihr^t 1664 die Stände des
Herzogtums Krain aus Dankbarkeit, dat3 Pest und Cürkennot vom Cande
ferne geblieben, die €rricbtung einer Statue zu Gbren der niutter Gottes
gelobten. Docb bis zur Husfübrung dieses Gelöbnisses wäbrte es eine
Reibe von 3abren. Grst im ]abre 16S0 seben wir die ersten Uorbereitungen
zur Inswerksetzung derselben getroffen; „die Pest, sagt der beimatlicbe, best-
verdiente Historiker unserer Cage, Herr Pfarrer j. Urbovnik, welcbe 1679 in
CUien gewütet und bis Steiermark berübergekommen war, bat im Caufe dieses
jabres die Herren bei uns an das Gelöbnis erinnert, das sie getan batten".^^^
Bm 10. niärz 1680 erscbien beim 3esuitenkollegium, am beutigen
3akobsplatze die landscbaftlicbe Kommission, bestebend aus dem Präsi--
denten, dem Grblandmarscball und dem Grafen Cburn, um über die Stelle
scblüssig zu werden, an welcber die Statue aufgestellt werden solle. Ulan
einigte sieb auf den Gottesacker und es wurde gleicb tags darauf eine
da befindlicbe Hlauer niedergerissen.^^*
Inzwiscben batte man das Jlnerbieten Ualvasors, die Statue zu
modellieren, entgegengenommen, aber zugleicb aucb, so gleicbsam in der
Jlbsicbt, eine Konkurrenz zu scbaffen, in Uenedig ein niodell bestellt.
Jluf die Bitte Ualvasors, „ob er an der Statue zu laboriren anfangen
solle," meinte in einer Sitzung der Candscbaft der Dompropst: „Cüegcn
der Statue würde das von Uenedig erwartete Mlpdell diese CUocbe da sein,
worüber die Herren Uerordneten mit Ualvasor weiter deliberiren werden." ^''•^
^^^ Izvestja muzejskcga druslva za Kranjsko l$Q5, Cetnik V., p. 200.
^'^^ Diarium Collegii $. ], - ms. im landschaftlichen Archiv iin Illuscum Rudolfinum.
36
•■ Candtagsprotokoll, Band XXX, fol. löl.
'S) 142 'S
und da(5 tatsäcblicb eine niarienstatue aus üenedig nach Caibacb kam,
gebt aus einem weiteren Candtagsprotokolle bervor. Cüir lesen nämlicb
unterm jabre 1679, 17. 3inii: $ub eodem erbellet, wie dat5 die von denen
löblicben Ständen unser lieben 5^rauen zu Gbren aufgericbtete Statue bey
denen P. P. Soc. Jesu und zwar nur was den Baumeister betrifft, 3500 fl.
gekostet, die Statue Unserer Cieben 5rau aber, welcbe zu Uenedig gegossen
ist, sambt der grof^en Saul bat a parte bezalt werden müssen." ^^•^
In einer Sitzung der Candscbaft nocb im Jabre 1680 vertröstete der
Candesverweser unsern 5^reiberrn von üalvasor mit den CUorten: „CUegen
der Statue wäre die JIntwort (für üalvasor) zu erwarten. Inzwiscben könne
man eine bölzerne bei den Jesuiten aufsetzen, bis die metallene gegossen
wird. Übrigens soll man üalvasor 1500 fl. und den Jlusstand nacbseben."^^^
-- Die Statue aus üenedig entspracb nicbt!
So ging er denn, der edle Patriot, ungeacbtet des Zwiscbenfalles mit
der Bestellung in üenedig, aus Ciebe zur Reimat und aus Pietät für die
Sacbe rüstig ans Cüerk.
Obne eine Crwäbnung der üenediger Statue scbreibt in vornebmer
Gesinnung der üerfasser der „Gbre Krains" mit scblicbten Cüorten von
seinem Cüerke also:
„Dieses Cüerk bat die Eöblicbe Candscbaft auf eignen Kosten macben
lassen und ist zu dessen Jlusarbeitung im 1680. 3abr der Jlnfang ge=
macbt worden im nionat IDärzen, da man zu einem tiefen Grunde nacb--
gegraben. Gs ist aber alles von scbönem verscbiedener Arten bestpolirten
marmel gebildet. Die Säule bestebt aus einem eingesprengten rarem
rnarmel in einem Stück. Das Gapitell oder Scbafftgesims aber zeigt den
Genuesiscben wei(5en marmel. Das Postament und Säule ist nacb meinem
zuvor gemacbten niodell ausgebildet worden. Jluf den untern vier Postu--
menten sibet man von barteni grauliebten oder weiften Stein ausgearbeitete
vier Bilder: 1. S. 3osepbs, 2. S. Ceopolds, 3. S. Ignatii und dann 4. S. 5^ran--
cisci Xaverii. Oben auf der Seul aber pranget das von einem Stück ge--
gossene Bild der ITlutter Gottes, so icb nacb meiner Erfindung bilden und
giel^en lassen und stetigst dabei verblieben. Und zwar babe icb zum
bilden den kunslreicben Cüolff (üeif^kircbnern, Bildbauern zu Salzburg,
^^^ Peritzhoffen Carl $. v., Carnioliae Pragmatica (aus den Protokollen der krain. Cand»
scbaft), Pars I, 27. Hr. 42. IDs. in der 6raf Barboscben Scblobbibliotbek (in Kroif^enbacb).
'^^ Dazu bemerkt llerbovec in seiner 0escbicl)te der Stadt Caibacb, p. 53: Dabei
mag aber bemerkt werden, dal3 man nicbt etwa in biober Berücksicbtigung seiner
Uerdienste üalvasor diese 0nade gewährte, sondern weil man damals jedem Bittsteller
gerne einen Steuernacblati bewilligte.
'%
"& 143 ®
gebraucht, zum gleiten aber des ßlockengief^ers Christoph Schlag's, so erst
unlängst gestorben, mich bedient; da es dann hier zu Caybach vor dem
Carlstädter Chor in dem 6ie(5hause JRn. 16$1 den 16. December zwischen
11—12 Uhr glücklich ohn einigen Stehler sammt der (von der Darstellung
der Schlange umgürteten Grd) Kugel völlig in einem Stück so acht CUerkschuh
hoch und auch in einem Guf^ verfertigt. Und darauf im nachfolgenden
16$2. 3ahr den 21, Hlerz, so damals ein Charfreitag war, von dem einer
Cöbl. Candschaft verordneten Baumeister Hlarcello Genevese aufgesetzt
worden."^^^
Das 0ie(3haus des 01ockengie(5ers Christoph Schlag, eines üorgängers
der seit der ersten Bälfte des 1$. Jahrhunderts bis heute in Caibach
ansässigen und ruhmvollst in fachlicher wie sozialer Beziehung wirkenden
ßlockengiefKrfamilie Samassa (k. u. k. priv. Rofglockengief^erei), befand sich
in dem heutigen pause Hr. 15 der Karlstädter Strat^e (durch Dezennien
unter dem Damen CUasserkaserne bekannt — der Besitzer hie(5 nämlich
CUasser und das ziemlich grof^e, mit schöner Rokokofassade versehene
Baus diente längere Zeit als Kaserne), gegenwärtig Mietshaus im Besitze %
der 5^rau Olga Rudesch-Kosler. ^
Zum Zwecke des Gusses der ITlarienstatue lie[5 üalvasor, wie er an ^
anderer Stelle berichtet, ^'^^ die 0rube viel tiefer graben, „damit ich —
wie er beifügend erklärt — das IDodell der Statuen, welche ich von
IDetall hatte gief^en lassen, drein setzen mögte".
Die ^Feierlichkeit der Jlufstellung der Statue der unbefleckten Gmp--
fängnis Hlariens ward durch eine Prozession eingeleitet und es wohnten
derselben aufKr den zunächst beteiligten Faktoren auch die Jesuiten-- :
rektoren von 6örz, Criest und ^^iume bei.^^*^ -^
Elle aber, welche die Statue sahen, waren in hohem Grade befriedigt
von der künstlerischen Ausführung derselben. In der Sitzung vom $. ]uli
16S2 wurde unserm S^reiherrn „im versammelten Eandtage" das un-
eingeschränkte Cob für diese seine künstlerische Ceistung zuteil. Der
Candesverwalter enunzierte, wie wir heute sagen: „Berr üalvasor hat die
Statue mit sonderm Ruhm gegossen, die alle ^^remden in üerwunderung
zieht und andere Statuen übertrifft. Das CUerk wird den lUeister viel
hundert ''Sd\)n loben, man hat ihm derentwegen noch nichts gethan
(entschädigt), au(Kr da(5 man ihm die Materialien bezalte, wären also
^^^ Ualvasor, Gbre des Herzogtums Krain, III. (XL), p. 6$Q.
=»«« ebenda, I. (III.), p. 429.
^'° Diarium Praefecturae Scbolarum $.]. - JIrcbiv im Hhiseum Rudolfinum in Caibacb.
'& 144 'S)
600 fl. mit Jlnitsgelegenbeit anzuschaffen und auf neudckberiscben JFIus-
stand eine Quittung von 900 fl. auszufertigen." Freiherr von Cebenberg
fügte hinzu: „Dem I)errn Ualvasor soll man die 2000 fl. völlig ersetzen
und nach und nach von dem ausstände abraiten." Endlich wurde der
Beschlu(5 gefat)t: „600 fl. mit Hmtsgelegenheit anzuschaffen, 900 fl. bei
Heudek anzuweisen und den völligen Jlusstand (Steuerrückstände von
seinen Gütern) nachzusehen." ^71
Ualvasor lie(5 schon gleich zur 5eier der Fertigstellung der Statue die
später der „Gbre Krains" einverleibte Abbildung derselben in ihrer J!uf-
stellung auf dem St. 3akobsplatze"2 in Kupferstich ausführen und
präsentierte ein Gxemplar dem Magistrate der Stadt Caibach und es gab
unterm 6. O^ni 16S2 der Oberstadtkämmerer „auf Befehl des l^errn
Bürgermeisters dem Diener des i)errn Cüeickhardten Ualvasor, welcher das
andre Kupfer, Jlbrif^ der Statue Unser lieben Frauen der vnbefleckten
empfängnus niariae, Ginem €r$amen IDagistrat Praesentirt, 2 Fünffer
id est 35 kr."373 q^s Jahr zuvor (16S1, 1$. Jlpril) hatte des Rerrn
Ualvasor Diener „pro die Ginem Grsamen IDagistrat verehrte Kupferstich
(wahrscheinlich eine frühere Jlbbildung der projektierten Jlusführung der
Statue) einen Chaler id est 1 fl. 46 kr. 2 Pf." als Geschenk aus dem Ober-
stadtkammeramte erhalten."*
Tm 3ahre 1689 — also noch zu Eebzeiten Ualvasors und gerade um
die Ausgabe der „Ghre Krains" — besuchte der berühmte Kardinal
Kollonitsch auf der Reise von lUien nach Italien die Stadt Caibach und
war hier Gast der Jesuiten; vor seiner Jlbreise auf dem Caibachflusse
in der Richtung gegen Oberlaibach verrichtete der Kardinal an der
IDarienstatue seine Jlndacht und empfahl seinen CUeiterweg niarien, der
[)ilfe der Christen."^
Im 3ahre 1844 wurde das im Caufe der Zeit durch die Unbilden der
CUitterung arg mitgenommene Hlonument abgetragen, die Statue der
lllaria selbst aber in die St. Jakobskirche übertragen. Durch die rastlosen
Bemühungen der Pfarrherren von St. Jakob, I)rovat und Köstl, gelang es
aber, eine neue Säule aufzurichten und im Jahre 1870 konnte weil, der
kunstsinnige Fürstbischof von Caibach Dr. Johann Chrysostomus Pogacar
="' Candtagsprotokon, Band XXX, fol. 357.
''"'- Ualvasor, Gbrc des Herzogtums Krain, III. (XL), p. 6$9.
'"' Archiv der Stadt Caibach, Busgabenbucb ex 16$2, fol. Sl/b.
^"* ebenda, Ausgabenbuch ex 1681, fol. 43/a.
^'•' Diarium Collegii Soc. 3esu Cab. (im Archiv des Uluseums Rudolfinuni in
Caibad)), ad annum 10$Q, 2S. und 2<^. August.
'S 145 'S)
die 5^eierlicbkeit der neuaufstellung von Ualvasors Kunstwerk vornehmen, ^'^
und im Jahre 1906 erstrahlte das üotivbild in ganz besonders schöner
Beleuchtung anläf^lich der seltenen 5^eier der Sekundiz des, wie um seine
Pfarrkirche und seinen Pfarrsprengel, so auch speziell um die Sorgfalt für
die lllarienstatue vielverdienten Prälaten und Stadtpfarrers zu St. Jakob
Johann Rozman.
Ualv^asor al$ Erfinder des Tcingusses.
Rat Ualvasor durch seine Beschreibung und Abbildung der ITlarien--
statue in der „€hre Krains" seine Urheberschaft dieses noch heute eine
Zierde der Stadt Caibach bildenden Uotivdenkmals dem grofKu Cese--
publikum der IDit- und tlachwelt selbst vor flugen gestellt, so blieb bis
vor kurzem — als es mir gelungen, die betreffende Quelle nachzuweisen,
beziehungsweise wiederzufinden -- verschollen, da(5 er der Grfinder des
verfeinerten Grzgusses, womit er in Gngland gerechtes Aufsehen erregte.
Sein diesbezüglicher Brief, den er als in Jlussicht genommenes IDit--
glied der Königlich englischen Gesellschaft, der Royal Society — was er
dann auch geworden^" — , an den Sekretär dieser „Sozietät" Comas 0ale
gerichtet, wurde von diesem auszugsweise in den Cransactions Philos.
Jlngl. vom Jänner I6$7 mitgeteilt und ging von da in die Acta Grudi--
torum in Ceipzig 1692, Suppl. I, p. 315 ff. über. Cüir teilen diesen Brief
im JInhange mit, unter Beigabe der von Ualvasor gelieferten Zeichnung,
die wir aus der gleichen Quelle reproduzieren.
Unser 5^reiherr setzt in diesem Schreiben, welchem, wie angedeutet,
ein Kupferstich — eine Panstatue mit zugehöriger 0u()Vorrichtung — bei--
gelegt war, dem englischen Gelehrten im Detail die methode auseinander,
Statuen aus Hletall zu fertigen, und zwar nach seiner Erfindung des
feinen Grzgusses, welche Feinheit bisher nicht bekannt gewesen und in
der Praxis nicht vorkomme.
Die ausführliche technische Beschreibung, auf die wir natürlich hier
nicht näher eingehen können — und die wir daher in den Anhang ver--
vveisen müssen — , umfaf^t im Drucke der Acta Gruditorum vier Seiten
Quart und es ist für das Uerständnis der beigeschlossenen Kupfertafel
durch Erklärung im Cexte bestens gesorgt.
"° ürbovnik, Izvestja muzejskega drustva I. c, p. 200.
^" Siebe den Abteil: Ualvasor, lllitcilied der Köiiicjlicb Giujländisdicn Sozietät
in Condon.
V. Radics, Ualvasor. 10
^
■© 146 'S)
üalvasor sagt in der Einleitung, dal5 er zu dieser IDitteilung an den
Sekretär 6ale schreite, da er die Genugtuung besitze, die königliche Sozietät
habe ihm dazu den Befehl erteilt.
Jlber nicht allein gro(5e Statuen aus Grz hatte er bei seiner neuen
niethode ins Jluge gefat^t, auch auf die Förderung von Kunstwerken en
miniature war er dabei bedacht und sorgte für Jlnfertigung derselben auf
solchem Cüege vor. ]a, er gab auch CUinke wegen besserer Jlnfertigung
von Gipstypen, aber — setzt er bei — er sei überzeugt, da(5 man die
Jlrt, solche zu fertigen, in Condon bereits sattsam kenne, daher er darüber
nicht viel Cüorte machen wolle.
Den Schlu(5zeilen dieses Briefes entnehmen wir die hochinteressante
Hotiz, da[5 Ualvasor um diese Zeit (1687) mit den Ständen Krains die
Errichtung einer überlebensgrof^en Reiterstatue Kaiser Ceopolds I. in Caibach
plante, und zwar auf Grund der eben erörterten Erfindung, doch mufften
seitens des unruhigen Dachbarn, des Cürken, andere Zeiten kommen.
Er sagt wörtlich: „Ractenus equidem nullam adhuc fundere aggressus
sum, quae ultra novem pedes altitudinis habuerit: neutiquam tamen dubito,
quin, eadem observata methodo, tales in quacunque magnitudine desiderata
parare valeam. Bc sane, quamprimum quietiores erimus a malo nostro
vicino Curca, animus est unica fusione conflare statuam Imperatoris nostri
Ceopoldi I equo insidentis, multo grandiorem naturali statura: imo jamjam
de sumptibus et impendendis cum Statibus hujus provinciae et forte dudum res
ad finem perducta foret, nisi bellicis hisce motibus turbati fuissemus etc."^^^
Ualvasor erzählt zwar im dritten Bande seiner „Ehre Krains" bei
der Schilderung der im j^'^i*^ ^^^^ i" Caibach dem Kaiser Ceopold I.
persönlich dargebrachten „Erbhuldigung" der Stände des Herzogtums
Krain,3'3 daf) der aus diesem feierlichen JInlasse von der krainischen
Candschaft gefa(5te Beschlufr „zum Jlndenken an diesen historischen J!ct
ein nionument und Gedächtnis-Säule mit einer behörigen Inscription (oder
Jlufschrift) der Posterität zur Dachricht und Jlngedenken aufzurichten", auch
nach der Zeit getreulich ins Cüerk gesetzt worden sei. I)iebei ist aber
nach der ausdrücklichen Bezeichnung „Gedächtnis -Säule" wohl nicht an
die Inswerksetzung einer Reiterstatue Leopolds L, sondern wohl eher an
die talsächlich erfolgte und im Sinne des frommen, den fllarienkultus
fördernden Kaisers gehaltene Jlufrichtung der niarienstatue auf dem
St. jakobsplalze zu denken.
''^ Bda eruditorum I. c, p. 310.
''•'' Ualvasor, Ghrc des herzogtuins Krain, III. (X.), p. 371.
'S 147 'S)
Ua1^a$0r$ Stellung zur die nienscbcnseele meist fesselnden Kunst der
ItltlSlK ist mannigfaltig gekennzeichnet.
Zuvörderst sind seine Aufzeichnungen von der zeitgenössischen Uolks--
musik bei der in unseren tagen leider so rasch fortschreitenden Hivellierung
des Uolkstums von bleibendem lokalkulturgeschichtlichen Cüerte.
Cüie lebhaft schildert er nicht in seinem vielgenannten Hauptwerke,
dieser schier unerschöpflichen Fundgrube zur Kenntnis des altkrainischen
Uolkstums, bei Jlufzeichnung der Rochzeitsgebräuche in den einzelnen
Candesteilen die lustfördernde Begleitung durch die ,Jrau ITlusica" bei
diesen üolksfestlichkeiten, wie da Geiger und andere Spielleute dem
Brautzuge voranschreiten, bei mahl und Canz aufspielen, wie speziell in
Oberkrain der „Baf^geiger" die Bursche des nächstliegenden Dorfes
dreimal zum Canze auffordert, während sich in Unterkrain der Geiger in
zerrissene, zerlumpte Kleider vermummt und den Gästen an die zwanzig--
mal und öfter einen Ochsen feilbietet, aber immer wieder spöttisch ab--
gewiesen wird; er wei(5 von der schändlichen TTlusik mit allerlei mi(5-
lautenden Instrumenten zu erzählen, „dargebracht den wieder heiratenden
lüitwern und Cüitfrauen'*, sowie auch von dem damals noch im Cande
üblichen „Klaggesinge und Singgewinsel der ÜJeiber" (Klageweiber an den
Ceichnamen der Uerstorbenen). Gr beschreibt ausführlich das Institut der
„Umsinger" (slovenisch Koledniki), die, bewaffnet mit Säbeln und Racken,
im Eande umherzogen und singend Gaben einsammelten, um CUachs zu
einer ,Jigur" kaufen zu können, die sie mit 5^1itter und Seide, auch
Fähnlein, Sternlein und allerlei Zierat von gesottenen Birkenschwämmen
schmückten und, auf eine Stange gesteckt, zum lUeihen in die Kirche
trugen, gleichwie er auch ganz umständlich die „Zurichtung der sonder--
baren Blashörner" schildert, mit denen beim f)irseaustreten durch die
Burschen und Dirnen zum Canze aufgespielt wurde. ^^^
Betreffs der Jluferbauung durch den Kirchengesang adoptiert er eine
in der Kapitelkirche in Rudolfswert unter dem Ghorgewölbe angebrachte
IDahnung, wie man Gott zu Ghren singen müsse; die ITlahnung in alter
Inschrift lautete: „Uüenn man in dem Kirchen--Ghor Gott zu Ghren singt,
so soll es geschehen andächtig, aufmerksam, laut und vernehmlich, ver--
ständig, mit hoher Stimme, sittsamlich, flei(5ig und inbrünstig, nicht mit
umhergaffenden Jlugen und Gemüt, nicht eilfertig, nicht schläfrig, nicht
verdrief^lich, nicht obenhin, dann verflucht sei, der das Cüerk des Rerrn
nachlässig tut. Die in Ghor singende bilden die Gngel für."^'^^
^^•^ üalvasor, Gbre des Rcrzogtimis Krain, II. (VI.), p. 111 bis 341.
=*«' ebenda, III. (XL), p. 4S0.
10*
-© 14$ -e)
In der Stadt Eaibacb führt uns üalvasor zunächst die „Stadtthurner"
vor, Instrunientalnnisiker, die sich im Sommer alle tage, im CUinter dann
und wann in ihrer grünen „Stadtliberey" (Civree) vom sogenannten
„Pfeifferthurm" auf dem Schlo(5berge mit drei Posaunen und einer Zinken
oder £ornet hören lief^en.^^^
Gr erzählt uns in der schon erwähnten, so lebendigen Schilderung
von den Festlichkeiten der Grbhuldigung für Kaiser Ceopold I. (1660),
wie die „Pfeiffer und Pauker" der Ceibgarde des Grafen Berbard Buersperg
„nach türkischer IHanier" aufspielten, die kaiserlichen und erzherzoglichen
Crompeter und Beerpauker mit den rDusikern der landschaftlichen Reiter
und der auf den Plätzen der Stadt in Gewehr gestandenen Bürgerkorps
um die Cüette musizierten und wie beim Ruldigungsakte selbst sowohl
Stimmen als mit Instrumenten „sehr lieblich" musiziert worden; bei den
5^estlichkeiten in den Kirchen, bei den Banketten, bei den Custfahrten auf
dem Caibachflusse, beim glänzenden Gartenfeste des Candeshauptmannes
(JUolf Gngelbert Grafen Euersperg in der Aufführung einer italienischen
Oper, die die Candschaftsbediensteten darbrachten, — überall ertönte
Sang und IDusikklang.^^^
Und noch einmal bei Beschreibung des Caibachflusses erwähnt der
musikfreundliche Uerfasser die altbeliebten und dann durch die 1702 ge-
gründete Jlcademia Philharmonicorum — die noch heute blühende
Caibacher Philharmonische Gesellschaft — in ihr Programm aufgenom--
menen und bis ins 19. Oahrhundert in Übung gebliebenen CUasserfahrten
der Caibacher, die nach eingenommener IDahlzeit mit unterschiedlicher
musik stattfanden, „indem der 51uf5 in anmuthiger Stille fortschleicht
und also durch kein Rauschen dem IDusikklange einen Gintrag thut".
Jlber auch über sein eigenes Fühlen und empfinden der macht der
IDusik gibt er uns in seinem Cüerke Rechenschaft. „Denn obgleich ich —
sagt er — in manchem Cande manche musik und musikalischen In--
strumente angehört, bin ich doch bei allen allezeit ganz traurig und
melancholisch gewest: ausbenommen wäre eine einige (einzige) nielodey,
welche in Italien ganz gemein (welche?), auch in Ceutschland und in
andere Cänder wol bekannt ist, erschallte. Denn wenn ich dieselbige
höre, werde ich ganz fröhlich, ja derma[Kn erfreut, da(5 ich mich mit
harter Hlühe des Jlufhupfens oder Springens enthalte, gleichwie mir in--
dessen doch das Berz gleichsam im Ceibe hüpft. Und ich glaube, wann
'"* üalvasor, Gbre des herzogtums Krain, III. (XI.), p. 660.
''' ebenda, III. (X.), p. 369 ff.
'S) 149 ■©
dieser Con oder rHelodey recht vollkommlicb nach meinem Bumeur pro--
portionirt wäre, so würde ich mich des Jlufspringens und ])üpfens un--
möglicb verwehren können. Dieses widerfährt mir aus keiner Gewohnheit,
sondern recht sympathetice aus einer rechten Proportion des Gesanges zu
meinem [)umeur."2^*
Jlus diesen Zeilen geht, zusammengehalten mit der ganzen an l)umor
und ÜJitz reichen Diktion Ualvasors auf allen Blättern seines Hauptwerkes,
hervor, da(5 unser Freiherr mehr ein Ireund heiterer Sänge als ernster
Klänge gewesen, wenngleich er auch diese nach ihrem vollen Cüerte zu
schätzen wu(5te.
(Jon seiner Tätigkeit als Hlusikdilettant gibt das Hacblaf^protokoll
nach seinem Code in knapper amtlicher J!ufzeichnung immerhin genügende
Jiufklärung. ÖJir lesen da, da(5 sich in seinem „buen retiro" in ßurkfeld
unter den noch in seinem Besitz befindlich gewesenen mathematischen j
und andern Kunstinstrumenten, von denen er sich nach Gntäu(5erung von "
anderem Rah und 6ut bis an sein Eebensende nicht habe trennen wollen,
an niusikinstrumenten vorfanden: „€in neues musikinstrument, 5agot
genannt, zwei gro(5e künstliche Scbalmeipfeiffen aus 5^rankreich, drei
kleinere Scbalmeipfeiffen, zwei Rarfen, darunter eine neue, zierliche, mit |
niessing beschlagene, und zwei neue Dudelsack." Uüenn man auch gerade i
nicht behaupten wollte, da(5 unser !?reiherr alle diese Instrumente zu l
eigenem Gebrauche besessen, so ist doch die J^nnahme gewi(5 gestattet, i
da(5 er das eine oder das andere oder vielleicht sogar ein paar selbst 3
benützt hat, durch die ihm dann in den meist recht trüben letzten X
Cebenstagen, um seine eigenen, oben angeführten ÜJorte zu gebrauchen,
„das Berz im Ceibe hüpfen gemacht" werden konnte.
1
^^^ üalvasor, Gbre des herzogtums Krain, III. (XL), p. 62.
Ein technisches Projekt»
fn unseren durch die phänomenalen ^Fortschritte wie auf allen
Gebieten der exakten ÜJissenschaften, so namentlich auf den
technischen Gebieten ausgezeichneten Cagen, in unsern Cagen,
da speziell durch die grof^artigen Bahnbauten an der Südbahn--
linie lUien-Criest, am JIrlberge und jüngst bei der Durchfahrung unserer
oberkrainischen ßebirgswelt, der Karawanken-- und öJocheiner Bahn, mu(5
es nicht nur für den Uaterlandsfreund, sondern im allgemeinen für jeden
Kenner und Jreund des technischen Fortschrittes von hervorragendem
Interesse sein, daf^ vor mehr als zweihundert 3ahren unser Freiherr
von Ualvasor, dessen Uielseitigkeit wahrhaft staunenswert, sich schon mit
einem, weit späterer Zeit entsprechenden kühnen Projekte trug: am
mächtigen, Krain und Kärnten trennenden Coiblberge, und zwar an dem
Ju\h desselben, einen Cunnel zu bohren, besser gesagt, „hindurchzuhauen".
Gr arbeitete ein leider heute trotz vielfacher Suche nicht aufzufindendes
€laborat aus, welches er höheren Ortes zur Uorlage brachte, ^^-^ dessen
Ausführung her an dem Dazwischentreten der eben damals in CUien
grassierenden Pestseuche scheiterte.
Doch hören wir ihn über die Angelegenheit selbst sprechen.
Gr sagt in dem ersten teile seiner „Ghre des Herzogtums Krain"
darüber folgendes i^®^ „Uor etlich wenig jähren war ich gewillet, unten
im Grunde (des Berges Coibl, wo an der Spitze ein Durchschlag für die
Strafte war gemacht worden) ein Coch durchzubrechen, dadurch man hätte
reiten und fahren können, hatte es auch schon abgemessen. Das Coch
sollte bei St. Anna sein hineingegangen und auf der andern Seite des
Berges bei St. Ceonhard herauskommen und also schnurgerad vom Gin--
zum Ausgange zielen, aber die damals einreif^ende Cüienerische Contagion
^^^ möglid), dal3 die bezügliche Eingabe an bisher nicht vermuteter Stelle oder in '
einem bisher nicht geordneten Archive sich vor dem Cageslichte verborgen hält, — u>enn
es nicht seinerzeit „skartiert" worden!
^^'' Ualvasor, Gbre des Herzogtums Krain, 1. (II.), p. 170 f.
'S) 151 'S)
oder Pcstilenzseucbe machte e$ binterstellig. Denn ich verlangte für meine
niübe und Unkosten von Ihrer Keyserlichen Hlajestät einen ewigen Zoll
nebst einer gewissen Beihilfe, welcher Zweck aber bey so' trübseligen
und gesperrten Zeiten der Contagion nicht zu erreichen war. Sonst wäre
es wol ein gemeinnütziges CUerk und jedwedem damit merklich gedient
gewesen: weil man jährlich auf die Jlusbesserung der Straften ein ehr-
liches wenden mu(5, auch zu Winterszeiten oft viele Ceute darin (in dem
Durchhau auf dem Berge) verbleiben (ihren Cod finden), wann die
£anen (Cawinen) herunter schie(3en, das ist wann der Schnee oben
schmilzt oder los wird und herunter rutscht** (welche Erklärung üalvasor,
der Bewohner eines Jllpenlandes, zum näheren Uerständnisse anfügt),
„man hat" — so schlie(5t er seine, wenngleich kurze, so doch viel ent--
haltende Hotiz über das leider nicht zustande gekommene, für seine Cage
so grof^artige Cunnelprojekt mit der weiteren schwerwiegenden lllotivierung
für seinen Plan — „zwo nieilwegs über den Berg, eine hinauf, die andere
hinunter: Jllso aber hätte man durch den Berg eine halbviertel ITleil."
In seiner „Copographia 0arinthiae 16$S", über die wir noch weiter
zu sprechen kommen, erwähnt üalvasor, obschon er (p. 120) von der
Strafte über den Coibl ausführlich handelt, nichts von seinem 1679 ge--
stellten Cunnelprojekte, betrachtete es also auch da als bereits vollkommen
abgetane Sache.
Da(5 er selbst in Wkn nach 1679 die Sache betrieben, scheint daraus
zu erhellen, da(5 wir ihn um 16$1 in lUien anwesend finden (nach seiner
JIngabe in der „Ghre Krains",^^^ wo er um 16$7 schreibt: „Uor 6 Oahren
ward mir in lüien von Berrn Rofmann^^^ eine runde Kristallkugel verehrt").
^^^ üalvasor, Gbre des Rerzogtunis Krain, III. (XL), p. 92.
^^^ eines später verbrannten böbmiscben I)exenniei$ters.
Ausgabe der ersfen Werke*
en JInfang mit der Verausgabe von CUerken machte unser
5^reiberr, dem religiösen Sinne der Zeit und dem eigenen
Drange folgend, mit einem Pa$$ion$DWCblein, das, mit Kupfern
gescbmückt, zu CUagensberg gedruckt wurde und 1679 zu Caibacb
erschienen ist. Gezeichnet hat es, wie 5^ranci$ci in seiner Zusammenstellung
der Ualvasorscben CUerke bemerkt, ]ohann (Uerex (Cüiriex) „mit unglaub--
lichem grof^en Jk\\i und Geduld".
Diese Publikation, heute eine grolle bibliographische Seltenheit, erwarb
für das landschaftliche ITluseum Rudolfinum in Caibacb erst vor wenigen
Jahren der gewesene, durch seine hervorragende Uersiertheit auf allen
Gebieten der krainischen Candeskunde bekannte Kustos des genannten
wissenschaftlichen Institutes, Professor Jllfons lHüllner, auf antiquarischem
Cüege und hat mit dieser Erwerbung dem Cande eine Cimelie wieder
zugeführt, die eine recht in die Jlugen fallende Aufstellung in den
Besuchsräumen des Hluseums verdienen würde, wenn die Räume dieser
Candesanstalt nicht so äuf^erst beschränkte wären. Doch dies gehört
weiter nicht hieher.
Die Jlusgabe umfa(5te 17 Blätter — davon jedoch in dem vorliegenden
Gxemplar nur 15 enthalten sind, die Hummern 3 und 4 fehlen — ; jedes
Blatt enthält einen Kupferstich, 10*4 cm hoch und 13*2 cm breit, die
Bildchen messen ohne Umrahmung in der ßöhe 3*5 cm und in der Breite
5*5 cm. -
Die Umrahmungen weisen Ciergestalten, zwischen Bäumen und Ge--
sträuchen hervorlugend und zwischenhingestellt; in JInwendung der
christlichen Symbolik. ^'^'-^
Die Bildchen selbst, die Stationen des Ceidens Christi illustrierend,
überraschen durch die auf so engem Räume zur Darstellung gebrachte
jeweilige !Jülle der Gestalten, die trotz der so überaus grof^en Zartheit
''" 3. Krcuser, Ebristlicbe Syitibolik, Brixen l$0$.
'S) 153 'S)
in der Jlusfübrung nichts an der Deutlichkeit eingebü()t haben, ja selbst
der ßiesichtsausdruck in den kleinen Jigürchen ist zumeist ein so niar--
kanter, da(3 die Kunst des Darstellers nichts zu wünschen übrig lä(5t.
Das erste Blatt erscheint als Citel und (Uidmungsblatt und führt den
Citel: 0elsissinio et lllustrissimo | Domino Domino 3osepho ex 0omi--
tibus I de Rabatta Dei et Jlpostolicae Sedis | ßratia Gpiscopo Cabacensi
et Principi | Ordinis $. johannis Rierosolymitani Gquiti | £ommendatori in
Cossen Oberlübich et ßrosstünz etc. Sacr. 0aes. Hlay. Consilia | rio Er
cano etc. Domino Domino suo gratio | sissimo I)a$ Dominicae Passionis
3cones I a Johanne CUierix inventos et delineatos | D. D. 0. Q. | demis--
sissimus Servus | Joannes ÜJeichardus üalvasor | CU. excudit (Uagens--
pergi | in Carniolia 1679 | Jlnd: Crost Sculp: |. In die lllitte gestellt
erscheint das von der Inful überragte (bischöfliche) CUappen des Grafen
Rabatta.
Das zweite Blatt stellt das letzte Jlbendmahl dar, der Raum erscheint
im Renaissancestil gehalten. Darauf folgt in unserer Sammlung: Die
Gefangennahme Christi am Ölberge, ein äufKrst belebtes Bildchen, auf
dem die Person des l^eilandes zwanzig Personen umgeben; der im
Uordergrunde auf dem Boden liegende Knecht lllalchus schwingt gegen
Petrus das zum Ohrabhauen bereite Schwert, im Hintergründe sieht man
Cüald, die mauerumgürtete Stadt, in den UJolken die Hlondessichel
(Blatt 5 — die Blätter 3 und 4 fehlen, wie schon erwähnt, in unserer
Sammlung).
Das sechste Blatt, wieder eine ^ülle von Personen, weist Christus vor
Jlnnas (eine Person links im Hintergründe erscheint durch eine von ihr
gehaltene Dackel herausgehoben); charakteristisch ist auf diesem Bildchen
ein Zwerg mit einem Bündchen, dem wir dann auch auf den Blättern 7,
10 und 13 begegnen.
Das siebente Blatt: Christus vor Kaiphas, zeichnet sich wieder durch
besondere Belebtheit aus. CUie deutlich drücken sich ITlif^gunst und Cod--
feindschaft gegen den Rerrn auf allen Gesichtern aus.
mit einer auf^ergewöhnlichen Genauigkeit erscheint auf dem achten
Blatte die Szene ausgeführt, da Petrus seinen Cehrmeister verleugnet.
Crotz der Kleinheit des Darstellungsfeldes ist die Zeichnung eine so
scharfe und genaue, da(^ man Christus den tiefen Schmerz vom Gesiebte
lesen kann, der ihm ob der Kränkung, die er durch Petrus' Uorgehen
erlitten, das Rerz erfüllt.
Auf dem neunten Blatte: Christus das erstemal vor Pilatus, ist inter-
essant die Jlbbildung des Pilatus mit einem Hasenreiter, welche Darstellung
-2) 154 -©
aud) der gelehrte Uerfasser der ßescbicbte der Brille, der am hiesigen
Candesspital rühmlich wirkende Primarius Dr. Gmil Bock, als einen nicht
unwichtigen Beitrag zur Charakteristik bildlicher Darstellungen des Brillen--
tragens in seinem Cüerke erwähnenswert fand.
Das folgende (zehnte) Blatt zeigt uns Christus vor Berodes; der
Beiland beteuert mit bocherbobener Rechten seine Unschuld.
Bui dem elften Blatte siebt man die „0ei(Klung", drei Schergen hauen
auf Christus ein, einer leuchtet .mit einer Dackel; im Hintergründe stehen
zwei Zuschauer.
Das zwölfte Blatt bringt die „Krönung Christi mit der Dornenkrone".
Das dreizehnte Blatt stellt den „€cce--l)omo" dar; Pilatus zeigt
Christus dem üolke als den Zerfleischten und Dornengekrönten; Christus
erscheint von sechs Personen und jenem Zwerge begleitet, welcher wahr--
scbeinlicb die teuflische Bosheit der Juden personifizieren soll. Dieses
Bildchen ist mit ganz besonderer Kunstfertigkeit ausgeführt bis in die
kleinsten Einzelheiten und namentlich was die Cesichtsausdrücke anlangt;
ein Blick darauf erfüllt das Berz mit dem grö(5ten IDitleid für den
leidenden Jesus.
Im vierzehnten Bilde wird Jesus, das Kreuz auf dem Rücken, gegen
Kalvarien geführt, im fünfzehnten Bilde fällt er unter dem Kreuze, im
Hintergründe rechts der Kalvarienberg; eine nienge üolkes umgibt den
Gestürzten, ein Ceil der begleitenden Soldaten erscheint zu Pferd.
Das sechzehnte Blatt enthält die Darstellung der „Kreuzigung"; das
Kreuz, schief an einen Jlbhang gelehnt, erscheint im Hintergründe und
zu Seiten von der Begleiterschar eingeschlossen, die Julie der Figuren ist
auch hier mit nieisterscbaft behandelt, den Ekt der Kreuzigung nehmen
vier Schergen vor, zwei schlagen die Hagel in die Hände, zwei in die
Jü\h des Herrn!
Das letzte Blatt stellt den Cod Christi am Kreuze dar; unter dem--
selben viel üolk, in nächster Habe sind Cüeinende zu sehen, darunter
die niutter Cottes und dann auch der hl. Johannes, Hlaria Magdalena
umklammert das Kreuz.
erhabenen Kunstsinn haben aber Herausgeber und Zeichner dadurch
bewiesen, da(3 auf diesem Blatte ein IDoment festgehalten ist, nämlich
das Jlbseben von der realistischen Darstellung auch der beiden mit--
gekreuzigten Schacher, wodurch eine Einheit und Harmonie des Eindruckes
auf den Beschauer geschaffen, die beider Künstlerschaft zu aller Gbre
gereicht!
'& 155 'S)
mit dieser Scbluf^darstellimg der Ceidensgescbicbte des CUelterlösers
baben Jluftraggeber — der ^reiberr von Ualvasor — und der von ibm
mit der J!usfübrung betraute Künstler — jobann Cüerex (Cüiriex) — sieb
ein dauerndes Denkmal idealer Scböpfungskraft gesetzt!
Copographia Carnioliae tnodernae.
Im selben Jabre 1679 edierte Ualvasor sein erstes Cüerk über Krain,
die nur aus Jlbbildungen bestebende „Copograpbia", das auf die „Gbre
Krains" vorbereitende Jinsicbtenbucb aus Krain.
Der volle Citel lautet: „Copograpbia | Ducatus 0arnioliae | ITlodernae" |
„das ist I Controfee aller Statt | IDärckbt, £löster vnd | Scblösser, wie
sie anjetzo | steben im Herzog | tbumb 0rain. | Bervorgebracbt zu |
(Uagensberg in 0rain | im ]abr 1679. | Dlit sonderbabrem 5^1eif5 | durcb
3obann UJeikbart Ualvasor | 4.«q. (Caybacb j. B. mayr 1679.)" ''' In
der lateiniscben Uorrede an die Stände des Herzogtums Krain sagt der
Uerfasser, da(5 er unter dem glückliebsten Sternzeicben in Krain geboren
und erzogen worden (unter der flgide der löblicben Stände), daber er
sieb ein günstiges Roroskop stellen könne (sub felicissimo aspectu siderum
Carnioliae volo dicere sub tutela et Patrocinio Inclytorum Statuum natus
educatus nonnisi fortunatum mibi auguror boroscopum).
Diesem Cüidmungskapitel scblief^t sieb ein lateiniscbes 0edicbt von
Paul Kitter üitezovicb an, ein ßratulationsgedicbt an Ualvasor für sein
neues Bucb (in novum librum). Hierauf folgen die Jlbbildungen, im
ganzen 316 Kupfertafeln und das Citelkupfer entbaltend. Daran reibt sieb
das gedruckte Uerzeicbnis der Abbildungen mit den beigesetzten Hamen
der Scblof^eigentümer in lateiniscber Spracbe. Die Jlngabe des Druckortes:
Caibacb, gedruckt bei 3ob. B. Hlayr im 3^bre 1679 sowie der Index aller
Scblösser (310) in sloveniscber Spracbe bildet den Scblut^ der scbönen
dankenswerten Publikation.
Jln rnonogrammen erscbeinen in diesem CUerke WD (CUierix del.),
I. W. D. (3obann Oleikbard del.), P. M. fec. (Peter mungersdorf fecit),
P. R. fec. (Paul Ritter fecit), S (Crost) (sebr oft aucb ganz ausgescbrieben
Jlnd. Crost sculpsit).
eine gröf^ere flnzabl der Kupferplatten dieser „Copograpbia" erscbeinen
dann in der „€bre des Herzogtums Krain" wieder benützt, nur sind sie
dann links und recbts gestutzt, von 21 cm Breite auf zirka 16 bis 17 cm.
300
Das Citelkupfer niiht in der böbc 11 cm, in der Breite 21 cm.
-2) 156 'S)
$0 zum Beispiel wurde die Platte Cburn atn l)art in der Cüeise verkleinert,
da[i links die in der „Copograpbia" „zur Jagd ausziehenden Rerren" und
rechts das IHonogramni des Kupferstechers Paul Ritter in der „Ghre Krains"
wetjcjefallen erscheinen; das Illonogranim des Zeichners dieses Blattes
I. W. (Johann Cüeikhard) zum Unterschiede von blof^ W(ierix) liest man
erhalten, da es Ualvasor hier auf das Uasenpostament im Ziergarten ein--
gezeichnet hatte, der bei der Uerkürzung selbstredend intakt bleiben mu(5te;
bei Kroif^enbach fiel der linke Uordergrund weg: „Rund einen Bären ver--
folgend"; bei Candstraf^ fehlt das „in flagranti" vom Zeichner ertappte,
bei Covrana das blof) kosende Ciebespaar, bei Cueg in Unterkrain die
kuhmelkende Hlagd, bei niöttling die Jlbbildung der Kommende, bei
Hassenfeld ^'-^^ der von zwei Pferden gezogene Pflug, bei Ruzing fehlen
die Debengebäude der Kirche auf dem 0rot5gallenberg, bei Schönperg
fehlt die alte Kapelle mit der lHauer ringsum, um 0hor und Campanile,
bei Schwarzenbach fehlen links der 51u(5 und rechts der CUaldberg, bei
Sibenegg fehlt der Zeichner (Ualvasor) mit gro[5eni ßut und wallendem
Raar, u. a. m.
Gine Reihe von Abbildungen ist auf^erdem in der „Copographia" ganz
verschieden von den dieselben Objekte darstellenden Jlbbildungen in der
„6hre Krains".
Da aber diese erste Publikation unseres 5^reiherrn heute viel seltener
als die durch 3- Krajec neu herausgegebene und so zahlreich verbreitete
„Chre des Herzogtums Krain" ist, so wollen wir hier die markantesten
Jlbweichungen beider, um kurz zu sagen, Schlösserbücher in gedrängter
Überschau herausheben.
Die Abbildung Schloff Auersperg von der rückwärtigen Seite weist
die Inschrift unter dem Auerochsen grof^, 1511—1520, dann auch zur Seite
einen Jäger, eben auf einen [)irschen den Schuft abgebend.
0rundlhof — ein Knabe über einen Korb gebückt, ein mann mit zwei
Krücken, rechten Ju\^ nach rückwärts abgebogen, im ßof ein Reiter, zwei
niänner; sehr belebtes Bild.
Oberlaibach — ein sehr gutes Bild im Gegensätze zu dem in der
„Ghre Krains", hier ist die damalige Bedeutung dieses Schiffsplatzes voll--
kommen entsprechend charakterisiert; es zeigt sich ein sehr bewegtes
StrafKuleben, es wird auf eine Anzahl (sechs) Schiffe auf- und von den-
selben abgeladen, Kaufherren (Patrizier) mit Degen sind zu sehen.
■''•" hier ist als Besitzer Rerr Georg Siegtnund von üJernek noch genannt, während
in der „€bre Krains" gesagt wird, daf^ derselbe Hassenfeld vor zwölf Jahren (schon
um 1Ö77 also) an herrn von ÜJusseth verkauft habe.
-g) 157 'S)
Oberstein — ganz verschieden von dem Bilde in der „Gbre Krains",
doch minder gut in der Eusfübrung.
Pletariacb (Pleteriacb) — ganz verschiedene Jlufnabme, auf^erdem im
üordergrunde ein Hlann mit einem langen ßevuebr in der Cinken, neben
ibm ein Hlann sitzend, aus einer kurzen Pfeife mit geradem Robr scbmau--
cbend und dichte Rauchwolken von sich blasend.
Savenstein — ganz anderes Bild als in der „Gbre Krains**, hier erscheint
das halbverfallene $chlo(5, die »Jestung Savenstein'*, auf dem Berge noch
besser erhalten und viel netter dargestellt, auch ist das ansehen des
6etreidekastens ein viel stattlicheres.
Seisenberg (Hlarkt und ScblofO — in der „Gbre Krains" mehr gedrängt
dargestellt, hier in weiterer Ausführung; als Kupferstecher hier P. R. f.
(Paul Ritter fecit), während das zweitausgeführte das lllonogramm S
(Andreas Crost) weist.
$. Serff (in Istrien) wurde für die „Ghre Krains** umgezeichnet, die
Baulichkeiten sind hier gröf^er gehalten, doch fehlen auf dem Bilde in der
„Ghre" keine Details.
Schärffenberg erscheint hier in drei Aufnahmen, gleichwie in der „Ghre
Krains", doch sind 2 und 3 in dem grof^en (Uerke den 2 und 3 dieser
Copographia wohl ähnlich, aber nicht gleich.
Sittich (Kloster) — sehr interessant ist, da(5 auf dem gro(5en von
Atzelt in Kupfer gestochenen Panorama in der „Ghre Krains" der gleiche
Baum rechts vom Zugbrückentor (in welchem, nebenbei bemerkt, die
schönen alten Stukkoarbeiten heute noch vorhanden) sichtbar erscheint,
daran angebunden eines Besuchers (üalvasors ?) Reitpferd, wie hier auf
dem kleinen, von Crost gestochenen Bilde.
Sonneck bei Caibach — ein ganz anderes Bild als in der „Ghre Krains".
Stain bei Katzenstein -Uigaun — der Bergabhang, der das in dem
früheren Abteil (Ceufel und Bexen) erwähnte Bergloch (SchlofO enthält,
ist hier mehr in Abstufungen gezeichnet, nicht so steil abfallend, wie in
der „Ghre Krains".
Stein (Stadt) — ein ganz anderes Bild als in dem Hauptwerke; doch
auch von Crost in Kupfer gestochen.
Stroblhof — ein ganz anderes Bild.
Cörmetsch insofern interessant, als hier in der Gartenmauer eingezeichnet
dasselbe nionogramm erscheint wie in der „Ghre Krains" F. S., welches
auf einen Zeichner-Dilettanten hinweist, der in so gro[Kr Bescheidenheit
dieses sein fllonogramm in so kleinen Buchstaben verewigt hat, da(i man
schier eine Cupe braucht, um es wahrzunehmen.
-2) 15$ -2)
üeste Cybein (das beutige fürstlicb l)obenlobescbe $cblo(5 an der
Edria) — ganz anderes Bild als in der „Gbre Krains", viel belebter
mit Scbiffen, Staffage, lllulitreibern; auf den türmen die Kanonen, CUacbt--
posten deutlicber siebtbar.
Cüagensberg — ganz verscbieden von den Jlbbildungen in der „Gbre
Krains", die Jlufnabme bier erinnert nocb am meisten an das kleine
Bildeben im Panorama: Cüagensberg von der unteren Seite; aber es sind
sieb die Darstellungen docb nicbt ganz gleicb, da man bier, zum ünter-
scbiede von der eben angefübrten Jlufnabme, aucb einen Ginblick in das
ScbloI>innere erbält.
Cüördl — ein anderes Bild als in der „Gbre Krains".
Zobelsberg — ein anderes Bild als in der „Gbre Krains".
Ovids nictdtiiorpDosem
Der von Ovids feinem Dicbtergeiste anziebend und lebendig gestaltete
Stoff der „Uerwandlungen", diese scbätzbare Fundgrube der alten Sagen--
gescbicbte von der (Ueltscböpfung an bis in die Cage des Dicbters reicbend,
batte seit dem Cüiederaufleben des Humanismus Scbriftsteller und Künstler
auf das lebbafteste bescbäftigt. Deutscbe und Franzosen seben wir in
edlem CUettstreite daran, dieses Cüerk des gro(5en Römers der Jlnscbauung
und dem Uerständnisse ibrer Hationen zu vermitteln und namentlicb die
Bibliograpbie vom 16. 3abrbundert an u)eist eine stattlicbe Zabl von lllustra--
tionen zu Ovids ITletamorpbosen. Diese lllustrationsvoerke scbeiden sieb
aber nacb zv^ei Riebtungen: die einen illustrieren den Cext des ßedicbtes,
die andern bescbränken sieb auf die Illustration einzelner ausgewäblter
„5^abeln" und fügen nur kuze erklärende texte in Prosa oder üersen bei.
Zu letzterer Kategorie gebort nun unseres 5reiberrn der Huldigung
für Ovid dargebraebte Publikation, der den Gebildeten seiner Heimat zum
Uollgenusse eines der bedeutendsten Cüerke der römiseben klassiseben
Literatur die beliebte weisende Beigabe bildlicber Darstellung bieten wollte.
Ualvasors IHetamorpbosen des Ovid, wie sie uns in dem aus dem
ebemals Baron Grbergscben Besitze auf Seblof? Custtbal stammenden beute
im landscbaftlicben IDuseum Rudolfinum in Caibacb bewabrten Cxemplare
vorliegen, wurden im jabre 16$0 angefertigt und entbalten 96 Kupferstiebe,
die Kupfer in der 0rö(5e von 13 : $ cm. Unter jedem Kupferstieb befindet
sieb in je einer Zeile die lateiniscbe Cegende der dargestellten 5^abel und
darunter wieder in je einer Zeile die deutscbe Grklärung in zwei gereimten
guten (vielleicbt aus Ualvasors Jeder stammenden) deutseben Uersen.
'S) 150 ®
Das Citelblatt enthält eine die Cüidmungsinscbrift uinrabmende bildliche
Darstellung der aristotelischen vier demente, Jlllegorien von CUasser,
Jeuer, Cuft und Grde.
Die lUidniung lautet: lllustrissirno Duo. Duo. lUolfgango Gngelberto |
$. Rom : Imp : Comiti ab Jluersperg et ßottschee | Duo. in Schön : et
Seisenberg e Supremo et Raeredi | tario Inclyti Carnioliae Ducatus et
rnarchiae Sclavo | niae ITlareschalco ac Duo. Duo. Suo gratioso | \)ä$
Ouidiji IDetamorphoseos Icones | D. D. 0. Q. | Devotissimus 01iens |
3oa(nne)s Cüeichardus | üaluasor | 16$0 | J\. Crost f. Cüagenspergi in
Carniolia. | Jim unteren Rande der Cüidmungstafel aus der IHitte empor-
ragend das Jluerspergscbe (Uappen.
Die Uerslegende lautet:
Cotnposita ex 4 Gicmentis in diuersa Corpora tnutantur.
J\uh vier eiementen was endtstebt in viele Ceiber daf3 zergebt.
Heben Jlndreas Crost haben an diesem Runstwerke auch Hlattbias
Greyscher und zwei andere Rünstler, die ihre Bilder mit MS und ASE
chiffrierten, mitgearbeitet.
niit dem zuzeiten Blatte beginnen die einzelnen Jabeldarstellungen aus
den fünfzehn Büchern des Ovid selbst und es weist uns die Darstellung
der ersten Jabel des ersten Buches der ITletamorphosen die Grschaffung
der (üelt als Rerum distinctio und die erklärenden deutschen Uerse: „Dif^
gantze Rund hat 0ott gemacht, au(5 einem Rlumpen aufgebracht" — wir
sehen Jupiter, auf einer das 0haos darstellenden Rugel stehend, die
vier Elemente sondern.
Die nächsten zwei Blätter stellen drei Zeitalter -- das silberne, eherne
und eiserne — dar; das goldene Zeitalter, in andern Illustrationen der
IDetamorphosen durch das Paradies versinnbildet, fehlt hier. Im silbernen
Zeitalter arbeiten Candleute, mit der Schaufel den Boden lockernd und
mit Ochsen ackernd; im kupfernen und eisernen Zeitalter weisen uns
die Bilder Rrieg und Streit und alles Rerzeleid in Szenen des üerfolgens
und l)inmordens. Das fünfte Blatt führt uns das Cüagnis der Riesen vor,
den f)immel stürmen zu wollen, die aber von Jupiter derart mit Blitzen
bewillkommt werden, daf^ sie die Grde mit ihrem Blute benetzen, woraus
ein anderes rHenschengeschlecht entsteht.
mit diesem Bilde sind wir mitten in die üerwandlungen versetzt,
die Goethe 2^2 ßerder gegenüber so feurig verteidigte, indem er sagte:
^^^ Bus meinem Ceben ÜJabrbeit nnd Dicbtung, X, Bucb. Goethes sämtliche lUerkc
in 6 Bänden. Ceipziij 1$70, IV., p. 165.
® 160 'S)
„da() für eine Jugendliebe Phantasie nichts erfreulicher sein könne, als in
jenen heitern und herrlichen Gegenden mit Göttern und l^albgöttern zu
verweilen und ein Zeuge ihres Chuns und ihrer Leidenschaften zu sein".
Das nächste Blatt stellt dar, wie Jupiter das l)aus des Cykaon durch
5euer vertilgt und ihn selbst in einen CUolf verwandelt; es folgt die
üerwandlung der von Jupiter geliebten lo in eine Kuh und die Bestellung
des Jlrgus zu ihrem Rirten; dann schläfert IDerkur durch seine Schalmei
den Jlrgus ein und tötet ihn und die lo wird aus ihrer üerwandlung
befreit, Phaethons !?ahrt auf der Sonnenbahn und sein ^all füllen mehrere
Blätter und so geht es fort in der Illustrierung der Uerwandlungen der
Götter und l)albgötter: Galisto als Bär in die Sternenwelt versetzt, Jupiter
als Stier die Guropa raubend, der Untergang von Pyramus und Chysbe,
3uno gegen Ino die Furien aufregend, Jltlas zum Berg verkehrt, die
Ciebe Plutos zu Proserpina, wozu üenus den Jlnla(5 bietet, die üerwandlung
der Cochter der Geres in eine Gidechse, des Cynkus zum Cuchs durch Geres,
da ersterer ihren Sohn in Hot gebracht, der Raub des goldenen ülielKS
durch Jason, Hledea durch ihre Zauberkraft dem jtson neue Kräfte
schaffend, Dädalus seinen Sohn Ikarus im ßöhenflug unterrichtend,
IDeleager mit seiner Braut das wilde Schwein niederhauend, Orpheus mit
seiner l^arfe Ciere und leblose Dinge bezwingend, „den Ganymed ein
Edler führt, bis er Jupiters Rof berührt" usw. usw., bis auf die trojanischen
Geschichten und bis auf Komulus herunter, „dessen üater Hlars es will,
da(5 er sitze auf der Götter Chron" und dann weiters bis auf Julius Gäsar,
„der nach dem Code wird ein Komet."
Bus der Zahl der 96 Kupferstiche unserer heimatlichen Publikation,
die in Entwurf, Zeichnung und kunsttechnischer Ausführung durch den
Stich, je nach den damit beschäftigt gewesenen Hkistern, sich sehr ver-
schieden darstellen — die einen voll idealen Schwunges in der J\n\=
fassung, von sinniger Ausführung in der Zeichnung und von zartester
nuancierung im Stiche, andere dagegen mit ziemlich prosaischer Kom-
position derbe Ausführung verbindend — , wollen wir au(5er dem im
Geschmacke der Renaissance stilgerecht gehaltenen Citel- und Cüidmungs--
blatte zwei hervorragende Blätter hier als Probestücke aus diesem
künstlerischen Unternehmen üalvasors ausheben und diese auch eingehend
besprechen.
Das eine dieser Probebilder (Blatt 20 bei üalvasor) stellt die 5^abel
von dem in eine Blume verwandelten Darzissus dar.^^'-^^^
Ovid, mctamorpboscM, Bud) III, Jabel VI, Ucrs 402 bis 510.
'S 161 'S)
Die der Dichtung zugrunde liegende Sage vom Darzissus ]ä(5t sieb
kurz also zusammenfassen:
Als des von der CUassergöttin Ceiriope oder Ceirioessa geborenen
Harzissus Ceibesscbönbeit von tag zu Cag sieb mebrte, mebrte sieb
auch die Hiebe der Dympbe Ccbo, die ibm auf der 3agd begegnet, und
die Eiebe anderer Jungfrauen, welcbe Heigungen alle Harzissus aber aus
angeborenem ßoebmut verscbmäbt. Da ist es die Räcberin alles ßocbmutes
Hemesis, vuelcbe ibm die Selbstliebe einflöf^t, welcbe Heigung für seine
eigene Person in ibm zugleich nocb dadurch erhöbt wird, da(5 er in einer
klaren Quelle seine Gestalt erblickt und von diesem Anblicke so entzüekt
wird, da(5 er sich vom Schauen nicht trennen kann und sehlie(3lich an
diesem Jlnblicke zugrunde geht.
Der Kern dieses lHythus ist aber — wie CUieseler^^* in seiner geist=
vollen kunstmythologischen Jlbbandlung über den „Darkissos" hervor--
hebt — nichts anderes, als die Geschichte der das Gefühl der Elten nach
zwei Richtungen hin in Anspruch nehmenden, schönen, lieblichen und
angenehmen, anderseits aber durch ihren starken Geruch betäubend
wirkenden, Harzisse benannten Blume. Diese schöne Blume liebt das
Cüasser, sie senkt bekanntlich ihren Kelch nach unten. Darum steht oder
sitzt oder kniet ^^^ der schöne Jüngling Darzissus am Rande des iXlassers,
schaut er geneigten Bauptes in dasselbe, wo er sein Bild erblid^t, wie
das Abbild der Darzisse aus dem CUasserspiegel zurückstrahlt. €r sd)aut
und schaut, indem er immer mehr dahinschwindet, bis er zuletzt am Ufer
den Geist aufgibt, wie die Harzisse allmählich verwelkend, endlich am
Ufer verdorrt oder absterbend in das lUasser fällt. Dies Jlbsterben der "i
Blume macht sich besonders fühlbar zur Zeit des Sonnenbrandes, üon ^
dem Jüngling Harzissus hei(5t es, er sei zur Zeit der Sonnenhitze an
die Quelle gelangt, um anzudeuten, wieso es kam, da(5 er Durst hatte
und sich nach Kühlung sehnte. Da(5 Darzissus in der Sage gerade zum
Jäger (wie hier) oder zum Rirten gemacht erscheint, dafür spricht schon
allein der Umstand, da(5 es eben Heute dieses Zeichens sind, welcbe sich
zumeist auf CUaldwiesen bewegen.
Jluf dem Bilde Ualvasors steht Harzissus am Brunnen, während im
Cexte Ovids er als an dem CUasser sitzend geschildert erscheint, entsprechend
^^* Darkissos, Ginc kunstmytbologiscbc Abhandlung nebst einem Anhang über
narcissen und ihre Beziehung im Ceben. mythos und 0ul(us der Griechen von Friedrich
UJieseler. mit einer Kupfertafel, ßöttingen (Dietrich) 1856, p. $1 f.
^^^ Zum Beispiel in der üenetianer Ausgabe des Ovid von 1521. Holzschnitt, drei
Phasen der Sage zugleich weisend (k. k. Universitätsbibliothek in UJien).
V. Radics, Ualvasor. 11
'S
■:-3
'S) 162 'S)
einer Reibe von antiken (Uandgemälden, welche die gelehrte Forschung
als Uorbilder zu mehreren Gestalten in Ovids Cüerken bezeichnet.^^^'
Die stehende Stellung hat jedenfalls für die künstlerische Darstellung
den Uorzug, da sie der Gestalt eine graziösere ßaltung zu geben ermög--
licht, als irgend eine andere Stellung.
Bm Cüasser sitzend abgebildet erscheint Darzissus in der WJiener
Illustration des Ovid von 3oh. Cüilhelni Bauer aus dem 3ahre 1641,^^^
in dem französischen Prachtwerke der metamorphosen von Banier, Jlnister=
dam 1732,2^^ und in der gleichfalls ein Prachtwerk bildenden, „von einer
Gesellschaft zu Cüien" veranstalteten Jlusgabe (1791), die sich in der Schlo(5=
bibliothek des Rerrn Candtagsabgeordneten Candesausschut^beisitzer Grafen
Jlnton Barbo in KroifKnbach (in ünterkrain) befindet, wo ich dieselbe mit
dankenswerter Ciberalität zum üergleiche ausgefolgt bekam.
Das zweite Probebild aus Ualvasor (Blatt 67), das wir hier in der
Reproduktion bieten und über welches ich mich kürzer fassen kann, stellt
die Jabel „von der arkadischen jägerin Jltalante dar in ihrem Cüettlaufe
mit l)ippomenes".2^^
nad)dem Jltalanta, eine Cochter des Königs khoneus, von vielen zur
ehe begehrt worden, aber nur demjenigen die Ehe versprechen wollte,
der sie im ÜJettlaufe besiegen würde, hingegen den von ihr Besiegt--
werdenden mit dem Code bedrohte, meldete sich nach vielen von ihr
Besiegten endlich auch Rippomenes, der Sohn des rnegareus, zum CUett-
laufe. Ihm hatte Uenus drei goldene flpfel übergeben, indem sie ihn
zugleich unterrichtet, wie er es anzustellen habe, um über Jltalanta zu
siegen, mitten im (Uettlaufe lie(5 Rippomenes die goldenen flpfel zu Boden
fallen, nach denen sich nun die sonst so berühmte lüettläuferin nieder--
beugte, dadurch sich im (Ueiterlaufe selbst behindernd und — besiegend!
Die Gestalt der arkadischen Oägerin malt uns Ovid ausführlich (Itleta--
morphosen. Buch VIII, 5=abel IV, Uers 31$ ff.). Gine Spange hält das
Gewand an der Jlchsel zusammen, das Raar ist einfach in einen Knoten
geschlungen, auf der Schulter trägt sie den Köcher, in der Cinken den
Bogen; der Jlusdruck des Gesichtes hat etwas männliches. Bn andern
*^^ Cüilb. lUundcrcr, Ovids Cücrke in ihrem UcrbäUnis zur antiken Kunst. Acta
Seminarii Pbilologici Grlangensis. erlangen und Ceipzig 1891, Hol. V, p. 15$ bis 225.
Ireundlicbe niittciiung des hiesigen Rerrn k. k. ßymnasialprofessors Dr. Josef $orn an
den Uerfasser.
"' K. k. Studienbibliotbek in Caibad).
"® R. k. Universitätsbibliotbek in CUien.
"" Ovid, metamorpbosen, Bud) X, Jabel XI, und Bucb VIII, Jabel IV.
^ 163 'S)
Stellen seiner Cüerke spricht Ovid von den Beinen der Htalanta und
zieht sie zum üergleiche für besonders schön geformte Beine an. (Uie
der oben angeführte Gelehrte (Uunderer*^*^ beifügt, wird Jltalanta auf den
antiken Bildwerken, in grof^er Anzahl auf Sarkophagen, immer mit hoch-
geschürztem Gewände dargestellt, vom Knie abwärts die kräftig gezeichneten
Beine sichtbar.
Jfuf unserem Bilde bei Ualvasor ist jedoch Jltalanta mit bis an die
Knöchel reichendem faltigen Gewände bekleidet dargestellt und hat nur
Unterarme und Busen entblöf^t, das paar trägt sie aber traditionell in
einen Knoten zusammengefaj^t, von dem hinweg Bänder flattern.
niit tief herabreichendem Gewände erscheint sie in der Uenetianer
JTusgabe von 1521 und in der Jlmsterdamer Ausgabe von 1732, mit an
dem linken Beine hochaufgezogenem Gewände nach antikem muster in
der (Uiener Ausgabe von 1791.
Zum Schlüsse sei hier noch bemerkt, da(5 unser 5^reiherr die Kupfer--
platten dieses seines Cüerkes fünf 2^^^^ "^^b der Verausgabe seiner
Metamorphosen dem Salzburger Uerleger 3^^^^"" B- Hlayr, hochfürstl.
Bof- und akad. Buchdrucker und Bändler, zur Benützung überlie(5 für die
von diesem 16$5 veranstaltete Ausgabe von Ovids nietamorphosen,*^^
wobei sämtliche 96 Stüde aus CUagensberg zur Uerwendung kamen, nur
mit der Änderung, da(5 bei jeder Platte die lateinische Cegende und die
deutschen Uerse weggestemmt wurden, was dadurch nod) heute nach-
weisbar, da(5 diese Uornahme durch Uerbleib von oberen Endpunkten höher
gezogener Buchstaben erkennbar erscheint.
In dem Hachlat^protokoll nach seinem Code finden sich als in Ualvasors
Bandbibliothek in Gurkfeld zwei französische Ausgaben der ületamorphosen
Ovids mit Figuren verzeichnet.*^^
*<'° 1. c, p. 212.
*^^ ein excmpiar dieses Cüerkes in der k. k. Studienbibliotbek in Caibacb.
''' Blau 9.
Bufruf an seine [landsleute behufs Verausgabe
der ,,ehre des Herzogtums Krain'',
er JInklang, den Ualvasors „Copograpbia 0arnioliae niodernae"
gefunden, die selbst die einheimischen vielfach erst mit den
„schönen Ortsgelegenheiten" des Candes bekannt gemacht und
namentlich auswärts das gröf^te Interesse erregt hatte, bestärkte
den 5^reiherrn in seinem langgehegten Cüunsche, ein gro(Ks umfassendes
UJerk über seine Reimat zu schaffen.
Doch war der gründlich arbeitende Gelehrte und Forscher überzeugt,
da(5 er allein, ganz nur auf die eigene Kraft gestützt, ein solch Riesen=
werk, wie es ihm vorschwebte und wie es sich dann auch herausgestaltete,
nicht würde zustande bringen können und da(5 da zu fördersamem und
zweckentsprechendem Schaffen es nötig erscheine, zur JIrbeit „mit vereinten
Kräften" aufzufordern.
Deshalb wandte er sich zu Beginn des Jahres 16S0 mit einem ge-
druckten „Jlufrufe"*^^ an seine Candsleute um geistige mithilfe, um Bei--
träge aus Jlufzeichnungen in den JIrchiven des Candes und eigenen
CUahrnehmungen, Mitteilungen von Inschriften usw.
Dieser Jlufruf lautet wie folgt:
„Ich Johann Cüeichard üalvasor zu ßallenek und Heudorff Rerr auf
üüagensperg fiege neben Grbiethung meiner gehorsamb, schuldgeflissen
und willigen Dienste, allen und jeden Geist-- und weltlichen Inhabern
aller und jeder löblichen Stifter, Klöster, l^errschaften, Schlösser, Gdlmans--
sitz, [)öf und [)äuser auch Stadt, ITlärkt und blecken im ganzen Cand
Krain auch angereihten Herrschaften CUindischen ITlark, Hlöttling, Isterreich
"' Dieser Aufruf befand sich in der Baron Grbergscben Bibliotbel< in Custtal und
wurde von ßaroii Busetb, Präsidenten der Krainiscben Candwirtscbafts-0eseliscbaft (1$23),
für diese Gesellscbaft kopiert und mir durd) die Jreundlici)keit des gewesenen Präsidenten
kais. Rat 3. murnik mitgeteilt.
'S) 165 'S)
und Karst löbl. Stuft, sambent und sonders kund und zu wissen, dat5
obwoblen icb fertigs 1679 3^bi'5 eine Copograpbiam aller obbesagten
Klöster, l)errscbaften, Scblösser, Stadt und Hlärkt in Krain, aufgericbt,
contrafeitiscb abgerissen, folgends in öffentlicben Kupferstieb ausgeben
lassen : So eracbte icb docb zu dessen mebrer Zierde und Jlnseben dieses
lUerks eine sondere Hotbdurft zu sein, da(5 deren jedes Ursprung, Rer--
kommen, Stand und CUesen, aucb wie und was gestalt es von einem auf
den andern Possessore bis auf gegenwärtige Zeit gekommen oder bernacb
wiederum ruinirt, zerstört, verlassen und verödet worden, was aucb so--
woblen in Kriegs-- als ^riedenszeiten gekommen oder bernacb dabey denk--
würdiges sieb begeben oder zugetragen, wie nit weniger was bey einem
oder anderen Ort rares, seltam oder fürwitziges zu seben oder zu finden
seyn nit allein zu des gantzen Candts, sondern aucb jedes Inbabers des-- '^
selben Kubm und Cob umbständig bescbrieben und zu meniglicbes nacb-
ricbt ebenmäf^ig in öffentlicben Druck gebracbt werde. Diesem zufolge
babe icb mir fürgenobmen, zu des geliebten Uaterlandes Gbr und Rubm
aucb der gantzen Posterität babenden Hacbricbt dieses CUerk an die Band
zu nebmen. Jllldieweilen es aber obne Bilf und Beistand der interessierten
Besitzer der Rerrscbaften und Güter aucb aus lHangel genugsam babenden
wolgegründten Informazion nit wol und leicbt bescbeben mag, also
bescbiebt an alle und jede anfangs specificierte Berrn Possessores und
Inbaber deren 6ült und Güter mein Dienst-- und freundlicbes Ansinnen
und Bitten, sie wollten zu solcbem €nde mit allerband notwendiger
Information (wie ob stebet) dergestalt mir unbescbwert an die Rand
geben, damit icb solcben (üerk mit ibrem gnädigen Zutbun sogestalten
einen Jlnfang macben und glücklieb vollenden möge, damit die gebetene
Information längstens bisbin umb St. 0eorgi mit allen erforderten
wolgegründeten ümbständen auf CUagensperg oder auf das allbiesige
Caybacberiscbe Postamt scbriftlicb und verscblossen eingebracbt werden
wollten. Das begebre icb umb einer jeden Insonderbeit der ßebübr nacb
in allen fürfallenden Occurrentien geborsamen Dienst-- und freundlicbst
zu bescbulden. Caybacb den 23. 5^ebruary 16$0.
DB. Ist 3emandten eine ßescbicbt oder was rares oder sonsten was
änderst wissent von eines andern Gut, Scblo(5 oder Berrscbaft, bitte also
geborsamb, aucb Dienst- und freundlicb, micb aucb zu bericbten."
In welcber CUeise und inwieweit die also zur niitbilfe aufgerufenen
Candsleute des edlen ^reiberrn diesem seinem patriotiscben Bitten nacb--
gekommen, darüber werden wir in dem der „Gbre Krains" gewidmeten
Jlbteil des näberen zu sprecben ßelegenbeit baben; eine allzu gro(5e
m
-© 166 'S)
mifbilfe bat er diesbezüglid) nicbt erfabren, mit Jlusnabme dessen, da{5
die seinem Hauptwerke gegenüber im allgemeinen sebr fördernde krainiscbe
Candscbaft ibm ibr reicbbaltiges Jlrd)iv, die Stifte desgleicben ibre Jlrcbive,
der Kunstmäzen Candesbauptmann Graf Euersperg scbon vorber seine
woblgewäblte Bibliotbek und andere einzelne Persönlid)keiten IDitteilunäen
über dies und jenes zur Uerfügung stellten.
ßausankauf in [laibadi.
fnfolge seiner durd) die Dacbforscbung in den Archiven der Candes--
bauptstadt sowie in den damals hier befindlich gewesenen Privat--
bibliotbeken befreundeter Standesgenossen bedingten öfteren und
lü längeren Jlufentbalte in Caibacb sab sieb unser 5^reiberr jetzt
aucb nacb einem ständigen Jlbsteigequartier bier um und er erkaufte sieb
zu dem Gnde nocb im j^bre 16$l ein bescheidenes zweistockbobes Baus
inmitten der Stadt, das Baus beute Hr. 5 der Scblossergasse an der Gcke
des Jranzenskai (beute im Besitze von Jllexander und Uiktor Schreiner,
durch eine Reibe von O^bren Gasthaus zur goldenen Sonne, in letzterer
Zeit Restauration Codovico ^antini).
Dieses Raus als Ualvasors gewesenes €igen festzustellen gelang mir
auf 6rund des bei der Candtafel des k, k. Candesgerichtes in Eaibach
erliegenden älteren 0rundbud)es der Stadt Caibacb sowie anderer älterer
JTufzeichnungen daselbst, dann der in dem Jlrcbive der Stadt Caibacb
befindlichen Steuerbücher (von 1604 bis 1752), der alten ßerichtsbücher
der Stadt Caibacb aus dem 16. und 17. 3abrbundert und einer Reibe älterer
Bäuserverzeichnisse der Stadt in der k. k. Studienbibliotbek, in der Biblio--
thek des landschaftlichen niuseum Rudolfinum in Caibacb und im Privat-
besitze meines leider zu früh verstorbenen 5^reundes weil, des ßerrn
Candesrates josef Pfeiffer.
Dieses Baus, das Johann Cüeikbard 5^reiberr von üalvasor im jähre I6$l
gekauft und nach zwölfjährigem Besitze im 3^bre 1693 wieder verkauft
hatte, erscheint in den Steuerbüchern der Stadt noch bis zum jähre 1733
als das Baus CUeikbart üalvasor 5^reiberr bezeichnet.*«*
Dicht unerwähnt darf jedoch bleiben, da(5 die erste Spur zur systema--
tisd)en Dad)forscbung nach dem Standorte dieses üalvasor--Bauses in der
*°* Im Besitze eines Heften unseres Treiberrn, des 3obann Karl ^reiberrn von
üalvasor, befanden sieb seit 16$4 die Räuser beute Dr. 12 der berrengasse (gegenwärtig
der „Banka Slavija" gebörig) und fir. 4 des fluerspergplatzes (beute €igentuni der
Yrau maria von Pongratz geb. maurer).
'S) 16$ 'S
seinerzeit vom gegenwärtigen l)errn städtischen Polizeikornmissär 3obann
Robida — einem flei[iigen Sammler auf lokalgescbicbtlicbem Gebiete —
aufgefundenen und dem landscbaftlicben Hluseum übergebenen üerkaufs-
urkunde desselben Rauses von 1693 gegeben u)ar. Darüber berichtet ein
Jlrtikel „Jlus üalvasors letzten tagen" in 5^r. Sumis „Archiv für Reimat--
kunde" *°^ folgendes : „1693 23. 5^ebruar, Caibach, 3obann lüeikhardt üalvasor
Freiherr etc. verkauft ein bei der Ringmauer gegen den Cüasserstrom
Caibach gelegenes und vorhin 5röhlichisch gewesenes Baus sammt Zugehör
dem Berrn Berrn Jranz Cngelbrecht Zetschker ^reiherrn von und zu
CUaltekh, Berrn auf Cüeinpüchl, Grken= und CUeixelstein um eine (nicht
genannte) Summe Geldes laut des am 10. Februar 1692 abgeschlossenen
Contractes.**
(Jon da aus galt es nun, weiterzuforschen. In der Urkunde, womit,
wie wir soeben gesehen haben, 5^reiherr von üalvasor an 5^reiherrn von
Zetschker sein in Caibach befindliches Baus verkaufte, helfet es ausdrücklich :
„ein bei der Ringmauer gegen den Cüasserstrom Caibach gelegenes und
vorhin 5^röhlid)isch gewesenes Baus".
Über „die Ringmauer gegen den Cüasserstrom Caibach" schreibt üalvasor
selbst in der „Gbre Krains":
„Im 3ahre 1534*^^ ist die Ringmauer sammt denen Chürmen bey dem
Cüasser hinter dem Rauber'schen, hernach aber Ziegelfestischen und nun-
mehr Cochenheimischen Bause erbaut worden: und erstreckt sie sich von
der Obern (der heutigen eisernen Bradetzkybrücke) bis zur untern Brücke
(heute die steinerne 5ranz--Karl--Brücke), wo man die Gasse ,hinter der
rnauer* nennet, da sonsten zuvor überall ein offener Cüeg zu dem
Cüasser war."*«^"^
Der hochverdienstvolle Copograph der Stadt Caibach, der leider allzu-
früh dahingeschiedene Professor ürhovec bemerkt in seiner Schrift über
die Bürgerschaft der Stadt Caibach in den vergangenen 3ahrhunderten:*^^
„Unser Chronist üalvasor hatte auf dem Bauptplatze irgendwo ein Baus"
und war zu diesem Satze durch die Einteilung der alten Steuerbücher
der Stadt verleitet, welche in die drei Bauptabteilungen: „Jim Platz",
„am Jllten IDarkt" und „am Heuen Hlarkt" geschieden erscheinen und
wo wieder das Steuerbuch „Jim Platz" diesen selbst samt allen seinen
Debengassen unter der einen Bezeichnung „Jim Platz" zusammenfallt.
*'' IL, p. 281 f.
*"" Zur besseren üerteidigung der Stadt gegenüber der Cürkengefabr.
*'' Üalvasor, Ebre des Herzogtums Krain, III. (XL), p. 666.
*°^ Cjubljanski me^canje v minulib $toIetjib, Cjubljana 1$$6, p. 274.
'S) 169 ®
Demnad) sind auch die Bäuser „hinter der IDauer" — wie Ualvasor
seine Hacbbarscbaft bezeichnet — in diesen alten Steuerbüchern vom
„Platz" und hier wieder unter der Rubrik „JFIm Platz" selbst zu suchen.
Und da fand ich denn in dem Steuerbuche vom jähre 1681 in der
Rubrik „Jim Platz" eingetragen: „Jansen ^röhlichs sei. Erben anjetzo
Berrn Johann CUeykhardt Ualvasor" und daneben die Steuervorschreibung
per 4 fl., Bausgulden 1 fl. 45 kr. und „Gxtraordinarj" 3 fl. 33 kr.
1 Pf.; während nun die beiden ersteren dieser Steuerposten bis 1693
und auch noch weiter hinaus sich gleich blieben, stieg der extraordinarj--
Zuschlag in der 5^rist des üalvasorschen Besitzes (16$1 bis 1693) von der
vorgenannten Summe von 3 fl. 33 kr. I Pf. bis auf 5 fl. 12 kr.
Unterm 23. Februar 1693 trat dann der Uerkauf des Rauses an
5^reiherrn von Zetschker ein und es enthält das ßerichtsprotokoll der
Stadt vom selben jähre (fol. 40 a und b) die Aufzeichnung über das
„ordnungsmä(5ige Jlufschlagen", welche magistratsamtliche 5^eststellung des
üerkaufes wir hier — um ein Bild solchen Jlmtsvorganges zu bieten —
wörtlid) folgen lassen. Die bezügliche protokollarische lassung lautet:
<s^
4SI
rnontag den 23. 5^ebruar 1693 ^
Praesentes
l^err Gder, Bürgermeister, Jlmtsverwalter,
Berr Johann ßrafenhueber, ßerichtsverwalter,
Berr Puecher, Berr Kert, Berr Cau, Berr de Giorgio, Berr Perne, Berr
nienegalia, Cüobesch (Hlitglieder des Innern Rathes),
Berren Raster, Cingau, Bittorfer, Schwertl, Rephuen, Hlraule, Kuh,
Chome, Böfer der Jllte, IDatthwaf^, Bibeel, Khazler, 5^ailler, Polz,
ITialy, CUrätsch, ITlarburger (mitglieder des äu(Krn Rathes).
Berr Johann Beikhardt üaluaf^or 5^reiherr begert sein bey der Ring-
IDauer gelegene hirvor 5^röllichisch geweste Behaufnmg dem Berrn 5^ranz
€ngelbrechten Zetschkher 5^reyherrn in Krafft des zwischen Ihnen den
10. 5eber verwichenen 1692 Jahrs aufgerichten Kauf Contracts aufzuschlagen.
Paul Schwertl (des äu(5ern Rathes) „sprengt ein" (ergreift dagegen
das CUort) und melt: £x habe von dem Berrn üalua(5or 5^reyherrn einen
Revers in Banden „wegen des verbauten ßässels" und will das Auf-
schlagen nit gestatten, es seye dann, da(5 der Berr Baron Zetschker sich
erklärt, deme, was der Revers vermag, nachzukommen. — Berr Zetschker
erklärt, sich an den Revers zu halten und erbietet sich auch der gemeinen
Stadt ein gebräuchigen Revers wegen des bürgerlichen Illitleidens zu geben.
'S) 170 'S)
(Protokoll--$d)lu(5bemerkung:) Ist das Jlufscblagen der Ordnung nach
fürgangen.
Cüie aber schon eingangs angedeutet worden, behielt das von 1681
bis 1693 Johann Cüeikhard Ualvasor eigen gewesene Baus in den Steuer--
büchern den Damen üalvasors noch bis zum j^b^^ ^733 und erscheint
der Käufer in keinem dieser Bücher als Besitzer verzeichnet, es war eben
keine (grundbücherlidie) Umschreibung des Bauses auf den Damen Zetschker
erfolgt.
CUiederholt hatte während des Besitzes dieses Bauses durch unsern
3^reiherrn der Magistrat der Stadt Caibach demselben behufs Uornahme
von Jldaptierungs- und Renovierungsarbeiten gröf^ere mengen von Bau-
und Dachziegeln aus den städtischen Ziegeleien in der Cirnau entweder
ganz gratis oder zu ermäf^igten Bürgerpreisen geliefert, so zum Beispiel
lesen wir im Ausgabenbuch der Stadt ex 1683 r**'^ „Imgleichen seindt
Ihro Gnaden ßerrn Berrn Johann UUeykardten Ualvasor 5^reyherrn an denen
genombenen Jinfahl der Ziegl $9 fl. 46 kr. laut Decret nachgesehen
worden."
409
Jol. 41 a. Beleg nr. 09. — Archiv der Stadt Caibad).
Das erscheinen weiterer Werke*
Copograpbia Hrcbiducatus Carintbiae moaernae.
^■■^)
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er volle Citel lautet: CopograpbiaJlrcbiducatusCarintbiaemodernae,
d, i. Controfee aller Statt, ITlärckbt, Clöster und Schlösser, wie
sie anjetzo stehen in dem ertzberzogtbumb "" Kbärndten. ßervor--
gebracbt zu CUagensberg in Crain und im 3^^»* l^^l- Hlit
sonderbabrem 51ei(5 durch Johann Cüeikbart üalvasor. (3oh. Koch delin.
B, Crost f.) 4.«q. (Eaibach, 3ob. B. mayr.)
Gewidmet erscheint dieses Cüerk den Ständen von Kärnten. Die CUidmung
beginnt mit der Ausführung des Grundsatzes: „da[5 man die Hatur nicht
zwingen soll zu Uerrichtungen, welche derselben unliebig, sondern denen
angeerbten Heigungen so dem Uerstand und Cugenden gemä(5 einigen
Uorschub als (statt) Bindernissen gönnen solle". Gr sagt weiters: „ihm
gefalle von Oabren her die Abzeichnung der Candschaften, Städte und
Gebäude, ,welche jetziger Zeit sehr in Schwung kommen' zum gro(5en
Uorteil der Reisenden sowie zum nutzen der Cänder, die dadurch mehr
bekannt werden". — Plan sieht, diesen Sätzen liegt eine dem modernen
CUesen des 5^remdenverkebrs kongeniale Anschauung zugrunde, die in
spezieller Anwendung auf die ITlerkwürdigkeiten unseres schönen Dachbar--
landes Kärnten hier gegeben erscheint, und er bekräftigt diese Anschauung
noch weiter durch die ITJotivierung: „denn mancher, der die Bilder sehe,
trage zugleich das Uerlangen, sein Auge an dem Originale zu ergötzen" ;
ein Satz, den man heute ohne weitere Anfügung als Devise unter die
polychromen Reklameaffichen unserer 5^remdenverkehrsvereine und Gtablisse--
mentsinhabungen, wie sie unsere schönsten Gegenden auf Bahnhöfen und
an Straf^enecken popularisieren, setzen könnte, ohne dadurch allzusehr
hors de stilistique zu sein.
Cr habe, schreibt er weiter, viele Cänder durchreist und wahrgenommen,
dal5 sein üaterland Krain vielen unbekannt sei, aus tHangel von Beschreibung
*^° Die österreichischen Fürsten heilten Erzherzoge nicht blof^ wegen Österreich ob
und unter der Gnns, sondern auch wegen Steiermark, Kärnten und Krain, weil diese
aud) €rziandc (€rbländer) sind. [Ualvasor, Ghrc des h^rzogtunis Krain, III. (X.), p. 310 f.J
'S) 172 'S)
und „entwürfen'' (Abbildungen); deshalb habe er vor zwei Jahren die
Topographie von Krain herausgegeben. „(Ueil nun aber — sagt er wörtlich
noch weiter — die Ceutseligkeit erfordert, auch denen Benachbarten zu will--
fahren, so habe ich anrainender (angrenzender) Rochlöblichen Candschaft in
Khärndten besonders ansehnliche Orth ebenfalls abzeichnen und denen sowohl
l)einiischen als 5^reniden vor Jlugen in einem kurzen JRbrif^ stellen wollen.'*
Die Datierung ist von CUagensberg 3. Jänner 16$1.
Den J^bbildungen steht auch hier ein lateinisches Gedicht von Paul
Ritter (üitezovich) voran.
Gs folgen dann 223 Kupfertafeln und am Schlüsse steht das Uer--
zeid)nis der Jlbbildungen und der Besitzer. „Gedruckt zu Caybach bey
]oh. B. mayr, Candtschaftl. Buchdrucker, Jlnno 16$!."*^'
Da wir weiter unten auf die Besprechung der ausführlicheren, mit
beschreibendem Cext versehenen, 16$$ ausgegebenen Topographie von
Kärnten kommen werden, so können wir von einer eingehenderen $chil=
derung dieses Uorläufers leichter absehen.
* *
Copograpbid Carintbiae Salisburgensis.
Copographia Carinthiae Salisburgensis | Id est | Gpiscopatvs Prae--
positvrae | Civitates oppida, arces, et castella | Tu £arinthia l)abita, |
quae Possidet | Brchiepiscopatvs Salisburgensis | Cuci edita CUagenspergi
in 0arniolia | 16 Per $1 | loannem Cüeichardum üaluasor etc. etc. | loan:
Koch del: J\, Crost f(ecit).*^2
Dieser lüidmungskupferstich weiset das f. e. salzburgische Cüappen, links
unten seitwärts die JInsicht von Salzburg mit der Jeste Rohensalzburg,
rechts den Residenzplatz mit dem Dom in Salzburg.
Die dem Sammelwerke der salzburgischen f. e. Besitzungen in Kärnten
— entnommen der Copographia Carinthiae Ualvasors — vorangestellte
Cüidmung an den damaligen 5ürsterzbischof von Salzburg, des heil.
Rom. Reiches Fürsten, päpstl. Cegaten, Primas von Deutschland, ITlaximilian
Gandolph Reichsgrafen von Küenburg lautet wörtlich wie folgt: Celsissimo,
ac Reverendissimo | Principi ac | Domino, Domino | IDaximiliano |
Gandolpho | Gx Sac. R. 1. Comit. de Küenburg, Jlrchiepiscopo Salisburgensi,
S. R. Imp. I Principi, S. Sedis Jlpostolicae Cegato Dato, ßermaniae Pri--
mati etc. etc. Domino | Domino suo Gratiosissimo. | Peregr^ ad Celsitudinem
**' In der k. k. Studicnbibliotbck in Caibad) befindet sid) ein gut erhaltenes, in
Ccder gebundenes Exemplar dieses ÜJerkes.
412
Befindet sid) in der k. k. Studienbibliotbek in Salzburg.
'S 173 'S)
üestram veniunt Gpiscopatus, Praepositurae, | Oppida, Castra, non tarnen
peregrina, sed domestica | etc. quae Domino $uo vti fidem debent, sie |
praestant obsequia : atque v porro praestare possint frequentius, intra
penetralia Palaty JIrcbiepi | scopolis adnitti postulant, exbibitura suae
servitutis bomagium toties. quoties Celsitudinis üestrae Principa | li oculo
dignabuntur. Jllia subinde Pastoralem visitationem metuunt, baec fre--
quentatam ambiunt. IDe im | pulsore id agunt, qui Salisburgum accedens,
ne solus comparerem, banc mibi comitivam assumpsi : ne | vacuus, boc
diguum Principe munus judicavi. Dibil enim aequ^ benigno interentur
oculo Principis, quam | ea, quae sibi fidelitatis vinculo sciunt subarrbata.
Gn igitur Celsissime Princeps, Oppida 0astra, Praepositu | rae, Gpiscopatus
ex Ercbiducatu Carintbiae, quae Pedo Celsitudinis Uestrae substernuntur
et amant subesse | vnä mecum se sistunt, ac tacite loqvuntur me inter--
prete : Inclinamus turritos et Infulatos vertices Pas | ri, Patriae, Pastori, M
Praesuli vigilantissimo, quem boni Coelites si | cut bactenus voluerunt
transcendere Jlnnos Regiminis antecessorum Jlrcbipraesulum ßeminorum
ex an | tiquissima et nobilissima Domo Küenburgica, ita deinceps quam
diutissim^ servent incolumem, | communi bono Salisburgensis Catbedrae,
ornamento familiae, subditorum tutelae, clientum solatio | et gaudio
etiam advenarum. Quod votems ego animitus repetens, perseverare desi--
dero I Celsitudinis Uestrae | Demississimus Servus loannes Cüeicbardus
Ualvasor, L B.
Gs folgen nun 26 Kupfertafeln, auf welcben die dem Salzburger Grz--
bistum zur Zeit in Kärnten gebörig gewesenen, sowie die unter dessen ^
Kircbengewalt gestandenen Besitztümer abgebildet erscbeinen; die Zeicbnung "^
der meisten derselben rübrt von der l)and unseres 5^reiberrn von Ualvasor
ber und sind die von demselben gezeicbneten Blätter mit dem IDonogramm
I. W. D. verseben; die Stiebe besorgte zumeist JTndreas Crost, nebenbei
von einigen Blättern Peter ITlungerstorf und niattbias ßreiscber, sowie
aucb 51. Scbnabell.
Die einzelnen Blätter stellen dar: 1. Jlicb, Rerrscbaft im ßurker Uiertel.
Dem Domstift 0urk gebörig. 2. niarkt Jlltenbofen, Rerrscbaft Jlltenbofen
im 6urker Uiertel, ßocbfürstlicb Salzburgiscb. 3. Stadt St. Jlndrä im
Cavanter Uiertel, Jürstlicb Cavantiscb. 4. Stadt 5riesacb im ßurker Uiertel,
[)ocbfiirstlicb Salzburgiscb. 5. Pfarre und Scblo(5 ßliednitz im ßurker Uiertel.
Dem Domstift 6urk gebörig. 6. niarkt und Scblo(5 Grodas (Grades) im
6urker Uiertel, Jürstlicb ßurkiscb. 7. Illarkt ßuettaring im 6urker Uiertel,
[)ocbfürstlicb Salzburgiscb. S. Illarkt und Domstift 6urk im ßurker Uiertel.
„Gin Cbumbstüfft der Regulierten Cbor-ßerren." 9. Domstift ßurk „von
3
'Nl
m
'S) 174 'S)
der hintern Seiten". 10. Gurniz (Schloff und Propstei) im Untern üiertel.
Rerrn Benedikt Ironiiller gehörig. 11. I)albegg im ßurker üiertel, fürstlich
Gurkisch. 12. niarkt und Schlot? Iiüettenberg (nionogramm Ualvasors, kein
Kupferstecher genannt, vielleicht auch ein üersuch Ualvasors selbst, Baum--
schlag primitiv) im ßurker üiertel, Rochfürstlich Salzburgisch. 13. St. Jörgen
am Cängsee im Untern üiertel. „€in 5^rauen--01oster" (heute St. Georgen,
eine hochbeliebte Sommerfrische). 14. Hlannsperg im Untern üiertel. Dem
Domstift 0urk gehörig. 15. Hlaria Saal im Untern üiertel, Rochfürstlich
Salzburgisch (auf der Darstellung des „5^ür$tenstuhls" liest man ,,ELV
DOMYVE'O. 16. Pökhstein im Gurker üiertel, 5^ürstlich ßurkisch. 17. Pregern
im ßurker üiertel, Rochfürstlich Salzburgisch. IS. IDarkt Saxenburg im
Obern üiertel, Rochfürstlich Salzburgisch. 19. Stain im Cavanter üiertel,
Rochfürstlich Salzburgisch. 20. Stadt und Schloff Straf^burg (links zur Seite
Propstei Cidnig) im ßurker üiertel, fürstlich ßurkisch. 21. Ceggenprun
im ßurker üiertel, Rochfürstlich Salzburgisch. 22, Propstei Ceynach im
Untern üiertel. Rochfürstlich Salzburgisch. 23. Chürn im Cavanter üiertel,
fürstlich Cavantisch. 24. markt Cüeittensfeld im ßurker üiertel. Dem Dom--
stift ßurk gehörig. 25. ÖJeyer im ßurker üiertel. Dem 5rauenkloster zu
St. Jörgen gehörig. 26. Propstei Cüieting im ßurker üiertel, Rochfürstlich
Salzburgisch. (Der hochw. Jlbt von St. Peter, gegenwärtig Prälat Cüilibald
Rauthaler, bekleidet auch die (üürde eines Pröpsten von Cüieting.) Im
ganzen waren 11 Besitztümer Gigentum des 5^ürsterzbistums Salzburg
selbst und 15 standen unter dessen Kirchengewalt.
*
* *
Cbeatrum mortis Dumanae tripartitutn.
Ratte die Pestseuche von 1679 das Cunnel-Durchschlagungsprojekt
ualvasors „hintersteilig" gemacht, so war diese ßottesgei(5el es hinwieder,
die ihm die JRnregung zur Rerausgabe einer künstlerischen Produktion gab.
Und diese war das Cheatrum mortis humanae tripartitum, das unser
5^reiherr, nachdem 16S1 wieder die Pest gewütet, im Jahre 16S2 aus seinem
Kupferstichatelier zu Cüagensberg hervorgehen lie(5.
Gs ist das eine Publikation, bei welcher wir uns aus verschiedenen
ßründen etwas länger verweilen wollen.
üor allem müssen wir eine kurze Richtigstellung der bisherigen in die
Öffentlichkeit darüber gelangten Jlnsicht oder, besser gesagt, Schilderung un=
serer freilich wohl hier auch gedrängt möglichen Beschreibung voraussenden.
Diese Richtigstellung besteht nämlich darin, da(5 man bisher nach den
flüchtigen Anzeigen meinte, üalvasor habe da vornehmlich nur einen
'S) 175 '2)
Cotentanz geboten, und die eine dieser JInzeigen beschränkte sieb darauf,
Ualvasors Cotentanz nur als eine Dacbabmung, wo nicbt gar als ein
scbwacbes Plagiat von Rolbeins Cotentanz hinzustellen — wo hingegen
es erstens nicht richtig ist, was in letzterer Behauptung ausgesprochen
wurde, und zweitens, da(5 ganz übersehen wurden die beiden von üalvasor
dem Cotentanz angehängten Jlbteilungen „von den verschiedenen Codes-
arten" der menschen und von der Pein der Uerdammten.
Der vollständige Citel von Ualvasors Cüerk lautet: Cheatrum | mortis
humanae | tripartitum | I Pars Saltum mortis | II Pars Uaria genera mortis |
III Pars Poenas Damnatorum continens. | 5^iguris aeneis illustratum. |
Das ist: | Schau-Bühne | de(5 menschlichen Codts in drey Cheil. | 1 Cheil
Der Codten-Cantz, 2 Cheil Underschidliche Codts--0attungen | 3 Cheil Der
Uerdambten l)öllen--PeYn vorstellend. | mit schoenen Kupffer--$tichen geziehrt
vnd an Cag | gegeben. | Durch | Ooannem Cüeichardum | üalvasor etc. etc. |
Cum facultate Superiorum et Speciali Privilegio | $ac. Caes. majest. |
6edrud<t zu Caybach vnd zu finden bey 3^^^^^^ Baptista | mayr in
Saltzburg, J!nno 16$2.
Das dem Citel zur Seite gestellte Kupferblatt, das von üalvasor selbst
komponiert erscheint, stellt eine Jlpotheose des Codes dar, in welcher das
durch die Grbsünde aus dem Paradiese gewiesene erste menschenpaar
durch den in vielerlei Gestalten repräsentierten Cod unter Crompeten- und
Paukenschall zu den aufgeschaufelten Bestattungsgruben geleitet wird.
Dem Citelblatte folgt die Guthei(5ung des (üerkes durch den geistlidien
Zensor 5r. JInton Cazari, welcher, Caibach 2. Jlpril 16$2, in vier Zeilen
erklärt, dafe dasselbe nichts enthalte, was dem orthodoxen Glauben und
den guten Sitten widersprechen könnte, woran sich dann die Jlpprobation
für den Druck des Buches reiht: gegeben Caibach, 7. üpril 16S2, durch den
0eneral--üicar Cheologie-Doctor 5^ranz Ooseph ßarzaroll ä Garzarolshoffen.
Jlus (üagensperg, 24. JTpril 16$2, datiert die an den gelehrten Bht
von St. Paul in Kärnten Jllbert Reichardt gerichtete (üidmung des Heraus-
gebers, des 5^reiherrn von üalvasor in lateinischer Sprache, welche mit den
Cüorten schliefet: Cuo igitur Patrocinio Cheatrum hoc mortis instructum
atque firmatum parens evadet faecundissima Propheticorum illorum Chea-
trorum vbi in campis et pratis inter rosas et faeni flores extinctae animae
afflante Domini spiritu reviviscant, suam haue Jlnastasim beatissimam in
acceptis tibi referentes, vere Patri multarum gentium. Ita opto spero et supplico.
Die Einleitung an den Eeser (deutsch) kündigt vor allem an, da(5 in
diesem ÜJerke „keine weltlichen GrgötzlJchkeiten begriffen sind", sondern
nur „aller Grdwohner letzter 5^eind, der dürrgerippte Sensenmann".
"& 176 'S
Sodann wird der Inhalt der drei Abteilungen kurz charakterisiert.
Hn diese Einleitung schliefet sieb ein lateinisches Gedicht und ein
lateinisches üersspiel von Paul Ritter (üitezovich).
I^ierauf beginnen sogleich die Zweigespräche mit dem Code (alle in
gebundener Sprache, lateinisch und deutsch).
CUie Samhaber in seiner Besprechung des ersten Ceiles des „Cheatrum
mortis" (auf diesen allein sich beschränkend) ganz richtig bemerkt/^^
sind die deutschen Uerse Ualvasors, eine Uariation der lateinischen Uerse
darstellend, sprachlich zwar oft ungeschlacht und derb, entschädigen aber
dafür durch ernste Cüahrheit und heitern Rumor der Gedanken.
Den Jlnfang macht das Zweigespräch des nienschen (im allgemeinen)
mit dem Code (lateinisch und deutsch) und ihm folgt, nachdem die Gr--
schaffung der Cüelt und des Hlenschen sowie der Sündenfall behandelt
worden, die Unterredung der ersten Gltern mit dem Code; der Grzählung
über die Erschaffung der Cüelt und des menschen ist auch die erste
Kupfertafel beigegeben (die Erschaffung der Eva aus der Rippe Jldams
darstellend); nun folgen die übrigen Darstellungen (alle von Kupfern
begleitet): der Sündenfall, die üerjagung aus dem Paradiese, die Jlllegorie
der fortgesetzten männlichen und weiblichen Jlrbeit auf Erden und der
Reihe nach die üorführung all der dem Code geweihten Gestalten (Re-
präsentanten aller Stände und Berufe mit dem Papste, Kardinal, Bischof,
Jlbt, Kanonikus, Pfarrherrn, Prediger, mönch, Äbtissin, Klosterfrau, Kaiser,
König, 5ürst, Graf usw., beginnend mit den 5^rauengestalten, dann den
Kindern und den Personifikationen der Jugend der Criumphierenden,
Christus am Kreuze, mit dem Gebein aller menschen [die Gerippe aller als
musikchor], dem jüngsten Gericht und dem Cüappen des Codes schliefend).
Jluf der letzten Seite des ersten Ceiles steht: Ende des Ersten theils
Jinno MDCLXXXI.
Stellt sich diese erste Jlbteilung als eine ziemlich genaue Jlnlehnung
an l)olbeins Cotentanz^^* dar, nur ab und zu sich eine Jlbweichung
gestattend -- es erscheint zum Beispiel hier bei üalvasor in die Reihe
der Gestalten auch der Bettler aufgenommen, der ja doch, so schlecht es
ihm geht, nicht sterben will — , so sind die beiden weiteren Abteilungen
des „Cheatrum mortis" in Erfindung und Ausführung originelle Schöpfungen
*'=» Caibacher Zeitung 1$$$, Hr. 71, p. 000.
*'* Unter den Dacbsticben in Kupfer ersdieint Ualvasors Hacbsticb zugleid) mit
Umbildung der €inzelbeiten von n^a^mann in seiner Citeratur der Cotentänze als dritter
der Zeit nad) aufgeführt. — Serapeum, 1. jabrg. Haumann, Ceipzig, C. 0. Cüeigel 1840,
Hr. 16 ff., p. 243.
;:.<'>
-© 177 '&
unseres 5^reiberrn, beziebungsweise seines Rauskünstlers, des IDalers Job. .
Kocb, dessen Dame denn aucb auf den Bildeben dieser beiden Jlbteilungen:
„IL Unterscbiedlicbe Codts-Gattung" und „III. Pein der üerdambten" an-
gegeben erscbeint; die Kupferstiebe weisen ab und zu das IDonogramm
des Kupferstecbers JIndreas Crost. Ober-- und unterbalb der Bildeben —
welcbe in allen drei Jlbteilungen die scbon in einem vorigen Jlbteil dieses
Bucbes*^^ bervorgebobenen, fein stilisierten pflanzen-- und tiersymboliscben
Darstellungen entbaltende Umrabmungen weisen — steben gleicbwie im
ersten Ceile die lateiniscben und deutseben Zitate aus der Beiligen Scbrift.
Die zweite Abteilung: Unterscbiedlicbe Codts- Gattung umfa(5t die
Seiten 121 bis 192, bat das eigene Citelblatt mit der O^breszabl 16$1 und
es zäblt diese Jlbteilung im ganzen 35 Codesarten, und zwar: 1. Jlescbylus
der Poet, 2. Cleopatra die Königin, 3. JIrius Jllexandrin, 4. Saxenbauser
Braut, 5. Procopius der Cyrann, 6. 5^ürstlicbe Beiscbläferin, 7. Regulus ^
Jlttilius, $. Polydamos, 9. Seneca, 10. Dirce, 11. Portia, 12. Scbnitter- 1
Burst,*iß 13. 3acobus Uojnitscb, 14. Batto der Biscbof, 15. Oppia Uestalis, 1
16. Jlmpbiaräus der UJabrsager, 17. Der Crack (Dracbe), 1$. Perill, 19. Der ^
niaxentius, 20. IDetius, 21. Basilius, 11, flgazo, 23. König Ceutebert,
24. Okbürcben (Okotcbiana), 25. Jlsclepiad, 26. In Bauten,"^ U, Democles,
2$. 3ordanus, 29. Servius, 30. Gyrsilus, 31. Segniensis, 32. Baubtmann, 5
33. mit Becb (Pecb), 34. JIn dem Galgen und 35. Jluff dem Pfal. t
Dacbstebend wollen wir zur Cbarakteristik der die Stiebe begleitenden _
deutseben Uerse einige berausbeben; diese Uerse sind, wie scbon erwäbnt, *
Uariationen der darüber gestellten lateiniscben Uerse, deren Cenor mebr-- 1
facb aus den alten Klassikern, aber aucb aus Gbroniken und dem Uolks- %
munde (Kroatien — Ritters einflu(5) stammt.
Saxenbauser*^^ Braut.
Gin Saxenbauser Braut
CUird baimb beglaidt zum IDann,
Die freund vnebrbars vil
Zu treiben fiengen an.
415
416
Bei Schilderung von Ualvasors Passionsbücblein.
Die Burscbt = jeder Herein von unverheirateten oder nicht als Rausväter be»
traditeten mannspersonen. $d)nieller, Bayer. IÜ.--B., I., p. 2$1.
■**' Sueton in Deron, Kap. 3S.
*^^ Saxenbausen = anderer Cell von Frankfurt a. in.
V. Radic$, Ualvasor. 12
-© 17$ ^
Der CUagen brach zur Stund,
Rat fünft der freund erdruckt,
Die Braut auch schwer verwundt,
Dem Codt kaum war endzuckt.
Citius, üb. 11, p. 319.
Jacob US üoynitsch.
Z'war"^ üoynitsch der Crobath,
Ist g'west sein gantzes Ceben,
€in wackerer Soldat,
Gin rnörder doch darneben,
Zwölff Schlösser er au(5 l)a(5
Gim (einem) Graffen abgebrändt,
Sein Schwester über das
Dem Cürcken in die l)ändt
Uerkaufft zum Üenus-Brauch,
Der 0raff*2o stölt heimlich Cüacht,
Die ihn in kurtzem auch
Künstlich ins Hotz gebracht:
Die Straff sodann war dif)
Jluffs rnörders Casterthatten,
Gr wardt an einem Spi[5
Cangsamb beym 5eur gebratten.
Der Crack.^^i
Jlls Chunsa*22 ^vard | belagert hart,
mit 5^eindes IDacht eing'spörret,
Byrsener Cand | mit Raub und Brand
Jiuch damals gantz verhöret:
In Croatia.
**» Zc war = in lüabrbcit.
^"^^ Das Gcsidit des den Befebl erteilenden Grafen scheint nacb den markant ge-
haltenen Zügen ein Porträt zu sein.
*^' Der Dracbe.
*" Cunis.
'S) 179 -2)
Darvon obng'febr | pflegt in das lUcer
Der Pograd--5^1u(5*23 zu scbwallen,
Ine iner Cack*^^ | ein grof^er Crack
Zu negst dabey tbet stallen:
Jlls nun die Burst^^s | vor grof^em Durst
ßedacbtem 51u(5 zuegangen,
nian keinen mebr | zurück ins Beer
J\n{j ibnen sab gelangen:
Dann sie gestrack | der scbröcklicb Crack
M unibgebracbt vnd g'fressen,
0 tbeurer Crunck, | nacb mein Bedunck
Uerlaidt er wol das Gssen.
B. ßellius, üb. C, cap. 3.^26
JIgazo.
ein Obrist Ceutscbes Bluts,
Jfgazo gnant von Peeren,
Uon dem al(5 (alles) bö(5, nicbts guets
lUar liberal zu boren:
Dann (Denn) Böll und Bimmel er
Gott vnd Codt nur verlacbte,
Stainvöst vor allem ß'wöbr/^^
Durcbs Ceuffels Kunst sieb macbte,
^"^^ Badagradam. bunc fluvium Plinius naturalis Ristoriae libro V. in Jffrica
collocat in altero sinu iuxta Uticam urbeni Catonis mortc cclcbrcni flnnotationes Pctri
tnosellani Protogensis in £lari$$inias Jluli ßelij lloctcs fltticas goloniac MDXXXIII.
In VI. üb., cap. III.
*^* In einer Cad)e.
^'^ Burscht = Uerein von männern (s. $. 177, Hnm. 416).
*^^ B. ßclüus schreibt in seinen Hoctivn Btticarum, üb. VII (vulgo VI), cap. III:
Ristoria sumpta est ex übris Cuberonis de serpente invisitatae longitudinis. Cubero
berichtete, dab im ersten Panischen Kriege der Konsul Reguius in Afrika, nachdem er
beim Jlusse Bagrad ein Cager aufgeschlagen, eine grofK und scharfe Schlacht gegen
eine in der dortigen Gegend hausende $cl)lange von bisher ungesehener ßröf^e mit
allen Geschossen geführt und das erlegte Cier in einer Cänge von 120 Juf^ nach
Rom ge$chid<t habe. Rertz, flul. Gelüus, Doctium Jltticarum Cibri, XX. üolumen. Prius
Beroüni 1883.
*^^ Uergleiche üalvasors persönliche Bnsicht über diesen Aberglauben im Abteil :
Dalvasor als Krieger.
12*
<© 180 -2)
Durch der Crobatben ÜJütz
CUar gfangen diser Röcbten,
}\\$ an ibni aber ß'scbütz
Und Säbel nichts vermöchten,
ßrueben sie disen Cropff
In d' Grden bi(5 an Kragen :
Und theten ihm den Kopff
mit $tuck--Kugeln zerschlagen.
harsdörffer, Der grofK $d)auplatz, pars 2, cap. 70.
Okhürchen (Okit Chiana).
Doch fünffinal nicht | den Cauff verriebt
Die Sonn mit ihrem CUagen,
Da[5 sich ein Chat | z Okhürchen hat
ßantz seltzamb zugetragen :
Sein rnagd ein niann/^s | gf^j^ in Jlrgwobn,
Eis ob sie was entragen,
Ob nun die Hlagd | solch Chat gewagt,
Kan ich für gwi(5 nicht sagen:
Doch nahm er die | vnd bunde sie
Im CUinter an ein Pfahle
Hackend vnd blo(5 | vnd sie bego(5
rnit CUasser sovill mahle.
Bis sie zu ey(5 | auff solche CUei[5
Grtödtet, gantz erfrohren,
Da gwit5 nicht hat | sein Praedicat
Der kalte Codt verlohren.
In Croatia.
*
Segniensis.
Uor Zengger Statt | ein Knab sich hat
Gtwa(5 hinauf^ begeben
Uierhundert Schritt, | vil weiter nicht,
Da kostet 's ihm sein Ceben.
*" €s ist d)araktcristiscb, dab, indem in der !?abel ein mann als Strafender hier
erscheint, der Zeichner auf dem Bildchen ein UJeib mit den Zügen einer Xanthippe
dargestellt hat.
-© 1$1 'S)
€in Schlangen gro(5 | gab daber scbof^
niit zween gar langen Scbwaiffen,
erscbröcklicb sebr | baumbt sie daber
mit ziscben vnd mit Pfeiffen,
Sie sprang in ibn | mit Ungestimm
Und gleicbsam gantz einscbnierte,
Sie truckt ibn sebr, | bi[5 immer mebr,
So lang er sid) nur rübrte.
€r starb dabin, | sein niutter ibn
Zwar bat bernacb gefunden,
Jlber — scbon todt, | erbarm es ßott,
ßantz voller 0ift vnd Cüunden.
* In Dalmatia.
Jluff dem Pfal.
Die gro(5 Zabl | der Scbmertz vnd Qual,
So Codt und Ceben bäuffen
Uon auf5 vnd inn | kann menscben Sinn
Zwar niemals gnug begreiffen,
mebr immer docb | der menscben nocb
Ibr ßrausambkeit nacbgründet,
mit grol^em 51ei(3 | vnd neue CUei(5
Der Pein vndt Codt erfindet:
Zu diser Zeit | man gar die Ceutb,
Uon denen man kan wissen,
Da(5 sie dem 5^eind | Uerrätber seynd,
J\n g'spitzte Pfäl tbut spissen:
Da gebt der Pfal | dem manicbsmal
Beim Kopf au(5, dem beym 0nücke,
Dem durcb die Seit, | der stirbt bey Zeit
Kan 's balten für sein Glücke.
* In üngaria et Croatia.
Die Pfäblung,*29 ^jj^^^ grausame Jlrt der Codesstrafe, die scbon in
den Gesetzen des Rammurabis, Königs von Babylon, um 2250 v. Cbr.
im 153. Jfrtikel : „CUenn jemandes Gbefrau, wegen eines andern, ibren
Gatten bat ermorden lassen, so soll man sie auf den Pfabl stecken",
*^^ Dr. Siegmund Sliassny, Die Pfäblung eine Yorni der Codesstrafe. Kultur- und
recbtsbistoriscbe Studie, UJien, Hlanzscbe k. u. I<. bof-Uerlags- und Universilätsbuch«
bandlung 1903.
enthalten ist und in Deutschland im 13. Jahrhundert eingeführt erscheint,
war in Ungarn von den Reitervölkern übernommen worden, die die grof^en
Ebenen durchströmt hatten. l)ier in Ungarn waren es die Delikte des
Cotschlages und des Rochverrates (üerrates an den 5eind), welche namentlich
für die Pfählung gesetzt waren. ^^^^
Die 5orni, in welcher die Pfählung auf dem Bildchen bei Ualvasor
dargestellt ist, entspricht der Schilderung bei l^esychius,*^^ welche (in
deutsche Sprache übertragen) also lautet: „In alter Zeit pfählte man
nämlich die Übeltäter, indem man ein Rolz spitzte und durch Rückgrat
und Rücken trieb, wie die tische, die auf Bratspief^en gebraten werden."
— Über dem 5euer gebraten mit dem Pfahl im Ceibe wurde, wie oben
erwähnt, der Kroate Jacobus üoynitsch.
Der dritte teil von üalvasors Cheatrum ITlortis stellt die „Undter--
schiedliche Rollen -Peyn der üerdambten" dar. Gs sind 31 Bildchen, auf
die Seiten 193 bis 256 verteilt. Die 5^orni der Behandlung des reichen
mannigfaltigen Stoffes ist eine gleiche wie in den beiden ersten Abteilungen,
links die lateinischen und deutschen üerse, rechts die Bildchen mit oben--
und untengestellten Zitaten aus der heiligen Schrift, lateinisch und deutsch.
Die Bildchen sind auch hier (wie in II) von ]oh. Koch gezeichnet
und von Jlndreas Crost in Kupfer gestochen, die Umrahmungen die gleichen
wie in den früheren Abteilungen.
Alleinherrscher ist der Ceufel in seinem demente, dem 3^1ammenmeere,
meist verrichtet er sein Amt, die Röllenpein, allein, öfters hat er auch
einen Ceufelsgesellen als Reifer zur Seite.
Die Erscheinung der Ceufel ist in den verschiedensten Ciergestalten,
dann auch als Ralbmensch und Ralbtier dargestellt.
Dem an einen 5^elsen mit Ketten angeschmiedeten 5^1ucher reifet der
Ceufel in nienschengestalt, doch mit Bod^sbart, Römern, Krallen an den
lüften, ^ledermausflügeln am Rücken, mit einer Zange die Zunge aus, um
den Unterleib des 5^1uchers sieht man eine Schlange sich winden; das
Zweigespräch zwischen Ceufel und 5^1ucher lautet:
Der Ceufel :
Den Rimmel du angriffen hast
Und 6ott sein Ehr gestohlen,
Der höllisch Rachen dich nun faf^t,
Jetzt pfeiff auf diesen Kohlen.
*" Stiassny 1. c, p. 3Ö.
"' hesycbii Jllexandrini, Ccxicon. Edit. minor, curavit. mauritius Schmidt, Jena 1$67.
— Stiassny I. c, p. 20 f.
& 1$3 -2)
Der 3^1uecber:
0 Zimg, auf ewig bist verlobrn,
Durch dicb, was bab icb g'wunnen?
Dicbts als die ßöll vnd Gottes Zorn,
Das beist seyn vnbesounen.
*
Der Gbebrecber erscheint auf dem Rade, auf dem Oberleibe bockt
eine Kröte, im 5^Iammenmeer schwirren durcheinander auf den üerdammten
berabzielend ein geflügelter Drache, der l)öllenhund, eine ßexe mit dem
Dreizack, zu oberst eine Uogelgestalt mit langem Kopf und langem Schnabel
(alle diese Gestalten sehr en miniature gezeichnet).
DerCeufel:
JIvff frembde Häster g'flogen bist,
Tn disem Beth nun raste.
Die Krott dein gifftiges Bertz zerfri(5t,
Dach frembden fleisch jetzt faste.
Der Ghebrecher:
Ghebruch, o grof^e schwere Sund,
Bast mir all Glieder brochen I
ein kurtze 5^reud, so schlecht und gschwind,
Schau, wie sie wird gerochen.
*
Der B off artige. Der Ceufel hat nienschengestalt an Ceib und Jlrmen,
dazu den Kopf mit Saurüssel, Bocksfüf^e, Krallen, blast mit einem Blas--
balge in das Gesäf^e des auf einem Steine sitzenden üerdammten, im
Hintergründe das lodernde Flammenmeer.
DerCeufel:
Der gar zu klein, zu gro(5 sein will,
Der kann nicht lang bestehen,
Kombt von dem Dunst hinein zu vil,
niut5 von einander gehen.
DerRoffärtige:
Di(5 meines 1)ochmuths ist die Peyn,
Da(5 ich vor Dampff zerberste,
Cüars niemabl werth, bab wollen seyn
Doch überal der erste.
"& 1$4 ®
Der Gif ersücbtige. Zwei Ceufel ragen als I)albfi9uren (bis zum
Scbamteil) aus dem 5^1ammenmeer, beide nienscbengestalten mit Bocksbart,
l)örnern und 5^ledermausflügeln. In einem breiten, im Flammenmeere
stehenden Kessel mit geschwungenem Dreifu(5 und Ringen als l)andbaben
ist die Gestalt des Uerdammten aufrecht bis unter den Dabei sichtbar, die
Jirme ausgebreitet, mit heulendem TDunde (Jlusdruck des Schmerzes über
das Gesottenwerden), das Raar weit nach rückwärts wallend, so dat^ man
auf eine Frauensperson schlie(5en kann, was auch der Cext, der auf IDann
und CUeib pa(5t, zulä[5t; der Ceufel (rückwärts links) hält an den Ceib des
oder der Uerdammten einen gebogenen Gisenstab (den wir uns glühend
vorstellen müssen), während der Ceufel (rechts) der Gestalt einen (wohl
gleichfalls glühenden) Dreizack in den linken J!rm stö(5t.
Der Cext lautet hier in einem Hlonologe also:
Der Gy ff er süchtige.
Bey Cag und Dacht | sich mit Uerdacht
Die Gyffersucht stäts quellet.
Und alle Stund, | gantz ohne Grundt,
Uil falsche ürtl föllet.
lUas immer gschicht, | das kan sie nicht
Jlls nur übel ausdeuten,
In Gifft verkhert, | wat^ sie nur hört,
Für Post von schlechten Ceuthen.
rDit Jld) vnd ÜJehe | drumb manche Ghe
CUird gleich der f)öll erfüllet.
Das Sacrament | der Cieb geschändt,
CUeil eins stets böt^ gewillet.
Das andre doch | sein Creue noch
Im gringsten nie gebrochen.
Solche allhier | auf ewig wir
Siedent in Kössel kochen.
In dem Dachlasse unseres edlen Freiherrn fand sich auch „ein (in)
Grden possirter Codtentanz", vielleicht ein ihm nach dem erscheinen seines
„Cheatrum FDortis" von irgend einer Seite gewidmetes „Souvenir".
f.
ValvasQTS Kriegszug gegen die Cörken nach
Steiermark 1683*
a(5 Ualvasor, wie er die 5^eder wohl zu führen verstanden, auch
mit dem Schwerte wohl umzugehen wuf^te, haben wir bereits
in einem früheren Jlbteil, wo von seinen ersten UUaffengängen
unter dem nachher so berühmt gewordenen Hiklas 6raf Zrinyi
Erwähnung geschah, hervorgehoben.
Diese seine ersten (Uaffengänge hatten dem Crbfeinde der Christen--
heit, dem lästigen Bedränger auch seiner geliebten Reimat Krain gegolten.
Und es war eine vorzügliche „Kriegsschule", die unser edle 5^reiherr
unter dem nachherigen ßeldenführer von Sziget durchgemacht hatte.
Hoch in späteren fahren war er voll Begeisterung, wenn er an diese
schönen, herrlichen Cage seiner „Parteigänge" an der Seite des auch von
ihm so hochgefeierten Kriegshelden sich erinnerte.
Und in keine geringe Jlufregung kam Ualvasor, wenn man wie im
allgemeinen heldenmütigen Kämpfern und glücklichen Siegern an der
Spitze kleiner Scharen gegenüber mächtigen Gegnern, so auch seinem
Jlnführer bei den ersten ÖJaffengängen, dem Grafen Diklas Zrinyi (Serin)
im Jlberglauben der Zeit es andichtete, da[5 auch dieser sich und die
Seinen „stich- und hiebfest" zu machen pflege.
Gs ist gewi(5 interessant und für unseres Kriegers Ualvasor freieren
Blick bezeichnend, wie er sich zu diesem Aberglauben vom „Stich-- und
Riebfestmachen" der Soldaten und ihrer 5^ührer persönlich gestellt.
er drückt sich diesbezüglich gegenüber einer Jlnmerkung seines im
Jlberglauben der tage weitaus mehr als er befangen gewesenen mit--
arbeiters Grasmus Jrancisci in der „Ghre Krains" ziemlich ausführlich mit
nachstehenden CUorten aus:*^^
„Dun ist nicht ohn, da(5 man zwar von vielen Soldaten, Officieren,
Obersten und Generalen dergleichen oft redet, nemlich, da(5 sie, wenn
es zu einem treffen kommen oder man sonst auf Parthey ^^^ gehen soll,
"^ Ualvasor, Gbrc des hcrzogtums Krain, III. (XL), p. 100.
''^^ einen Streifzug (gegen die Cürken) unternebtnen.
^ 186 ®
sowol ihre Soldaten als sieb selbsten fest maeben. Dem Grafen Diclas
Zerin bat man dergleicben nacbgesagt. leb weif^ aber, da[> solebes falscb,
denn icb bin selber offt mit ibm gewest in unterscbiedlicben Occasionen
wider den Grbfeind. üon meinem Rittmeister unter den Cesta-Piccolcmini-
scben Regiment, JIdam von Hlbendorff, bat man solebes aucb ausgestreut,
leb bin aber versicbert, daf^ diesem bieran ebenso Unrecbt gescbiecbt und
er von der besten ebensowenig gebabt als der Grste (Zrinyi), aueb andere
Ceute sowenig, als sieb selbsten unverletzlieb gemacbt. Ibr friseber Hlutb
und sonderbare (ganz besondere) l)erzbaftigkeit batten alle Zeit das
Glück und Jlusbelfferin. Ibr Rerz wu(5te nicbt, was 5^urcbt wäre und scbeute
keinen 5eind. Cüann der Jeind nicbt wutMe, wie stark man an Uolk
wäre, so gieng der Serini allzeit binein, wie ein Blitz. Solcber ungescbeuter
und tapfferer Uorgang und Jlnsatz des Generals und Obersten zündete
die andere Officiers und gemaine Soldaten an zu mutigem Dacbsatz.
Cüann ein solcber kübner f)eld dann mit viel kleinerm l^auffen einen viel
gröfieren trennt und scbläget, so sagt man, er babe sieb und andre
fest gemacbt."
Dieser für üalvasors tapfern Sinn gleicbwie für seinen aufgeklärten
Geist gleicb scbönes Zeugnis abgebenden fluf^rung entnebmen wir zugleicb,
dal5 unser Ireiberr aucb unter dem Rittmeister JIdam von Jllbendorff des
Cesta--Piccoloniiniscben Regimentes gedient babe, sowie wir an einer an-
dern Stelle des Hauptwerkes"* von seiner [)and bemerkt finden, da(5 er
in 5^rankreicb in einem Scbweizer=Regiment gestanden, wo „zwei alte
Soldaten, ein Resse von Geburt und ein Polack adeligen Gescblecbtes",
„gute 0ameraden gewesen, wiewol nicbt durcbgebends in guten Sacben",
und deren der eine, der Polack, der in seiner Jugend studiert, nacbmals
sieb auf unter^biedlicbe Ceufelskünste gelegt, über welcbe sieb nun (was
weiter nicbt bieber gebort) üalvasor mit [)umor binwegsetzt.
Seine militärisebe Uorscbule batte unserm edlen 5^reiberrn, als er von
seinen Reisen und flufentbalten im Jluslande beimgekebrt war und nun
als Scblo[5berr auf lüagensberg sa(5, seitens der krainiscben Candsebaft
die Stelle eines besoldeten Uiertelbauptmannes über einen teil des in
Kriegszeiten zum Jlufgebot gelangenden landscbaftlicben „5u(5Volkes", und
zwar über das 5^u(3Volk im unteren Uiertel (Unterkrain), eingetragen.
In Krain, Steiermark"-^ und Kärnten batte sieb nämlicb wäbrend der
jabrbundertelangen Gpocbe der Cürkeneinfälle und „Cürkengefabr" eine
*" Üalvasor, Gbrc des Rerzogtums Krain, III. (XI.), p. 75.
*^^ Über die flusrüstung der „landschaftlichen tHiliz" bietet das noch beute voll-
kommen intakt erhaltene landschaftliche Zeugbaus der steiermärkischen Candscbaft
'S \$7 "&
eigene „landscbaftlicbe miliz** herangebildet, „ritterliche Compagnien"
zu Pferd — das waren die sogenannten „ständischen ßültpferde", der
aus dem IDittelalter noch erhaltene Zuzug des üdels mit seinen Reisigen,
— und das „Hufgebot des gemeinen Hlannes", wobei je nach Bedarf
der 10., 20., 30. oder auch nur 50. Itlann unter die CUaffen gerufen wurde,
über ihr Aufgebot oder 3^u(5Volk, das die krainische Candschaft, entsprechend
der damaligen Ginteilung des Candes in fünf Celle: Ober--, Unter-, mittel--
und Innerkrain, dann Istrien, in fünf Abteilungen geteilt, setzte sie dem--
gemä(5 auch fünf üiertelhauptleute, „doch wurden" — wie Ualvasor es
ausdrücklich bezeugt — „nur diese sammt ihren Unterofficieren und die
prima plana nebst den Crummelschlägern und 5eldpfeifern jährlich be--
soldet"^^^• der „gemeine Hlann" aber, der in den CUaffen wohl geübt sein
mu(5te und nach dem jeweiligen „Appell" unverzüglich an dem Orte der
„rnusterung" einzutreffen hatte, leistete den Kriegsdienst einfach gegen
Reichung des Cebensunterhaltes, der aus der landschaftlichen Kasse be=
stritten wurde.
Das grofee Kriegsjahr 1683, welches den Erbfeind der Christenheit,
den Cürken, zur zweiten Belagerung (Uiens vor die Core der l)aupt-- und
Residenzstadt geführt, versetzte bereits im Mhsommer die benachbarte
Steiermark in nicht geringe Unruhe, da die Batthyänyschen und türkischen
Scharen aus Ungarn her die Ostgrenze dieses Hachbarlandes bedrohten.
Schon am 11. Juli trifft „im tagenden Ausschusse" der krainischen
Candschaft eine „Staffeta" der Steirer ein, worin sie um Bilfe gegen
den über Raab erfolgten Ginfall der Cürken ersuchen. ^^^
Diese „Stalfeta" beschäftigt nun die Ferren krainischen Uerordneten
durch mehrere Cage nacheinander und wird in den betreffenden Sitzungen
02., 14., 16. Juli) lebhaft über die Ausrüstung, niontur, Geld, Bezugs»
quellen debattiert; da am 16. Juli ein neuerliches Schreiben der steirischen
Candschaft eingetroffen, wird einerseits beschlossen, den Steirern mitzuteilen.
im Candbause zu Graz (in der hcrrengasse) ein imposantes und höchst instrul<tives
Bild — eine kulturgescbid)tlid)e Sehenswürdigkeit ersten Ranges — ; aniäf^lich der
Jliierböchsten Kaiserreise zum 600 jährigen Jubiläum der Zugehörigkeit der Steiermark
und Krains zum €rzbause Rabsburg l$$3 bildete ein historisch ausgerüstetes Jähnlein
solcher steiermärkischen IHiliz die Gbrenwache vor der Industriehalle und wurde von
Seiner majestät unserm allergnädigsten Kaiser und herrn Iranz Josef I. unter Bezeigung
des flllerhöcl)$ten UJohlgefallens besichtigt, gleicl)wie der IDonarch auch beim Besuche
des Zeughauses für dessen €inrichtung sich eingehendst zu interessieren geruhte.
^^^ Ualvasor, ehre des Herzogtums Krain, III. (X.), p. 6.
^^^ Uerordnetenprotokoll Ilr. 32, landschaftliches Archiv in Caibach. — Candschaft-
liches niuseum Rudolfinum.
'& \%% 'S)
dat5 man der einbeiniiscben Gefahr wegen sieb vorsehen müsse, anderseits
aber wird wegen der Ausrüstung des 30, niannes gehandelt; es wird
das bezügliche Patent beschlossen, dann die „Citation" der I)auptleute
bei Uerlierung ihres Dienstes sowie die Uorsorge zur üerhütung eines
jähen Ginfalles in Krain durch Kroatien her.
Im Sinne der längst gewährleisteten Gegenseitigkeit des landschaftlichen
Dreibundes von Steiermark, Kärnten und Krain wird nach den durchgeführten
Debatten der krainischen Rerren Stände die Jlbsendung einer l)ilfstruppe aus
Krain nach Steiermark beschlossen und schon am 6. Jlugust sehen wir
diese l)ilfstruppe, 400 Hlann stark, aus dem „Jlufgebote des gemeinen
niannes" gebildet, wohl ausgerüstet und unter dem Oberkommando des
Zweitältesten landschaftlichen [)auptmannes, unseres 3<5^^"" Cüeikhard
5reiherrn von Ualvasor stehend, auf dem Caibacher niusterungsfelde unter--
halb des Schlosses ünterturn (Civoli) — auf der lUiese nächst der heutigen
Cattermannsallee in der Richtung gegen das sogenannte Coliseum — zum
Jluszuge gegen den 5eind unter zwei 5^ahnen, blau und gelb, versammelt.
Bm 7. Jlugust, um 2 Uhr nachmittags, verliefe dieser „Sukkurs" nach
üalvasors eigener Jlufzeichnung *^^ in aller €ile die Stadt Caibach und
setzte eilends den IDarsch über 5^ranz fort bis (Uildon unterhalb Graz.
üon ÜJildon, 17. Jlugust, richtete Oberkommandant Freiherr von Ualvasor
an die krainische Landschaft seine Hleldung über die bisherigen Uorkomm>
nisse.
Da dieses Schreiben zu seiner Charakterisierung als Befehlshaber von
Cüichtigkeit, lasse ich dasselbe hier wörtlich folgen.
Gs lautet:
€uer Gnaden
Rochwürdig, hoch-- vnd wollgeborne l)errn l)errn D. Präsident und
Uerordnete in Grain meine gnedige vnd gebietende Rerrn l)errn etc. etc.
Hebem Ginem allezeit gehorsamben vnd vndterthänigen befelch (Gmpfeh=
lung) bericht gehorsamst, da(5 wir den 15. dits glücklich hieher auf Cüildon
gekhumen, der [)err I^aubtmann Portner zu Caimitz (Ceibnitz) mit 50 mann
vnd mit 50 mann lieg ich hier zu Cüildon und die andern mein Soldaten
seind bis 5^eldkirchen bey Graz einquartiert, des andern Rerrn I)aubtmann
aber bey Caimitz herum. Bin also gestern (16.) auf Graz zu ihr Gxc.
I)errn Candtsbaupimann gangen vnd mich representirt, von welchem ich mit
allen Ehren bin empfangen worden, und sich recht erfreut, da[5 wir an=
kbumen seyn, auch meiner und des Rerrn Grafen 5^elix von Churn an
Ualvasor, Gbre des Rcrzogtums Krain, IV. (XV.), p. 604 f.
'S) |$9 'S)
seyfriediscben Commissari*^^ zu ITlarburg correction gutgebei(5en, welcher
commissari zwar unwürdiger Commissari vns nicht recht, wie sich gebührt,
empfangen, also haben wir nicht weniger thun können, als ihm eine
Correction zu geben. Sobald ich auf 0räz khumen bin, so schickt der
general Graf von Strassoldo also zu mir vnd begert, ich sollt ihm die
Roll (niusterrolle, Uerzeichnis der unter Ualvasors Kommando stehenden
Cruppe) der Uölkher (des 5^u(3VOlkes) geben vnd zu ihm auf Graz zu--
marschiren, so hab ihm geantwortet, da(5 ich die Roll der Uölkher weder
ihme noch keinem andern gebe, weilen (es) landschaftliche völkher wären
vnd auch von der löblichen Candtschafft vnterhalten werden ; zu ihme auf
0räz zu marschiren derzeit erkhenne ich ihme für meinen Generalen nod)
nicht (an), sundern erkhenne allein Ihre €xc. den Candeshaubtmann vnd
die Cöbl Candstände in Steyer, werden sy mich aber vndter des Generalen
sein Kommando geben, alsdann werde ich ihme in allem gehorsamen,
als sich einem rechtschaffenen Soldaten gebuert, bin hernacher ungefochten
(unangefochten) verblieben; wie ich die Cöbl. Stände des Generalen begern
vnd meine darauf gegebene antwort referirt, hats ihnen wolgefallen, weil
sie durchaus nicht wollen, daf^ er mit Candtschafftlichen Uölkhern im
geringsten was zu commandiren hätte; also erwarte stündlich Ordre von
€iner Cöbl. Candtschafft in Steyer, ob wir also einquartierter sollten ver-
bleiben oder sollten wir anderwertig hin verlegt werden.
Olildon den 17. Jlugust ^,-^^1^ vzrhhihz
€uer Bochwürden vnd meinen gnädigen vnd
gebietenden Rerrn trey Dienstgehorsamster
Johann CUeikhard Ualvasor m/p.
Baubtmann.**^
Ualvasor lag dann mit seinen Ceuten so lange auf dem Grazer JzW still,
bis er von der steirischen Candschaft die Ordre erhielt, gegen ^ürstenfeld
zu ziehen und Radkersburg nebst etlichen andern um 5^ürstenfeld liegenden
Sd)lössern von den feinden — den Batthyänyschen Scharen und den
Cürken — zu entsetzen.
nachdem er seine Unterkommandanten und Chargen mit gröf^eren und
kleineren Jlbteilungen an verschiedene, am ärgsten bedrohte Punkte, nach
Burgau (175 Hlann), Deudau, ßohenbruck (30 mann), Kapfenstein usw.,
^'^ Seifried von ebrenfried, Kriegskommissär. (Siebe weiter unten.)
""•^ Candscbaftlicbes JIrcbiv in Caibacb, Akten ex 1683. - Candscbaftiicbes museutn
Rudoifinum.
'S) IQO -2)
detachiert hatte, zog er selbst mit 100 niann auf die Stadt 5ürsten-
feld los, wo er am 24. Jlugust um 2 Uhr nachmittags anlangte, eben in
dem Jlugenblicke, als die bisher hier gelegenen kaiserlichen Truppen im
Jlufbruch, hingegen die JIufständi$d)en und Cürken auf diesen Ort im
Jlnzug begriffen waren.
es kann hier nicht der Ort sein, die Details in dem Fortgänge dieser
Hilfsaktion des krainischen Sukkurses darzulegen, man findet dieselben
in des Jreiherrn l)auptwerke unter den „jahrgeschichten" genau ver--
zeichnet,**' doch dies eine mag betont sein, da(5 auch hier wieder Ualvasors
Bescheidenheit unter möglichster Zurückstellung der eigenen üerdienste
im 6egenhalte zur l)ervorhebung fremder Leistungen in glänzendstem
Eichte erscheint.
€r spendet gleich hohes Cob dem vor 5^ürstenfeld anwesenden Grafen
Karl $erau,**2 Obersten über ein Dragonerregiment, sowie dem Oberst--
leutnant Grafen Dietrichstein, welcher das metternichsche Kürassierregiment
befehligte, dann dem Leutnant Grafen Schallenberg, der durch einen Schu(5
in den niund arg verwundet worden, und weiters dem am 2. September
zur !)ilfe herbeigekommenen ^reiherrn von Stadel, Obersten der steirischen
Landschaft, dem Grafen Crautmannsdorff, Uizegeneral an den windischen
Grenzen, und dem Grafen Churn, Kroatenobersten aus der Grenzfeste
Ivanic, „mit denen" — wie er in vollbefriedigster Grinnerung hervorhebt
— „ich offt wider den 5^eind einen Partheigang gethan". „Als es aber**
— so schliefet üalvasor, sein eigenes l)auptverdienst an dem Cüohlgelingen
der ganzen Jlktion in die dürrsten lUorte zusammendrängend — „das
Jlnsehen gewonnen, die Rebellen würden von Pinkafeld die Stadt I)artberg
angehen, bin ich sowol mit meinen bei mir habenden 100 als mit denen
zu Radkersburg gelegenen 100 ITlännern den 15. September auf Rartberg
gerückt und allda so lange verharrt, bis obgedachter Graf Batthyäny sich
eines bessern besonnen und wieder an seinen rechten l)errn und König,
nämlich an die Römisch-Rayserliche Majestät ergeben vnd gut Kayserlich
hernach erwiesen.**
J^uf diese Rückkehr Batthyänys zum Gehorsam, auf die Befreiung
Cüiens von den Cürken, ferner darauf, da(5 Steiermark in keiner Gefahr
mehr schwebte, da(5 die Pflichtfrist von drei lHonaten zu gegenseitiger
l)ilfe der Landschaften bereits verstrichen war, sowie auch darauf, da(5
eine gröf^ere JInzahl des krainischen Jlufgebotes erkrankt war, fa(5te die
**' üalvasor, ehre des Rerzogtums Krain, IV. (XV.), p. 604 ff.
"* Saurau.
'& 101 "&
krainiscbe Candscbaft ihr unterm 2. Oktober an die steiriscbe Candscbaft
gericbtetes Jlnsucben, da(5 es ibr gestattet sein möge, ibren „Sukkurs" aus
der Steiermark zurückzuberufen.**^
Em 11 Oktober ricbtet die krainiscbe Candscbaft die Uerordnung an
Ualvasor und seinen ünterbauptmann Portner, da(3 sie bei nunmebr er--
loscbener 5^eindesgefabr am 20. desselben IDonates den Zurückweg nebmen
sollen, welcben Befebl „Oberbauptmann" Ualvasor, der infolge Ordre der
steiriscben Candscbaft an eben dem 20. von seinem letztgenannten Stand-
orte ßartberg aufgebrocben und in Graz am 21. angelangt war, bier in
der steiriscben Candesbauptstadt empfing und „geborsamst" dabin beant-
wortete, da(5 er seinen weitern IDarscb derart einricbten werde, „um unfebl--
barlicb am 2S. bujus auf 5^ranz im Dacbtquartier anzulangen".***
In 6[raz war ibm und den Seinen ein festlicber Gmpfang bereitet worden,
wobei sie von selten der steirisd)en Candscbaft mit ansebnlicben Denk--
zeicben beebrt wurden. Ualvasor selbst erbielt in einem grünen, mit dem
Candeswappen der Steiermark in 0old gestickten Beutel „als güldenes
Eingeweide etlicbe Stücke zebnfacber biezu insonderbeit geprägter Ducaten",
Hauptmann Portner einen Beutel mit „etlicben sonderbaren 51ei(5es neu--
gescblagenen Cbalern", desgleicben erbielten die 5^äbnricl)e und jeder der
Unteroffiziere ein entsprecbendes Andenken. CUas jedocb unsere Krainer
bei dieser €brung doppeltfreudig berübrt baben mag, war der Umstand,
da(5 diese Jlndenken an den glücklieb und rübmlicb vollbracbten Kriegszug
ibnen aus den l)änden eines Candsmannes, des damaligen (Uerordneten--)
Präsidenten in der Steiermark Rerbard 6rafen Jluersperg, zukamen, welcber
bervorragende Patriot sieb aucb unterm 25. September erbötig erklärt batte,
die Kosten von 206$ fl. für die 400 mann des krainiscben Sukkurses
der krainiscben Candscbaft vorzustrecken.**^
Die endlicbe Reimkebr des krainiscben l)ilfskorps erfolgte dann am
1. Hovember 1683.
(Uie scbon aus dem oben wiedergegebenen Scbreiben Ualvasors, das
er an die krainiscbe Candscbaft aus CUildon gericbtet batte, erbellt, bat
er seinen Standpunkt als Oberkommandant des krainiscben „Sukkurses"
gleicb bei Beginn der Jlktion fest wabrgenommen und aucb fernerbin
ebenso gewabrt, wie er sieb überbaupt kein Dabetreten in irgend einer
Ricbtung gefallen liet^; Beleg dafür mebrere in den landscbaftlicben Jlrcbiven
*" nach Jlkten des landscbaftlicben flrcbivs in Caibacb. JInton Koblar, Izvestja
muzejskega dru§tva za Kranjsko 1893, p. 231.
"^^ Akten der krainiscben Candscbaft I. c.
*^^ üerordnetenprotokoll Dr. 32, fol. 401 b.
'S) 102 '©
von Graz und Caibacb bewahrte anzeigen von ibtn und gegen ihn aus
den Cagen dieses seines Kriegszuges.
I)atte er sein JInseben als Rubrer des l)ilfskorps aucb unterm 21 , Hugust
„wegen des üortrittes vor einem Ceutnant" und „wegen des Ungeborsambs,
so ibm die Burger von ^ürstenfeld in £ommandosacben erzeuget", aufs
beste zu wabren verstanden,**^ so wu(5te er sieb aucb in anderen Fällen
und, wo Cüorte nicbt mebr fruchteten, durch die Cat den gehörigen Re-
spekt zu verschaffen, in letzterer 5orm bei einem Unterkriegskommissarius,
dem gegenüber er — die rauheren Kriegssitten seiner Cage mögen ihn
entschuldigen — sogar handgreiflich geworden sein, den er mit Schlägen
traktiert haben soll/*^ Gine Jlufklärung in dieser Richtung enthält das
Registraturbuch der steirischen Landschaft zum 13. Dovember und 29. De-
zember.**^ Unter ersterem Datum finden wir nämlich ein Dekret an den
Propst von Pöllau und an den Grafen Johann JIdam Saurau, beide Uer--
ordnete der steirischen Candschaft, „sowol die zwischen Rerrn Ferdinand
Philipp Grafen Cburn und Rerrn Seifrid von Chrenfried Gommissarius ent-
standenen gefährlichen Differenzen, als die von Rerrn Seifrid wider die
crainerische Dation (Rerrn ßaubtmann üalvasor) ausgegossenen Injurien
zu vernehmen, vermitteln und darüber zu berichten", und unterm 29. De--
zember werden seitens der steirischen Candschaft „die crainischen Uer--
ordneten" ersucht, dem Rerrn üalvasor die Seifridsche Beschwerde (wegen
der Schläge?) vorzuhalten und die Rechtfertigung üalvasors einzusenden,
damit sie I)errn Seifrid „zu fernerer Direction communicirt werden kann",
d. h. da(5 sich Rerr Seifrid fernerhin hüten sollte, gegen die freundnach*
barliche Dation „Injurien auszugief^en".
Seinen Untergebenen war aber üalvasor der beste Rerr, wie dies aus
allen diesen Kriegszug betreffenden Jlkten und Relationen hervorgeht.
Dach Beendigung dieses seines Zuges gegen die Cürken erhielten die
unter seinem Kommando Gestandenen auf Jinlangen einen gedruckten
„abschied", eine Jlrt Zeugnis über die geleisteten Kriegsdienste. Gin Zufall
hat uns einen derartigen vom Oberkommandanten ausgestellten und mit
seinem Siegel versebenen „Jlbschied" erbalten. Ihm übriggebliebene, nicht in
Benützung gekommene 5^ormulare für solch ein Zeugnis verwendete nämlich
der Gelehrte üalvasor später auf deren Rückseite zu Probeabzügen der lllustra=
tionen zur „Ehre Krains" und so befinden sich derartige Probeabzüge mit dem
besagten Jlbscbiedsformular in der Bibliothek der „Royal Society" in London,
*" Steiriscbcs Candcsarcbiv. Krg. 1679 -16$3, fol. 236.
"^ Uerordtietenprotokoll Hr. 32, landscbaftlicbcs JIrcl)iv in Caibad).
448
Steicrmärkiscbcs Cande$ard)iv in Graz.
-g) 193 'S)
WO icb denn auch den Cüortlaut eines solchen Zeugnisses des Hauptmannes
Ualvasor für seine Kriegsmannen zu kopieren in der Cage war/*^
Sold) ein Zeugnis lautete:
„leb Jobann CUeicbart Ualvasor 5^reyberr zu 6allnegg und Heudorff, |
Herr zu lUagensperg und Ciecbtenberg, einer Cöbl. Candtscbafft in Crain |
bestellter ßaubtmann im vntern Uiertl und Oberbaubtmann vnd Comman--
dant der zum Hacbbarlicben Succurs von den Cöbl. Candt-Ständten in
Crain: in das Rerzogtbumb Steyer abgesandten Euxilar-Uölker | etc.
Bekenne biermit, | da(5 5^ürwei$er ditz (leerer Raum zum eintragen des
Hamens) vnter meiner (Quardi)ia und Kommando drey ITlonat lang für
einen (leerer Raum zur Einsetzung des Dienstgrades) gedient | vnd sieb
in allen für (gefallenen) Occasionen, Scbarmützeln, Zügen vnd CUacbten,
wie er einem recbtscbaffenen Gbrliebenden Soldaten (zust)ebet vnd ge--
bübret, | verbalten, daran icb vnd alle meine vnterbabende Officiere ein
sattsames Genügen (gebabt), derowegen batte micb geborsambist vmb
ein scbrifftlicbe Jlttestation, welcbe icb ibme | einer treugeleisten (Dienste)
balber nicbt abschlagen, | sondern biemit wilfabren wollen.
ßlangt demnacb an all vnd jede, was (flmter) lüürden vnd Dignitäten
die seynd, | mein respective dienst--freundtlicbe$ ersucben und bitten, | die
wollen (leerer Raum zum Eintragen des Damens) meinet-- vnd seines
tapfferen ÜJollverbaltens balber allen guten beför--(dersamen) und geneigten
ÜJillen erweisen, | ibme aucb denselben bestens befoblen sein lassen, |
solcbes begebre icb in der-- . . . nd mebreren fürfallenden Occasionen jedes
$tands--0ebübr nacb binwiderumben zu verschulden. Zu ür--(kund) (und) Be--
kräfftigung dessen babe icb diese Jlttestation mit meiner eigenen l)andtscbrifft
vnterscbrieben vnd mein an (bangendes) Cüappen Insigl bierauff gedruckt.
Actum Caybacb den letzten Octobris 16$3.
■X-
•X- *
Die krainiscbe Candscbaft erbielt von der steiermärkiscben Candscbaft
für diesen Sukkurs drei in den verbindlichsten Jlusdrücken abgefaf^te
Dankschreiben mit den Datierungen vom 1$. August, vom 2. Oktober und
vom 11. Oktober 16S3, in welchen die Tapferkeit der beiden l)auptleute
Ualvasor und Portner gebührend hervorgehoben erscheint. ^^'^
^^^ Die Kopierung erfolgte von einem am wenigst beschnittenen €xemplare, doch
mufften aud) bei diesem einzelne weggefallene UJorte ergänzt werden.
450
Steiermärkiscbes Candesarcbiv in Graz.
V. Rddics. Ualvasor. 13
Wiederaufnahme der literarisdien CätigkeiL
er blinkende Küra(5 und der mit blau-gelben federn — den
5^arben der Candscbaft Krain — gescbniückte l)elni des Kriegers
Ualvasor waren kaum zur Seite gelegt, so sa(5 aucb scbon
der ßelebrte wieder mitten unter seinen 5^olianten, vor den
zablreicb gesammelten Hotizen und den leider nur allzu spärlicb mit-
geteilten fremden Ginsendungen, um die üorarbeiten für sein Hauptwerk
weiter zu fördern.
Scbon unterm 26. Hovember bittet Ualvasor die „Uerordneten", „Gtlicbe
Scbönlöbliscbe Scbriften zu der vorbabenden Candbescbreibung aus der Re--
gistratur erfolgen zu lassen", *^^ wobin der bandscbriftlicbe Hacblaf^ des am
15. Oktober 1681 verstorbenen, der Zeit nacb ersten Ristoriograpben Krains
und unmittelbaren üorgängers Ualvasors auf diesem Gebiete, des Dom--
decbanten 3obann Cudwig Scbönleben, der sein [Hauptwerk, die „Carniolia
antiqua et nova" nicbt mebr batte vollenden können, hinterlegt worden
war, welcber Dacblaf^ aucb die Daten für den projektierten zweiten Band
der „Carniolia antiqua et nova" entbielt, wozu den skizzierten Gntwurf
im Manuskripte die k. u. k. f)ofbibliotbek in Cüien bewabrt, aus dem icb
diese „Uorbereitungen" Scbönlebens in meiner kurzen Biograpbie dieses
beimatlicben vielverdienten ßelebrten im Jluszuge mitgeteilt babe.*^^
6s kann bier nicbt der Ort sein, auf die Untersucbung darüber näber
einzugeben, inwieweit Ualvasor in der ßescbicbtsdarstellung Krains vom
rnittelalter bis auf seine Cage etwa auf Scbönlebenscben Üorarbeiten fuf^t,
docb es gebt aus den von Ualvasor selbst in seiner „Gbre des [Herzogtums
Krain" gewissenhaft angezogenen Quellenzitaten genügend bervor, da(5 er
die Scbönlebenscben Manuskripte sebr häufig zu benützen Gelegenheit
nahm — wobei auch die hinterlassenen chronikalen Jlufzeicbnungen
von des Dechanten Uater, dem ausgezeichneten Caibacher Bürgermeister
Cudwig Scbönleben, in Betracht kamen — , docb darf nicbt verschwiegen
werden, da(5 Ualvasor dabei nicht selten in die Cage kam, des Dechanten
Schönleben Jlngaben auf Grund eigener selbständiger 5^orscbungen zu
*^^ DcTordncfcnprotokoll Dr. 32, fol. 471a. £andsd)aftlid)e$ J{rd)iv llluscuni
Rudolfimim.
^^' mitteilungen des muscalvcrcincs für Krain 1694, p. 56 ff.
'S) 105 "&
berichtigen und zu ergänzen, was, wie wir in einem früheren Jlbteil
schon festzustellen Gelegenheit fanden, stets in der zartesten diskretesten
Jorm geschah. Doch genug hievon. Uüir sehen eben Ualvasor schon am
jlusgange des Jahres 16$3 an dem ßeschichtsteile seines Hauptwerkes,
der den einen Ceil des dritten Bandes und den vierten ganz füllt, halten,
was uns in Übereinstimmung mit anderen CUahrnehmungen (Andeutungen
und Jlufzeichnungen) zu dem Schlüsse berechtigt, da(5 bisher der topo--
graphische und folkloristische Ceil bereits so ziemlich bearbeitet vorlagen.
Das üorhandensein der den Zeitgenossen sicher so genehm erschienenen
Copographien von Krain und Kärnten hatte den CUunsch nach guten, zuver--
lässigen Karten dieser Cänder erregt und so schritt denn Ualvasor an die Gr--
füllung desselben, indem er aus seiner Kunstanstalt in CUagensberg schon 1684
eine Landkarte von Krain „Charta geographica Carnioliae" erscheinen lie(5.
Diese erste genauere Karte unseres Heimatlandes hat später der kais.
Geograph 3oh. Bapt. Homann zu Hürnberg neu aufgelegt *^^ und weithin
verbreitet, ^^* in der allegorischen Zeichnung dieser die merkwürdigkeiten
des Candes Krain charakterisierenden Gckverzierung sieht man unter andern
Andeutungen von Krains Daturreichtum und ßewerbstätigkeit, wie auch des
geschichtlichen Ruhms aus den Cürkenkriegen alles überragend die Abbildung
der von Ualvasor modellierten lllarienstatue (auf dem Jakobsplatze Caibachs).
Im Jahre 1685 reiste Ualvasor wieder in das „Beilige Römische Reich
teutscher Dation", wahrscheinlich, um betreffs der nun immer näher
rückenden Drucklegung seines Hauptwerkes mit dem Buchdrucker Hloritz
endter in Hürnberg und mit dem daselbst domizilierenden bekannten
Schriftsteller Grasmus Jrancisci in Uerbindung zu treten, damit letzterer
namentlich das Buch „in reines Ceutsch" bringe, da ja Dürnberg den Ruf
für sich in Anspruch nahm, unter allen deutschen Idiomen das vorzüg-
lichste zu reden und der daselbst wirkende Pegnitzsche Blumenorden, mit
deren mitgliedern Ualvasor gleichfalls in 5^ühlung trat, sich im €ifer der
Bewahrung der reinen deutschen Schriftsprache Cuthers, die eben in Hürn-
berg an Hans Sachs den besten Hachahmer gefunden, von keiner der
übrigen deutschen Sprachgesellschaften übertreffen liet^.
Der Bischof von Caibach, die Äbte der Zisterzienser Abteien Sittich
und Candstra[5, die krainische Landschaft, die Grafen Auersperg und
'*" Cabula Ducatus Carnioliae etc. ex mente lllustrissimi quondam £. B. (Jalvasorii
concinnata et exbibita.
^^* Aus dieser Ualvasorscben Karte (von Krain), sagt Büsching (0ro|3c erdbeschrei-
bung XV., p.230), ist die bonianniscbe entstanden, welcbe in dem fltlas von Deutschland
die siebente ist.
13*
'& 106 "&
Caniberg, die meisten Städte Krains, Caibacb und Rudolfswert in rübtn--
licber Cüeise an der Spitze (Krainburcj tat nicht mit, was Ualvasor in
seiner offenen und ehrlichen Jlrt an gelegenem Orte ernstlich rügt), und
auch mehrere Städte au()erhalb Krains, so zum Beispiel Graz und Cilli,
hatten dem „l)errn f)auptautor" ihre Sammlungen, die Archive, beziehungs--
weise Bibliotheken, in entgegenkommendster Ciberalität zur Benützung
geöffnet, und wie uns die zahlreichen Doten in üalvasors „ehre Krains"
beweisen, so hat unser eifrige und gewissenhafte 5^orscher von diesen
Bestattungen ausgiebigen und fruchtreichen Gebrauch gemacht, ja, wir
haben infolgedessen bei ihm heute vieles an Dokumenten alter Zeiten
(wenn auch nicht in stets diplomatarisch getreuem Jlbdrucke) in Cüiedergabe
erhalten, was leider (wie auch anderwärts vielfach zu beklagen) im Original
hierlands seither verloren gegangen oder mindestens verschollen ist.
Die krainische Landschaft, die unsern Ualvasor in seiner Jlbsicht, dem
Cande die „Ghre" des Candes zu schreiben, gleich von Jlnbeginn durch
die oben schon angedeutete Erlaubnis der Benützung ihrer reichen archi-
valischen Schätze mächtig gefördert hatte, hat dann im [)inblicke auf
seine inzwischen erschienenen literarischen und künstlerischen Leistungen
und insbesonders in CUürdigung der hohen Kosten, die ihm die €inrichtung
und Erhaltung des Kunstateliers auf Schloff Cüagensberg verursacht hatte,
auch materiell dessen patriotische Bestrebungen und Unternehmungen in
gleich patriotischer Gntgegnung wiederholt wesentlich unterstützt. So war
ihm schon im Landtage von 1683 am 19. Juni „zur Beförderung seiner
Chronik" die Summe von 2000 fl. „an denen Steuerrückständen" be--
willigt sowie beschlossen worden, die von Ualvasor „offerirte dedication
der Ghre des l)erzogthums Crain" anzunehmen und seinerzeit 500 Exem-
plare in billichem und leidentlichem CUert, wie solche bei Erstehung (Er--
scheinen) des CUerkes stabiliert (festgesetzt sein) wird, zu übernehmen (zu
subskribieren),*^^ und im 3ahre 1686 — drei ]ahre vor dem Erscheinen
des f)auptwerkes — wurden ihm $00 fl. Subvention „zur Beförderung
der crainerischen Chronik" ausbezahlt. *^^
Der „Charta geographica Carnioliae" hatte unser Freiherr auch eine
„Charta geographica Carinthiae" (16$5) folgen lassen, an die sich dann
später auch eine „Charta geographica Croatiae" (16$$) anschlo(5.
'" Candtagsprotokoll ex 16S3.
*■" Candtagsprotokoll ex 16S6.
Cod der ersten Gemahlin und Wiederuerheiratung.
[eilige CUocben nach dem Code ihres letztgebornen Sohnes Jranz
3osef (t 14. märz 16$7) segnete auch die mutter, 3<5hann
ÜJeikhards erste 5^rau, Jlnna Rosina geb. Graffenweger, das
Zeitliche — wie bereits in einem früheren Jlbteil erwähnt ; sie
starb am 25. Jlpril 16$7.
Der mit vier Kindern, drei Knaben und einem IDädchen, zurüd^gebliebene
Freiherr wollte jedoch, weil auch mitten in der Arbeit an seinem f)aupt=
werke stehend, das Bauswesen nicht lange verlassen wissen und vermählte
sich noch im selben jähre zum zweitenmal.
Diesmal holte er sich seine Gemahlin aus dem Schlosse 5^reihof in
Unterkrain unter dem Uskokengebirge (heute im Besitze des Berrn
Dr. Jlnton Ritter von Schoeppl--Sonnwalden, Direktors der Krainischen Spar--
kasse, gewesenen Candtagsabgeordneten und Candesausschu(5beisitzers) in
der Person des 5^räuleins JInna maximilla 5^reiin von Zetschker, Cochter des
5^reiherrn *" 5^ranz Grasmus Zetschker und der Hlaria Sidonia Gräfin Catten--
bach (nach dem Code Zetschkers vermählt an Johann Georg ^reiherrn
von Cüernegk, zur Zeit von Ualvasors üermählung Besitzer des Schlosses
^reihof).*^«
Dieses Schloff 5^reihof schildert unser 5^reiherr mit ganz besonders
hellen 5^arben als „an einer JInhöhe" gelegen, „an einem hübschen und
lustigen Ort, der einen häuffig guten (Ueinwachs, gantze Cüälder voll
Kastanieen, die viel dicker und besser als die welsche Kastaneen, dazu
ein sehr edles Obst zeuget; wer gern lüeichseln naschet, der findt nirgends
so gute lüeide als hie noch gröf^ere 5ülle: angesehn hieselbst zwo, drey,
auch wol vier CUeichseln an einem einigen Stengel sitzen; in den CUäldern
wachsen die Imbern (oder Bolbieren) in grofjer menge; vor dem Schlosse
*^'' Die Uettern Jranz engclbrccbt, Sicgmund UJilbelm und Rans Rerwart Zetschker,
aus einem uralten Rittergescblecbt in Steier und Krain, waren von Kaiser Ceopold I.
unterm 14. Dezember 1676 in den ?reiberrnstand erboben worden (Diplom niuseum
Rudolfinum).
''^ üaivasor, Gbre des Herzogtums Krain, II. (VI.), p. 303; III. (IX.), p. 109.
'& 19$ ®
mitten im Bofe bat es einen scbön gro(5en Cindenbaum und näcbst bey
dem Scblosse eine trefflieb gute Brunnquelle ei(5kalte$ Cüassers; in dem
Scblosse ist eine scböne Capell $. Entonii de Padua".*^^
In dieser Kapelle vor dem beute nocb erbaltenen stilgerecbten Jlltare
fand unseres edlen 5reiberrn Crauung mit dem Fräulein Jlnna Hlaximilla
5reiin von Zetscbker am 20. 3uli 1687 statt.
Die krainiscbe Candscbaft votierte aus diesem festlicben Jlnlasse, docb
mit der ülotivierung, da(5 da über die Statuten bin eine ganz besondere
Jlusnabme gemacbt werde (specialissimo supra statutum voto), ein „l)ocb--
zeitspräsent** von 300 fl.
Ualvasors intimer freund Paul Ritter Uitezovicb stellte sieb aber mit
einem lateiniscben Rocbzeitsgedicbte ein, „dieser Rerr Ritter, der — wie
unser 5^reiberr, seiner in dem Kapitel von den , Skribenten* ^''^^ gedenkend,
von ibm scbreibt — sowol mit dem Kriegsgewebr wider dem 5^einde als
mit einem wolklingenden und lorbeerwürdigen Uerse wider die Eangweil
in der Poesey mancbes Ritterstüd<lein erwiesen" . . . aucb unlängst nocb
ibn von lüien aus mit artlicben Uersen beglückwünscbend beebrti
Und nun lä(5t der „ßerr Bauptautor" diese ßratulationsverse folgen:
lllustrissimo Domino Domino
loanni CUeicbardo Ualvasor
Cibero Baroni etc.
Paul Ritter S. P. D.
ßratulor ad nova post emensos gaudia luctus:
Jld Sacrca connubii foedera pacta novi
Gratulor! at doleo tot laetos inter amicos
non collaetari me tibi posse simul.
Quod curae, quod vasta loci distantia causat:
Gt tempus, quod me non sinit esse meum.
Jlffectus tuus est in me; qui scilicet absens
laetabor: nam sum totus et ipse tuus.
IDitto mei, CUeicbarde, loco tibi Carmen et idem
laetä inter reliquos excipe fronte precor.
Cumque nova illustri vivas bona Saecula Sponsä
ITleque tibi addictum semper amato, üalel
Uiennae, 13. 3ulii 1687.
"' Ualvasor, ehre des Herzogtums Krain, III. (XL), p. 150,
''' ebenda, II. (VI.), p. 363.
'S) 199 -^
Jlmantum
Ric nexus clariis lauris et laude
coronans,
Jleva, lane;
Sive
loannes Cüaicbardus Ualvasor
et
J\nm rnaximilla Cetsekerin
Sponsus et Sponsa annagraniatic^ effigiati
ac in nup^iali festivitate producti.
Quis mage conveniens par invenisset Jlmantum
quam vo$, quos fatis iunxit Deus ipse propinquis?
5^elice$ tbalatni fructus sperantur eosdem
fata fovent, atque ipsa canunt id munus; Jlmantum
l)ic nexus, clariis lauris et laude coronans
Jleva: 6 lane tuis olim memoranda! Coronet
Omnia inextinctos bic ergo per aeva nepotes:
queis lauri et laudes crescant, vigeantque perennes.
ä
Paulo Ritjer.
Der von diesem in der 5^erne weilenden 5^reunde, der es tief bedauerte,
an dem 5^este nicbt teilnebmen zu können, in so berzlicber CUeise aus--
gesprocbene Uüunscb: Ualvasor möge nun nacb unerme(5licber Crauer in
neuer Freude an der Seite der neuen Grwäblten gute Zeiten dabinleben,
ging vvobl, was sein weiteres ebelicbes Glück betraf, in Grfüllung. Diese
seine zweite 5rau, in deren üaterscblosse er in demselben jabre (16$7)
nocb einmal, und zwar im Rerbste geweilt, *^^ bescbenkte ibn unterm
2$. Jlpril 16$$ mit einer Cocbter, Katbarina 5^ranziska, die sieb dann im
3abre 1704 am 2. Februar zu Rastenberg mit Jldam Seifried 5^reiberrn
von 3uritscb zum Strugg und Jlltgutenberg (* 26. Dezember 16S3, Be=
sitzer des Gutes Strug, t 3. September 1741) vermäblte.*^^
*^^ Ualvasor, Gbre des berzogtums Krain, III. (XL), p. 152, wo er aud) von der
in einem trüberen Abteil (vom Jlberglauben) erwäbnten Pflanze Dutroa (Datura) spricbt,
die er damals da gefunden,
*^^ Witting, Beiträge zur Genealogie des krainiscben Bdels, Jabrb. Jldler 1$95, p. 169 f.
niitglied der Königlidi englischen Sozietät
Royal Society in [iondon 1687*
^Önig Karl IL von Gngland war au$ seinem €xil am 25. IDai 1660
in sein Reich zurückgekehrt und mit seinem Ginzuge in lübite--
ball, der eine tiefe und nachhaltige Ueränderung im Charakter
des englischen Uolkes zur 5olge hatte, nahm, wie ein geistvoller
englischer Schriftsteller, john Richard Green, bemerkt, das heutige England
seinen Anfang.
namentlich war gleich bei Beginn des neuen Regimes die geistige
Regung, die wissenschaftliche Bewegung eine sehr starke.
Die Gesellschaft, die später unter dem Hamen der „Königlichen Gesell--
schaft" (Royal Society) weithin bekannt wurde, hatte sich zunächst im
kleinen Kreise der altberühmten Universität Oxford gesammelt.
In dieser Gruppe wissenschaftlicher Geister, sagt Green weiter, liegt
das Geheimnis der künftigen Generation. England wandte sich endlich
von den streitigen Problemen, politischen und religiösen, mit denen es
solange vergeblich gerungen, zu der physischen Hielt, zur Beobachtung
ihrer Erscheinungen, zur Entdeckung der dieselben regierenden Gesetze.
€$ herrschte nun die Beschäftigung mit den Daturwissenschaften.
Da die hervorragendsten Mitglieder der Oxforder Gesellschaft gar bald
nach Condon übersiedelten, wo König Karl selbst sich mit Chemie und
Problemen der Schiffahrt abgab, der ßerzog von Buckingham neben Dicht--
kunst und IDusik auch in seinem „Caboratorium" mit Erforschung der
llatur beschäftigt war, Dichter, wie Dryden und Gowley, f)ofherren, wie Sir
Robert niurray und Sir Kenelm Digby, der neuen Condoner Gesellschaft
beitraten, so verlieh König Karl ihr als Beweis seiner besonderen Sym-
pathie den Citel: „Königliche Gesellschaft". Ein Staatsmann wie Cord
Somers fühlte sich geehrt, zu ihrem Präsidenten ernannt zu werden, und
ihre endgültige Einrichtung (1663) bezeichnet den Beginn einer gro(Kn
Zeit wissenschaftlicher Entdeckungen in England,
'& 201 "2)
Cüir nennen nur die Damen des Jlstronomen Jlamsteed und seines
Hacbfolgers Ralley, l)ookes, des üerbesserers des ITlikroskopes, Boyles,
des Begründers der experinientalen Chemie, CUilkins, der durcb seinen
Plan einer Universalspracbe auf die Philologie hinwies, des Mediziners
Sydenham, der zuerst Cicht über den Bau des Gehirns verbreitete, des
Gründers der Hlineralogie UJoodward, des Zoologen 3ohn Ray, der die
erste wissenschaftliche Klassifikation der Ciere versuchte, des Botanikers
Robert ITlorrison usw., welche Hamen jedoch alle durch den l)eroennamen
Sir Isaac Hewton verdunkelt werden.
Hewton war es, der, als er sich anschickte, Mitglied der „Königlid)
englischen Gesellschaft'* zu werden (1671), die optischen Entdeckungen,
auf welche er durch seine Experimente mit dem Prisma geführt worden,
in der „Cheorie über das Cicht** zusammenfa[3te, welche grof^artige
JIrbeit er dann der „Royal Society'* zur Kandidatur als deren mitglied ^
vorlegte. ^
Um dieselbe Zeit (166$) sandte die Königlich Englische medizinische ^'
Gesellschaft den Dr. Eduard Brown, einen feinen Beobachter, auf eine ^'
gro(5e wissenschaftliche Reise nach dem Kontinent, um über die Hatur-- *
merkwürdigkeiten des Jluslandes zuverlässige Berichte zu erhalten. Brown, ^
der sich auf dieser Expedition — auf der er sich auch als wackerer Courist
bewährte ~ durch fünf 3ahre befunden und der Reihe nach die Hieder--
lande, Deutschland, Österreich, Ungarn, S.erbien, Bulgarien, Mazedonien und
Chessalien besuchte, überall das Interessanteste, merkwürdigste und CUich- §
tigste besehen und in den bedeutendsten Städten und Orten sich auch ^^
längere Zeit aufgehalten, weilte, wie schon erwähnt worden, auch in
Krain und nahm hier namentlich den Zirknitzer See und das Queck--
silberbergwerk in Idria in Augenschein, die er dann in seinem Reise--
berichte*ß3 beschrieb, in welchem auch der Übergang über den Coibl
geschildert erscheint.
Uon besonderem Interesse sind die beiden seinem Buche bei--
gegebenen Jlbbildungen der Sommer-- und CUinterhantierungen auf dem
Zirknitzer See.
IDit Brown, dessen Jlnwesenheit in Krain gerade in die Zeit von
Ualvasors grof^er Reise (bis nach Jlfrika) fiel, trat unser Freiherr später
^^^ €dward Brown IT). D. JTuf genehm gehaltenes 0utad)ten und Ueranlassung der
Kön. €ngell. medicinischen Gesellschaft in Condon. Durch Diederland (usw.) gethane
gantz sonderbare Reisen (1668-1673) ... in die Roch-Ceutsche (Sprache) übersetzt,
nürnberg 1711, 4', 334 $$.
-2) 202 'S)
in brieflieben Uerkebr, gleicbwie er im üerlaufe der Zeit nacb seiner
$e()baftniacbung in Cüagensberg mit dem Sekretär der „Royal Society'*,
dem ßelebrten Cbomas ßale/^* (seit 1676 in dieser Stelle und zugleicb
Präbendar an der St. Paulskircbe zu Condon) in üerbindung kam, mit
welcb letzterem er dann eine regere Korrespondenz unterbielt; Cbomas
0ale war es, der unsern ßelebrten und 3^orscber in Beziebung zur
„Königlicb Gngliscben Sozietät" selbst bracbte, von der dann scblief^licb
üalvasor unterm 14. Dezember 16$7 als Mitglied aufgenommen wurde,
als das er sieb dann aueb sebon bei Grsebeinen seiner ausfübrlieben Copo--
grapbie von Kärnten 16$$ als „FDitgenossen der Königlieben Sozietät in
Gngeland" auf das Citelblatt setzte.
Den Spuren dieser Korrespondenz mit 6ale, beziebungsweise mit der
ßesellscbaft, naebgebend, gelang es mir im 3abre 1$93, dieselbe zu er--
reieben, und die Subventionen der löblieben Krainiseben Sparkasse und
weiters des krainiseben Candesaussebusses ermögliebten mir es in dankens--
werter Cüeise, die Originale im JIrcbive der Royal Society in Condon an
Ort und Stelle kopieren zu können. Und ieb kann nicbt umbin, der auf^er--
ordentlieben Ciebenswürdigkeit dankend Grwäbnung zu tun, mit weleber
mir daselbst in der zuvorkommendsten Cüeise seitens der üorstebung dieser
altberübmten ßesellsebaft begegnet wurde.
Daebdem üalvasor sebon eingangs des Jäbi'^s ^^^^ der ßesellsebaft,
beziebungsweise dem Sekretär 0ale dureb einen Candsmann desselben,
3obann Bobton, den unser Jreiberr in üenedig kennen gelernt batte,
seine Copograpbien von Krain und Kärnten und mebrere Probeillustrationen
des unter der 5^eder babenden Hauptwerkes: die vorbereiteten üollbilder
von Seblol? Ginöd (beute im Besitze Seiner Dureblauebt des Fürsten Karl
Jluersperg, [)erzogs von ßottsebee, emer. üizepräsidenten des österreiebiseben
I)errenbauses), von der Stadt Jiume („St. Ueit am Pflaumb"), von lHünken--
dorf (beute Gigen der CUCüCe. brauen ürsulinen in Caibacb), des St. jakobs--
platzes in Caibacb mit der Jlnsicbt der von ibm modellierten und in dem
von ibm erfundenen 5^eingusse ausgefübrten „lllarienslatue", des Seblosses
ebrenau (beute im Besitze des emer. Candesbauptmannes von Krain Otto
Gdlen von Detela), des eigenen Seblosses Cüagensberg und des Pan--
oramas von Caibacb sowie ein Gxemplar des „Cbeatrum lHortis bumanae"
*"* Cbomas 0ale (* 1635, f 1702), ein IDann von gründlicher 0elebr$anil<eit, der
voTzüglid) schätzbare pbiloio9isd)e Kenntnisse besaf^ und sieb um die neuplatoniscbe
Philosophie besonders verdient gemacht. Döring: ersci) und 0ruber, flilg. Cnzyklo-
pädie LH, p. 312 f.
'& 203 -2)
eingeschickt/^^ legte er demselben unterm 29. Jlugust des O^bres 16$6
in ausfübrlicber Jluseinandersetzung sein üerfabren des verfeinerten 6rz--
gusses dar. Im Eingänge dieses Scbreibens bedankt sieb Ualvasor bereits
für die ibm von 0ale durcb Brief vom 3. 3uni 16S6 mitgeteilte Dacbricbt
seiner bevorstehenden WJabl zum Hlitgliede der Gesellschaft, über welche
Dacbricbt sich Ualvasor hocherfreut äuf^ert, da es ibm nun gegönnt sein
voerde, sich Hlitglied dieser Königlichen Gesellschaft zu schreiben („ut
possim inposterum me gaudere titulo ut Socius Regiae Societatis, pro
quali magna gratia summas ac maximas ago gratias et seruus permaneo
Societatis Regiae in aeternum obligatissimus"). J^us dem nun folgenden
Beisatze: „utinam possem illi quid inseruire ex fidelissimo corde perficiam,
modus meae inventionis fundendi statuas ex metallo tenues, qualem jussit
Societas regia ut mitterem hie est'* usw. usw. geht hervor, dal) die Sozietät,
der Ualvasor durch 0ale, beziehungsweise Robton, bereits aufs beste
empfohlen war, ihn hatte auffordern lassen, seine Erfindung des 5^ein--
gusses einzusenden, was nun mit diesem Schreiben an Sekretär 0ale
erfolgte.
3a, als er ddo. lUagensberg 7./17. Hovember 16$7 seine umfassende,
27 Seiten starke Beschreibung des Zirknitzer Sees an die Gesellschaft
selbst einsandte, unterzeichnete sich Ualvasor am Schlüsse dieses in Brief--
form*^^ gehaltenen Berichtes (dem die bereits in einem früheren Abteil:
„Ceufel und Rexen'* erwähnte Karte des Zirknitzer Sees beigegeben) schon
gleichsam als IDitglied der Königlichen Gesellschaft (tamquam indignus
Regiae Societatis socius).
Dieser „Bericht" an die Gesellschaft war eingeschlossen in dem unter
selbem Datum (CUagensberg, 7./17. Hovember 16S7) an den Sekretär
Chomas Gale gerichteten Schreiben, *^^ das durch seinen Inhalt von mehr--
fachem lokalen Interesse erscheint. Im Eingänge setzt Ualvasor den ihm
^^^ Siebe Bnbang: Briefe Ualvasors I. — Diese lUustrationen und lüerke befinden
sich in der Bibliotbel< der „Royal Society". Die Copograpbia Carintbiae, irrtünilicberweise
mit dem Citelblatt Carnioiiae, Sign. 4$. c. 27/143. a, 16, dazugebunden die oben ange-
fübrten Probeillustrationen, fluf^erdem besitzt diese Bibliotbek aucb Ualvasors Kupfer-
stiebwerk: Copograpbia flrcium Eambergianarum, Sign. 4$. c. 20/143. a. 15, beides braune
Cederbände (Uordcrdeckel lackiert). Jluf der Innenseite des Uorderdeckels das UJappen
der Royal Society. Die „Copograpbia Hrcium Cambergianarum" ist äbnlid) der Edition:
Carintbia Salisburgensis aus seiner „Copograpbia Carnioliae" zusammengestellt und
umfaf3t die Besitzungen der Camberge.
''"^ Siebe Bnbang: Briefe Ualvasors IL
"^ Siebe Hnbang: Briefe Ualvasors III.
-2) 204 -g)
befreundeten Adressaten davon in Kenntnis, dal5 er zum zweitenmal
einem gewissen l)errn ]. Robton nach üenedig gescbrieben habe, dieser
möge ihm doch mitteilen, mittelst welchen Schiffes er an den Rerrn
Sekretär das vor einem 3abr an ihn abgesandte Scbriftbündel befördert
habe, auch auf diese Betreibung sei keine Antwort gekommen und er
möchte doch gerne wissen, ob jenes Schriftbündel in Condon angelangt
sei oder nicht ?M^^
nun übersende er die Beschreibung des Zirknitzer Sees, in derselben
sei nichts als die Cüahrheit geschrieben, alles habe er selbst erfahren und
was er nicht mit eigenen Augen gesehen, habe er von vertrauenswürdigen
Eeuten erfahren und überall habe er beigesetzt, was er auf letztere Cüeise
überkommen. Adressat werde wahrnehmen, ob er (üalvasor) vor einem
jähre nicht die Cüahrheit geschrieben habe, als er ausgesprochen, da(5
dieser See ein grofKs Haturwunder, falls etwas in seiner Beschreibung
nicht verstanden werden sollte, so bitte er ihn, ihm dies mitzuteilen, um
es dann besser erklären zu können. In dem Schreiben weiter fortfahrend,
bittet üalvasor die berühmte Königliche Gesellschaft ganz ergebenst um
Entschuldigung, da(5 er dieses IDanuskript nicht früher schon gesendet, er
habe es wohl schon lange in üorbereitung gehabt, doch sei es nicht gut
abgeschrieben gewesen, „üieles habe ich — schreibt er wörtlich — zu
tun gehabt, da mir zwei Söhne gestorben *^^ sowie meine 5^rau (im
April), *^<^ jetzt aber feierte ich meine zweite üermählung mit 5^räulein
niaximilla Zetschekerin, eine geborne Baronin; unlängst war ich auch in
Kroatien. Als ich in diesen Cagen erst nach Rause kam, habe ich auch zu
tun gehabt mit meinem Cüerke, der historisch-topographischen Beschreibung
(Krains).*'^ Gs wird diese Beschreibung des Herzogtums Krain gleichsam
eine Chronik des Landes Krain sein, worin sich gar viel ,Curiosa' befinden
werden. £s wird ein grot3es Cüerk sein, es wird über 400 Bogen (l)*'^
und über 500 Bilder enthalten. ^^^ ^5 y^\x^ ^in genugsam kurioses Buch
sein. Bis jetzt (7./17. Dovember 16S7 — das ÜJerk erschien 16$9) sind
über 200 Bogen *^^ gedruckt, sobald es ganz ausgedruckt sein wird, sende
ich es »Euerer f)errschaft\ Die grö(5te Gunst (aber) würde es für mich
^"^ Das qcmeinte Scbriftbündel entbleit wobl die Copograpbie von Kärnten, die
Probeillustrationen und das Cbeatrum mortis bumanae, was alles einlangte (siebe oben).
*'^^ Jobann ßottlieb und Jranz 3osef aus erster €be.
^""^ Anna Rosina geb. ßraffenweger.
*'' „ebre des Herzogtums Krain".
*'^ Das vollendete Cüerk zäblte 3320 Seiten mit 533 Abbildungen.
♦" Jolio, also 400 Seiten.
'& 205 'S)
sein, wenn es mir nämlicb von der Königlichen Sozietät gegönnt würde,
da(5 icb von einem oder andern oder mehreren ITlitgliedern der Königlichen
Sozietät ein Cobgedicht für dieses mein Buch erhalten könnte, um selbes
am Eingänge des (Uerkes abdrucken zu lassen, weil in diesen Gegenden
ähnliches hochgeschätzt wird, deshalb würde es mir zu hoher Gbre ge--
reichen." „Das Buch selbst aber umfaf^t — wie er zur Orientierung über
den Inhalt behufs allfälliger Bezugnahme im eventuell zu erhaltenden
Eobgedichte beifügt — nachstehendes: die Jlbleitung des Hamens Krain,
die ersten Ginwohner, die Herzoge von Krain, Regenten Krains, alle
öffentlichen Ämter in Krain, die Sitten, brachten, Sprachen, Gewohnheiten
der Bewohner, die Beiligen, Bischöfe, die Religion, die Regierung, die
Kriege, die Beschreibung der Pflanzen, Ciere, mineralien. Berge, 5^1üsse,
Klima, merkwürdigkeiten, Seltenes und Cüunderbares im Cande, die Schrift--
steller, die CUappen der Adeligen, die Grenzfesten gegen die Cürken in
Kroatien, Slavonien und Dalmatien, endlich alles, was auf Krain über-
haupt Bezug hat."*^* Das Schreiben schliefet mit der nochmaligen Bitte,
ihn zum Behufe des Grhaltes eines Cobgedichtes der Gunst der Königlichen
Gesellschaft anzuempfehlen. Doch wie die Überschau über die der „€hre
Krains" vorangestellten Cob(Gratulations)gedichte lehrt, kam unserm 5^rei--
herrn leider kein solches Gedicht über den Kanal herüber zugeflogen!
Jim 14. Dezember 16S7 erfolgte, wie schon oben angedeutet, der for-
melle Jlkt des Uorschlages, der Guthei(5ung und Grwählung des 5^reiherrn
von Ualvasor unter die Mitglieder der heutigen Royal Society.
Die Prozedur dabei war folgende. Im Journal Book of y Royal Society *^^
lesen wir: Decemb. 14 16$7. Sir 0yrill (Uyche, üicepresdt in y Ghaire
— nir. john Cüeichard Ualvasor of Garniola, Hlr. CUilliam (Uotton, IDr.
Bautfeuille and IDr. Bonj. middleton having fomorly ben proposed Gandi--
datos to the Gouncell and approvon, word this day ballotod and choson.
Gs besagt dies also, da(3 IDr. 3ohn CUeichard Ualvasor aus Krain sowie
die nebengenannten Gelehrten in der Uorversammlung, in welcher der
Uizepräsident der Gesellschaft Sir ÜJyche den Uorsitz führte, durch Ballo-
tage als zur Jlufnahme in die Gesellschaft geeignet befunden worden.
In den „lUinutes of Council der Royal Society" *^^ lesen wir dann
über den Uorgang der Aufnahme selbst wie folgt:
*'* man siebt, in dieser Jlufzäblung ist die im lüerke selbst getroffene Ulaterien--
einteilung nicbt eingebalten.
*^^ Uol. VIII, 1685-1600, fol. 172. — Bibliotbek der Royal Society in Condon.
^'« Uol. II, 16$2-1717, p. 75. — Bibliotbek der Royal Society in Condon.
'& 206 ®
Ht a Councell
Decemb. 14 ^"^ 1687.
Present:
P. earbory, Praesdt. $r. Cyrill ÜJycbe
$r. ]obn Rofkins mr. Olallor
nir. Ronsbaw lUr. [)ill
Dr. Slard IHr. Rainos
Dr. Pitts mr. Porry
Dr. Cyson
mr. Borbert.
mr. 3obn (Ueicbard Ualvasor of Carniola was proposed Candidate tbo
tbe Councell and approved for Glection.
Gs wurde in dieser Ratsversamnilung der Königlicben ßesellscbaft, in
welcber also unser 3^reiberr als Kandidat vorgescblagen und zur Hufnabme
in die ßesellscbaft gutgebeit3en war, der erste teil seines Briefes über
den Zirknitzer See vorgelesen, welcber eine genaue Grklärung der ver--
scbiedenen unterirdiscben Gänge und Cöcber entbält, durcb die das Cüasser
in das Seebecken tritt und dasselbe wieder verläf^t, sowie der Jlrt, in
diesem See zu fiscben, und die JIngabe der Citel und Besitzungen jener
Ferren, welcbe das 5^iscbereirecbt für diesen See besitzen. Der restlicbe Ceil
des unifangreicben Berichtes, der sieb mit den weiteren Details der Unter--
sucbungen Ualvasors über diesen merkwürdigen, schon von Torquato Casso
wegen seiner „wunderbaren" Gigenscbaften besungenen verschwindenden und
wieder zutage tretenden CUassers, auf dem man zu verschiedenen Zeiten des
Jahres fischt, jagt und erntet, wurde zur üorlesung in der nächsten üer=
Sammlung der Gesellschaft nach den CUeihnachtsfeiertagen bestimmt. Statt
der ^Fortsetzung der Cesung von Ualvasors Bericht demonstrierte mr. f)alley
einen von ihm schon auf Grund der Ualvasorschen Auseinandersetzung
konstruierten Apparat von drei über=, beziehungsweise ineinandergestellten
0efä[5en, welche die Cheorie des ^^reiherrn von Ualvasor von dem Sichfüllen
und Sichentleeren des Zirknitzer Sees verbeispielen sollten. ITlr. l)alley
nahm zwei 0efä(5e und stellte sie eines höher als das andere und ordnete
sie so, da(5 sie durch Schläuche verbunden erschienen, die in verschiedener
Rohe angebracht waren, so da(5 das Cüasser aus dem oberen ausrann,
wenn es voll war, und schneller fiel, wenn es zum Cell leer war, das
untere 0efä[5 hatte nur eine Pipe, das Cüasser auszulassen, welches das--
selbe von dem oberen 0efä[5 empfangen, und nicht grot? genug war, um all
das Cüasser auszulassen, wenn das obere 0efä(5 fast voll gehalten wurde,
-2) 207 -2)
SO da(5 sieb dann das untere 0efä(5 füllte, und ein drittes 0efä(5, welches
in das untere gestellt wurde, mit verschiedenen Cochem im Boden ver-
sehen war und fortfuhr, lUasser in sich zu fassen; aber wenn das Cüasser
des oberen Öefäf^es abnahm und die Uerbindung mit dem unteren endlich
aufhörte, wurde das Cüasser des unteren ßefät^es in einiger Zeit abgezogen
und das dritte Gefä(5 mit den Cochem im Boden blieb trocken, sehr gut
darstellend die von üalvasor beschriebene Jlrt des 5^üllens und Jlustrod<nens
des Zirknitzer $ees/^^
€inen Jluszug des üalvasorschen Berichtes über den „wunderfull Cac"
brachten die „Philosophical Cransactions" vom 3ahre 16$$;*^^ letztgenannte
gelehrte Publikation hatte 14 ]ahre vorher die Beobachtungen Browns
über den „stränge Cac of Zirknitz" in 16 Jlntworten erörtert, *^^ nach--
dem sie schon im Oahre 1669 den Bericht Dr. Browns aus Uenedig vom
20. Juni 1669 erwähnt hatte.*«*^
Über die Beitragsleistungen materieller JTrt, die in der „Königlichen
englischen Gesellschaft" in jenen Cagen für die Mitglieder festgesetzt
waren, erfahren wir aus der Geschichte der „Royal Society", da(5 jedes
neue mitglied beim Eintritte in die Gesellschaft als Beitrag 5 Guineen
und hernach vierteljährlich 13 Schillinge zu entrichten hatte, die meisten
— hei(5t es aber in einer Hebenbemerkung — geben sogleich 20 Guineen
ein für allemal und waren nachher von allen weiteren Beiträgen frei.
Cüelchen IDodus unser 5^reiherr hiebei eingehalten, ist zwar nirgends er-
sichtlich, doch lät5t sich schon wegen der weiten Gntfemung seines CUohn-
ortes und bei seiner gewohnten Generosität annehmen, da(3 er die letztere
J^rt der Beitragsleistung gewählt haben mag.
nahezu ein ganzes 3ahr blieb aber üalvasor über das Schicksal seiner
Beschreibung des Zirknitzer Sees im unklaren, wie aus einem von ihm
an die Gesellschaft gerichteten Schreiben vom 5./15. Hovember 16$$^^^
hervorgeht. Gr erinnert in diesem Schreiben daran, da(5 er unterm
7./17. Dovember 16$7 geschrieben und den Bericht über den Zirknitzer
See eingesendet habe, und zwar auf dem Postwege, er habe darauf keine
Antwort erhalten, auch auf sein Schreiben vom 9./19. Hlärz 168$ habe
''" Che bistory of tbe Royal Society of Condon by Cbomas Bircb D. D. Sccrctary
to tbe Royal Society, Condon MDCCLVII, Uoi. IV, p. 55$. Bibliotbek der Royal Society.
''^^ p. 411—426, obne Abbildungen, obscbon im Cexte die Figuren zitiert erscbeinen.
— Bibliotbek der Royal Society.
''^ Pbilosopbical Cransactions, Uol. IX (MDCLXXIV), p. 194—197.
''' ebenda, Uol. IV (MDCLXIX), p. 10$3-10$5.
*^^ Siebe flnbang: Briefe üalvasors IV.
© 20$ 'S)
er bisher keine Aufklärung — doch wäre er ja nur zufrieden, wenn
überhaupt der Bericht dort eingelangt wäre, sonst nui(3te er denselben,
was er jedoch nicht hoffe, neuerdings senden. £x zweifle nicht, da(5 seine
Beschreibung eingelangt sei, da ja doch seine anderen Schreiben an Ort
und Stelle gelangten, üielleicht sei jetzt anstatt des Rerrn Cbomas ßale,
an den er immer seine Sendungen gerichtet, ein anderer l)err Sekretär
der Königlichen Gesellschaft. Gr bittet daher die berühmte Gesellschaft um
die Gunstbezeigung, ob dieselbe seine mehrgenannte Beschreibung er=
halten habe und teilt behufs der Antwort seine genaue Adresse also mit:
„ITlonsieur Hlonsieur Jean Cüeichard üaluasor / Baron / Gapitaine // per
üienne en Antriebe ä Caibach.** Dann, schliefet er, wird mich ein Brief
gewi[5 erreichen. Dieses sein Schreiben datiert: „Cabaci in Carniolia
5./15. novembris 16S$".
Der Umstand, da(5 von der Korrespondenz unseres 5^reiherrn mit der
Royal Society, beziehungsweise mit deren Sekretär, nur die Briefe üalvasors
nach Condon erhalten sind — dank der Bewahrung in dem nach jeder
Richtung ausgezeichnet geleiteten Institute — , die an ihn gerichteten Auf-
forderungsschreiben und Hlitteilungen über seine erfolgte Aufnahme als
rnitglied der berühmten Gesellschaft hingegen bisher verschollen sind,
lä(5t es nicht feststellen, wann und was man ihm auf dieses letzte Schreiben
geantwortet. Da(5 er aber in Kenntnis gesetzt war von seiner Aufnahme,
und zwar noch im selben Jahre, beweist der Umstand, daf^ er sich als
rnitglied der Gesellschaft, wie schon erwähnt, auf das Citelblatt der er-
weiterten Copographia Garinthiae 16$$ gesetzt hat, wie er denn auch
durch den Abdruck seines Berichtes über den Zirknitzer See in den „Philo-
sophical Cransactions" betreffs des richtigen Eintreffens dieser Beschreibung
schliet^lich beruhigt sein konnte.
üopographia Brchiducatus Carinthiae antiquae et
modernae completa 1688*
er im 3abre 16$1 erschienenen „Copograpbia Jlrcbiducatus 0a--
rintbiae modernae'* lie(5 Ualvasor nocb vor dem erscheinen
seines Hauptwerkes über Krain eine ausfübrlicbe Copograpbie
des schönen Dacbbarlandes Kärnten folgen, und zwar, wie er H
in der Ginleitung betont, „aus eigener Grfabrung und CUissenscbaft". '^
Der volle Citel dieses noch beute für Kärnten den gleichen lüert, wie f;
die „Gbre des Herzogtums Krain** für unsere engere Heimat, besitzenden -
CUerkes lautet:
Copographia | Jlrcbiducatus | Carintbiae | antiquae et modernae com-- -
pleta: | Das ist | Uollkommne und gründliche | Cand--Beschreibung | de(5 =5
berühmten | Crz-Herzogthums | Kärndten | beydes nach dem | Uormaligem
und jetzigem Zustande desselben: | Darinn | J!lle dessen Städte, Hlärkte, -
Klöster und | Schlösser, nebst andern Beschaffenheiten, und niiteinfübrung |
mancher entweder zur Erläuterung dienlicher oder sonsten | sich dazu ^
bequemender Geschichten | Dicht allein mit einer warhafften 3^eder, sondern ^
auch Datur | ähnlichem flbri(5 der beschriebenen Oerter, und in Kupffer |
gebrachten Plätze | Ms Cicht gestellt, | Durch Oöb^^n CUeichard Ualvasor,
^^reyberrn | und ITlitgenossen der Königlichen Societät in | Gngeland. |
Dürnberg | In Uerlegung lüolfgang moritz Gndters. | MDCLXXXVIII.
5olio, 264 SS. mit 223 Abbildungen/^^ Dem Citel vorangestellt erscheint
eine Allegorie „Carintbia** (Kupferstich — gezeichnet von 3. Boner).
Die Abbildungen sind von den in den sonstigen Cüerken üalvasors
vertretenen Künstlern hergestellt, nur mit dem Unterschiede, da(5 wir in
dieser Publikation den monogrammen M. P. (Peter ITiungerstorf) und
M. (j. (niatthias ßreyscher) häufiger als sonst begegnen, die beide an
diesem CUerke ihre Kupferstecherkunst wacker geübt haben; neben WD
(lUierix del.), der durchaus die eigenen und des 5^reiherrn Abrisse aus--
geführt, erscheint in dieser Publikation auch ein neuer Künstler, Schnabel
(als Kupferstecher) genannt, der des WD Jriesach in Kupfer gestochen hat.
*^^ Heu bcrausgegcbcn von ]. Krajcc in Rudolfswert, getreu dem Originale.
V. Radics, Ualvasor. 14
'S 210 'S)
Die Cüidniung dieses Cüerkes ist an die Stände Kärntens gerichtet und
beginnt mit den Cüorten: „Gs verbündt meines Gracbtens dieses alle
tugendbaff ten ßemütber, wie ein Gesetz, da(5 man seine Grfabrung,
Kenntnis und Beobachtungen, wann sie gemeinnützlich werden können,
nicht bey sich verschliefK, sondern auch andern bey aller Gelegenheit zur
Dachricht gedeihen lasse und eine Gleichwilligkeit bezeuge, sowol in der
Jlusgabe dessen, was uns bekannt, als in der Ginname dessen, was uns
vorhin unbekannt war, damit gleichfalls die 5^remden von uns, wie wir
von ihnen erlernen mögen, was beiderseitig merkwürdig. Solche üerbind--
lichkeit scheinet denn auch dieses die Billigkeit selbst miteinzuknüpfen,
daf5, gleich wie wir, gern etwas von der Gelegenheit weitentlegener Städte
und Länder lesen, also wir ebenfalls von denen, welche uns entweder die
Gegenwart oder die Habe kundbar gemacht, dem Gntfernten zu lesen
geben, was des Cesens werth erscheint." Diese Betrachtung, sagt üalvasor
weiter, habe ihn zur Beschreibung seines geliebten Uaterlandes Krain und
dieses „angrenzenden hochpreislichen Grzherzogthums" geführt; nicht minder
aber habe ihn hiezu geführt die Jlbsicht, den 3^remden die Ginbildung zu
benehmen, daf^ dieses Cand in einem lüinkel versteckt im Schatten liege,
nicht minder aber endlich die Ghrerbietigkeit gegen die hochlöblichen Stände
und der ÜJunsch, mit einem so ansehnlichen Stoff seine 5^eder zu beehren.
Gr weist zurüd< auf seine erste Betätigung für Kärnten in der [Verausgabe
der Copographie 1681 und wie jenes Cüerk die Grundlage zu diesem um--
fassenderen bilde. 3enem Schlösserbuche habe er nun auf allgemeinen
Cüunsch die topographische Beschreibung beigefügt und in „Grkundigung"
desselben keine IDühe gespart. Diese CUidmung ist „gegeben" zu Cüagens=
berg am 31. niärz 16$$.
Gs folgt ein lateinisches Begleitgedicht von Paul Ritter Uitezovich und
ein deutsches von Grasmus 5rancisci (Dürnberg, 14. Jänner 16$$). l)ieran
reiht sich eine Karte von Kärnten; sodann beginnt die topographische
Beschreibung, Cext und Bilder nebeneinanderstehend; auf 264 Seiten
223 Jlbbildungen mit längerer oder kürzerer Beschreibung zur Seite. Den
Jlbbildungen erscheinen je die Städte-, Stifts- und Ortswappen sowie
lUappen adeliger Besitzer nebengestellt.
Die Seiten 1 bis 5 nehmen die Beschreibung Kärntens im allgemeinen
ein, welche üalvasor aus Hlegiser, Keichhardt und Hlerian, aber auch zum
gro(>en Ceil „aus eigener Grfahrung und CUissenschaft" genommen.
Gleich auf Seite 1 begegnen wir einer charakteristischen Jluslassung,
die lautet: „Sonst findet man in den uralten Freiheiten oder Privilegien,
da[5 ein Rerzog in Kärnten in windischer Sprach investirt und eingeführt
'S 211 'S)
worden. CUie denn aucb Jleneas Sylvius in seinem Guropa an dem Ort,
wo er von Kärnten schreibt, für glaubwürdig anzeigt, da(3 ein Hrst in
Kärnten die 5^reibeit hätte, wenn €r bey einem Römischen Kaiser und
dem gantzen hl. Reich angeklagt würde, dat5 er sich vor demselben änderst
nicht als in windischer Sprach zu verantworten schuldig wäre.'*
Jluf Seite 7 kommen wir zu den Abbildungen und den sie begleitenden
texten. Gs kann hier nicht der Ort sein, das ganze CUerk Blatt für Blatt
durchzugehen, was auch bei dem Umstände, als die von ]. Krajec in
Rudolfswert veranstaltete, dem Originale getreu nachgebildete Deuausgabe
der bis dahin bibliographischen Seltenheit in so zahlreichen Bibliotheken
(öffentlichen und privaten) verbreitet ist, ziemlich überflüssig erscheinen
mü(5te.
lüir wollen hier nur hervorheben, in welcher (Heise Ualvasor bei ]\n=
läge und Jlusführung dieses seines Kärnten in Cüort und Bild verfahren
ist, „um den 5^remden die Einbildung zu benehmen, da{5 dieses Eand in
einem CUinkel versteckt im Schatten liege'*, oder, um uns modern aus--
zudrücken, dem ^Fremdenverkehr in diesem Cande die CUege zu öffnen.
Schon gleich das 94 cm lange und 32 cm hohe (den Ständen de--
dizierte) Panorama von „Ciagenfurt", von WD (Cüierix) mit dem größten
5lei(5e und aller Kunstfertigkeit gezeichnet und von JI. Crost mit seinem
so äuf^erst gewandten Grabstichel feinst ausgeführt, war in der tat ge--
eignet, für die so reizend vor die Karawankenkette hingebettete Stadt in den
weitesten Kreisen wirkungsvollste Propaganda zu machen; von besonders
zarter Jlusführung zeugen die ober das Gesamtbild hingestellten Detail--
ansichten des Candhauses, des Jllten und des Heuen Platzes. Euch der Rumor
fehlt auf dieser Darstellung nicht, indem im freien ^Jelde vor der wohl--
ummauerten Stadt, und zwar in der Habe des Kirchleins „Beim Schutz--
engel", zwei Ringende abgebildet sind, deren einen ein dritter von rück--
wärts zu stützen sucht, ein paar über den Anblick höchlichst Erfreute
breiten aber schier jubelnd daneben die JIrme in die ßöhe!
An dieses Panorama von Klagenfurt $chlie[3en sich noch zwei Dar--
stellungen, die Candeshauptstadt betreffend, einmal die Abbildung des
Candhauses, „wie es inwendig zu sehen", und dann eine kleine Ansicht
der ganzen Stadt aus der Uogelperspektive mit dem Karree der 5Festungs--
mauer. Diese alte Befestigung wird in dem begleitenden Cexte also ge--
schildert: „Diese l)aubtstadt ist wol fortificirt und viereckicht, hat S Pasteyen
von Quaderstucken, einen tiefen CUassergraben um und um, man kann
das Cüasser so grof5 darein lassen, als man will — oben auf dem Cüall
seynd lauter Bäume gesetzt, man kann auch rings herum mit lüagen und
14*
-g) 2\2 'S)
Carossen fahren, im Sommer gebt man gemeiniglich oben herum spazieren."
Und auch schon der heute von blühenden Sommerfrische-Stationen umgürtete
Cüörthersee wird in diesem ^Fremdenführer unseres edlen Jreiherrn lockend
angepriesen: „Hlan fährt — schreibt er — auch im Sommer gegen Jlbend
auf dem (JUasser spatzieren bis in den gro(5en lUörd--See, von dannen der
gro[K Canal auf eine halbe Stund lang bis zu der Stadt laufft, darauf
man mit kleinen und gro(3en Schiffen fahren kann."
€in ausführlicher Cext ist auch dem kärntnerischen Rothenburg, der
Critt auf Schritt an das mittelalter gemahnenden alten Bischofsstadt
5Friesach, gewidmet, dessen Dominikanerkloster mit der Stelle, wo Chomas
von Jlquin gepredigt, und deren, heute durch die Umwandlung in ein
segensreiches Ordensspital zu neuer humanitärer Blüte gediehenen, alt-
berühmten, von den letzten hochwürdigsten Roch- und Deutschmeistern,
den kais.-königl. Roheiten Grzherzog Cüilhelm und Erzherzog Gugen vor
dem Uerfall geretteten Ceutsch-Ordensniederlassung, zu 5ü(Kn des ruinen-
gekrönten lUaldhanges die ältesten Zeugen der längstverklungenen histo-
rischen Greignisse geblieben sind.
Cüahre Prachtbilder sind die von IDarkt und Chumstift ßurk und des
Chumstift allein (von der rückwärtigen Seite).
Sehr anschaulich sind auf dem den $tra(Knübergang über den Coibl-
berg darstellenden oberen Bilde die „Serpentinen" zu Gesicht gebracht;
in dem Begleittexte verweist üalvasor auf die Beschreibung des Coibl
durch den Engländer Edward Brown, indem er nur bemerkt, es „müsse
sich jeder, so etwas versteht und gesehen, mit ihme (Brown) über diesen
CUeg verwundern". Jluf dem untergestellten Bilde ist der Anfang der
Reise von der Krainer Seite, dargestellt mit der „von Quaderstucken ge--
machten Brücken, allwo ein lüasser über einen mächtighohen ^^elsen ob
der Brücken mit einem solchen impetu herab und unter die Brücken in
tiefe Schlutten über die Felsen herunterschie(5t, daf^ solches grausam an--
zusehen ist". So beschreibt er die „Ceufelsbrücke", „von der", wie er
lakonisch beifügt, „der , gemeine Illann* behauptet, da(5 der Ceufel allda
seine mutter bade".
Uon IDaria Coretto sagt er: „In Summa, es kann nichts lustigeres
sein als dieser Ort" ; bei der Propstei Ularia Saal sieht man den Königs-
stuhl im Uordergrunde.
Das zur Zeit den 3esuiten von Graz gehörig gewesene, ehemalige
Benediktinerstift (dann St. Georgenabtei) Hlillstatt weist in dem mit viel
Sorgfalt ausgeführten Bilde im Rücken des Klostergebäudes den See, von
Enten belebt; im Begleitlexte hei[5t es, da(5 Jlbt Otto (im 14. Jahrhundert)
© 213 'S)
den Sarg mit den Gebeinen des Herzogs Domitian (der $29 n. Chr. der
Stifter von IDüblstadt gewesen) und dessen Gemahlin niarie von Hieran
aufgefunden habe.
Dem ehemaligen Zisterzienserstifte Ossiacb sind fünf Seiten Beschreibung
gewidmet, „welche ich — wie der Uerfasser sagt — theils aus IDegiser,
theils aus dem Breviario Ristoriae Carintbiae, das IDeiste aber aus den
Ossiachischen Hlanuscriptis und uralten Originalurkunden extrahirt". Jluch
erwähnt er hier eine Prozedur, die mit einer in der Hlitte 11. C. Jrauen--
bild enthaltenden kristallenen Kugel vorgenommen zu werden pflegte,
indem durch diese der Sonnenstrahl auf unsinnige, Caubsüchtige, Stumme,
Blinde zur Teilung geleitet wurde; ein Pater nahm das Brennen vor und
die Peilung erfolgte, doch „wer Baccho oder Uenere sich ergibt, wird
recidiv''. Giner solchen Prozedur, wobei der Kranke auf einen Stuhl gesetzt
wurde und der Pater das Brennen mit der Kristallkugel vorgenommen,
hat Ualvasor, wie er bemerkt, „flnno 1680 selbsten zugesehen'* — , ob
oder da(5 er die Teilung wahrgenommen, davon schweigt er.
Reizende Bilder sind die Einsichten der durch die fürstliche Familie
Khevenhüller so wohl erhaltenen herrlichen mittelalterlichen Burg Roch--
osterwitz; auf der Jlnsicht der Rauptfestung sieht man am ^\i{h des
Berges den Zeichner mit seiner Hlappe — wohl unser 5^reiherr selbst,
da er diese altberühmte 5^este „abgerissen".
Imposant präsentieren sich die beiden Einsichten der altehrwürdigen
Benediktinerabtei St. Paul, dieser heute weithin bestbekannten 3ugend--
bildungsstätte, welchem durch eine Reihe der ausgezeichnetsten Prälaten
in der Geschichte der Kirche und der Kultur ruhmvollst verdienten geist--
lichen pause ein ausführlicher Cext gewidmet erscheint.
Das Bild, das heute im wohlverstandenen Interesse des Besitzers als
„Ansichtskarte" weit in die lUelt hinausflattert, das Bild des „Sauerbrunn"
in Preblau (gegenwärtig Gigentum der 5^amilie Jerlatti Bancalari und der
5rau pofrat Jlnna Dr. Schneditz) weist in der unteren linken Gcke in köst-
licher Detailzeichnung das primitive Kurleben Preblaus an der Crinkhalle
des 17. 3ahrhunderts; in den Fensternischen stehen die Trinkbecher, vor
der Balle sitzen mit Bechern in den l)änden, promenieren und hocken
Badegäste und auch der treue Gefährte, auf alten Bildern nicht fehlend,
der Bund, fehlt auch hier nicht. Recht gute Bilder sehen wir auch von
Sonegg, von Spittal a. d. Drau, von dem einst bei den Gurker Bischöfen als
Residenz beliebten Strat^burg, von dem so wichtigen Grenzorte Carvis, von
Schlo(5 Canzenberg, im Cexte auch nach ehemaliger Einnahme als „Geburtsort"
Kaiser ITlax I. hervorgehoben; vorzüglich schöne Bilder erhielten aber die
■© 214 'S)
alte Hauptstadt St. Ueit, das alte Scblof^ üelden („von dannen man bis
Clagenfurtb zwei starke Mleilwegs! auf dem See fahren kann"), die ehe-
malige Zisterze Uiktring, heute ^abriksetablissement der weltbekannten,
namentlich durch die Cieferung der Codentücher für unsere wackeren öster--
reichischen Dordpolfahrer historisch denkwürdigen Jirma Gebrüder Illoro,
dann Stadt und Bad üillach („Cöplitz" hier genannt); Stadt üillach stellt
sich als noch stark befestigt dar und vor der Brücke ist ein starker, doch
sehr niederer Rundturm sichtbar. Im Cexte betont es üalvasor, daf^ „hier--
durch alle Kaufmannswaar aus Italien und Krain ins Cand Kärnthen,
Salzburg und in das Reich hinaus und wiederum hereingehe'*.
Bei der Stadt Cüolfsberg, wo ein gedeckter Gang ins Schloff hinauf--
führt, sieht man zwei gedeckte Brücken und die Cavant mit starkem Gefälle;
am Südabhang des Schlof^berges ist ein „Cüeinberg" sichtbar.
Bm Schlüsse dieses seines Kärnten gewidmeten Buches bemerkt üalvasor,
sich gegen den J!nwurf der Unvollständigkeit mit einer Entschuldigung
verteidigend: „Und weil noch mehr (als die 223 abgebildeten Stätten)
Schlösser und Jldeliche Sitz im Cand mutmaf^lich vorhanden, solche aber
mir, da ich diese obenbeschriebenen abgerissen, nicht ins Gesicht gekommen,
als will ich zum Beschluf^ Kraft dieses hiemit protestirt haben, da(5 solche
Jlusbleibung wie auch sonst durchgehends in diesem topographischen Cüerk
niemand etwas zum Präjudiz gesetzt sein soll".
i
Die ehre des Berzogtums Krain 1680.
Ual\)a$or als l)t$toriKer.
fndlicb nach langen fahren mühevollen Sammelns und gründ-
lichen 5^orschens, nach rastlosen üorbereitungen mitten unter
anderm literarischen und künstlerischen Schaffen, ja, selbst unter-
brochen durch einen Kriegszug zur Jlbwebr der mit den Türken
verbündeten aufständischen Ungarn, deren 5^ührer Batthyäny, wie u)ir ge-
sehen haben, in den Osten des Dachbarlandes Steiermark eingefallen war,
und unter opferwilliger Aufwendung grof^er materieller mittel vollendete
Johann (üeikhard 5^reiherr von Ualvasor sein Lebenswerk, das ihm daheim
und nach au(5en unvergänglichen Ruhm und einen unvergef^lichen Damen,
insbesondere bei seinen krainischen Candsleuten gesichert hat, die um-
fassende Beschreibung seiner von ihm so sehr geliebten l)eimat, die „Ghre
des Herzogtums Krain", die 16S9 in Hürnberg bei IDoritz Gndter in vier
5oliobänden erschien, deren erster L und 696, der zweite $36, der dritte
396 + 730 = 1126 und der vierte 610 und 62 SS. (Register), das ganze
^erk also 3320 Seiten mit 533 Abbildungen in Kupferstichen zählt.
(Deiche 5^ülle von 5^1ei(5 und Arbeit, von Tüchtigkeit in Cüissen und
Grfahrung des üerfassers, der Künstlerschaft seinerseits wie nicht minder
der von ihm hiebei beschäftigten Künstler, Zeichner und Kupferstecher,
welche 5ülle aber auch von Anregung für alle kommenden Geschlechter,
welche daraus gelernt und geschöpft, lernen und schöpfen werden als aus
einem schier unerschöpflichen Quell der Belehrung und der Benützung,
schliefet nicht dies herrliche „Buch der Bücher" über unser so schönes,
immer mehr und in immer weiteren Kreisen nach seinem wahren, nach
so vielen Richtungen hin nicht genug zu schätzendem CUerte gewürdigtes
teures Krain in sich !
Das CUerk ist in fünfzehn l)auptabteilungen „Bücher" geschieden, jedes
Buch in Kapitel, zu deren Raupten kurze Übersichten den Inhalt angeben,
rnarginalnoten am Texte erleichtern das Aufsucl)en sowie die Cektüre.
Den Schlut^ macht ein Register, welches wohl ziemlich dürftig ausfiel. Cüir
'S 216 -2)
haben scbon oben in einem früheren Jlbteil angedeutet, da() noch heute
trotz der gutgemeinten Ausgabe eines ,,Repertoriunis'* zu der ,,Ghre Krains'*
ein allen JInsprüchen genügendes Register leider vermif^t werden mu(5.
*
* *
Besehen wir uns nun im raschen Durchblättern den reichen, kostbaren
Inhalt, und zwar zunächst des ersten Bandes.
Das erste Blatt (Raupttitel und Citelkupfer) enthält nachstehendes Cob--
gedicht auf Krain:
„£rain! wer dich kennt, dem blinkt gar so schön dein Ghrenschein,
Durch manches Kleinod, so Hatur dir angehängt;
Durch der Regierer 61anz so dich mit Eicht beschenkt.
5ällt mir dein Ritter-Hluth und gro(Kr 5ürst dann ein.
So mu(5 Carniolia ein Carneol mir sein;
Dieweil dein Oberhaupt viel Ghre zu dir lenket.
Der I)immel ist es selbst, der deiner Ghren denket.
Der angeerbt dich dem Ost--l)aus, edles Crain.
Die 5ama lä(3t von dir den ehrenschall auch hören,
Dat5 du den Glauben stets, dem Mlond zu Crutz, beschützt
mit tapferm Stahl und Bley auf Ost-Reichs 5eind geblitzt.
Der seine Ruhe kam und deine Creu zu stören.
Die Creu, so manches Cand, mit ehren kann belehren,
jetzt, da dein Jldler--!)aupt*^2 Criumph-verehrlich sitzt
Und der verthierte Skytb, vor Ängsten Blut hier schwitzt,
rnu(5 auch dein Ghre nun des Cesers Cust vermehren.**
Das zweite Blatt bringt im „Citelkupfer" (5^olio) Jlustria auf dem
Chrone, vor ihr Carniolia, geleitet vom Glauben und der Capferkeit, mit
bezug auf die oben angeführten Uerse. Der Gngel, der diese Gruppe, auf
dem Jlare reitend, umschwebt, ruft aus seiner Cuba die Cüorte: „Garnia fida
Deo, Garnia fida Duci" und „Ris formis lustrata novis patet orbe videnda".
Das dritte Blatt bringt den Buchtitel, der im Geschmacke jener Zeit
die ganze 5^olioseite füllt; er lautet seinem wesentlichen Inhalte nach also:
„Die ehre des F)erzogthums Grain: Das ist wahre, gründliche und recht
eigendliche Belegen- und Beschaffenheit dieses, in manchen alten und
neuen Geschicht-Büchern zwar rühmlich berührten, doch bishero nie annoch
recht beschriebenen Römiscl)--Kaiserlichen herrlichen erblandes; Jlnjetzo ver-
mittelst einer vollkommenen und ausführlichen erzehlung aller seiner
483
Krain bat bekanntlich einen JIdler im CUappen.
'S) 217 'S
Candscbafften usw durch selbsteigene ganz genaue Erkundigung, Unter--
sucbung, Grfabrung und ])istoriscb--Copograpbiscbe Beschreibung. In fünf--
zebn wiewol in vier Baupt-Ceile unterschiedenen Büchern, wie auch häuffigen
abrissen und zierlichen Kupferfiguren ausgebreitet von 3ohann (Ueychard
üalvasor Jreiherrn, Giner Rocblöblicb. Candschaft in Krain, l)auptniann im
untern üiertheil und der Königlich Gnglischen Societät in Gngland Mlit--
gliede; Aber in reines Ceutsch gebracht, auch auf Begebren mit manchen bei--
gefügten Crklärungen, Jlnmerk-- und Erzählungen erweitert durch Grasmum
5^rancisci de(5 Bochgräflichen Rauses Rohenlob und Gleichen Raht. Caybach
Jlnno MDCLXXXIX. Zu finden bey CUolfgang ITloritz Gndter Buchhändler,
Dürnberg. 0um privilegio Sacrae Caesareae Hlajestatis."
Die darauf folgende Dedikation an die Candstände des Herzogtums
Krain, welche die Hlotive der Herausgabe dieses UJerkes darlegt, umfaf^t
samt dem Citel acht Seiten und gipfelt in dem Satze, da(5 der Eutor es
sich zur Cebensaufgabe gesetzt, die Unwissenheit der 5^remden durch eine
ausführliche Beschreibung des Herzogtums Krain aufzuheben.
Dun kommt das Porträt Ualvasors, von dem CUiener Kupferstecher
ßreyscher sehr sorgfältig ausgeführt; der edle 5^reiherr, dessen ebenso
energische als gutmütige Züge, gro(5e, offene, ehrliche Jiugen, uns freundlich
entgegenleuchten, erscheint als Krieger abgebildet; er trägt langes, ge=
welltes Haupthaar und einen sehr schwachen Schnurrbart, auf den Küra(5
herab reicht die von den kroatischen Offizieren im Drei(5igjährigen Kriege
in Deutschland und dann weiterhin in ITlode gebrachte weifte Spitzenbinde,
später „Kravatte** genannt.
Dem Porträt folgen die üblichen ßratulationsgedichte zum Erscheinen
des Uüerkes in deutscher, lateinischer, kroatischer und slowenischer Sprache,
darunter auch ein deutsches der bekannten deutschen Dichterin des 17. 3ahr--
hunderts und üorsteherin der Cilienzunft in dem Pegnitzschen Blumenorden
zu Hürnberg, der 3^rau Katharina Regina von ßreiffenberg, Ireiherrin von
Seisenegg, dann Gedichte von Prasch, Petermann, Begleiter, Jrancisci,
niajer, Ritter Uitezovich, Sisentschelli, Dolnitscher von Chalberg. Die slo--
wenischen üerse Sisentschellis aber:
„Bukve, tedaj pojte,
na vsem svetu stojte,
po vse deshelah letite
in moju zhast donesite"
sind in der Cat glänzend in Erfüllung gegangen, Ualvasors Buch wanderte
in die ganze lüelt, in alle Cänder und verkündete überall seinen Ruhm.
'& 21$ ®
Dach den üorreden Ualvasors und ^ranciscis bildet ein Uerzeicbnis
der im lüerke angeführten und benützten Skribenten (11 Seiten Jolio) den
Scbluf) der einleitenden Blätter.
lüir blättern um und sind beim Cexte selbst angelangt. Das erste
Buch des ersten Bandes (von 5rancisci gearbeitet) bringt gelehrte, aber
gegenwärtig ganz antiquierte etymologische Gxkurse über die älteren Damen
der Bewohner Krains und über den Damen Krain selbst.
Das zweite, von üalvasor selbst gearbeitete Buch, von grö(5erem Um--
fange, aber auch von weitaus gröfKrem CUerte, enthält die Copographie
Krains mit den Unterabteilungen: „von den Crainerischen Grenzstrichen",
„Uorbericht von der Lebensart, Religion, Sitten etc. der Crainer", dann
von den einzelnen Candesteilen, und zwar „von den Grenzen, Datur,
Sitten, Dahr- und Randthirung", „von den Städten und FDärkten", „be-
wohnten und unbewohnten Schlössern", „den Dörfern", „Bergwerken und
T)ammern", „Posthäusern", „Böden, Chälern und 5^eldern", „Bergen",
„Cüäldern", „Cüeinbergen", „Bädern und Sauerbrunnen", „Seen", „Flüssen
und Bächen", „verschwindenden CUässern", „unterirdischen Gängen, Röhlen,
Cochem", „Kreutfeuern" (Jllarmfeuern auf den Rohen als Telegraphen in
den Cürkenkriegen). Dieser Ceil macht also den Ceser, wie es sich gebührt,
mit dem Boden bekannt, auf dem sich die später erzählten „Jahrgeschichten
und Randlungen" abwickeln und abspielen. Den diesem Abschnitte bei=
gegebenen Bemerkungen über die „Randthirung" der Bewohner entnimmt
man noch heute hochwichtige Daten über die uralten Hausindustrien*^*
des krainischen Uolkes, die zu erhalten, beziehungsweise neu zu erwecken,
die löbliche Aufgabe der von der Regierung vor wenigen Jahren in der
Landeshauptstadt errichteten k. k. Fachschulen für Rolzarbeiten, lllodel--
lieren usw. sowie für Stickerei und Spitzennäherei ist, welche Schulen
dank ihrer vorzüglichen Leitung und der Tüchtigkeit der an ihnen wir--
kenden Lehrkräfte die schönsten Erfolge aufzuweisen haben. Den diesem
zweiten Buche in seinen Abteilungen über die Sitten und Gebräuche der
Bewohner beigegebenen Illustrationen entnimmt man dies und jenes nicht
uninteressante kulturhistorische IDoment, so zum Beispiel Seite 105, wo die
krainischen Bauern eben damit beschäftigt sind, die Garbenbunde von einem
mit vier Ochsen bespannten Cüagen abzuladen und in eine sogenannte „Rarfe"
einzulegen, welche Art des Trocknens der 5^eldfrucht heutzutage noch mit
*^* Diese hier und außerdem an vielen andern Stellen bei Üalvasor enthaltenen
Daten über die Rausindustrie Krains im 17. ]abrbunderte finden sid) in 3ob. murniks
trefflicher Darstellung der Rausindustrie Krains, enthalten in ÜJ. Gxners zu CUicn heraus-
gegebenen UJerke: „Die Hausindustrie Österreichs", Seite 22 bis 47.
® 219 'S)
Uariationen in der Bauart dieser „Warfen" in allen von Slowenen bewohnten
Gegenden vornebnilicb Krains und der südlicben Steiermark im 0e--
braucbe steht.
Das dritte und vierte Bucb geben die Beschreibung „von der natür-
lichen Beschaffenheit des Candes" und von den „Datur-Raritäten". Das
dritte Buch handelt ausführlich von der Cage des Eandes: „von den Bergen
und Gebirgen", „von den Flüssen und Seen", weiters „von der CUitterung
und dem Cufttemperament" (wobei das Klima von Caibach gegen den
üorwurf der Schädlichkeit durch die Hebel auf 6rund fachlicher JIngaben
in Schutz genommen wird), „vom Ungewitter, Bagel, Blitz und Donner"
(„0rain wäre wol ein rechter Kern glückseliger und fruchtreicher Cänder,
wofern ihm nicht der Schauer seine Glückseligkeit merklich verringerte"),
„von den Krankheiten in Kraiu" nebst einem längeren, einschlägigen ärzt--
lichen Berichte des Dr. Jranz von Coppini, „von allerlei Gewächsen in
Krain" („CUeizen-- und Rabernbier in Kraiu"), „von allerlei l)ü!senfrüchten",
„von allerlei Baum-- und Staudfrüchten", „von den niedrigen Grdgewächsen",
„von allerlei wilden Bäumen", „von mancherley Kräutern" — wobei die
Bemerkung eingestreut ist, daf^ Krains hohe Berge, die Kerma (im Criglav--
stocke), der Gro(5Stuhl (üeliki stol), die 5^eistritz in den Steiner Jllpen, der
Danos und der Utschka (FHonte Hlaggiore), alle jähre von gewissen Bo--
tanicis und CUurzelgräbern aus unterschiedlichen Cändern besucht werden — ,
„von den Blumen in Krain", „von der Glückseligkeit des Eandes Krain"
— nach dem Berichte eines wohlbewährten praktischen Jlrztes, des Dr. 5^ranz
Corusa in Caibach — , „von den Bädern und Kräutern" unter beson-
derer Berücksichtigung des Bades Cöplitz in Unterkrain, mit dem ein--
schlägigen Berichte des Dr. Burchard, „von den Hlineralien und Bergwerken" :
Gisnern, Kropp, Gurk, ]auerburg, IDölpach, Pleyofen, Sava, Steinbüchel,
Cüochein, Idria — wobei Ualvasor die Bemerkung mad)t, da(3 ihm von
früheren Schriften über Idria am besten die „Grzälung" gefalle, die der
Engländer Dr. Gualterus Pope in einem Bandschreiben an john Cüilkins
von Uenedig aus mitgeteilt und die er aus den „Jlctis Philosophicis" der
„Königlich Englischen Sozietät" seinem Buche einverleibt — , „von dem
vermeynten Silbermachen in Idria, ingleichen von einem falschen Cüahn
wegen der Bergmännlein samt einem Jlnhange vom CUeisen Stein", „von
allerhand unbestrittenem Grz und mancherlei mineralien", „von dem €del--
gestein und IDarmel in Krain und dessen Beschaffenheit gegen dem aus-
ländischen" („der Jldler Steine habe er viel hundert in andre Cänder
verschickt"), „von den Chieren" und sonderlich von dem sogenannten Cierlein
niyoxus glis (Grdratte) — von dem die Sage ging, da(5 es der Ceufel
'S 220 'S
des nachts auf die Cüeide treibe und die lllenscben bei dessen 5ange in
den CUäldern zum besten halte (was auch im Bilde dargestellt erscheint,
Seite 43$) und dessen 5elle nach Deutschland, Rolland, den spanischen
Diederlanden, Gngland, 5^rankreich, Italien verführt worden, wobei die
Kürschner dieselben mit Kalk betupften, wodurch schwärzliche Stellen ent--
standen und das Pelzwerk tigerartig erschien — , „von andern wilden
Chieren", „von allerhand zahmen und wilden Geflügel, fürnehmlich vom
Edler", „von kleinem Geflügel und fremden üögeln in Krain'*, „von
Uögeln, die den ÜJinter über in der €rde wohnen (!)", „von dem 5^isch--
werk in Krain", „von allerlei ßeziefer und Ungeziefer", „von Skorpionen
und Schlangen".
Das vierte Buch bringt die unterschiedlichen „Hatur-Raritäten" des
Candes, in erster Cinie die Beschreibung der hochinteressanten inner--
krainischen l)öhlen-- und ßrottenwelt des Karstes — die krainischen Grotten
gehen in der Kuriosität schier allen andern berühmten Bohlen vor — , der
Jldelsberger Grotte, in der der Berr Rauptautor so weit vorgedrungen, wie
vor ihm noch niemand, der Grotten St. Kanzian, St. Serf, Kleinhäusl,
Cueg usw., „von einer wunderlichen Schiffahrt durch einen Berg", „von
Schlang- oder Steinzungen", „von versteinerten Muscheln, Schlangen und
üögeln" und dann ausführlichere Beschreibungen des Zirknitzer Sees und
anderer Seen des Candes. Die beiden Bücher (3 und 4) geben aber
auch in den daselbst eingestreuten Rexen-- und Gespenstergeschichten einen
wichtigen Beitrag zur Sittengeschichte des Candes im 17. Jahrhunderte, und
welcher Boden, fragen wir, konnte tauglicher sein zu solchem Gaukelspiel
als eben der Boden dieses Candes, wo die finstre Böhlenwelt des Karstes,
die Cüildheit der Lüald-- und Jllpenlandschaft, wo Cüind und Cüetter der
erhitzten Phantasie willfährig ihre Dienste leihen?
Der zweite Band beginnt mit dem fünften Buche, welches von den
„ältesten und alten Bewohnern Krains" handelt, nachdem Japydier, Goten,
Cangobarden abgehandelt sind, wird im zwölften Kapitel gegen die
„Schwaben" und für die Slawen als neueste Bewohner des Candes plaidiert
und die Geschichte der Slawen dann im dreizehnten und vierzehnten Kapitel
des weiteren ausgeführt. Cüährend das fünfzehnte Kapitel den „flwaren
und Bunnen" gewidmet erscheint, findet die Herrschaft der 5^ranken in
Krain im sechzehnten (dem Schluf^kapitel) ihre Behandlung. Der Jlnfang
zu diesem Buche gibt ausführlichen Bericht über die alten Städte in Krain,
sehr weitläufig wird von Gmona (Caibach) gesprochen und eine daran sich
schliet)ende Jlufzählung der archäologischen 5^unde (Steine und münzen)
im Cande zeugt für des Jreiherrn eingehende Studien in diesem 5ache.
-2) 221 ^
Das sechste Buch ist fast durchwegs ethnographischen und kultur-
historischen Inhaltes. Gs handeln dessen elf Kapitel der Reihe nach „von
der krainischen und slawonischen (slowenischen) Sprache", von den Crachten,
Sitten und Gebräuchen im ganzen Cande, nämlich von CUohnung, lUaffen,
Kleidung, Rochzeitsfeier, Kindstaufen, Begräbnissen, Uolksfesten, Cänzen,
Kirmessen und geselligen Uersammlungen des Uolkes sowie von den
besonderen Sitten der krainischen Bürger und des Jldels. Das altdeutsche
Clement im Cande, die ßottscheer, finden bei üalvasor die erste ein--
gehende Behandlung. Der Anhang zu diesem Buche gibt als flbschlul^
der stufenweisen Besprechung von J\rt und Sitte aller Stände eine treffliche
Übersicht der bisherigen Ceistungen der ßeistesaristokraten unseres Uolkes
auf dem Gebiete der Citeratur. Jln der Spitze der hier in chronologischer
Ordnung angeführten namhaften Zahl der „gelehrten Skribenten" Krains
erscheinen die Slawenapostel Cyrill und ITlethod, „weil sie sich durch ihre
hohen Uerdienste um Religion und Dationalität der Slawen in allen sla-
wischen Canden für ewige Zeiten eingebürgert haben". Jlls erster Krainer
von hervorragender Bedeutung ist der berühmte Siegmund von Berberstein
aufgeführt, der, 14$6 zu Cüippach geboren, in der dortigen Schule, wie er
in seiner Selbstbiographie erzählt, das Slowenische gelernt und, am Gipfel
seines Ruhmes angelangt, der CUohltat dieser Sprache nicht vergaff , die
ihm das Russische zu erlernen so leicht gemacht und also die erste Stufe
zu seiner glänzenden literarischen Karriere als „(Uiederentdecker Ruf^lands"
gelegt hatte. Bm Schlüsse dieser höchst dankenswerten ersten Zusammen--
stellung einer krainischen Citeraturgeschichte aus üalvasors 5eder, die uns
56 Jlutoren mit kurzen Biographien und Anführung ihrer Cüerke namhaft
macht, gibt 5^rancisci eine Übersicht der umfassenden literarischen Tätig-
keit des „Berrn Bauptautors" selbst.
Das siebente Buch handelt von der Religion in Krain, der alten heid-
nischen und der christlichen; das bedeutendste Interesse gewährt hier die
ausführliche Behandlung der Reformation und Gegenreformation (Kapitel
$ bis 14), die in ihren Crägern Primus Cruber, „dem kraiitischen Cuther"
— noch heute gefeiert als Begründer der slowenischen Schriftsprache — ,
und dem Gegenreformator, dem ebenso geistvollen als energischen Caibacher
Bischof Chomas Chrön dargestellt werden; dem evangelischen Rektor der
Caibacher Candschaftsschule, dem vor den Anfechtungen seiner feinde aus
Deutschland nach Krain geflüchteten gelehrten Philologen nikodemus
!?rischlin, ist ein ganzes (das zehnte) Kapitel gewidmet. In den Schlufv-
abteilungen (15 bis 17) finden die heiligen Gebräuche des krainischen
Uolkes, als 5^asten, Speisenweihe zu Ostern, die sogenannten „ümsinger"
'S) 222 'S)
(Koledniki)*^^ usw., dann die abergläubischen Gebräuche und Hexereien, die
dem griechischen Kultus konformen Religionsijebräuche und die Zeremonien
der Uskoken ihre Stelle.
Das achte Buch enthält in fünf JRbschnitten die Cegenden aller jener
I)eilicjen, die in irgend einem Bezüge zum Cande stehen, dann die 0e--
schichte des Eaibacher Bistums, gegründet von Kaiser Friedrich HI. im
3ahre 1460, am Cage des hl. Hikolaus, des grof^en Zisterzienserstiftes
Sittich *^''' in Unterkrain (gegründet 1133, aufgehoben 17$4), des Caibacher
3esuitenkollegs (eingerichtet um 1596) und sämtlicher (171) zur Zeit be--
standenen Pfarren in alphabetischer Reihenfolge mit Dennung aller Cokalien,
Schlo()kapellen usw., der Series der Pfarrer mit Hamhaftmachung der
Kirchweihen und Patrone und mit den statistischen Jlngaben der in den
einzelnen Pfarren jährlich Sterbenden und zur Caufe Gebrachten und
anderen Details.
Der dritte Band bringt die weitaus wichtigsten Bücher. Das hier be-
ginnende neunte Buch schildert in eingehendster Cüeise die althergebrachte
Landesverfassung und die üerwaltung des Candes durch die krainische
Candschaft und führt die landschaftlichen flmter und lUürden auf; das
zehnte Buch handelt dann „von den Candesfürsten" und das elfte, das
sogenannte „Schlösserbuch", von den Städten, markten, Schlössern und
Klöstern in Krain. Im erstgenannten Buche sind die Jlbschnitte über den
Candeshauptmann und die übrigen Dienstposten der autonomen üerwaltung
lokalgeschichtlich von grof^em Belange. Der Reihenfolge der Candeshaupt--
leute, deren vorzüglichste biographische lllomente mitgeteilt sind, ent--
nehmen wir die interessantesten historischen 5akta; so erfahren wir zum
Beispiel über den grof^en „windischen Bauernkrieg" des Jahres 1515
wichtige Details aus der Selbstbiographie des Rerrn von Camberg, bei
dem Candeshauptmanne Katzianer sind sein Unglücksfall gegen die Cürken
und sein dadurch herbeigeführtes tragisches Gnde angemerkt usw. Im
zehnten Buche jst die Candesgeschichte fortgesetzt und gewinnt deren Be-
handlung ganz besonders von dem Zeitpunkte an, wo Krain unter öster--
reichischer t^errschaft aus den bis dahin zerstreuten Ceilen vereinigt wird
(1283), erhöhte Bedeutung. Gs ist aber charakteristisch, wie der dem
l)ause Rabsburg treu ergebene l)istoriograph doch bei aller Coyalität in
der Darstellung mit offenem 5^reimute jene Stellen behandelt, die eben
'"*^ Gleich den deutschen Sternsingern.
*'*'^ Vergleiche über die Geschichte dieses Stiftes meine Schrift „Die Gegenäbte Jfibert
und Peter von Sittich", Uerlag der mechitaristen, (Dien 1$66.
'S) 223 'S
eine so gewiegte Jeder zur Behandlung erfordern, wie üalvasor sie zu
führen verstand, jene Stellen, wie zum Beispiel den Jlkt der Gidesver--
weigerung der krainischen Candschaft 1521 für den Jall, als Karls V.
Projekt, Criest dem spanisch-italienischen Anteile des l^auses Rahsburg
zuzuschlagen, in Erfüllung gegangen wäre, was eben infolge dieser in
Jlussicht gestellten (Ueigerung der Krainer nicht geschah, so dat5 Criest
der Gruppe Innerösterreich unter dem Szepter Kaiser 5^erdinands I. verblieb.
Das elfte Buch enthält die Beschreibung aller Städte, niärkte, Schlösser
und Klöster Krains, jenen Ceil der „Ghre des l)erzogtums Krain", der das
öJerk im Cande selbst am meisten populär und zum „Rausbuche unseres
Uolkes" gemacht, welche Bedeutung sich bis auf unsere Cage ungeschmälert
erhalten hat.
Gs umfa(5t dasselbe mit abgesonderter Paginierung 730 5^olioseiten.
Die einzelnen Ortschaften sind in alphabetischer Reihenfolge geordnet.
Uorauf geht die schon erwähnte Klage des Uerfassers über die geringe
Unterstützung, die ihm bezüglich der erbetenen Beiträge für diesen Ceil
seitens seiner Candsleute geworden. Bei jedem einzelnen Orte findet man
eine oder mehrere Ansichten, eingedruckt oder üollbilder, alles in Kupfer»
druck, dann topographisch--historische Dachrichten. Seite 57$ bis 589 findet
sich eine ausführliche Beschreibung von Criest, in welcher üalvasor „aus
unterschiedlichen, aus dem 16. und 17. Jahrhunderte stammenden Doku--
menten" der krainischen Candschaft den quellenmäf^igen Dachweis liefert,
da(5 diese Stadt ehedessen gleich 5^iume zu Krain gehört habe.
Die Beschreibung der Stadt Caibach ist wegen des bedeutenden Cext--
umfanges, namentlich der aus den Originalakten der Stadt geschöpften
historischen Daten, am Schlüsse des Buches gegeben und mit einer be--
sonders gelungenen panoramaartigen Jlnsicht der Stadt nebst kleineren
Detailansichten derselben geschmückt. Sie behandelt die Copographie der
Stadt, den 51ut5, die Schiffahrt, die geistlichen Gebäude, den Rat, die
Bürgerschaft, deren 5^reiheiten und die merkwürdigsten Stadtbegebenheiten
bis auf seine Cage herab in Chronikform, heute eine Rauptquelle für
den Ristoriographen der Stadt Caibach.
Der vierte Band beginnt mit dem zwölften Buche und mit dem aus-
führlichen Berichte „über die kroatischen Hleer- und windischen Grenzen",
den Schauplatz krainischen, von den Candesfürsten jederzeit hochbelobten
Heldenmutes. Dieses Buch ist wie an und für sich als Ganzes, so haupt-
sächlich auch in den Details von hoher Cüichtigkeit, so zum Beispiel
durch sein Kapitel über das Generalat an den Grenzen, welche Stelle fast
durchgängig von Krainern mit vorzüglichstem Gifer und heldenmütiger
'& 224 -2)
Eingebung verseben ward. Sebr wertvoll für die krainiscbe Candesver--
fassung, für die ßescbicbte des Steuerwesens der Candscbaft sind die
in diesem Jlbscbnitte zerstreut vorkommenden statistiscben Daten über
die Beitragsleistungen der „löblicben Candscbaft" zur Erbaltung der „6renz--
bäuser".
Das dreizebnte Bucb gebt wieder auf die Urgescbicbte des Candes zurück,
auf die japoden, die Karner, auf Jason und den Hrgonautenzug.
(jüäbrend das vierzebnte Bucb der römiscben 6escbicbte, der üölker--
wanderung und der ßescbicbte der nacbfolgenden Zeiten gewidmet ist,
gibt das fünfzebnte (letzte) Bucb die denkwürdigsten 3abrgescbicbten Krains
unter der Oberberrscbaft des glorreicben Rauses Rabsburg.
Ilacbdem bereits im zebnten Bucbe die diesbezüglicbe politiscbe 0e--
scbicbte gegeben worden, erübrigt bier nur mebr — analog dem Cbarakter
des ganzen Bandes, den man das Kriegsbucb von Krain nennen kann — ,
die Jlufzäblung der Kriegsgescbicbten des Candes unter der rubmreicben
5übrung des Kriegswesens durcb die Candesfürsten aus dem geliebten
Rause l)absburg. Gs sind vornebmlicb die Cürkenkriege, die in dieser
Abteilung auf Grund der im landscbaftlicben Jlrcbive zu Caibacb niassen-
baft erliegenden Originalbericbte ausfübrlicb gescbildert werden, die Kämpfe,
welcbe die Glanzperiode in der Gescbicbte des krainiscben üolkes bilden,
wäbrend welcber im Cande Krain alles wie ein IDann gerüstet dastand
zur Jlbwebr des „Erbfeindes der Cbristenbeit", wäbrend welcber das ganze
Cand, um die ÜJorte Jlnastasius Grüns zu gebraueben, „einer in CUaffen
starrenden Burg" glicb.
Cüir lesen aus diesem „goldenen Bucbe", wie der „gemeine mann"
— Uater und Söbne — und der „adelige $cblo(3berr" vereint Gut und
Blut binopferten, Generation auf Generation. CUir lesen aber aucb, wie
die üereinigung der Stände, die krainiscbe „Candscbaft" als moraliscbe
Person, die Zeiten über stets die böcbsten Anstrengungen zur Besiegung
der ungestüm andrängenden ITluselmänner macbte, wie sie zum Beispiel
im engen Zeiträume von acbt 3abren (1594 bis 1602) auf^er der „Dar-
reichung der Ceiber", der Ausrüstung und Uerpflegung ibrer Cruppen und
teilweise aucb der l^ilfsvölker blo(5 zur Instandbaltung der Grenzbäuser
die unerhörte Beisteuer von IV2 IDillion leistete und von da weiter bis
1680 „etliche andere IHillionen".
eine der vorzüglichsten Stellen in der Erzählung von den Kämpfen
mit den Cürken nimmt der Bericht über die ruhmvolle Besiegung der-
selben in der Schlacht bei Sissek ein (1593 am 22. Juni). Au(5er der
genauen Aufzeichnung der einzelnen mehr oder minder wichtigen „Uisiten
'S) 225 ^
dieses ungebetenen Bastes" bewahrt das „Kriegsbucb von Krain" auch
andre nicht unwichtige Ereignisse, so die Kämpfe der Cillier 0rafen,
Baumkirchers Schicksal, die Kämpfe Österreichs mit Uenedig, die Bauern--
rebellionen, Jlusschaffung der Juden usw.
Dies Buch und mit ihm das ganze Cüerk schlie(5t mit der nach--
stehenden patriotischen Apostrophe:
„(Uelche fernere Ausbreitung und noch höheren Schwung der Kays.
JIdlerflügel sammt völligen Criumpf über Cürken, Cartaren und alle Ihrer
majestät ungerechte 5^einde der Allerhöchste gnädiglich befördern, mein
wertes liebes Uaterland Krain aber, dem zu Ghren ich dieses (0ott Cob
hiemit beschlossene) Cüerk herausgegeben, von nun an in einem ruhigeren
und blühenden Zustande erhalten und an seiner Arbeitsseligkeit (gleichwie
ich an der Beschreibung desselben) machen wolle ein glückseliges Gnde."
nachdem wir den reichen Inhalt des CUerkes, soweit es der Raum hier
gestattete, dargelegt, kommt die ^rage zur Beantwortung, inwieweit die
vom Uerfasser erbetene geistige Unterstützung für dasselbe im Cande selbst
gediehen war.
l)ierüber gibt die Ginleitung zum elften, dem sogenannten „Schlösser--
buche" die beste — leider nicht im ethischen Sinne „beste" — Aufklärung.
Ualvasor beschwert sich an dieser Stelle bitter über die herrschend gewesene
Ceilnahmslosigkeit seiner Zeitgenossen bezüglich einer geistigen Unterstützung.
6r sagt: „Bei welchem (Cüerke) ich unzälige Schwierigkeiten gefunden,
indem mir fast niemand von seinem Schlol^ oder Herrschaft einigen Bericht
ertheilt, so da(5 ich mit höchstem Grunde der Cüahrheit in diesem an dem
hellen Cageslichte liegenden Buche bekennen kann, da(5 nicht mehr als
sieben unter einer so grof^en und bevölkerten menge mir etwas beigetragen.
Auf die sich meine Hoffnung am meisten gegründet hatte, da hat sie meistens
gefehlet, indem sie nicht mit einem Buchstaben diesem mühsamen Cüerk
die geringste Beförderung thun wollen, meine mündliche Bitte, eigene an
sie abgefertigte Boten, die Ginladung und Ersuchen meines ihnen geschickten
Copisten und Schreibers war unkräftig, auch nur das Geringste zu erhalten.
Ganze Castwägen voll üersprechungen brachten zwar die Ausgeschickten
mit, aber im Cüerk (in der Cat) ist nicht ein Stäublein erfolgt. Etliche
beherrschte der Argwohn, weil sie vermeinten, man möchte, wei(5 nicht,
was für Heimlichkeiten aus diesen ihren Dachrichten erzwingen wollen,
etliche aber lebten in einer solchen Unwissenheit, da(5 sie auch ihres eigenen
Destes keine Cüissenschaft trugen."
V. Radics, Ualvasor. 15
-© 226 'S)
Riibnilicbe flusnabme inacbten von Körperschaften die krainiscbe Cand-
Schaft, die bischöfliche Kanzlei und das Domkapitel, die Städte Caibach,
Rudolswert und Stein, die Klöster, allen voran die 3esuiten und Sittich,
von Kavalieren: die Jluersperge, Caniberge, 6all, 6allenberg, ßrimschitz,
Robenwart, Cichtenberg, nicht zu vergessen die befreundeten (verwandten)
Kauber, Cüiederkebr, und au[5er Candes die Candschaft in Steiermark, die
Städte Graz und Cilli.
5ür solch freundliches Gntgegenkommen verfehlt er nicht, an den zu--
gebörigen Stellen seinen Dank auszusprechen, und er bebt besonders die
„leutseligst willfährige Cancelley" der Candschaft in Caibach lobend hervor.
Bezüglich der üorenthaltung der Krainburger „Freiheiten und schönen
Privilegien", deren IDitteilung man ihm hartnäckig verweigert hatte, da sie
niemandem gezeigt werden sollten, führt er als argumentum ad bominem
an, wie verderblich der Stadt dieses Geheimtun mit ihren Freiheiten bereits
geworden, indem er ihnen nachweist, da(? sie aus keinem anderen Grunde
als dem der Dichtkenntnis ihrer alten Urkunden das ,Ju$ praesentandi"
des mit den Caibacber Bürgern gemeinschaftlich (1495) gegründeten und
alternierend mit Caibach zu besetzenden „Benefiziums in flachen" schon
längst liederlich verloren und verscherzt, welches Benefizium zur Zeit nur
von Caibach aus präsentiert werde/^^ Die Rauptschuld an dieser Geheimnis^
tuerei mit den Privilegien der Krainburger mi(3t aber üalvasor dem dortigen
Stadtrichter bei, der doch den Gid geleistet, das Beste der Stadt stets
fördern zu wollen, im Gegenteil aber jene Aktenstücke (und nebenbei
auch jene Antiquitäten, Gold- und Silbergeschirre, IDünzen usw.) zurüd<--
balte, ,,so man der Stadt zum Dutzen, Ruhm und Gbren diesem CUerke
mit hätte einfügen können*'.
So sab sich denn unser edle Freiherr behufs Beschaffung des Ouellen=
materials so ziemlich auf seine eigene Kraft und Tätigkeit zur Bebung
desselben angewiesen.
Und es ist in der Cat staunenswert, welche Hlenge von Exzerpten
aus öffentlichen und privaten Sammlungen er für seinen Zweck zustande
gebracht bat.
Die dem Cexte seines ÜJerkes angefügten Doten geben uns — indem
wir uns die ITJübe nehmen, dieselben von den einzelnen Seiten der elf
Bücher abzulesen — davon ein umfassendes Bild.
Da sind es vor allem die an I)andschriften überreichen Sammlungen (Ur--
kunden und Akten, amtliche und nichtamtliche Aufzeichnungen, ITlemoranden
*^" üalvasor, ehre des hcrzogtums Krain, III. (XL), p. 112.
-2) 227 ^
und rnemoiren usw.) der krainiscben Candscbaft, des Bistums und des
Domkapitels in Caibacb, die Jlrcbivalien zu Oberburg *^^ in der unteren
Steiermark/^^ der Stadt Caibacb und die um diese Zeit scbon 1035 CUerke
zäblende, von Scbönleben scbön geordnet und katalogisiert gewesene [)aus--
bibliotbek des ersten Fürsten Jluersperg/^^ aus denen er eine 5^ülle des
wertvollsten Hlaterials scböpfte. Euf^erdem benützte er das Jlrcbiv auf $cblo{5
Jluersperg sowie Jircbiv und Bibliotbek der Camberge auf $cblo(5 Stein (bei
üigaun in Oberkrain) — als Rerrscbaft zuletzt im Besitze des vor kurzem
verstorbenen bervorragenden Patrioten Rerrn Uiktor 3ei*niann, eines der
gründlicbsten Kenner und begeistertsten Scbätzer der ÜJerke Ualvasors —
die Scblof^arcbive von Raunacb, Reifnitz, die Jlufzeicbnungen der beiden
Scbönleben (Bürgermeister sowie Domdecbanten), der Strassoldo in Duino,
der Grafen Cburn--Ualsassina, des Scblosses Cburn unter Deuburg (beute
im Besitze des kunstsinnigen ßerrn Janko Urbancic), das landesfürstlicbe
Uizedom--Jlrcbiv.*^^ Jlu[5er der Benützung der auswärtigen JIrcbive von
Cilli und Graz — die scbon erwäbnt worden — lesen wir aus den dem
Cexte unterstellten Zitaten Ualvasors beraus, da(5 ibm aucb Jlrcbivalien
aus (Dien, aus Kloster Seitz in Steiermark, aus Kloster Uiktring in Kärnten,
von den Familien Scbertz und Scbrott u. a. m. zur Uerfügung standen; ein
5^reiberr von Rossetti lieferte ibm (von seiner Besitzung Heu-Roffel ber)
einen ausfübrlicben Beriebt über eine Pulverexplosion in Divacca 1687. ^^^
Sebr getreu zeicbnete Ualvasor die Begebenbeiten in Krain, die sieb in
seinen tagen ereigneten, auf und finden wir an den betreffenden Stellen
der cbronikalen Cüiedergabe in seinem Hauptwerke bier stets das Zitat
beigefügt: „meo tempore", „nostro scilicet tempore**, „notitia nostri tem--
poris", „notata mea", „collectanea mea", „e collectaneis meis"; speziell
die Greignisse der Stadt Caibacb notierte er vom 13. Cebensjabre an (vom
jabre 1654), was auf das frübe Grwacben seines „bistoriscben" Interesses
scbliet^en lä(5t, und fübrte die bezüglicben Jlufzeicbnungen bis zum jabre
16S7 (21. 3uli), wäbrend er die „3abre$gescbicbten des Candes Krain" nocb
^^^ Dotationsberrscbaft des Caibad)er Bistums.
^^^ beute zum größten Ceile im Candesarcbive zu 0raz.
*"" Gegründet von dem kunstsinnigen Candesbauptmanne Cüolf Engelbert Grafen
Huersperg.
^^^ beute zur Hufbewabrung im land$d)aftlicben J{rd)ive im THuseum zu Caibacb
untergebracbt, dürfte dasselbe bei der in absehbarer Zeit aud) bier (wie in Graz) zu-
stande kommenden Kreierung eines Candesregierungsard)ives wieder in die Bewahrung
bei der kais. Regierung zurüd<komnien.
"^ Ualvasor, Ehre des berzoglums Krain, III. (XL), p. 404.
-© 22$ 'S)
bis zum 3abre 1689 (4. 3uli) führte, welche Ungleichheit sich jedoch aus der
Technik der ^Fortführung, beziehungsweise Drucklegung der einzelnen Bogen
und Bände der „Ghrc Krains" erklärt.
^^ünf jähre angestrengten Samnielns waren ins Cand gegangen, ehe
unser Freiherr an die Jlbfassung des l)auptwerkes denken konnte, im
rnanuskripte lagen dann der erste Band 1686, der zweite 1687, der
dritte 1688 und der vierte im Juli 1689 vollkommen druckfertig vor, was
jedoch nur mit der Ginschränkung gilt, da(5 einzelne spätere Celle des
Cüerkes früher aus der l)and Ualvasors vollendet vorlagen, als andere der
Reihenfolge nach frühere. So erfahren wir aus einer Bemerkung 5ranciscis,
des „Jlmanuensis"'^^^ des Rerrn l)auptautors — wie er sich selbst nennt — ,
da(5 er (der l^err l)auptautor) das zwölfte Buch von den ßrenzörtern
schon 1686 aufgesetzt hatte, *^* das doch erst im vierten (dem Schlufv-
bande) enthalten ist. Und doch hat 5rancisci den bezüglichen Jlufsatz des
Rerrn l)auptautors, „um die üollendung des Cüerkes desto mehr zu be--
fördern", das hei[5t das liegengebliebene IDanuskript ins reine Ceutsch zu
bringen, „eine andere (nicht genannte) gelehrte 5eder" erbeten, dieses zwölfte
Buch von den ßrenzörtern zu stilisieren, „doch", fügt er beruhigend bei,
„habe ich selbst alles wieder nachgesehen" und dem (üesen nach „bei
der Ginrichtung gelassen, die der l)auptautor selbst gegeben". ^^^
Die jeweilig ausgedruckten Bogen wurden dem ^reiherrn durch 5Fran--
cisci von Hürnberg zugeschickt, was dann auch ab und zu veranla(3te,
da(3 üalvasor Bemerkungen ausführlicherer Jlrt, die er an ^ranciscis Be--
merkungen knüpfen zu müssen für gut hielt, an einer weiteren Stelle des
Cüerkes, wo er auf den Gegenstand nochmals zu sprechen kommen konnte,
eingeschoben hat, so, um nur ein Beispiel zu nennen, die Jlbhandlung
über die „pacta". '^^^
Cüie genau Jrancisci die ihm gewordene Jlufgabe der Stilisierung
genommen wissen wollte, erhellt zum Beispiel aus einer Jlnmerkung zur
namenliste der aus Krain zur Krönung Kaiser IDaximilians II. zum König
von Ungarn erschienenen adeligen [)erren. In der vom I)errn l)auptautor
eingesandten Eiste hatte der Jlbschreiber derselben beim Hamen Georg
von Jluersperg blot^ ein l)(err) gesetzt, Jrancisci korrigierte aus [)err
„Freiherr", ohne erst den Rauptautor zu fragen, „weil hierüber — wie
er sagt — eine entzweifelung zu erholen die unaufhaltliche Presse nicht
''=' Ualvasor, Gbre des herzogtums Krain, II. (VIII.), p. 690.
''* ebenda, IV. (XII.), p. 61, Anmerkung.
'"= ebenda.
''' ebenda, III. (XL), p. 57 ff.
erwarten konnte"; *^^ freilieb aber passierte bei der „unaufbaltlicben Presse"
docb, da(5 neben den Jreiberrn Cüeikbard Rerward und Georg Jluersperg
„])err" l)ans von Jluersperg steben blieb, obscbon aucb dieser l^err Rans
von Jluersperg 5^reiberr gewesen!
Bereits im Hlärz 16$9 batte üalvasor von der i. ö. l)ofkaninier in
Graz die mautfreie Cinfübrung durcb Kärnten nacb Krain erwirkt, und
zwar mit der Begründung, dal5 die also eingefübrten Exemplare seiner
Cbronik bierlands nicbt zum üerkaufe gelangen, sondern unter die löblicbe
krainiscbe Candscbaft, das bei(5t unter die Ständemitglieder zur Uerteilung
gelangen sollen, die ibn ja wiederbolt, und zwar wieder 16$6 mit SOO fl.
subventioniert batten,*^^ und nun, als dann das ÖJerk beendet vor Jlugen
lag, für 500 Gxemplare eine Jlnzablung von 1044 fl votierten nebst einer
sogenannten „Jlnscbaffung" (oder Uormerkung) auf weitere 1954 fl.*^^
über die Rereinbeförderung der „Gbre Krains" selbst fand icb in der
früber bestandenen sogenannten älteren Registratur der Grazer k. k. Statt--
balterei,^"^ deren Benützung icb der freundlicben Gestattung Seiner Gxzellenz
des gewesenen [)errn Statthalters der Steiermark Guido Baron Kübeck,
beziehungsweise weiland des ßerrn k. k. Bofrates Rudolf Grafen Cborinsky,
verdanke, zwei wichtige Jlktenstücke, die bier in ibrem vollen CUortlaute
folgen mögen, da sie sowohl in amtlicher Beziehung wie nicht minder
in betreff des nach und nach erfolgten Rereingelangens der Bände von
gro(5em Interesse sind.
Das erste dieser Aktenstücke ist eine Jinzeige der Oberbeamten der
i. ö. Zollstation zu Kremsbrücken bei Gmünd in Kärnten an die i. ö. Re--
gierung in Graz ddo. 1$. 3uli 16$9, betreffend die Ginfuhr von Ualvasors
„Grainerischer Ghronik".
Diese Zuschrift lautet:
Rochlöbliche 1. Oe. Roff Gammer
l)och- vnd ^olgebohrener [)err Graf auch Boch-- vnd Cüolgebohrne, Cüol--
gebohrne, CUohl Gdlgeborne Genedig-- vnd l)öchgebiettunde f)errn, Berrn etc.
Gs haben Gure Bochgräffl. Gxcell. Gnaden vnd Gnaden vndter dato
10. ITlarty scheinenden Jahres ain paat^brieff ausfertigen lassen, Grafft
^^'' Ualvasor, €bre des herzogtums Krain, III. (X.), p. 341.
"^^ Candtagsprotokoll Hr. 37, fol. 10$. — Can(Jsd)aftlicbcs Archiv im inuseuni
Rudolfinum.
*^^ Sieb meinen Artikel: Dalvasor und die krainisd)e Cand$d)aft. (Hacbwort zur fieu-
ausgabe der €bre Krains von 3- Krajec.)
^°° heute k. k. Stattbaltereiarcbiv.
'S) 230 ®
dessen wir dann die allda ankbombendten Gxemplarien der Craineriscben
0ronic, welicbe der l^err Baron üalvasor aufgericbt- vnd zu Dürnberg
trukben lassen, aucb solicbe vnter Gin Cöblicbe Candtscbafft in Crain ver--
tbailt vnd daruon nicbts verkbauft würde, alda mautbfrey passiren lassen
sollen, denie wür aucb Geborsambist nacbzukbomben gedenken.
CUann aber nun auf solicb-- obigen Conto vmb. 5. mablen mit ein=
scbluf) 16. dit5, scbon netto In die 54 Centen (dauon sonst die 6ebübr
per 22 fl. 30 kr. austriege) also durcbgefiert seind, vnd wa(5 nocb bernacb
kboniben würdet, wir derniablen nit wissen kbönnen, darob wür mit
verboffen nit vnbillicb in Cubio steben, zumablen im gemelten Pa(3 kbein
gewisses 0Ȋntum begriffen ist, da(5 villeicbt vndter solieben Pretext nit
aucb ein mebrers als sieb gebürdt, von ain oder andern Kauffman Ibres
aignen nutzen wegen, durcbspediert werden mecbte.
So baben demnacb Gure T)ocbgräfflicbe Gxcellenz etc. wie wür vnt5
in deme fürobin sollen verbalten, dero Gnaden bescbaidts geborsambist
Grbollen vnd anbey zu bebarrlicben Gnaden vndtertbenigst empfelcben wollen.
Guere l)ocbgräfflicbe Gxcellenz Gnaden vnd Gnaden Undtertbenig ge--
borsambste Cüolf f)inankbonig m. p. Cbristopb Stockber m. p.
Crembspruggen den 1$. July 16S9.
Denen Rocb- und Cüollgebobrnen, Cüolgebobrnen, CUol Gdlgebobrnen,
Berrn, Berrn, n. und D. der Rom. Kay. aucb zu Rungarn und Böbeimb
Königl. IDay. etc. etc. verordneten 1. Ö. Roffkammer Praesident vnd
Rätben etc. vnsern gnedig vnd bocbgepiettunden l^errn (in) Graz.
JIus dieser Zuscbrift gebt au(5er der scbon angefübrten Catsacbe, dal5
üalvasor die zollfreie Ginfubr scbon am 10. märz 1689 erwirkt batte,
weiters bervor, da(5 die Oberbeamten der i. ö. Zollstation zu Kremsbrücken
aus dem Umstände, als bis zum 16. Juli 1689 a conto des für die
„Graineriscbe Gbronik" ausgestellten Pa(5briefes in fünf erfolgten Gxpedi--
tionen bereits ein ibnen auffallendes Bücberquantum von 54 Zentnern
mautfrei bereinbefördert worden, und in Grwägung dessen, dat^ man nicbt
wissen könne, wie viel davon nocb nacbkomme, den üerdacbt scböpften,
es könnten die mit der l^ereinbeförderung betrauten Spediteure sieb diesen
Pafibrief für die kraineriscbe Cbronik zu nutze macben und in den dieselbe
verwabrenden Paketen aucb andere Bücber oder verzollbare Oüaren mit
bereinscbleppen; desbalb fragen sie sieb bei ibrer vorgesetzten boben Be--
börde, der i. ö. I^ofkammer, um weitere üerbaltungsma(5regeln an.
Aus diesem Jlktenstücke gebt aber weiters und im Zusammenbalte
mit Bemerkungen im CUerke des 5^reiberrn von Üalvasor selbst aucb nocb
{
® 231 ^
hervor, da(5 bei den bis zum 16. Juli erfolgten fünf Expeditionen wobl
nur die zwei ersten Bände der Chronik von Dürnberg hereinbefördert sein
mochten, nachdem wir in dem dritten Bande der „Ghre des Herzogtums
Krain" im zehnten Buche auf Seite 396 (also am Schlüsse beiläufig des
ersten Drittels dieses 396 + 730 Seiten umfassenden Bandes) im Cexte
die CUorte lesen: „sowohl im angehenden Jrühlinge des 16$9 3ahres" usw.,
was wohl zur Jlnnahme berechtigt, da(5 dieser, wie schon angedeutet,
noch weitere 730 Seiten umfassende und durch die so zahlreichen in
den Cext eingedruckten Illustrationen der Schlösser, Städte, markte usw.
von Krain wohl nur langsam im Drucke vorgeschrittene dritte Band bis
zum 16. ]uli kaum zur Rereinlieferung bereit gewesen sein mochte. 0anz
ausgeschlossen aber von der Rereinbeförderung bis zum 16. 3uli erscheint
der vierte Band der „Ghre des Herzogtums Krain", da wir auf Seite 60$
desselben einen aus der „ordinari Relation von 1689" abgedruckten Be--
richt aus Dalmatien vom 4. ]uli eingefügt finden.
Büi die bandweise Hereinlieferung des fertigen und fertigwerdenden
Buches deutet übrigens auch schon der Satz: „und was noch hernacher
khomben würdet" in der Anzeige der Oberbeamten, die, wenn sie das
ganze CUerk in den bereits eingeführten 54 Zentnern inbegriffen erachtet
hätten, einerseits nicht Uerdacht geschöpft, anderseits dann auch den eben
ausgehobenen Passus anzuwenden keinen Jlnla(5 gehabt haben würden.
Die „JInzeige" der Oberbeamten zu Krembsbruggen vom 18. ]uli fand
seitens der i. ö. Hofkammer zu Graz ihre Erledigung unterm 1. Jlugust
desselben Jahres und es liegt das Konzept der höheren Orts erflossenen
Entscheidung (ein Bogen Kleinfolio) mit folgendem Cüortlaute vor:
(Graz) 1689, 1. Jlugust (Rubrum): „Die Oberbeamten an der Krembs-
pruggen sollen ein Pakhet der von Herrn Baron üalvasor durchführenten
Exemplarien der Krainerischen Cronic eröffnen und durchsuchen, ob nit
andere Sachen al(5 besagte Cronica darinen und wofern etwa(5 dergleichen
gefunden wurde, hinwekhnemben."
Dann lautet der Inhalt des Jlktenstücks selbst also weiter:
„Es ist weniger nit, da(5 wür auf die von Herrn Baron üalvasor in
Drukh au(3gebne Cronica des Herzogthumbs Crain und selbige, bey denen
Kais. IDajestät IDauthstädten frey passiren zu lassen ein Paaf^brief den
10. IDarty scheinenden H^hrs ertheilt haben vnd weilen dem vermomben
nach an solichen Exemplarien bi(5 anhero alberaith bey Eurem anver-
trauten ambt in die 54 Centner durchgefiert worden sein, welches sich auf
eine soliche quantitet erstreckhen mu(5, daf^ man souil solicher Cronik
nicht von nethen haben khan, daher zu llluthmassen, da(5 vndter diesen
'S) 232 '©
pra^text der exemplarien aucb etwo andere IDaiUbbare guter oder bücber
durcbfieren niöcbte, also di[5fabl$ aus dem Ergwobn vnd auf die ÜJabr--
beit zu kbomben, so befelben wür Gucb biemit, dat^ Ibr den ersten Pakb,
üafi oder Uerscblag so vndter der ansaag erwäbnter Gxeniplarien an--
kbunibt in Guerer vnd der gescbworenen Beanibten aucb anderer aldort
set)bafften Gbrlicben IHäner (Gegenwart) mit aller Bescbeidenbeit eröffnen
vnd durcbsuecben sollet, damit nicbts anders als besagte Cronica darinen
seye, da aber dabey andere bicber oder mautbbare Sacben gefunden
wurden, Ibr selbige binwegkbnemben, die Gxeniplarien aber widerumb
sauber einmacben vnd vnter Gwer oberämtlicbe Petscbaftsfiertigung gleicb
passieren lassen, vnf^ aber des abgenomben balber ein specification
berau()Scbikcben, daryber fernere bescbadung (Bescbeid) erwarten sollet,
vnd kban diese Eröffnung nicbt nur einmabl, sondern nacb Cwren bedunkben
vnd vorfallenden üerdacbt öfters fürgenomben werden. 1. August 16S9.
Graf von Dietricbstein m. p. (L Ö. Rofkammer-Präsident.) €x offo. fln die
Oberbeamten zu Krembspruggen."
Aus diesem zweiten, den Gegenstand betreffenden Jlktenstücke gebt
bervor, da(5 die i. ö. [)ofkammer den üerdacbt der Zollbeamten von
Kremsbrücken teilte, da[5 sie die fallweise Durcbsucbung der weiter a conto
des an üalvasor erteilten Paf^briefes einlangenden Pakete und die Cüeg--
nabme etwa auf solcbe lüeise eingescbmuggelter anderer Bücber und
mautbarer Sacben anordnete, es gebt aber aucb daraus bervor, da(5 diese
oberste Bebörde die Scbonung des Cüerkes unseres 5^reiberrn von üalvasor
dabei wobl im Jluge bebielt, indem sie nicbt versäumte, den Oberbeamten
zu Kremsbrücken es einzubinden, nacb gescbebener Durcbsucbung die
Gxemplare der „craineriscben Gronic" „wieder sauber einzumacben" und
mit dem oberamtlicben Siegel zu verscblief^en.
5ragt man nun: i^aben die Beamten in Kremsbrücken bei der nun
gewi() vorgenommenen Durcbsicbt der weiter eingelangten Pakete mit
üalvasors Cüerke ibren üerdacbt bestärkt gefunden oder nicbt? — so
können wir diese 5^rage mit annäbernder Bestimmtbeit dabin beantworten,
da(5 bei der erfolgten Eröffnung der bezüglicben Pakete wobl nicbts
anderes darin vorgefunden worden, als eben üalvasors Bucb allein; denn
im gegenteiligen Jalle mufften wir in den Akten der Grazer Registratur
zum mindesten in den daselbst bewabrten mustergültig und mit exaktester
Genauigkeit gefübrten ein und denselben Akt öfters wiederbolt indi--
zierenden Protokollen der i. ö. Rofkammer irgend eine darauf bezüglicbe
Andeutung über etwa in genannten Paketen gefundene Anstände ange--
merkt finden, was jedocb nirgends verzeicbnet erscbeint.
'S) 233 'S)
Die „€bre des Herzogtums Krain" erschien, wie die erhaltenen Gxemplare
beweisen, in dreierlei ausgaben, und zwar 1. auf sehr starkem Büttenpapier
mit breiten Respekträndern, dann 1. auf ziemlich starkem und scblief^lich
3. auf bedeutend dünnerem Papier. Die erste der genannten J!usgaben war
die der, heute zu den grö(5ten bibliographischen Seltenheiten zählenden
Dedikationsexemplare, welche der Autor für ganz besonders hervorragende
Persönlichkeiten bestimmt hatte, und die sich, wie schon angedeutet, nur
mehr in sehr wenigen Exemplaren nachweisen lä(5t; ein derartiges, vor=
züglich erhaltenes Dedikationsexemplar hat jüngst erst der Chef der 5^irma
lg. V. Kleinmayr ^ 5^ed. Bamberg, ])err Ottomar Bamberg, Präsident der
Krainischen Sparkasse, auf antiquarischem Cüege käuflich erworben. Die zweit--
genannte Ausgabe war diejenige, welche von den Herren der krainischen
Candschaft beim Autor durch die erwähnte Subvention mitsubskribiert
worden war, und die dritte Ausgabe war diejenige, welche dann in den
Bändel kam. *
* *
Die Bedeutung Ualvasors als Historiker mu(5 von verschiedenen Stand-
punkten aus ins Auge gefaf^t werden, einmal vom Standpunkte der all-
gemeinen Historie, dann von dem der österreichischen Geschichte und
schlief^lich und hauptsächlich von dem der Candesgeschichte und hier wieder
von der kulturgeschichtlichen Seite derselben. CUas die allgemeine Geschichte
betrifft, soweit sie in die Candesgeschichte von Krain herübergreift, so sind
die Bemerkungen und Ausführungen über die üölkerschaften, welche ur-
sprünglich (I) und namentlich im Zeitalter der Uölkerwanderung Krain
bewohnt und hier Geschichte gemacht haben und haben sollen, derart
kompilatorisch und abstrus, daf^ wir sie nur auf das Kerbholz des lllit-
arbeiters Jrancisci setzen können, obschon auch unser 5^reiherr dazu Gin-
schläge gegeben haben mag, so zum Beispiel, da(5 die Cschitschen Istriens
noch Überreste der ersten Bewohner Krains gewesen, als welche Jrancisci
die Chitim angesehen, auf welche nach weiterer Annahme die japydier,
lllyrier und Pannonier, die Caurisker, Skordisker und Doriker, die Römer,
üandalen, Goten, Cangobarden, Slawen, Awaren und Hunnen und endlich
die tranken folgten.
Auf dem römischen Boden Krains, da findet sich aber schon der Herr
Hauptautor zurecht. Gr folgt hier der Behauptung Schönlebens, ^<^^ daf) das
Gmona der Römer an Stelle des heutigen Caibach gestanden und folgt auch
sonst in den archäologischen Grörterungen dem üorgehen dieses seines
Uorgängers in der Geschichtschreibung Krains.
^"* „flcmona vindicata."
'& 234 'S)
„Bemerkenswert ist" — wie der fleif^ige Forscher auf dem Gebiete
krainiscber Geschichte Professor JInton Kaspret in seinem die einzelnen
Buchkapitel der „Ehre Krains" mit kurzen Bemerkungen versehenden
Gssay über Ualvasor^*^^ hervorhebt — „da(5 üalvasor alle Konjekturen des
Cazius, Pyrkheimer u. a., betreffend die tage des römischen Deviodunum,
verwirft und auf Grund eines alten Itinerars den Ort ganz richtig nach
ünterkrain verlegt. Gin im jähre 167S in der Dähe der Stadt Gurkfeld aus--
gegrabener Stein, auf welchem die Silben ,oduni' zu lesen waren, gab
zum erstenmal der üermutung Raum, da() Deviodunum in der Dähe Gurk--
felds zu suchen sei, und dies weist auch üalvasor nicht zurück/' Bekanntlich
bestätigten die neueren Jlusgrabungen, um die sich, wie wir beifügen
wollen, in der zweiten Rälfte des vorigen Jahrhunderts Ingenieur Cein--
müller grolle üerdienste erworben, die Richtigkeit dieser Jinnahme.
In der allgemeinen Geschichte des Mittelalters fuf^en des „Rerrn Baupt--
autors" und seines „flmanuensis" ^rancisci Darstellungen auf den Jln--
gaben der bis auf ihre Cage gediehenen allgemeinen und speziellen
Chroniken und stellen sich zumeist kritiklos denselben gegenüber, daher
die bezüglichen Daten, die uns hier geboten werden, von verschwindendem
lüerte sind.
Besser, weitaus besser wird die Geschichtsdarstellung da, wo sie aus
dem Rahmen der allgemeinen Geschichte heraustritt und auf das besondere
Jeld der österreichischen Geschichte herüberkommt; da werden neben ver--
lät^licheren Chroniken auch archivalische Schätze zur Bearbeitung heran=
gezogen, zum Beispiel bei Behandlung der venetianischen Kriege unter
anderm zum Jahre 1617 die venetianischen 5riedensartikel, die üalvasor
nach in der landschaftlichen Registratur vorgefundener, von der k. majestät
in Böhmen der krainischen Candschaft zugeschickter Abschrift wörtlich
mitteilt. ^^2 Und greifen wir in das 16. Jahrhundert zurück, so ist es in
erster Cinie die bei Jintritt der Reichsregierung durch Kaiser Karl V.
entstandene Kontroverse zwischen dem neuen Herrscher und den so--
genannten n. ö. Canden wegen der von Karl V. beabsichtigten Ceilung der
habsburgischen monarchie, welche Kontroverse durch unsern 5^reiherrn eine
auf Dokumente gegründete Behandlung erfährt.^"* Hlit nicht geringer
Befriedigung stellt es üalvasor fest, wie durch das Jluftreten der krai=
niscl)en Candschaft, welche die Huldigung für 5^erdinand I. ein Jahr lang
aufgeschoben, es dahin gebracht wurde, da(3 zwischen Kaiser Karl V. und
^"^ mittcilungen des musealvcrcincs für Krain 1$Q0, p. 17 ff.
^"^ Üalvasor, Cbre des Rcrzogtums Krain, IV. (XV.), p. 5$5 ff.
S04
ebenda, III. (X.), p. 320 bis 330.
'S) 235 'S)
seinem Bruder Grzberzog 5^erdinancl eine andere als die beabsichtigt
gewesene Cänderteilung vorgenommen wurde, infolgederen nun „bei
Krain die Rerrscbaften Hlöttling, Isterreicb (Istrien) und Karst, wie aucb
alles andere, was zuvor von Rechts-- und Gewohnheit wegen gehört und
von den üenetianern erobert, dem Hrstenthum Crain zugeeignet und ein--
geleibt, nichts ausgenommen, unzertrennt verblieben und alles beisammen
gelassen worden". ^^^ hierdurch ward dem Cande Krain die aus allen
Blättern der „Ehre Krains" hervorleuchtende und von unserm edlen Jrei--
herrn an all den betreffenden Stellen dokumentarisch belegte Ceistungskraft
als festes Bollwerk gegen die alten feinde Österreichs von Süd und Ost
— gegen Osmanen und (Uelsche — für alle Folgezeit gesichert.
Der glühende Patriotismus üalvasors für das angestammte erlauchte
Grzhaus, für die glorreiche habsburgische Dynastie, den wir schon in einem
vorhergehenden Jlbteil dieses unseres Buches zu charakterisieren versucht
haben und der in seinem natürlichen Bunde mit dem gleichglühenden
Patriotismus für die engere Reimat Krain, die durch die festen Bande der
Creuergebenheit und des bestbegründeten Dankgefühls dem €rzhau$e ver-
knüpft erscheint, er findet in der „6hre Krains" seinen durchwegs doku-
mentarisch belegten Jfusdruck, einen Jlusdruck aber, der, frei von Schön-
färberei, schlicht und offen gegeben wird — wie er dem nach allen Seiten
unabhängigen üerfasser, zudem einem erprobten Krieger, zu eigen ge-
wesen und wohlangestanden; was sich allenfalls an Floskeln und mehr
oder minder geschraubten Redensarten um die Skizzen und Jlufsätze des
„Berrn Bauptautors" arabeskenartig herumschlingt, ist das zweifelhafte
Uerdienst des „Jlmanuensis" 5rancisci, der — wir wollen sein Uerdienst
an der IDitarbeiterschaft nicht mindern — damit nur das Beste geben
wollte, was er an „schöner Schreibarbeit" zu leisten vermochte!
Immer und überall in seinem Cüerke bleibt Ualvasor als Historiker
seinem Grundsätze treu, der vollen Cüahrheit nachzugehen, denn, sagt er:
„ein ßeschichtschreiber, der wissendlich Romanen für Historien ausgibt,
beleidigt nicht allein die Ceser seiner, sondern auch der folgenden Zeit
und verführt manches auch wol gelehrtes Jluge, das der Sachen so bald
nicht nachdenket, sondern sich auf ihn verläl^t und also den Ungrund
(Grundlosigkeit) immer weiter fortpflanzet*'. ^°^ CUo und wie es ihm nur
möglich war, gedruckten Unrichtigkeiten gegenüber den Dachweis des
5^alschen zu liefern, da ergreift er die Gelegenheit mit allem Eifer und
''' 1. c. p. 330.
^°^ Ualvasor, Gbre des hcrzogtums Krain, III. (X.), p. 130,
"& 236 ®
setzt vollbefriedigt das urkundliche Beweismittel entweder vollinbaltlicb
der bisher umgegangenen falschen Hachricht entgegen oder zitiert er nur
die entkräftigende Stelle allein; seine Beisätze, wie: „dies bezeugen folgende
sonderbaren Jieifies ausgezeichnete Dachrichten unterschiedlicher nianuscripte'*,
oder: ,, dieses llknuscript gereicht uns also zur gründlichen Belehrung'*,
klingen dann stets wie ein Criumphlaut des glücklichen 5^inders der Cüahrheitl
Da(i Ualvasor seine Jirt der ßeschichtschreibung auch von der morali--
sierenden Cendenz nicht freigehalten, lag ebenso im 0eschmacke seiner
Zeit als auch in seiner eigenen Persönlichkeit, tut aber, wie jeder Ceser
der ,,Ghre Krains" sich überzeugen kann, dem Cüerke durchaus keinen
Jlbtrag, zumal wir aus ihnen den gediegenen Charakter des Uerfassers
nach seinem vollen CUerte zu beurteilen in die Cage kommen, Cr, der
vor sovielen Burgruinen als Zeichner gesessen, er ruft im Anblicke solchen
Zusammensturzes, im Jlnblicke des Romantischen aus: „dat^ die Zeit endlich
wieder einrei(5e und die Überbleibsel uns zur Cehre hinterlasse, man
müsse seine Cüohnung nicht nur auf f)olz. Stein oder IDarmel, sondern
auch auf Cugend gründen, damit ijian dermal eins aus den vergänglichen
zu den ewigen Rütten und Sternpalästen, die aller Zerstörung frei sind,
gelangen könne".
„Schlie()lich" — sagt Kaspret*'*'^ — „wollen wir noch die l^rage be--
antworien: Cüelche Stellung nahm Ualvasor zum üaterlande (Krain)?"
„Ualvasor war sich wohl bewu(5t, da(5 er als öffentlicher Zeuge der CUahr--
heit berufen sei, durch CUeckung vaterländischen Sinnes und Kundgabe
staatsbürgerlicher Gesinnung die Ghre und IDacht seines engeren und
grö(5eren Uaterlandes (Österreichs) zu fördern, mit vollem l^erzen seinem
l)eimatlande und seinem landesfürstlichen l)ause ergeben, ist sein Sinn
immer auf die 0rö[5e beider gerichtet. Deshalb hebt er jene geschichtlichen
Begebenheiten und Grscheinungen hervor, welche Krain und Österreich zum
Ruhtue und zur Ehre gereichen. Jluf^er den fast unzähligen Opfern, welche
Krain zur Abwehr der türkischen Barbarei brachte (von 1597 bis 1613
allein an Kontribution für die ßrenzorte 1,699.269 fl.), gedenkt er rühmend,
doch ohne sein Uaterland mit ,überniä(5igen Cobsprüchen herauszustreichen'
der niiiwirkung der Krainer bei der Uerteidigung (Uiens im 3ahre 1529
und 1683, der teilnähme der krainischen Ritlerschaft bei der Befreiung
Maximilians, welcher von den Ilandrern in Brügge gefangen gehalten
worden (14S$), des Beistandes, den Baunikircher mit seinen Krainern dem
von CUienern hart bedrängten Friedrich V. (III.) gewährte und anderer
507
a. a. 0. p. 3$.
-2) 237 'S)
kritischer Hlomente, in welchen sich seine Candsleute in hervorragender
UJeise ausgezeichnet und um das Uaterland und um das angestammte
l)aus verdient gemacht haben.''
Um die oben erwähnte kulturgeschichtliche Seite der Bedeutung von
Ualvasors l)auptwerke zu kennzeichnen, genügt wohl der Hinweis auf den
Inhalt des sechsten Buches, wo er von der Sprache (den Dialekten), den
erachten, Sitten und Gebräuchen der krainischen Bevölkerung handelt und
in welchem er uns ein Bild aller Grscheinungen des Uolkslebens seiner
Cage hinterlassen hat, das, durch seine meisterhafte 5^eder in der ihm
eigenen Ciebe zum üolke der Reimat festgehalten, eine wahre Perlenreihe
seines literarischen Uermächtnisses darstellt. Ratten wir nicht diese Schil-
derungen in Cüort und Bild über Ceben und treiben unseres üolkes im
17. 3ahrhunderte durch ihn in dieser CUeise überkommen, wäre dieser
Schatz der 5olkloristik für immerwährende Zeiten auf Himmerwiedersehen
dahingeschwunden. So aber kann man, an dieses älteste uns erhaltene |
Denkmal heimatlichen Uolkstums die gleichfalls hochwertvollen üufzeich-- ^
nungen und Darstellungen Belsazar Racquets aus dem 1$. ]ahrhunderte,^°^ j
dann die Hermanns ^^^ und Korytkos^^^ aus dem Beginne des 19. 3^^^' "
hunderts in vergleichenden Studien anschlief^end, zu einem bis in die
neueste Zeit fortzuführenden und mit den bezüglichen Darstellungen im ;
monumentalen UJerke unseres unvergef^lichen Kronprinzen weiland Seiner
k. u. k. Roheit des durchlauchtigsten Rerrn Erzherzogs Rudolf: „Die öster-
reichisch-ungarische nionarchie in CUort und Bild'' abschliet^enden Gesamt-
bilde der krainischen ^olkloristik von Cinst und 3etzt gelangen, eine in
der Cat ebenso anziehende als lohnende JIrbeit, die, populär gefa(3t, den
hohen Intentionen des erlauchten Chronfolgers, Seiner k. u. k, Roheit des
durchlauchtigsten Rerrn Erzherzogs 5^ranz 5^erdinand von Österreich ent-
sprechend, gewi(5 das ihrige dazu beitragen könnte, nicht nur dasjenige,
was im Uolkstum aus alten Zeiten noch sichtbar erhalten, in seinem bis=
herigen Bestände fort zu sichern, sondern auch manches, sich trotz der leider
raschen Divellierung, noch verborgen Raltende alten Uolkstums neu zu be=
leben und an den Cag zu bringen, wie dies ja durch die Bemühungen
der heimatlichen Sprachgelehrten, deutschen und slawischen, bezüglich der
Sprache der slawischen und deutschen Bewohner unseres Candes, bereits mit
vielem Erfolge — man denke nur an die bezüglichen Jlrbeiten in lexikaler
^°^ 0csd)ici)te der Südwest- und östlichen Slaven.
^°^ Reisen usw.
^*" flbbilduncjen im museum Rudolfinum in Caibad) (gemalte Crad)tenbilder von
Kurz von ßoidenstein).
m
-2) 23$ '&
Beziehung auf slowenischer und deutscher (ßottscheer) Seite — ins ÜJerk
gesetzt worden und wie die eben im Gange befindliche Sammlung des
ßesamtschatzes der Uolkslieder in Krain zur Einfügung in ein ßesamt--
werk der Uolkslieder ganz Österreichs auf diesem Kulturgebiete anstrebt
und gewi(5 glänzend erreichen wird.
Und man denke nur, wie der eine Zweig uralter krainischer Raus--
industrie, die von weiland Ihrer niajestät unserer allgefeierten Kaiserin
und Königin Elisabeth geförderte Spitzenindustrie Krains eben durch so
mächtigen Jlnsporn zu einem neuen lohnenden Grweibszweige und in
ethischer Beziehung zu neuer Betätigung heimatlichen Kunstfleil^es aufge--
rufen und entwickelt worden, zu welcher Entwicklung in edler Hach--
eiferung des Impulses durch die erhabene Protektorin, in materieller Be--
ziehung die unentwegte Förderin der gesamten üolkswohlfahrt des Candes,
die Krainische Sparkasse, nicht den wenigsten teil beigetragen hat.
Doch kehren wir nach dieser bereits in den Gesichtskreis tretenden
und hoffentlich noch weiterhin sichtbar werdenden Perspektive der Siche--
rung, Rettung und CUiederaufnahme heimatlichen alten üolkstums zu
Ualvasors Stellung zur Kulturgeschichte zurück. Da haben wir noch kurz
seiner Stellung zur Literaturgeschichte und zur Uolkswirtschaft Erwähnung
zu tun.
Im Jlnschlusse an die Schilderung von Sprache, Sitten und Gebräuchen
der Bewohner finden wir die Grundlage für eine Citeraturgeschichte Krains,
geliefert in dem ,, Anhang des sechsten Buches, welcher eine Jlnzahl
gelehrter Skribenten begreift, so aus Krain bürtig gewest". Gs wird
darin ^^^ von 56 Skribenten eine Reihe von lüerken krainischer Schrift--
steller mit üoranstellung längerer oder kürzerer biographischer Daten
geliefert, die für spätere Bearbeitungen bereits vielfach wertvolles Hlaterial
geboten haben und betreffs mehrerer noch bieten können; die hervor=
stechendsten Damen sind da Siegmund Freiherr von l)erberstein, Primus
Cruber, lllartin Pegius, Jidam Bohorizh, Georg Dalmatin, Chomas Ghrön,
Johann Caufrer, David üerbez, Cudwig Schönleben, Jldam Sebastian von
Siezenheim, IDartin Bautscher, ITlatthias Gastellez, Georg Sigismund 5^reiherr
von l)allerstein, Paul Ritter üitezovich (zwar nicht aus Krain gebürtig,
doch dem „Berrn Bauptautor" so innig befreundet und in so innigen Be-
ziehungen zum CUerke, da(5 er nicht übergangen werden durfte, wenn man
die zeitgenössische Literatur in Krain in Betracht zog), Johann Daniel von
Grberg, Jranz 5^reiherr von Cüützenstein, 5^erdinand von ITlontagnana S. ].
'" Seite 343 bis 370.
'S 230 'S)
(der die Jlnnales Societatis Jesu plurium annorum geschrieben, welche aber,
wie üalvasor beifügt, annoch nicht in Druck herausgekommen) u. v. a. Den
Beschlu(5 dieser ersten Citeraturgeschichte und Bibliographie bildet die von
^rancisci signierte „Zugabe von de(5 I)errn Raupt-- Jluthoris dieses lüerkes
selbst-eigenen vilfältigen Schriften", deren im ganzen bereits im Druck
erschienenen und in Uorbereitung befindlichen die Zahl 22 angegeben
erscheint.^^^ üon den zum Druck vorbereitet gewesenen sind die wichtigsten
die sechs Bände „Cumen Daturae": 1. de üitro, 2. de Pasta, 3. de Colore,
4. de Sympathia et J^ntipathia, 5. de 5^uco und 6. de Hledicina und dann
die drei Bände ,Jlos Physico--rnathematicus", „in denen von allen mathe=
matischen Sachen sowie auch von den eigenen Erfindungen gehandelt wird".
€s braucht nicht erst eigens betont zu werden, es ist bei Ualvasors
Charakter selbstredend, da(5 er in Beurteilung der von ihm namhaft an--
geführten „Skribenten" mit voller Objektivität seine wenngleich kurzen
aber doch treffenden Kritiken abgegeben und so von den namhaft gemachten
üorgängern und Zeitgenossen im literarischen Schaffen für die Reimat der
nachweit ein ungetrübtes Spiegelbild ihrer Bestrebungen und Ceistungen
bewahrt hat, möge deren lüirken auf dem oder jenem Gebiete des CUissens
gelegen gewesen sein, mag der oder jener Schriftsteller dieser oder jener
geistigen Richtung, dieser oder jener sozialen Stellung angehört haben,
katholischer oder protestantischer Schriftsteller, Priester oder Caie, Jldeliger
oder nichtadeliger, eines jeden literarisches üerdienst um die Reimat hat
der vorurteilslose Freiherr willig anerkannt und gebührend hervorgehoben!
Jlus den verschiedenen Jlbteilungen der „€hre Krains", wo er von
der Bodenbeschaffenheit der einzelnen Eandesteile, von den Früchten, die
der Boden hervorbringt, von CUäldern und Cüässern, von den Beschäf--
tigungen der Bewohner, von f)andel und Gewerbe spricht, überall hat er
das Beste für die üolkswirtschaft im Enge, und er verfehlt nicht, indem
er die Betätigung seiner Reimatsgenossen auf diesem Gebiete behandelt,
ab und zu Ratschläge zu erteilen, wie dies und jenes vorteilhafter vor die
Rand genommen werden könnte! Ganz besonders aber betont er — die
Grundlage der Uolkswohlfahrt — die J^rbeitsamkeit unseres Uolkes! „Die
Ceute — schreibt er — seynd arbeitsam und solches Ruhms sowol die
CUeiber als Hlänner fähig"; er lobt die Jlbhärtung, das Blo[3fü(5iggehen,
auch bei Schnee und grot^er Kälte, was nicht aus Jlrmut, sondern aus
üerachtung der Kälte geschieht, das Schlafen auf harter Schlafstelle (oft
nur auf Bänken), „müssen sie auf so unsanfften höltzernen Bettwerk
üalvasor, Gbre des Herzogtums Krain, II. (VI.), p. 36$ bis 370.
•2) 240 'S)
dennocb sanfft genug schlafen, weil sie den Bemühungen ihres Jlcker--
und l)ausvves*ens nicht schläfrig obliegen sondern durch unruhige tage
ihnen (sich) ruhige Dächte verschaffen". ^^^ uj\^ blättern um und sehen ^^*
unsere fleif^igen Candleute an der Einbringung der Kornfrucht in die
landesübliche „l)arfe", wie sie au(5er in Krain nur noch in angrenzenden
Landstrichen und im hohen Horden gebräuchlich.
Die heute noch nicht ganz durchgeführte Jlustrocknung des Caibacher
nioores beschäftigte auch schon den Dationalökonomen in unserm edlen
5reiherrn, und er kann nicht umhin, bei der Erwähnung des Umstandes,
da(5 zwei von krainischen Kavalieren gemachte JInerbietungen betreffs
Jlustrocknung dieses IHoorgrundes nicht angenommen wurden, tadelnd zu
bemerken, dat^ mancher „rnif^freund" dies verhindert habe.^^^
Da(5 üalvasor neben der vollen und reellen Beachtung, die er allen
Zweigen der Eandwirtschaft gewidmet — der Bodenkultur, der üieh-- und
Fischzucht (unter namentlicher f)ervorhebung des Karstgestütswesens und
des weit über die lllarken Krains bekannten Krebsreichtums und der
Krebsengröfie und -gute) — , das Gewerbe und die Industrie, insbesondere
das ßewerkswesen, sowie die damalige Bandeisschiffahrt auf der $ave
und dem Caibachflusse nicht übersehen und ihrer vollen Bedeutung nach
gewürdigt bat, springt dem Ceser der „Ehre Krains" in erfreulichster
Cüeise ins Enge und ist uns heute gleich dem sechsten Buche eine reiche,
kulturgeschichtliche Quelle.
Cüelch weiten Blick üalvasor aber in betreff des Gewerbes besessen,
dafür liegt der Beweis in der Stelle vor,^^*^ wo er davon spricht, „da(^
aus dem Umstände, als in der Stadt Caibach viele das gleiche Gewerbe
treiben, den Herrschaften als auch dem Uolke ein gröfKrer nutzen fliefKt,
angemerkt — sagt er — die Cüaaren viel wolfeiler zu erhandeln an
einem Ort, da viele einerlei Gewerbe treiben, und daher auch dem Grund--
herrn eine grc)(5ere Steuer erwachset". Zählte üalvasor demnach zu unseren
Zeitgenossen, so sähen wir ihn als getreuesten JInhänger der Gewerbe--
freiheit, und auch die Steuerbehörde hätte, wie gewi(5 zur Zeit auch, als
er dies geschrieben, an ihm ihre Freude!
[)eben wir es noch in dieser leider nur gedrängt möglichen Über--
schau über des so vielseitigen Gelehrten, Forschers, Beobachters, Ratgebers
und üolksfreundes Stellungnahme zu allen jiu(5erungen des üolkslebens
^*^ üalvasor, Cbrc des Herzogtums Krain, I. (II.), p. 103.
''* ebenda, I. (IL), p. 105.
''' ebenda, III. (XI.). p. 677.
''' ebenda, III. (XI.), p. 700.
-2) 241 -2)
und der Uolkswoblfabrt nocb eigens heraus, da(5 sid) Ualvasor aud) als
Statistiker bewährt hat, indem er an die kompetente Instanz, an die
hochwürdige Geistlichkeit, das Grsucben gestellt, ihm für das achte Bud)
von den Pfarren in Krain die Jlngaben über Geburten und Codesfälle zu
liefern, weldiem Ersuchen auch — wie man beim Durchblättern dieser
Jlbteilung der „6hre Krains" sich zu überzeugen in der Cage ist — von
den meisten ßerren Pfarrern pünktlich entsprochen wurde.
JIls „Statistiker" hat er uns denn auch die Jlnzahl der Bäuser und
der Bewohner der Candeshauptstadt Eaibach zur Zeit des Grscheinens
seines Hauptwerkes aufgezeichnet, nach dieser Aufzeichnung zählte die
Stadt Caibach um 16$9: 500 Bäuser und 20.000 Einwohner — Bürger= \ i
meister Schönleben notierte in seiner handschriftlich erhaltenen Chronik
der Stadt Caibach, ^^^ daf^ „am 16. 3uli 16$2 der Crsame IHagistrat alle ^
die Inwohner diser Stadt durch gewisse dazu deputirte Rerrn Burger habe ^
beschreiben lassen," daher wir annehmen können, da(5 Ualvasor seine 3
Eufzeid)nung auf Grund dieser so frühzeitigen Caibacher üolkszählung -^'
gemacht habe.
'" K. u. k. hofbibliotbck in (üien, ms. 15400.
.s£
HZ
V. Radics, Ualvasor. 16
Erstes fachmcinnisches Urteil über üaluasors ,,6hre
des Berzogtums Krain'' in den ,,flcta Gruditorum''
in Leipzig 1689,
lald nachdem Ualvasors Hauptwerk, dessen Uorrede „(Uagens-
berg, 15. Epril 1689" datiert ist, erschienen war, brachte schon
das Doveniberheft 16$9 der 1682 zu Ceipzig von einem Kreise
gelehrter IDänner, wie Carpzow, 6ttmiiller, IDenke, Olearius,
Ittig, Rechenberg, Pfautz, Ischirnhausen, Seckendorf, Reichsgraf Bünau,
begründeten, später vom grofjen Ceibnitz mit Beiträgen, so zum Beispiel
zuerst seiner 5^orschung über die Differentialrechnung 1684, wesentlich geför=
derten „Jlcta Gruditorum" "^ (die es sich zur Ghre rechneten, mit einem
weltbürgerlichen Blick ganz Guropa zu umfassen, sie brachten sogar
schwedische und polnische Bücher zur Jlnzeige^^^) eine elf Quartseiten
umfassende Besprechung des ersten Bandes des sensationellen Buches
unseres Jreiherrn von üalvasor, von welchem Cüerke der üerfasser selbst,
als er noch mitten in der Fertigstellung desselben begriffen gewesen, in
einem vertraulichen Schreiben an den Sekretär der „Königlich Gnglischen
Gesellschaft" ausgerufen: „Grit über sat curiosus".
Die Beurteilung in den Jlkten dieser in Deutschland und im ganzen
Jluslande in grof^em Jlnsehen gestandenen 0elehrtengesellschaft ist eine
ebenso gründliche als eingehende und in hohem 0rade anerkennende.
Beigegeben erscheint derselben eine Kupfertafel mit der Jlbbildung des
Zirknitzer Sees, doch ist dieselbe nicht ganz kongruent mit der in Ual-
vasors Cüerke befindlichen, denn es sind auf der nach Ceipzig mitgeteilten
Cafel die aus dem Ungewitterloch auffahrenden l)exen ausgelassen.
Die Besprechung beginnt mit dem l)inweise darauf, da(^ die „Jlcta
Gruditorum" schon 1682 (also gleich im ersten 3ahre ihres Bestandes)
ein Cüerk über Krain, und zwar Scheinlebens „0arniola antiqua et nova",
^'* „Acta eruditorum," Cipsiac 1689, £alendi$ novembris.
^'^ Schmidt Julian, Geschichte des geistigen Cebens in Deutschland, Ceipzig 1862,
I.. p. 162 f.
-2) 243 '&
ihrer Beurteilung unterzogen haben, und es wird hier gleich im Eingänge
der Beleuchtung von Ualvasors Buche wiederholt, daf^ Krain unter den
Besitztümern des erlauchten Bauses Österreich nicht das letzte sei und
da(5 Berr Schönleben es unternommen habe, dasselbe aus dem Dunkel
hervorzuheben, ^2° in welchem es nicht durch eigene Schuld, sondern durch
die Schuld der Kosmographen bislang verborgen geblieben war. Schön--
lebens Beispiele sei nun Ualvasor gefolgt aus Ciebe zum Uaterlande. Dach
dieser Konstatierung heif^t es weiterhin: „Minimum omnibus ad ingens
hoc opus absolvendum adminiculis destitutus praeter documenta nonnulla
ex Cancellaria ipsi communicata et paucula ista, quae ex magno autorum
cumulo hanc in rem delibare ei licuit, necesse habuit pleraque ex propria
experientia ac indefessa indagatione haurire atque sibi comparare, proin--
deque ipsemet passim montes atque valles hujus regionis peragravit, ac
singula notata digna perquisivit, situmque lacorum utplurimum propria
manu delineavit, suis potius quam aliorum oculis confidere edoctus."
Die weiteren Jlusführungen anerkennen voll Ualvasors umfassende Studien
und ^Forschungen, die er sich nicht nur aus dem Staube der Jlrchive
sammelte, sondern die er, die Beimat durchwandernd, aus eigener Hn--
schauung schöpfte.
Jlnschlie(5end an diese allgemeine Charakteristik der für Ualvasors
Gründlichkeit und Ursprünglichkeit zeugenden Gigenschaften des Buches
gibt nun der gelehrte Rezensent der „Ehre des Herzogtums Krain'* eine
detaillierte Jlnalyse des ersten Bandes auf den zehn weiteren Seiten der
Kritik, in welches Detail wir ihm wegen Raummangels nicht folgen können,
auch würde die Aufzählung des Inhaltes des ersten Bandes sich hier
wiederholen. Besonderes Interesse findet der Rezensent an den Angaben
Ualvasors über die „Cabors", die befestigten Eager der krainischen ßrenz--
verteidiger in den tagen der Cürkenkriege, über die vielen CUarmbäder
(slowenisch toplice) in Krain, über Idria, Adelsberg und seine Grotten,
über den Zirknitzer See usw. Das Hlärzheft 1690 brachte sodann die
Rezension über den zweiten, dritten und vierten Band der „Ghre des
Herzogtums Krain'* auf den Seiten 105 bis 114 (inklusive), eingehend be-
sprochen findet sich das sogenannte „Schlösserbuch", ferner das Sprach--
verhältnis in Krain, das der beiden Bauptsprachen Deutsch und „Scla--
vonisch" (Slowenisch), „die Christophbruderschaft der niät^igkeit", gegründet
unter Kaiser IDax L, die Aufzählung der berühmten IHänner: der gelehrte
"° Dieser Passus weist auf die entstebung der Besprechung im Reitnatlatide selbst
und vielieicbt haben wir als Autor derselben den Heften Schönlebens, den historiker
3ohann Gregor Dolnicar von Chalberg anzusehen.
16*
'& 244 'S)
Berberstein, der kriegerische Bischof Christoph Rauber, der freund und
Ratgeber des „letzten Ritters", der Reformator Cruber, der schwäbische
Schulmann Jrischlin u. a. m. J\m kürzesten kommt der vierte Band weg,
die Erzählung der kriegerischen 3ahrgeschichten. Die Leipziger Gelehrten
legten nämlich, indem sie der gelehrten Cüelt einsieht in den Inhalt der
Riesenschöpfung üalvasors eröffneten, das Hauptgewicht auf die Copo--
graphie und Kulturgeschichte Krains, da letztere ihnen als völlig neuer
Beitrag auf diesen Gebieten erschienen.
Daluasors letzte [lebenstage*
Cod * Beisetzung In der Tamiliengruft auf Scblog Galleneck 1693«
ie I)erau$gabe der „Gbre Krains", die ihm im In-- und Jlus--
lande soviel Cob und €bren eingetragen, sie war aber durcb
die für ibn damit verbundenen grof^en Kosten der Herstellung
zugleicb die Ursacbe des Zusammenbruches seines l)auswesens,
welcber trotz der nambaften Subventionen der krainiscben Candscbaft und
trotz der aucb sonst ibm zugekommenen Jlusbilfen erfolgte. ^^^
Gs wurde bereits in früheren Jlbteilen erwähnt, da(5 1692 der Uerkauf
von Cüagensberg und der Dependanzen stattfand und das 3ahr darauf 1693
der Uerkauf des Rauses in Caibach; ehevor hatte er sich bereits von der
grot^en in CUagensberg befindlichen Bibliothek getrennt, welche bekanntlich
vom Bischöfe von Jlgram schon 1690 angekauft worden war, gleichwie
auch schon 1691 der ,Jugendzehent" zu CUagensberg und 30 Buben in
den Besitz des Zisterzienserstiftes Sittich käuflich übergegangen waren,
nachdem also nichts mehr imstande war, unsern edlen 5reiherrn
weiterhin „an dem lust-- und fruchtreichen St. IDartiner Boden'* festzu=
halten, beschlot? er, seine ferneren Cage in einer anderen Gegend der
geliebten ])eimat und doch in dem ihm so sympathischen Unterkrain zu
verbringen. Gr wählte daher als buen retiro die rebenumkränzte Stadt
ßurkfeld in Unterkrain, wo einst der erste Ualvasor in Krain, Berr
Johann Baptist, Besitzer des Schlosses gewesen, die liebliche Stadt, an
dem red)ten Ufer der hier schon ziemlich breit dahinfliefKnden, damals
noch reichlich mit Schiffen besetzten Save. Knapp am Ufer des schönen
Stromes, mit dem reizvollen Hinblicke auf die am jenseitigen Ufer sich
breitenden CUeinberge der grünen Hlark von Steier, erwarb sich Ualvasor
"^ So zum Beispiel finden wir in einem Cestamente seiner Schwester maria Clara
vom 29. flprii 1679 die Bestimmung, demselben die Scbuldobligation „auf ain bunderdt
Gulden vnd 6 Cronen" nebst dem davon verfallenen Interesse gegen dem heraus-
zugeben, dal5 „der vielgeliebte Rerr Bruder" zu nutzen ihrer Seele 50 hl. messen
lesen lasse. — Archiv des k. k. Candes9erid)tes Caibach, Cestamente.
-2) 246 'S)
mit den beaux restes seines Uermögens im 5^ebruar 1693 käuflieb das
dem Ratsbürger 3akob Uodnik gebörige Raus,^22 i^^y^^ ^^^ Sieebenbaus
von ßurkfeld — eine Stiftung des im Uereine mit seiner nocb lebenden
ßemablin josefine Rotscbevar (Dame des Glisabetb-Ordens, Besitzerin des
goldenen Uerdienstkreuzes mit der Krone) um 6urkfeld wie um ganz
Krain unvergänglicb verdienten Rerrn martin l)otscbevar (Ritter des Gisernen
Kronenordens, durcb eine Reibe von 3abren Reicbsrats-- und Candtags=
abgeordneter aus Krain) — , voelcbes durcb üalvasor als Besitzer und als
Sterbebaus Ualvasors dauernde Bedeutung für die Reimat gewjonnen bat
und seit 1893 — dem 200. ßedenkjabre von Ualvasors l)inscbeiden —
durcb die IDunifizenz der eben genannten grotKU CUobltäterin und Patriotin
sovoie edelgesinnten lüitvoe 5^rau l)otscbevar mit Gedenktafeln an üalvasor
und IDartin l)otscbevar gescbmückt erscbeint. Das Baus batte 1609 Cukas
Kunez, gewesener Stadtricbter und l^andelsmann, erbauen lassen, wie nocb
beute im Corbogen zu lesen mit dem Beisatze: „6nad im 0ott, wes ists
gwesen und wes wirds nocb werden". In diesem pause, das nacb der
einen Seite auf einen grö(5eren Platz blicken lä(5t, wäbrend nacb der dem
Jlusse zugekebrten Seite scböne scbattige Bäume vorgepflanzt sind, ver--
lebte üalvasor seine letzten Cebenstage im traulieben Reim mit Cektüre^^s
der ibm verbliebenen Randbibliotbek und mit rnusik;^24 ^^^ ^j^ letzten
Cage seines so segensreicben Grdenwallens waren gezäblt.
Zwar batte er selbst scbon 16$7, damals erst 46 3abre alt, an den
Sekretär der „Royal Society" in Condon gescbrieben,^24 ^^[^ ^,. ji^^j^ ^j^|
mebr für die Reimat leisten würde, füblte er nicbt unverbofft die Kräfte
weicben; docb da(5 er scbon mit 52 jabren das Zeitlicbe segnen sollte,
das bätte wobl niemand geabnt, zum mindesten der flei()ige IDitarbeiter
am I)auptwerke Grasmus 5^rancisci, der nocb dessen „als eines activen
und arbeitsamen f)errn eisernen rnutb" bocbgepriesen und ibm, „seinem
gnädigen [)errn die fernere eiserne 6esundbeit gewünscbt".^^^ Gine zwar
nicbt quellenmä(3ig verbürgte Dotiz in einem Aufsätze von 5^r. X. Ricbter
gibt Podagra und Diarrböe als Codesursacbe an; vielleicbt aber ward
sein, wie in jenem obzitierten Briefe nacb Gngland üalvasor selbst ange=
deutet, bereits 1687 arg gescbwäcbt gewesener Körper von den im
Sommer 1693 beftig aufgetretenen epidemiscben Jiebererscbeinungen er--
griffen, deren letale Cüirkungen auf nicbt widerstandsfäbige Körper der
"^ Jlnton 3«lov§ck im „üodnikalbum" von Dr. €. R. Costa.
"'^ Siebe im Jlnbange das nacblabprotokoil.
®" Brief vom 7. 17. Dovember I6$7 im flrcbiv der Royal Society. — Siebe Jlnbang.
"^ Üalvasor, Gbre des f^erzogtums Krain, II. (VI.), p. 370.
-© 247 'S)
berühmte zeitgenössische Caibacher Bxzi max ßerbez in seinem trefflichen
CUerke „0hronologiae niedicae^^^^ konstatierte, und so der gröf^te Patriot
Krains in allzu frühen O^bi'^n dahingerafft.
Ualvasor starb, wie man annimmt, zu Gurkfeld am 19. September 1693,
was jedoch wegen Jlbganges der älteren Sterbematrikeln in der Pfarre
l)aselbach bei ßurkfeld, wohin diese Stadt bis zu der vor kurzem erfolgten
Errichtung der Pfarre ßurkfeld (auch ein Uüerk der Familie Rotschevar)
eingepfarrt gewesen, nicht mehr quellenmäf^ig zu belegen ist.
£ange bestand auch die 5^rage, wo Ualvasor zur Ruhe bestattet worden.
Da(3 er zu 0urkfeld gestorben und da(5 er in der Familiengruft zu
0allened< beigesetzt worden, beide diese Tatsachen stellt eine Jlufzeichnung
des zeitgenössischen Schriftstellers, des bekannten Chronisten Johann Gregor
Chalnitscher (Dolnicar) von Chalberg fest. Gr schreibt zum Damen Johann
lUeikhard Ualvasor in seiner „Bibliotheca Eabacensis publica Collegii
0arolini nobilium"^^^: „Jln.: demum 1693 Gurkfeldum, quo aeger aductus
fuerat, rebus humanis est ereptus ingenti bonorum luctu; fuit enim vir
animi candore suavissimo, et humanitatis pleno; habet tanti viri mortales
exuvias media, ^^^ natale solum, eruditae uero mentis immortale depositum
in tot historicis uoluminibus aeternum vigebit."
In diesen wenigen aber schwerwiegenden CUorten hat der geistvolle
literarische Kollege Ualvasors nicht nur dessen hervorragende Cugenden
und literarischen Uerdienste gepriesen, sondern auch die allgemeine Crauer
aller Guten ob des Dahinscheidens des den irdischen Geschäften entrissenen
sowie die beiden 5^akta des zu Gurkfeld erfolgten Codes Ualvasors und
der Bestattung auf dem Schlosse Galleneck der Dachwelt erhalten. ^^9
über die 5^amiliengruft in Galleneck schreibt unser 5^reiherr selbst,
nachdem er von der Grbauung der neben dem Schlosse stehenden Kapelle
durch seinen l)errn Uater Bartholomäus gesprochen, wie folgt:
„Jetzt berührte Kapelle beruhet meiner lieben seligen Gltern Gebeine,
wie auch etlicher meiner Brüder und Schwestern, dazu unterschiedliche Kinder
unseres Geschlechtes, darunter fünff meiner selbst eigen und leiblichen, wie
^" Bnnus Sccundus Cabaci ad annum 1603.
^" Kurz9efal3te dankenswerte Biographien berühmter und bekannter Krainer in der
Bibliothek des f. b. Seminars in Caibach.
^^® media, der slowenische Dame für ßalieneck.
"^ Auf diese Aufzeichnung machte mich in liebenswürdigster üJeise der f. b. Kanzlei-
direktor und Konsistorialrat Rochw. herr Uiktor Steska aufmerksam, noch ehe derselbe
die „Bibliotheca" Chalnitscl)ers selbst in den „Izvestja muzejskega druitva za Kranjsko"
publizierte.
-© 24$ 'S)
aud) meine vorige €blieb$te, die erst vor einem nabr^^** bineingelegt
worden, welcbe allda einer fröblicben Jluferstebung alda erwarten." ^^^
Ober dem Eingänge in die Kapelle erblickt man efeuumrankt, in
eine Hiscbe bineingestellt, die üolivstatue der unbefleckten Empfängnis
niariens, darunter die Cüappen: üalvasor und Rauber, dann die Inscbrift:
Jld majorem Dei 61oriam $$. Dei 6en (etricis) Ur (Uirginis) niariae
Patronae Suae Canquam üocatae Gt Saluti Invocantium Dedic. Sacellum
Boc 11. D. D. Bar(tbolomaeus) üalvasor in ßollneg cum Conjuge $ua
11. D. D. Jlnna Itlaria Data Ravberin Jlo. 1677.
Ebevor icb in die Kenntnis der Cbalnitscberscben Jlufzeicbnung kam,
trug icb micb scbon mit der auf einer Bemerkung l)acquets und auf einer
Jlufzeicbnung von Boff,^^^ da(5 man in einer kleinen Kapelle des Scblosses
Gallened{^^^ das Grabmal dieses berübmten IDannes sebe, fu(5enden Uer--
mutung, da(5 üalvasor in die Gruft in Galleneck zur Beisetzung gebracbt
worden sei.
leb wandte micb daber an den mir befreundet gewesenen Besitzer des
$d)losses, weiland l)errn Jllois Prascbniker, dessen grolle Pietät für üalvasor
sd)on an anderer Stelle gebübrend betont wurde, mit der Bitte, den $cblu(5=
stein, beziebungsweise Gingang zur Gruft freimacben zu lassen und mir
die Untersucbung derselben freundlicbst zu gestatten; diesem Jlnsucben
wurde seitens des l)errn Prascbniker in der liebenswürdigsten Cüeise wilN
fabrt und icb konnte im l)erbste 1894 in Gemeinscbaft mit unserem gemein--
samen 5^reunde, dem Berrn kaiserlicben Rate und üermögensverwalter
zu St. Stepban in Cüien 5^1orian Bostnig binabsteigen, um nacb den
irdiscben Überresten unseres edlen Jreiberrn und seiner JIngebörigen zu
forscben. Cüelcb erscbütternder Jlnblick bot sieb unserem Jlugel In einer
Hiscbe lagen aufgebäuft ganze Stö[5e vermoderter Sargbretter, auf dem
Boden zerstreut lagen, im l)umus balb vergraben, morscbe, bei der leisesten
Berübrung zu Staub zerfallende Gebeine, Stücke von Cotenscbädeln; aus
dem l)umus im Hintergründe förderten wir dann Celle von Gewändern
(Brokate), Spitzenreste (von der 3äud)e braun gefärbt), einen Gedäcbtnis=
Pfennig und eine grolle Jlnzabl (über 40 Paar) lederne Scbubsoblen von
gro(5 und klein, männern und brauen, Knaben und lHädcben zutage !^^*
"° 16$7.
"* Üalvasor, €brc des Herzogtums Krain, IIL (XL), p. 104.
"* Oryctograpbia Carnioliae 1764, IIL, p. 21.
"' Gemälde von Rrain, IIL Ceil (l$0$), p. 134.
"* Alles Gefundene u^urde dann in ein Bündel zusammengetan und darauf an
einem trockeneren Orte in der Gruft wieder hinterlegt.
'S) 249 -2)
nichts jedoch konnte auf ein Zugehör zur Ceiche Johann (üeikhard
Ualvasors schlief^en lassen, au(5er vielleicht die Sohlen von einem Paar
Reiterstiefeln, die vorne „in rundlicher Jlbstumpfung" ^^^ die 5^orni von
Soldatenstiefeln, wie sie wohl auch die krainisch-- landschaftliche ITliliz
getragen, erkennen lie(5en.
Diesem Zugehör für Johann CUeikhard üalvasor scheint aber zu voider--
sprechen die Jlnmerkung im Grwerbungsprotokoll des krainischen Eandes--
museums vom jähre \Z25,^^^ wo es ausdrücklich hei(5t: 1825 6. Dovember,
Seikota,^" Itlitglied, ingleichen 2 metallene 5u(5schnallen nebst einem derlei
Kreuzl und Jlblaf^pfcnnig, welche in der Gruft zu ßallenegg im Sarge des
verstorbenen Jreiherrn von üalvasor gefunden worden sind. Doch können
immerhin auch Reiterstiefel mit Schnallen am Rist versehen gewesen sein,
etwa auch als festhält für angeschnallte Sporen.
(Uie aber in der 0ruft heute weder mehr von einem Sarge noch von
Ceichenresten unseres 5^reiherrn auch nur die geringste Spur zu entded<en
war, so fehlt auch — und dies wohl lange schon — das von ßoff er=
wähnte Grabmal.
[Uährend sich an der Jlu(5enwand der Rapelle, links vom Eingänge in
eine Steinumrahmung eingelassen, ein Grabstein des 1650 am 10. Juni
verstorbenen Johann B. üalvasor ^^^ noch heute vorfindet, begegnet unser
Blick rechts in gleicher Situation einer gleichen Umrahmung, die aber nur
eine leere Cüand umgibt, in welcher freilich wohl einmal ein Grabstein
und wahrscheinlich der Johann ^eikhards eingelassen gewesen.
Cüann das [)inwegkommen dieses Grabmals und wann die üerwüstung
der Gruft stattgefunden, dies festzustellen ist wohl heute nicht leid)t
möglich, sowie es auch nicht sicherzustellen ist, ob die Rervorholung
der oben erwähnten, dem Candesmuseum dann zum Geschenke gemachten
Gegenstände aus dem Sarge unseres Ristoriographen aus der bereits ver--
wüsteten Gruft erfolgte oder ob blol5 (um l$25) der Sarg Johann CUeik=
hards geöffnet worden — dies alles mu(5, bis vielleicht der Zufall auf
eine bezügliche Jlufzeichnung führt, dahingestellt bleiben.
*
* *
In Caibach, wo die Dachricht von ualvasors Code die allseitig innigste
teilnähme erregt hatte, verfa(5te der dem 5^reiherrn aufrichtig ergebene
"^ CUcib, Kostümkundc (3/2), p. 019.
^^^ OriginalprotokoU Hr. 56.
^" Jllois Seikota.
^'^ einer der beiden Brüder Ualvasors, die den Damen Jobann gefübrt. Siebe
Stammbaum.
-Si) 250 '&
und befreundete, in JRbfassung von Gpitapbien besonders geüble 3obann
Gregor Cbalnitscber von Cbalberg nacbstebende Grabscbrift für ibn:
D. 0.
loannj Cüaicbard Ualvasorio
Cabaco Oriundo
Inclyti Ducatus 0arnioliae
Cosrnograpbo
Kegiae Societatis Jlngliae Jlcadeniico
Jlntiquitatum Studio Dulli Secundo
Qui
Domestica IDusis
Jlniica Pietati
Bellica Citteris
Jidiunxerat
Ob
Undique Strenue ßesta
5^acundum Roc Jid Posteros
monunientum
$. P. Q. L
Poni curavit
III Id. Decernb. MDCXCIII
Ob dieses Gpitapb einen Grabstein geziert oder ob es nur Entwurf
geblieben? voer mag dies beute entscbeiden? Davon ist bis auf diese Zeilen
keine weitere Spur vorbanden; aucb fällt es auf, da(5 diese ßrabscbrift
au(5er der JIngabe des Geburtsortes Caibacb keine Daten darüber entbält,
voann und wo Ualvasor gestorben und wo er begraben worden, üielleicbt
war das Gpitapb nur für den Katafalk einer Crauerfeier bestimmt, aber
aucb darüber, ob eine solcbe stattgefunden, feblt jedwede Jlndeutung oder
Jlufzeicbnung.
* *
Ucrld$$en$cDaft.
Zur Hufnabnie der Uerlassenscbaft in Gurkfeld waren von der Candes=
Obrigkeit, der krainiscben Candscbaft, abgeordnet: Kaspar Cunkelsteiner,
Stadtpfarrer in Gurkfeld, Corenz CUogatbey, Pfarrer zu Jlrcb, Cüolfgang
'& 251 'S)
Busetb als ex offo adjungierter Inventurskommissarius und 0. ^rid.neapolitan
als Koitimissionsscbreiber; die Inventur wurde am 16. Jänner 1694 beendet
und unter diesem Datum das 31 Blätter Jolio umfassende Inventarium der
Candesobrigkeit vorgelegt.^^g
Diese Inventur zeigt uns, da(5 üalvasor bei weitem nicbt in der Hrmut
dabingescbieden, als bisber angenommen worden, wobei freilieb zu bedenken,
da(5 immerbin der gewaltige ünterscbied zwiscben der Cage des einstigen
mäcbtigen Scblof^berrn von CUagensberg und der partes andnexae ver--
glicben mit der Cage des einfacben Bausbesitzers in der Stadt ßurkfeld
im allgemeinen die Cradition von der vollkommenen Uerarmung zum min--
desten von den äuf^erst dürftigen üerbältnissen unseres edlen 5reiberrn
erzeugen muffte.
In dem Inventar wird als nacbgelassener Besitz an erster Stelle als
„liegendes Grundstück" angefübrt: „Gin Baus allda zu ßurkfeldt mit=
sambt dem zuegebörigen 6arten so pro acbt bundert Gulden Craineriscber
UJebrung^**^ von dem Berrn 3acob Uodnikb erkaufft, dabey ein neues
0ebäu aufgefübrt worden"; man siebt, üalvasor batte in der kurzen
Zeit zwiscben dem JRnkauf des Bauses (im 5^ebruar 1693) bis zu seinem
Code (September 1693) nocb einen Heubau bei diesem JFInwesen auf--
fübren lassen.
J!n barem Beide fand die Kommission 650 „0allierte ßuldlner'* macbt
575 fl. 45 kr., item gute ßuldiner acbt = $ fl. und eine sebr bescbnittene
spaniscbe Cronen. Uon diesem Bargeld bracbte die Kommission sofort
$0 fl. als Inventurskosten in Abzug.
Hiebt unbeträcbtlicb ist das vorgefundene Silbergescbmeide, das zumeist
aus Silber--Cafelservice bestand; au(5erdem ist eine vergoldete Cascbenubr
mit zwei Zeigern, auf beiden Seiten mit 01as vermacbt, verzeicbnet.
Die „brieflieben Urkunden" weisen 3$ Dummem und geben vielseitig
interessante Jlufscblüsse über die WJirtscbaftsverbältnisse im üalvasorscben
Bause, über aufgenommene Darleben, über Käufe und Uerkäufe usw.,
sebr zu bedauern ist der üerlust derjenigen „Briefe", die seine unter=
scbiedlicben Kekommandationen betrafen, als er sieb in fremden Cändern
befunden, seine Korrespondenz mit Grasmus 5^rancisci, „die Uerrättung
(üerrecbnung) der Gndterscben Grben Bucbfürerey", die uns das Bild der
Druckkosten der „Gbre Krains" bätte bieten können, u. a. m.
"' Candcsgcricbt in Caibacb, Invcntaria U 1-17, Pars I, U 1-17 (Hr. 7). Siebe
flnbang.
^^^ macbte nacb Karner von Hamburgs ümrecbnungstabelle 675 fl. Ceut$cl)e Uläbrung.
-sy 252 ^
Bn Büchern, Bildern und Spiegeln sowie an niatbematiscben und
anderen Kunstinstrumenten (niusikinstrunienten) fand sieb eine Verhältnis^
niäf^ig noch ansehnliche Zahl vor, so auch an Kleidungsstücken, Rüstung
und Gewehr, unter letzteren beiden Rubriken auch noch eine gelbe Cand--
schaftsfahne, das l)auptniannsportepee mit goldenen und rotseidenen 5^ransen
und die viermal mit silbernen und rotseidenen fransen verbrämte Schärpe,
wie sie der Uiertelhauptmann Ualvasor getragen und bis an sein Cebens--
ende bewahrt hat, sowie auch Küra(5 und Raskett, mehrere Pallasche, ein
ungarischer Cschakanj und die Pistolen, die ihn auf seinen „Parteigängen"
und auf dem Rriegszug 1683 begleitet hatten; 5^rauenkleider, Bettgewand,
unterschiedlicher I^ausrat, Silber-, Zinn-, Kupfer-- und Gisengeschirr, „so
die 5rau Cüittib vorgewiesen'*, bilden den Schluf^ dieses Inventars.
Jlu(5erdem liegen noch zwei Inventare^" vor. Das eine wurde von
3ohann Corenz Paradeiser, 5^reiherr und Hauptmann (anstatt des am Gr--
scheinen verhinderten Baron von Cüernegk), und von Johann Jlndrä ßandin
(anstatt des gleichfalls nicht anwesenden Reinrich Julius Jlpfaltrer, 5^rei--
herr) als erbetenen Inventurskommissarien zu lüagensberg, 13. Jänner 1693
(also tags vor der Jlufnahme in 0urkfeld) aufgenommen, da sich auf
Schloff Cüagensberg noch Bücher und mathematische Instrumente, Bilder
und „Rolzwerk" befanden, die zum Eigentum des Uerblichenen gehörten.
Das andere dieser noch weiteren Inventare wurde aber erst im
Jahre 1700 im pause zu Caibach (26. und 27. IDärz) von den Rommi$=
sären Dr. Jlnton Ceopold 0oppini und j. ü. Dr. Georg Raspar Sagar als
in Sachen bevollmächtigten Romnnssarien aufgenommen und die von der
Rans Josef Graffenwegerischen üerlassenschaft separierte üerlassenschaft
Johann ÜJeikhard ^reiherrn von Ualvasorsche darstellte, die jedoch nur
ganz wenige Stücke, namentlich briefliche Urkunden, umfa(5te.
541
Siebe Jlnbang.
Denkmäler für Paluasor.
fnregungen zur Grricbtung eines Denkmales für 3obann CUeik=
bard Jreiberrn von Ualvasor wurden im Caufe der Zeit niebrere
laut, die frübeste Stimme in diesem Sinne erbob der ibm kon=
geniale 5^orscber und ßelebrte Belsazar Racquet, welcber in
seiner „Oryctograpbia Carnioliae" 1784^*2 ^\^q scbreibt: „Um wieder zu
den üerdiensten des unermüdeten Ualvasor zu kommen, wünscbte icb
einmal die Grlaubnis zu baben, ibm ein kleines Denkmal nacb meinen
Kräften erricbten zu können, um docb einzelne Hlitglieder des £andes zu
erinnern, dat5 bier die Gebeine des krainiscben ßerodot liegen.
Dieser (Uunscb Bacquets ging ein jabrbundert später in €rfüllung,
als in dem durcb den Besitzer l)errn Jllois Prascbniker neubegründeten
Bade 0allened<, unweit S(blo(5 0alleneck, zu Gbren Ualvasors in scböner
Pietät für den grol5en Patrioten ein Hlarmor-- Obelisk zur JTufstellung
gelangte, der folgende Inscbrift trägt: Dem | edelsten | krainiscben | Patrioten |
Berrn | Jobann | CUeikbardt | Ualvasor | 5^reyberrn | zu ßallenegg etc. etc. |
anlä(3licb der | Eröffnung dieses Bades | im Jm] 1$77 | zum ebrenden
Jlndenken | gewidmet von | Jllois Prascbniker |; auf den beiden anderen
Seiten sind die vom 5^reiberrn in seiner „€bre Krains" I. (IL), Kapitel 7,
und I. (IL), Kapitel 14, der Beilquelle des scbon in seinen tagen bekannten
und gerübmten, freilieb zur Zeit nur böcbst primitiven Bades gewidmeten
Gmpfeblungsworte eingemeif^elt. Den von Obrfandl in Klagenfurt sebr
scbön ausgefübrten Obelisk bat Berr 5ranz Prascbniker seinem Uater,
Berrn Jllois Prascbniker, zum Gescbenke gemacbt, sowie der Uerebrung
des letzteren für unsern Ireiberrn, der Scbwiegersobn des Berrn Jllois
Prascbniker, Berr 3- Kecel in Stein, seiner Uerebrung gleicbfalls Jlusdruck
gebend, für das „Ualvasorzimmer" auf $cblo(5 ßalleneck das Porträt
unseres Bistoriograpben durcb die ITleisterband des beimatlicben Künstlers
Berrn kaiserlicben Kates und Professors 5^ranke in Caibacb in einem grollen
Ölbilde nacb dem Bilde ßreyscbers in der „€bre Krains" ausfübren lie(5.
542
Leipzig, Band III, p. 21 — bei Besprechung seines Besuches in 0allened<.
-ö 254 '&
Der marmorgedenktafel am Sterbebause Ualvasors in ßurkfeld, gewidmet
von 5rau josefine y)otscbevar, wurde bereits in dem vorbergebenden Abteil
gedacbt.
Gin grol^es, des gro(5en Patrioten würdig gedacbtes Denkmal für dessen
6eburtsstadt Caibacb, bescblo(5 die bobe k. k. Regierung, beziebungsweise
das bobe k. k. Kultus- und Unterricbtsministerium , 1894, als Seine Gx-
zellenz, der nacbberige Rerr Sektionscbef im Hlinisterium des Innern,
Seiner k. u. k. apostoliscben niajestät CUirklicber gebeimer Rat üiktor Baron
l)ein der Regierung in Krain als £andesprä$ident vorgestanden, erricbten
zu lassen.
mit dem betreffenden Kunstauftrage wurde der beimatlicbe Künstler
Berr Jllois 6angl betraut, der vorerst ein Rilfsmodell in ein Uiertel der
natürlicben 0rö(5e zu liefern batte, das dann aucb die Billigung der kom--
petenten Kreise fand. Dacbdem man von der Jlusfübrung des Denkmals
in marmor, wie ursprünglicb beabsicbtigt war, Jlbgang genommen batte,
wurde die Jlusfübrung in Bronzegu(5 bescblossen (1$97) und nacb einigen
5^äbrlicbkeiten (CUabl des Jlteliers für die l)erstellung des ßuf^modells in
überleben$grö(5e, dann kurz vor Uollendung des niodells in Cüien das
Unglück der Coslösung einer Stütze und des infolgedessen stattgebabten
Ginsturzes des bereits ßescbaffenen) erfolgte der 0u(5 in tadelloser (Heise
in der k. k. Kunsterzgie(Krei, einer Filiale der Berndorfer lUetallwarenfabrik
von Jlrtbur Krupp.
Dacbdem die Platzfrage entscbieden war, wurde das Denkmal, das
unsern 5^reiberrn balb als Krieger, balb als Kavalier im Staatskleide dar=
stellt, — den Krieger deutet nur der Küra(5 und der Degen an, wäbrend
die übrige Cracbt die allgemeine Kavalierstracbt der zweiten Rälfte des
17. 3abrbunderts repräsentiert — auf dem üorplatze des IDuseums Rudol--
finum 1903 entbüllt.
Die vom Künstler nacb seinem besten Können in ÜberlebensgröfK aus--
gefübrte Gestalt Ualvasors mi(5t 3 '4 IDeter und erscheint auf einem 0ranit--
postament von 4 '2 IDeter I)öbe, das nur das einzige Cüort „Ualvasor"
in Bronzebucbstaben aufweist, aufgestellt. Diese Jlufscbrift wurde von der
biesigen k. u. k. Rof-ßlockengief^erei und Bronzewarenfabrik Samassa in ge-
wohnt ladellosem Gusse ausgeführt und wirkt in ihrer vornehm einfachen
Erscheinung in der Cat monumental.
Die Kosten des Denkmals beliefen sich in allem auf 31.000 Kronen,
wozu der Staat die Summe von 24.000 Kronen votierte, die restierenden
7000 Kronen wurden von Seiten der Krainischen Sparkasse, die aucb hier,
wie immer, wieder fördernd eingriff, von der Stadtgemeinde Caibach und
^ 255 '2)
von einigen privaten Uerebrern Ualvasors, vom ßerrn ^Fabrikanten Jlndreas
ßassner in HeuTnarktl und der mebrgenannten 5^rau josefine Botscbevar
in Gurkfeld aufgebracbt.
Denkmäler in modernem touristiscben Sinne wurden unserm 5^reiberrn in
der Benennung einer Scbutzbütte auf dem Stol in Oberkrain als „Ualvasor-
bütte", in der Bezeicbnung Ualvasorwand in der St. Kanziangrotte bei Criest
gewidmet, wäbrend die Stadt Caibacb den scbönen Platz vor der altebr--
würdigen Kircbe des boben Deutseben Ritterordens als „üalvasorplatz"
bezeicbnete, nacbdem der vorber kurze Zeit so benannt gewesene Platz
angesicbts des nacb dem Grdbeben von 1895 demolierten ebemaligen
Cyzealgebäudes auf den Hamen des sloweniscben Dicbters und gleicbfalls
Historikers üoduik umgetauft worden ist.
Und um ein Denkmal nicbt zu vergessen, wobl eines der scbönsten,
das unserm edlen 5reiberrn auf literariscbem Gebiete erricbtet worden, ist
das Denkmal, das ibm, dem ßocbverdienten, ein nicbt minder ßocbverdienter
auf dem 5^elde der beimatlicben Gescbicbtsforscbung und Gescbicbtsscbreibung,
das ibm Jlugust Dimitz, der leider allzufrüb aus unserer IDitte Entrissene,
in seinem gleicbfalls monumentalen CUerke „Gescbicbte Krains"^*^ erricbtet
bat, in welcber der geistvolle Uerfasser eine eigene Jlbteilung, die Scbil--
derung der Zeitepocbe des CUirkens und Scbaffens Ualvasors mit dessen
Hamen benannt bat — ein berrlicb Denkmal für die spätesten Gescblecbter! —
mit der überscbrift: „Ualvasors Kulturepocbe in Krain."
5" ßescbicbte Krains von Jlugust Dimitz, IV. Band, Seite 35 ff. — Caibad) 1$76,
Drud< und üerlag von lg. v. Kleinmayr $( Jed. Bamberg.
Einhang*
*
s-
O Q Q
«1.
c:
V. Radics, Ualvnsor 17
Bus dem üestamente des ?ohann Baptist Ualuasor
1581.*
Hacb dem in der Übung der Zeit gelegenen frommen Gingange, mit
der Jlnrufung der heiligen Dreifaltigkeit und der Betrachtung über die
Hinfälligkeit des Cebens und einigen persönliche Uerhältnisse betreffenden
Bemerkungen, so daf^ er von Ougend auf durch emsigen 5^1ei(5, harte JTrbeit
und mannigfache Gefahr sich ein üermögen zusammengebracht, erspart,
gewonnen und zum wenigsten Ceil ererbt, verordnet er seinen letzten ^
Cüillen in 16 Punkten. Punkt 1: die Beisetzung seines Ceichnams an der *
Seite seiner vor ihm verstorbenen ersten Jrau Gmerenzia, geb. Khislin, ^
in dem Spital zu Cüffer. Punkt 2: seiner ältesten Schwester Surmonika
in Unser Cieben Brauen-Kloster zu €lison in Bergamasco 1000 venedische
Dukaten zu 6 Pfund und 4 Schilling. Punkt 3: den fünf Söhnen seiner '^
Schwester Katharina ITloscon, seinen „üettern" Joannes Jllexander, Innozenz, 5
Peter, michael und IDarx JInton Gebrüdern FHoscon seine väterliche Grb-- |
Schaft zu Celegat (in Bergamasco) samt dem, was er selbst „dazu ge^ ,
bessert und erkauft". Punkt 4: seinen Uetter Innozenz, den er von 3u9^"d J
auferzogen und bestens hat lernen lassen, dem er auch die zwei l)err-- |
Schäften Cüffer und ßonobitz etliche 3ahre lang ohne einige Raitung (Jlb-- ^
rechnung) überlassen und der sich dann gerühmt, er bedürfe seines (des
Oheims) „Guts und Jlrmuthey'' nicht, schliefet er von weiterer Erbschaft
aus. Punkts: dem Alexander ITloscon, dem ältesten der Brüder, vermacht
er von allen Gütern in diesen Canden und in Bergamasco und auch von
dem Geld, das zu üenedig bei dem Rerrn nioffetten liegt, 10.000 fl. rh.,
jeden Gulden zu 60 kr. gerechnet, und auch in der Stadt Pettau den Raus--
garten und die CUiese. Punkt 6: die Herrschaft Churn am Hart mitsamt
dem Pfandstück Cüffer und auch den Sitz und 5^esten Sperkenthurn in
Bergamasco, die Summa Gelds zu üenedig bei Herrn nioffetten, bares
Geld zu Churn am Hart, ungefähr 10.000 fl. rh., verbriefte und unver-
briefte Schulden, Silbergeschmeid, Kleinodien und nichts ausgenommen,
* Candcsarcbiv in 0raz.
17*
'& 200 'S)
den drei Uettern: Peter, lllicbael und IHarx Hnton IHoscon Gebrüdern,
sollten Peter und IHicbael nicbt im Cande bleiben wollen, solle sie Illarx
Jlnton i]ebübrlicb abfertiijen. Punkt?: „aus sonder bewegens und erbeb-
licben Ursacben, die zu erzälen unnotb sein und aus guten lüillen dem
marx Jinton 10.000 fl., dem micbael 5000 fl. rb. zu CO kr. gerecbnet."
Punkt $: „wie wol icb meiner Scbwester Glisabetb sei. gelassenen Gnkel
Simon Skaromuzen und seinem üetter bis dato 2000 fl. rb. und mebr
als icb zu tbun scbuldig gewesen wäre, geben und aber alles übel an--
gelegt babe, nicbts weniger scbaffe ibme aus freien willen und gar kein
ßerecbtigkeit (Recbt) 500 venediscbe Dukaten zu 6 Pfundt und 4 Scbilling,
damit soll er durcb meine drey Uettern gegen einen genügsamen verzicbt
völlig abgefertigt sein und mag sieb daran überflüssig genügen lassen."
Punkt 9: verscbafft er seiner 5^rau IDutter sei. Bruders Cnkel, namens
Scbout niuscbkon, „wegen vilfältiger zueinander erwiesener freundscbaft
500 venediscbe Ducaten zu 6 Pfundt und 4 Scbilling, die ibm mit ersten
bezalt werden sollen". Punkt 10: scbafft er des Cngelin 5^ranz Cöcbtern
als seiner 5rau llhitter Scbwester Gnkelkindern, „wann die Gbrlicb, Cbristlicb
und ebelicb verbeiratb werden, zu ibren bocbzeitlicben Freuden einer jeden
100 Kronen in 6old". Punkt 11 (entbält die Bestimmungen für den 6ro(5-
vater unseres Jobann (Jüeikbard und lautet wie folgt):
„Zum Giften: Hacbdem Jeronimo üavasor gleicbwol meines Hamens
und aber in der Blutfreundscbaft mir gar nicbts verwand nocb befreind
ist, um da(5 Gr aber bey mir etlicbe 3abr lang treulieb vnd fleysig ge-
dient und mir bievor in etlicben meinen von 0ott gescbickten Ceibs Scbwa--
beiten und anietzo Gmbsig und mit besten Jleif^ au(5gewart und meiner
gepflegt bat, wie ers dann nocb tbun soll vnd wird, derobalb und
sunderlicb, da(5 mein Damen der Uavasorn in die(K ibrer fürl. Durcbl. etc.
Erblanden erbalten werde, so scbafe icb ibme und seinen Grben aus
freyen woblbedacbten IDuetb, aucb bey guter Uernunft und Sinnen die
besten 0ollnegkb an der llluday gelegen mit samt allen Uorratb, 5^abr-
nul5, üieb und anderes so jezt dabey ist, nicbts davon ausgenobmen
und aucb die Rerberstaneriscbe 6ült mit samt derselbigen zugebörigen
frey eigentbumlicben und bekannten ßütern, wie icb die an niicb erkauft
babe. lllindert nocb nicbts ausgenobmen in bernacbfolgenden Bescbeiden--
beit nemlicb, da() 6r sieb im land oder auf^er des tandts verbeiratben
möge und docb im I^and wobne, da es sieb aucb nacb dem Cüillen Gottes
begab, wie icb den zu 0ott verboffe, daf^ Gr ebelicbe l^ibs Erben ITianns--
stamnien bekomme, so sollen ibme obgedacbte meine 3 Uöttern Peter,
IHicbael und IHarx Jlnion nocb zeben Tausend öulden rb. Baar geld
'S) 261 ^
ausricbten und erlegen, damit soll Gr und seine Crben mit vermachen,
versebaffen und in ander (Ueeg zu tbun und zu bandeln als mit andern
ibren frey eigenen güttern 5^ug, Recbt und niacbt baben obne meiner Grben
und menniglicbs Irrung, l)indernu(5 und UJidersprecben. meine Grben sollen
ibme aucb die Hauff und Cebensbrief darüber lautend unvermölligt aucb
treulieb und ungefäbrlicb, was derzu gebort, einbändigen und zustellen."
Punkt 12 betrifft die Spitalsbesserung in Cüffer. Seine Uettern Peter,
micbael und marx Jlnton sollen ibm und seiner daselbst bereits bestatteten
ersten 0emablin ein „ebrlicb €pitapbium aufrichten lassen". Dann beit5t
es weiter: „und weil dann bey solchem Spitall der armen Cent so gar
wenig eingenomben vnd unterhalten auch die verstifften Spitalgüter mehres
tbeils zu dem Priester (die sich nunmahlen Spitalmeister zu nennen
schämen) eigenen nutznief^en und ergerlich verschwendt werden, darob
sich viel Ceute ärgern und nicht viel in dergleichen Spital stiften wollen",
was er sich zu Rerzen geführt; „auf da(5 aber nun hinfüran vmb so vil
mehr prestbafftige vnd zu disem Jllmosen würdige Spitaler angenomben
und erhalten werden mögen", verordnet er zu solchem Spital „sein vier
frei eigene und bekannte Buben und Untertbanen zu £aak bei Ratschach
und ihre Bubdiensten sammt allem und jeden derselben gerechtigkeiten
an und zugehörungen zu bauf^ und feld nichts ausgenomben vnd insonder-
heit 200 Pfundt Berrengülts". Punkt 13: „schaffe in das Burgerspital zu
ßurkfeld zweihundert ßulden rheinisch, dieselben sollen Sye (die Uettern)
dem Spital und armen Ceuten zu Guten auf einliegend Stuck anlegen, ich
will und ermahne auch, dieselben gestifften ßüter nit miprauchen, sondern
mehr arme Ceuth und mit besserer Jluswartung einnehmen und unter-
halten, auf da(5 man christliche Ursach habe, dergleichen Jllmosen und
Spital zu stiften." Punkt 14 bestimmt seinen drei „mabmen" 0assandra,
Ginita und Glisabetb leiblichen Schwestern (der Brüder nioscon), obschon
er ihnen „zur Ginrichtung ihrer ehelichen Bauswirtschaft" mehr als er
schuldig gewesen, in barem 6elde dargeben, daran sie sich auch ganz
wohl begnügen möchten, nichtsdestoweniger einer jeden 100 Kronen in
Gold, die ihnen die drei Brüder entrichten werden. Punkt 15 erklärt, „wie
wol des Hamens der Uavasoren allenthalben in Uüälschland viel seynd",
aber keine ihm in der üerwandtschaft so nahe, da(3 sie vor den von ibm
eingesetzten Grben ein Uorrecht oder irgend einen Anspruch hätten, nichts--
destoweniger schaffe er aus „freiem und gutem lüillen und gar keiner
Gerechtigkeit (Recht)", „allein denen so in 51ökben Celegat", allda er
geboren, wohnhaft seien, zu freier 0ab „200 üenediscbe ducaten zu
6 Pfundt und 4 Schilling", die ihnen durch die drei Uettern bar erlegt
'S) 262 'S)
werden und die zwischen einander teilen sollen. Punkt 16 lautet: „Zum
Sechzehnten und Cetzten. nachdem mir meine armen Unterthanen bey
allen dreyen [)errschaften am ßetreid, auch Zin() und Steuer einen an--
sehnlichen Rest zu thun schuldig sein, denselben will ich ihnen um Gottes
cUillen völlig nachgelassen und geschenkt haben", „den andern Unter--
thanen aber, die mir nichts schuldig sein, will ich jedem des Jahrs nach
meinem Jlbgang halben Cheil seines Rubzinf) Gelds nachgelassen und ge--
schenkt haben". — Dieses Cestament datiert: Churn am l)art, 2. August 15$1,
und erscheint gesiegelt und gefertigt von Johann Baptista üalväsor, dann
von den erbetenen Zeugen: Christoph Freiherr zu Jluersperg, lUilhelm
von Camberg, Rerr zu Savenstein, !?ranz von Scheyer (von Cillia), Diclas
von Banhaimb (Bonomo) zu lüolfsbühel, üicedom in 0rain, und Caspar
Ilkuritsch zu nia[^burg, f. D. Candrath in Crain (die beiden noch erbeten
gewesenen Zeugen: Jranz ßall von Gallenstein und zum Cueg, Inhaber
der Rauptmannschaft Rain, und Christoph Räz, Inhaber der I)errschaft l)ör--
berg, waren zur Unterfertigung nicht erschienen).
Supplik der Frau Anna Illaria Paluasorin und
ihrer Sdiwester geb* Freiinnen von Rauber an
Seine Illajestat und deren Erledigung 1639»
Jillerdurcbleicbtigister, ßrof^iTiecbtigister vnd vnüberwindlicbister
Rötniscber Kbayser.
Jlllergnädigster Rerr vnd Candtsfürst. Regina Dorotbea Kaspin und
Hnna maria Ualvasorin voeillendt Georgen Raubers nacbgelassenen Gbe--
leiblicbe Cöcbter baben bey €. Kbayttllay: wider einem zwiscben Ibrer
IDuetter Dorotbea und 3obann Gkbinger Rboo als respective notbgerbabin
vnd verordneten Curatori dann weilandt f)ann(5 Iriedricben Rauber, an
$t. jigidytag des 1619 3^^^ aufgericbten, durcb das Scbranengericbt in
Crain, Confirmierten üertrag 0opialiter sub J\. biebey mit ibren sub Hr. 1
beygescblossenen Suppliciern, aus nacbvolgenden Ursacben, vnd ratione
enormissimae laesionis restitutionem in integrum allergebors. gesuecbt vnd
gebetten, vorwendent, daf^ durcb angezogenen Uertrag, Inen anstatt der
abgeledigten vnd von l^ans 5^ridricben Rauber Iren gegentbaill selbst
gestandenen in dem vilerbalten üertrag specifice eingefierte der $97$ fh
40 kr. scbuldige Summa, neben ainliff Oarigen genu(5 vnd ßerbabscbaffts
praetension mebrers nit allein 220 fl. 20 kr. zuegeaignet worden, welcbe
220 fl. 20 kr. bernacber zwiscben ibnen Raubern und obberuerte ibre
6erbabin vnd Curator getroffener abraittung verscbwunden, vnd die $up--
plicantin mebrgedacbten l)an(5 5riedricben Rauber 2519 fl. 1$ kr. scbuldig
verblieben, da Ibnen docb wegen des abgenombnen genu(5, entrattung vnd
Interesse vermög der sub 0 beygelegten specification vber m/50 fl. gebürtb
betten vnd dise sey die Ursacb, warumben erst post mortem patris l)ann(5
5^riedricb Rauber sieb zu weillant Jldamen Raubers verlassenscbaft für
einen Grben erklärt vnd wegen der Cambergeriscben scbuldt der 3500 fl.,
die man in anderweeg salva substantia bonorum woll zallen kbonnen,
disen vertrag zu seinem sin gericbtet babe, zu deme weren Ibnen nit
allein die obeingefierte m/50 fl. verscbwunden, sondern aucb weinegg*
Sd)lol3 lüeineck in Uiiterkrain.
-g) 264 '&
entzogen vnd niebrcjemelt \)änn\i yriedricb Rauber ibnen zum ßerbab
verordnet worden, Bitten derentwegen, weillen die laesio manifestissima
niebrbenanter Rauber propter titulum affectatum suspect, daneben seine
Kbinder beraicbt vnd Sie Supplicantinnen am Betlstab kbomben, $ye für
alle Ibre praetensiones nicbts empfangen, ibnen bey dem abgestorbnen
curatore ordinarium remedium abgengig vnd $ye dise restitution infra
tcmpora legitima 1. fin. (de tempore in integ. restitu) angesuecbt, Guer
Kbay: Hlay: gerubeten $ye wider den obberuerten Contract allergnädigist
zu restituiren; die vnd andere mebr ad consequendam restitutionem wider
den angezogenen decreto judicis approbirten Contract von denen Sup--
plicantinen eingewente vnerböblicbe motiva tbuet das Scbranengericbt in
Crain auf vorgebunde gegentbailliscbe vernembung, mit nacbvolgenden
rationibus refutiern, da() der in dem 1610 jar zwiscben der Supplicantinen
IHuetter und Hotbgerbabin vnd dero Kuratoren l)ann(5 Gckbinger Rboo,
dann der Beclagten üättern I)ann[5 Jriedricben Rauber aufgericbte vnd
propter enormissimam laesionem in obeingefierter restitutionsscbrifft an-
gefochtene Uertrag cum consensu judicii durch ansebenlicbe, vernünfftige
Comissarios tractiert, darinnen Georgen Raubers, als der Supplicantinen
üatters bey CUeinegkb gehabte praetensiones vleissig vnd specifice exami-
niert, verglichen vnd auf des Schrannengerichts ratification remittiert, vnd
von demselben, als ein denen Rauberischen Pupillen nuzliches werkh
cum causae cognitione, approbiert, auch von den 1619 3ar bi[5 auf das
abgewichne 163$ 3ar darbey vnverbrichig gelassen worden €t cum lites
transactionibus finitae, ne quidem imperiali rescripto resuscitandae sint, die
allegierte enormissima laesio aus dem vber beede guetter allegierte be=
standt anschlag vnd die auf 900 fl. aut^geworfne 3ärliche ertragnus, da--
runiben nit zu finden, da[) der halbe thaill des genus crafft aufgerichten
Chaill libell, der Beclagten Öhn Ildamen vnd consequenter Iren Uattern
gebiirt vnd destwegen die Rauberische Cöchter nit auf die 16500 fl.,
sondern allein auf die halben theill des Bestandt anschlags mit 4950 fl.
von den Jlinliff 3arn die Raittung machen muessen, dauon auch die vndter--
haltung ihres üatters in pupillari statu abzuziehen, das vbrige als lang
obbemelter Georg Rauber in possessione weinegkh gewesen, nit zu raithen
ist, über dises die beschaffenheit des Georg Rauberischen Uerlat5, inmassen
nach Ime allein 40 kr. gefunden worden, wegen der Cambergerischen
Gerhabschaft Raittung vnd anderer Kreditoren, in ainem solchen standt
gewesen, daf^ die Doibgerhabin vnd Kurator, das bey weinegkh, wegen
der Rauberischen praetension vnd an sich abgeledigter schuldtbrieff habende
Pfand! Jus angreiften, vnd denen Rauberischen periclitirunden guetter in
'S) 265 'S)
ventianglung ander mitl, cum consensu iuditij zu bilff kbomben muessen,
dat5 mebrgedacbter ßeorg Rauber bey Cüeinegkb kbein aigentbumb bat
praetendieren kbönen, sondern JRdaniben Raubers Grben befuegt gewesen,
gegen ablegung seiner anspracb, Ibnie vnd seine Grben, wie bescbecben,
abzufertigen, die Cöcbter bey demselben als einem manstämblicben lebengut
(„Cecbenguetb") kbein 2^^ derzeit praetendieren kbönen, die von denen
vermainten persuasionibus und circumventionibus, aucb weiblicber scbwacb-
beit bergenombene vermuetungen nit probiert, sondern blo(5 wörtlicb vor--
getragen worden, aucb kbeine laesion beybringen, ja propter integritatem
der Berrn 0ommis$arien das gegenspill, da(5 alles ebelicb, ebrlicb, recbt
vnd rödlicb zuegangen, zu praesumiren, die solang gestandtne vnd guet=
willig nacbgesebne gerbabscbafftsraitung bey verlobmen vnd cassierten
Scbrifften derogleicben importanz nit sey, dal5 Sie Commissiones, causae
cognitiones vnd transactiones aucb gericbtlicbe ratificationes aufbeben sollten,
die tempora restitutionis allberaitb vberflüssig verstrieben, aucb nit billicb,
dat^ die pacta Conuenta und transactiones, aucb von iedermeniglicb auctoribus
judicy cum decreti interpositio et confirmatio omnem dolum excludet,
beuorab weillen man nit von Stegreiff aus, sondern wie der aus dem
Protbocoll sub B. gezogne eingefierte extract selbst ausweist, fein langsamb
darmit vmbgangen vnd offt vnd vilmals destbalben vors geriebt kbomben,
verscbimpfft worden, J\u\^ wellicben vrsacben mebrwollgedacbtes Scbranen--
gericbt in £rain mit ibren in sacben abgeforderten rätblicben voto dabin
scbliesset, dat^ die Supplicantinen, welcbe Tro 5^rau Dluetter 12016 fl. zu
Ibrer abfertigung tacendo zieben lassen vnd Iren 3uri, wann $y ainiges
gebabt betten, guetwillig renunciert von der angesucbten restitution ab--
gewisen werden möcbten, vnd weillen sowol aus denen actis, als l)errn
Candtsuerweser vnd Scbrannengericbt in Crain, in sacben eingewendten
beriebt, vnd motiuis, ainicbe angezogne laesion Probiert, der angefocbten
Contract bono ordine aufgericbt, billicbermassen ä competente 3udice ap--
probiert, vnd ratificiert worden, et cum nullus esset litium finis si a
transactionibus bona fide interposibi facile discederetur J\ho wollen CUür
vns mit dem obuerstandenen Rätblicben uoto consimiliter vergleicben vnd
zur abweisung allergeb. geratben baben; dises iedocb obne wenigister
ma(5fürscbreibung Guer Rbay: lUay: sieb Regierung in allervndtrtbenigkbeit
empfelcbendt, 6räz den 9 3uny Jio. 1639.
(Rubrum:) Decret das Regina Dorotbea Raspin vnd Jlnna Illaria
Ualuasorin weill. Georgen Raubers nacbgelassene Gbelaiblicbe Cöcbter contra
weil. [)ans ^riedricben Rauber Grben vnd Pupillen dabin restituirt worden,
das $y die anziebende laesion Recbtlicb Ciagen vnd docieren mögen.
C
'S) 266 'S
Die I). Geb. Rätbe wollen die
Supplicantinen au(5 erbeblichen ür--
sacben dabin restituirt baben, dat)
Sy Ir anziehende laesion Recbtlicb
clacjen vnd dociren niöcjen Gx
Cons. Sacr. Caes. lllaj intinio
IS 3uny 1639.
U. Bäring ni/p.
16 3uny 1639.
Der Rom : Kbay : aucb zu Run-
garn vnd Bebainib Ron. niay. un-
seres allergnedigisten l)errn vnd
Candtsfürsten von deroselben 1. Ö.
Regierung in aller vntertbanigkbeit
zu übergeben.
5ial vnd die Hotturfft resol=
uirterniassen au()zufertigen den
1 3uly 1639.
I). B. Ciecbtstock m/p.
1 3uly 1639.
Regina Dorothea Raspin vnd
Jlnna lllaria Ualuasorin geborne
Rauberin contra weil, Banns 5^ried--
richen Rauber Grben vnd Pupillen
pro restitutione ad versus trans--
actione.
ßrazer Stattbalterei Expeditum 1639 Juli Dr.
Briefe Johann Weikhard Paluasors an die Royal
Society 1686 bis 1688-
über seine €rfinaung ae$ Teingu$$e$.
Wagenspergi in Carniolia 39 (sie!) augusti st: nouo 1686.
Perillustris Nobilis Domine D'e cui ad seruitia semper paratus.
Penes seruitia mea certiorem facio Dominationem Vestram me
his diebus summo gaudio percepisse litteras mihi ualde gratas Lon-
dini 3. iuny st: uet: datas, perueniebant quidem iam ante quatuor
septimanas in absentia mea, dum absens fueram aliquot septimanis,
ex quibus primo laeto animo percepi, me esse tauquam indignum
susceptum ä Regia Societate in confraternitatem eiusdem Societatis,
ut possim inposterum me gaudere titulo ut Socius Regiae Societatis,
pro quali magna gratia summas ac maximas ago gratias, et seruus
permaneo Societatis Regiae in aeternu(m) obligatissimus, utinam
possem illi quid inseruire ex fidelissimo corde perficiam, modus
meae inuentionis fundendi statuas ex metallo tenues qualem iussit
Societas Regia ut mitterem, hie est, primo ex bona argilla, quae
constans est in igne et quae sie condo et conde faciendo non
rumpitur, facio talem figuram, siue statuam qualem cupio habere,
cu(m) sit opus bene siccum, tunc hinc inde facio parua foramina
et non profunda prout deniq'(ue) opus magnu(m) nel paruu(m) est,
et intropono particulas metallicos, ficulae quod rotas uel rotundos
perinde est ut lit: a.a.a.a.a istae particulae sunt usui ut nucleus
et mudellum non se attingant uel simul cadent sed semper con-
stanter et firmiter permaneant quando cera efluit, tunc cu(m) scalpro
ferreo siue cultrö depono totius statuas crassitiem, id est tantum
rodo uel depono ubiq'(ue) argillam qua(m) crassam cupio habere
statuam, postea circumfacio ex tegulis siue latcribus quasi foucam
pro faciendo igne carbonum ut exurat seu condefaciat nucleus,
cum postea sit frigcfactus, tunc ubiq'(ue) ungo nucleum (nucleum)
semper uoco illam primam statuam ex argilla factam cum terra
'S) 26$ 'S)
siue colore quo figuli in germania utiintur, quando in aliquo cubiculo
fornacem ex testis ponunt, et illani argillam penes testas est ungunt
siue pingunt, est color sicuti plunbu(ni) marinu(m), quod galice
plomb de mer dicitur quo pictores ad designandu(m) supra cbartani
utuntur, qui color cu(m) pane iteruni deleri potest, eiusmodi est
iste color attamcn non iste, sed quasi talis, qualem cu(m) aqua
misceo et inungo ubiq'(ue) nucleum , qaia supra hanc terram siue
coloreni libenter metallu(m) fluit, dantur quideni etiani aliae argillam
siue colures supra (|uos libenter metallum fluit, sed ego semper
supra dictö usus suni maxime ad tenues statuas, puto etiam esse
bonuni, si cum a(}ua, in qua esset salormoniacuni uel borax solutum,
inungeretur, sed ego non probaui, sed proxiniä uice faciam ex-
perientiam, hoc facto ubiq'(ue) pono ceram ordinariani luteam in
qua tarnen niultum sit picis siue rasina^ (quia quando cera in qua
pix est, exuritur, tunc multu(m) fumat, et ille fumus ul3iq'(ue) in
niudello adha^ret et per illuni funiu(m) libenter fluit metallum, uti
expertus sum) tanta; spissitudinis prout uolo opus habere crassum
uel tenuem, et formo figuram siue statuam optime, notandu(m)
est quod illai iam prius impositx particula^ metallica^ debent esse
cu(m) cera a:quales, ut eas postea mudellum attingat, hoc peracto
poncj liinc inde supra hanc statuam ceream paruas particulas
ex cera factas, quos uoco canales paruos uti lit : c.c.c.c.c.c
ut ueniant usq'(ue) ad canales magnos d.d.d hoc facto circumpono
ubiqYuej bonam argillam qua^ siccando et candefaciendo non
rumpatur et cu(m) hoc mudellum sit factum (hoc uoco ego semper
mudelum) tunc pono canales magnos ex cera factos perpendiculares
et transuersales prout opus est, uti lit: d.d,d tot (juot opus est
secundum iudicium meum, ad istos magnos canales debent omnes
ilH parui canales ire, ut in fusicjne per hos et illos metallum facile
fluat, isti magni canales superius id est supra statuam simul
conueniunt, ita ut superius unicum foramen uti lit: e sit, in quo
funditur metallu(mj et neccsse est ut statua habcat unum uel
duos canales ut lit: /./, ex quibus acr exit, quando funditur, in-
ferius in pede uer(j debet habere unum uel duo foramina uti
^'^•«^•J?" ut canales magni et statua cerea simul concurant, quando
postea mudellum condefit uel exuritur, ut per illa foramina cera
tarn bene ex statua quam ex canalibus effluat, quando sie canales
magni facti sunt, tunc opportet iteru(m) illos cu(m) argilla bona
obducere, ego semper mudellu(mj cu(mj filo ferreo hinc inde ligaui
© 260 '2)
siue circum uolui et iteru(m) argilla(m) supra posui, et cu(m) hoc
mudellu(m) sit bene siccu(m) tunc condefacio et exuro sicuti prius
nucleum (est quidem hie tarn bene nucleus, quam' mudellum simul
ego prima uice, quando probaui modu(m) istu(m) meum una uice
simul nucleum et mudellum exussi, sed omnes particulae illae
metallicae fluxerunt, tamen Deo volente bene successit opus sed
cu(m) magno meo timore et periculo, sie postea semper nucleum
prius exurebam, ut postea mihi non opus fuit tarn fortem ignem
dare ad exurendu(m) siue candefaciendum mudellum, si uero
statuae paruae erant unius uel alterius pedis geometrici tunc una
uice simul exussi et non feci illa inferiora foramina^.^ sed inuerte-
bam mudellum, ut effluxerat cera per canales /./ et e) et cum
exuritur mudellum tunc obturo cum argillä illa inferiora fora-
mina g.g hoc peracto ubiq'(ue) circu(m) et circum mudellum
fouea obturatur uti mos est in fundendis campanis et alijs, metallum
uero oportet, ut bene ac optime sit in fluxu, si uero statuam
paruam unius uel alterius pedis fundo, cuius mudellum manibus
tractare possum, tunc facio et fundo prius statuam ex cera con-
cauam tantae spissitudinis uti uolo, tunc facio canales supra
ex cera illas paruos et magnos, uti supra dictu(m) est, hoc
facto pono hoc integrum in materia(m) liquidam ex gipso et
puluere tegulino siue laterino et aqua communi factam, uti non
dubito quöd modus ac (?) in gipsum fundere metallum sit Londini
bene notus, ideo non opus est illu(m) hie scribere, sed si facio
tenuissimas figuras, tunc accipio cuprum siue aurichalcum, et cum J
bene in fluxo sit tunc intropono multum de Zincco (est vero \
Zinccum mineralis materia quasi morcosita siue Wismutum gallice *
dicitur du sine oü du zinc et sine hoc non succederet bene opus
si nimis tenue esset, quia expertus sum aliquoties hoc minere
libertissime fluit, et facit pulchrum metallum sicuti aurum) pondus
uero certum nunquam obseruaui, si plus de Zincco posui tanto
melius fuit, ad paruas et tenues figuras posui aliquando plus qua(m)
tertia(m) partem Zincci et cu(m) hoc factu(m) sit, tunc depono
mudellum et abscindo ä figura omnes illos paruos canales (et
mundo ac rodio figuram, et ex inferiori parte paulatim effodio
nucleum cu(m) instrumento aliquo ferreo) et illi canales magni et
pauci sunt repleti motallo qui seruantur iterum ad alium usum,
in cjuibus multo plus est metalli (|uam in statua, (|uia si tenuiorem
statua(m) facio tunc plures canales debeo facere, sie si uilior statua
3).
41
^ 270 '^
tanto ponderiüsores sunt canales siue inetallu(m) rcnianens, et
quando facio tale opus tunc prius de illa cera cu(m) pice mixta
accipio paruam particulam et pondero eam, supra illa(m) modellu(m)
facio, et introfundo tale metallu(m), de quo opus uolo facere, tunc
post fusionem metallum pondero et computo proportionem metalli
et cera^, et cu(m) opus postea magnu(m) facio, tunc obseruo pon-
dus cerae acceptx tarn pro figura qua(m) pro canalibus, et sie
scio quantum circiter oportet habere uel fundere de metallo, et
hie est modus meus ä me inuentus fundendi statuas tenues et
taHter mihi semper feHcissime successit opus, ultra novem pedum
geometricorum altam quidem nullam feci statuam, sed Deo iuuante
mihi fido tali modo una fusione maximam quam quis cuperet,
statuam fundere, si Deus mihi prolongabit uitam, et si meliora
tempora ratione nostri vicini scilicet turce, erunt, tunc fundam ex
metallo una fusione Imperatorem nostru(m) Leopoldum I sedentem
supra equu(m) multö vitae majorem, de hac re iam fui cu(m) pro-
vincia ratione impensorum in tractatu et si istae molestiae turcicae
non uenissent, iam fuisset opus factum. NB: pro paruis figuris est
notandum, quöd in cera alba uel lutea non bene possit formari
figura propter radios et reflexiones, sie accipio ego ceram albam
et ea coquo cum radice tinctoria siue rubia (est radix rubra) et
sie tingitur cera, cui admisceo paruu(m) picem et tantillu(m) tere-
binthinae et alic[uot guttulas olei olinarum et sie fit cera optima
pro faciendis paruis figuris, color alius nullus est bonus, quia in
effussione cera^ permanet in mudello, quod magnu(m) est impedi-
mentum, et ex alba cera non possunt, illi qui figuras et res paruas
ex cera manu formant siue faciunt, quid quam boni facere, sed
semper laborant ex cera colorata taliuero suprascriptä cera ego
aliquoties cu(m) bono successu usus sum, id est ad paruas figuras
et res, sie non dubito, quöd unusquisq'(ue) liunc modu(m) bene
intelliget, cui minima j^raxis in arte fusoria nota sit, si in uno uel
in alio non intelligent, uel me non satis explicui, uel fortassis quid
ex inc(jnsideratione siue ex praicipitantia nun (|uidem uolenti
animo omisi, rogo Dominatio Vestra mihi scribet, tunc statim melius
exblicabo. Descriptionem uero lacus Circnizensis manuscriptam
omnia (juai ex propria experientia et aliorum audita separatim
notata breui mittam, et c]uo(j'(ue) iudicium meu(m) totius operationis
huius lacus et petam pro gratia ut illa descriptio (quam mittam)
lacus Circnizensis ad acta philosophica inseri potcrit, isla praeterita
'S) 271 ®
septimana scripsi Venetias D. D. ioan. Hopkins et petij ut digneretur
me certiorem facere, an miserit Dominationi Vestrae topographias
meas, cum aliis iconibus et Theatro mortis humanae, quia necdu(m)
responsu(m) ab ipso habeo, sed non dubito, quod iam miserit. Si
quis amicus ex anglia per prouinciam nostram Carnioliam uenetias,
uel uenetiis Viennam in austriam transiret, rogo pro hac gratia
Dominatio Vestra uel quisquis alius ex Anglis det ipsi litteras ad
me, inseruiam illi laeto ac uolenti animo secundu(m) possibilitatem
mea(m). Summas ago gratias pro notificatione illoru(m) arboru(m)
mirabiliu(m), quae etiam certis temporibus uirescunt, sicuti nostra
arbor nux iugulans. Sic permaneo
Dominiationis Vestroe
obligatus
Wagenspergi in Carniolia 39 (!) augusti et semper paratus
st: nouo 1686 ad seruitia
P: S: Rogo humillime Dn'atio V'stra mihi proxima uice labacum
scribat, si descriptionem lacus Circnizensis uenetias D: Domino
Hopkins uel per postam mitterem sicuti praesentes litteras mitto,
descriptio uero erit magna quatuor uel ad sum(m)um quinq'(ue)
filerarum, cicius veniet si per postam mitto mihi perinde est
Joannes Weichardus Valuasor
Über baro m/p.
Auf der vierten Briefseite, zugleich Kuvert (7 cm hoch, unten
durch Aufschneiden lädiert), in der oberen Hälfte rotes Wachssiegel
Valvasors, ziemlich gut erhalten (etwas plattgedrückt), P/g cm hoch,
1 cm breit; neben dem Siegel (rechts) die Kanzleibemerkung: ,,John
Weichard Valvasor f. Aug. 29. 1686, read Decemb. 1. 1686. Journall
Book R. S. Nr. 8, p. 1 1 1. Entred into the Letterbook R. S.Nr. 10, p. 342."
In der unteren Hälfte steht die Adresse:
A Monsieur
Monsieur Thomas Gale
Secretaire de la Fraternite Royale
Presentement
par Vienne en Austrice ä Londres en angleterre
durch Wienn London in Engelandt
Papierformat: Kleinfolio, 31 cm hoch, 2O2/3 cm breit.
-© 212 'S)
BcscDreibimd des Zirknitzcr $ee$.
Inclytae ac Venerandae Societati Regali Londinensi in Anglia ad
scientiam naturalem promovendam institutae Joannes Weichardus
Valuasor Liber Baro Salutem.
Ex obligatione illa sinceroq'(ue) cordis affectu, quo animus
meus incredibili in inclytam Regiamq'(ue) fertur uinculo Societatem
his incultis paucisq'(ue) lineis nostrae non uile miraculu(m) terrae,
Cirknicensem scilicet lacum in nostro situm Carnioliae Ducatu
Venerandae Societati Regiae patefacere uolui qui, ut miraculum
natura^ ä quamplurimis quidem sed inexperto calamo tactus, a
nullo tarnen illorum hactenus radicitus et enucliatiue descriptus.
meminerunt eins fateor geographi, cosmographi, historici, poetae et
peregrinatores plurimi generaliter tantum, ego uerö ueritatem loqui
non erubesco, specialiter et membratim ex propria et omni possibili
facta experientia sine minima dilogia brachtilogice (?) descriptum
trado.
Hie lacus antiquis erat authoribus lugea palus, modernis lacus
lugeus, hodiernis uerö latinis lacus est Cirknicensis, germanis uerö
Zirknizer See, et nobis carniolis est zirknisko jesero: cuius deriuatio
antiquis nulla, aut si aliqua est, illa incerta, modernis certior,
originem enim suam sumit ä proximo sibi adiacente Oppido
Cirknitz nomine, hoc uero suam traxit denominationem ab Ecclesia
Beatae Virginis Marias, quae primo in deserto, nulla cincta domo
erat, iam uerd oppido circumdatur, aedificij huius initium paruum et
ideo Ecclesiae gaudebat nomine, quod Carniolis Zirkuiza est, et
sie adiacens lacus Zirkuisko jesero, quod ecciesiasticum sonat
lacum iam uero per abusum mutata litera u in n fit Zirknisko jesero.
Distat ä metropoli ciuitate Labaco sex milliaribus germanicis,
longus est bono milliari germanico, id est uultra quatuor millia
passuum geometricorum, dimidio uerö latus id est uultra duo millia
passuum geometricorum profunditas eins com(m)unis siue ordinaria
decem, minima quinq'(ue) uel sex etiam quatuor uel trium, maior
uero sedecim cubitorum nemorosis ubi(]'iue) montil)Us cinctus, ex
parte mcridiana et occidentali habet montes praealtos, latos trium
milliarium, in longitudinem uerö extendentes in terram turcicam
multorum milliarium, cjua: nil praeter h^ca horribilia deserta, saxosa
et varijs arboribus plena repraesentant : ex parte uerö orientali et
septentrionali adest inter montes et lacus territoriolum angustum
-© 273 'S)
licet utcunq'(ue) tarnen amoenum, unö Oppido, tribus arcibus,
nouemq'(ue) pagis accolitum, nee non uiginti Ecclesijs ornatum, ut
apparet in praesenti ichonographica icone No. 1 ä me summa ac possi-
bili diligentia ad uiuum delineata.
In monte jauornikh dicto penes lacum iacente adsunt duo fora-
mina siue profundissima praecipitia, in quibus totä hyeme permanent
multa millia columbarum siluestrium, quae appropinquante authumno
intrant, adueniente uere exeunt, nutrimentum earum in his speluncis
est incognitum, credo tamen esse arenam salnitrosam. in altero
uero monte Sliuenza habent sagae suum saboth seu congregationem,
ut creditur, quia saepius uidentur luminaria in forma scintillarum
hinc inde uolantia et saltantia : in apice seu accumine huius montis
est cauerna incognitae profunditatis, ex qua halitus subterranei
saepissime ascendunt causantes incolis noxias tempestates, fulgur,
tonitrum et grandinem, ideo haec cauerna anuuatim ä clero Cirknizensi
processionaliter cum magno concursu hominum huc uenientium
die lunae pentecostium exorcismis consuetis benedicitur.
Intrant hunc in lacum constanter fluuij, quorum duo minores
beliebrech et tresenz nomine, tertia est scaturigo oberch nominata,
ex qua multum aquae cum magno impetu exit et in lacum decidit,
quarto influit riuus utcunq'(ue) magnus Sterberziza, quinto similiter
riuus lipsinziza, sexto taliter riuulus seromschiza septimö parimodö
riuulus martinschiza ex rima saxea scatens ac uultimö riuus sat
magnus cirknizerbach nominatus.
Cum uerö lacus iste ubiq'(ue) montibus cinctus et exitum
nuUum habere potest, ideo natura tribuit ipsi duos oculares exitus
nimirum duo antra saxea Velka Karlouza et mala Karlouza nominata,
per quae fluit lacus in montem (aHum uerö occultum exitum
subterraneum postea ostendam) haec duo antra unacum subterraneo
exitu procul dubio sub terra simul concurrunt (ut postea probabo)
qui percurso semi milliaris germanici ex altera parte montis prope
sanctum Cantianum uti in icone No. 2 ä me ad uiuum uidetur
delineata, in loco deserto ex spelunca saxea lit: A exit lacus et
nominatur ab accolis jesero id est lacus, fluuius iste jesero nominatus
utcunq'(ue) magnus lit: /> emerso semiquadrante milliaris fluit in
cauernam saxeam sat amplam lit: 7 et sie fluit quiete per montem
in longitudine unius bonae emissionis tormenti brachialis, post
praedictum tractum exiens, ex altera parte montis fluit per terri-
toriolum saxeum lit: ;;/.;// intrat in grottam siue speluncam lit: c,
V. Radics, Ualvasor. 1$
-^ 27A '^
in qua post quinquaginta passuum potest dici, siste viator, non
plus ultra, quia amplius nee quiete nee pacifice fluit, sed fluuius
iste summo strepitu et fragore multum inclinatus in descendentem
eanalem saxeum pra^eipitatur, ultra nee mihi, nee alijs eum pro-
sequi lieuit: usq'(ue) ad istum deseendentem siue inclinatum eanalem
cueurri ego solus 7 iuny St. N. anno 1678 eum exigua nauicula
piscatoria per eauernam siue montem lit: / et per grottam siue
Joveam lit: C usq'(ue) ad supradietum eanalem siue uniea eom-
moditate eum perieulo cum eauerna sat ampla sit.
Supra eauernam id est supra montem lit: / stant duo Eeelesiae
una maior, alter minor, eum unä domo, maior lit: F est Saneti
Cantiani minor uero lit: E Saneti Benedieti, lit: ;/ est domus
eustodis Eeelesiae, lit: G est via ad Eeelesiam, seiendum est, quod
uallis sit profundissima, in qua fluit fluuius jesero lit: B territoriolum
lit: ;;/.;;/ est planum et saxeum in forma ouali tamquam altissimo
propugnaeulö ita ubiq'(ue) einctum lit: K.K.K ut impossibile sit
eato exire nisi ex uniea parte retrö siue infra domum eustodis
eeelesiae lieet et homini deorsum et sursum sed non sine perieulo
uitae ire, eum uia ita areta sit, ut in aliquibus loeis uix trium aut
quatuor digitorum larga, et ubi largissima uix semipedis geometrieis
sit, eum anno 1684 28 deeembris st: N: eum uno peregrinatore
gallo iaeques senebier hue uenerim, non habens nauieulam in qua
potuissem ipsum dueere per montem et in grottam lit: C uenire,
deseendimus per supradietam uiam perieulosissimam, peruenientes
deorsum non potuimus in grottam lit: C intrare propter nimiam
aquam redeuntes et intrauimus eum magna diffieultate per unum
quasi perpendicularem profundum et angustum spiroeulum lit: D,
et sie peruenimus in grottam maiorem maximo templo, per quam
fluuius jesero fluit, in illa uariae figura^ lapideae ä natura elaborata^,
uariaq'(ue) antra, fouea^, grottam et similia hine inde apparent, ultra
ipsum dueere hoe tempore non potui, quia tune magnus fluuius
jesero nostrum erat impedimentum penes quem alias itur accensis
faeibus per eertum angustum foramen, et uenitur iterum ad fluuium
eurrentem penes quem itur per modieum tempus, tune permittitur
fluuius et est uia ad leuam manum ubi itur per uiam seu foramen
longum et angustum quasi per unum canalieulum sat longum et
ex una eauerna siue grotta in aliam et est in una eauerna figura
siue statua lapidea, qua: repra^sentat unum textorem laborantem
et in alio angulo est unum foramen sursum tendens repraesentans
'S) 27S 'S)
camin um fornacis, in quo quasi lardum, scapulae, pernae, forcimina
et similia pendent, et quasi naturalia et uera in saxum conuersa,
ideo dicunt rustici, quod laborauerit semel unus textor in hoc
cauerna (quam habuit pro cubiculo suo) in festo Sancti Cantiani,
ob quod peccatum factum malignus Spiritus suflauit in eum, et
omnia coauersa sunt in lapidem et talem lepidam narrationem
multi crediderunt, uti scribit philosophus conradus de meydenberg
cum certo cancellario austriaco se uidisse in Carniolia similia
Corpora ä maligno spiritu inhalata in lapidem salsum conuersa
hoc quoq'(ue) credidit Sigismundus ä Birken in speculo honoris
domus Austriae fol. 322 nee non ante: guiliel: Ertl in relationibus
curiosis bauaricis fol. siue pag. 13 et quamplurimi aUj, qui dicunt
hoc fuisse factum anno 1348 in certo terraemotu magno, in quo
montes conciderunt (si natura illusisset ad lardum et forcimina
etiam unum cotum credo quod dicerent ignorantes accolae illum
fuisse lutheranum comedentem lardum et forcimina die ueneris
uel sabatti, et ob hoc peccatum in lapidem conuersum fuisse, iocus
iste nee catholicis nee lutheranis sit hie ignominiae) simiHa concre-
menta uaria dantur hie in Carniolia in multis cauernis et grottis
subterraneis hinc inde in summa quantitate et sil aliud est, quam
illusio naturae, quae nee habitu diabolico nee terraemotu, sed
successu temporis aqua stillante fiunt: obseruaui in cauerna siue
grotta lugea* dicta, ubi etiam quam pluriimas figuras natura per
aquam stillantem repraesentat, quae grotta a plurimis peregrinatoribus
inuisitur, et multa sua nomina ad figuras illas lapideas scribunt,
quae ante 70 et 80 annos scripta sunt accumine cultri, possunt
adhuc legi, etiamsi continuo aqua stillante madefiunt, sie iudico
naturam multo plus temporis quam 300 uel 400 annorum opus
habuisse ad perficiendum similia, cum in 70 uel 80 annis uix
crassitiem cultri perfecit, non quidem nego me obseruasse in ali-
quibus locis etiam creuisse lapides huius speciei adiutorio aquae
stillantis 20 annis fere crassitudinis digiti humani. lapis uero iste
est plerumq'(ue) albissimus, durus et aliquantisper perlucidus uti
est alabastriter, probaui illum bulliendo in aqua simplici, permansit
durus, itaq'(ue) in aqua salsa, dum uero addidi parus salisarmoniaci,
fiebat parum mollior, urendo uero, dum bene ustus esset erat totus
mollis et fragilis cinerei coloris, in fractura erat scintillans.
* Lueg.
IS*
'& 270 '&
Vt iterum ad nostrum lacum ueniam, dico, quöd lacus iste fere
omni anno circa festum Sancti Joannis Baptistae uel Sancti Jacobi,
alicjuando etiam in augusto deffluit et exsiccatur, repletur uero
itcruin plerunq'(ue) in octobri uel nouembri, deniq'(ue) non habet
certiim tempus, fit quo'(que), quöd aliquando in uno anno bis etiam
ter deffluit, uti anno 1685 deffluebat in ianuario, item 15 augusti
st: n: incaepit defluere, et octaua septembris totus euacuabatur, hoc
anno 1687 ter deffluebat, tunc fit piscatio leuis et quasi inanis,
fit quo'(que) etiamsi rarissime quod in tribus uel quatuor annis non
euacuetur uel deffluat, et tunc fit piscatio ditissima: nunquam uerö
permanet siccus per integrum annum.
lus piscandi certo ordine (uti postea dicam) in hoc lacu habent
moderno tempore dominia siue arces nimirum
I. liaasperg iaonnis Sigisfridi principis ab Eggenberg supremi
capitanei in Carniolia, olim quidem spectabat hoc ius piscandi et
dicasterium ad dominium seu arcem adlsperg, dum uerö principes
ab Eggenberg principi ab Aursperg hoc dominium Adlsperg uen-
diderunt, pro se obseruarunt dicasterium et ius piscandi et incor-
porarunt arci haasperg.
IL Steegberg est etiam supradicti principis ab Eggenberg.
III. laas est Francisci Ferdinandi principis ab Aursperg.
IV. Schneeperg est supra dicti principis ab Aursperg.
V. Aursperg est Wolffgangi Engelberti comitis ab Aursperg
mareschalli in Carniolia et uindorum marcha.
VI. Sitticium est monasterium monachorum Cisterciensium Ante
paucos annos dedit quidem supradictus princeps ab Eggenberg
suum ius piscandi monasterio Vallisiocosae uulgo Freydenthal (sunt
monachi Cartusiani) certis conditionibus id est non in perpetuum
nee in proprium, cum solus princeps non continuo in Carniolia
resideat.
Vasas insulas habet lacus iste tres, scilicet malagoriza et uelka-
goriza sunt sine terricolis: tertia uero ad mirum pulchra insula vornek
nominata sat magna et elegans, quae unö pago quatuor domorum
ottok dicto accolitur; supra pagum in periucundo monticulo stante
Ecclesia Sancti Primi et Feliciani non parum ornatur insula, terricute
huius insulai sat elegantem campum, agros, prata, pabula, lignationem
hcjrtos et pomaria deniq'(uej omnem neccessitatem habent.
Est et pulcherrima peninsula tota nemorosa doruasck dicta:
cum lacus sit in plenitudine, et quis in naui huc inter insulam
'S 277 'S)
uornek et peninsulam doruasek uenit, non aliter posterior pars
lacus sub monte siti quam portus pulcherrimus apparet.
In superiori parte effluente aqua apparent pali, est signum olim-
fuisse pontem, ideo adhuc hodie nominatur pons antiquus.
In inferior! parte prope lacum est magna concameratio saxea
Skednenza dicta, quam ibi in uicinitate pascentes equi et equae in
aestate ob nimios punctiomes et molestias muscarum se ad refri-
gerandum uisuntur, quia in illa concauitate nulla musca, nee insecta
alia propter frigidum aerem permanent.
In hoc lacu multae sunt foueae in forma cacabi uel lebetis, quae
non sunt eiusdem profunditatis nee latitudinis, latitudinem habent
20 etiam 60 plus etiam minus cubitorum et profunditatem 8 etiam
20 plus aut minus cubitorum, in fundo habent istae foueae parua
foramina, in quae aqua et pisces intrant quando lacus defluit.
Praecipuae uerö foueae, in quibus piscatur sunt octodecim sitae
et nominatae uti in praesenti magna icone No. 1* uideri potest
uocantur nimirum: maljoberch, uelkjoberch, kamine, suejnska jamma,
uodonos, louretschka, kralouduor, rescheto, ribeska jamma, rethje,
sittarza, lipauza, gebno, koteu, ajnz, zeslenza, pounigk et leuische.
Praeter has sunt adhuc multae foueae paruae sed nullius aesti-
mationis, quia non piscatur in illis sicuti in supradictis.
Dum incipit in iunio, iulio uel in augusto lacus iste euacuari
uel deffluere, tunc deffluit intra 25 dies, si nulla magna tempestas
interuenit, supra dictae 18 foueae semper certo et infalibili tempore
euacuantur, hoc ordine.
Dum incipit lacus decrescere, quöd apparet in certa petra seu
lapide, hoc indicant incolae pagi ober- siue seedorff omnibus
piscatoribus circumiacentibus ä suis dominis ius piscandi habentibus
constitutis, isti incolae ex pago seedorff sunt ordinati, ut attendant
non solum ac deffluxum sed etiam supra lacum plenum aqua, ne
quis in eo piscatur, quia nuUus audet, piscari in eo dum plenus
aqua sit, sunt itaq'(ue) huius pagi incolae quasi custodes huius lacus.
I. Fouea malj oberch nominata euacuatur (non est quidem uera
fouea uti lebes, sed est terra pari^im demissa sine foraminibus
ubi magnum gramen et alga crescit et multi pisces inueniuntur)
ab initio deffluxionis aquae post tres dies, tunc dat Signum ictu
campanae aeditimus siue custos Ecclesiae Sancti Cantiani in pago
* Siehe Abbildung: Ehre des Herzogtums Krain, I. (IV.), S. 632.
-e) 27$ -©
Seedorff, tunc omnes incolae huius pagi permittunt labores tarn
campestres, quam domesticos, et se deuestiunt et cununt toti nudi
sicuti sunt de matre nati sine pudore et uerecundiä iuuenes et
senes, faeminae et uiri ad piscationem, captos pisces diuidunt in
duas partes, unam dant principi ab Eggenberg uti domino dicasterij
huius territorij, altera pars illis cedit.
IL fouea uelkjoberch tertia die post maljoberch uacuatur, modus
et ius piscandi est sicuti in maljoberch dictum est. anno 1685 die
tertia septembris st: n: mane ante orteum solis a Caelo ictus
tonitru in hanc foueam factus, et erant 65 magni pisces et innu-
merebiles parui fulmine icti; isti fulmine icti pisces supernatant,
et si cito in aliam recentem aquam ponantur recolligentes se
reuiuiscunt.
III. fouea kamine decrescit quatuor horis post velkjoberch, in
hac fouea tragulatores uulgo perner capiunt pisces tragullä pis-
catoriä uulgo mit Fischpern (qui tragulatoribus cedunt soluto ab
unoquoq'(ue) eorum uno floreno principi ab Eggenberg uti domino
dominij siue arcis haasperg cuius est dicasterium huius territorij
tales tragulatores sunt multi, qui hinc inde in lacu et in parui
ualoris foueis pisces tragulä piscatoriä capiunt, et unum florenum
quisq'(ue) supradicto principi ab eggenberg soluit) capiunt multos
pisces et in magna quantitate quidem magnos sed macros et non
boni saporis cancros.
IV. fouea suejnska jamma minuitur una hora post kamine in
qua fouea etiam tragulatores capiunt sicuti in fouea kamine, in qua
pariter magna copia cancrorum est sicuti in supradicta fouea kamine.
V. fouea uodonos siccatur quinta die post kamine in hac (et) in
alijs sequentibus foueis piscatur sagenä id est longissimo rete pis-
catorio, in ista fouea uodonos habet primum tractum cum rete
piscatorio siue sagenä princeps ab Eggenberg ab arce haasperg.
Secundum tractum habet comes ab Aursperg ab arce Aursperg,
tertium iterum princeps ab Eggenberg, quartum comes ab Aursperg,
quintum princeps ab Eggenberg, sextum comes ab Aursperg, uulterius
piscari non potest, fjuia aqua nimis diminuitur, et cum nimis magno
impetu intrat in foramina (quae in fundo fouex sunt) et sie fouea
euacuatur, tanto impetu et uelocitate currit aqua in foueam, ut
quis eam uelocissimus ueredacius non percurreret et sie absorbentur
pisces et aqua, fit saepius quod uix duos tractus perficiunt, si ali-
quantispcr piscatores tardant ob quam causam inter illos magnae
■^Ji-
contentiones oriuntur ad uitendum similia habent signum prope
foueam uodonos unum lapidem ribeskekamen id est lapidem pis-
catorum dictum, quamprimum deffluente aqua lapis iste apparet,
tunc ex antiqua obligatione et obseruatione tenetur princeps ab
Eggenberg piscationem huius foueam incipere, et primum tractum
facere, quando nimis magna copia piscium rete concluditur ad
ripam uenientes tragulä rete euacuant, modus iste piscandi est in
Omnibus foueis.
VI. fouea louretschka semialtera die euacuatur post uodonos
primum tractum habet princeps ab Eggenberg ab arce haasperg
secundum tractum etiam princeps ab Eggenberg ab arce Steegberg
tertium comes ab Aursperg ab arce Aursperg, quartum princeps
ab Aursperg ab arce Laas, quintum etiam princeps ab aursperg ab
arce Schneeperg. sextum monasterium Sitticense. sciendum est, quod
saepius contigit, quod uultimi non possunt suos tractus perficere, si
primi parum tardant, quia prius euacuatur fouea antequam uultimi ^\
ad suos tractus ueniunt, ideo saepius fiunt contentiones. Ij
VII. fouea kralouduor recedunt aquse semidie post louretschka, ■"
in qua solus princeps ab Eggenberg ab arce Haasperg uti dominus f
dicasterij huius territorij habet ius piscandi et nuUus alius cum ipso. ;;•
VIII. fouea rescheto relabitur tertia die post kralouduor, in '^
qua tractiones siue tractus habent princeps ab Eggenberg et comes ^
ab Aursperg sicuti in fouea uodonos unusquisq'(ue) tres tractus.
Anno 1655 (cum antea quinq'(ue) annis consequenter lacus repletus ^
aqua steterat) acquisiuit in hac fouea rescheto princeps ab Eggen- ^.
berg primo tractu 21 carros siue currus piscium secundo tractu
comes ab Aursperg 17 carros. tertium tractum donauit principissa
ab Eggenberg (quae tunc temporis praesens erat) monasterio Sitticensi,
quo 9 carros acquisiuit. quot carros in reliquis tractibus adhuc
acquisiuerunt non scio. hoc ä fide dignis qui in praesentia fuerant
percepi. dicitur esse in fundo huius foueae in foramine ferreum
clathrum talem nee inuenire nee uidere potui etiamsi summa ad-
hibita diligentia quaesiui et aspexi, ideo credo esse uerba inania.
Villi, fouea ribeska jamma retrogreditur cum rescheto, est etiam
proxima ipsi, in hac fouea habet ius piscandi solus princeps ab
Eggenberg (siue in fouea kralouduor) sed cum haec fouea non sit
magnac a^stimationis, tunc princeps semper dedit illam piscatoribus
tanquam pro remuneratione eorum industria^ quam piscatores
saepius alijs hominibus uendiderunt pro 8, 10 etiam aliquando pro
m
'S) 2$0 -2)
12 florenis. ante quinq'(ue) annos uendiderunt piscatores hanc
foueam uni uigiliaruin Custodi militum (uulgo Wachtmeister) qui in
oppido Cirknitz perhijemabat pro 12 florenis et pro uno aureo
in specie; supradictus uigiliaruni custus octo carros (id est quantum
octies unö equö in curru uehi potuit) bonis et magnis piscibus
plenos acquisiuit in hac fouea subterranea.
IX. nunuerö dum possessione iuris piscandi principis ab Eggenberg
monachi cartusiani in ualle iocosa gaudent, perdita est remuneratio
piscatorum, talem monachi siti appHcant. Piscatio in hac fouea sub-
terranea est sat curiosa nee non iucunda et fit aHo modo, quam
in alijs, quia haec fouea habet in fundo magnum foramen petiosum,
per quod facillime homines accensis facibus descendunt deorsum
quasi, in aUquam cisternam sat profundam, inferius uero sub terra
est spatium largum in forma magnae camerationis, cuius fundum
siue pauimentum tanquam cribrum paruis foraminibus plenum, sie
aqua deffluente pisces permanent sine aqua in ista fouea subterranea,
ex qua pisces in hneis saccis positi et funi alhgati extrahuntur.
X. fouea rethje euacuatur duabus horis post ribeska jamma in
hac liabet ius piscandi solus princeps ab Eggenberg uti dominus
dicasterij, est quidem parui ualoris fouea ista, quia parüm acquiritur
in ea, ideo nunc dant talem monachi Cartusiani scholarchae siue
ludimagistro Cirknizensi pro remuneratione, ut attendat ne quis
in lacu piscationem ahquam faciat.
XI. fouea Sittarza euacuatur una hora post rethje, in hac fouea
habet primum tractum princeps ab Eggenberg ab arce Haasperg,
secundum tractum quoq'(ue) princeps ab Eggenberg ab arce Steeg-
berg, tertium comes ab Aursperg ab arce Aursperg, quartum prin-
ceps ab Aursperg ab arce Laas, quintum monasterium Sitticense.
XII. fouea lipouza euacuatur quinq'(ue) uel sex horis post Sittarza
ius piscandi et tractus in ea habent sicuti in praecedenti fouea sittarza.
XIII. fouea gebno euacuatur tertia die post rescheto, in qua
primum tractum habet princeps ab Eggenberg ab arce haasperg,
secundum quoq'(ue) princeps ab Eggenberg ab arce Steegberg.
tertium comes ab Aursperg ab arce Schneeberg, quintum mona-
sterium Sitticense. rarissime uero piscantur in ea retibus, sed
plerumq' permittunt foueam euacuari (quia haec fouea in fundo
parua foramina habet, maiora uix sunt crassitudinis brachij humani)
ideo permanent magni pisces omnes in fouea, quos diuidunt in
partes, et quisq'(ue) suam partem accipit.
® 2$1 'S)
XIV. fouea koteu euacuatur secundä die post gebno in qua
habent ius piscandi et faciendi tractus, sicuti iu praecedenti fouea
gebno, et quoq'(ue) permittunt aliquando eam euacuari, et quia
haee fouea koteu maiora habet in fundo foramina, per quae conse-
quenter inaiores etiam pisces absorbuntur.
XV. fouea ajnz euacuatur quatuor uel quinq'(ue) horis post
koteu, in qua habent ius piscandi et faciendi tractus sicuti in fouea
lipauza permittunt aHquando, rarö tarnen, eam euacuari, sicut in
fouea gebno, et diuidunt pisces, hoc fit solum modo tempore
necessitads, cum necdum in fouea koteu sunt expediti cum pis-
catione, quia fouea ista unum utcunq'(ue) magnum foramen in fundö
habet, per quod multi magni pisces ab aqua absorbentur.
XVI. fouea zeslenza euacuatur tertiä horä post ajnz, in qua ius
piscandi et faciendi tractus habent sicuti in fouea gebno, nunquäm
permittunt euacuari eam, semper faciunt tractus retibus.
XVII. fouea pounigk euacuatur secundä die post koteu, in qua
habent ius piscandi et faciendi tractus sicuti in fouea lipauza.
XVIII. uultima fouea leuishe euacuatur tertiä die post pounigk,
id est uigesimä quintä die post inchoatum refluxum aquae siue
lacus, in qua ius piscandi et ordinem faciendi tractus habent sicuti
in fouea hpauza. sie uigesimä quintä die est piscatio huius lacus
absoluta.
ante 17 annos (uti ä fide dignis et qui in praesentia fuerunt
dictum est) fulmen tempore piscationis inciderat in hanc foueam
leuishe, suoq^(ue) uaporoso ac sulphureo praepotenti impetu, quam-
plurrimos grandes pisces extinxit seu sopiuit, quibus in unum
coUectis 28 currus impleti fuere, qui in quinq'(ue) partiti partes
unicuiq'(ue) dominio sua data, pisces quidem non sunt fulmine
tacti, sed ab impetu et ä uapore sulphureo fiunt quasi semimortui,
et supernatant quasi essent mortui, et hoc saepius fit in hoc lacu, si
tales pisces cito ponuntur in aliam recentem aquam, tunc fiunt
uiui, si uerö relinquuntur sie supernatare tunc moriuntur.
finita piscatione datur signum pulsu campanae per aeditimum
Ecclesiae Sancti ioannis baptistae adiacentis oppido cirkniz, dato
signo omnes incolae ex circumiacentibus pagis et oppido cirkniz
senes cum iunioribus, uiri cum faeminis omnes permixti, et quam-
plurrimi sine pudore et uerecundiä toti nudi tam faeminae quam
uiri, iuuenes et senes (rari habent aliquod linteolum circa pu-
denda) currunt ad lacum, quacrunt ac leuant pisces, ubi illos
'S) 2$2 'S
in arrundine, alga, et in paruis foueis inueniunt, multi descendunt
in subterraneas foueas et foramina, ubi multos magnos pisces
acquirunt, deniq\ue) unusquisq'(ue) quaerit pro suo placitu ubi
uult, exceptis foueis pjauze, narte, uelkjobcrch, alias ubiq'(ue) au-
dcnt queerere pisces, quidquid acquirunt eorum est, quisq'(ue) dat
unum solidum id est semicrucigerum supradicto aeditimo pro dato
signo campana^.
tentabant quidem saepius adhibita possibili industria monachi
Cartusiani hanc nudi incessus consuetudinem seu intollerabilem
honestatis coruptelam eradicare seu parum aut nihil effecere, pro-
fundiores enim sunt peruersitatis quam uirtutis radices, quia nee
tantuni efficere possunt, ut uerecunda ualerent.
quamprimum incipit lacus diminui, tunc habet princeps ab
Eggenberg uti dominus dicasterij ius piscandi uno rete piscatorio
id est sagenä uulgo rachnez taliter etiam comes ab Aursperg,
princeps ab Aursperg et monachi sitticenses, si uero princeps ab
Eggenberg non uult piscari, tunc alij non audent, quia dominus
dicasterij habet ius incipiendi cum tali rete pisces capere rarissime
quidem intermittitur itaq'(ue) his sagenis hinc inde in lacu (exceptis
foueis) pro libitu piscatur.
similiter etiam ab initio diminuente aqua habet princeps ab
Eggenberg uti dominus dicasterij ius incipiendi et ponendi nissas
secundum antiquam consuetudinem solumodo Septem, iam uero ponit
plures et antehac non uulterius, quam ab inferiori parte incipiendo ä
fouea kralouduor usq'(ue) ad portum insulse, uel usq'(ue) ad foueam
pounigk, nunc uero (uti dicitur quöd per abusum uenerit in posses-
sionem) ponit nissas uulterius pro placitu. hae nissae uulgo fisch-
reusen ponuntur trans canales in lacu, quaeuis nissa est 48 cubitorum
longa, postea habet ius ponendi comes ab aursperg ab arce aursperg
quinq'(ue) nissas, nunc uero ponit etiam plures hinc inde per lacum
pro placitu ä superiori parte usq'(ue) ad foueam kralouduor, unam
nissam solumodo habet ins ponendi ultra kraloudour. postea habet
ius ponendi monasterium sitticense tres nissas, nunc uero etiam
plures ponit, usq'(ue) ad foueam rescheto et non ultra, postea
habet ius ponendi princeps ab aursperg ab arce laas duas nissas,
nunc uero etiam plures ponit, ä superiori parte incipiendo in oberch
usq'(ue) ad foueam pounjgk et non ultra, et etiamsi princeps ab
Eggenberg non faceret initium ponendi has nissas, nihilominus
possunt alij ponere, et liabent ius ponendi sine principe,
® 2$3 ®
Dantur quoq'(ue) aliae foueae in lacu, uti Skednenza, mala bob-
narza et uelka bobnarza, in quibus supradicti tragulatores piscantur,
sie etiarn in malakarlauza et uelkakarlauza, in bis duabus longum
eunt iter accensis facibus sub terra et quaerunt pisces, quia hae
foueae paruae sunt aestimationis. in uelkabobnarza itur per foramina
magna sub terra multarum orgyarum profunde, isti tragulatores
ubiq'(ue) sub terra descendunt et quaerunt pisces.
fouea mala- et uelka bobnarza habent nomen ä tympano, quia
parua tympanistria seu tympanistrix uocatur in nostra carniolica
lingua malabobnarza, mala tympanistria uel tympanistrix uero
uocatur uelka bobnarza, quarum non frustranea deriuatio, quia
Caelo fulminante et tonante auditur pariter in his duabus foueis
non aliter ac si essent in hac fouea sub terra multi tympanistae.
quod ego 18 octobris st: n: anno 1685 meis auribus non sine magna
admiratione audiui Caelo tribus consequenter uicibus mugiente
pariter tympanorum corespondisse strepitum.
Adsunt adhuc duae foueae in hoc lacu narte et pjauzae dictae,
quae nunquam exsiccantur, sed semper permanent paludosae, etiamsi
lacus totus exsiccetur, creditur, quöd in his duabus foueis multi
pisces generentur, ideo nuUi licitum est in illis piscari, in his foueis
est incredibilis copia sanguisugarum, quae ad sonum et cantum
certorum uerborum (sicuti xiphia piscis uulgo pescespada in freto
mamertino sono et cantu certorum uerborum capitur de quo
P. Äthan. Kircherus in musurgia lib. 9 par. 2 cap. 7 item P. Gasp.
Schottus in magia naturali par. 2 lib. 4 de magia phanurgia cap.
uult : p. 214 prolixe scribunt) non credidissem, si oculis non ui-
dissem anno 1685 1 octobris st.: n: in exsiccato lacu ad foueam
paludosam pjauze dictam cum ultra 80 annorum sene piscatore
bartholomeo roshenta uulgo jerne roshenta nominato, qui intrauit
paludem usq'(ue) ad genua et protulit paulatim cantando haec
uerba pij mene pjauka et haec tria uerba saepius reiterauit, tunc
statim proberabant sanguisugae in maxima copia ad ipsum, ille
uerö statim exiuit, iussi ipsum post paululum iterum intrare et
intus Stare, tunc rarö una ad ipsum uenit, ([uam primum uerö incaepit
supradicta uerba quasi candanto dicere, in summa celeritate et
quantitate ad ipsum uenerunt, quöd summe mirabor, uerba uerö
ista pij mene pjauka sunt uerba carniolica, quorum interpractatio
est bibas mc sanguisuga.
-2) 264 'S
Dictum est mihi pro certo ä fide dignis adfuisse ante aliquot
annos hie tempore piscationis certum famulum natione germanum
principis ab Eggenberg, qui noluit credere, quod sanguisugae ad
supradicta uerba ad hominem properarent, iuit itaq'(ue) nudus in
paludosam foueam pjauze et modo supradicto protulit uerba, ante-
quam exire potuit, adhaerebant per totum corpus sanguisugae,
quiscunq'(ue) potuit (salua uenia) minxit supra illas, sugerunt tantum
sanguinis ipsius, quod ceciderit et non potuerit surgere multö minus
ambulare, sie ipsum quasi semimortuum portabant ad arcem haasperg.
tempore piscationis contigit sxpissime, quod istac sanguisugae
(quiE etiam hinc inde in lacu inueniuntur) uiris et faeminis adhaereant
tunc (salua uenia) mingit unus supra sanguisugas alteri adhaerentes,
et hoc fit sine minima uerecundia in praesentia omnium hominum.
nimis scandolose, maxime quando faeminis adhaerent in certis parti-
bus corboris, quod meis oculis 24 augusti st: n: 1685 uidi.
sunt in monte penes lacum altiores tamen lacu duae magnae
speluncae terribiles saxeae una uocatur urajna jamma, alia uero
sekadulze, etiamsi procul distant ab inuicem, nihilominus habent
unam uirtutem, nimirum dum fulminat et tonitruat, tunc dant hae
duae speluncae admirabili et incredibili magno aquam et aliquando
magnam copiam anatum et minorum piscium, quod ego summa
admiratione 18 octobris st: n: anno 1685 uidi, et quidem cum
summo periculo uitae.
Sereno caclo ascendi equum acceptis mecum duobus senibus
et peritis piscatoribus, equitaui per lacum siccum usq'(ue) in in-
sulam uornek, et ecce in monte Sliuenza ex cauerna ascendebant
nebulosi halitus, formantes se in nubem, quo uisu socij mei fugam
urgebant dicentes infalibiliter has nubes ex cauernali illo halitu
ortas, tempestatem causaturas, dictum factum nam in instanti fulmen
cum horribili tonitru adest, urgebam illos me comitare ad foueam
uelka bobnarza, ut de eo uere satis experimentum caperem, praecedo,
sequntur, necdum aderamus et iterum secunda ac tertia uice ex
formatis illis nubibus horrendum mugit Caelum et audiui, quod
non credebam in illa scilicet fouea uelka bobnarza strepitum quasi
multorum tympana pulsantium tympanistarum, hoc audito continuö
cum festinatione curimus ad insulam uelkagoriza, uiterius enim
nunc ire non licuit, excreuerat enim iam aqua homine altior in
locis, quae duas ante horas sicco transiuimus pede, ascendimus
nauim paruam indroducto equelo (quae naucs hinc inde sicco lacu
-© 2$5 "&
dispersae iacent) et inueisa naue natare discimus, unä manu nauim
tenentes, altera natantes, tandem Deo duce naufragi ad alteram
peruenimus ripam, non praecedente equo, qui fortior uiribus prior
enatauerat. tunc ex aduerso uidi ex spelunca sekadulze tanto
impetu aquam triuni uel quatuor orgyarum procul prosilientem,
non aliter ac si ex incendiario diabete pressa iuisset (sciendum
est quod riuuli intrantes in lacum tempore sicci lacus in planitie
inter arundineta et quidem ubiq^(ue) sorbentur) multae caecae anates
cum aqua eiectae fuerant, non est mirum aquam tam cito fieri
magnam, cum tanto impetu exit, facit magnum fluuium, quia haec
spelunca sekadulze est lata unius orgijae et altior homine, peri-
culosissimum est intrare eam, quia cito quasi in momento uenit
cum stupendo impetu aqua, supra nominatus senex piscator jerne
roshenta dixit mihi se in iuuentute sua aliquoties in longitudine
duarum uel trium emissionum tormenti brachialis intrasse in hanc
speluncam, ulterius tentare non ausus, erat, quia, si uenisset aqua,
impossibile fuisset auffugere, dixit intus esse quamplurrima pauenda
et detestanda antra et speluncas (sie!)
Quando modium pluit, tunc magno impetu exit aqua duarum
uel trium orgyarum perpendiculariter in altitudinem ex fouea koteu et
zeslenja, similiter ex scaturigine uelkj oberch multum aquae et magna
copia piscium minor uero anatum exit ex ista scaturigine uelkj oberch.
dum uero continuo pluit et fortiter tonitruat et fulminat, ut
terra commoueatur, tunc exit aqua non solum ex omnibus supra-
dictis foueis, foraminibus et antis cum maximo impetu (ex aliquibus
uti ex uodonos, rescheto et ex alijs magnis foraminibus magna
copia piscium uenit cum aqua non procul quidem ä lacu uenit
aliquando summa copia anatum caecarum ex uno foramine Storsek
dicto, de quo postea dicam) sedetiam ex multis millenis alijs paruis
foraminibus exit aqua in altum multorum cubitorum et orgyarum,
ex aliquibus perpendiculariter, ex aliis oblique, nil iucundius est
visu quam hoc et dum continuo pluit, tunc etiam supradicti octo
fluuij sua tribuunt, tali occasione fit lacus intra diem et noctem
(id est intra 24 horas dum prius erat siccus) fit plenus aqua, fit
etiam aliquando inter 18 horas plenus, contigit etiam, quod ah-
quando vix inter tres septimanas fit plenus, deniq'(ue) tonitru (sic!j
et fulmen maxime iuuant uelocem plenitudinem.
Admirandum est, non solumodo uni usui hunc lacum esse,
sed pluribus in uno anno. Scilicet
'S) 2$ö 'S)
I. Dum sub aqua iacet, id est cum sit aqua plenus, in eo uola-
tilia diuersa aquatilia, uarij coloris et generis anseres siluestres,
et anates uulgo nominatae arjauke, liske, pasauze, kreplize zherne,
pandirke, pjuel nee non aliorum specierum aues, uti ardeae, cygni
et quamplurrima^ aliae aues, possunt iaculari et acquiri, uolant in
acre hinc inde supra lacum, multi accipitres, nisi, falcones, aquilae
et ali?e rapaces et prsedabundae aues.
II. statim post euacuationem huius lacus, extradunt accolae
scirpum et algam, quod est optimum substramen pecuarium.
III. post siccitatem huius, circa uigesimam diem faenum copiosum
secatur ab accolis.
IV. post sectionem fseni aratur et seminatur milium, quod ali-
quando quidem mature ueniente aqua destruitur, plerumq'(ue) tarnen
peruenit usui.
V. staute milio in agro quamplurrimae adsunt coturnices, quae
niso possunt aucupari.
VI. post scisum et introductum milium pascuntur pecora.
VII. toto tempore uacuitatis locus iste animalium uenationi par
commodus est, possunt uenari et iaculari diuersa animalia, qua) in
magna copia ex circumiacentibus siluis et montibus ueniunt quam
primum exsiccatur lacus, multi lepores ulpes, lupi, cerui, apri,
multi ursi, nee non alia animalia.
VIII. tempore pleni lacus potest piscari.
(in hyeme tempore congelati lacus potest redis et curru trahis
et uehi, ita fortiter congelatur, ut supra cum accolse ligna ducant
et uehant cum curribus et trahis.
(tempore deffluxus fit piscatio copiosissima, uti iam supra dixi.
Et hodic quod sat mirabile in uno anno et in uno eodemq'(ue)
loco, si mature exsiccatur lacus, et si tarde aqua repletur, non tamen
ubiq'(ue) crescit faenum, nee ubiq'(ue) seminatur milium, hoc fit
solumodo in locis fertilioribus.
In lioc lacu solumodo tria genera piscium optimi quidem saporis
inueniuntur nimirum
I. mustella fluuiatilis siue lacustris unius, duarum etiam trium
librarum ponderis.
II. tinca 3. 4. 5. 6 etiam Septem librarum ponderis.
III. lucius in summa copia 10. 20. 30 etiam (juadraginta librarum
ponderis (libra nostra est 16 unciarum) in uentriculis luciorum in-
ueniuntur saepissime integrae anates.
"& 2$7 '^
Cancri uerö nullibi inueniuntur, nisi in fouea kamine et suejnska
jamma quidem magni sed non boni saporis.
Quando non singulis annis deffluit tunc incredibilis ditissima
fit piscatio, maxime quando per tres uel quatuor annos non
deffluxit.
Causam seu potius modum tot mirabilium operationum huius
lacus Cirknizensis tredecim punctis secundum speculationem et
opinionem meam explicatum pono una cum icone No. 3 *
Litt: AA est lacus noster Cirknizensis, litt: CC est lacus sub-
terraneus infra lacum cirknizensem, litt: B.B est lacus subterraneus
in monte jauornik altior lacu Cirknizensi, lit: D et lit: E sunt duo
parui lacus subterranei altiores lacu Cirknizensi et demissiores lacu
BB, litt: F est paruus lacus subterraneus altior lacu ^. ^, reliquos
siphones et canales iam statim suo loco dicam (notandum est, quod
lacuum, siphonum et canalium in icone non sit uera proportio
magnitudinis et paruitatis).
I. Cur solumodo ex duobus antris scilicet ex urajna jamma
lit: P et ex sekadulze lit: 7" tempore fulminis et tonitru magno
impetu aqua exit, nee non saepius multae anates et pisces, similiter
etiam fit tempore continuae siue magnae pluuiae. rationem do dum
fulminat, tunc sonus profligatur in cauernam lit: G et transit per
canalem / ad lacum semiplenum aqua B, qui tali sono et motu
movetur (notandum est, quöd lacus iste habeat paruam scaturiginem
aquae Y, ut uero continuo semiplenus permaneat habet canaliculum
No. 9, 8, per quem exit aqua ex lacu B in lacum B.B) sie leuatur
aqua per siphonem lit: d in uno Horizonte cum aqua stantem ad
minimum motum aquae, iste siphon d intrat apud lit: / in alium
siphonem e, cuius curuatio alte supra horizontem aquae in lacu B
stat, ex quo aqua per siphonem d fluens eleuat aquam per si-
phonem e, sie intrat apud 6 et exit apud 5. in lacum E, qui cito
repletur aqua, quae per magnos canales Q et B cum multis anatibus
et paucis piscibus apud P et J (id est majna jamma et sekadulze)
magno impetu exit, quia altum casum in monte habet.
Quod tempore magnae et continuae pluuiae etiam aqua cum
impetu exit per B et B ratio est quia aqua congregatur in V et
fluit per canalem / in lacum B ex quo eleuatur aqua per siphonem d,
et fit ut supra dixi.
Siehe Abbildung: Ehre des Herzogtums Krain, I. (IV.), S. 688.
'S) 2$S "&
II. cur auditur tempore fulminis et tonitrui quasi sonus tym-
panistarum in foueis malabobnarza et uelkabobnarza apud s.s, et
cur ex illis nunquam, nisi tempore magna^ pluuiae aqua exit.
ratio est quod sonus fulminis et tonitrui in cauernam G
ueniens se extendat et transit per canalem magnum // (qui sine
dubio plures canaliculos et cauernas in se habet, qui causant talem
sonum) et exit apud 5.5 id est auditur talis in foueis 5.5.
exeuntis aquae tempore pluuiae magnae ratio est, quia con-
gregatur aqua in V et fluit per canalem H et exit magno impetu
apud 5. 5.
III. cur aqua ex quatuor foraminibus nempe ex fouea koteu n,
et ex fouea zeslenza m, quae siccae sunt, et ex scaturigine uelkjo-
berch 16 et ex scaturigine tresenz K (ex quibus bis duobus uultionis
semper aqua fluit) tempore modicae pluuiae aqua cum impetu exit
et quare ex scaturigine sola uelkjoberch No. 16 pisces et anates
cum aqua ueniunt.
ratio est quia aqua congregatur in T.T Qt currit in lacum ^.^
parum crescente lacu B.B siphon No. 11 (cuius curuatio est in
uno Horizonte cum aqua) eleuat aquam apud 10, quae exit apud K
tresenz. ex siphone 11 intrat aqua in siphonem / et exit aqua
apud m zeslenza et apud // koteu.
quöd uerö scaturigo tresenz semper parum aquac det ratio est
quia per canaliculum h in siphonem 11 fluit et apud tresenz K
exit uel etiam potest infra melius aliquam aliam scaturiginem
fontis habere, quod non exeat apud m et n, est ratio, cum siphon /
curuatus sit, et cum parum aquae per canaliculum h intret, non
potest in siphonem / fluere.
quöd tempore modicae pluuiae magno impetu exeat aqua apud
uelkjoberch 16 ratio est similis priori, quia curuatio siphonis 13
est in uno horizonte cum siphone 11 sie apud 17 eleuat siphon
aquam, quae exit apud 18 in lacum D, tunc intrat acjua unacum
piscibus et anatibus apud 15 et transit per canalem magnum iV,
quae apud scaturiginem uelkjoberch 16 exit in lacum Cirknizensem.
Quöd uero in uelkjoberch semper acjua fluat ratio est, quia
per canales C et W ex lacu B in lacum D continuo fluat, et
iacus J) non habet alium exitum praeter canalem N sie fluit con-
tinuo jjcr istum et quia ex altera parte montis unus riuulus laser-
bach nominatus intrat in montem, et hie exit quöd uero multi
pisces et anates ex uelkj oberch tempore modicae pluuiae ueniunt
'S) 260 '^
ratio est, cum siphon 13 aquam eleuat, quae cum impetu ex lacu
D exit et secum abripit pisces et anates ex lacu D per magnum
canalem N.
Quod uero spelunca urajna jamma P et sekadulze J non con-
tinuo aquam dent, ratio est quia lacus E habet alium canalem M
per quem continua aqua exit.
IV. cur non ex omnibus foueis siue foraminibus (quando aqua
magno impetu exit) pisces cum aqua ueniunt, siculi ueniunt ex
fouea rescheto, uodonos et ex aliis uti 4. 4. 4, ex multis uero uti
0.0.0.0 sola aqua sine piscibus uenit.
ratio est quando magnus siphon K eleuat aquam ex lacu B . B
et implet lacum C . C et cum altum habet casum tunc exprimitur ^
aqua ex lacu C, quae transit per canales magnos 0.0.0 et exit ^
una cum piscibus cum impetu apud 4. 4. 4, istis magnis canalibus '^^
adhaerent alij parui canaliculi uti o.o.o.o.o, per quos sola aqua
sine piscibus exit, similiter fit etiam cum canale p et cum pluribus ;^
alijs. Pisces uero ueniunt in hunc lacum C.C ex lacu A.A per E
eosdem canales siue foueas, uti per rescheto uodonos et per alios. ^
V. cur inter 25 dies lacus A.A euacuatur et e contra aliquando "^
inter 18 horas repletur aqua. 5
ratio est cum diu non pluat id est tempore siccitatis omnis |;
aqua congregata apud T.T deffluit et quamplurrimae aliae scaturi- !*
gines uti t.t cessant fluere, sie lacus B.B (cum nulla aqua in
eum influat) per magnum siphonem K continuo fluentem breui
euacuabitur, dum diminuitur aqua usq'(ue) ad Xtunc cessat siphon K
fluere, cessante hoc siphone lacus inferior C.C incipit (qui prius
plenus aqua erat) deffluere per canalem Z qui canalis Z est
capatior omnium supradictorum octo fluuiorum in lacum ^.^ sine
interuallo fluentium, dum lacus iste C.C incipit deffluere, tunc
statim incipit lacus A.A diminui et paulatim euacuari seu deffluere
per omnes paruas et magnas foueas seu canales uti o.o .o .o .o .o
4.4.4 quae foueae altius iacent prius euacuantur, demissiores uero
tardius, uti iam supra dixi quomodo consequenter euacuantur.
Obseruaui quod canalis 6^ (qui est malakarlouza et uelkakarlouza
1, 1) et canalis Z sxxnnX concurrant (et iste ^ est canalis ille ocultus
exitus lacus Cirknizensis, quem superius ocultum exitum lacus
Cirknizensis nominaui) usq^(ue) ad alteram partem montis sanctum
Cantianum se extendit, est quidem prope vS Cantianum unicus
canalis seu spelunca saxea, per quam tarn ex lacu A.A quam ex
V. Radics, Ualvasor. 19
'S) 200 'S)
lacu C .C aqua fluit, quae aqua jesero nominatur, cum lacus A.A
Sit in summa plenitudine aquae, ut talis fluat in foueam mala kar-
louza et in uelkakarlouza 1. 1. tunc ex altera parte montis fluuius
jesero prope vS Cantianum exundat, et magno impetu exit, si lacus
parum diminuitur et in sua ordinaria distantia et altitudine sit, tunc
solumodo in cauernam mala karlouza (quia cauerna uelka karlouza
parum altius quam mala karlouza in monte sita est) fluit aqua tali
tempore etiam jesero multo minor et minori impetu exit, cum uerö
lacus A.A sit in deffluxione seu decrescentia quöd nee in cauer-
nam mala karlouza nee in uelka karlouza aqua fluat, tunc temporis
fit fluuius jesero etiam minor, et cum lacus A.A iam totus deffluxit,
nihilominus adhuc per duas dies fluuius jesero fluit uti antea,
elapsis his duabus diebus fluuius jesero paruus fit. ratio est cum
jesero adhuc per duas dies post euacuationem lacus A.A fortiter
fluat, qui fluit fortiter donec lacus (7. ^'deffluat et euacuatur usq'(ue)
ad canalem Z, postea uerö fluuius jesero non est maior, quam illi
octo supradicti fluuioli et scaturigines continuo in lacum A.A fluentes,
qui in lacu statim absorbentur et per paruos canales o.o.o.o.o.o
fluuit in inferiorem lacum C.C et exeunt per exitum ocultum Z.
probatio est ista clara (quod hi duo canales S et Z simul con-
currant) quam ego aliquoties summa diligentia obseruaui.
Quomodo uero lacus cirknizensis A.A aliquando intra 18 horas
aqua repletur. hoc fit tempore magnae pluuiae, fulminis et tonitru,
quando cauernae 7]T plenae aqua et aliae aquosae quamplurrimae
scaturigines /./ propter magnam pluuiam multum aquae dant lacui
B.B donec aqua uenit in altum ad summam curuitatem siphonis
magni K, tunc eleuat siphon iste aquam ex lacu B.B quae intrat
in siphonem apud X et exit apud V in lacum c.c, cum lacus C.C
fit plenus aqua, tunc exit aqua summo impetu per omnes paruos
et magnos canales, foueas, foramina, canaliculos in lacu A.A sitos,
similiter tempore pluuiae multum dant aquae mala bobnarza et
uelka bobnarza, et omnes aliae foueae et cauernae et cum fulminat
et tonitruat dat urajna jama P et sekadulze 7 maximam copiam
aquae, reliquae scaturigines et fluuij in lacum continuo currentes,
tempore magnae et continuae pluuiae magnifiunt, et sie etiam sua
lacui tribuunt.
notandum est, quod siphones 17, 10 et 12 non profunde stant
in lacu B.B fsi profunde starent tunc continuo fluerent) canalis
uero magnus K sat profunde cum suo orificio X, quando iste
<2) 291 'S)
canalis cessat aquam attrahere tunc incipit lacus noster cirknizensis A.A
diffluere et euacuari, iste canalis seu syphon magnus K est causa
deffluxionis et effluxionis ac^uae siue nostri lacus cirknizensis A.A.
VI. Quomodo fit, quod per easdem foueas aqua exeat cum
impetu, per quas intrauit, rationem dixi in praecendenti puncto V.
VII. Quomodo fit, cum lacus cirknizensis A.A ubiq'(ue) sit
montibus cinctus, quöd non circumiacentes pagos inundet. rationem
dixi in supradicto. puncto V, quöd nimirum lacus A.A habebat
suum exitum per duas cauernas oculares scilicet mala karlouza et
uelka karlouza 1. 1. et per unum ocultum canalem Z, fit tamen
aliquando etiamsi rarö, quod erescat aqua in lacu A.A ultra
cauernam uelka karlouza ad summum sex aut Septem cubitorum,
sed cessante pluuia cito deffluit per cauernam uelka karlouza, quae
alias capax est accipiendi aquam pro necessitate, quod non omnis
aqua possit per 1. 1. deffluere, hoc fit solumodö tempore extra-
ordinariae tuermae (turmae?) et continuae pluuiae.
VIII. quare illi octo fluuioli et scaturigines sine intermissione
in lacum A.A fluentes tempore siccitatis lacus non faciunt lacum,
uel qua euanescit aqua illa, hoc iam superius puncto V dixi, quod
sciHcet absorbeantur illi riuuU et fluit illa aqua per paruos hinc
inde in lacu sitos caniculos o.o.o.o.o uel aqua postea ex inferiori
lacu C.C apud 19 in ocultum canalem seu exitum Z fluit.
IX. cur duae fouae soles scilicet narte et pjauze 2. 2. semper
paludosae permanent et non exsiccantur cum alijs foueis. ratio est,
cum habent hae duae foueae unum canalem M ex lacu E in quem
canalem fluit aqua apud 3 et exit in fouea pjauze et narte 2. 2.
X. quare in uelk oberch 16 (quando aqua cum impetu tempore
modicae pluuiae uenit) aqua citius cessat cum impetu fluere, quam
in koteu et reshenza. ratio est quia orificium 17 siphonis 13 non
ita profunde stat, quam orificium 10 siphonis 11.
XL quare tempore sereno (cum lacus A.A sit siccus, et nulla
pluuia sit) etiam aliquando scaturigo uelkj oberch 16. tresenz K
zeslenza m et koteu n aquam cum impetu dant. ratio est, quia
paulatim congregatur aqua in lacum B.B^ev scaturigines et canales
T.T.t.t et cum ascenderit lacus usq'(ue) ad siphonum curuationes 13
et 11 in urajna jama et sekadulze taliter fieri non potest, cum sit
siphonis curuatio e nimis alta.
XII. unde fit, quöd lacus iste, Cirknizensis A.A omni anno semel
etiam bis uel ter deffluat et exsiccetur, aliquand uerö inter tres
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'S 202 '&
uel quatuor annos solumodo semel euacuatur, nunquäm tarnen per
integrum annum uacuus siue siccus permanet.
ratio potest ex supradictis uideri, quöd siccitatis tempore cum
canalis magnus siue siphon ATcessat aquam attrahere, cum scaturi-
gines et cauernae T.T.t.t nullam tribuant aquam lacui B.B, tunc
euacuatur lacus A.A et hoc fit aliquando in anno saepius et
quoq'(ue) in hyeme, si nee pluuia nee niues cadunt.
quöd uerö per integrum annum nunquam siccus pet-maneat.
ratio est, quia nunquäm contigit, ut per integrum annum nee pluuia
nee niues caderent, ut non possit impleri lacus B.B.
XIII. unde fit (quando magno impetu aqua uenit ex uelkj
oberch 16, urajna jamma P et ex sekadulze *J) quod ex uelkj oberch
magna copia piscium, minor uero anatum: per contrarium uero ex
urajna jamma et sekadulze magna copia anatum, minor uero piscium
cum aqua eicitur. ratio est quia per canalem c (qui quasi in fundo
lacus B. B Situs est) muulti pisces ueniunt. per canalem siue foramen
IV uerö (quod foramen minus siue angustius est quam X) raro
ueniunt anates, sie maior copia piscium quam anatum in lacum D
uenit, contrarium uerö fit in lacu E, quia per foramen siue canalem X
(cum sit magnus) magna copia anatum transit per illum, et minor
piscium, quia hoc foramen uel canalis non est in fundo sed
plerumq'(ue) sequalis aquae in lacu B.B hae anates ex monte uenien-
tes,* quarum hie saepius mentio fit, generantur in monte in lacu
subterraneo B.B quando aqua ea eijcit, tunc sunt caecae nihil uident,
et sunt implumes quasi nudae, non habent plumas (inter 14 dies
uero acquirunt plumas et uisum adhuc cicitus et saepius postea
turbatim abuolant, sunt nigri coloris in fronte sunt albae, corporis
non magni, de reliquo sunt formatae, uti aliae ordinariae siluestres
anates) ideo a terricolis facillime baculis mactantur (quia nee uident
nee possunt uolare. natant uero optime) sunt optimi saporis sed
nimis pingues, habent fere tantum pinguedinis quantüm carnis.
Ego quamprimüm ex sekadulze eiectae fuerant baculo mactaui,
Corpora eorum aperui, in quibus multum arenae inueni, in aliquibus
paruos pisces, sumä admiratione uerö inueni in aliquibus quidem
paucis uiridaria, id est gramen siue herbas, cum in nullo lacu sub-
terraneo in Carniolia sito, nee in subterraneis speluncis quidquam
* Deschmann : Valvasors angebliche ,, blinde Enten". Mitteilungen des Museal-
vereins für Krain, 1889, p. 272.
'S 203 'S
uiriditatis iuueni (tentaui etiam pisces eiectos acquirere, et tales
aperire, ut uidissem nutrimentum eorum, sed non potui illos tempore
eijcionis acquirere et si multum adhibui diligentiae, incassum tarnen
laporaui) mirabilis constitutio huius lacus subterranei esse debet,
in quo gramen et herba crescit, pisces et anates generantur.
aliqui accolse ab his anatibus pinguedinem separant, quam pro
quotidiano usu habent. uti anno 1683. colonum nomine hanshe
uerbane (id est ioannes uerbane), qui tres magnas ollas pinguedinis
anatum supradictö anno congregauit. aliqui uerö illa sale condunt,
et per annum eas comedunt, sed sale conditae non sunt boni
saporis ob nimiam pinguedinem.
Saepissime, fere omni anno ex uno in monte sito foramine
storseg nominato, semi miliaris germanici distante ä lacu cirknizensi
prope ciuitatem laas nominatam tempore magnae inundationis et
pluuiae in maxima copia magno impetu tales anates unacum aqua
admirabili modo eijiciuntur est hoc foramen prope ciuitatem laas.
credo quid hoc foramen storseg sit canalis lit: L ex lacu subter-
raneo B.B et cum lacus iste B.B k nimia pluuia repleatur tunc
anates intrant, uel potius ab aqua impressae siue pulsae apud 23
in canalem L et apud storseg eijiciuntur. notandum est, quöd in
hac icone No. 3 foramen storseg non sit signatum, id est ubi in
storseg exeunt anates.
Anno 1677 multa millia anatum per hoc foramen eiecta erant,
quas accolae bacculis mactant, uidi supradictö anno apud unum
molitorem, ibi prope habentem molendinum, habere duo dolia siue
labra plena anatum sale conditarum.
Anno 1679 (uti mihi ä fidedignis dictum est) multae centenae
anates ex hoc foramine storseg eiectae sunt, similiter anno 1683,
et sie fere omni anno fit, magnum beneficium est accolis et pro
nuUa raritate habetur.
Siuerö quis mihi obijceret se non posse credere, tot lacus, si-
phones et canales subterraneos esse, fateor esse non difficile cre-
ditu (si quis uerö bene praecogitat omnes supradictas operationes,
quae omnes uerissime fiunt, quae egomet expertus sum, necesse
est, ut supradictö modo fiat) ideo nunquam hanc meam specula-
tionem et opinionem luci dedissem, nisi pro defensione huius mei
studij habuissem in succursum grottam subterraneam podpetschjo
dictam, quam iconismus No. 4 repraesentat (est in Carniolia haec
grotta Sita in parochia guetenfeld, distat ä metropoli Ciuitate Labaco
-2) 294 -2)
quatuor milliaribus germanicis) lit: a est foramen siue introitus in
petrosum montem lit: /; est grotta seu spelunca sub terra in monte
magna, in qua plures quam centum equites stare possent lit: i
et K: est canabis sat amplus eundi per illum usq'(ue) ad unum
paruum lacum lit: o ex quo lacu uicini accolae sumunt quotidie
aquam pro quotidiano usu (quia propius nullam aquam habent,
ideo natura illis hanc tribuit) accensis facibus euntes, in lacum
istum lit: o fluit magno impetu aqua per unum canalem / ex lacu o
uerö fluit in unam profundam cauernam tam rapaci impetu, ut
exploratio seu explosio Sclopi (!) hie non audiretur ob nimium
murmur impetus aquae. est et alius canalis obliquus in altum id
est sursum tendens lit: ;// per quem uenitur ad magnum lacum ;/,
cuius longitudo et latitudo hucusq'(ue) ä nemine recognita, multis
accensis quidem facibus hinc inde aspexi, sed nil praeter aquam
uidere potui et ä me proiectos hinc inde lapides semper audiui
in aquam cadere, profunditatem huius lacus decem cubitorum
prope ripam inueni, absq'(ue) dubio in medio profundior erit
dixerunt mihi accolae, quod canalis / aut semper aequaliter dat
aquam, aut est plane siccus, dixerunt quod in uno momento ali-
quando cessat dare aquam, et permanet per aliquot septimanas
siccus, postea iterum quasi in uno momento incipit summo impetu
fluere non sine tremore perterrefacti pro aqua venientes aliquando
percipiunt. quo audito, cito mihi imaginabor, quod talis operatio
per aliquem siphonem fiat, ideo tantum laboraui, donec penes mag-
num lacum, id est in ripa magni lacus ad canalem lit: t perueni,
et inueni, quod mihi imaginabor, sciHcet verum siphonem circiter
unius pedis geometrici habentem largum foramen siue orificium,
qui Siphon attrahit aquam.
ex spelunca b est alius canalis c, qui diuiditur in tres alios
canales uti lit: d.e.f.
Canalis / tendit deorsum oblique in profundum, et uenitur ad
aquam curentem g, penes quem patet uia usq'(ue) //, ibi uidetur
per unum foramen paruum aliquis paruus lacus, apud / sunt ueri
siphones magni et parui quasi perpendiculariter in altum tendentes,
funiculo ligatum lapidem sursum tamdiu proieci, donec per aliam
partem siphonis relapsus est, sunt tales quamplurrimi siphones et
canales magni et parui. omnia ista sunt ex petra durissima quasi
prolita, ac si illa manu humana fuissent facta, omnia ista possunt
uideri, et ubiq'(ue) iri facibus accensis, sunt adhuc multi alij canales
in quibus necdum fui.
^ 295 'S
procul dubio signis paruam nauiculam portaret ad lacum lit: n
et nauigaret per lacum, fortossis curiosa inueniret: credo istum
lacum extensum uno milliari germanico, quia ab ista grotta pod-
petschjo dicto distat uno milliari germanico pagus Kumpale dictus,
cuius incoloe non aliam aquam habent, quam in monte petroso,
pro qua eunt facibus accensis per unum sat amplum canalem ad
magnum lacum subterraneum mensuraui instrumentis bonis geo-
metricis et fodinarijs hos duos lacus subterraneos nimirum pod-
petschjo et Kumpale, et inueni tales esse in uno horizonte, hoc
reiteraui bis, nempe dum podpetschjo canalis / fluebat, item quando
non fluebat. quando incepit fluere, tunc inueni, quod lacus lit. 7i
duorum cubitorum fuit altior, quam prius erat, quando cessauit
fluere (ex industria enim reiterato huc ueni) in eodem horizonte
inueni etiam alium lacum apud Kumpale, ergo certum est, quod
Sit solumodo unicus lacus subterraneus.
Tantum tentaui ego et monstro alijs uiam ä me satis tritam ad
maiorem experentiam, plura quidem tentarem, si iunior essem,
curiositas quidem adhuc in me uiret, uires uerö inopinate transeunt.
his me comendo in gratiam Inclytae Societatis Regiae et permaneo
datum in arce Wagensperg in Carniolia 7./17. nouembris 1687
obligatissimus
Joannes Weichardus Valuasor Baro m/p.
tanquam indignus Regiae Societatis Socius.
Brief: 27 Seiten lang; Schrift: groß, leicht leserlich; Papier: fest,
Bütten, gut erhalten, 20^2 cm hoch, 15^/2 cm breit, Goldschnitt.
datum Wagenspergi in Carniolia 7./17. nouembris 1687.
Perillustris ac Nobilis Domine Dne cui seruitia mea semper parata
(Read. Dec. 14 1687)
Certiorem facio D'nationem Vestram me iterum postea bis
scripsisse Venetias D'no J. Hobton, quem petii ut mihi scribeat per
quem uassellum siue nauem misit D'nationi Vestrae fasciculum
meum ante annum ipsi missum, sed nullum responsum ab ipso
percaepi, libenter scirem an peruenerit nee non fasciculus ille. iam
-2) 296 'S
uero transmitto descriptionem lacus Cirknizensis (in qua nil praeter
ueritatem scriptum, quae ego omnia solus expertus sum, quae ego
oculis non uidi et ä fide dignis habeo, ubiq(ue) scripsi quöd ä fide
dignis percaeperim, uidebit D'natio Vestra an non ante annu(m) ueri-
tatem scripserim, cu(m) dixerim quod sit magnum naturae miraculum,
si quid intelligere non poterint, rogo mihi scribere tunc me melius
explicabo). Inclyti Societati Regiae et praecor humillime ueniam,
cum non prius miserim, habui quidem iam ä longo tempore paratum
sed non bene descriptum, multa habui ad agendu(m) cu(m) mihi
duo filii praeterita quadragesima moriebantur, et in aprili mea
consors, nunc uero celebraui secundas nuptias cum Domicella anna
maximilla zezhekerin Baronissa. nuper etiam in croatia fui, primo
his diebus domum ueni. etiam habui ad agendum cum opere meo
scilicet cum descriptione historico-topographica descriptio Ducatus
Carnioliae, erit opus quasi Chronicon Carnioliae, ubi quamplurrima
curiosa erunt, erit opus magnum erunt ultra 400. fiUerae et ultra
500. iconismi, erit liber sat curiosus, nunc sunt ultra 200 fillerae
impraissae, quam primu(m) impraessus erit, tunc mittam D'nationi
Vestrae. Summa gratia mihi fieret, si possem hanc gratiam a
Societate Regia, uel saltem ab aliquo uno uel altero uel ä pluribus
Socijs Societatis Regiae unum Carmen encomiasticum pro supra-
dicto meo libro habere, ut illud ad initium libri imprimeretur, quia
in his partibus similia multum aestimantur ideo mihi magni honoris
esset, liber uero continet in se sequentia deriuatio nominis Carniolia,
primi inquilini, duces Carnioliae, gubernatores Carnioliae, omnia
officia in Carniolia, mores; uarij uestes; linguae, consuetudines in-
colarum, Episcopi, Sancti, religio, regimen, bella, uegetabiliä, animalia,
mineralia, montes, fluuij, temperamentum, curiosa et rara et mirabilia,
scriptores, insignia nobilium nostra turcica confiniä in croatia et
sclauonia et dalmatia, deniqu(e) omnia quae ad Carnioliam spectant.
Sic rogo humillime Dn'atio Vestra me recomendat ut potero hac
gratia gaudere, scilicet tali carmine suprapetito. Sic permaneo
Dn'ationis Vestrae , , . .
obligatissimus
semper paratus ad seruitia
datum Wagenspergi in Carniolia 7./17. nouembris 1687.
Rogo pro gratia ut breui mihi scriberet Dn'atio Vestra
Joannes Weichardus Valuasor Baro m/p.
Papier: ein halber Bogen starkes Büttenpapier mit Goldschnitt,
Farbe gelblichweiß, in Quart gefaltet, 20^2 cm hoch, lÖ^/g cm breit,
davon die erste und zweite Seite beschrieben. Auf der vierten Seite
oben ist die Bemerkung: „Journall Book R. S. Nr. 8, p. 171."
Labaci in Carniolia 5./15. nouembris 1688.
Perillustris ac Praenobilis Dn'e Dn'e cui seruitia mea ante omnia
semper parata
Certiorem facio Dn'ationem Vestram me praeterito anno 1687.
7./17. nouembris scripsisse et lacum Cirknizensem cu(m) omnibus
circumstantijs descriptum per postam misisse, sed nullum responsu(m)
acquisiui, scripsi iterum hoc anno 1688. 9./19. marcij, summe miror
me esse ita infortunum, quöd ad binas litteras et per tam longum
tempus responsum mihi non peruenerit, modo recte uenisset de-
scriptio supradicti lacus, contentus essem. rogo itaq' humiliter
Dn'atio Vestra dignetur me uno responso, an talem descriptionem
recte percaepit, si non (quod quidem non spero) tunc statim aliam
descriptionem iterum mittam, quidem non dubito eam non per-
uenisse, cum alias omnes aliae litterae semper recte peruenerint,
fortassis est nunc alius Dominus Secretarius Societatis Regalis
Londinensis ad scientiam naturalem promovendam institutae, quam
antea fuit Dominus Thomas Gale cui ego semper scripsi. ideo rogo
solumodo pro hac gratia, ut mihi scriberet an supradicta Inclyta
Societas percaepit talem descriptionem ä me missam, et si me
dignabitur responso tunc mihi sie sunt dirigendae Htterae
Monsieur
Monsieur Jean Weichard Valuasor Baron
Capitaine
par Viennae en Anstriche ä Labach
tunc mihi litterae recte peruenient. nil aliud quam permaneo
Dominationis Vestrae
ad seruitia
semper obligatissimus
Labaci in Carniolia 5./15. nouembris 1688.
Joannes Weichardus Valuasor Über Baro m/p.
'S) 20$ 'S
Auf der Rückseite des stark lädierten zweiten Blattes, zugleich
Kuvert, steht die Adresse:
Monsieur
eur N: N: Secretaire
.... Societe Royale en
ä Greshum Collega
Presentement
striche ä Londres en Angleterre
Ober der Adresse rotes Wachssiegel Valvasors, gut erhalten,
11/2 cm hoch, 1 cm breit; neben dem Siegel, links, der Post-
stempel, rechts die Kanzleibemerkung: „A Letter from Monsieur
Valuasor concerning Description of the Lac of Zircknits, Journall
Book R. S. Nr. 8, p. 171, 173 &c." Papier: gutes, festes Büttenpapier
mit Goldschnitt, Farbe gelblichweiß, 20^3 cm hoch, 151/2 cm breit.
Erfindung des Feingusses, Beridit an die Royal
Society 1687.
Pars Epistolae ad Thomam Gale, S. T. D. Secret. Reg. Soc. e
Carniolia perscriptae a Dn. Joh. Weichardo Valvasor, Lib. Barone:
qua continetur Methodus Statuas ex Metallo fundendi: una cum
ejusdem invento, pro istiusmodi Statuis extraordinaria tenuitate
conflandis, ultra quam hactenus cognitum aut in praxi visum fuit.
Translata ex Transact. Philos. Angl. M. Januar 1687, Nr. 186,
pag. 259. Vobis meam hie methodum Statuas ex metallo fundendi
communico, satisfacturus jussui Regiae Societatis: ea vero se modo
sequenti habet. Ante omnia ex meliori luto, quodque ignem patitur,
neque aut inter siccandum aut percoquendum rimas agere com-
pertum est, efformo talem figuram aut statuam qualem conflare
fert animus. Haec postquam bene siccata est, sparsim per totam
figurae superficiem parva excavo foramina, non ita magnae pro-
funditatis (sed, tam hujus, quam amplitudinis intuitu, congrua pro-
portioni magnitudinis statuae), quibus aptata immitto exigua frustula
metalli, paux'illo ejusdem luti firmiter ea foraminulis insigens.
Usus horum metalli frustalorum, quae in (Fig. 3) indigitantur per
a, a, a, a, a, is est, ut prohibeant Nucleum et formulam a mutuo
contactu: ne scilicet collabantur erga b invicem, dum cera effluit;
utque adeo utrumque eorum in eodem fixo positu constanter
remaneat. Hoc facto, convenienti quodam instrumento abrado tan-
tum de superficie luti, quantum crassitiei statuae futurae tribuere
decrevi: atque tum nucleum hunc furno immissum percoquo, donec
penitus candefiat (per nucleum vero ubivis intelligo statuam ita
primum ex luto effictam). Cum refrixit, eum undiquaque perfrico
isto genere Terrae aut pigmenti, quo Germani nostri figuli utuntur
ad colorandas juncturas fideliarum, postquam fornaces fictiles e
talibus construxerunt. Pigmentum illud valde ei simile est, quod
Gallis vocatur Plomb de mer (Plumbago alias), cujus usus frequens
'S) 300 ^
est ad primas picturarum lineas in charta ducendas, a qua dein
panis mica facile uusuni abstergitur; non tarnen cum eo omnino
idem est. Hoc inquam, pigmentum aqua misceo, eoque totum per-
lino nucleum : dum compertum est, Metallum super eo liberius
fluere. Dantur quidem et aliae materiae huic fini inservientis: at-
tamen ego hac semper usus sum, maximo pro statuis tenuioribus.
Id postquam peractum est, jam nucleo superinduco tantum cerae
flavae, pice aut resina permixtae, quantam facere cupio crassitiem
statuae statuae occoeptae: quam adeo in ipsa cera, quanta maxime
valeo accuratione e labore.
Notandum hie est, quod istae metalli particulae, quas supra
dixi nucleo infigendas esse, ad eum in distantia aliqua a modulo
distinendum, ita debeant esse collocatae, ut parallelae coincidant
exacte cum superficie cerae. Ratio autem, quare picem aut resinam
cerae admisceam, haec est, quod eae materiae cum dein exuruntur,
validum reddunt fumium, qui ipse adliaerescens modulo efficit, ut
metallum eo liberius se diffundat ac discurrat, prout ipsemet ex-
perientia didici.
Porro hinc inde per superficiem cereae hujus statuae dispono
exigua cerae frustula, quae vocare soleo canaliculos minores, et in
figura exhibentur sub c, c, c, c, c, c (quos singulos ita adaptari
oportet, ut semet inserant in canales illos majores d, d, d). His
peractis, ab omni parte nucleum ceramque obduco eodem luti
genere, quod ignem patitur fissurarum expers; atque sie jam statua
concava sive formula perfecta est. Supra hanc dein colloco majores
illos canales, signatos literis d, d, d, d, tam erecto, quam transverso
sitae, formatos pariter ex cera; ita eos disponens, prout Optimum
esse judico, ad recipiendas extremitates minorum canaliculorum
c, c, c, c, c, et commodiorem metalli distributionem. Majores bi
canales necessum est ut universi concurrant circa verticem statuae,
sie ut ex unico foramine sortiantur exitum, prope e, ubi postmodo
metallum infundendum est. Praeterea etiam oportet ipsam esse
instructam uno alteroque canali ad emittendum aerem, dum me-
tallum in ejus locum subintrat, quales indicati sunt per/,/; pariterque
opus est, ut unum vel duo foramina prope basin relinquantur, ubi
^^ic g, g, ubi canales majores cum statua cerea conjunguntur; per
quae ipsa nempe cum Formula percoquitur, cera statuae non
minus, quam ipsorum canalium effluere valeat. Majoribus canalibus
ita dispositis, Formulam denuo totam convestiri oportet ejusmodi
'S) 301 'S
luto (semper autem soleo formulam prius filis ferreis circumligare,
atque sie demum plus luti superinducere): cumque paratus ita
Typus jam probe siccatus est, tum eum, usque donec candescat,
igne percoquo: atque sie, ut antea Nueleum solum, ita jam utrumque
simul tracto.
Prima quidem viee, eum hancce methodum praxi darem, tam
Nueleum, quam Typum simul et una opera pereoquebam, adeo
quidem valido igne, ut euneta ista metalli frustula inde una lique-
facta forent, atque sie, quamvis tum quidem easu res prospere
sueeederet, ingens tamen perieulum esset, ne labor frustaneus
evasisset : ex eo autem tempore nunquam non soleo Nueleum
primum perurere, ne tam acri dein igne indigeam, ad pereoquendum
modulum. Attamen pro minoribus et faeile traetabilibus statuis,
unius puta aut duorum pedum altitudinem haud superantibus,
utrumque eorum simul pereoquere lieet: quo easu etiam non opus
est foraminibus g, g, dum formula inverti atque sie eera mox
effluere potest per eanales /, f ete.
Typo sie exeoeto, duo ista foramina g, g, luto saepius memo-
rato obturo atque tum illum in serobem defodio, eodem modo
proeedens, qui usitatus est in eonflandis eampanis et similibus:
eura tamen imprimis habenda, ut metallum per fusionem probe
fluidum reddatur.
Si statua non ita magna sit, unum nempe duosve pedes haud
exeedens, cujus adeo modulus manibus unius hominis traetari aptus
sit, tum eoncavam mihi ex eera statuam formare soleo, ea qua
lubitum est, erassitie, atque sie super hae dispono omnes illos
majores minoresque eanales, ut antea indieatum est: quo faeto
totam eam eompagem simul immitto substantiae liquidae, paratae
ex gypso et latere eoetili in pulverem eomminuto, aqua temperatis.
Verum eum non dubitem, quin modus hie typos e gypso fingendi
jam Londini affatim eognitus sit, hine non opus mihi erit, plura
hae de re verba faeere.
Cum statuam valde tenuem eupio fieri, tum sumo cuprum, eique
eum per fusionem jam satis fluidum evasit, admiseeo bonam quanti-
tatem zinethi, non tamen observata eerta ponderis proportione: quo
enim plus zinethi additur, eo melius fluit metallum, et quandoque pro
parvis ae tenuibus statuis plusquam tertiam zinethi partem apposui.
Est vero Zinethum substantia quaedam mineralis, similis Marcasite
seu Bismutho, et Gallis appellatur du Zine: absque qua sane opus
-g) 302 '&
nostrum successu cariturum foret, si tenuitas ejus permagna ex-
petatur: etenim per experientiam edoctus sum, minerale hoc efficere,
ut metalluin libere fluat ; cui praeterea elegantem auri colorem
conciliat.
Statua tandem ita conflata, modulum amoveo, et ab ea reseco
cunctos istos canales minores: omnes quippe illi tarn majores, quam
minores, tunc metallo oppleti sunt; quod ipsum adeo adservari ad
futuros usus potest: dum sane in bis multo plus metalli est, quam
in tota statua. Haec enim si valde tenuis fieri debeat, plures et
ampliores oportet esse canales: atque sie quo vilioribus ipsa statua
sumtibus parabilis est, eo majus canalium pondus fit, eoque plus
metalli dein residuum mannet.
Ad cognoscendam vero quantitatem Metalli ad opus, quod
taliter molior, requisiti, de eadem mixtura e cera et pice confecta,
ex qua formulam statuae futurae confingo, qualemcumque massam
adsumo et pondero; super qua dein peculiarem modulum efformo
eo fine, ut huic dein infusa metalli massa ejusdem cum illa molis
fiat: e cujus ipsius quoque pondere explorato, computo propor-
tionem inter pondus metalli ac cerae: hac ita cognita, si modo
post observem, quot libras cerae insumam tam figurae, quam
canalibus formandis, facile calculum ad exiguum usque momentum
valeo subducere, quantum metalli ad fusionem mihi opus sit.
Hie est modus, quo in conflandis statuis insigni tenuitate pol-
lentibus utor, qui etiam nunquam non exvoto mihi succcssit. Hac-
tenus equidem nullam adhuc fundere aggressus sum, quae ultra
novem pedes altidunis habuerit: neutiquam tamen dubito, quin,
eadem observata methodo, tales in quacumque magnitudine desi-
derata parare valeam. Ac sane, quamprimum quietiores erimus a
malo nostro vicino Turca, animus est unica fusione conflare statuam
Imperatoris nostri Leopoldi I. equo insidentis, multo grandiorem
naturali statua: imo jamjam de sumptibus ei impendendis tractavi
cum Statibus hujus provinciae, et forte dudum res ad finem per-
ducta foret, nisi bellicis hisce motibus turbati fuissemus etc.
'S) 303 "&
Übersetzung ins €ngli$clie.
Es folgt nun die durch den Sekretär der englischen Sozietät
Thomas Gale besorgte Obersetzung in das Englische behufs Re-
ferates in der Royal Society. Dieselbe lautet nach dem im Archive
daselbst erliegenden Original also:
I send you likewise my method of casting thin Statues in Mettle
in obedience to the Commands of the Royall Societie: it is as
followes. First, I form out of good clay, that will endure the fire,
and not crack either in drying or burning, such a figure or Statue
as I desire to cast ; when this is well drie I make all over the
figure little holes of no great depth (but both size and depth pro-
portionale to the bigness of the Statue) into which I let small
peices of mettle, and with some of the same clay fix them firmly
in the holes. The use of these bitts of mettle, marked in the
figure a a a a a, is to keep the core and mold from touching
one the other or falling togather, when the wax runs out, and that
they remain constantly in the same fixt posture. This done, I scrape
away, with some proper Instrument, as much of the clay in thick-
ness as I dessign for the thickness of my Statue, and then laying
it in a furnice I burn the core tili it be red hot (by the core I
mean alwais the statue first made in clay). When it is cold I rubb
the Core all over with that sort of earth or colour which our
German potters use to colour the joynts of the tiles when they
sett Stores of tiles or ( )*; this colour resembles much that
which the French call plomb de mer (Black lead) which is used
to design on paper and easily wipes out with bread, but it is not
the same : this colour I mix with water and daub all over the
Core, because the mettle is found to runn freely upon it. There
are other substances proper for this purpose, but I have alwais
made use of this, especially for thin Statues. This done I lay on
upon the Core as much ordinary yellow wax mixt with pitch or
Rosin as will make the thickness of the intended statue which I
form in the wax with all the exactness possible. Here note that
the particles of mettle mentioned to be lett into the Core to keep
* In the original th^re is a word written inside ( ) but the word is
illegible. It is apparently a German word, and looks like Kachelofens.
'S 304 ®
it at a distance from the model must be so sett as to fall in with
the surface of the wax exactly, and that the reason of mixing
pitch or Rosin with the wax is, because that when it is burnt out,
it makes a great smoak, and that smoak adhering to the model
occasions the mettle to runn more freely, as I have experienced it.
Next I put all over, upon the surface of this statue of wax, little
peices of wax which I call the little chaneis; in the figure mar-
ked c.c.c.c.c.c (all which must be contrived so as to enter into
the great Chanells d.d.d). This done I cover the Gore and wax
all over with the same sort of clay, that will endure the five
without Cracking and so I have my concave Statue or Mould made,
upon which 1 lay the great Chaneis marked d. d.d.d both upright
and transverse, formed likewise in wax, and placed according to
judgment, so as best to receide the ends of the little Chanells
c.c.c.c .c for the more easy distribution of the mettle. These great
chanells must all meet at the top of the Statue, so as to come out
by one hole, as at E, where the mettle is to be poured in; It is
also necessary to have a chanell or two to let out the Air as the
mettle enters, as those marked /./, and there must be a hole or
two left at the foot, as g. g, where the great Chanells and waxen
Statue joyn ; and wherat, when the mould is burnt, the wax as
wel of the statue as of the chaneis may run out. The great chaneis
being thus placed, the mould must be again laid over with the
same sort of clay (I use constantly to bind about the Mould with
Iron wire and then lay on more clay) and when this Mould is
well drie, then I heat it red hot, as I did before the Core, so now
both togather. (The first time I practised this method I burnt both
Core and Mould togather, and all the small bitts of mettle melted
so that, though it chanced to succeed well, yet I was in great
danger of miscarriage and ever since I burn the Core first that so
there may not need so strong a fire to burn the Mould; but for
small manageable statues of not above a foot or two high they
may be both burnt togather, and there is no need of the holes ^.^
but the Mould may be inverted, and the wax run out by the
Chaneis /./ and E)
The Mould being thus burnt I stop with the same clay the
two holes g.g and then i bury it in a pit, and proceed as is
usuall in casting of Beils and the like, but care must be taken
that the mettle be very well in fusion.
'& 305 'S)
If it be a small statue not above a foot or two high, whose
mould may be managed in one's hands, then I make me a con-
cave Statue of wax, of the thickness I desire, and then place upon
it all those great and lesser Chaneis, as afore, which done I put
it alltogather, into a liquid substance, made of Plaster and Tile or
Brick dust tempered with water; but I doubt not but the way of
Casting in plaster is well known in London, and therefore shall
not need to write. it.
If the Statue be intended very thin, then I take Copper and
when it is well in fusion, I mix with it a good quantity of zinc
(now zinc is a certain minerall substance like Marcasite or Bismuth,
in French du zinc; without it our work would not succeed, if it 4.
be very thin, and 1 have found by experience that this minerall s
makes the metall run most freely, and gives it a fair golden s
coulour) without observing any certain proportion of weight; ""
the more zinc, the better the mettle runs, I have sometimes for
gl
small and thin statues put in above a third part of zinc; now t
zinc &c. js,
The Statue being cast, I take off the Mould and cutt off ah c
the little Chaneis, all which both great and small are filled with
mettle, which may be kept for farther use; In these there is much
more mettle than in the whole statue, for if the statue by very ^
thin, there must be more and bigger Chanells; and so the cheaper ^
the statue the more weighty the chaneis and the more mettle
remaining. To know the quantity of mettle requisite for my
intended work I take a lump of the same mixture of Wax and
Pitch, with which I make the Mould of my statue; and having
weighed it, I make a mould upon it, and cast in the same a lump
of mettle of the same size; which 1 weigh and thereby compute
the Proportion of the weight of the mettle and wax ; then ob-
serving how many pounds of Wax I use about the Figure and
Chaneis, I can calculate to a small matter how much mettle I
need to melt.
This is my manner of casting Statues very thin and which
alwais succeeded happily with me. Hitherto I have cast no statue
above nine foot high, but I doubt not but I could, by the same
methods, cast one of any bigness desired. And when we shall be
more at ease from our ill neighbour the Turk, I will cast at one
fusion the Statue of our Emperour Leopold I. setting on Horsback
V. Radics, üalvasor. 20
JK
X
cc
® 306 'S
much greater than the life; I have been already in treaty about
the charges there of with the States of this Country; and if these
Turkish troubles had not come upon us, it had been now finished.
Part of a tre written in Latin to Dr. Thomas Gale S. T. D. and
Societ. Reg. Soc. from Carniola by Mr. John Weichard Valvasor
hber Baro; containing the method of Casting Statues in Mettle,
together with an invention of his for making such Gast Statues
of an extraordinary thinness, beyond anything hitherto knovvn or
practised.
Beiratsabrede des Johann Weikhard Freiherrn von
Paluasor mit Anna maximilla Freiin uon Zetsdiker
20. 3uli 1687.
Tn dem ersten O^brgange des von ihm redigierten „Casopis za zgodo--
vino in narodopisje" (herausgegeben vom historischen Uereine in Hlarburg)
veröffentlichte Berr Professor Jlnton Kaspret Seite 1$7 ff. aus einem im
Jluerspergischen JTrchive vorfindlichen 5^ormelbuche die nachstehende „Beirats--
abrede", welche unser 5^reiherr von Ualvasor anläf^lich seiner zweiten Ghe
mit der 5^reiin Hlaximilla von Zetschker im 3ahre 1687 getroffen und
welches Schriftstück wir an dieser Stelle wiedergeben wollen.
Beuratsabredt.
Zwischen den wolgebornen Berrn Rerrn Johann (Ueykhardten Ualuasor,
5^reiherrn zu 6allenegkh, ülildenegkh vnd Deudorf, Berr zu Cüagensperg
vnd Cichtenberg, einer löbl. landschaft in Krain hauptmann in unterm
Uiertel, dann der wolgebornen 5^reylein Jlnna maximilla, des wolgebornen
Berrn 5^ranz Grasemb Zetschkher, seligen 3^reiherrn auf lUeinpichl vnd
yjaldekh, Berrn auf iüüeixl, Ober-- vnd Unter-Grkhenstein mit der wol--
gebornen 5^rauen ITlaria Sidonia, gebornen Gräfin von Cättenpach erzaigten
eheleiblichen freylen tochtern, welche ihme herrn Ualuasor anheut vnten--
gesetzten dato auf geburlich gethane Werbung mit rath, wissen vnd
einwilligung beederseits, höh-- und ansehnlich vnverwandten zu einer
khünftigen gemählin verlobt vnd versprochen, auch derswegen hernach--
volgende heurathsabredt in beyseyn der beederseits hierzu erbetenen hoch--
ansehnlichen herrn vnd beystände zur richtschnur des aufsetzend ordent-
lichen heuratsbrüfs abgeredt vnd geschlossen worden.
ßeuratguet 900 fl. landtswehrung; diese hat der herr bräutigam sein
lebenlang zu genue(5en.
CUiderlag 900 fl. landtswehrung; diese hat die freyle braut ir leben-
lang zu genuetKn, hernach vnd nach ableiben eines oder des andern,
fallen die heuratguet vnd widerlag auf beyder mit einander erzeugende
kinder, in ermanglung derselben aber, das ist, wenn sie entweder nicht ge-
boren würden, oder in dero vnvogtbarkeit abscheyden sollen, das heuratguet
auf der freylen braut, die widerlag auf des herrn bräutigamb nächste erben.
20*
^ 30$ 'S)
lHorgengab 1$00 fl. auch gemeiner landtswebrung, freye donation,
ausser dessen, so der berr bräutiganib jetzt oder künftig der freylen braut
verebrn niöcbt, 500 fl., mit diesem ist die freyle braut als mit andern
ibrn frey eigentbumblicben gänzlicb frey.
Die fabrende baab, darunter das Silber gescbmeydt, item die scbulden,
so nicbt ein bundert gülden austragen, item getbraidt vnd dergleicben,
landtsgebräucbigernia(Kn den vberlenden die belfte vnd dem kindern die
andere belfte, in ermanglung der kinder, wan die freyle braut, das gott
daruor seye, ibren necbsten erben solcbe belfte anfallen, welcbes mit dem
berrn bräutigam einen gleicben verstandt baben solle. Dauon werden die
mannsklayder vnd gewöbr an selten des berrn bräutigam, der frauen
gescbmukb an selten der freylen braut landtsgebräucbigermafKu, aus--
genomben den jabres genu(5, vnverraittet zuegemessen baben. Item vol-
gendts zur wittiblicben vnterbaltung, da(5 solang die freyle braut den
namben nicbt verändert, jäbrlicben 400 fl. landtswebrung, die belfte zu
anfang, die andere belfte zu ausgang des jabrs, baus und garten, zins
vnd aller anlagen frey zu Caibacb oder Rudolpbsvoert.
Zur abfertigung ein guttscbe wagen mit 2 bespandten pferden.
Cüegen dieser pactorum dotalium, wie aucb wegen dessen, so ferer
die freyle braut väter- müetterlicbes oder sonst quocunque modo nacb den
befreyndten anerben vnd den berrn bräutigamb zuebringen möcbte, ist er
berr bräutigam, sye freyle braut auf seyn baab und guett die versicberung
zu tbuen vnd zu geben, von welcben die freyle braut bis abzablung
letzten beller vnd Pfennings abzutretten nicbt scbuldig. Jllles tbreulicb vnd
obne geuäbrde, aucb bey verpündung des landtsscbadenpunts in £rain.
Dessen zu wabren vrkbundt ist diese beuratsabredt neben beederseits
erbetenen bocbansebnlicben berrn vnd beyständen aigene bandscbrift vnd
pöttscbaft fertigung aufgericbt vnd gescblossen worden. Bescbeben zu
Jreybof den 20. july anno 16S7.
(C. $.) 3obann CUeykbard üaluasor (C. $.) ülaria Sindonia von Uernekb.
freyberr.
(C. $.) 5ranz Gngelbrecbt Zetscbker (C. $.) 5^erd. Grnst graf von Saurau.
freyberr.
(C. $.) marx JInt. Caufrer freyberr. (L $.) 5^ranz fl. graf von Camberg.
(C. $.) 6eorg Andre ßraffenweg. (C. $.) Sigmund lüilbelmb Zetscb.
(C. $.) Ernst Jriedricb Graffenweg. (C. $.) (üolf Jriedricb freiberr von
Jöritscb.
-2) 300 'S)
Beute untersetzten dato habe id) unterschriebener von meiner geniablin
trauen JTnna Hlaximila Zetscbkberin freyin das den 20. july 1687 jabres
in der beuratsabredt mir verscbribene beuratguet der 900 fl. id est
900 fl. C. CU. paar empfangen vnd dorumben in kraft des beuratsbrüfs
auf mein baab vnd guet versichert; alles bey dem landscbadenpunt in
Crain. Zur vrkbundt dessen ist mein eigene 5^ertigung. Datum 5reybof
den 21. Oktober 1689,
(C. $.) 3ob. Cüeykbardt Ualuasor freiberr.
InDentarien über den Ilachla^ des Johann Weikhard
Freiherrn von Valvasor 1693.*
Inventarium
über Cüeillundt des CUollgebornen Rerrn Renn 3obann CUcykbardten
Ualuasor 5reyb. zu ßollenekb vnd Deudorf Giner Cöbl. Caa. in Undtern
Uiertl des Berzogtbunibs in 0rain gewester Raubtniann seel. etc. vnd dessen
voriger 5^rauen Gbegemablin brauen Jlnnae Rosinae geborner ßraffen--
weegerin alda zu ßurgfelt befundenen üerlat^ so anbeut durcb vnf^ zum
Gnde vndterscbribene als von der Cöbl. Candtsobrikbeit beuolmäcbtigte
Comniissarien in praesentia des CUoll Cdlgebornen l)errn Georg Jlndreen
ßraffenweeger der Ualuasoriscben ersten Gbekbinder gericbtlicb geordneten
ßerbaben, dan der CUollgebornen brauen Jlnna fllaxiniila üaluasorin
geborner Zetscbkberin ^reiberrin CUittib 5^rauen anbeut zum Gnde gesezten
dato bescbriben vnd ordenlicb aufgericbt worden.
Cigunde ßrundtstükb:
€in Bau(5 alda zu ßurgfeldt mitsambt dem zuegebörigen ßartten so
P. : acbt l^undert Gulden Craneriscber CUebrung** von dem Rerrn Jacoben
Uodnikb erkaufft dabey ein Heues gebey aufgericbt worden.
Pares Geldt:
Secbs hundert vnnd fünfzig Callierte Guldiner Id est 575 fl. 45 kr.
Item guette Öuldiner acbt Id est $ „
€in sebr bescbnitene Spaniscbe Cronen.
Daruon $0 Gulden P: den Inventars ünkbosten expendirt worden.
Silbergescbmaidt :
€in 7 Gggete Zukberpiexen Zirverguldt wägt ... 14 Cotb
Gin Silber: ganz vergultes brauen Kbandeln mit 2 Cüappen
prob Silber wägt 27V2 »
* Sämtliche Invcntaricn im Archive des k. k. Candesgericbtes in Caibad) (Candtafel).
** mad)t 075 fl. Ceutsdie ÜJäbrung nach Cabelle Karner von Hamburg.
'S) 311 'S)
Gin anders rundes Zukberpüxell mit 2 CUäppen wägt
Zway ganz vergülte kbleine pöcberlein prob Silber wägt
€in par 3 : Gggete tbeils vergülte $alzvä(3lein wägt
€in,par 3 Cgget: kblein ganz vergülte Salzvaf^lein wägt
€in Silbernes Scballerl ein wenig vergulter prob Silbe
wägt
Gin par kbleine Runde Salzvat^lein etwas vergult wägt
Gin ganz vergultes Scballerl prob Silber wägt . .
Item ein deto etwas vergult obne prob wägt . .
Item ein ganz kblein etwas vergultes Scballerl
Item ein deto ganz kblein nur Inwendig vergult .
Gin duzet dreyer Sorten Cöfell, deren einer zerbrocben
wägt
Gin IDaiolikben Kbandl mit Silbernen dekben vnd
5^ue(5poden.
Gin vergülte Cascben Ubr mit 2 Zaigern auf beeden
Seiten mit gla(5 vermacbt.
Gin belffenpanerer 0ompa(5 sub Dr. 35.
Gin Silberne scblingen au(5 5^adensilber mit 2 vergulten
stefften wägen
19
13
II
Cotb
10
S:1q:
7V2
3
2
34 : 1 : q :
6V2
Briefflicbe Urkbundtn:
Hr. 1. Gin Uergleicbs Contract zwiscben den Brn. 3oban üJeykbardten
Ualuasor 5^reyb. seel dann l^errn 6eörg JIndreen 0raffenweeger ein Do-
nation P. 5000 fl. betreffent, so aber P. 1200 fl. verglicben worden dat.
29 3enner 16S3.
Dr. 2. Item ein £ontract Zwiscben merbegedacbten Berrn Ualuasor dan
ieztgedacbten l^errn ßraffenweeger wegen von dem f)errn ßraffenweeger
dem Berrn Ualuasor Grkbaufften 4 Bueben dat. den 9 Juni Jfnno 1684
mit Gtlicben quittungen vnd Sandtbrieffl.
Hr. 3. Item 2 Collmainer Jfufuug vndter 31 ]enner 1690 dan vndter
dato 11 Oenner Jlnno 1692 mit dabeiligunder annotation wegen scbuldiger
490 gülden.
Hr. 4. Gin Kbauffsabredt zwiscben gedacbten Berrn Ualuasor dan Rerrn
Candin dat. den $ %\ Jl. 1692.
Dr. 5. Gin kassierter Scbuldtbrieff von Brn. O^l^^i^" CUeykbardten
Ualuasor vnd seiner 5^rauen Gbegemablin Jlnna Rofiina see. auf^gebend
an l)errn Jllbrecbten Kbaysell vnd seine Grben P. 300 fl. Candtswebrung
lautendt dat. den 1 X'': Jl. 1676.
'& 312 'S
Hr. 6. Iteni sub Hr. 6 3 gleicblautendte Jrauen Hnnan Rosinec
Ualuafiorin cjeborner ßraffenvoeegerin Cbarta Bianca.
Dr. 7. ein Cassierter scbuldtbrieff an Renn Ualuasor für sieb selbst vnd
als üertrettern seiner Grsten Gbe kbinder dan seiner iezigen brauen CUittib
P. 2/'ni fl. an dem Rerrn Collnieiner lantend datuni den 15 Renner Jlnno 16S9.
Dr. $. ein original kbanfbrieff zwiscben Rerrn Ualuasor dan Rerrn
3obann Jindreen 0andin das guett wagensperg betr. datuni den 2 S*?/
JInno 16Q2 neben den Zeugbrieff IDontags nacb $. Crinitatis Jlnno 1693
sambt etlicben dabeyligunden annotationen vnd quittungs £opeyen.
Dr. 9. ein kassierte Kbaufsabredt zwiscben l^errn Ualuasor see. dan
denen Rannf^ Jrölicbiscben erben wegen der Bebau(5ung zu Caybacb datuni
den 4 niarty 16$1.
Dr. 10. ein Kbaufabredt sambt der Petzedl da(5 zu 0urgfeldt er-
kbauffte I)au(5 betreffend den 26 Februar Jlnno 1692 sambt dem auf
den Bergame (Pergament) gescbribnen Kbauffbrief dat. in X*^! Jinno 1692.
Dr. II. ein Spänzedl von 21 Play Jlo. 1685 da(5 guett wagensperg,
Schwärzen: vnd Ciecbtenbacb betreffend.
Dr. 12. ein gro(5.: Zusambengepundtner Paquet Ualuasoriscber Sendt--
brieff.
Dr. 13. ein abrattung Zwiscben Rrn. Ualuasor seel. dan Bm. Baron
Zetscbkber dat. 6urgfeldt den 11 3uny 1693.
Dr. 14. ein quittung von l)rn. ]ob. JIndreen ßandin au(5gebend an
den Bocbwollgebornen l^errn 3obann l)erbarden 0raffen von JRuersperg
Caut. P. 146 fl. 15 pf. dat. den 1 9*^! 1692.
Dr. 15. ein scbuldtbrieff von l^errn Joban lierbarden ßraffen von
fluersperg vnd [)rn. joban Jlnd. ßandin vnd seiner brauen Gemahlin
rnaria niagdalena Salome geborne Cauferin P. 4/m fl. Candtswebrung
ausgebend sub dato 17 3uny 1692 darunter ein Zession de dato Caybacb
1 9^' Jlnno 1692 an [)rn. jobann Cüeykbardten Ualuasor 5^reyb. see. in
proprio und al(5 Dotbgerbaben seiner ersten ebekbinder lautend.
nr. 16. ein Paquetl vndterscbidlicber recommendationen des l)rn.
Ualuasor seel. als derselbe in frembden Cändern sieb befunden.
Dr. 17. ein aufsandt an Rerrn Jranz Jllbrecbten Kbaysell seel. von
!)errn 3ohann CUeykbardten Ualuasor vnd seiner 5^rauen Gemahlin au(5-
gebend da|3 guett wagensperg betreffend dat. den 11 %^} Jlnno 1672.
Dr. 1$. ein Paquet vndterscbidlicber alten schrüfften darunter der Jln--
schlag des guetl Jlltenburg vnd 0escbie(5.
Dr. 19. Specification einer aus der Cöbl. Caa. in 0rain Jlrchiuio ge--
numbenen Schrüfften vom 26 9^J Jinno 1683 so widerumb restituirt worden.
-2) 313 ®
Hr. 20. Gin J!b$cbrüfft €iner Ualuasorscben Diplonia De anno 1553.
Dr. 21. Gin Paquet 0orrespondenz$cbreiben des Hiernbergscben Ristorici
Grasmo 5^ranci$ci.
Dr. 22, Jligenbändige Komposition des Rerrn Ualuasor zu der Cngelandt.
Societet Cirkbnizer See betreffend, dabey vndterscbidlicbe Sändtscbreiben.
Hr. 23. €in action der brauen lHagdalena Pedtscbouerin contra Berrn
Ualuasor seel.
Dr. 24. Gin Paquet vndterscbidlicber IDugerrscber Sändtscbreiben.
Dr. 25. Gin Paquet vndterscbidlicber üerordnungen vom Berrn Cudujigen
Jobbten von Sitticb aucb andern.
Dr. 26. Gin Zession sambt einen Jluf^zug von Berrn Collmainer au(5-
gebend an Rerrn 3obann CUeykbardten Ualuasor lautend den Berrn 5^ranz
ebristopben Kbaysell betreffend P. 1$25 fl. datum den 15 jenner Jlnno 16$9.
Hr. 27. Uerrättung der Gndterscben Grben Bucbfübrerey.
Hr. 2$. Gin recognition von ßerrn Hdamen Seyfriden an ßerrn
3oban ÜJeykbardten Ualuasor 3 lUagenspergscbe Grbbolden betreffend.
Dr. 29. Berrn jobann Bapt. Ualuasor testaments Copey neben etlicben
andern scbrüfften Berrn Hloscbkbon vnd Brn. CUaykbardten Ualuasor be--
treffend.
Dr. 30. Gine den 12 %\^ Jlnno 1672 zwiscben Brn. ]ob. CUeykbard
Ualuasor see. dann Berrn 5ranz Cbristopben Kbaysell voegen des guett
CUagensperg aufgericbte Uerrättung darneben vndterscbidlicbe andere
scbrüfften vnd Sändtbrieff.
Dr. 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37. Gin Paquet mit 7 Posareliscben Kas-
sierten scbuldtbrieffen von der 5^rauen Jfnna Rof^ina Ualuasorin geborne
Graffenweegerin see. als der erste de dato 6 X"! J!nno 1672 P. 1/m fl.
Candtswebrung, der andere dato 6 X^: Hnno 1673 P. $00 fl. Candts--
webrung, der drite de dato 1 ]uny 1674isten P. 200 fl. Candtswebrung,
der 4'^ sub dato 1$ T^: JInno 1674 P. 1/m fl. Candtswebrung, der 5^^ de
dato 30 may 1677isten P. 133 fl. 20 kr. Candtswebrung, der 6*^ de dato
4 9^: Enno 1677 P. 1590 fl. Candtswebrung vnd der Tl als ein Kbarta
bianca de dato 25 jenner Jlnno 1680 P. 400 fl. Candtswebrung.
Hr. 38. Gin Kbopff Steuer quittung P. bezalte 57 fl. 45 kr. von Berrn
Zacbaria Kottbardt 5^reyberrn von CUebersperg auf^gebend de dato Enno 1691.
Hr. 39. Gin Contract zwiscben Berrn JInton Jlbten zu Sitticb vnd den
Convent dan Brn. CUeykbardten Ualuasor seel. vnd dessen brauen ßemablin
Enna IDaximila geborne Zetscbkberin 5^reyb. einen Zebendt von 30 : bueben
in Cemeniz gelegen anbetreffend: datum den 2% lUay Enno 1691.
Dr. 40. Gin Paquet 0raf ßallenbergscbe Sändtscbreiben.
•2) 314 -a)
Dr. 41. Gin Paquet vndterscbidlicbe J!ut)Zügl.
Dr. 42. ein Paquet Jacob CUiuizscben Bricff.
Dr. 43. Gin Paquet scbrüfften des Rerrn üaluasor I)aubtiTian vnd
Soldatescbkba betreffend.
Dr. 44. Gin Paquet Sändtscbreiben des Pauli Kitters.
Item 2 Cädlein vntderscbidlicber Correspondenzbrief so nicbt nutnerirt
worden.
Dr. 45. Gin Paquet der Catbolog : die Buecber vnd vndterscbidlicbe
Hlatematiscbe : sacben betreffend.
Item ein Scbuldtbrief von dem l^errn Jobann Berv^arden ßraffen
V. Jluersperg auf^gebend an l)rn. jobann Jlndre ßandin P. 3000 fl. Cautend :
so dem l)rn. 3oban Cüeykbarden üaluasor seel. cedirt vnd post mortem
dessen dem l)rn. Geörcj Jlndre ßraffenweeger als der Ualvasorscben Grster
Gbe kbinder ßerbaben ßericbtlicb zuegestelt voorden.
Buecber :
Gin eingebundten : gedrukbtes Buecb oder Description des Curkb.
Ursprungs.
Item ein vneingebundtnes detto vber da(5 KbÖnigreicb Poblen.
Gin buecb in 4'? franzesiscben pundts intitulirt Cbeatrum pacis.
Item ein Im franzesiscben pundt deto in quarto genant Rercules.
Gin buecb in fol : teutscbe Jlcademi Zweyter l)aubtbeill von Bau vnd
mallerey Kunst.
Ovidij Hasonis buecb von Ceben vnd Codt.
Opera Jllberti Direri in folio.
Perspectiua l^ieronymi Boseris ein weissenpundt in folio.
Ingenierkbunst erster Cbeill durcb Ooban Jaulbabern in weifen pundt
in quarto.
Gin Buecb manuscript: im franzesiscben pundt sub lit. D. vnd Hr. 67.
Item ein registcrl manuscript in Gemeinen Bargamepundt.
nietamorpbo: Ovidij mit Figuren in franz(ösi)scber Spracb in alten
u^eissen Bargame sub lit. G. vnd Dr. 252.
liem ein deto in franz. pundt tbeutscb vnd franzesiscb mit Jigur sub
lit. 5. vnd Hr. 106.
Item deto 2 Ovidij Dasonis gro(5 vnd kblein obne Figuren.
Poliygonal-Jlritbmeticb in franzesiscb spracb in vweissen papier ein--
gebundten.
Gin buecb Bescbreibung IDoreae in welliscber Spracb.
Gin bandtbucb des ßrn. üalua[)Or see. darinen Soldaten annotata.
-g) 315 '2>
niebr 2 deto, darinen de(5 ßesündt besoldungen vnd ansät de(5 guett
CUagensperg zu finden.
Cractatus de usu proportionatoris in fol. in weiften pundt.
Pauli Ritteri equitis aurati anagramatum de auxiliatoribus Rung: üb 2.
in Stauo weiften pundts.
Uer^aicbnu(3 €ra$tni Irancisci gedrukbter scbrüfften in franzesiscben
pundt in octauo.
Hr. 23. Jlndren jRlberti Jlritmet: in fol. Casimiri Smirouitscb Pixmeister
kbunstbuecb sub Hr. 69 in fol.
Item in fol. 3oban Bilbelmi werkbmaisters arcbitectura ciuilis.
Perspectiu Rei(5kbun$t in fol. de(5 Peter Jllten.
üictronius Doct. Qualteri sub Dr. 62 in fol. in bescbriebenen Bargame.
Beinrieb Cautensakb ^oldtscbmidts vnnd Maliers 0ircl vnd perspectiua
in fol. vnd IDaculierten Bargame.
JIrcbitectura Qualteri ariuij IDedici et Hlatematici in fol. sub Hr. 61.
Pbilippi Pecby Bergwerkbbucb in rotten pundt in fol.
Clauis macbinarum Jlndreae ]ungenikbeli in 4^?.
Jobann Cbristopb Cüagner Prouintiarum Panoniae et Imperij Curcici
delineatio in fol. in franz. pundt.
^lorilegium fortificatorium tripartitum inu)ei(Kn pundt sub lit.l. und Hr. 99.
3o. Cbristopb Sturmii Colleg. curiosum sub Hr. 111 in wei(3en Pundt.
Cbriptograpbia Jriderici in weiften pundt sub lit. B, u. Hr. 113.
6eometria loan. Jlrdusar in weiften pundt in 4^? sub Hr. 151.
Der tbeutscbe Rercules vnd Cadisla in tbeutscb pundt in 4^?.
Cbristopb Zwükber Compendium borologicum et ßeometricum.
Bilder:
ein: par waxpossierte mit scbwarzen ramen eingefaste Bilder, deren
ains mit 61afi verdekbt.
2 deto mit 01a(5 überzogene mit waxpossierte Bilder, an deren ainem
3 Bauern an dem andern aber ein Crobatb gemallen.
4 altvatterscbe mit scbwarzen ramen eingefaste mit geflamet güldenen
Caisten.
16 stuckb deto eingefaste zimblicb alte mit frücbten vnd andern sacben.
I bildt $. l)ieronimi obne Ramen.
II deto mit scbwarz ramen eingefaste ein wenig bessere.
4: Kupferstukb in fol., daran franzesiscbe stl. deren eins etwas Cenger.
15 ganz kbleine Bildlein in Stauo in scbwarzen ramen eingefast.
ein grosser Spiegel mit grof^en Ramen vnd 3 deto etwas kbleiner.
'S) 316 ©
4 Candscbaften mit schwarzen Kamen.
2 deto in dem formb mit güldenen Flamen vnd I). Gesiebtem.
3 Controfee Bilder, deren zway mit schwärzen Kamen eingefast.
4 5^rucbtbilder obne Kamen.
1 ganz altes Bildt mit schwarzen Kamen aus deichten (lichten) Rolz.
Bilder vnnd Spiegl:
€in Puschen vndterschidlicher Cand Khupfferstuckb.
ein grofier Uenetian. Spiegl mit schwarzen Kamen.
Item ein spiegl mit schwarzen ramen.
Zway gleiche Bilder mit bluemben mit schwarzen Kamen, vnd ge--
flamten verguldten Caisten.
Zwey gleiche l)ollendiscbe stuekblein herumb auf bretter IDanier vnd
schwarzen Kamen dan verguldten Caisten.
Zwey gleiche gemaine quadri, alwo an ainem 2 Spinerinen, an den
andern 3 Bauern Spiller.
€in zimblich groj^ vergult. Candschl. daran ain Cheatrum angemallen.
Item ein Candsch. mit schwarzen Kamen vnd vergulten 5^lamleisten
daran dat^ IDeer mit 2 Schüffen.
5unff gleiche quadri Mlitterer grosse, daran üictualien gemallen.
ein Jeldscbläcbtl mit vergultem Kamen.
ein Bildt, daran lHansgewehr, Sabl, Pistolln vnd Balfften.
ein Candschafft gemain.
ein bollendisch stiikhl, daran ein Bauern Khnecht mit einer fHagd
mit schwarzen Kamen vnd verguldten Caisten.
ein schwarzes Creuz mit Cristall versetzt.
ein l)ollendisch stukh au[5 wax possiert mit schwarzen Kamen mit
einem gla(5 herumb verdekht, daran ein Bauern Zech.
Jlcht deto mit gla(3 verdekhte kbleinere st. aul5 wax possiert.
24 deto auf gla(5 vnd sonst gemahlene theils mit schwarzen Kamen
theils ein wenig vergülte khleine Bildlein, daran Bluemen, Jrüchte, hollend.
Bauern vnd Poetische 6edichter.
Item ein st. mit vergulten Kamen, daran eine trauben vnd öpffell.
ein erden possirter Cottentanz.
Drey gleiche Bilder mit gefliglwerkh vnd gewildt ohne Kamen.
ein schwarzes Candsch. st(ück) mit schwarzen Kamen.
Unser Cieb 5r. Flucht in Jleggipten ohne Kamen.
Zway gleiche ^eldtschlächtl.
Zway gleiche Candsch. mit Kamen, daran die Schlacht mit Cauaglieri.
'S) 317 -2)
rnatbem. vnnd andere Kbunst Instrumente:
Gin rundes matbemat. Instrument von ITleister Jacoben ßenewürtb
Rorizon mobilis intituliert sanibt den stokb vnd requisiten dazu mit
rnessing u. Gisen bescblagen.
Gin deto Inst, in rott Cidernen vergulten 5^uterall langekbt, darinnen
ein quadrat und triangl. Inst: sambt IDessing Zürkbl: 3 IHessinginen rna(5
Instrument mit 4 Gysernen deto.
Gin deto quasti (Kästeben) von roten Ceder vergult mit zwayen Inst,
darunter ain Zürkbl vndter dem Damben Cinea contingentia.
Item ein Instr. von roten Ceder vergult, darinen ein 3 eggetes lUes--
singines Instr. per modum quadrantis.
Item ein 4 eggeter Zürkbl von IDessing in ainem au(5 rotten ver--
gulten Ceder gemacbten Futteral
Ttem ein Cederner vergulter Jueterall in Jormb eines balben IDandts
(Ralbmond) darinen 2 gelb ITlessingine Instr. vnd 1 voeis lUessinginer
grof^er compa(5 neben andern Zierkblen vnd abtbeillungen.
Gin deto in ledernen vergulten 5^ueterall befindunder 0ompat5 von
u)ei(5en Hlessing mit denen darzue gebörigen Silbernen scbraufen vnd
andern Doturfften vndter den titul Description Instrumenti Borologici.
Item ein deto 5^uetterall von roten Ceder etwas alt darinen ein kbunst=
liebe metallwaag neben dabey ligunden gewücbten.
Drey Gggete IHessinge IDatbem: globi dan ain 4: eggeter 6V2 Pfund
IDessing mit 5 Rädlein, darunter ein rundes stk. in 5^ormb einer Kblappen.
Gin Zwifacb IDessingen: prigundes nia(5 Instrument.
Gin 5^uetterall 4 egget in franzesiscben pundt, darinen alles mit
rne(5inginen Instr. angefüllt, vnd besonder drey IDessingine rna(5 Instru-
mente zum Jestungsbau.
Gin rnessingines zimblicb scbwäres Instrument in 5^ormb eines Hacbtlicbts.
Gin rnessingines deto rna(5 Instrument an einem Bolz.
Item ein deto an einem Bolz rund, darunter numerirt mit Dr. 121.
Siben Bilzene Instrumente grien in Jormb einer pfeiffen darunter
fünff mit rnessing bescblagen.
Gin 4 eggetes Instrument, daran ein Zedl mit Ilr. 15 mit dieser Über--
scbrifft 5: regulirte cörper von IDessing solicbe in grund zu legen.
Gin aisene IDaf^ruetten mit glidern.
Gin (üeif^belffenpainerner perspectiv.
Gin Bilzenes kbleines quasti (Kästeben) darinen 5 messingene kbleine
stk. in 5^ormb einer duggaten waag gewücbten.
'S) 31$ ^
Item in einem Rilzenen quastl darinen zwainzig stukblein von Hlessinginen
Zirkhl vnd andere Instrnniente ancb ein scbabtl, darinen 2 0ompa() Zeiger.
Gin messingene Scbabtl, darinen 2 Kbnpferne 0ontrafee.
€in messingener 7 Cggeter Zirkbl sub signo J\ et B.
Zwelff ündterscbidlicbe Instr. Zeug, darob man die messingene Instr.
pflanzet.
Zway Rilzene deto Instrumente mit Scbrauffen vndter Hr. 16 und lit. P. l).
Gin rundes vnd besonders ein triangl Inst, etwas alt obne ainiber Zifr.
Gin magnetstain in me(5ing eingefaf^t.
Gin lang messingines Instrument in ein HufKuen Rülzenen 5^uetteral,
daran das Cüort „stain" gescbriben.*
Gin messingene Sandvbr.
Item ein grosse Sandvbr.
üier vnd dreit^ig bilzene Buecbstaben.
Zwey Cristallkbugl vndterscbiedlicber 0rö(5e.
Gin quastl (Kästeben) mit allerband Buecbdrukberei eisenen Buecbstaben.
Gin rundes Instrument von Zun,
Item ein $ egget: bläuscbwäres ßilzenes Instrument darinen ujas
verborgenes.
5ünff Cinier neben 2 CUinkbl ma[5.
Jünff f)ilzen-- vnd papierne perspectiv.
Jlylff bilzene kbleine Instrumente in 5^ormb der kbleglein.
Gin f)ilzenes Insr. mit Hr. 4 bezeicbnet, darinen ein Kbunststain mit
ßlasscbeiben vermacbt.
Gin Heues musical Instr: 5agot genant.
Zway Kbünstlicbe franzesiscbe scballmaypfeiffen gro(5.
Gin Rarpfen.
Gin Heue Zierlicbe mit messing bescblagene deto.
Gin messingenes Postbörendl.
Zway Heue Dudlsakb.
Item drey kbleinere scballmaypfeiffen.
Gin aisen vnd kbupfernes Instr. zu Buebdrukberey gebörig.
Gin brät: vnd vergultes Yueterall tbeils egget, tbeils rund, darinen
ein Silbern vergulter meebrcompa(5 sambt zuegebörig 2 Instrumentlein.
Item ein deto etwas kbleiner, darinen ein wei[5messingener meebrcompat^.
Item ein deto in Jormb eines Ziebbrun rott vnd vergult oben an mit
einem kbleinen compa|5.
Stain, IHarkstcin = Instrument zur Gemarkung. Scbmeller, Bayer. Cü.-B., IL, p. 763.
'S 310 'S)
Ttem ein deto brät : 4 egget, darinen ein messingene ingenirtafel mit
einem kbleinen £ompa(5 declinatorium genant.
Item ein deto lang vnd scbmall darinen 4 lange Instr.
Item ein wenig kbleineres deto, darinen ein Instrument mit 4: tbeillen
zusamben gelegt.
Item ein 4 eggetes scbwarzes Crübl voll mit Hlatbemat. Instrumenten
und raii^zeug.
Item ein kbleines trübl mit matbem. Zeug neben einem compa(5.
Item ein grosses mit scbwarzen leder vberzogenes rundes 3^uetterall,
darinen ein grosses matbem. Instr. vnd in der miten ein 0ompa(5.
Item ein gemaine waisse Scbabtl mit vndterscbidlicben messingen vnd
aisnen Tnstrum.
ein matbem. ma(5 von Relffenpain die maillen damit au(5zumessen.
Item ein plecbene runde Scbabtl mit messing.
Item ein Hut^baumbenes quastl. Darinen auf einer Seiten ein mef^ingenes
Kbästl auf der andern selten aber mit vndterscbiedlicben Instr. angefüllt.
Item 2 lange bilzene ßeometr. ma(5Stab.
ein Kbästl sub Hr. 51 darinen etlicbe st. Belffenpain, 5^arben vnd mallerzeug.
Item ein kbleines bilzenes Kbästl mit bargame überzogen, darinen ein
kbleines Instr.
Item ein Bilzenes Kbästl sub Dr. 21 darinen allerband messing. .
mebr ein deto mit Dr. 54 darinen vndterscbidlicbe teglein (Ciegel)
eiserne vnd Crdene zum 5^arben.
Item ein deto sub Hr. 43 darinen 2 possierte CUaxköpff.
mebr ein deto, darinen gla(5scbeiben vnd terpentin sub Dr. 50.
Item ein Kbästl mit Dr. 26, darinen 69: tbeils gestobne tbeills aber
vngestobne Kbupferene blatt.
Item ain deto sub Dr. 24 darinen 34 kbleinere vnd 3 grössere Kbupferne blatt.
Item ain deto sub Hr. 25 darinen 2 stk. ßelffenpain vnd aine stainlein.
maus Kblayder, Rüstung vnd ßewebr:
ein rotter tuebener pelz mit vbergulten Knöpffen vnd 5^üxpälgern
gefuetert sambt der Kbappen.
Item ein gebrämbter halbseidener zerrissener Rokb von barfarben
Zeug sambt Rdo (Keverendo) Rosen gebrämbter voeste vnd Strümpff.
Item ain maus Rokb au(3 scbwarzen Sammet mit Silbernen vnd ver-
gulten Kbnöpffen.
mebr ein Cristaminfarb halbseidener mit vergult vnd Silbernen porten
gebrämbter Rokb mit Silbernen Kbnöpffen.
-© 320 'S)
Tteni ein alter griener (corr. aus roter) Rokb von Plüscb mit gegossenen
Kbnöpffen.
Jünff gebränibte alte l)uett, darunter 2 der brauen CUittib gebörig
daran auf einem 2 : weisse vnd ain scbwartzer Jederpuscben.
€in Raubtmans Portapäe mit goldenen vnd rotbseidenen 5^ransen.
€in gelb Candscbafft Janen.
Gin Spaniscbrobr mit Silber bescblagen, daran ein Silbernes KbetL
Gin altväteriscber Spazierdegen mit Silbernen 6efä(5 vergult sambt
einen alten ledernen Cüebrgebäng.
Gin Scbärpen viermall mit Silbernen vnd rotbseidenen fransen verbrämbt.
Zway gelbe verbrämbte Ciberey mäntel.
Secbs landscb. Rökblein, so der Br. üaluasor seel. bey gefuerter Com--
pagnie für die Officir vnd drumblscbläger gebraucbt.
Zway Kbira[) sambt dem Kbaf^kbet.
Gin par liderne £astraunfelL
Zway par weisse tuecberne alte strümpff.
Gin par Pistollen Säkbl von rottem tueb.
Zway scbwarze Rofigescbier.
niebr 2 andre alte Kasketen.
Gin rotte Ro(5dekben mit üaluasorscben UJappen.
Drey Säbel mit Silber bescblagen vnd ein Palläscb mit vergulten bescblebt.
Item 2 alte gemeine Säbl.
Gin Rirscbfänger mit sambt Hlesser vnd 5^reimb (?)
Item ain gemainer mit Hlessing bescblagener Palläscb.
Gin ^ungarischer Cscbekbän.
5^ünff alte Degen.
Zway Karabiner mit Ceutscben Scblössern.
Zway par Pistollen.
Zway niuscbquetten, darunter eine mit teutscben scblof^ die andere mit flinten.
Zway par Jlintenpistollen mit toppelten Cauffen.
Item ain par alte Pistollen mit teutscben Scblössern.
Item ain Cerzeroll.
Drey gemaine Karabiner Riemb.
Gin 5^euerzeug in Relffenpain eingefasst.
Zway Puluerflascben sambl dem Spaner.
Gin ßuertl von jucbtenleder.
Gin par Panzer Grnibling.
Gin jopra au() llleebrkalb Ceder.
Gin par f)ulfftern von nieebrkalb.
'S) 321 'S)
5^rauen Kblayder:
ein schwarzes Sametes altes Hlueder (mieder) mit vergulten ßallanen
gebrämbt.
Item 2 deto ein schwarz: vnd ain rottes.
ein schwarzes CUeiberwames von 0ronra$ch* ohne Brämb.
Item ein deto schwarz mit Kö(5lein darzue auch ain Rokh.
niehr ain Isabelafarben weiber Rokh mit schwarzen drukh.
5^ünff CUeiber Ralshemeter** von teutscher Cainwatt.
Item drey raistene alte CUeiber Balsfäter.**
niehr ain CUeiber Remmet von teutscher Cainwatt.
Ttem 2 Cüeiber Remeten von grober Cainwatt.
Sechs CUeiber Petschen.
Sechs raisten vnd ain rupfenes CUeiberfuertueh. 8
Caingewandt: ^
Uier par alte abgetragne Khüf^ Ziehlein (Kopfpolsterüber- *
Züge) mit vndterschidlichen weissen Khleglwerkh*** Id est . 4 par t
Item Zehen vnd V2 P^t* deto schiebt vnd guet mit schwarz, ^
rot vnd griener seidten auf^gemacht Id est IOV2 » ^
Zehen par raistene Ceilaher mit Spizen Id est. . . . 10 „ "^
Item aylff par deto subtil vnd gröber mit Khleglwerkh Id est 11 „ ^
mehr zway par deto auf? raistener Ceinwatt ohne Spiz Y
vnd Khleglwerkh Id est 2 „ i^
mehr ain par deto mit Khleglwerkh roth auf^genäet Id est 1 „
Item ain par öhlwerkhene mit Spizen Id est . . . . 1 „
Item ain ainschichtiges Ceillach mit Spizen Id est . . . 1 stukh
Cischgewandt:
Zway dutzend tischfazelet von Chomaschkh sambt denen zuegehörigen
Cischtuecher vnd Bandtuehern.
Item auf Sehs tisch deto au(3 Zwillich Subtiler granatur.
Item auf drey tisch deto etwas gröber.
mehr auf ain tisch deto von Zwillich.
mehr auf ain tisch deto au(5 raistener Subtiler Cainwatt mit Spizen.
* Krön-- oder Cuchrascb von kurzer KrünpelwoUe. Sanders, lü.-B., IL, p. 641.
** hcind, das nur den Oberleib bedeckt. €benda, I., p. 740.
*** Klöckelwerk = Sainnielausdrud< für geklöppelte Spitzen. Umjer^Kbull, Steierischer
CUortscbatz, p. 394.
V. Radics, üalvasor. 21
'S) 322 ®
TteiTi Zway ainscbicbtige Zwillicbene Ciscbtuecber.
Item Sechs alte bandtuecber.
Item auf fünf Ciscb öblwerkbene granatur.
Pettgewandt:
lünii guet vnd scblebte 5^ederpetter Id est 5 stukb
Zvvelff pölster Id est 12
Gin IDadratzen sambt zway Pölster Id est 3
neun Baubtkbüssen Id est 9
Kbulter:*
Gin seidener Kbulter von £äpizoll gestraifft vnd Cristamin--
farb Id est 1 stukb
Item zvoay türkiscbe deto Id est 2 „
niebr ein gestraiffter deto mit rotb tafeten blatt Id est . 1
IDebr ain Citronifarber seidener Kbulter mit ßoldt blaw
vnd barfarben poden Id est 1
Item ein rotbseidener deto mit gleichen poden Td est . 1
Item ein halbseidener mit rotseidene poden Id est . . l
Gin 5^ierschab (Pfirsich) farber deto mit tunkhlgeröselten
poden Id est 1 „
Item ain gueter deto von Cegaturarbeith Id est . . . 1
Item Zway deto ganz alt Id est 2
Cewich (Ceppich):
Gin grien, rotb vnd blawer seidener Cewich Id est . . 1 stukb
Item aylff gemaine Cewicher Id est 11 „
Züngeschier:
Gin 0ie(5pökb mit bluemen auf^gearbeit auf alte IDanier Id est 1 stukb
Zway U(iertl) haltende Kbandl mit bluemen auf^gearbeit
auf alte IDanier Id est 2
Item Zway zu ü(iertl) haltende Flaschen Id est . . . 2
IDebr deto aine Zway U. haltend Id est 1 „
IDebr zway deto zu ain ü. haltend Id est 2
Item Zway Uiertlkbandl Id est 2
Item zway l^albkbandl Id est 2
* goltcr, gulter (bayr.), neuslov. koltcr, altslov. koHcru, lat. culcitra = Bcttded<e.
iniklosid), etym. Ol.-B., p. 125.
'S) 323 'S
Gin dutzend niittere scbüssl acht vnd zwainzig pfundt
wägend Id est 2$ pfundt
Item zway dutzend dergl. scbüssl wägend zwainzig
pfundt Id est 20
mehr zwainzig Cäller vnd ain zerlassne Scbüssl darbey
wägend drei vnd dreisig pfundt Id est 33
Item dreyzeben kbleine Scbällerlein wägen fünff vnd
V2 pfundt Id est SV^ „
rnel^inggescbier:
Secbs IDessingine Ceibter vnd zway deto etwas kbleiner Id est $ stukb
€in par Hlessingine Oell Ceibter Id est 2
Kupfergesebier :
Hebt vnd zwainzig pfundt Kbupfergescbir Id est . . . 2$ pfundt
Gisenwerkb :
ein Centen vnd 90 pfundt alten Gisen Id est . . . . 190 pfundt
Gin stukb oder tbeill von einem anipaf^ (Jlnibos) mit etlicben wenig
pfeillen (teilen) vnd andren Scblosserzeug.
Undterscbidlicber Sorten ßauf^ratb:
Gin gewandtkbasten von barten Rolz mit scbwarzgepazten
(gebeizten) Ziratten Id est 1 stukb
Zwey Pettstätt von dergl. Bolz vnd Zieraten Id est . . 3 „
Gin scbreibtiscb oder Kbästl von dergl. Bolz Td est . . I
Drey kbleine Ciscblein Id est 3
Item ein Scbreibtiscb mit scbwarzgepazten Cädlein inwendig
auf beeden Seiten mit glas eingemacbt Id est 1 „
Gin Spaniscbe Cüandt mit Figuren Id est 1 „
Dreyzeben trübin Id est 13
Gin grosser Kbasten in der Stuben mit ßewürzlädlein Id est 1
neun alte mit Ceder überzogene Sessel Id est , . . . 9
Drey Cain (Cebnsessel) deto Id est 3 „
Uier vnüberzogene Sessell Id est 4
Siben Cainstuell Id est 7 „
Zway tiscblein mit gedräxelten Gerüst Id est . . . . 2
Gin Zimmersaag (?) Id est 1
5^ünff kbleine Ciscblein obne Saill Id est 5 „
2\*
'& 324 'S)
Item aylff mit Icder überzogene Sessel 11 stukb
Zway Petstätt von gemainen Rolz Id est 2
Item ain Rai(5pettl Id est
€in grosse Scbabtl mit Sandl Id est
Drey Oell Campen oder Dacbtlicbter mit scbain Id est
€in deto gro(5 mit 4 tobt Id est
Item ain gro(5 deto mit 2 tobt Id est
Zway IDesserstokb mit Hlessern von vuaissen painernen
bescbläbt ganz angefuelt Id est 2
IOV2 Presil Cowagkb,* den Rr. Jranz Gnglbrecbt Zetscbkber Jreyb. den
gangbabren u)ertb nacb zu bezallen übernommen.
Kublgescbier:
Gin Kbössl Id est 1 stukb
Jünff brattspie(5 Id est 5 „
Drey Pfannen Id est 3 „
Drey Scböpfflöffl Id est 3 „
Gin Kubl(Kücben)mörser sambt dem aisenen Stössl Id est 1
Gin aisen zum Oliupaben** Id est 1 „
Pferdt:
Zway pferdt als nemblicben ain Scbwarzscbimbl vnd ain braun.
Uerzaicbnus Ibrer gnaden der 3obann CUeykbard üaluasorsicben 5^rauen
Cüittib so sy auf begebren vorgewisen.
Silbergescbmaidt:
Zway Silberne vnuergulte gleibe (gleicbe) scballen Id est
Item ein deto rund vnd glat Id est
Gin kbleines Salz Uassl Id est
Eylff geringe Cöfl Id est
2 stukb
11
Züngescbier:
Gin vnd V2 dutzend grosse Zünnerne Scbüssel wägen
Secbs vnd acbtzig pfundt Id est 86 pfundt
Drey dutzend zünnerne Cäller aines 5^ormb wägen ^ünffzig
pfundt Id est 50
* Schnupftabak (siebe p. 10$ f.).
** €isen zum Backen der Ölkrapfen.
'S 325 ®
Cewicb :
Gin par nürnberger Cewicb vndterscbiedlicber Farben Id est 1 par
Item ein Cürkiscber deto Id est 1 stukb
Item ein legatur Id est 1 „
Caingewandt:
Uierzeben par Ceillacber mit vnd obne $päz Id est . . 14 par
Zway par deto au(5 oblwerkb (?) deren ain par mit
Spützen Id est 2 „
neun par Raubtkbüszieblein, darunter tbeils mit scbwarzen
seiden auf^gemacbt (gestickt) 9 „
Jluf Secbs Ciscb oder Cafel Zwilcbene Ciscbfazelet sambt Ciscbtuecber
vnd Bandtuecbern.
Item auf zway tafl deto auf^ Cbomascbkb.
niebr auf drey taffl deto au(5 oblwerkb.
Kbulter:
Gin rotbtaffeter Kbulter mit scbwarzsameter Caffl.
Gin Citronifarber deto mit einer Caffl.
Item ain au(5 leibfarben Cbomascbkb vnd feigifarben Sameten blatt.
IDebr ein deto von ferscbacbfarben tobin die taffei, die Seiten berumb
aber mit gedrukbter Cainwat.
Item Zway deto von roter Cainwatb mit gedrukbter Cainweter taffei.
Gin deto au(5 Citronifarber Cainwat mit gedrukbter Cainwetener taffeil.
Item ein deto von legatur.
rnebr ain von l)aimbiscber legatur.
Dessen zu wabrer ürkbund Ist vnser birundter gestehe Fertigung.
Datum ßurkbfeldt den 16 january Ho, 1694^?.
iL $.)
Caspar Cunkbelsteiner, Stadtpfarrer alda
als beuolmäcbtigter Inventurs Commissarius.
(C. $.) Corenz Cüogatbey, Pfarrer zu Jlrcb.
CUoIfgang Busetb m/p.
al(5 ex officio adiungirter Inventurs Commisarius.
(C. S.)
(C. $.)
0. 5^rid. Deäpolitan m/p.
als Commissionscbreiber.
'S) 326 'S)
Inliegend der Brief der drei Comniissäre an den Rerrn Candesverwalter
aucb Candesverweser in Crain S. Hlaj. w. geb. Ratb Georg Sigmund Reicbs--
grafen und f)errn von ßallenberg, worin sie niiltbeilen, da(5 sie die untern
IHontag nacb S. Ceopoldi näcbst abgerukbten Jlo. 1693 aufgetragene In--
ventursaufnabme unter Zuziebung eines „tauglicben Comniissionsscbreibers",
des Stadtscbreibers von ßurgfeld Georg 5^riedricb Deapolitan in praesentia
des vvoll Gdlgebornen Rerrn Georg Jlndren Grafenweeger als des ]ob.
Cüeykb. Ualuasor erster Gbe Kbinder gericbtlicb geordneten Gerbaben dann
aucb im Beysein der wollgebornen brauen Jlnna niaximilla Ualuasorin
Jreyin CUittibfrauen vorgenommen und das nebenbefindige verscblossene
Inventarium vorlegen.
(Das Inventarium zäblt 31 Blätter 5olio.)
Inventaria U 1—17, Pars I U 1-17 (Hr. 7),
Candesgericbt Caibacb.
Innen liegt das Inventarium über den zu Cüagensberg vorgefundenen
üerlat).
Inuentarium
über Cüeillandt joban Beykbardt und Jlnna Rosina üaluasoriscben zu
Cüagensperg sieb befundenen verlat^, so an beut zu Gndtgesetzten dato
bescbriben worden.
Biecber:
1. ein aigenbändiger Baron üaluasoriscber Cibrorum Catalogus in folio
vnd franzesiscben bundt.
2. ütriusque Cosnii majoris Scilicet minoris lUetapbisa Pbysica atque
Cecbnica l)istoria autbore Ruberto 51ud, Com. I, sub Citt. 5= et fir. 49.
3. microcosmi bistoria autb. R. 3^1., Com. II, C. J, Dr. 50.
4. niedicina Catbolica seu misticum artis medicandi Sacrarium in
tomos diuisum duos autbore R. 5^1. s. C. 5^, Hr. 51.
5. Integrum morborum misterium siue medicina Catbolica, Cbomi I
tract. 2^,,"^ autb. R. II., C. 5, Hr. 52.
6. Pbilosopbia mosaica autb. R. 51., 5, 53.
7. lois Blaeu nouum ac magnum teatrum ürbium Belgicae Regiae,
Com. I, C. f), Hr. 1.
$. Com. II, Belgicae foederatae, \), 2.
9. Com. III, admirandorum Italiae, Pars I, I), 3.
10. Com. IV, Pars II, admirandoru?n Urbis Romae, B, 4.
'S» 327 '&
11. loannis Blaeu Jltlas maior siue Cosmograpbia et ßeograpbia
Blauiana, qua Soluiti, Salum, Coelum accuratissime describuntur, üol. 1,
Introductio ad ßeograpbiam, R, 5.
12. Orbis terrarum, B, 5.
13. Hrctica et Byparctica Siue Regiones sub Polo Boreali quae est
ßeograpbiae blauianae Pars I, Ciber unus, 1), 5.
14. €uropa quae est, 0. Bl., P. 11, Cibri 17, f), 5.
15. Horuegia quae est Guropae, Cib. 1, Cit. B, Dr. 5.
16. Dania quae est €uropae, L 2, f), 5.
17. Ducatus Sleuicensis, B, 5.
IS. üolumen 2''"„"^ Suecia, quae est Guropae, lib. 3, B, 6.
19. Russia, quae est Guropae, Ciber 4, f), 6.
20. Polonia, quae est Guropae, Db. 5, B, 6.
21. Regiones orientales vltra germaniam circa Danubium Guropae,
C. 6, B, 6.
22. ßraecia, quae est Guropae, lib. 7, B, 6.
23. Uolumen V'T ßennania, quae est Guropae, lib. $, 1), 7.
24. Uolumeu 4"T Belgica Regia, quae est Guropae, lib. 9, 1), S.
25. Belgica foederata, quae est Guropae, lib. 10, B, $.
26. üolumen 5',!"" Jlnglia, quae est Guropae, Cib. 11, B, 9.
27. üolumen 6^1,"" Scotia, quae est Guropae, Cib. 12, B, 10.
2$. Bibernia, quae est Guropae, Cib. 13, B, 10.
29. üolumen 7'"',!'" Gallia, quae est Guropae, Cib. 14, B, 11.
30. Belvetia, quae est Guropae, Cib. 15, B, H.
31. üolumen S'f,'" Italia, quae est Guropae, Cib. 16, B, 12.
32. üolumen 9"""^ Bispania, quae est Guropae, Cib. 17, Bt 13.
33. Jlfrica, quae est 0eogr. blauianae, pars tertia, lib. unus, B, 13.
34. üolumen 10'"^!'" Jlsia, quae est 0eog. blau., p. 4^f , lib. unus, B, 14.
35. Sina, quae est 0eograpbiae blauianae, Cib. 2^,,"^ et additamentum
de regno Cabaye et bistoria de bello tartarico Cib., Cit. B et Dr. 14.
36. üolumen 11'"'!'" et ultimum Emerica, quae est ßeograpbiae blauianae,
pars 5^? et vltima Ciber vnus sub Citt. B et Dr. 15.
37. Hnderter Cbeill Diderlandt, sub lit. B et Hr. 16.
3S. Comus 2'*„"^ 5^rankreicb Grster tbeill, B, 17.
39. Bispanien Anderer Cbeill, B, 17.
40. Hsia dritter tbeill, B, 17.
41. Jimerica vierter tbeill, B, 17.
42. Comus 3'i,"^ Italien Grster Cbeil, B, IS.
43. Jlnderer Cb. ßriecbenlandt, B, IS.
'S) 32$ '&
44. Anhang Primi et 2^,! Comi, 1), 1$.
45. Conius 4"f Gntjelandt, 1), 19.
46. Coniiis 5*',!^ Schottland 1 Ch., ß, 20.
47. Jinderer theill Irrlandt, f), 20.
4$. Conius 6'!!^ Sina sanibl der l)i$tori vom Cartarischen Khrieg, Cit. 1), 21.
49. f)er$tannnu3 bayder Rayser Baaden vnd von Böllenstain in folio
u)ei(5 Gingebunden.
50. Undterschidliche abri() allerhandt (üasser--, rol5 vnd handt müllen
durch Octauium de Strada ä Rosberg ciuem Romanum in folio.
51. Jlllgemeine Schauplatz oder niarkth vndt Zusammenkhunfft aller
Professionen, Khünsten, geschafften, handien vnd handtwerkhen so in der
ganzen u)elt geübt vyerden durch Choman ßarzonum in folio, Hr. $S.
52. Heue Cronica türkischer nation von Cürkhen selbst beschriben in
folio vnd franzesischen bundt.
53. Gin vnGingebundenes bueh in folio Chesaurus Gxoticorum genandt
die Jlsiatische, Jlfricanische vnd Jimericanische nationes betr.
54. Der deutsche Carl oder so genaendter Guropischer geschieht Roman
auf das 16S9 Jahr in $\? vnd franzesischen bundt.
55. IDehr der drite theill des teutschen Carls auf das 1689 3ahr auch
in S? vnd franzesischen pundt.
56. Dritter theill von Pharamund oder die Geschichte von Frankreich
in $? vnd franzesischen pundt.
57. Jlusführlicher Gndtujurff aller Bayrischen Rörzogen bis auf das
1681 3ahr in %\ v^eif^en pundt.
5$. Khurzer Gndtwurff des Cebens der Khönige in Gngelandt bis auf
die ]ezige regirung in weiften pundt.
59. Ristoria von 5^alln vnd abnemben des Rhönigreichs 5^rankhreich
in u)ei(5en pundt.
60. Jlnderter theill des ottomanischen Baiozetts oder sogenandten
Guropaeischen Ceschichtsromans auf das 16$$ 3^br in $? vnd franzesischen
pundt.
61. ßemaine Darstellung aller der von vnd an der Donau gelegenen
Rhönigreiche, 5^ürstenthümer, Cänder vnd Stätte in $?, franzesischer pundt.
62. IDosella Rheniamica in %\ weilten pundt.
63. Rhurze vnd wahre Beschreibung der 5jährigen harten gefängnus
Dicolai Schmidt in $?, vnGingebunden.
mathematische Instrumente
Zwo grosse runde Cüeldt Rhugel.
'& 329 -§>
Pilder:
Des Rerrn Jobann Beikbardt Ualuasor 5^reyb. see. waxposiertes Contrafe.
niebr das Contrafe des Brn. Baron Ualuasor sei. Erster 5^rauen 0e--
mablin geborene 6raffenweegerin aucb nunmebr sei. wax posiert.
ein gro(5es Paquet vndterscbidlicber Kbupfersticb sambt €ineni buecb
bescbreibung der ßraff Cambergeriscben gütter (Ualvasors Copograpbia arcium
Eambergianarum).
ßolzwercb:
5^ünff gro(3e almarn* von bartem Bolz für die Bücber mit FHesingenen
Drabtfligeln oder Cbüren.
Zwen deto etwas kleiner.
ürkbundt dessen vnser fertigung Bescbeben zu Cüagensperg den
13. janner 1694.
Beinrieb Julius Jlpfalterer Jreib. m/p.
3obann Corenz Paradeiser Jobann JIndrää ßandin m/p.
Jreib. m/p. Raubtman als an Statt als an Statt des Berrn Baron
des Bm. Baron von Uüerneg Jlpfaltrers Grbettener Tnuenturs
erbetener Inventurs Commissarius. Commissarius.
m
Inliegend die briefl. Hlittbeilung dieser ünterscbriebenen an den Candes-- |f:
Verwalter aucb Candesverweser Grafen von ßallenberg, Sr. niaj. 1. ö. geb. /
Ratb aucb D. des Cöbl. Scbranengericbt daselbst:
„Jluf die von euer Rocbgrafl. exe. vnd dem Cöbl. Scbranengericbt
an Brn. l^einricb Julius 5^reyb. Cüernekb vnd an micb Bainricb Julius
Jlpfaltrer 5^reyb. vnter dato montags nacb St. Ceopoldi des necbst ab--
gerükbten 1693 Oabrs abgelassen üerordnung u. s. w. in Cüagensperg
Inventur aufzunebmen vnd ex parte ])rn. Georg JIndreen ßrafenwegers
als der Joban Beykbardt valuasoriscben erster ebe Kbinder geordneten
ßerbaben eingereicbtes memorial bab leb Jlpfaltrer ^reib. in abwesenbeit
wolgedacbtes [)rn. Baron v. WJernekb zu solieben ende den tag auf den
12 dits nionatbs january webrenden 1694 jabrs zu Cüagensperg nicbt
allein benannt sondern aucb gemelter gnedigen üerordnung sambt der
bestimbten Inventurs Cagsazung den Rrn. Baron von Cüernekb nacb Deu--
markbtl vnd die bindterlassene Jobann Cüeikbardt üaluasoriscbe 5rau
Cüittib nacb ßurkbfeldt vnuerzogen erindert.
* Kasten.
3
er
'S) 330 ^
Cüeillen aber offlwol gedacl)ter Rr. Baron v. Cüernekh an dem be--
stinibten Cag noch nicht ankboniben, ich aber auch dergestalten unpaf^lich
befunden, daf? mir nach Cüagensperg zu erscheinen unmöglich war, hin--
gegen sich aber der l)r. 6erhab daselbst in tempore wie auch ex parte
der brauen wittib l)r. Ueith Jacob Caufferer 5reyh. eingefunden, vnd zu
verhuettung mehrerer reisen vnd anwendung der vncosten anstatt offt
wolgedachten l)rn. Baron v. Cüernekh den l)rn. Johann Corenzen Paradeyser
5reyh. Ich aber an meiner Statt I)rn. Johann Jlndree ßandin zu obbesagten
ende erbitten" — legen nun die Inventurs Jlufnahme vor. Dieser Brief
unterschrieben von Jlpfaltrer, Paradeiser u. ßandin.
4
Inuentarium
über weillandt dej? Cüollgebornen l)errn l^errn Jobann Beykbardten Ualluaf^or
Jreyberrn zu ßallenegkb vnd Heudorff Ciner Cöbl. Candtscbafft dises l)ör--
zogtbumbs 0rain in Untern Uiertl gwestcn Raubtman seelligen Jllda zu
Caybacb befundenen von der Ban(5 Joseph ßraffenweegeriscben Uerlassen--
scbafft separierten vnd dem Rerrn Jobann Josephen von (Uallensperg
J. U. Dr. vnd Giner Cöbl. Candtscbafft in Crain geschvoorenen Schrannen
Jldvokaten alf^ voordenen Johann Beykhardt üalluasorischen ßerhaben zue-
gestelten üerla(5, so an heuth durch vns Gndts Unterschribene al(5 von
dem Cöbl. Schranengericht beuollmächtigte Inventurs vnd reuidierungs
Comniissarien beschriben voorden.
Brieffliche Urkhunden :
Hr. 1. Da(5 Johann Beykhardt üalluasorische Inventarium sub Dr. 1.
Hr. 2. Gin Zaeugbrieff oder Bevollmächtigung zu der Johann Beykhardt
üalluasorischen gerhabschafft sambt ettlichen darbey befindlichen Schriften,
sub Dr. 2.
Hr. 3. ein üerzeichnus der üalluasorischen Bibliotec sub Dr. 3.
Dr. 4. Gin action contra 5^rau Jlnna ülaximilla üalluasorin Jreyin
wegen liquidirung der heyrathlichen sprüch sub Hr. 4.
Hr. 5. Gin deto contra l)errn Johann Jlnthonio Sumrekher als Johann
Beykhardt üalluasorischen curatorn ad lites voegen liquidirung der bey den
üalluasorischen Üerlaf3 zu ersuchen habenden sprüch sub nr. 5.
Hr. 6. Gin detto contra 5^rau JInna rHaximilla üalluasorin 5reyin
wegen des geschenkhten Schmukh vnd Silbergeschmaidts sub Dr. 6.
Dr. 7. Gin Paquet vndterschidlicher Zeugbrieff die üalluasorische 6er--
habschafft betreffendt sub Hr. 7.
Hr. $. Gin action zwischen Rerrn I)an(5 Joseph ßraffenweeger al(5
üaluasorischen ßerhaben denen brauen Jlnna fllaximilla üalluasorin wittib
wegen durch gedachte 5^rau üalluasorin Cüittib 5^rau clagender 900 fl.
sub Hr. $.
'S) 332 'S)
IDannf^gewäbr vnd Kleider:
ein Partesan mit rotb vnd güldenen fransen.
Drey Cbeill eines Schwarz Samtenen alten Kokh.
Zwey alte vnd abgerissene Studenten Hlantel von blaben Cuecb.
Zvuey deto Kbleine scbwarze Sumer Hlantelen.
€in grien barasener Ciscb Cebicb.
Bausratb:
€in trugen von barteni Rolz.
Gin grosse Sands übr.
Kbupfer:
79 allerley Kbupfersticb.
39 vngestocbene Kupfer.
Gin Kbupferne Scbacbterle mit 2 Ualluasoriscben und einen der brauen
Ualluasorin Controfoe.
ein alte vnbesaite Barpfen.
Zwaen lange angainzte (Jüaxen Kerzen.
Zwen Kbiress (Kürasse) sambt denen Kbascbikbeten (Casquet).
ürkbundt dessen Unser aigne ünterscbrift vnd Pettscbaffls 5^ertigung
bescbecben zu Caybacb den 26 und 11 FHarty 1700.
Jintboni Ceopoldt Copini m/p Dr.
al(5 in sacben beuollmäcbtigter commissarius
(C. S.)
(C. S.)
(3 5^oliobogen.) Inventar Dr. 11, Candesgericbt Caibacb.
Georg Casper Sagar 1. ü. Dr.
alt5 beuollmäcbtigter Comissarius
Inliegend der Beriebt über die vorgenommene Inventur durcb die Com--
missäre an Jobann JInton 3osepb I)erzog zu Cruman u. 5^ürsten zu
€ggenberg R. K. HI w. geb. Ratb, Candesbauptmann in Crain u. dem
löbl. Scbranengericbt in 0rain zu praesentiren.
Durcbleucbtigster l)C)rzog bocbgebobrner Reicbsfürst vnd })err Rerr
landtsbauptmann in Crain gnädigster f)err [)err Jluff die an vn(5 von
Guer bocbfürstlicben Gnaden vnd dem Cöbl. Scbranengericbt vndter dato
'S 333 'S)
niontag nach St. Glisabetbä 1699* Jahrs abgelassene gnädigste üerord--
nung Crafft deren wür Grsuecbt worden Uns der mübewaltung zu vnter--
winden eines gelegsaniben, docb fürderlicben Cag zu endtscbliessen den
auf ableiben des Rerrn I)ant5 3<>sepben ßraffenweeger seel. vnter die
spör genonibenen Uerla(5 zu Caybacb es seyn in ligenden oder fabrenden
aucb briefflicben Urkbunden zu bescbreiben vnd darüber ein ordentlicbes
Inventarium auffzuricbten in allweg aber den in die 3obann Beykbardt
üalluasoriscbe gerbabscbafft gebörigen 3obann Beykbardt Ualluasoriscben
üerla(3 zu separiren vnd darüber ein besonderes Separations vnd revi--
dirungs Inventarium aufzuricbten vnd sambt Unserer Uerricbtungsrelation
bey dem löbl. Scbranengericbt vervoarrter einzubringen aufgetragen voorden.
Baben wür vn(5 des beutigen Cags Gntscblossen vnd bedeut ßanf^ Josepb
ßraffenvoegeriscben Uerlaf^ nicbt allein bescbriben sondern aucb den in
die 3<5b^^in Beykbardt Üalluasoriscbe gerbabscbafft gebörigen ]obann
Beykbardt Ualluasoriscben Uerlaf^ separirt vnd darüber biebey verwarttes
Separations vnd revidirungs Inventarium nicbt allein auffgericbt sondern
aucb bedeut revidirten ]obann Beykbardt Ualluasoriscben Uerlaf^ revidirter--
massen dem Rerrn Dr. Jobann O^s^pb CUallicb als jetzigen 3^^^^^"
Beykbardt Ualluasoriscben gerbaben vermög eines vn(5 vorgewisenen
zvoiscben ibnen Berrn dan Berrn ITlicbael Sigmund von Bremberfeldt als
3obann O^^sepb ßraffenwegeriscben gerbaben vnter dato lHontag nach
bl. €lisabetb 1699 Grsamen Scbranengericbtlicben Zeugbrieffs vollständig
extradirt, souill baben wür Guer Bocbfürstl. Gnaden biemit relationiren
vnd vnt3 gebor. Gmpfelen wollen verbleibent sub dato Caybacb den 26 vnd
27 niarty 1700 Euer Bocbfürstl. Gnaden geborsamste Jlntboni Ceopold
Copini Dr. m/p. als in sacben bevollmäcbtigter Comissarius Georg Gasper
Sagar 1. U. Dr. als Gomissarius.
* eiisabetb 19. Sonntag, also IHontag nad) St. eiisabetb, 20,
i
nachfrag.
Q o Q
i
Cüenige nionate vor des Jobann Cüeikbard 5^reibcrrn von Ualvasor
Code (am 19. September 1693) ward ibm von seiner ßemablin zvoeiter
Gbe, 5rau Jlnna ITlaximilla, geb. Jreiin von Zetscbkber, ein Sobn geboren,
welcber am 15. Jlpril 1693 auf den Hamen 5^ranz Engelbert getauft wurde.
Taufpaten waren 3<>bäi^n Georg von CUernegkb und Dlaria Barbara 5^reiin
von Zetscbkber, geb. von Syzenbeimb (von Scbivizbofen: Der Edel in den
niatriken des Herzogtums Krain, p. 303).
In der Bibliotbek der Royal Society in Condon befindet sieb, wie nacb--
träglicb mitgeteilt wurde, ein €xemplar der von Jobann Cüeikbard 5^reiberrn
von Ualvasor berausgegebenen Kupfersticbsammlung: „Copograpbia arcium
Cambergianarum" nacb Jlrt der von ibm zusammengestellten „Copograpbia
0arintbiae Salisburgensis" (p. 172 ff.) aus den in seiner Gbre des ßerzog--
tums Krain entbaltenen Jlbbildungen der Cambergscben Scblösser.
Im IDanuskripte blieben aus üalvasors Studien nacbstebende arbeiten :
Die Satyren des Ovid in 12^ Cumen naturae 6 Bände: 1. de Uitro,
2. de Pasta, 3. de Colore, 4. de Sympatbia et Jlntipatbia, 5. de Juco und
6. de IDedicina; 5^1os, Pbysico-rnatbematicus 3 Bände 5^olio. !Francisci
scbreibt über dieses letztgenannte lüerk, da(5 es „annocb unter der Jeder,
in deutscber Spracbe gedruckt und mit vielen Kupfern geziert werden soll,
er wünscbt dem Uerfasser eine eiserne ßesundbeit, wie er einen eisernen
mut und eine bocbpreislicbe Geduld besitze". Ricbter fübrt obne näbere
Jlngabe obige zwei Cüerke als gedruckte an, docb es gelang bisber nicbt,
diese Angabe zu bekräftigen.
*
Zur Uergleicbung mit Üalvasors Jlusfübrungen über den Zirknitzer See,
die er an die Royal Society in Condon gesendet — Jlnbang p. 272 ff. — ,
dienen einerseits, worauf scbon in diesem Jlnbang bingewiesen wurde,
die den Cext über diese „Rarität" Krains in der „Gbre des Herzogtums
V. Radics, Ualvasor. 22
© 33$ '^
Kraiii" begleitenden Jlbbildungen sowie anderseits die mehrfachen Bezüge
auf üalvasor, wie sie in des bekannten Röblenforscbers [)errn k. k. 5orst--
rates und Inspektors für agrarische Operationen CUilhelni Putick über die
[)öhlenwelt des Karstes, die Entwässerung der Cäler usw. enthalten sind.
Da(5 unser Freiherr, als er sich mit dem ,Jeingusse" beschäftigte, nach
der von ihm modellierten lllarienstatue auf dem Jakobsplatze in Caibach
auch ein grofKs lllonument aus Grz schaffen wollte, bezeugt sein Brief
an die Royal Society in Condon, in welchem er es ausdrücklich sagt, er
habe die noch nicht aufgegebene Jlbsicht gehabt, eine Statue Kaiser
Ceopold I. überlebensgro(5 und zu Pferde sitzend aus einem Gusse zu
schaffen und er sei diesbezüglich der Kosten wegen bereits mit der
krainischen Candschaft in Unterhandlung gewesen, nur die dräuende Gefahr
von dem Cürken habe die Jlusführung des UUerkes verhindert. Die hierauf
bezügliche Stelle des Briefes nach Condon (siehe Anhang, p. 270) lautet:
Si Dens mihi prolongabit uitam et si meliora tempora ratione nostri vicini
scilicet turce, erunt, tunc fundam ex metallo una fusione Imperatorem
nostrum Ceopoldum I sedentem supra equum multo vitae majorem, de
hac re iam fui cum provincia ratione impensorum in tractatu et si istae
molestiae turcicae non uenissent, iam fuisset opus factum. Auf die „Uer--
handlung Ualvasors mit den krainischen Ständen" betreffs Schaffung eines
von der Candschaft beschlossenen „monumentes und ßedächtnissäule" an
die von Kaiser Ceopold I. 1660 in Caibach entgegengenommene „Grb--
huldigung" des Candes Krain, bezieht sich die Stelle in der „Ghre des
Herzogtums Krain", III. (X.), p. 371, da(5 dieser Beschlu(5 der Candschaft,
ein Denkmal für Kaiser Ceopold I. in Caibach zu errichten, „nach der Zeit
getreulich in das Cüerk gesetzt worden sei"; dennoch vereitelten die
späteren Kriegsereignisse das tatsächliche Zustandekommen eines solchen
Cüerkes. ^
(üie aus der Genealogie des näheren ersichtlich, traten die schon
zeitlich in die Candmannschaft aufgenommenen Ualvasore in Krain gar
bald in Uerbindung mit den ersten und ältesten Familien des Candes
durch gegenseitige Gheschliefnuigen mit Ungehörigen der Geschlechter:
Jlpfaltrern, Jluersperg, Gall, Graffenweg, Gussitsch, Rohenwarth, Camberg,
Cichtenberg (Ireiherrn und Grafen), IDoscon, Paradeiser, Rasp, [Uerneck,
Zetschker u. a. m. sowie auch mit einer Reihe alter 5^amilien auf^erhalb
des Candes Krain, z. B. den Gabelkovern, Gaisruck, Dienersberg u. a.
'S) 339 ®
meine in die l)underte und hunderte zahlenden noch bandscbriftlicben
Auszüge aus den beimatlicben und auswärtigen Jlrcbiven und Bibliotbeken
über die 5^aniilie üalvasor in Krain ini allgemeinen, die, einmal zusammen--
faf^t, ein gar stattliches Bucb nicht nur über dieses im Cande mehrfach
begüterte und verzweigte Jldelsbaus, sondern zugleich auch einen wichtigen
Beitrag zur politischen und Kulturgeschichte unserer Reimat liefern könnte,
bieten schon im flüchtigsten Überblicke eine Reihe hervorragender und
charakteristischer Persönlichkeiten, deren die meisten auch für sich schon
zu eigener Darstellung geeignet erscheinen würden. Um nur einige wenige
hier anzuführen, nenne ich in erster Reihe die beiden „Uerordneten"
(Candesausschuf^mitglieder) Johann Karl (f 1697), Bruder unseres Johann
lüeikhard, und Johann Karl (f 1741), zugleich Candrechtsbeisitzer, vom
Grblandmarscball als sein Stellvertreter im üorsitz bei den Candtagen
ernannt, Johann Berward, Candrechtsbeisitzer und 1679 Ceiter des Pestkordons
am Crojanaberg, und weiters Jinton, in mehreren öffentlichen Stellungen im
Eande tätig. Cetztgenannter hatte, wie eine Jlufzeichnung des 5^reiherrn von
Raigersfeld im landschaftlichen Hluseum Rudolfinum besagt, als Konviktist
im CoUegium 0arolo Hobilium in Caibach das ünglüd gehabt, das linke
Jluge zu verlieren, worauf er später ein gläsernes Jluge bekam; meine
mitteilung von dieser Jlufzeichnung einer frühzeitigen Ginführung eines
gläsernen Jluges hierlands veranlaf^te, nebenbei bemerkt, Rerrn Primarius
Sanitätsrat Dr. Gmil Bock hier zu der hochinteressanten Studie: Zur Ge--
schichte des künstlichen Jluges (Jlllg. medizinische Zeitung 1S97, Separat--
abdruck).
CUaren die vorgenannten Freiherren von Ualvasor auf politischem und
kulturellem Gebiete im Eande hervorragend tätig gewesen, so widmete
sich eine Reihe von männlichen und weiblichen niitgliedern dem Dienste
der Kirche und der Cüissenschaft. Unter diesen namentlich der Jesuit
(üolfgang, welcher in der zweiten l)älfte des IS. Jahrhunderts wiederholt
die Cüürde eines Rektors der ßrazer Universität bekleidete, während vor--
und nachher auf mehreren Pfarreien in Krain: so Josef zu Cöplitz, niax
Jinton zu Cemsenik, Robert zu Cadez und Cüolfgang Bartholomäus zu
Sachsenfeld in Untersteiermark als Pfarrer wirkten, während andere ITlit--
glieder der 5^amilie als Ordenspriester erscheinen, so Johann lüeikhards Söhne
Johann CUeikhard als F. Jllexius und Johann Cudwig als F. Donatus, beide
Ordinis S. Francisci, weiters F. 5^elix als Hlönch im Zisterzienserstifte Hlaria
Brunn in Candstra(5 und späterhin Franz Josef als Kapitular des Stiftes
Sekkau in der oberen Steiermark — heute Kloster, der fördersamen Gr-
wecker kirchlicher Kunst, der Beuroner Benediktiner — , welcher sein Ceben
22*
'S 340 'S)
1795 im hoben Jllter von 95 3abren in Caibacb (im beute Ritter von
Cascbanscben Rause, Scblossergasse Dr. 4) beschlossen bat. Uon weiblichen
initgliedern des Rauses nahmen in Klöstern im Cande Krain sowie in
6örz den Schleier die Damen: Gleonore als lllaria Karolina 3osefa vom
hl. Caroli im hiesigen Kloster der CUCUGG. Ursulinen (1713) und Sidonia
Regina als M. Egnes Constantia im Kloster der CUCUGG. Ursulinen in
0örz (1697), dem später aufgehobenen krainischen Klarisserinnen-Kloster
in niünkendorf gehörte Elisabeth 5reiin von üalvasor als Hlitglied an und
in das gleiche Kloster zu Biscboflack war eine Cochter des 5ranz JIdam und
seiner ersten Gemahlin, einer gebornen 5reiin von Jlpfaltrern, aufgenommen
worden.
Genealogie der Familie Pabasor
in Krain«
Q o o
Genealogie der Berren und Freiherren uon üaluasor
in Krain^*
Rieronymus Ualvasor von ßalleneck, Candstand in Krain 160$ 12. Jipril ;
gest. 1612. ^ . ,.
Agnes, Cocbter des Georg von Scbeyer und der Sophie Jlyzlin.
Kinder.
I. Bartholomäus (ältere Cinie), Uerordneter und ßeneraleinnehmer der
Candschaft; geb. 1596 zu ßalleneck, gest. 1651.
erste ßeinahlin.
niaria Elisabeth, Cocbter des Alexander 5^reiberrn von Dornberg
und der Salomea geb. 5^reiin von Ggkb.
Zweite Gemahlin.
JInna IDaria, Cocbter des Georg 5reiberrn Rauber und der
Dorothea £eyser; vermählt 163$ 20. April, gest. 1657.
A. Gottfried, ^'^^^^ '''^'' ^^'^
B. Johann Karl (älterer Ast), Uerordneter 1665, 5^reiherr 1667
17. Dovember; gest. 1697 3. Jänner.
erste Gemahlin.
Anna Christina geb. Gräfin Schrattenbacb; gest. 1649 16. Jänner
zu Caibacb.
* QueUcn: „Stanimrcibc der Ualvasoriscben lamilie" in des Renn Jobann ÜJeikbard
5^reiberrn von llalvasors „Gbre des Herzogtums Krain", III. (IX.), p. 109. -- Beiträge zur
Genealogie des i<raini$cben Adels von Dr. Jobann Baptist lüitting im 3<ibrbud) der
k. k. Reraldiscben ßeseilscbaft „fldler" in (iJien, Deue Jolge, IV. Band, p. 142 ff. (fufiend
bauptsäcbiicb auf den im IDuseum Rudolfinum in Caibacb bandscbriftlicb vorfindlicben
Genealogien von Scbönleben, Cukantscbitscb und Raigersfeld). — Scbiviz von Scbiviz-
bofen: „Der Hdel in den matriken Krains". — Scblief^Iicb des Uerfassers eigene Jluf-
zeicbnungen aus flrcbiven in Krain und Steiermark.
'S 344 -2)
Zweite ßemablin.
Bnna Rosina, Cocbter des Jindreas Daniel Grafen Barbo--
CUaxenstein und der Katbarina 6all von Rudolfseck; verniäblt
1650 11. 5^ebruar zu Caibacb.
(Grste ebe kinderlos.)
Kinder zweiter Gbe.
1. Daniel.
2. jobanna Cberesia; get. 1653 7. Jänner zu Caibacb.
3. Jlnna IDaria; geb. 1656 15. 3uli zu Caibacb, verniäblt 1677
mit 5^ranz von l)obenwarlb (gest. 1696).
4. Georg rHaxiniilian; get. 165$ 21, 5^ebruar zu Caibacb (dessen
Cestament 1717 15. Oktober).
5. IDaria 5^ranziska.
6. 3obann Karl, Uerordneter, Candrecbtsbeisitzer; get. 1664
13. Jänner zu Caibacb, gest. 1771 2. Jlpril.
ßemablin.
JInna Glisabetb Gräfin Jluersperg, Cocbter des Cüolf Gngelbert
Grafen Jluersperg und der Jlnna Katbarina €lisabetb Gräfin
von Crillegk; geb. 1672 30. Juli, verniäblt 1690 30. Doveniber,
gest. 1728.
Kinder.
a) lüolfgang Karl Oosef; get. 1691 I.Oktober.
b) Jlnna Katbarina; get. 1693 4. IDärz, verniäblt zum erstenmal
mit Cüolfgang Daniel Grafen Cicbtenberg (gest. 1723), zum
zweitenmal 1734 mit üeit josef Jakob 5^reiberrn von Deubaus.
c) maria Glisabetb; get. 1694 2. niai, gest. 1766 10. märz,
ledig.
d) CUolfgang Josef; get. 1695 IS. mai.
e) Kajetana ^elicitas; get. 1696 23. Juni.
f) IDaria Eleonore; get. 1697 30. Dezember.
g) Georg 5elix; get. 1699 15. Februar,
h) IDaria Jlnna; get. 1700 S. September.
i) Josef Ignaz Jlnton; get. 1702 17. Jlpril.
k) Jranz Josef; get. 1705 12. 5^ebruar.
1) Josef Xaver Kajetan Jlndreas; get. 1707 29. Dovember.
'S 345 'S
ra) Karl 3o$ef; get. 1710 21. 3uli.
erste ßemablin.
3osefa Gräfin Camberg; vennäblt 1737 4. Hovember,
gest. 1742 21. mai.
Zweite ßemablin.
maria Jlntonia, Cocbter des 3obann Pbilipp Jlnton Grafen
von und zu ßabelkboven und der Hlaria Hntonia Rosamunde
Gräfin Simicb von Sinnicb; gest. 1753 6. Dezember.
Kinder erster Gbe.
aa) niaria JInna3osefaJ!ntoniaCeopoldina; get.l73916.Jlpril.
bb) IDaria Hotbburga Franziska Josefa; geb. u. get. 1741
11. Jänner, gest. 1743 20. flpril.
cc) Karl Hlaria Josef Ceopold; geb. u. get. 1742 $. Hlai.
Kinder zweiter Gbe.
dd) Karl ; gest. 1746 11. märz.
ee) Ceopoldine; gest. 1747 23. 3änner.
ff) rnaria Pbilippine Rosina Kajetana Josefa Franziska
Salesia; geb. u. get. 174$ 29. Jänner,
gg) rnaria Entonia lHaximiliana J^sefa Hlatbilde, Stern--
kreuzordensdame; geb. u. get. 1749 15. Hlärz zu Caibacb,
vermäblt 1766 mit Jobann O^kob Grafen von Gaisruck
(gest. 1801 zu Cemberg).
hh) Karl josef Eeopold üinzenz flgydius; geb. u. get. 1750
1. September,
ii) maria Enna Jobanna Hepomuk Franziska Kajetana;
geb. u. get. 1752 5. September, gest. 1753 12. September.
n) rnaria Jlloisia 5^e]icitas; get. 1713 20. Juni.
7. Ololf Engelbert.
8. €va maximiliana; get. 1668 3. Oktober.
C. Dorotbea.
D. 5^ranz Jldam ; gest. 1663 im ITlärz zu Gilli.
E. eiisabetb, Donne im Klarisserinnen-Kloster zu niünkendorf.
F. l)ieronymus.
G. maria Clara.
'S) 346 ^
Kinder zweiter €be.
H. Jobann Dietrich (ansgevoandert).
I. Sigismund.
K. Regina.
L. maria.*
M. Sidonia.
N. Jobann.
0. Cüolfgang Kajetan, 1652 Konviktist zu Hlaria Rast.
P. Jobann.
Q. !5ranz.
^* ! Totgeborene Zwillinge.
T. Olobann lücikbara (mittlerer Jlst), get. 1641 2$. mai zu Caibacb,
gest. 1693 19. September zu ßurkfeld.
Grste ßemablin.
Hnna Rosina, Cocbter des Baltbasar 6raffenweger von ßrafenau
und der Jlnna IDaria von Scbarffenegk; geb. 165$ 11. Oktober,
vermäblt 1672 10. Juli, gest. 16$7 25. Jlpril.
Zweite ßemablin.
Jlnna Hlaximiliana, Cocbter des 5^ranz Crasmus 5^reiberrn von
Zetscbker und der Hlaria Sidonia Gräfin von Cattenbacb (wieder--
vermäblt mit Jobann Georg 5^reiberrn von Cüernegk); vermäblt
1687 20. Juli.
Kinder erster Gbe.
1. TDaria Sidonia; geb. 1674 16. Jlpril, gest. 1676 17. Juli.
2. niaximiliana 0ordula; geb. 1675 10. Jlpril, gest. 1677 13. Juni.
3. J!nna Cberesia; geb. 1677 15. Februar, gest. 1681 21. Hovember.
4. Jobanna; geb. 1678 11. Juni, vermäblt 1705 9. Dovember mit
5^ranz Cudwig von Scarlicbi.
5. Cüolfgang Cüeicbard (unter dem Hamen F. jllois, Franziskaner
der strengen Observanz, Dovitius 1698 29. Juli); geb. 1679
25. September.
6. Jobann Gottlieb; geb. 1681 16. Juli, gest. 1687 4. Hlärz.
* Im Inventar nad) dem Code Jobann Rerbards 1681 erscheint ein Uerzicbtbrief
lUolf Bartlnie Ualvasors pro empfangene schwesterliche Hnna Katharina Ualvasorische
erbschaft, wahrscheinlich darunter IDaria (flnna Katharina) gemeint.
-2) 347 -2)
7. Jobann Cudwig (unter dem Hamen P. Donatus, gleichfalls
Ordinis $t. ^rancisci); 9eb.l6$3 10. Epril, gest. 1752 29.Jlpril.
8. jobann UJolf Gngelbert (unter dem Damen F. Stepban, IDöncb
im Zisterzienserstifte ITlaria Brunn zu CandstrafO; geb. 16$4
25. 3uli.
9. 5ranz josef ; geb. 16$6 13. ]uni, gest. 16$7 14. Illärz.
Kinder zweiter Gbe.
10. Katbarina 5^ranziska; geb. 16S$ 2$. Hpril, vermäblt 1704
2. Februar zu Rastenberg mit Jldam Seifried Jreiberrn von
juritscb zum Strugg und Jlltgutenberg (geb. 16$3 26. De--
zember, gest. 1741 3. September).
11. 5^ranz Engelbert; geb. 1693 15. Jlpril zu ßurkfeld.
U. Kosalia 0onstantia; vermäblt 1670 2. Dovember mit Laurenz
5(ü)aganelh\ Scbreiber bei Karl 5reiberrn von Cüüzenstein, ßemabl
der Polyxena von Ualvasor.
V. 3öbann Rerbard (jüngerer Jfst in Deudorf); gest. 16S1 26. Jlpril
zu ßalleneck (Inventarium 16$1 12. Jlugust zu 6alleneck).
erste 0emablin.
ITlaria Hlagdalena, Cocbter des Sebastian von Kezenbam und
der 0äcilia von Krazenbacb.
Zweite ßemablin.
niaria Salomea, Cocbter des 3obann Baptist 5^reiberrn von
rnoscon und der ITlaria Sidonia 5^reiin von Rasp.
Kinder erster Che.
1. Jlnna ITlaria.
2. Georg niaximilian; gest. 1717 20. Oktober.
6emablin.
maria 5^ranziska, Cocbter des 5^ranz JIdam von Seetbal
und der Hlaria Regina 5^reiin ITlordaxt von Portendorf.
Kinder.
a) niaximilian Daniel; get. 1696 13. Dezember.
b) Ceopoldine 5^elicitas; get. 169$ 16. Jänner.
c) maria Anna lllaximiliana; get. 1701 3. ITlai, vermäblt
1736 9. 3i'li "lit Siegfried Karl ^reiberrn von 0all.
^ 34$ <2)
Kinder zweiter €be.
3. maria.
4. 3ob$t.
5. 5ranz josef; get. 1677 5. Dezember, gest. 1721 (Cestanient
3. märz).
6. IDaria Eleonore; get. 1679 4. 3änner.
7. 5ranz Grasnius; 16$0 24. Jänner.
8. 5ranz €rasinus; geb. 1681 16. Jlpril, gestorben am Cage der
6ebnrt.
W. Cüolfgang Bartbolomäus, Konviktist in Hlaria Rast 1655, Uikar
zu St. üeit bei montpreis 167$ bis 1680, Uikar in Pra(5berg 1680
und 1681, Pfarrer in Sacbsenfeld 1683, Benefiziat des Rauberscben
Barbara --Jlltars in der Caibacber Domkircbe 1686, Inbaber des
von seinem üater in 6alleneck gestifteten Benefiziates 1689;
get. 1646 30. September.
X. jobannes 3^erdinand; get. 1649 20. Februar.
Y. maria Isabella.
IL Jldam ; gest. 1624 29. September zu Caibacb (Inventar 1625 8. Februar).
ßemablin.
Sidonie Gussitscb, Cocbter des Sigismund ßussitscb; Beirats--
abrede 1611 9. mai.
Kinder.
A. 3obann Baptist, 5^reiberr seit 1667; geb. 1618, gest. 1650 10. Juni.
Gemablin.
Sidonia Regina, Cocbter des Jlndreas Daniel Grafen Barbo
und der Katbarina von 0all.
Kinder.
1. niaria Katbarina.
2. Jinna Glisabetb; vermäblt 1668 5. Jlugust mit Jobann Berbard
Posarell.
3. Jidam Siegfried, Candrecbtsbeisitzer; geb. 1649 18. Jlpril,
gest. 1699 12. Oktober.
0eniablin.
maria Jlnna, Cocbter des ]obann Baptist Jreiberrn von
nioscon und der maria Sidonia von Rasp.
'S) 340 ®
Kinder.
a) Sidonia Regina (als M. Agnes 0onstantia im Ursulinen--
kloster in 0örz, eingekleidet 1697); gest. 1717 2$. Oktober.
b) rnaria (Anna Susanna), Gemahlin des Georg Jldam Gall
von Gallenstein; Beiratsabrede 1691 22. 3uli — nachdem
das Jlufgebot von 1691 13. Jänner mit einem Rerrn von
Ramschissel rüd<gängig gemacht worden war „copulatio
in suspenso" (Hlatrikel der Pfarre WJatsch); gest. 1713
25. 3uli.
c) Anna Rosina 3osefa; vermählt 1705 2. 5^ebruar mit $igis=
mund Oosef Posthumus Cukantschitsch von l)ertenfels.*
d) markus Jlnton, Pfarrer; gest. 1709 31. 3uli.
e) 5ranz Jidam.
Gemahlin.
Regina Franziska, Cochter des Georg Sigismund 5rei--
herrn von Jlpfaltrern zu IHötnig und der Regina Sidonia
Samtpaur von Samburg; vermählt 169S 25. Dovember zu
Caibach.
Kinder.
aa) Jlnton Siegfried; geb. 1719, gest. 1761 11. niärz.
Gemahlin.
rnaria Rosalia Gräfin von Rasp; vermählt 1760
5. Jlugust.
Kind.
niaria JRnna josefa 5^ranziska Ursula; geb. u.
get. 1761 1$. 5^ebruar.
bb) Georg Siegfried, landschaftlicher Brückenmautbeamter in
Cernuce;** geb. 1700 22. Jlpril, gest. 1759 15. märz.***
* Ihrer ehe entsprossen zwei Söhne (Karl 3osef geb. 1706 19. niärz, und Siegfried
JInton geb. 1707 27. niärz) und eine Cocbter (Hlaria Unna Susanna geb. 170$ 10. Jfugust).
** Diesen zur Zeit des, bis zur Gröffnung der Südbabnstrecke, überaus regen Uerkebrs
der Reicbsstrabe bin und wieder so wichtigen niautnerposten versahen unmittelbar nach
ihm 3osef 3^reiherr von üimburg und dann Karl Bernhard 5^reiherr von Rauber, beide
mit dem Citel Inspektor. Die Amtswohnung der Brückenmautbeamten befand sich in
dem heutigen sogenannten Cavcarhof.
*** Sein, ihm von der Cüitwe gewidmeter, an der Kircl)e zu jezica befindlicher
Grabstein, welcher seinerzeit über Anregung des Rerrn k. k. Candesschulinspektors Jranz
Cevec behufs besserer Bewahrung an die gegenwärtige Stelle gelangte, besagt das von
Georg Siegfried erreichte Alter mit 5$ Jahren, 10 IDonaten und 23 Cagen.
'S) 350 <&
Grste Geniablin.
niaria Susanna (Cüitwe nach Kreszenz Caurenz
Poikner); verniäblt 173$ 29. lHai.
Zweite ßemablin.
Franziska 3osefa von CUirtb aus lUien (Cüitwe);
vermäblt 1755 25. Jlugust.
f) loannes Ualerius, l ^ .,,. , ,,^^,^ v^^ - ^ „
;,,,,, ,, , ' }Zwillinge;get.l68310.niaizu Galleneck.
g) Cüolfgang Karl, i ^ ^
h) 3^ranziska Kordula; get. 16$9 10. Itlai.
B. Georg Sigmund. ^
^ ^ Gemablin.
Gine Bauernstocbter, wegen welcber Uennäblung er auS'
wanderte. „. ,
Kinder.
1. jobann 5^erdinand; geb. 167$.
2. Sigisniund; 1690.
3. Grnst Sigismund; 169$.
4. Barbara; gest. 1650.
C. 3obann Siegfried.
D. Polyxena; vermäblt zum erstenmal mit 5^ranz Gbristopb 5^reiberrn
von Cicbtenberg 1643 5. Juli, zum zweitenmal mit Karl Jreiberrn
von CUüzenstein; gest. 1687 2. ]änner zu Caibacb.
III. Cukretia; vermäblt mit tllattbias Posarell (gest. 1627); l)eirat$--
abrede 1603 17. märz.
IV. Sopbie; vermäblt mit Jobann JIdam von Jlpfaltrern; seit 1622
(jüitwe, kauft 1624 das Scblof^ Obermöttnik.
Uorstebende Genealogie der Ferren und 5^reiberren von üalvasor konnte
nur den Zweck baben, die Uerzweigung dieser 5^amilie in Krain im Caufe
dreier jabrbunderte aufzuzeigen, nacbdem aus mebr denn einem Grunde
absolute Uollständigkeit zu erzielen gänzlicb ausgescblossen erscbien, sagt
docb die freundlicbe mitteilung des in betreff der Genealogie inneröster--
reicbiscber IJamilien in erster Cinie kompetenten 5^acbmannes des Rerrn
Cudwig von Scbivizbofen: „Die Jlnzabl derer, in denen üalvasoriscbes Blut,
nicbt nur jenes des üerfassers der ,ebre des l)erzogtums Krain' flief^t, ist
Eegion!"
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Gmcrcntiana Vavasor de 6allcnch nata de Kbisel
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Hgncs Vavasor de GaUcneh nata de Sbayer
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Bartbolomacus de Valvasor
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Hnna Cßaria Valvasor de Gallcnch nata £. B. Ravbcr
Zu Seite 58
Valvasors 6ßburtshaus in Caibacb
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Junge Cavaliere des XVII. Jahrhunderts
auf Reisen
Zu Seiten 82 und 83
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flßßssung mit dem Hstrolabium
Zu Seite 141
Die von Valvasor modellierte ffiarienstatue
auf dem St. jfahobsplatje in Caibacb
Zu Seite 158
??t|r @rtctrfen a?»ö| tn^tj^t, in weCle^i^er da^ |?r^|it ^
ödidmungsblatt ^u Valvasors Bildcrausgabc: Ovids ffietamorphosen
Zu Seite 160
VN CS. i ^i c^ Narnlliis iii floreiii.
i>Uinjprf)mejel6(t (^e|a(Ü U'nb w\^ mcme ^|(wm vajtav»,. ^
Hus der Bildcrausgabc: Ovids ffietamorpboscn von Valvasor
Zu Seite 162
^^Atdidfrta, d Hippoaie»ef owfa caUsäUs
\ Jy \ppmeu imf. m ben Ärei|, J>vm Coj^ er
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Hus der Bilderausgabe: Ovids fißetamorpbosen von Valvasor
Zu Seite 172
Citelblatt ^ur Copograpbia Carintbiae-Salisburgensis von Valvasor
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Zu Seite 198
Hltarblatt im Schlosse freibof in dntcrhrain,
wo Valvasor mit seiner ^weiten Gemahlin getraut wurde
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Zu Seite 246
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Valvasors Y)äus in Gurhfcld — sein Sterbebaus
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Zu Hnbang: Bcsd^rcibung des feingusscs
Zu Valvasors Gründung des fcingusscs
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DR 1350 .J84 R3 1910 IMS
Radics, Peter von,
Johann Weikhard Freiherr von
Valvasor (geb. 1641, gest. 1
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3F MEÖfAEVAU STUDtftfc
Sil OUEEH^ PAUK